Jeschajahu 30 ישעיהו

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1
ה֣וֹי בָּנִ֤ים סֽוֹרְרִים֙ נְאֻם־יְהֹוָ֔ה לַעֲשׂ֤וֹת עֵצָה֙ וְלֹ֣א מִנִּ֔י וְלִנְסֹ֥ךְ מַסֵּכָ֖ה וְלֹ֣א רוּחִ֑י לְמַ֛עַן סְפ֥וֹת חַטָּ֖את עַל־חַטָּֽאת׃
BernfeldO über euch, ihr Widerspenstigen! ist der Spruch des Herrn. Beschlüsse zu fassen ohne mich, Rat zu schaffen ohne meine Eingebung, um Sünde auf Sünde zu häufen.
ZunzWehe den widerspenstigen Kindern! ist der Spruch des Ewigen, Beschlüsse zu fassen, ohne mich, und Bündnisse zu schließen, ohne meine Eingebung, um Sünde auf Sünde zu häufen.
J. J. HirschWehe, ihr ungehorsamen Söhne! spricht Gott, einen Plan auszuführen, der nicht von mir ist; ein Gewebe anzuzetteln, aber nicht in meinem Sinne, um so Sünde auf Sünde zu häufen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 30. V. 1—3. In Fortführung des Gedankenganges des vorigen Kapitels knüpft dieses an das „Wehe“ an, welches der Prophet im 15. V. über die ausgerufen hat, welche wähnen, ihre diplomatische Klugheit könne ihnen ohne Gott oder gar gegen Gottes Willen helfen.

Hier präzisiert er das dunkle Treiben dieser Partei, die zu Gottes Wort, das ihnen Rettung vor Aschurs Angriffen im letzten Momente verhieß, kein Vertrauen hatten und deshalb die Gunst des Königs von Ägypten zu erbetteln sich anschickten, um ihn zu einem Schutzbündnis gegen Aschur zu bewegen. — סוררים von סרר bezeichnet das beharrliche Weichen von einem angewiesenen Wege, oder das Nichteingehen auf ihn, wie Hosea 4, 16: פרה סוררה ein störrisches, unlenksames Tier. Die hier Getadelten verdienten dieses Epitheton um so mehr, als sie ungeachtet der ihnen gewordenen Warnung nicht von ihren Machinationen ließen.

לנסך מסכה. מסכה kann Guß und Decke bezeichnen und würde dann לנסך מסכה ein Gußbild gießen heißen, oder eine Decke zum Zudecken ausbreiten. Mit dem ersteren wäre gesagt, sie beabsichtigten, ihrem Geschicke eine solche Gestalt zu geben, wie sie ihnen paßt, mit dem letzteren, eine sie vor Gefahren schützende Decke sich zu verschaffen. Erreicht werden soll das eine oder das andere durch das Bündnis mit Ägypten.

Richter 16, 13, 14 finden wir aber auch מסכת als Bezeichnung für die in den Webstuhl eingespannten Garnfäden, den Zettel, in welchen der Einschlag eingewebt wird. Da in unserer Stelle unzweifelhaft auf das diplomatische Anknüpfen der Fäden für eine Allianz mit Ägypten hingewiesen ist, so glauben wir keine bessere Übersetzung für לנסך מסכה als die gewählte finden zu können. — ולא רוחי רוח Sinn, Wille, wie כי רוח החיה באופנים (Jechesk. 1,20). — לעוז: Widerstandskraft zu gewinnen, sich unwiderstehlich zu machen, wie Ps. 9,20: אל יָעֹז אנוש; במעוז: מעוז ist, wie wiederholt bemerkt, die Quelle dieser Kraft. — לבשת: Während בוש nur getäuschte Erwartung bezeichnet, ist כלמה — כלם lautverw. mit גלם das Ungebildete, der formlose Körper — der Ausdruck für das äußerst unbehagliche Gefühl, sich als völlig unwürdig und vernunftlos darüber betrachten zu müssen, daß man nur auf solche Gedanken hat verfallen, so etwas hat unternehmen können.

2
הַהֹֽלְכִים֙ לָרֶ֣דֶת מִצְרַ֔יִם וּפִ֖י לֹ֣א שָׁאָ֑לוּ לָעוֹז֙ בְּמָע֣וֹז פַּרְעֹ֔ה וְלַחְס֖וֹת בְּצֵ֥ל מִצְרָֽיִם׃
BernfeldDie sich aufmachen, nach Ägypten zu gehen, aber mich befragen sie nicht; — sich zu schützen durch Pharaos Schutz und sich zu schirmen im Schatten Ägyptens.
ZunzDie sich aufmachen, nach Mizrajim hinabzuziehen, aber meinen Mund befragten sie nicht; — sich zu schützen durch Pharaoh's Schutz, und sich zu schirmen im Schatten Mizrajim's.
J. J. HirschDie sich anschicken, nach Ägypten hinabzuziehen, aber meinen Mund nicht befragten, um zu erstarken an dem Kraftborn Pharaos und im Schatten Ägyptens Schutz zu suchen.
3
וְהָיָ֥ה לָכֶ֛ם מָע֥וֹז פַּרְעֹ֖ה לְבֹ֑שֶׁת וְהֶחָס֥וּת בְּצֵל־מִצְרַ֖יִם לִכְלִמָּֽה׃
BernfeldSo soll euch dann der Schutz Pharaos zur Schande werden, und die Beschirmung im Schatten Ägyptens zur Schmach.
ZunzSo soll euch denn der Schutz Pharaoh's zur Schande werden, und die Beschirmung im Schatten Mizrajim's zur Schmach.
J. J. HirschEuch aber wird Pharaos Kraftquell zur Enttäuschung und die Zuversicht auf den Schutz Ägyptens zur Schmach werden.
4
כִּֽי־הָי֥וּ בְצֹ֖עַן שָׂרָ֑יו וּמַלְאָכָ֖יו חָנֵ֥ס יַגִּֽיעוּ׃
BernfeldDenn es waren zu Tanis seine Fürsten, und seine Boten gelangten bis Hanes.
ZunzDenn es waren zu Zoan seine Fürsten, und seine Boten gelangten bis Chanes.
J. J. HirschDenn schon waren seine Fürsten in Zoan und seine Gesandten werden Chanes erreichen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. הָיוּ וגו' יַגִּיעוּ: ersteres Präter., letzteres Futur. Es scheint, daß bereits Fürsten Judas, vielleicht nicht offiziell, zum Anknüpfen freundlicher Beziehungen nach Zoan gereist waren, und jetzt eine Botschaft speziell für die Präliminarien eines Vertrages mit Ägypten unterwegs war, die nun bald in Chanes eintreffen muß. צען ist bekannt, weniger sicher ist, welche Stadt חנס hieß, da dieser Name nur hier vorkommt; der Jonath. Targum übersetzt es mit תחפנחס.

