Jeschajahu 22 ישעיהו
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 22. V. 1. Der Schluß des vorigen Kapitels kündigt die Vergeltung an, die das herzlose Gebahren arabischer Stämme gegen Juda während der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar treffen werde. Unser Kapitel blickt in seinem ersten Teile auf den Moment dieser Eroberung hin. Ihm ist Jerusalem des גיא חזיון, die zu Füßen des הר ציון sich ausbreitende Stadt, die von der Zionshöhe ihre Leitung und ihre Erhaltung haben sollte und auf die hinab eben von jener Höhe alles prophetische „Schauen“ gerichtet ist. Dieses Tal des Schauens sieht der Prophet unter der Last des gottgesandten Geschickes, mit welcher es selbst sich durch seine Verirrungen und Vergehen beladen hatte, erliegen. Er sieht alle Dächer voller Menschen, die, als der Feind die Stadt erobert, auf die Dächer flüchten, gar viele von ihnen bereit, wenn keine Rettung möglich, sich hinabzustürzen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 2. תשאות מלאה rad. שוא, Menge oder, da es Plural ist, die Massen, jedoch liegt schon in der gleichzeitigen Verwandtschaft mit שאה das Lärmende, Geräuschvolle, wie dies in תשאות נוגש לא ישמע (Job 39, 7) hervortritt. Die sonst so verkehrsreiche, in lautem Getriebe sich bewegende Stadt, die heitere Metropole mit ihrer Vergnügungen nachjagenden Bevölkerung sieht er wie ausgestorben. Aber חלליך, wörtlich: „deine Erschlagenen“, dein Volk, das nun jeder Lebensfreudigkeit bar ist, in dem alle Lebenskraft erstorben — wohler wäre ihm, durchs Schwert erschlagen zu sein oder sonstwie im Kriege sein Dasein geendet zu haben, als daß es nun für die bittere Gefangenschaft aufbewahrt ist. תשאות מלאה וגו' ist Vokativ, was in der Übersetzung durch das wiederholte „du“ ausgedrückt ist.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 3. קצין קציניך. קצין bezeichnet sowohl die Angesehenen und Großen als die Führer: oben 1, 10 קציני סדום, 3, 6 קצין תהיה לנו, Richter 11, 11 וישימו העם אותו עליהם לראש ולקצין. Hier ist König Zidkijahu mit seinem Gefolge gemeint, die, wie 2. Könige 25, 4—7 berichtet wird, bei der Belagerung Jerusalems nächtlicherweise die Stadt verlassen hatten, aber von den Babyloniern wieder eingeholt, in Fesseln geschlagen und in grausame Gefangenschaft fortgeschleppt wurden. Ebenso sieht Jesaia alle in der Stadt Vorgefundenen für die Gefangenschaft gefesselt und dieses, seines Volkes wartende Exilsgeschick ist seinem Prophetenblick und seinem Herzen weit bitterer als der Tod. — מקשת, s. das oben zu 21, 17 Bemerkte. — מרחוק ברחו. Die Bewohner der offenen Provinz hatten zuversichtlich gehofft, in dem festen Jerusalem Sicherheit vor dem anstürmenden Feinde zu finden.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 4. 5. על כן bezieht sich, wenn wir nicht irren, auf das Folgende, und wäre eigentlich das Ganze bis einschließlich V. 11 als ein großer Satz mit vielen eingeschobenen Zwischensätzen zu übersetzen, was jedoch im Deutschen unschön wäre. Gesagt ist: Nicht den „Gefallenen“, ja nicht einmal den für das noch herbere Exil „Gefesselten“ gilt seine Träne. Bitteres Naß erpreßt seinen Augen die Wahrnehmung, daß selbst der Moment der höchsten Gefahr nicht imstande ist, die Blicke eines großen Teils seines Volkes zu Gott zurückzuwenden. Darüber ist er untröstlich! Er sieht, daß man auch in dem Augenblicke, da das Verderben hereinbricht, nicht seine wahre Ursache erkennt, nicht erkennt, daß אדנ' der Herr, wörtlich: mein Herr, der durch den Mund des Propheten das Volk längst auf diesen Tag vorbereitet hat, das Verhängnis sendet, welches sie nun bedroht. Und dieses Verhängnis selbst ist nur ein Ausfluß der göttlichen Liebe (der שם הוי' als אלקים gesprochen), die Er auch als Richter betätigt, Er, der צבא' alle Wesen ihrem Ziele zuführen will, und dieses Gottes Boten sind die Ereignisse, welche מקרקר קיר Judas politische Machtstellung „entmauern“ sollen, damit das גיא חזיון sich hilfesuchend אל ההר, dem הר הקודש, dem Gottesheiligtum auf dem Berge Zion wieder zuwende und durch das Gelöbnis der Besserung sich der göttlichen Verzeihung würdig zu machen strebe. Allein Mangel an Einsicht bei Führern und Volk ließ solche Gedanken in ihnen nicht aufkommen, wie dies weiter ausgeführt wird.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 6. אשפה Köcher, der Behälter der Pfeile, hier bildlich die umfassendste Kriegsbereitschaft, bestehend in Fußvolk, das zu rascherem und weniger ermüdendem Fortkommen sich bis in Feindesland der Kriegswagen als Transportmittel bediente, und in Reiterei.
