Jeschajahu 25 ישעיהו

Buch: Kapitel: Vers:
Übersetzung:
1
יְהֹוָ֤ה אֱלֹהַי֙ אַתָּ֔ה אֲרֽוֹמִמְךָ֙ אוֹדֶ֣ה שִׁמְךָ֔ כִּ֥י עָשִׂ֖יתָ פֶּ֑לֶא עֵצ֥וֹת מֵרָחֹ֖ק אֱמ֥וּנָה אֹֽמֶן׃
BernfeldHerr, mein Gott bist du, ich erhebe dich, ich preise deinen Namen; denn du hast Wunder vollbracht, Beschlüsse aus früher Zeit wurden treu bewahrt.
ZunzEwiger, mein Gott bist du, ich erhebe dich, ich preise deinen Namen; denn du hast Wunder vollbracht, Beschlüsse aus der Ferne (wurden) treue Bewährung.
J. J. HirschGott, mein Gott bist du! Dich will ich erheben, deinem Namen huldigen, denn du hast Wunder vollzogen, die Beschlüsse der Zeitenfernen treu, zuverlässig.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 25. V. 1. Seinen Ausblick auf die Heilesgestaltung der Zukunft fortsetzend, spricht der Prophet im Namen des Israels dieser einstigen Zeit: ד' אֱלקַי אתה — Ob sich mein Leben heiter entfaltete, ob mein Geschick ein ernstes gewesen, zu allen Zeiten warst Du es, der als אלקַי es gestaltetest, unter steter Berücksichtigung dessen, was für meine Erziehung zu der mir von Dir gewordenen Aufgabe ersprießlich war. Darum ארוממך וגו' will ich deine alles und alle überragende Hoheit und Macht aussprechen und dir allein mich ganz unterstellen mit meinem Geschick wie mit meinem Tatenleben. Deine ewige, alles überragende Macht spricht sich darin aus, daß alles, was sich jetzt vor unseren Augen vollzieht — wie es die vorhergehenden Verse schildern — und uns als פלא, als ein Wunder erscheint, als ein gegen den natürlichen Gang der Welt eintretendes Geschehnis, in Wirklichkeit nicht anderes ist, als die Ausführung der Beschlüsse, die du bei Beginn der jüdischen Geschichte, ja der Menschheitgeschichte, gefaßt hast. Der Menschen Macht und ihr Leben ist nicht ausreichend, um ihre Beschlüsse zur Wahrheit zu machen, nur deine עצות allein sind der Inbegriff der Treue und der zuverlässigen Stütze. אמונה kommt so absolut als Bezeichnung des Charakters oder Inhalts eines Subjekts vor: ויהי ידיו אמונה (2. B. M. 17, 12), כל מצותיך אמונה (Ps. 119, 86). Doch kann sich auch עשית außer auf פלא weiter auf עצות beziehen und dann wären אמונה אמן als Adverbia zu nehmen; in diesem Sinne haben wir übersetzt.