Haftarah Miketz Romanioten enden hier.Romanioten: abweichend: Jeschajahu 29,7 – 30,4
5
כֹּ֣ל הֹבִ֔אישׁ עַל־עַ֖ם לֹא־יוֹעִ֣ילוּ לָ֑מוֹ לֹ֤א לְעֵ֙זֶר֙ וְלֹ֣א לְהוֹעִ֔יל כִּ֥י לְבֹ֖שֶׁת וְגַם־לְחֶרְפָּֽה׃ {ס}
BernfeldAlle werden sie zu Schanden mit diesem Volk, das ihnen nicht frommt; nicht zum Beistand, nicht zum Frommen, sondern zur Schande und zum Hohne.
ZunzGanz wird es zu Schanden, um ein Volk, das ihnen nicht frommt; nicht zum Beistand, nicht zum Frommen, sondern zur Schande und auch zum Hohne.
J. J. HirschGanz schmählich hat es sich in Verruf gebracht wegen eines Volkes, das ihnen nicht nützen wird — nicht zum Beistand wird und zu nichts verhilft als zu Enttäuschung und sogar noch zu der Schmähung:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. כל הבאיש Subjekt ist Juda, auf welches die Suffixe in שריו und מלאכיו des vorigen Verses bereits bezug nahmen. Ungewöhnlich ist das Wort הִבְאִישׁ, es scheint aus dem Hifil von בוש und באש zusammengesetzt zu sein, ähnlich wie והושבותים (Secharj. 10, 6) aus dem Hifil von שוב und ישב: Ohnehin sind beide Worte miteinander verwandt. Vgl. Komm. zu 2. B. M. 5, 21. בוש heißt sich schämen und באש die Empfindung, welche durch Fäulnis in uns erregt wird, also im Hifil eine solche bei anderen hervorrufen: להבאישני ביושב הארץ (1. B. M. 34, 30) „mich bei dem Bewohner des Landes in Verruf zu bringen“, oder 1. Samuel 27, 12: הבאש הבאיש בעמו בישראל „er hat sich in üblen Ruf bei seinem Volke, bei Israel gebracht“. Hier nun sind beide Begriffe vereinigt. — Nützen wird ihnen ihre Selbsterniedrigung Ägypten gegenüber gar nichts, vergeblich ist ihr Liebeswerben. Weder עזר weder wirkliche Hilfe, tatkräftigen Beistand wird ihnen Ägypten leisten, noch להועיל (Hifil von יעל fördern, dienlich sein, nützen), es wird nicht einmal seinen Einfluß zu ihren Gunsten geltend machen; zu dem Schaden, den sie haben, bringt es ihnen noch den Spott ein. In welch höhnischer Weise sich der Spott der umliegenden Völkerschaften über Juda ergießen wird, berichtet der folgende Vers:

6
מַשָּׂ֖א בַּהֲמ֣וֹת נֶ֑גֶב בְּאֶ֩רֶץ֩ צָרָ֨ה וְצוּקָ֜ה לָבִ֧יא וָלַ֣יִשׁ מֵהֶ֗ם אֶפְעֶה֙ וְשָׂרָ֣ף מְעוֹפֵ֔ף יִשְׂאוּ֩ עַל־כֶּ֨תֶף עֲיָרִ֜ים חֵילֵהֶ֗ם וְעַל־דַּבֶּ֤שֶׁת גְּמַלִּים֙ אֽוֹצְרֹתָ֔ם עַל־עַ֖ם לֹ֥א יוֹעִֽילוּ׃
BernfeldWelche Last auf den Tieren des Südens! Sie durchwandern — auf eigenen Rat — Gebiete der Not und der Drangsal, wo junger Löwe und Löwe, Otter und fliegender Drache lauern. Sie tragen auf dem Rücken der Esel ihr Vermögen und auf dem Höcker der Kamele ihre Schätze zu einem Volke, das nicht frommt.
ZunzDie Last der Thiere des Südens — im Lande der Noth und der Drangsal, Löwin und Löwe (rauben) von ihnen, Otter und fliegender Drache — tragen sie auf dem Rücken der Esel ihr Vermögen, und auf dem Höcker der Kameele ihre Schätze zu einem Volke, das nicht frommt.
J. J. Hirsch„Die Last der nach Süden ziehenden Tiere?! In ein Land, wo Not und Drangsal, Leopard und Löwe, Otter und fliegende Schlange ihr Dasein vernichtete, tragen sie auf dem Rücken der Esel ihre Reichtümer und auf dem Höcker der Kamele ihre Schätze hin um eines Volkes willen, das nicht helfen wird.“
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. משא וגו'. Nach Süden — der Weg von Juda nach Ägypten folgt südlicher Richtung — zieht eine Karawane! Worin besteht die Ladung ihrer Frachtesel und Kamele? Judas Volk hat seine Schatzkammern geleert, sendet reiche Geschenke nach Ägypten — dem Lande, in dem die Väter einst so viel und so entsetzlich zu leiden hatten, wo man Druck und Elend auf sie häufte צרה וצוקה לביא ולליש מהם וגו' und mit Raubtierwut und Schlangenlist מהם (wie oben 7, 8 מעם und die dort angeführten Beispiele) sie um ihr Sein bringen wollte, wörtlich: daß sie nicht mehr „sie“ seien — dahin bringen die Enkel ihre Kostbarkeiten und buhlen jetzt um die Gunst ihrer Erbfeinde, aber umsonst, helfen werden sie ihnen nicht. — עֲיָרִים ,על כתף sind junge Esel, das כתיב aber ist עורים und dürfte dem Spott eine noch größere Schärfe verleihen, indem es die Absender als „Blinde“ bezeichnet, welche das Vergebliche ihrer Liebesmühe nicht sehen können. Für diese Auffassung spricht auch noch der Umstand, daß כתף, soweit uns bekannt, nie wieder als der lasttragende Körperteil eines Tieres vorkommt.

7
וּמִצְרַ֕יִם הֶ֥בֶל וָרִ֖יק יַעְזֹ֑רוּ לָכֵן֙ קָרָ֣אתִי לָזֹ֔את רַ֥הַב הֵ֖ם שָֽׁבֶת׃
BernfeldAber Ägypten, leer und nichtig ist ihr Beistand, darum nenne ich es: Groß und mächtig sind sie im Stillsitzen.
ZunzJa Mizrajim, leer und nichtig ist ihr Beistand, darum nenne ich es: Rahab (Geprahle) sind sie im Stillsitzen.
J. J. HirschUnd Ägypten — eitel und leerer Wahn ist's, daß sie helfen werden! Deswegen nannte ich dieses: Machtstolz sind sie — im Sitzenbleiben.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. רהב: Machtstolz (Etym. s. Komm. zu Ps. 40, 5) als Zeitwort: sich hochfahrend, anmaßend, frech benehmen. ירהבו הנער בזקן (oben 3, 5). רהב kommt speziell als Bezeichnung für Ägypten vor (Ps. 87, 4, weiter 51, 9). — Bei שבת ist es zweifelhaft, ob es von ישב sitzen, kommt wie מאחרי שֶׁבֶת (Ps. 127, 2), שבת אחים (Ps. 133, 1) oder von שבת ruhen, wie שרוף ישרפו בַּשֶּׁבֶת (2. Samuel 23, 7). Der Sinn ist fast derselbe: hochmütige Prahler sind sie, — aber im Ernstfalle bleiben sie ganz ruhig sitzen.

8
עַתָּ֗ה בּ֣וֹא כׇתְבָ֥הּ עַל־ל֛וּחַ אִתָּ֖ם וְעַל־סֵ֣פֶר חֻקָּ֑הּ וּתְהִי֙ לְי֣וֹם אַחֲר֔וֹן לָעַ֖ד עַד־עוֹלָֽם׃
BernfeldJetzt gehe, schreib es auf eine Tafel für sie und in ein Buch zeichne es ein, dass es bleibe für den spätesten Tag, [als Zeugnis] für immer und ewig.
ZunzJetzt gehe, schreib es auf eine Tafel bei ihnen, und in ein Buch zeichne es ein, daß es bleibe für den spätesten Tag, für immer, auf ewig.
J. J. HirschJetzt komme hinein, schreibe es bei ihnen auf eine Tafel und in ein Buch zeichne es auf, damit es bleibe bis zum letzten Tage, für immer, auf ewig:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8—11. אתם bei ihnen, so daß sie es sehen. Stelle durch diese Einzeichnung auch für spätere Zeiten fest, (חוקה) daß, wenn für den jüdischen Staat aus dem jetzigen Vorhaben trübe Folgen entstehen, nicht etwa Mangel an diplomatischer Klugheit, nicht verfehlte Politik daran schuld sei, sondern der Ungehorsam gegen Gott und der Trotz, der sie nicht einmal die göttliche Lehre anhören läßt. — Gehorchen heißt שמוע ב' oder ל', hier jedoch steht לא אבו שמוע תורת ד' mit dem Akkusativ, wie מסיר אזנו משמע תורה (Prov. 28, 9) sie sträubten sich schon gegen das einfache Zuhören. Sie wollten gar keine Kenntnis der Anforderungen bekommen, welche die Thora an den Juden stellt, und verlangten von ihren Lehrern und Propheten, daß sie an ihrem Tun und Leben nichts zu Tadelndes „erschauen“, nichts auszusetzen finden sollen, ihnen keine „נכחות“ — von נוכח gegenüber — keine Vorstellungen machen, nicht ihrer Handlungsweise die ihnen gewordene Pflicht „gegenüber“stellen sollen. — דברו לנו חלקות: wie Ps. 12, 3, 4: glatt polierte Worte und Ausdrücke, denen jede Schärfe, alles Verletzende genommen ist. — חזו מהתלות von תלל täuschen (Etym. s. Komm. zu 1. B. M. 31, 7): Wir wollen ja gerne „gute Juden“ sein, zeiget uns nur, wie man dies sein kann, ohne sich um die göttlichen Gebote und Verbote gar zu ängstlich kümmern zu müssen; סורו verlasset darum eure gewohnte Weise und הטו — transitiv — erleichtert uns unseren Lebenspfad dadurch, daß ihr endlich aufhöret, uns Gott, קדוש ישראל, als den von uns zu „Heiligenden“ stets vor Augen zu halten.

