Jeschajahu 4 ישעיהו

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Haftarot in diesem Kapitel: Kedoschim
1
וְהֶחֱזִ֩יקוּ֩ שֶׁ֨בַע נָשִׁ֜ים בְּאִ֣ישׁ אֶחָ֗ד בַּיּ֤וֹם הַהוּא֙ לֵאמֹ֔ר לַחְמֵ֣נוּ נֹאכֵ֔ל וְשִׂמְלָתֵ֖נוּ נִלְבָּ֑שׁ רַ֗ק יִקָּרֵ֤א שִׁמְךָ֙ עָלֵ֔ינוּ אֱסֹ֖ף חֶרְפָּתֵֽנוּ׃ {ס}
BernfeldAn jenem Tage werden sieben Frauen einen Mann anfassen und sprechen: Unser eigenes Brot wollen wir essen und unser Kleid tragen, [du brauchst für uns nicht zu sorgen], nur laß uns dein heißen: nimm hinweg unsere Schmach.
ZunzUnd an jenem Tage fassen sieben Weiber Einen Mann an, und sprechen: Unser Brod wollen wir essen, und unser Kleid tragen; nur laß nach deinem Namen uns heißen, nimm hinweg unsere Schmach.
J. J. Hirsches müssen sieben Frauen sich an einen Mann anklammern an jenem Tage und sprechen: „Unser eigen Brot wollen wir essen und in unser eigen Gewand uns kleiden, nur werde dein Name über uns genannt, lasse uns nicht der Schande verfallen“ —:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 4. V. 1. Es müssen erst die vergötterten Töchter Zions die ganze Nichtigkeit ihres bisherigen Daseins eingesehen und ihre eigene Hilflosigkeit erkannt haben. Sie dürfen in dem Gatten nicht bloß den Versorger suchen, der ihnen die Mittel zu einem üppig genießenden, mit Prunk verbrämten Leben liefert — vielmehr müssen sie in ihm den schauen, mit dem vereint sie in sittlicher Lauterkeit ein vor Schuld und Schmach bewahrtes Pflichtleben führen wollen.

2
בַּיּ֣וֹם הַה֗וּא יִֽהְיֶה֙ צֶ֣מַח יְהֹוָ֔ה לִצְבִ֖י וּלְכָב֑וֹד וּפְרִ֤י הָאָ֙רֶץ֙ לְגָא֣וֹן וּלְתִפְאֶ֔רֶת לִפְלֵיטַ֖ת יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldAn jenem Tage wird der Sprößling des Herrn sein zur Anmut und zur Ehre, und die Frucht des Landes zum Stolze und zur Pracht für den Rest Israels.
ZunzAn jenem Tage wird der Sprößling des Ewigen seyn zur Anmuth, und zur Ehre, und die Frucht des Landes zum Stolze und zur Pracht für die Geretteten Jisraél's.
J. J. Hirscherst an jenem Tage wird die von Gott gezeitigte Blüte das Schöne und Herrliche werden, dann auch die Frucht des Bodens zur Hoheit und Würde den Geretteten Israels gereichen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. Erst dann wird die Pflanzung, welcher Gottes Waltung die sorgfältigste Pflege angedeihen läßt in der Geschichte der Menschheit, die Pflanzung des Reinen, Wahren, Guten, im jüdischen Volke zur Blüte gelangen und als das Schöne und Herrliche verehrt werden.

Dann aber auch wird der Bodenreichtum — bis dahin so häufig die Quelle der Sittenverderbnis und des Abfalls — die Stufe bilden, welche die „Geretteten Israels“ zur wahren Höhe und Würde ihrer Bestimmung hinanführt.