2
כִּ֣י שַׂ֤מְתָּ מֵעִיר֙ לַגָּ֔ל קִרְיָ֥ה בְצוּרָ֖ה לְמַפֵּלָ֑ה אַרְמ֤וֹן זָרִים֙ מֵעִ֔יר לְעוֹלָ֖ם לֹ֥א יִבָּנֶֽה׃
BernfeldDenn du hast eine Stadt in Steinhaufen verwandelt, die sichere Feste in Trümmer, den Palast der Bösen, dass er keine Stadt mehr sei; ewiglich wird er nicht aufgebaut.
ZunzDenn du hast eine Stadt in Steinhaufen verwandelt, die sichere Veste in Trümmer; den Palast der Barbaren, daß er keine Stadt mehr sei; ewiglich wird er nicht aufgebaut.
J. J. HirschDenn gabst du auch die Stadt zum Teil dem Schutte preis, die feste Burg dem Ruine — das Staatsgebäude der Entfremdeten, aus der Stadt geschwunden, wird in Ewigkeit nicht wieder erbaut werden.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. Nur unsere Beschränktheit, unsere Kurzsichtigkeit hätten zeitweilig wähnen können, du habest deine Beschlüsse geändert, wenn wir das von dir Gegründete in Trümmer sinken sahen. מֵעיר, das מ als Teilungsartikel, einen Teil der Stadt. עיר dürfte hier das Volksdasein, קריה בצורה den festgefügten Staat bedeuten. גל ohne Zusammenhang, locker aufgehäufte Steine oder Schutt. Nur ein Rest der Bevölkerung verblieb bei dem Untergange Jerusalems und der jüdischen Städte im Lande; weit über den Erdboden zerstreut, ohne Zusammenhang oder doch nur lose verbunden, ward der größere Teil, der Staat als solcher aber wurde völlig vernichtet. Aber jene Zerstreuung und diese Vernichtung des dir entfremdeten Staates erfolgte nicht, weil du etwa auf deine Absichten, welche unserer Erwählung und der Gründung des jüdischen Staates zugrunde lagen, verzichtet hättest, sondern gerade zu ihrer Verwirklichung. Was wir im Glücke nicht verstanden hatten, das lernten wir in der Schule der Leiden: treu zu dir und deinem Gesetze zu halten! Ohne Land und ohne Staat mußten wir uns seiner Wiedererlangung und seines Wiederaufbaues erst würdig machen. Bis dahin konnte der Boden nicht die frühere Blüte erreichen und kein selbständiges Staatswesen dort sich aufbauen. Jerusalems Trümmer und Palästinas Verfall waren Jahrtausende lang der lauteste Protest gegen jede Entfremdung von Gott; die absoluteste Negation der Möglichkeit eines jüdischen Staates ohne Gehorsam gegen Gott, waren das beredteste Zeugnis für die ewig bindende Kraft unserer heiligen Thora. Der neuerstandene Gottesstaat bekundet für immer die Ewigkeit der durch nichts zu störenden Gottesziele. — זרים s. das oben 1, 5 zu נזורו Bemerkte.

3
עַל־כֵּ֖ן יְכַבְּד֣וּךָ עַם־עָ֑ז קִרְיַ֛ת גּוֹיִ֥ם עָרִיצִ֖ים יִירָאֽוּךָ׃
BernfeldDarum fürchtet dich jetzt jedes trotzige Volk, die Stadt übermütiger Völker fürchtet dich.
ZunzDarum verehret dich das trotzige Volk, übermüthiger Völker Stadt fürchtet dich.
J. J. HirschDarum werden die dich verehren als Volk unüberwindlich, eine Burg mächtiger Nationen die sein, die dich ehrfürchten.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. על כן bezieht sich auch auf יראוך. Diese Bekundung ist aber auch Brief und Siegel für die unüberwindliche Dauer des aus der Vereinzelung wieder gesammelten Volkes und für den ewigen Bestand des jüdischen Staates. Nicht Bollwerks noch Heeresmacht bedarf's zu ihrem Schutze, יכבדוך daß sie deinen Willen ehren, ist ihr Schild, יראוך ihre Gottesfurcht enthebt sie jeder Furcht, läßt sie selbst zu den גוים עריצים, zu den gefürchteten Mächten, die niemand antastet, gezählt werden. — Über עריץ s. oben 8, 12. Wir machen auf die logische Schärfe in der Gegenüberstellung der Kontraste aufmerksam: Was damals zur Zeit des Churban שמת מעיר לגל, das wird jetzt bei der Geula עם עז, damals קריה בצורה למפלה, jetzt קרית וגו' — und die Ursachen: damals ארמון זרים, jetzt aber יכבדוך, יראוך.

קרית גוים. Als Gott unserem Stammvater Jakob den Namen „Israel“ erteilte, verhieß er ihm (1. B. M. 35, 10, 11): גוי וקהל גוים יהיה ממך „ein Volk und zwar eine Versammlung von Völkern sollen von dir erstehen“, nach außen eine Einheit und nach innen eine einheitlich gesammelte Vielheit. Israel sollte durch sein Beispiel die alles Irdische siegreich durchdringende Gottesidee der Menschheit offenbaren, darum mußte es in seinen Stämmen die verschiedensten Berufsstellungen repräsentieren, durfte nicht einseitig erscheinen, deshalb sollte jeder Stamm eine gesonderte Volksindividualität darstellen. (S. Komm. z. St.). Daß diese ursprüngliche Gliederung in Stämme bei der Wiedergeburt des jüdischen Staates beibehalten und zur endlichen glücklichen Lösung seiner hehren Aufgabe beitragen werde, scheint hier mit dem Plural גוים gesagt zu sein.