ערה מגן. bereitet sich zum Kampfe vor, indem es die Überzüge, welche die Schilde während des Marsches zur Schonung trugen, von ihnen abzieht.
Unter den siegreichen Eroberern Jerusalems sieht Jesaia auch Elam, jenes Persien, das mit Medien verbündet (oben 21, 2) siebzig Jahre später ebenso Babel erobern und dann Judas Gefangenen zur Freiheit verhelfen wird. Aber auch Kir schaut er unter den Eroberern, die Truppen eben jener Provinz, nach welcher einst der von Judas König Achas herbeigerufene assyrische König die Damascener vertrieben hatte. Nach diesem Siege war Achas zur Huldigung des assyrischen Königs nach Damaskus geeilt, hatte dort den heidnischen Kultus kennen gelernt und ihn sofort (2. Könige 16, 10 u. f.) in kriechender Konnivenz gegen Aschur in den Tempel Gottes zu Jerusalem eingeführt. Damit aber hatte er die Richtung angebahnt, die jetzt Juda dem gleichen Geschicke entgegenführt, welches einst Damaskus in Kir gefunden! Eröffnet die Erwähnung Elams hier einen tröstlichen Ausblick in die Zukunft, so birgt die Nennung von Kir einen bitteren Vorwurf für die Vergangenheit!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 7—11. שות heißt selbst ohne beigefügtes Objekt: Richtung irgend wohin nehmen, כצאן לשאול שתו (Ps. 49, 15). — מסך kommt immer als den Eingang schützender Vorhang vor. בית היער der Prachtbau im Libanonwalde, dessen Errichtung durch König Salomo 1. Könige 7, 2 erwähnt wird, der hauptsächlich zum Arsenal bestimmt war, zugleich aber auch als Schatzkammer diente (ibid. Kap. 10, 16, 17, 21). — Auch als der Feind bereits die Umgebung Jerusalems besetzte, die Reiterei schon ihre Angriffslinie gegen die Stadt formierte, und wenn Gott auch nicht sichtbar hervortrat (als Subjekt von ויגל ist der Gottesname nicht genannt), es doch dem Volke hätte klar werden müssen, daß dies nur dadurch möglich geworden, weil Gott seine schützende Hand von Juda abgezogen hatte — auch da noch sieht Jesaia das Volk in seiner Majorität (ותבט ist Singul.) völlig beruhigt, seine Zuversicht einzig und allein auf das wohlgefüllte Arsenal setzen, und die Staatsleiter (ראיתם ist Plural) nicht in dem Riß des Juda mit Gott verknüpfenden Bandes die Gefahr erblicken, sondern höchstens in den Rissen der Stadtmauer, und darum auf deren Ausbesserung bedacht! Weil sie von außen kein Baumaterial herbeischaffen können, gewinnen sie solches durch Niederlegen von Häusern, die sie je nach der Größe des Besitzstandes der Eigentümer expropriieren. Ebenso treffen sie Vorkehrungen, um während der Belagerung genügend mit Wasservorrat versorgt zu sein und zugleich dem zernierenden Feinde das Wasser abzuschneiden. — Alles sehr vernünftige, kluge Maßnahmen, wenn sie gleichzeitig und mindestens ebenso eifrig ihr eigenes und das Herz ihres Volkes zu Gott zurückgewandt hätten, zu Gott, der in seiner Langmut erst jetzt „עשיה“ an ihnen das Urteil vollstreckt, das, was er „ויוצרה מרחוק“ seit langem zur Sühne ihres Abfalls vorbereitend entworfen hatte. Ihnen hätte Chiskijahu als Vorbild dienen können, dienen müssen, der bei dem Herannahen Sanheribs (2. Chron. 