9
כִּ֣י עַ֤ם מְרִי֙ ה֔וּא בָּנִ֖ים כֶּחָשִׁ֑ים בָּנִ֕ים לֹא־אָב֥וּ שְׁמ֖וֹעַ תּוֹרַ֥ת יְהֹוָֽה׃
BernfeldDenn ein widerspenstiges Volk ist es, Söhne des Ableugnens, die nicht hören wollen auf die Lehre des Herrn.
ZunzDenn ein widerspenstiges Volk ist es, lügnerische Kinder, Kinder, die nicht hören wollen die Lehre des Ewigen.
J. J. HirschDaß es ein Volk des Ungehorsams sei, verlogene Söhne, Söhne, die Gottes Lehre nicht einmal hören wollen,
10
אֲשֶׁ֨ר אָמְר֤וּ לָרֹאִים֙ לֹ֣א תִרְא֔וּ וְלַ֣חֹזִ֔ים לֹ֥א תֶחֱזוּ־לָ֖נוּ נְכֹח֑וֹת דַּבְּרוּ־לָ֣נוּ חֲלָק֔וֹת חֲז֖וּ מַהֲתַלּֽוֹת׃
BernfeldDie da sprechen zu den Sehern: Sehet nicht! und zu den Schauenden: Offenbaret uns nicht Wahrheit! Redet zu uns glatte Reden, offenbaret uns Täuschungen!
ZunzDie da sprechen zu den Sehern: Sehet nicht! und zu den Schauenden: Offenbaret uns nicht Wahrheit! Redet zu uns glatte Reden, offenbaret Täuschungen.
J. J. Hirschdie zu den Sehern sprachen: „ihr sollet nicht sehen,“ und zu den Schauenden: „erschauet keinen Vorwurf für uns, saget uns Schmeichelhaftes, offenbaret, wie man täuschen kann,
11
ס֚וּרוּ מִנֵּי־דֶ֔רֶךְ הַטּ֖וּ מִנֵּי־אֹ֑רַח הַשְׁבִּ֥יתוּ מִפָּנֵ֖ינוּ אֶת־קְד֥וֹשׁ יִשְׂרָאֵֽל׃ {ס}
BernfeldWeichet ab vom [rechten] Wege, führet ab vom [richtigen] Pfade, räumet uns aus dem Angesichte den Heiligen Israels. [Redet nicht in seinem Namen].
ZunzWeichet ab vom Wege, führet ab vom Pfade, räumet uns aus dem Angesichte den Heiligen Jisraél's.
J. J. Hirsch„weichet ab vom Wege, lenket [uns] ab vom Pfade, schaffet doch vor unserem Angesichte hinweg, den „Heiligen Israels“!“
12
לָכֵ֗ן כֹּ֤ה אָמַר֙ קְד֣וֹשׁ יִשְׂרָאֵ֔ל יַ֥עַן מׇאׇסְכֶ֖ם בַּדָּבָ֣ר הַזֶּ֑ה וַֽתִּבְטְחוּ֙ בְּעֹ֣שֶׁק וְנָל֔וֹז וַתִּֽשָּׁעֲנ֖וּ עָלָֽיו׃
BernfeldDarum spricht also der Heilige Israels: Weil ihr verschmähet solches Wort und vertrauet auf Gewalttat und List und stützet euch darauf;
ZunzDarum spricht also der Heilige Jisraél's: Weil ihr verschmähet solches Wort, und vertrauet auf Gewaltthat und List, und euch darauf stützet:
J. J. HirschDeshalb hat so der Heilige Israels gesprochen: Weil ihr dieses Wort verschmähet und auf Betrug und Verdrehung vertrauet und darauf euch stützet,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 12—14. נלוז von לוז, außer hier nur noch wiederholt in den Proverbien vorkommend, bezeichnet: Krummes, Verdrehung, gegen logisches Denken Verstoßendes oder von der geraden Linie der Rechtschaffenheit Abweichendes. Hier dürften damit die diplomatischen Schleichwege charakterisiert sein.

העון הזה. Eure Gottlosigkeit bringt euch bittere Enttäuschung. „Diese Sünde“ ist der Riß, der in das hohe Gebäude eurer Hoffnung, in das Luftschloß, das ihr gegen Gottes Willen errichtet, hineinfällt und es in sich zusammensinken läßt פתאם לפתע (Komm. zu 4. B. M. 6, 9) gerade dann, wenn ihr wähnet, euren Bau nun bald vollendet zu haben.

לחתות von חתה etwas dem Feuer entziehen. גבא Pfütze, Lache, auch kleiner Teich. Einem Brande tritt man am wirksamsten durch Anwendung zweier Mittel entgegen, man entzieht ihm das Brennbare, vielleicht schon von der Flamme Ergriffene, indem man es aus dem Feuer herausreißt, und sucht durch Wasser die Flamme zu ersticken. Das ist's, was ihr von Ägypten erwartet, und auf Grund des Bündnisses mit ihm schöpfet ihr neue Hoffnung, aber euer Bündnis ist ein irdener Krug, der so gründlich zu Scherben wird, daß ihr dadurch weder in der einen noch in der anderen Weise Hilfe gegen den euer Land bedrohenden Kriegesbrand erhaltet.