4
כִּי־הָיִ֨יתָ מָע֥וֹז לַדָּ֛ל מָע֥וֹז לָאֶבְי֖וֹן בַּצַּר־ל֑וֹ מַחְסֶ֤ה מִזֶּ֙רֶם֙ צֵ֣ל מֵחֹ֔רֶב כִּ֛י ר֥וּחַ עָרִיצִ֖ים כְּזֶ֥רֶם קִֽיר׃
BernfeldDenn du wurdest eine Feste dem Armen, eine Feste dem Dürftigen in seiner Bedrängnis, Zuflucht vor Regenguss, Schatten gegen die Glut; denn das Schnauben der Übermütigen war wie Regenguss von der Mauer.
ZunzDenn du wurdest eine Veste dem Armen, eine Veste dem Dürftigen in seiner Bedrängniß, Zuflucht vor Regenguß, Schatten gegen die Glut; denn das Schnauben der Uebermüthigen war wie Regenguß von der Mauer.
J. J. HirschDenn du warst der Quell des Widerstands dem Herabgekommenen, Quell des Widerstands dem Armen in seiner Bedrängnis, Schutz gegen Regensturm, Schatten vor Sonnenglut, daß der Zornesausbruch der Gewaltigen dem Regensturm gegen die Mauer glich.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. Du allein warst es ja, der uns während unserer langen Galuthzeit die Kraft verlieh, auszuharren, ohne dich wären wir längst von der Bildfläche der Geschichte geschwunden, wären schon lange von all den Stürmen hinweggefegt worden, die über uns hereinbrachen. Erziehen, bessern sollte uns das Leid, aber nicht vernichten, darum machtest du uns gegen die Zornesglut, gegen die Wutausbrüche der uns feindlichen Mächte stark wie eine Mauer, die vom Regen gepeitscht dennoch stehen bleibt. Ihr Bewurf, ihr Verputz erleidet wohl argen Schaden, aber auch der heftigste Regenguß prallt an ihr ab, ohne sie niederzuwerfen. Das ist das Bild Israels im Exile! — רוח kommt einigemal in der Bedeutung des Zürnens, der zornigen Erregtheit vor, so Pred. 7, 8: ארך רוח, wo es mit ארך אפים identisch ist.

5
כְּחֹ֣רֶב בְּצָי֔וֹן שְׁא֥וֹן זָרִ֖ים תַּכְנִ֑יעַ חֹ֚רֶב בְּצֵ֣ל עָ֔ב זְמִ֥יר עָרִיצִ֖ים יַעֲנֶֽה׃ {פ}
BernfeldWie die Glut in der Steppe, so der Bösen Getümmel. Du aber besiegst die Glut mit Wolkenschatten, der Übermütigen Jubelgesang wird gedämpft.
ZunzGleich der Glut im Steppenland trittst du nieder der Barbaren Getöse; (wie) Glut mit Wolkenschatten dämpft er der Uebermüthigen Jubelgesang.
J. J. HirschWie die Sonnenglut in der Wüste, so pflegst du das Toben der Entfremdeten zu demütigen — aber „Sonnenglut bei Wolkenschatten“, so wird das Lied von den Gewaltigen beginnen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. כחרב בציון, wie בציה Wüstenei, Öde. Wenn du sonst, spricht Jesaia weiter, über Völker den Untergang verhängtest, so ließest du ihn als natürliche Folge der Dinge eintreten, das von dir gegebene und geleitete Naturgesetz, dem sie sich entfremdet hatten, raffte sie hinweg, sie gingen an Entartung zugrunde, nachdem sie Saft und Kraft selbständigen Seins eingebüßt hatten — wie der Wüstenwanderer wasserlos verschmachtet im Sonnenbrand.

Ganz anders aber wird das einstige Weltgericht Gottes walten. Sein Eingreifen folgt nicht den Gesetzen [der Natur,] unmittelbar von Gott verhängt, tritt die Vernichtung der Gewalt ein. Alle Bedingungen zu fernerem gewalttätigem Auftreten der Macht sind noch vorhanden wie bis dahin, und doch bricht sie unter der Wucht des göttlichen Urteils zusammen. Deshalb wird das Lied, mit welchem einst ein נעים זמרות ישראל, ein „Liederhold Israels“ (2. Samuel 23, 1) in davidischer Begeisterung den Aufschwung der Erde, den Sieg des Rechts über das machtgerüstete Unrecht besingen wird, das „Lied von den Gewaltigen“ mit den Worten anheben: „Sonnenglut bei Wolkenschatten“! Ganz geschützt und behaglich fühlt sich die Gewalt; das Weh, welches sie dem Schwachen bereitete, schmerzte sie nicht, Sorge und Angst, Furcht für die Zukunft kannte sie nicht, am allerwenigsten vor Gott, dessen Dasein sie leugnete — da urplötzlich sank sie, vom himmlischen Strafgericht getroffen, vernichtet zu Boden!