32, 3—8) wohl den hier geschilderten ähnliche Sicherheitsmaßregeln traf, aber den Heerführern und dem Volke „zu Herzen redend“ es aussprach, daß nur, wenn sie „חזקו ואמצו“ in Gott ihre Stärke suchen und an sein Gesetz sich halten, אל תיראו ואל תחתו מפני מלך אשור וגו' sie den König von Aschur und seine Truppenmasse nicht zu fürchten und vor ihnen nicht zu zagen hätten, כי עמנו רב מעמו „denn Der mit uns ist, ist mächtiger als was mit ihm ist! u. s. w.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 12. 13. ויקרא וגו' ביום ההוא ist die nähere der V. 5 ausgesprochenen Bestimmung des יום מהומה וגו', der Judas politische Machtstellung erschüttert und seine-Blicke auf das Gottesheiligtum lenken sollte: Gott forderte durch diesen Tag sein Volk zur Einkehr und Umkehr auf, zur Träne und Trauer über den eigenen Abfall vom göttlichen Gesetze — aber ungehört verhallt der Gottesruf. Die Mauer ist ausgebessert, das Arsenal reich gefüllt mit Waffen, für den Durst gesorgt — was sollte weiter geschehen?! Darum herrscht eitel Lust und Freude, in ausgelassenem Jubel genießt man das Heute, einmal müssen wir ja doch sterben, und sterben wir morgen, so haben wir doch heute das Leben genossen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 14. ונגלה וגו'. Subjekt des Satzes ist ד' צבא', wörtlich: da offenbarte sich u. s. w. Dem Geiste des Propheten wird es völlig klar, daß העון הזה — עוה abweichen von dem geraden Wege — diese Verkehrtheit nur mit dem Untergange gesühnt werden kann, ja daß allein die Beseitigung der Schuldigen das jüdische Volk für seine heilige Aufgabe zu erretten vermöge. (Der שם הוי' als אלק' gesprochen.)
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 15. Eben diese verkehrte Lebensanschauung, die bei völliger Gottvergessenheit das Ideal des menschlichen Lebens nur im Streben nach Genuß erblickte, welche Gott als eine nur mit dem Tode zu sühnende Schuld soeben rügte, sieht sein Auge bei einem hochgestellten Zeitgenossen des Propheten und beauftragt ihn mit der Überbringung des göttlichen Strafurteils an ihn. Sind auch die Verirrungen Schebnas nicht ausdrücklich genannt, so deuten doch die V. 16 getadelte Prunksucht bis über den Tod hinaus und die V. 18 erwähnten „Karossen der Herrlichkeit“ auf ein bis zum Erzeß gehendes Streben nach Genuß und Ehre hin. Und nun gar die Anrede „du Schmach des Hauses deines Herrn“ — an einen hohen Würdenträger des gottesfürchtigen Chiskijahu gerichtet — enthüllt uns in Schebna die schmählichste Pflicht- und Gottvergessenheit, die nur durch Verbannung und Tod ihre Sühne finden konnte. Sanhedrin 26, a wird erzählt, daß bei der Belagerung Jerusalems durch Sanherib Schebna Verrat beging und sich zu dem belagernden Feinde hinaus begab, dort aber, da er allein, ohne die versprochene Begleitung seines Anhangs erschienen war, zur Strafe seines Wortbruchs an die Schweife der Rosse gebunden über Dorn und Disteln geschleift wurde. Nach einem anderen Berichte habe ihn und seinen Anhang Sanherib bei der gezwungenen Aufgabe der Belagerung Jerusalems mit fortgeschleppt.
