Jeschajahu 34 ישעיהו
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 34. V. 1. קרבו גוים לשמע. Im V. 13 des vorhergehenden Kapitels waren mit den Worten שמעו רחוקים אשר עשיתי die „Gott fernen“ Völker aufgefordert worden, in dem Donner der geschichtlichen Umwälzungen Gottes Stimme zu vernehmen, die sie zur Rückkehr zu ihm einlädt, und der Schlußvers hatte ihnen die tröstliche Versicherung gegeben, daß auch sie, gleich dem auf gesühnter Vergangenheit alsdann glücklich lebenden jüdischen Volke, Gesundung und Heil finden können und werden.
Hier nun werden die Völker, die jene Aufforderung unbeachtet gelassen hatten, nochmals eindringlich gebeten, die folgende Warnung zu beherzigen, und die ganze Erde wie die Allmenschheit wird geladen zuzuhören.
Was den hier angeredeten Teil der Menschheit trotzig in der Gottesferne bleiben läßt, ist weniger das die Menschen in Volkskörper „גוים“ absondernde Streben, als das Prinzip, das sie ihrer Staatenbildung zugrunde gelegt haben „לאמים“. לאם ist der Staatsverband: אין לאום אלא מלכות.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 2. 3. Freilich wird auch einst, wie schon mehrfach bemerkt, wenn die Erde erst ארצו zur Gotteserde geworden, weil ד' מלך עולם ועד Gott die Herrschaft der Welt angetreten haben wird, אבדו גוים מארצו (Ps. 10, 16) der Völkergegensatz גוים durch die Erziehung zum wahren Heile, für welches es der Mitwirkung aller Völkerfamilien bedarf, auf Erden schwinden; und der Ungehorsam gegen die Aufforderung zum Aufgeben dieses trennenden Völkergegensatzes ruft קצף לד' den Unwillen Gottes hervor, allein חמה das Auflodern des Gotteszornes gilt על כל צבאם — ihrem ganzen Heerwesen, der צבא-Institution. Sie ist ja das Werkzeug, das, mißbräuchlich angewandt, zum Instrument der Vernichtung aller sittlich freien Selbstentwicklung der Menschheit wird, da sie, im Interesse und im Dienste der unersättlichen Ruhmsucht einzelner, ganze Menschenkreise zu Bausteinen der eigenen Selbsterhöhung degradiert. צבא ist Kelle und Mörtel des Nimrod-Baues, mit dem die Weltgeschichte begann, צבא ist das ausgeschmiedete Esau-Schwert, welches על חרבך תחיה das eigene Dasein nur auf Ertötung jeden Gedankens an Gott und sein Sittengesetz aufbauen will.
החרימם, Jedem solchen der Staatenbildung zur Folie dienenden Prinzipe spricht Gott alle Berechtigung ab, נתנם לטבח und läßt jedes auf ihm erbaute Staatswesen durch das andere zugrunde gehen in dem Kampf aller gegen alle, der unter denen entbrennt, die aus den Erfahrungen der Weltgeschichte nichts gelernt haben.