שיר זמיר עריצים wie oben 5, 1: שירת דודי der Gesang von meinem Freunde, שיר חנכת הבית (Ps. 30, 1). — יענה wie וענית ואמרת (5. B. M. 26, 5) du beginnst und sprichst, וענו הלוים וגו' (das. 27, 14) die Leviten heben an und sprechen.

6
וְעָשָׂה֩ יְהֹוָ֨ה צְבָא֜וֹת לְכׇל־הָֽעַמִּים֙ בָּהָ֣ר הַזֶּ֔ה מִשְׁתֵּ֥ה שְׁמָנִ֖ים מִשְׁתֵּ֣ה שְׁמָרִ֑ים שְׁמָנִים֙ מְמֻ֣חָיִ֔ם שְׁמָרִ֖ים מְזֻקָּקִֽים׃
BernfeldDer Herr Zebaot bereitet allen Völkern auf diesem Berge ein Gelage von fetten Speisen, ein Gelage von alten Weinen, von martigen Fettspeisen, von geläuterten Weinen.
ZunzUnd es bereitet der Ewige der Heerschaaren allen Völkern auf diesem Berge ein Gelag von fetten Speisen, ein Gelag von Hefenweinen, von markigen Fettspeisen, von geläuterten Hefenweinen.
J. J. HirschEs bereitet Gott Zebaoth allen Völkern auf diesem Berge einen Trunk von Ölen, einen Trunk von Hefen, die Öle sind durch und durch markige, die Hefen ganz gereinigte.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. ועשה וגו'. Das sichtbare Eingreifen Gottes in die Weltgeschichte macht aller Halbheit ein Ende. Als ד' צבאו' zeigt er sich, verlangt strikten Gehorsam von allen Gliedern seines Heeres, seine Ordres sind ausgegeben in dem בהר הזה auf dem Berg Zion deponierten Sittengesetze. — Die Völker, welche sich dessen allgemein menschlichen Pflichten unterordnen, erstehen zu einem gesunden, lebenskräftigen Dasein und wirken mit an dem dauernden Heile der Menschheit; die Gott den Gehorsam verweigern, werden es nicht länger stören können, sie gehen völlig unter. Ungemischt reicht ihnen Gott die Becher ihres Geschickes, sie haben zwischen beiden zu wählen.

שמן, שמנים Öl, Fett, in תנ"ך häufig Bild der Gesundheit und des behaglichen Lebens, wie ja בריא zugleich fett und gesund bedeutet. שמנים ממחים wahrscheinlich von מח Mark abgeleitetes Substantiv: aus den Markknochen stammendes Fett; als Zeitwort würde es Pualform von מחה löschen sein. — שמרים מזקקים Hefen, aus denen alles noch irgendwie Trinkbare herausgezogen ist, also pure bittere, ungenießbare Hefen.

7
וּבִלַּע֙ בָּהָ֣ר הַזֶּ֔ה פְּנֵֽי־הַלּ֥וֹט ׀ הַלּ֖וֹט עַל־כׇּל־הָעַמִּ֑ים וְהַמַּסֵּכָ֥ה הַנְּסוּכָ֖ה עַל־כׇּל־הַגּוֹיִֽם׃
BernfeldEr macht verschwinden auf diesem Berge die Hülle, die alle Völker umhüllet, und die Decke, die ausgebreitet über alle Nationen, [alle Trauer soll aufhören].
ZunzUnd er macht verschwinden auf diesem Berge die Hülle, die alle Völker umhüllet, und die Decke, die ausgebreitete über alle Nationen.
J. J. HirschEr macht zunichte auf diesem Berge die Absichten der Verhüllung, die man über alle Völker gebreitet hat und das Gewebe, welches um alle Nationen gewebt ist.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. פני הלוט. Die angestrebten Ziele, die Absichten; s. das zu פני עניים oben 3, 14 Erläuterte. Das erste הלוט ist Subst., das zweite Part. Präs. von לוט umhüllen, לוטה בשמלה (1. Samuel 21, 10). Regulär müßte es eigentlich הלט heißen, wir finden jedoch analog 2. Könige 16, 7: הקומים statt הקמים. — Viel zu lange hat man das Volk absichtlich im Dunkel über alles höhere menschenwürdige Streben im gesellschaftlichen Leben (עמים) gehalten, um es den selbstsüchtigen Absichten, die man verfolgte, gefügiger zu machen, wie man die Nachtigall blendet, um sie zum Singen zu bewegen. Viel zu lange spekulierte man auf die Uneinigkeit der Nationen (גוים), umspann sie künstlich mit dem sie trennenden Gewebe des Chauvinismus um ihre internationale Annäherung zu verhindern und hatte dabei nur das eigene unsaubere Selbstinteresse im Auge. (Vgl. Ps. 68, 31: בזר עמים קרובת יחפצו.) Alle diese egoistischen Bestrebungen vernichtet das von Zion ausgehende Gottesgesetz.