13
לָכֵ֗ן יִהְיֶ֤ה לָכֶם֙ הֶעָוֺ֣ן הַזֶּ֔ה כְּפֶ֣רֶץ נֹפֵ֔ל נִבְעֶ֖ה בְּחוֹמָ֣ה נִשְׂגָּבָ֑ה אֲשֶׁר־פִּתְאֹ֥ם לְפֶ֖תַע יָב֥וֹא שִׁבְרָֽהּ׃
BernfeldDarum soll euch diese Sünde werden, wie der sturzdrohende Riss, heraustretend an einer ragenden Mauer, deren Sturz plötzlich, jählings kommt.
ZunzDarum soll euch diese Sünde werden, wie der sturzdrohende Riß, heraustretend an einer ragenden Mauer, deren Sturz plötzlich, jählings kommt.
J. J. Hirschdarum wird euch diese Sünde wie ein Riß sein, der hineinfällt, sich erweitert in hoher Mauer, deren Einsturz dann urplötzlich, unvorhergesehen erfolgt;
14
וּ֠שְׁבָרָ֠הּ כְּשֵׁ֨בֶר נֵ֧בֶל יוֹצְרִ֛ים כָּת֖וּת לֹ֣א יַחְמֹ֑ל וְלֹֽא־יִמָּצֵ֤א בִמְכִתָּתוֹ֙ חֶ֔רֶשׂ לַחְתּ֥וֹת אֵשׁ֙ מִיָּק֔וּד וְלַחְשֹׂ֥ף מַ֖יִם מִגֶּֽבֶא׃ {ס}
BernfeldEr wird sie zerbrechen, wie man ein irdenes Gefäß des Töpfers zerbricht, ein schonungsloses Zertrümmern, dass man unter seinen Trümmerhaufen keinen Scherben findet, damit Feuer vom Herde zu scharren oder Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen.
ZunzUnd er zerbricht sie, wie man irdenes Gefäß des Töpfers zerbricht, ein Zertrümmern schonungslos, und man findet unter seinen Trümmerhaufen keinen Scherben, Feuer vom Heerde zu scharren, oder Wasser aus dem Brunnen zu schöpfen.
J. J. Hirscher läßt sie zusammenbrechen, wie man einen Töpferkrug zerbricht, ohne Erbarmen zerstückt, so daß unter seinem Bruch keine Scherbe zu finden ist, mit der man Feuer aus der Esse holen oder Wasser aus der Lache schöpfen könnte.
15
כִּ֣י כֹֽה־אָמַר֩ אֲדֹנָ֨י יֱהֹוִ֜ה קְד֣וֹשׁ יִשְׂרָאֵ֗ל בְּשׁוּבָ֤ה וָנַ֙חַת֙ תִּוָּ֣שֵׁע֔וּן בְּהַשְׁקֵט֙ וּבְבִטְחָ֔ה תִּֽהְיֶ֖ה גְּבוּרַתְכֶ֑ם וְלֹ֖א אֲבִיתֶֽם׃
BernfeldDenn also spricht Gott, der Herr, der Heilige Israels: Durch Geduld und Ruhe wird euch geholfen, durch ruhiges Vertrauen gewinnt ihr Stärke. Ihr aber wolltet nicht,
ZunzDenn also spricht Gott der Herr, der Heilige Jisraél's: Durch Rückkehr und Ruhe wird euch geholfen, durch ruhiges Vertrauen gewinnt ihr Stärke. Ihr aber wollet nicht,
J. J. HirschDenn so hat der Herr, der auch richtend seine Liebe offenbarende Gott, der Heilige Israels, gesprochen: Durch Rückkehr und Ruhe würde euch geholfen werden, in Beruhigung und Vertrauen sollte eure Stärke bestehen — allein ihr wollet nicht!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 15. בשובה: Wir sind der Ansicht, daß שובה Substantiv ist in der Bedeutung, die nachbiblisch dem Worte תשובה innewohnt: reuige Rückkehr. Das Wort תשובה bezeichnet in תנ"ך entweder die Wiederkehr eines Zeitpunktes ויהי לתשובת השנה (2. Sam. 11, 1) und sonst, oder die Rückkehr nach einem Orte ותשובתו הרמתה (1. Samuel 1, 17), oder endlich: Antwort, Entgegnung על תשובת באנשי און (Job 34, 36). Wir glauben um so mehr zu unserer Auffassung berechtigt zu sein, als sonst in der Sprache der heiligen Schrift kein Substantiv für die an uns so häufig gestellte Forderung reuiger Umkehr und Rückkehr sich finden würde.

נחת bezeichnet die Seelenruhe, welche den, der sich mit Gott in Frieden weiß und seiner Pflicht in jeder Weise genügt hat, allem Kommenden, wie drohend es auch erscheint, vertrauensvoll entgegensehen läßt.

16
וַתֹּ֨אמְר֥וּ לֹא־כִ֛י עַל־ס֥וּס נָנ֖וּס עַל־כֵּ֣ן תְּנוּס֑וּן וְעַל־קַ֣ל נִרְכָּ֔ב עַל־כֵּ֖ן יִקַּ֥לּוּ רֹדְפֵיכֶֽם׃
BernfeldSondern ihr spracht: Nein! Auf Rossen wollen wir glänzen — darum sollt ihr fliehen; und auf Rennern reiten — darum werden eure Verfolger rennen.
ZunzSondern sprechet: Nein! Vielmehr auf Rossen wollen wir fliehen; darum sollt ihr fliehen, und auf Rennern reiten, darum werden eure Verfolger rennen.
J. J. HirschIhr sprechet: „Nein, nur zu Roß wollen wir dahinfliegen“ — darum sollet ihr fliehen müssen! „das Leichtfüßigste besteigen wir“ — darum sollen leichtfüßig eure Verfolger sein!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 16. 17. על סום ננום. „Roß“ scheint hier Bezeichnung für Ägypten zu sein, dessen Pferdezucht im Altertum so berühmt war. Vgl. 5. B. M. 17, 16. Im Zusammenhang mit dem Vorhergehenden ist der Sinn: Durch reuige Rückkehr zu Gott euch seiner Hilfe würdig zu machen, weiset ihr zurück und wollet nicht auf ihn vertrauen, euer Heil erwartet ihr einzig von Ägypten und möchtet es in fliegender Eile erjagen, allein noch rascher als ihr sind eure Feinde. Mit dem Vertrauen auf Gott habet ihr auch allen Mut eingebüßt und suchet nun in schleuniger Flucht Rettung. Es muß euch erst zum Bewußtsein kommen, wie schwach, wie unsäglich hilflos ihr ohne Gottes Beistand seid; diese Erkenntnis wird euch wieder zu Gott zurückführen — und darauf

17
אֶ֣לֶף אֶחָ֗ד מִפְּנֵי֙ גַּעֲרַ֣ת אֶחָ֔ד מִפְּנֵ֛י גַּעֲרַ֥ת חֲמִשָּׁ֖ה תָּנֻ֑סוּ עַ֣ד אִם־נוֹתַרְתֶּ֗ם כַּתֹּ֙רֶן֙ עַל־רֹ֣אשׁ הָהָ֔ר וְכַנֵּ֖ס עַל־הַגִּבְעָֽה׃
BernfeldEin Tausend von euch wird fliehen vor dem Dräuen eines Einzigen, vor dem Dräuen von fünf flieht ihr [falle], bis dass ihr übrig bleibet gleich einer Stange auf Bergesspitze und wie ein. Panier auf dem Hügel.
ZunzEin Tausend vor dem Dräuen eines Einzigen, vor dem Dräuen von fünf fliehet ihr (alle), bis daß ihr übrig bleibet gleich einer Stange auf Bergesspitze, und wie ein Panier auf dem Hügel.
J. J. HirschEintausend wird vor dem Drohen eines einzigen, vor dem Drohen von fünfen werdet ihr [alle] fliehen, bis daß ihr übrig bleibet wie die Signalstange auf Bergesgipfel und das Panier auf dem Hügel.
18
וְלָכֵ֞ן יְחַכֶּ֤ה יְהֹוָה֙ לַחֲנַנְכֶ֔ם וְלָכֵ֥ן יָר֖וּם לְרַחֶמְכֶ֑ם כִּֽי־אֱלֹהֵ֤י מִשְׁפָּט֙ יְהֹוָ֔ה אַשְׁרֵ֖י כׇּל־ח֥וֹכֵי לֽוֹ׃ {פ}
BernfeldBei dem allen harret der Herr euch zu begnadigen und wird sich erheben, sich euer zu erbarmen; denn ein Gott des Gerichts ist der Herr. Heil allen, die seiner hoffen.
ZunzUnd darum harret der Ewige, euch zu begnadigen, und darum wird er sich erheben, sich euer zu erbarmen; denn ein Gott des Gerichtes ist der Ewige. Heil allen, die seiner hoffen.
J. J. HirschGerade deshalb wartet Gott noch, euch seine Gnade wieder zu gewähren, und gerade deshalb weilt er in der Höhe mit seinem Erbarmen über euch, denn ein Gott des Rechts ist Gott, zum Heile schreiten fort alle, die seiner harren!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 18. יחכה ד' לחננכם וגו' wartet Gott in seiner nimmer versiegenden Liebe, um euch aufs neue mit den Mitteln und Fähigkeiten für die Zukunft auszustatten — חנן verwandt mit ענן Wolke, die der Erde die Bedingungen des Gedeihens und der Fruchtbarkeit spendet, vgl. Komm. zu 1. B. M. 6, 8 und 2. B. M. 33, 18—20 — und läßt sein Erkennen noch über euren Häuptern schweben, weil er nicht blos ד' ist, sondern zugleich als אלקי משפט euch für die Verwirklichung des Rechts erziehen will. Darum wartet er, bis ihr euch durch Erkenntnis eures Unrechts und durch den Entschluß, fortan einzig ihm die Bestimmung eures Tuns und euer Geschick zu überlassen, des Gnadengeschenkes seiner Huld würdig macht und so den Weg zum wahren Heile einschlaget.