ופגריהם וגו' Der von dem Felde der Wirksamkeit des Schwertes aufsteigende Moderduft verdrängt alle Weihrauchsdüfte der Selbstberäucherung der Welteroberer, und für immer abgetan und abgestorben ist die Herrschaft des mordenden Schwertes, und — ונמסו הרים מדמם in den Strömen Blutes, die es vergossen, versinkt die „bergeshohe“ Größe der Ruhmsucht, die sich seiner bediente. — הרים: die irdischen Größen. Vgl. Ps. 112, 1 אשא עיני אל ההרים, Jechesk. 18, 6 אל ההרים לא אכל und oben 2, 14 ועל כל ההרים הרמים.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 4. ונמקו כל צבא השמים ונגלו כספר וגו'. Aus dem Buche der Natur, insbesondere aus dem aufgeschlagen und übersichtlich seinen Augen sich darbietenden Buche des Himmels, hätte der denkende Mensch die Erkenntnis Gottes schöpfen müssen, erkennen müssen, daß es einen allmächtigen Schöpfer und Ordner der Welt gibt, dessen Willen sich alle Wesen im Himmel und auf Erden beugen, dessen Willen daher auch er sich zu beugen habe. Freilich für die Erkenntnis dieses göttlichen Willens reicht der Anblick des Himmels nicht aus; es bedurfte seiner Offenbarung durch den Weltregenten selbst, es bedurfte der sinaitischen Offenbarung, damit die Menschheit wisse, wie sie nach seinem Willen ihr Erdendasein zu gestalten habe, welche Aufgabe der Weltenherrscher dem Einzelnen wie der Gesamtheit zuteilt. — Vgl. Komm. zu Ps. 19, 1 השמים מספרים כבוד אל. — An Israel gerichtet, sollte diese Offenbarung durch seine Vermittlung zur Kenntnis und Beherzigung der Allmenschheit gelangen. (S. weiter Vers 16.)
Allein die Selbstüberhebung, ja Selbstvergötterung der machtgewaltigen Großen der Erde sprach mit pharaonischem Hochmut: לי יאורי ואני עשיתני „mir gehört mein Nilstrom, und ich habe mich selbst erschaffen“ (Jechesk. 29, 3), und ihrem Beispiele folgten ganze Völkerschaften, wurden mit Bewußtsein und Absicht Gottesleugner, das Buch des Himmels ward für sie unleserlich, sie weigerten sich, auch nur das Abc seiner Schrift zu erlernen; da hatte es für sie seinen belehrenden Zweck eingebüßt, aus seinen „Typen“ war das Leben geschwunden (ונמקו von der Wurzel מקק verwesen). Gott schließt es, rollt die Buchrolle als unnütz gewordenes Buch zusammen — וכל צבאם יבול und das im Dienste Gottes stehende Heer des Himmels muß aufhören, der Erde den erwarteten Segen zu spenden, muß gleichsam als „welk“ sich erweisen. Vgl. das oben zu Kapitel 24, 21—23 Bemerkte. — Zur Belehrung und Erziehung der Menschheit muß der Allbarmherzige nun seine Strafgerichte walten lassen, die (vgl. weiter V. 16) in einem anderen Buche ihnen als Warnung in Aussicht gestellt sind und deren Anwendung er so gerne vermieden hätte.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 5—7. כי רותה וגו' von רוה, was im Kal ורותה מדמם (Jerem. 46, 10) immer, aber auch im Piel einigemal, wie hier und V. 7, intransitiv ist und satt sein bedeutet.
Denn Gottes Schwert dürstet nie nach Blut, immer gesättigt ruht es in Himmels Höhe und, menschlich gesprochen wie 1. B. M. 6, 6: ויתעצב אל לבו, es betrübt Gottes Herz, gegen seine Geschöpfe, die er alle mit gleicher Liebe umfaßt ורחמיו על כל מעשיו, strafend einschreiten zu müssen. Aber zur Rettung der Menschheit, zur Herbeiführung der Heileszeit — wie dieser Gedanke ja V. 2 durch das קצף לד', den Erbarmen bezeichnenden Gottesnamen ausgedrückt ward — הנה על אדום תרד muß das Schwert Gottes der Herrschaft des edomitischen Prinzips ein Ende machen.