8
בִּלַּ֤ע הַמָּ֙וֶת֙ לָנֶ֔צַח וּמָחָ֨ה אֲדֹנָ֧י יֱהֹוִ֛ה דִּמְעָ֖ה מֵעַ֣ל כׇּל־פָּנִ֑ים וְחֶרְפַּ֣ת עַמּ֗וֹ יָסִיר֙ מֵעַ֣ל כׇּל־הָאָ֔רֶץ כִּ֥י יְהֹוָ֖ה דִּבֵּֽר׃ {פ}
BernfeldDenn er lässt aufhören den Tod für immer. Gott, der Herr, löscht die Träne von jedem Angesichte, und seines Volkes Schmach tut er ab von der ganzen Erde, denn der Herr hat dies verheißen.
ZunzEr macht verschwinden den Tod für immer, und es löscht Gott, der Herr, die Thräne von jeglichem Angesichte, und seines Volkes Schmach thut er ab von der ganzen Erde; denn der Ewige hat geredet.
J. J. HirschEr hat dann den Tod für immer vernichtet, und es tilgt mein Herr, der auch richtend seine Liebe offenbarende Gott, die Träne von jedem Angesichte und wird die Schmach seines Volkes von der ganzen Erde schwinden lassen, denn Gott hat es ausgesprochen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. בלע וגו'. Dann braucht die Barmherzigkeit Gottes nicht mehr den Tod zu senden, um die Menschen von einem Leben des Kampfes, des Ringens und der Mühe zu erlösen, dann stellt er die Möglichkeit eines sich ewig regenerierenden irdischen Lebens wieder her. Vgl. Komm. zu 1. B. M. 3, 22: פן ישלח ידו וגו' וחי לעלם.

ומחה וגו'. Es sind die bittersten Tränen nicht, die um den Tod eines Menschen geweinten, weit bitterer ist und viel heißer brennt דמעת העשקים (Pred. 4, 1) die Zähre der Unterdrückten, die ihnen die grausame Härte gesetzlos lebender mächtiger Menschen erpreßt. אדנ'. Der Gott, der mich sendet, um sein strafendes Einschreiten gegen das Unrecht zu verkünden, offenbart ja gerade damit seine Liebe für die Menschheit (שם הוי"ה als אלקים gelesen), und mit dem Unrecht schwindet auch die Träne.

וחרפת עמו יסיר. Erst dann, wenn die Welt den Segen empfindet, an sich selbst fühlt, der mit der Unterordnung unter das Sittengesetz ihr geworden, erst dann begrüßt sie auch dessen Überbringer, das jüdische Volk, mit aufrichtiger Freundlichkeit, dieses Volk, das sie seit Jahrtausenden gerade wegen dieser Heroldschaft verkannt und verachtet hatte, und dessen Schmach und Schmähung allüberall auf Erden heimisch, ja zum Dogma geworden war. — בלע ist עבר, bei ומחה ist es ungewiß, ob das ו ein verbindendes oder ein umwandelndes ist, יסיר ist aber reiner עתיד.