19
כִּי־עַ֛ם בְּצִיּ֥וֹן יֵשֵׁ֖ב בִּירוּשָׁלָ֑͏ִם בָּכ֣וֹ לֹֽא־תִבְכֶּ֗ה חָנ֤וֹן יׇחְנְךָ֙ לְק֣וֹל זַעֲקֶ֔ךָ כְּשׇׁמְעָת֖וֹ עָנָֽךְ׃
BernfeldDenn du Volk, das in Zijon wohnt, in Jerusalem, weine nicht; er wird dich begnadigen bei der Stimme deines Rufens, wie er ihn vernimmt, erhört er dich.
ZunzDenn Volk, das in Zijon wohnet, in Jeruschalajim, du wirst nicht weinen, er wird dich begnadigen bei der Stimme deines Rufens, wie er es vernimmt, erhört er dich.
J. J. HirschDenn Volk, das auf Zion wohnen will, in Jerusalem, du hast nicht zu weinen, dir schenkt er seine Gnade auf die Stimme deines Flehens hin, wie er es nur hört, hat er dich erhört!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 19. בציון ישב: ציון die Stätte der Thora, ירושלם die Hauptstadt des jüdischen Staates: Wenn du, Volk von Juda, einzig und allein das Gottesgesetz zur Basis deines nationalen Daseins machst, „Zion“ den wirklichen Boden deines „Jerusalems“ werden läßest, — dann hast du nicht zu weinen; wenn dieser Vorsatz sich in deinem Hilferuf ausspricht, hat dich Gott bereits erhört. עם ist Vokativ, בציון ישב durch die Akzente miteinander verbunden. Da nicht יושב, sondern ישב steht, so liegt in dieser Futurumform der Wille, der Entschluß ausgedrückt, der von Juda gefaßt werden muß.

20
וְנָתַ֨ן לָכֶ֧ם אֲדֹנָ֛י לֶ֥חֶם צָ֖ר וּמַ֣יִם לָ֑חַץ וְלֹא־יִכָּנֵ֥ף עוֹד֙ מוֹרֶ֔יךָ וְהָי֥וּ עֵינֶ֖יךָ רֹא֥וֹת אֶת־מוֹרֶֽיךָ׃
BernfeldDer Herr wird euch in der Not Brot geben und Wasser in der Drangsal; deine Lehrer werden sich nicht ferner verbergen müssen, sondern deine Augen werden deine Lehrer sehen.
ZunzUnd geben wird euch der Herr Brod in der Noth, und in der Drangsal Wasser, und nicht ferner werden sich verbergen müssen deine Lehrer, sondern deine Augen werden sehen deine Lehrer.
J. J. HirschUnd gibt euch der Herr Brot nur knapp und Wasser nur das dringend Nötigste, so wird dir noch nicht mehr dein Lehrer entrückt, und deine Augen werden deine Lehrer schauen,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 20—22. 1. Könige 22, 27 und 2. Chron. 18, 26 verurteilt König Achab den Propheten Michajahu zur schmalsten Kerkerkost mit den Worten והאכילהו לחם לחץ ומים לחץ: Gebet ihm Brot und Wasser nur das dringend Nötigste zur Speise. In ähnlichem Sinne dürfte auch hier לחם צר ומים לחץ aufzufassen sein: Wenn auch nach der Vernichtung der Jerusalem belagernden assyrischen Heeresmacht und nach dem Abzug der übrigen Invasionstruppen das Land wie ausgesogen daliegen und üppiges Leben euch unmöglich gemacht sein wird, so führt gerade diese erzwungene einfache Lebensweise zu eurer sittlichen, geistigen Gesundung. (Vgl. das oben zu Kap. 7, 21, 22 und 29, 17, 18 Bemerkte.)

ולא יכנף עוד מוריך וגו'. Wir halten das erste מוריך für plur. majest., wie אדונים, אלקים als auf Gott, das zweite hingegen als auf die Leiter und Lehrer des Volkes bezüglich und haben demgemäß übersetzt: Du empfindest immer mehr die segnende Nähe deines Gottes, den dein bisheriges in Üppigkeit und Genußsucht vergeudetes Leben dir entrückt hatte, und fortan wird dich nichts mehr hindern, Thora-Geist und -Wissen unmittelbar von den Lippen deiner Lehrer und Propheten zu trinken. Unkenntnis des Gesetzes wird nicht mehr die Veranlassung gottentfremdeten Lebens für dich werden: מאחריך aus der Überlieferung der hinter dir liegenden Zeit vernimmst du דבר das Wort der Thora, das dir in jedem Augenblicke den rechten Weg zeigt und dich vor dessen Verlassen warnt. — Gegenüber תשמאילו bezeichnet תאמינו unzweifelhaft: sich nach rechts wenden, als ob es תימינו (von ימין rechts) geschrieben wäre, die gewählte Schreibweise will zugleich auf אמן hinweisen: wenn ihr in Treue euch rechts wendet.

Vor der Vergötterung deines Besitzes wirst du geschützt sein, und die gleißende Außenseite des Völkerunwesens wird nichts Bestechendes für dich haben — du verwirfst auch sie gleich dem, was sie umschließt, als unrein. Dein klarer Geist, geläutert durch das eifrige Studium der Gotteslehre, durchdringt die weihende Hülle, mit der deine falschen Priester und deine Irrlehrer heidnische Entartung und Sittenlosigkeit sanktionieren wollten; als etwas Krankhaftes, Ekelerregendes weiset dein reiner Sinn empört sie weit hinweg.

וטמאתם wie וטמא אותו הכהן: und der Priester hat ihn für unrein zu erklären (3. B. M. 13). Es ist dies der Ausdruck, der in jenem Kapitel immer wiederkehrt und die Aufgabe des Priesters bezeichnet, als Diener und Organ des Gesetzesheiligtums den von Aussatzschaden Betroffenen für unrein und als unwürdig des Heiligtums und dessen Volkskreises zu erklären. Irren wir nicht, so sagt Jesaia gerade durch die Wahl des Ausdrucks וטמאתם: Was pflichtvergessene Priester bemänteln und als geweiht hinstellen wollten, erklärt eure geläuterte Erkenntnis für unrein und verbannt es aus eurem Leben. — צפוי Überzug, Belag (4. B. M. 17, 3, 4 u. f.). אפדת stat. constr. von אפדה: וחשב אפדתו (2. B. M. 28, 8). אפוד, ein wesentliches Zubehör der Priestergewandung, bezeichnet den Träger als für den Dienst Gottes geweiht. Näheres über אפוד s. Komm. zu 2. B. M. 28, 4. — צא übersetzten wir als Imper. von יצא, die Massora jedoch nimmt es wie צואה Unrat.