Hier wie auch weiter Kap. 63, 1 u. ff. dürfte Edom mit Bozra als Repräsentant der Staaten genannt sein, die das Esau-Schwert zum Schöpfer ihres nationalen Daseins machen, der Reiche, in denen das Schwert Herrscher ist und nicht das Recht, wo nicht פי התורה der „Mund der göttlichen Lehre“, sondern פי חרב „der Mund des Schwertes“ ausspricht, wer Recht hat, der Gemeinwesen, in welchen nur das Recht gesichert, das stark genug ist, sich Achtung zu erkämpfen, wo aber der Jammerschrei der Unterdrückten, weil Schwachen, ungehört bleibt. Darum ist ein solches Volk עם חרמי dem Gottesbanne verfallen, für die Heilesziele Gottes „nicht zu gebrauchen“, „unbenutzbar“, wie dies ja auch in dem Worte חרם liegt, und es spricht sich selbst die Daseinsberechtigung ab. (Über חרם s. Komm. zu 3. B. M. 27, 28.) Tief bedeutsam wird auch hier wiederholt und V. 8 ebenfalls durch den Namen ד' hervorgehoben, daß das vernichtende Vorgehen Gottes gegen „Edom“ zur Erhaltung der Menschheit notwendig ist; von ד' ist das Urteil ergangen, von ד' wird es vollzogen, von ד', dessen Gnade jedes Wesen jeden Augenblick des Daseins verdankt, wie dies der שם הויה: מהוה חדשות zum Bewußtsein bringt.
הדשנה ebenso wie das folgende ידשן von der rad. דשן fett sein, im Piel דשנת (Ps. 23, 5) mit Fettigkeit tränken, ersteres wahrscheinlich Hospael wie התפקדו und das fehlende ת durch das Dagesch im ד ersetzt, letzteres Pual. — בצרה scheint nach den verschiedenen Stellen, in denen seiner gedacht wird, eine bedeutende Stadt, wenn nicht eine der Hauptstädte von Edom gewesen zu sein —; nur Jerem. 48, 24 kommt בצרה als moabitische Stadt vor. 1. B. M. 36, 33 kommt es als Stammort eines Königs von Edom vor, gehörte aber, wie Raschi nach der Pesikta anführt, zu Moab. Ob es dieselbe Stadt war, und nur deren Besitz wechselte, oder ob es zwei gleichen Namens gegeben, müssen wir Kundigeren zu entscheiden überlassen.
כרים, עתודים und אילים sowie ראמים, פרים und אבירים dürften den „edomitischen“ Gewaltstaat als in allen möglichen Abstufungen gegliedert zeichnen. Über die dem Tierreiche entlehnten Bezeichnungen der Anführer siehe das oben zu 16, 1 Bemerkte. Dort glaubten wir unter כר מושל ארץ (כר Singul. von כרים) „den Anführer, der das Land beherrscht“ verstehen zu dürfen. Moab, von dem dort die Rede, war eben nur ein kleines Land, während hier Edom als Großmacht und Großstaat geschildert wird. Die Macht, über welche in Moab nur der Landesherr verfügte, bildet in einem „Edom“ das Attribut der auf der niedersten Rangstufe Gebietenden, die hier כרים heißen. Höher als diese stehen die עתודים, noch höher die אילים. Jeder von ihnen knechtet die unter ihm Stehenden und dünkt darum sich frei; sie zehren an dem Marke der breiten Masse, aber den Löwenanteil daran samt ihrer Kraft bieten sie in Unterwürfigkeit den ראמים, פרים und אבירים dar, den Hoch-, Höher- und Höchstgebietenden.
וירדו ראמים עמם וגו'. Der Sturz der Kleineren bringt auch die Allgewaltigen, denen sie zum Piedestal der Größe gedient, zu Fall.