9
וְאָמַר֙ בַּיּ֣וֹם הַה֔וּא הִנֵּ֨ה אֱלֹהֵ֥ינוּ זֶ֛ה קִוִּ֥ינוּ ל֖וֹ וְיוֹשִׁיעֵ֑נוּ זֶ֤ה יְהֹוָה֙ קִוִּ֣ינוּ ל֔וֹ נָגִ֥ילָה וְנִשְׂמְחָ֖ה בִּישׁוּעָתֽוֹ׃
BernfeldAn jenem Tage wird man sprechen: Das ist unser Gott, auf den wir gehofft, dass er uns helfe; der Herr ist es, auf den wir hofften. Lasset uns jubeln und froh sein ob seiner Hilfe!
ZunzUnd sprechen wird man an jenem Tage: Siehe da, unser Gott, auf den wir gehofft, daß er uns helfe; der Ewige ist es, auf den wir hofften. Lasset uns jubeln und froh seyn ob seiner Hülfe!
J. J. HirschEs aber wird an jenem Tage sprechen, siehe, dies ist unser Gott, dessen wir geharret, daß er uns helfe, dies ist Gott, seiner harreten wir, lasset uns aufjauchzen und uns freuen seiner Hilfe!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. ואמר. Subjekt hiervon ist das eben erwähnte עמו; Israel aber spricht: seht, auch damals, als Gott sich uns als אלקינו zeigte, so lange Jahrhunderte hindurch uns so Trübes und Ernstes, um uns zu erziehen, sandte, blickten wir nur auf ihn hin, wollten einzig ihm unsere Rettung verdanken; nun da er sich uns in seiner Milde und Liebe als ד' erweist, wollen wir laut jubeln und wonnig aufblühen (שמח lautverwandt mit צמח) in dem beseligenden Bewußtsein, seiner Hilfe würdig befunden zu sein.

10
כִּי־תָנ֥וּחַ יַד־יְהֹוָ֖ה בָּהָ֣ר הַזֶּ֑ה וְנָד֤וֹשׁ מוֹאָב֙ תַּחְתָּ֔יו כְּהִדּ֥וּשׁ מַתְבֵּ֖ן (במי) [בְּמ֥וֹ] מַדְמֵנָֽה׃
BernfeldWenn walten wird die Hand des Herrn auf diesem Berge, so wird Moab zerstampft an seiner Statte, wie ein Strohbund zerstampft wird im Mistpfuhl
ZunzWenn sich niederläßt die Hand des Ewigen auf diesen Berg, so wird Moab zerstampft an seiner Stätte, wie ein Strohbund zerstampft wird im Mistpfuhl.
J. J. HirschDenn ruhen wird die Hand Gottes auf diesem Berge. Aber zertreten wird Moab, wenn es auf seinem Standpunkte verharrt, wie Stroh in die Dunggrube gestampft wird.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10—12. כי תנוח וגו'. Denn das zeigt sich darin, daß Gottes Hand fortan für immer segnend auf Zion ruhen und es vor jedem Angriff schützen wird.

Wer sich dann noch, nachdem sich die Sendung Israels als so unaussprechlich heilbringend für die Welt erwiesen hat, ihm feindlich entgegenstellt, der bekundet damit nicht allein den fanatischsten Haß gegen Israel, sondern gegen Gott, gegen sein Sittengesetz und die göttliche Weltordnung. Der zeigt, daß er noch auf demselben Standpunkte verharrt, den Moab einnahm, als Israel einst sich anschickte, den ersten Schritt zur Erfüllung seiner Mission als Überbringer dieses Gesetzes an die Menschheit zu tun. Damals war Moab durchaus nicht von Israel bedroht, wie ihm dies ja sein Seher Bileam ausdrücklich 4. B. M. 24, 14 mit den Worten: „Was dieses Volk deinem Volke tun wird, das wird erst am Ende der Tage sein“, gesagt hatte. Und doch griff es auf den Rat eben dieses Sehers zu den schmutzigsten Mitteln, um die Mission des Gottesvolkes zu verhindern, suchte die Träger des Sittlichkeitsprinzips in den Pfuhl sinnlicher Entartung hinabzuziehen, indem es seine eigenen Töchter als Phrynen zur schamlosesten Unzucht ihnen entgegen sandte.

ונדוש מואב וגו'. Von diesem Gesichtspunkte aus dürfte Jesaia hier, so glauben wir, die alsdann noch gegen Israel und Gott in verbissener Feindschaft Auftretenden als das verkörperte, auf seinem Standpunkte eigensinnig beharrende Moab brandmarken. Sein verbohrter Haß gegen die Gottessaat der sittlichen Reinheit zieht auch die letzte Spur davon, מתבן die noch in ihm verblieben, in die Mistpfütze der Entartung. Nun wohl, mag es noch eine Weile weiter im eigenen Schmutze wühlen, bis es darin untergeht. Dort befindet es sich in seinem Elemente, darin versteht es zu manövrieren, meint immer obenauf schwimmen zu können — aber es bereitet sich selbst den Untergang mit seinen Manipulationen.