21
וְאׇזְנֶ֙יךָ֙ תִּשְׁמַ֣עְנָה דָבָ֔ר מֵאַחֲרֶ֖יךָ לֵאמֹ֑ר זֶ֤ה הַדֶּ֙רֶךְ֙ לְכ֣וּ ב֔וֹ כִּ֥י תַאֲמִ֖ינוּ וְכִ֥י תַשְׂמְאִֽילוּ׃
BernfeldUnd deine Ohren werden vernehmen das Wort hinter dir her, also: Dies ist der Weg, wandelt auf ihm, ob ihr euch rechts oder links wendet.
ZunzUnd deine Ohren werden vernehmen das Wort hinter dir her, also: Dies ist der Weg, wandelt auf ihm, ob ihr rechts, ob ihr links euch wendet.
J. J. Hirschund deine Ohren hören das Wort, das hinter dir her spricht: „Dies ist der Weg, ihn schlaget ein“! — wenn ihr in Treue euch rechts, aber auch wenn ihr zur Linken euch wenden wollet.
22
וְטִמֵּאתֶ֗ם אֶת־צִפּוּי֙ פְּסִילֵ֣י כַסְפֶּ֔ךָ וְאֶת־אֲפֻדַּ֖ת מַסֵּכַ֣ת זְהָבֶ֑ךָ תִּזְרֵם֙ כְּמ֣וֹ דָוָ֔ה צֵ֖א תֹּ֥אמַר לֽוֹ׃
BernfeldIhr werdet verabscheuen den Überzug eurer silbernen Götzen und die Bekleidung deines goldenen Gussbildes; du wirst sie wegwerfen wie Unflat und fort! zu ihnen sprechen.
ZunzUnd unrein wird euch der Ueberzug eurer silbernen Götzen erscheinen, und die Bekleidung deines goldenen Gußbildes; du wirfst sie weg wie Unflath, fort! sprichst du zu ihnen.
J. J. HirschDann werdet ihr als unrein erklären die Außenseite der Götzen deines Silbers und den Weiheschmuck der Gußbilder deines Goldes — hinweg stoßest du sie wie etwas Krankhaftes — „fort mit dir!“ sprichst du zu ihm.
23
וְנָתַן֩ מְטַ֨ר זַרְעֲךָ֜ אֲשֶׁר־תִּזְרַ֣ע אֶת־הָאֲדָמָ֗ה וְלֶ֙חֶם֙ תְּבוּאַ֣ת הָאֲדָמָ֔ה וְהָיָ֥ה דָשֵׁ֖ן וְשָׁמֵ֑ן יִרְעֶ֥ה מִקְנֶ֛יךָ בַּיּ֥וֹם הַה֖וּא כַּ֥ר נִרְחָֽב׃
Bernfeld[Gott] wird Regen für deine Saat geben, womit du den Erdboden besäest, und das Brot vom Ertrage deines Erdbodens wird fett und nahrhaft sein. Es weidet dein Vieh an demselben Tage auf geräumigem Anger.
ZunzUnd er giebt Regen für deine Saat, womit du den Erdboden besäest, und das Brod vom Ertrage deines Erdbodens ist fett und nahrhaft. Es weidet dein Vieh an selbigem Tage auf geräumigem Anger.
J. J. HirschDann gibt Er den Regen für deine Saat, mit der du das Erdreich besäest, und Brot als Erträgnis des Bodens, und saftdurchströmt und markig wird es sein. Er weidet deine Herde an jenem Tage auf weit sich ausdehnender Flur:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 23. 24. Dann spendet Gott deinem Lande wieder seines Segens reichste Fülle; alles gedeiht, alles blüht; ירעה (transitiv genommen wie ומשה היה רעה את צאן, 2. B. M. 3, 1) Gott, gleichsam, ist es, der deiner Herde die besten Weideplätze anweist. — כר Flur, Trift, wie Ps. 65, 14: לבשו כרים הצאן Fluren bekleiden sich mit Schafen. — Der Boden liefert so reichen Ertrag, daß man auch den Arbeitstieren das Futter nur nach sorgfältigster Auswahl verabreichen wird und es erst völlig ausreifen läßt. בליל von בלל mischen, gut gemengtes Viehfutter: Job 6, 5: אם יגעה שור על בלילו — חמיץ von חמץ gären, vollkommen „gar“ geworden.

24
וְהָאֲלָפִ֣ים וְהָעֲיָרִ֗ים עֹֽבְדֵי֙ הָאֲדָמָ֔ה בְּלִ֥יל חָמִ֖יץ יֹאכֵ֑לוּ אֲשֶׁר־זֹרֶ֥ה בָרַ֖חַת וּבַמִּזְרֶֽה׃
BernfeldUnd die Rinder und Füllen, die den Erdboden bebauen, fressen salziges Futter, das geworfelt ist mit der Gabel und der Wurfschaufel.
ZunzUnd die Rinder und Füllen, die den Erdboden bebauen, fressen salziges Futter, das geworfelt ist mit der Wanne und der Wurfschaufel.
J. J. HirschUnd die Rinder und die Füllen, die das Erdreich bestellen, werden ausgereiftes Futter verzehren, das man mit Schwinge und Schaufel worfelt.
25
וְהָיָ֣ה ׀ עַל־כׇּל־הַ֣ר גָּבֹ֗הַּ וְעַל֙ כׇּל־גִּבְעָ֣ה נִשָּׂאָ֔ה פְּלָגִ֖ים יִבְלֵי־מָ֑יִם בְּיוֹם֙ הֶ֣רֶג רָ֔ב בִּנְפֹ֖ל מִגְדָּלִֽים׃
BernfeldAuf jedem hohen Berge und auf jedem ragenden Hügel werden Bäche und Wasserströme sein, am Tage des großen Würgens, wenn Türme fallen.
ZunzUnd es geschieht, auf jedem hohen Berge und auf jedem ragenden Hügel werden Bäche, Wasserströme seyn, am Tage des großen Würgens, wenn Thürme fallen.
J. J. HirschAuf jedem hohen Berge und auf jedem emporragenden Hügel wird es Quellen geben, Wasserströme — am Tage der großen Schlacht, wenn Türme stürzen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 25. 26. ביום הרג רב וגו'. Das wunderbare Einschreiten Gottes zur Vernichtung der assyrischen Heeresmacht stürzt den turmhohen Aufbau seiner Größe und befreit Juda von dem Alpdruck, der so lange auf ihm gelegen hatte. Seine Natur atmet, nun der Druck von ihr genommen, von neuem auf, frisch und lebendig springen überall die Nahrung spendenden Quellen hervor. Alles nächtliche Dunkel ist geschwunden, ja in dem Nachtgeschicke, das Juda getroffen hatte, ward ihm seine Bestimmung, „עמו“ Gottes Volk zu sein, erst recht klar, und diese Sonne, die ihm in der Nacht aufgegangen war, wird in intensivstem Strahlenglanze auch in den Tagen des Glücks das leitende Gestirn für seinen Lebensweg sein und es dem Ziele seiner Volkesschöpfung näher führen.

כאור שבעת הימים „der sieben Tage“, wohl der sieben Schöpfungstage. Tief bedeutsam heißt es hier aber nicht „ששת הימים“ der sechs Schöpfungstage, sondern der „sieben“, den Sabbat mit inbegriffen. War er doch das Ziel der Gesamtschöpfung, wie ihn unser herrlicher Gesang zur Begrüßung des Sabbats nennt: סוף מעשה במחשבה תחלה „der Schöpfung Ziel, der Gedanken Erstes“. „Der Mensch, dem der Schöpfer seine vollendete Schöpfung zur gottebenbildlichen, in freiem Dienstgehorsam zu vollbringenden Waltung zu Füßen legen wollte, bildet das Endziel der irdischen Schöpfung. Er selbst aber bedarf zur treuen Lösung dieser seiner Aufgabe der steten belehrend erziehenden Leitung, und diese Belehrung und Erziehung, somit die Sicherstellung des mit der Schöpfung beabsichtigten Zieles, ward dem Sabbat anvertraut. Dieser also bildet das Ziel der Schöpfung und war, wie jede Absicht auch schon dem Gedanken des zu Schaffenden vorangeht, vor der Schöpfung im Gedanken gegenwärtig.“ Komm. zu Israels Gebeten, Seite 251, 252.