ראמים müssen wir unübersetzt lassen, da dessen Bedeutung zweifelhaft ist. אבירים die höchste Potenz der Stärke, noch stärker als פרים: Ps. 22, 13 סבבוני פרים רבים אבירי בשן וגו' „Viele Stiere haben mich umringt, Baschans Stärkste mich umschlossen“.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 8. Wie schon betreffs ביום ההוא bemerkt, ist auch hier unter יום nicht gerade ein Tag zu verstehen und ebensowenig unter שנת שלומים eine auf das Kalenderjahr beschränkte Zeit. Vgl. שנת טובתך (Ps. 65, 12), שנת רצון (weiter 61, 2) und sonst. — נקם ist die Wiederaufrichtung des mit Füßen getretenen Rechts oder einer zu Boden geworfenen Persönlichkeit. (Komm. zu 4. B. M. 31, 2.) יום נקם וגו' ist die bereits 5. B. M. 32, 35, 36 angekündigte Zeit: לי נקם ושלם לעת תמוט רגלם וגו' „Mein ist das Rächeramt und die Vergeltung, zur bestimmten Zeit wankt ihr Fuß“ u. s. w. כי ידין ד' עמו וגו' die Zeit, da Gott über die Behandlung, die „sein Volk“ inmitten der Völker gefunden hat, zu Gericht gehen wird. Das ist hier ריב ציון der Prozeß, die „Streitsache Zions“. Waren auch Zions Söhne in der Diaspora den Ausschreitungen der Völker hilflos preisgegeben, so rechtfertigt dies doch nicht jede Mißhandlung, die sie zu erdulden hatten. Ihre Schutzlosigkeit sollte zugleich den Gradmesser bilden für die Menschlichkeit und Rechtsachtung, die unter den Völkern sich finden würde. Aber „Edom“ achtet das Recht nur in dem zur Vergeltung Kampfgerüsteten, die „Rechtssache Zion“ weist es, auf das „Esau-Schwert“ gestützt, höhnisch zurück — bis Gott sich ihrer annimmt! Die Sache Zions ist zugleich die Sache aller vergewaltigten Schwachen gegen die starken Unterdrücker.
Bedeutsam heißt es hier שלומים, es ist die einzige Stelle, in der שלום im Plural vorkommt, sonst שלום und שלם: Es sind gar viele Posten in Anrechnung gebracht, die der Heimzahlung harren!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 9. 10. Diese Heimzahlung vollzieht sich auf ganz natürliche Weise. Wo jahrhundertelang Gewalt auf Kosten des Rechts Macht und Besitz anstrebte, da hat sich Zündstoff in erschreckendem Maße angesammelt. Der Boden ist derart mit Schwefel durchsetzt, daß, wenn ihm „Edoms Prinzip“ von der Not getrieben etwas „zugute tun“ will, es selbst damit Unglück hat: Einrichtungen und Maßregeln, die zur Förderung der Blüte des Landes getroffen werden, die Wasserbächen gleich das tränkende, kühlende Naß dem dürstenden, erregten Lande überall zuführen sollen, werden zu strömenden „Pech“ — da bedarf es nur eines Funkens, und das ganze Land steht in Flammen. Und dieser Brand ist nicht zu löschen, er endet erst mit dem völligen Ruin des Reiches.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 11. וירשוה וגו'. Die ausbrechende Anarchie bemächtigt sich seiner mit ungebändigter tierischer Wut. Da zeigt sich erst dem Auge der Welt, wie entsetzlich die Konsequenzen des Recht und Sittlichkeit negierenden und nur die Macht des Schwertes anerkennenden Esau-Prinzips sind. Da tritt die Verrohung zutage, ja die Entmenschung, bis zu welcher der Einfluß dieses Prinzips die Charaktere der Menschen degenerieren kann.
Unersättliche Beutegier, grausamer Jähzorn, alle lichtscheuen, Ruin und Verfall liebenden Laster, nach Leichen lüsternes Gekrächze lassen sich dort heimisch nieder — und schaudernd sucht die übrige Menschheit sich gegen das in „Edom“ herrschende Chaos abzuschließen, sie zieht ihm eine Grenzlinie, die es nicht überschreiten kann. — ונטה עליה קו תהו ואבני בהו: Job 38, 5 heißt מי נטה עליה קו wer hielt die Meßschnur über sie (die Erde, um ihre Grenzen zu bestimmen); Secharja 1, 16: וקו ינטה על ירושלם Die Meßschnur wird über Jerusalem gespannt werden, d. h. um die Grenzen festzusetzen, innerhalb welcher es wieder aufgebaut werden soll. Hier: Nach jeder Richtung hin, horizontal wie senkrecht setzt man dem Tohuwabohu die Grenze, um es auf den Boden, wo es entstanden, zu beschränken. — אבן, auch האבן הבדיל und אבן העופרת (Secharja 4, 10 und 5, 8), ist das an einem Faden hängende Gewicht zur Bestimmung der lotrechten Richtung: Bleilot.