Haftarah Kedoschim Romanioten und Karäer beginnen hier.Romanioten: abweichend: Jeschajahu 3,4 – 5,17
3
וְהָיָ֣ה ׀ הַנִּשְׁאָ֣ר בְּצִיּ֗וֹן וְהַנּוֹתָר֙ בִּיר֣וּשָׁלַ֔͏ִם קָד֖וֹשׁ יֵאָ֣מֶר ל֑וֹ כׇּל־הַכָּת֥וּב לַחַיִּ֖ים בִּירוּשָׁלָֽ͏ִם׃
BernfeldWer überbleiben wird in Zijon und zurückgelassen in Jerusalem, wird heilig genannt werden, jeder, der zum Leben aufgezeichnet ist in Jerusalem.
ZunzUnd das Ueberbleibsel in Zijon, und das Zurückgelassene in Jeruschalajim — heilig wird er genannt, jeglicher, der zum Leben aufgezeichnet ist in Jeruschalajim.
J. J. HirschDann wird, was unentartet übrig geblieben ist in Zion und unversehrt in Jerusalem, das Heilige genannt werden — alles zum Leben Aufgeschriebene in Jerusalem sein!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. והיה וגו'. Damit wird die Zeit angebahnt sein, in welcher es sich zeigt, daß, wenn auch in Trümmern liegend, Jerusalem und Zion ihre Bedeutung für Israels Hoffnung nicht eingebüßt haben. Nur der in Zion von jeher gelehrte Geist der „Heiligung“, das ist ja der rückhaltlosen Hingebung an das sittliche Ideal, wird dies Israel „unversehrt“ erhalten und ihm Dauer verleihen — alles Fremdartige ist für es nicht vorhanden. Für alles zum wirklichen, wahrhaftigen Leben (es heißt nicht לחיים zu einem Leben, sondern לחיים zu dem Leben) „Aufgeschriebene“ bleibt doch Jerusalem der Sammelpunkt und Boden seiner Entwicklung.

4
אִ֣ם ׀ רָחַ֣ץ אֲדֹנָ֗י אֵ֚ת צֹאַ֣ת בְּנוֹת־צִיּ֔וֹן וְאֶת־דְּמֵ֥י יְרוּשָׁלַ֖͏ִם יָדִ֣יחַ מִקִּרְבָּ֑הּ בְּר֥וּחַ מִשְׁפָּ֖ט וּבְר֥וּחַ בָּעֵֽר׃
BernfeldWenn der Herr abgewaschen haben wird den Unflat der Töchter Zijons und das Blut Jerusalems abspült aus seiner Mitte, mit dem Wind des Gerichts und dem Wind der Tilgung [der Reinigung].
ZunzWenn abgewaschen hat der Herr den Unflath der Töchter Zijon's, und das Blut Jeruschalajim's abgespült aus seiner Mitte, mit dem Winde des Gerichts, und dem Winde der Tilgung:
J. J. HirschWenn erst mein Herr den sittlichen Unrat der Töchter Zions abgewaschen und die Blutschuld Jerusalems aus dessen Mitte fortgespült hat durch den Geist des Gerichts und den Wind der Reinigung,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. אם רחץ וגו'. Vorher muß aber die Grundursache des ganzen Verfalls beseitigt sein: צאת בנות ציון die Verkennung ihrer sittlichen Aufgabe durch Zions Töchter und דמי ירושלם ihrer sozialen Führerpflichten durch die Fürsten Jerusalems. Dies geschieht ברוח משפט: auch das blödeste Auge wird erkennen, daß das hereinbrechende Gottesgericht den „Geist des Rechts“ im sozialen Leben zur Verwirklichung zu bringen beabsichtigt. Und ברוח בער, בער heißt etwas fortschaffen, forträumen, was nicht dahin gehört: die das Familienleben trübenden unlauteren Elemente werden weggeweht. Der Sturm, welcher Jerusalems Pracht in Scherben warf, wurde zum reinigenden, erfrischenden Lufthauch für seine übriggebliebenen Söhne und Töchter, er drang ein in ihre Herzkammern und machte ihre Pulse mit neuer Wärme schlagen für die alte Aufgabe.