26
וְהָיָ֤ה אוֹר־הַלְּבָנָה֙ כְּא֣וֹר הַחַמָּ֔ה וְא֤וֹר הַֽחַמָּה֙ יִֽהְיֶ֣ה שִׁבְעָתַ֔יִם כְּא֖וֹר שִׁבְעַ֣ת הַיָּמִ֑ים בְּי֗וֹם חֲבֹ֤שׁ יְהֹוָה֙ אֶת־שֶׁ֣בֶר עַמּ֔וֹ וּמַ֥חַץ מַכָּת֖וֹ יִרְפָּֽא׃ {פ}
BernfeldDas Licht des Mondes wird wie das Licht der Sonne sein, und das Licht der Sonne wird glänzen siebenfach, gleich dem Lichte von sieben Tagen, an dem Tage, wo der Herr verbindet den Schaden seines Volkes und die ihm geschlagene Wunde heilt.
ZunzUnd es wird das Licht des Mondes wie das Licht der Sonne sein, und das Licht der Sonne glänzt siebenfach, gleich dem Lichte von sieben Tagen, an dem Tage, wo der Ewige verbindet den Schaden seines Volkes, und die ihm geschlagene Wunde heilt.
J. J. HirschUnd das Licht des Mondes wird dem Lichte der Sonne gleichen, und das Licht der Sonne wird siebenfältig gleich dem Lichte der sieben Tage werden an dem Tage, da Gott den Bruch seines Volkes verbinden und seine klaffende Wunde heilen wird.
27
הִנֵּ֤ה שֵׁם־יְהֹוָה֙ בָּ֣א מִמֶּרְחָ֔ק בֹּעֵ֣ר אַפּ֔וֹ וְכֹ֖בֶד מַשָּׂאָ֑הֿ שְׂפָתָיו֙ מָ֣לְאוּ זַ֔עַם וּלְשׁוֹנ֖וֹ כְּאֵ֥שׁ אֹכָֽלֶת׃
BernfeldDer Name des Herrn kommt aus der Ferne, es brennt sein Zorn und mächtig sind die Flammen; seine Lippen sind voll Grimmes und seine Zunge wie verzehrendes Feuer.
ZunzSiehe, der Name des Ewigen kommt aus der Ferne, es brennt sein Zorn und mächtig sind die Flammen; seine Lippen sind voll Grimmes, und seine Zunge wie verzehrendes Feuer,
J. J. HirschSiehe, der Name Gottes kommt aus der Ferne heim, noch brennt sein Zorn, und schwer ist das Verhängnis, — da werden seine Lippen von Unwillen erfüllt, und seine Zunge ähnelt verzehrendem Feuer;
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 27. 28. הנה שם ד'. Der „Name Gottes“, den das Reich Israel nicht mehr würdig war zu tragen, hatte seine Existenz vernichtet und sein Volk in die Exilsferne getrieben — vgl. Komm. zu Ps. 79, 7: כי אכל את יעקב —, Aschur war in Wirklichkeit nur die ausführende Hand des שם ד'. „ממרחק“ aus dieser „Ferne“ gleichsam wandte sich Gottes Name wieder der Heimstätte zu, die ihm auf Zion gegründet ist, noch erregt von der Schwere des Verhängnisses, das Er über Israel hat bringen müssen. משאה wie משא. — שפתיו וגו'. Aber auch die Zustände in Juda rufen seinen Unwillen wach und sein Urteil „לשונו“ wäre ein vernichtendes — nicht כאש אכלה, sondern כאש —, ist nicht ein verzehrendes Feuer, sondern ähnelt einem solchen. Seine Zunge hält sich zurück, das schwere Urteil zu formulieren (לשון von לוש kneten), aber auf seinen Lippen macht sich die innere Erregung bemerkbar.

ורוחו. Wohl führt der Sturm seines Unwillens die wogende Sturmflut Aschurs über das ganze Land, denn Strafe hat Juda verdient — aber nur עד צואר „bis an den Hals“, den Berg, der als Haupt das Heiligtum Gottes trägt. Vgl. oben Kap. 8, 8 עד צואר יגיע und das dort darüber Gesagte. כנחל שוטף עד צואר יחצה ist eingeschobener Satz. Gott erkennt, daß das über Juda ergangene Leid es geläutert hat, und sein Heiligtum noch heiligend und erziehend auf Juda einwirken kann, darum legt sich sein Unwille, bevor Jerusalem Aschur anheimfällt.

Der Umstand aber, daß Gottes Unwille gegen Juda Aschur in seinem Vorgehen bisher freien Lauf gelassen hatte, führt Aschur irre, macht es siegessicher und gibt seinem siegestrunkenen Übermut den Anstoß zu einem gewaltigen sprunghaften Vorstoß, der es mit einem Satz in den Besitz der Hauptstadt, der Wohnstätte Gottes, bringen soll.

להנפה גוים בנפת שוא wie להנף zum Schwingen der Nationen in falschem Schwunge. Der Plural גוים und עמים umfaßt die fremden Hilfstruppen in Sanheribs Heer. שוא falsch und vergeblich. Der „Schwung“ war falsch, weil er von irriger Voraussetzung ausging, und war vergeblich, indem er sie nicht dahin brachte, wo sie festen Fuß fassen wollten. — ורסן מתעה וגו'. Aschurs bisheriges, von Gott nicht gehemmtes Kriegsglück hatte auch andere Völker zur Beteiligung an dem Beutezug gegen Juda verführt.

28
וְרוּח֞וֹ כְּנַ֤חַל שׁוֹטֵף֙ עַד־צַוָּ֣אר יֶחֱצֶ֔ה לַהֲנָפָ֥ה גוֹיִ֖ם בְּנָ֣פַת שָׁ֑וְא וְרֶ֣סֶן מַתְעֶ֔ה עַ֖ל לְחָיֵ֥י עַמִּֽים׃
BernfeldUnd sein Odem wie daherflutender Strom, der bis an den Hals reicht, um zu schwingen die Völker in der Schwinge der Vernichtung, und ein Gebiss der Verführung auf die Kinnbacken der Völker [zu legen].
ZunzUnd sein Odem wie daher fluthender Strom, der bis an den Hals reicht, um zu schwingen die Völker in der Schwinge der Täuschung, und ein Gebiß der Verführung auf die Kinnbacken der Völker (zu legen.)
J. J. Hirschaber sein Sturm — einem überschwemmenden Strome gleichend, bis er beim „Halse“ angekommen sich zerteilt — setzt Nationen in falschen Schwung, ist ein irreleitender Zaum an den Wangen der Völker.
29
הַשִּׁיר֙ יִהְיֶ֣ה לָכֶ֔ם כְּלֵ֖יל הִתְקַדֶּשׁ־חָ֑ג וְשִׂמְחַ֣ת לֵבָ֗ב כַּהוֹלֵךְ֙ בֶּחָלִ֔יל לָב֥וֹא בְהַר־יְהֹוָ֖ה אֶל־צ֥וּר יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldEinen Gesang werdet ihr dann haben wie in der Nacht der Festesfeier, und ein frohes Herz wie der, der daherzieht mit der Flöte, um nach dem Berge des Herrn zu wallen, zu dem Hort Israels.
ZunzEinen Gesang werdet ihr dann haben, wie in der Nacht der Festesfeier, und ein frohes Herz, wie der, der daherziehet mit der Flöte, um nach dem Berge des Ewigen zu wallen, zu dem Hort Jisraél's.
J. J. HirschEuch aber wird der gottschauende Sang werden wie in der Nacht, da das Fest geheiligt wurde, und Herzensfreude gleich dem, der bei Flötenton dahinschreitet, um auf den Berg Gottes zu gehen, zum Horte Israels.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 29. 30. Das Gotteswunder der Errettung aus der eisernen Umklammerung Aschurs wird euch zu dem, Gottes Waltung besingenden, Hallel-Liede begeistern, das in der Seder-Nacht des Pesachfestes die wunderbare Erlösung aus Ägypten feiert. Als צור ישראל, als Hort, als Fels Israels hat sich Gott wiederum erwiesen, ihm allein und seinem sichtbaren Eingreifen verdankt es seine Rettung, seinen Bestand. Eine alte Überlieferung unserer Weisen lehrt sogar, daß diese Rettung in der Seder-Nacht erfolgte. — נחת זרוע von נחת herabsenken: ותנחת עלי ידך (Ps. 38, 3) sobald deine Hand sich auf mich niedersenkt.