Sehr zu bedauern ist, daß unsere Übersetzung der hier genannten Tiergattungen nur auf Vermutung beruhen kann. Wir sind überzeugt, daß uns hier mit jedem einzelnen der Tiere eine besondere Nuance der Entartung bildlich vorgeführt wird. — קאת von der Wurzel קאה ausspeien, vomieren, würde auf einen Vogel hinweisen, der die erbeutete Nahrung zur Atzung seiner Jungen wieder von sich gibt; man nimmt an, es sei der Pelikan. Dagegen spricht, daß Ps. 102, 7: קאת מדבר ein Wüstenvogel so genannt wird, während der Pelikan zu den Schwimmvögeln gehört. קפד (vgl. oben 14, 23) weist auf ein leicht gereiztes, heftiges, jähzorniges Tier hin und ינשוף von נשף auf ein die Dämmerung liebendes.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 12. חריה וגו'. Die bekannten mannigfachen Übersetzungen und Erklärungen dieses Verses, wie: „Seine Freien rufen aus, es gibt dort kein Königtum mehr“ — oder: „Was die Edlen betrifft, so ist dort kein Königtum mehr, was sie ausrufen könnten“ und ähnliche, lassen die Stellung der Akzente außer Beachtung. Gegen andere: „Was ihre Edlen betrifft, so ist keiner da, den sie zum Königtum berufen könnten“, oder: „Seine Edlen, keiner deren ist dort zur Regierung berufen“, spricht, daß es nicht למלוכה יקראו, sondern מלוכה heißt. Die u. E. beste Erklärung dürfte die sein: „Seine Freien, deren es eigentlich dort keine gibt, bieten die Krone aus“. Doch konnten wir keine Stelle finden, in der קרא in diesem Sinne vorkommt.
Hingegen steht קרא mit dem Akkusativ der Person sehr oft in der Bedeutung: „jemanden zu Hilfe rufen, um Beistand anrufen“. So unter v. a. Ps. 86, 5: רב חסד לכל קוראיך; 86, 7: ביום צרתי אקראך am Tage meiner Not rufe ich dich; 145, 18: קרוב ד' לכל קוראיו לכל אשר יקראהו באמת; Hosea 7, 11: מצרים קראו Ägypten riefen sie an; Jerem. 29, 12: וקראתם אותי mich riefet ihr an. Daher übersetzten wir wie nebenstehend.
Seine Freien, d. h., wie oben V. 6 bereits erläutert, die sich, weil sie die unter ihnen Stehenden knechten, frei Dünkenden, das sind die כרים, עתודים und אילים, die aber in Wirklichkeit nach oben hin von tiefster Unterwürfigkeit, also durchaus nicht „frei“ waren, rufen beim Ausbruch der Anarchie nach der Regierung, sie soll helfen. Aber deren Fürsten — das sind die oben V. 7 ראמים, פרים und אבירים Genannten — sind verschwunden.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 13—15. Der Singular ועלתה gegenüber dem Plural ארמנותיה geht auf jeden einzelnen derselben. Das Suffix in ארמנותיה und מבצריה dürfte sich auf מלוכה die Regierung beziehen, da der Zustand des Landes bereits geschildert ist: Mit dem Sturze der Regierung veröden die Regierungspaläste und die zur Sicherheit der Gewalthaber gegen Ausbruch innerer Unruhen errichteten festungsartigen Burgen. In ihnen allen schießt das Unkraut üppig empor, zu dem ihre Erbauer in törichter Verblendung selbst die Saat gelegt hatten.