5
וּבָרָ֣א יְהֹוָ֡ה עַל֩ כׇּל־מְכ֨וֹן הַר־צִיּ֜וֹן וְעַל־מִקְרָאֶ֗הָ עָנָ֤ן ׀ יוֹמָם֙ וְעָשָׁ֔ן וְנֹ֛גַהּ אֵ֥שׁ לֶהָבָ֖ה לָ֑יְלָה כִּ֥י עַל־כׇּל־כָּב֖וֹד חֻפָּֽה׃
BernfeldDann schafft der Herr über die ganze Wohnstätte des Berges Zijon und über seine Versammlungsorte eine Wolke für den Tag und Rauch und Glanz von Feuerflammen für die Nacht; denn über all der Herrlichkeit wird ein Schutz sein.
ZunzSo schafft der Ewige über die ganze Wohnstätte des Berges Zijon, und über seine Versammlungsorte Gewölk des Tages, und Rauch und Glanz von Feuerflammen des Nachts; denn über all die Herrlichkeit wird eine Decke seyn.
J. J. Hirschso schafft Gott über den ganzen Grund des Berges Zion und über dessen Verkündigungsstätten Wolke am Tage und Rauch, und den Schein flammenden Feuers bei Nacht, daß über der ganzen Herrlichkeit Verhüllung sei.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. וברא וגו'. Der Grund des „Berges Zion“ ist das Gesetz Gottes. Der Berg selbst ragt hoch empor während der Jahrhunderte des Exil-Geschickes seiner einstigen Bewohner und bleibt die Stätte der Verkündigung für das Heil Israels und zuletzt der Allmenschheit.

מקראיה: Das weibliche Suffix bezieht sich auf ציון. — Wo auf weitem Erdenrunde in der Diaspora sich zehn seiner Söhne zu einer Versammlung „einberufen“, um die Thora „vorzulesen“ und ihre Satzungen zu „verkündigen“ (das liegt ja alles in dem Worte מקרא), da wenden sich ihre Blicke Zion zu, ihre Versammlungsstätte wird zum מקדש מעט, zu einem Tempel in verjüngtem Maßstabe (Jechesk. 11, 16), zählt mit zu מקראיה, den von Zion aus gegründeten, in Zion wurzelnden Pflegestätten des Gottesgesetzes.

Bis zum Anbruche dieses lichten Völkermorgens wird Israel gleichsam in einem Zustande der Dämmerung leben: nie des Glückes blendender Tag ihm werden, aber auch nie trostlos dunkle Nacht der Vernichtung es bedecken. Jeder Tag wird seine trübende Wolke haben und der aus den Ruinen Zions stets emporsteigende Rauch den Augen Zähren wehmütiger Erinnerung entlocken. Aber auch keine Nacht wird so finster, es mildert sie doch Lichtschein der Schutz verheißenden Gottesverkündigung.

כי על כל כבוד חפה. Wir glauben hier כבוד wie in ובהיכלו כלו אמר כבוד (Ps. 29, 9) als Offenbarung Gottes verstehen zu dürfen. In dem still bescheidenen Glücke, in dem Seligkeitsgefühle betätigter Pflicht, in der Innigkeit des Familienlebens, welche die Ghettihäuser erfüllten, offenbarte sich die Gegenwart Gottes ihren Bewohnern. Unsichtbar freilich blieb sie der Außenwelt, verhüllt durch das Wolkendüster.

6
וְסֻכָּ֛ה תִּהְיֶ֥ה לְצֵל־יוֹמָ֖ם מֵחֹ֑רֶב וּלְמַחְסֶה֙ וּלְמִסְתּ֔וֹר מִזֶּ֖רֶם וּמִמָּטָֽר׃ {פ}
BernfeldUnd eine Hütte wird sein zur Beschattung am Tage vor der Glut, zum Schutz und zur Zuflucht vor Güssen und vor Regen.
ZunzUnd eine Hütte wird seyn zur Beschattung am Tage vor der Gluth, und zum Schutz, und zur Zuflucht vor Güssen und vor Regen.
J. J. HirschUnd eine Hütte wird sie bleiben zum Schatten bei Tage gegen die Glut und zum Schutze und Geborgensein vor Sturm und Regen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. וסכה תהיה וגו'. Gleichzeitig ward dieses Gewölk zur schützenden Hütte für das exilierte Israel, die es vor der Glut des fanatischen Hasses und Neides birgt und vor dem draußen oft tobenden Unwetter, welches ganze Völkerschaften von dem Erdboden hinwegtrieb.