30
וְהִשְׁמִ֨יעַ יְהֹוָ֜ה אֶת־ה֣וֹד קוֹל֗וֹ וְנַ֤חַת זְרוֹעוֹ֙ יַרְאֶ֔ה בְּזַ֣עַף אַ֔ף וְלַ֖הַב אֵ֣שׁ אוֹכֵלָ֑ה נֶ֥פֶץ וָזֶ֖רֶם וְאֶ֥בֶן בָּרָֽד׃
BernfeldDer Herr lässt erschallen seine majestätische Stimme, und wie sein Arm herniederfährt lässt er schauen, im Grollen des Zornes und in der Flamme verzehrenden Feuers, in Sturm und Regenguss und Hagelstein.
ZunzUnd erschallen läßt der Ewige seine majestätische Stimme, und wie sein Arm herniederfährt, läßt er schauen im Grollen des Zornes und in der Flamme verzehrenden Feuers, in Sturm und Regenguß und Hagelstein.
J. J. HirschUnd Gott wird die Majestät seiner Stimme vernehmen und das Niedersenken seines Armes sehen lassen im Grimme des Zornes und in der Flamme verzehrenden Feuers, in Zertrümmerung und Sturmregen und Hagelsteinen.
31
כִּֽי־מִקּ֥וֹל יְהֹוָ֖ה יֵחַ֣ת אַשּׁ֑וּר בַּשֵּׁ֖בֶט יַכֶּֽה׃
BernfeldDenn vor des Herrn Stimme zagt Assyrien, die Zuchtrute, mit der er [bisher] die Völker schlug.
ZunzDenn vor des Ewigen Stimme zagt Aschur. Er schlägt mit dem Stocke.
J. J. HirschDenn vor der Stimme Gottes wird Aschur zusammenbrechen, das nur mit der Rute schlagen sollte.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 31. 32. בשבט יכה: Vgl. oben Kap. 10, 24: בשבט יככה ומטהו ישא עליך, Vernichten sollte dich Aschur nicht, aber deine Verirrungen sühnen. Zur Gottes*treue* sollte מטה der Stab, das Ungemach und das Leid, das Aschur über dich bringt, dich erziehen, damit dir Gott auf Grund deiner Pflichterfüllung Ruhe und Gedeihen schenken könne. Ganz Juda bedurfte dieses erzieherischen Zuchtmittels — es hat seine Wirkung nicht verfehlt, Freude herrscht überall im ganzen jüdischen Reiche, daß Gott nun den „Stab beseitigt“.

In demselben Augenblick, da Gott die Hauptmacht der Assyrer vor Jerusalem vernichtete, erfuhr das Schlachtenglück, das bisher den Assyrern überall in Juda treu geblieben war, auch dort eine Wendung, und — מלא רחב ארצך, oben 8, 8 — so weit das jüdische Land sich erstreckt, erwies sich's, daß „עמנואל Gott mit uns ist“. — מטה ist stat. constr., da der stat. absol. מטה punktiert wird, verbunden mit מוסדה, das Gründung, Grundlegung oder Grundlage bedeutet und wie מוסד (oben 28, 16) Substantiv von יסד ist. Das ה ist angefügt, wie das ה in לילה dem Worte ליל beigefügt ist, ohne es damit zum Femin. zu machen, daher עליו sich darauf beziehen kann.

ובמלחמות תנופה, wörtlich: „in Schlachten der Wendung“, d. h. die eine andere Wendung nehmen als bisher; während der ganzen Zeit der Invasion siegte stets Aschur, jetzt ist der Sieg überall auf jüdischer Seite. — בם bezieht sich auf כל מעבר, das כתיב בה würde sagen, daß in der Wendung des Schlachtenglücks Gottes Eingreifen sich bemerkbar macht; in diesem Falle würde בה sich auf תנופה beziehen.

32
וְהָיָ֗ה כֹּ֚ל מַֽעֲבַר֙ מַטֵּ֣ה מֽוּסָדָ֔הֿ אֲשֶׁ֨ר יָנִ֤יחַ יְהֹוָה֙ עָלָ֔יו בְּתֻפִּ֖ים וּבְכִנֹּר֑וֹת וּבְמִלְחֲמ֥וֹת תְּנוּפָ֖ה נִלְחַם־[בָּֽם] (בה)׃
BernfeldUnd wo früher die verhängte Geißel — die der Herr verhängt hat — vorüberzog und Krieg führte, wird jetzt ein Fest sein mit Pauken und Zithern.
ZunzUnd wohin immer trifft die verhängte Geißel, die der Ewige ihm auferlegt, da sind Pauken und Zithern, und in der Kämpfe Tumult kämpft er mit ihnen.
J. J. HirschUnd an allen Orten, wo der Stab hinwegzieht, der die Grundlage, auf der Gott Ruhe gewähren kann, schaffen sollte, werden Pauken und Harfen sein, und in Schlachten, die eine andere Wendung nehmen, wird an ihnen gekämpft.
33
כִּֽי־עָר֤וּךְ מֵֽאֶתְמוּל֙ תׇּפְתֶּ֔ה גַּם־[הִ֛יא] (הוא) לַמֶּ֥לֶךְ הוּכָ֖ן הֶעְמִ֣יק הִרְחִ֑ב מְדֻרָתָ֗הּ אֵ֤שׁ וְעֵצִים֙ הַרְבֵּ֔ה נִשְׁמַ֤ת יְהֹוָה֙ כְּנַ֣חַל גׇּפְרִ֔ית בֹּעֲרָ֖ה בָּֽהּ׃ {פ}
BernfeldDenn gerüstet seit gestern ist Tofet, auch dieses ist für den König bereitet, tief, weit. Sein Holzstoß hat Feuer und Holz die Fülle; der Odem des Herrn lodert wie ein Schwefelstrom darin.
ZunzDenn gerüstet seit gestern ist Tofet, auch dieses ist für den König bereitet, tief, weit. Sein Holzstoß hat Feuer und Holz die Fülle, der Odem des Ewigen, wie ein Schwefelstrom, lodert darin.
J. J. HirschDenn schon von gestern ist die Todesstätte bereitet, auch für den König ist sie hergerichtet, der so tief und so weit sein Verlangen stellte — ihr Scheiterhaufen, Feuer und Holz in Menge — der Hauch Gottes, einem Schwefelstrome gleich, wird ihn in Flammen setzen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 33. תפתה. Aus 2. Könige 23, 10 sowie Jerem. 7, 31, 32 geht hervor, daß תפת eine Stelle in oder bei dem Tale Ben-Hinnom war, auf welcher die zum Götzentum Abgefallenen dem Moloch ihre Kinder zum Feueropfer darbrachten. Davon übertragen scheint hier תפתה die Todesstätte oder Richtstätte zu bezeichnen, und es dürfte darum auch das Strafgericht, welches Aschurs Macht vernichtete, als ein ungeheuer gewaltiger Scheiterhaufen gezeichnet sein, den das Urteil Gottes in Brand setzte. Und dieses Urteil ist nicht erst heute gefällt, מאתמול seit langem verdient Aschur das Geschick, das ihm nun zuteil wird. גם היא למלך הוכן. Auch Sanherib entgeht ihm nicht, entrinnt er auch dem Tode vor Jerusalems Mauern, so verfällt er in der Heimat dem mörderischen Schwerte der eigenen Familie. — העמיק הרחב: — Subjekt davon ist Sanherib, der eben mit למלך genannte — dessen Begehren nach jeder Richtung hin grenzenlos war, der nie genug bekommen konnte.