קמוש, חוח in Hosea 9, 6: קִימוֹשׁ יירשם חוח באהליהם Dorngestrüpp erbt es, die Distel in ihren Zelten. Die Lautverw. von קמש mit קמץ, 3. B. M. 2, 2: וקמץ משם מלא קמצו, was ein festhaltendes Greifen bedeutet, läßt קמוש weniger als einzelnen Dornstrauch, vielmehr als Dorngestrüpp auffassen, als ineinander verwachsene Dornsträucher, die, was mit ihnen in Berührung kommt, festhalten. Übrigens ist קמש auch lautverw. mit כומז, das ein zum Halten der Gewänder dienendes Geschmeide bedeutet, ebenso wie חוח Dorn als חח ebenfalls als eine zum Festhalten von Kleidern bestimmte Nadel vorkommt. Vgl. Komm. zu 2. B. M. 35, 22. — חציר gewöhnlich Gras oder grasähnliche Gewächse, doch wird es hier und V. 7 des nächsten Kapitels fast von allen Kommentatoren, von Jonathan anfangend, in der Bedeutung von חצר Hof oder Gehöfte aufgefaßt.
והיתה נוה תנים וגו'. Es ist möglich, daß die hier und in den folgenden Versen genannten Tiere, von denen gesagt wird, daß sie sich dort ganz behaglich fühlen und sicher und darum dort wohnlich niederlassen, den hohen Grad der Verlassenheit und Verwüstung bezeichnen sollen. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so viele Einzelheiten schildernd, lautet oben Kapitel 13, 19—22 die Prophezeiung des Ruins von Babylon.
Vielleicht jedoch reicht diese Schilderung nur bis שעירים — ושעיר על רעהו יקרא sind charakteristische Tiere der Wüsten- und Waldfreiheit — und beginnt mit אך שם הרגיעה לילית die Angabe der Ursachen, welche die geschilderte Verwüstung herbeigeführt haben: auch die metaphorischen Ausdrücke der folgenden Verse sprechen dafür. In diesem Sinne haben wir übersetzt.
Veranlaßt zu dieser Annahme wurden wir durch folgende Wahrnehmung: Bis dahin heißt es ועלתה, והיתה, ופגשו und יקרא, sämtlich durch das „ו“ aus dem Präteritum in Futurum verwandelt und in dem letzten reines Futurum, הרגיעה jedoch ist direktes Präteritum und ebenso קננה und נקבצו. Danach dürfte לילית, קפוז und דיות die Personifikation der verderblichen Leidenschaften sein, welche als Begleiterscheinungen des Esau-Prinzips in den herrschenden Kreisen Edoms sich zeigten und den staatlichen Ruin beschleunigten. — לילית, von ליל Nacht, jedenfalls ein lichtscheues Geschöpf. — קפוז die Verwandschaft mit קבץ versammeln und קפץ springen läßt in ihm ein Tier vermuten, das, um seine Beute zu erfassen, alle seine Kräfte zusammennimmt, um mit einem Satze sich auf sein nichts ahnendes Opfer zu schnellen. — מלט gebären, etwas von dem Zwange, in welchem es sich befand, befreien. בקע ausbrüten, bis durch das ausschlüpfende Junge die Eierschale bricht. דגרה nur hier und Jerem. 17, 11, die Bedeutung ist nicht sicher festzustellen; man faßt es meistens als das Zusammenlegen der Eier, um sie auszubrüten, auf, oder der bereits der Schale entschüpfenden Jungen, die noch sehr des Schutzes des Muttertiers bedürfen. Raschis Übersetzung „glucken“ paßt nur auf einen Vogel, für den ja Raschi קפוז auch zu halten scheint. — דיות Plural von דיה Geier. — שמה, אך־שם: Dort gerade feierte der Mißbrauch der Machtstellung (הרגיעה) in aller Ruhe seine Orgien zur Befriedigung der Sinnlichkeit, dort lauerte im Verborgenen die Intrigue, die das ahnungslose Opfer tötlich trifft, um im Interesse des Nepotismus Vakanzen zu schaffen, gerade dort gaben sich die verschiedenen Arten krallenversehener Raubgier ihr gewöhnliches Stelldichein.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 16. 17. Zum Schluß ruft der Prophet Edom zu: Der Untergang, den ich euch jetzt als Gericht Gottes zu verkünden habe, trifft euch nicht ungewarnt. Leset nur im Buche Gottes, in seiner heiligen Thora, dort findet ihr 5. B. M. 32, 28—43 bereits offenbart, was euch treffen wird, wenn ihr die dort an euch gerichtete Warnung nicht beherziget.