ומבצר וגו'. Daß du weiter keinen Schaden anrichten kannst, apostrophiert der Prophet zum Schlusse diese Gegnerschaft à la Moab, dafür hat Gott gesorgt — deine Politik erzielt keine Erfolge mehr, deine himmelhoch strebenden Mauern sind bereits, immer mehr verfallend, dem Boden gleich geworden.

Im einzelnen ist noch zu bemerken: ונדוש und כהדוּש beides נפעל von דוש dreschen, כהדוּש für כהדוש. — תחתיו wie ולא קמו איש מתחתיו (2. B. M. 10, 23) von seiner Stelle; שבו איש תחתיו (dort 16, 29) bleibe jeder, wo er ist; וימת תחתיו (2. Samuel 2, 23) er starb auf seiner Stelle, da, wo er gestanden hatte, u. s. — מדמנה von דמן Dünger, היו דמן לאדמה (Ps. 83,11) wurden Dünger dem Boden: die Dunggrube. Das stark Naturalistische des כתיב: במי מדמנה, was „Jauche“ bezeichnen würde, wird durch das קרי: במו „in“ gemildert. — שחה schwimmen, im Hifil schwemmen; Ps. 6, 7: אשחה בכל לילה מטתי, s. Etym. im Komm. das. — ארבות ידיו von ארב Hinterhalt legen, im geheimen auflauern, ist das Hauptwort ארב gebildet, ובקרבו ישים ארבו (Jerem. 9, 7) in seinem Innern legt er ihm den Hinterhalt. Plural ארבות wie von גרן גרנות und wie dessen stat. constr. גרנות דגן (Hosea 9, 1), hier ארבות ידיו. Im Bilde der unter Wasser ausgeführten Schwimmbewegungen bezeichnet hier ארבות ידיו wörtlich „hinterlistige Manipulationen“. Die Porträtähnlichkeit mit Moab würde eines charakteristischen Zuges entbehren, wenn nicht der im Trüben, verborgen ausgeführten Machenschaften gedacht wäre, in denen ja das nicht kriegerisch veranlagte Moab es zu großer Fertigkeit gebracht hatte, wie wir dies eingangs des Kapitels 15 erläuterten.

11
וּפֵרַ֤שׂ יָדָיו֙ בְּקִרְבּ֔וֹ כַּאֲשֶׁ֛ר יְפָרֵ֥שׂ הַשֹּׂחֶ֖ה לִשְׂח֑וֹת וְהִשְׁפִּיל֙ גַּאֲוָת֔וֹ עִ֖ם אׇרְבּ֥וֹת יָדָֽיו׃
BernfeldEr wird seine Hände darin ausbreiten wollen, wie sie der Schimmer ausbreitet, um zu schwimmen [um sein sein Gebiet zu erweitern]; aber [Gott] beugt seinen Hochmut samt der Gelenkigkeit seiner Hände.
ZunzUnd er breitet seine Hände darin aus, wie (sie) der Schwimmer ausbreitet, um zu schwimmen; aber er beugt seinen Hochmuth sammt der Gelenkigkeit seiner Hände.
J. J. HirschUnd darin breitet es seine Hände aus, wie sie der Schwimmer zum Schwimmen ausbreitet, aber es bereitet seinem Stolz den Untergang mit seinen versteckten Handbewegungen.
12
וּמִבְצַ֞ר מִשְׂגַּ֣ב חוֹמֹתֶ֗יךָ הֵשַׁ֥ח הִשְׁפִּ֛יל הִגִּ֥יעַ לָאָ֖רֶץ עַד־עָפָֽר׃ {ס}
BernfeldDie stolze Sicherheit deiner Mauern beugt [Gott] nieder, er erniedrigt, drückt sie zur Erde in den Staub.
ZunzUnd die stolze Sicherheit deiner Mauern beugt er nieder, erniedriget, drückt (sie) zur Erde, in den Staub nieder.
J. J. HirschAber die hochragende Befestigung deiner Mauern hat Er schon gesenkt, erniedrigt, zur Erde gelegt — bis in den Staub.