Bei Übergabe des „Buches Gottes“ an Israel waltete die Voraussetzung vor, die sich ja auch in der Tat verwirklichte, daß dieses Buch durch die Hand seiner in die Welt hinausgestreuten Träger Gemeingut der Völker werden und hierdurch auch die in dem letzten der zitierten Verse an sie gerichtete Ermahnung und Warnung ihnen zum Bewußtsein kommen werde. (S. Komm. das.)
דרשו מעל וגו'. Die Verschuldungen, wegen deren Gott euch heimsuchen wird, die findet ihr dort verzeichnet — כתוב על ספר ist der ganz gewöhnliche Ausdruck für „in ein Buch schreiben“ und kommt weit häufiger vor als כתוב בספר — und ebenso findet ihr dort aufgezeichnet, wie schwer die Strafe dafür euch treffen werde.
Jedes Verbrechen, vor dem ihr dort gewarnt wurdet, habet ihr begangen, אחת מהנה לא נעדרה es fehlet keines in eurem Schuldregister, darum אשה רעותה לא פקדו findet auch jedes Verbrechen die ihm entsprechende Sühne, die nicht sterblicher Menschen Mund dafür angesetzt hat, sondern פי הוא צוה der für alle Ewigkeit sich bewahrheitende Ausspruch der Thora, ורוחו הוא קבצן und der Geist des Gotteswortes läßt sie einander treffen. Wie „Edom“ die Sprache des Himmelsbuches nicht verstehen wollte, so hat es auch die Warnung des ספר ד' verachtet und dessen Träger und Überbringer Israel. An ihm hat es sich ganz besonders schwer versündigt und damit das Geschick heraufbeschworen, das nun für immer sein Los wird, wie ihm dies ebenfalls im ספר ד' dafür beschieden wurde.
Die Verschuldung ist in den zitierten Versen ausgesprochen, V. 28 u. f.: „Denn ein in seinen Plänen zugrunde gehendes Volk sind sie, und Einsicht findet sich nicht bei ihnen. Wären sie weise, würden sie hierauf ihren Verstand wenden, würden auf ihr eigenes Ende schließen . . . . . V. 32 u. f.: Denn von Sedoms Weinstock ist ihr Weinstock und von Amoras Gefilden, ihre Beeren sind giftige Beeren u. s. w. Drachen-Wut ist ihr Wein und grausames Otterngift.“ —
Die Strafe, V. 35: „Mein ist das Rächeramt und die Vergeltung. Zur bestimmten Zeit wanket ihr Fuß, denn nahe ist der Tag ihres Dunstgewölkes und eilet ihnen in kommenden Ereignissen herbei.“ (Aus ihren Verirrungen entwickelt sich der verhängnisvolle Stoff zu dem Gewitter, das sich über ihre Häupter entladen wird, und jedes kommende Ereignis ist ein Schritt zu diesem Ende.) V. 40 u. f.: „Denn ich hebe zum Himmel hin meine Hand und spreche: Ich lebe ewig! Wenn ich den Blitz meines Schwertes geschärft und meine Hand das Recht ergriffen hätte, wendete ich Rache auf meine Feinde zurück und übte Vergeltung an meinen Hassern, so müßte ich trunken machen meine Pfeile von Blut, und Fleisch fräße mein Schwert u. s. w.— Darum, Völker, machet heiter seines Volkes Los, denn das Blut seiner Diener rächt er und Rache wendet er auf seine Feinde zurück.“ (S. Komm. das.)