Der in unserem Vers genannte Schebna ist sicherlich nicht identisch mit dem weiter Kapitel 36, 3, 11 und 37, 2 erwähnten שבנא הספר, der in Begleitung von אליקים בן חלקיהו אשר על הבית vom König Chiskijahu zuerst zu Rabschakeh und sodann zu dem Propheten Jesaia gesandt wurde. Dieser אליקים בן חלקיהו wird ja hier ausdrücklich als Amtsnachfolger des gestürzten Schebna bezeichnet, und wäre es völlig undenkbar, daß der König denselben Schebna seiner hohen Würde entkleidet und in eine vielleicht eben so hohe, jedenfalls aber das höchste Vertrauen erfordernde Stelle einsetzt, ja noch mehr, daß er denselben Schebna, dessen Sturz Jesaia vorausgesagt hatte, mit einer Mission an diesen Propheten betraut haben sollte. Auf die Unmöglichkeit einer solchen Annahme wird bereits von späteren Kommentatoren aufmerksam gemacht. Unzweifelhaft sind „הסכן הזה שבנא אשר על הבית“ und „שבנא הספר“ zwei voneinander verschiedene Personen. Wahrscheinlich sogar wird in unserem Satze שבנא gerade deshalb so genau erst als סכן und dann noch als אשר על הבית bezeichnet, um einer Verwechslung mit dem anderen שבנא, שבנא הסופר, dem das Amt eines königlichen Privatsekretärs oder Staatssekretärs bekleidenden, vorzubeugen.
סכן. Wir finden ערי מסכנות 2. B. M. 1, 11 als Vorratsstädte, ותהי לו סכנת 1. Könige 1, 2 als Pflegerin, Versorgerin. סכן dürfte wohl das Amt eines Schatzmeisters oder eines Ministers des königlichen Hauses bedeuten, vielleicht beides, worauf das אשר על הבית hinweist. Vgl. אשר על ביתו (1. B. M. 44, 1). Nicht unmöglich ist, daß in dem הסכן הזה ein Tadel seiner Amtsführung liegt: der in solcher Weise סכן ist, so seines Amtes als „Pfleger“ waltet.
לך בא אל הסכן הזה על שבנא: wie בא אל פרעה (2. B. M. 10, 1) suche ihn inmitten seiner prächtigen Behausung auf und komme על über ihn, du kommst zu ihm mit einer Botschaft, die schwer auf ihm lasten, ihn zu Boden drücken wird.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 16. מה לך פה. Diese Frage finden wir noch an zwei Stellen: 1. Könige 19, 9 an den Propheten Elijahu gerichtet, drückt sie aus: Was hast du hier zu sein? Du bist hier nicht an deinem Platze, nicht in der Einsamkeit der Wüste ist die Stätte für die Wirksamkeit des Propheten, sondern inmitten seines Volkes; darauf erfolgte die Antwort: Ich habe eifrig gewirkt, aber vergeblich und man trachtet mir nach dem Leben. Sodann Richter 18, 3 an den von Micha für priesterliche Funktionen engagierten Jüngling, in der Bedeutung: Was verdienst du hier? In unserem Vers kann damit gesagt sein, warum vernachlässigst du deine Pflichten, hältst dich in eigenem Palaste auf, statt im Hause des Königs deinen Obliegenheiten zu leben? Oder der zweitzitierten Stelle entsprechend: Welches Verdienst erwirbst du dir hier, daß du dich in deiner Stellung so sicher fühlst, daß du überzeugt sein dürftest, sie dein lebelang nicht zu verlieren. — ומי לך פה (1. B. M. 19, 12). Die Frage nach seinen Verwandten und Nahestehenden. Du hast dir hier schon beizeiten ein luxuriöses, hochgewölbtes Felsengrab als Ruhestätte bereitet — du stürzest, stirbst in der Fremde und alle dir Nahestehenden gleichfalls.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 17—19. גבר ist Vokativ: Mann, der du dich für so stark hältst. ועטך עטה צנוף יצנפך וגו' ist die nähere bildliche Darstellung dessen, was dem Wurfe vorangeht. Du und alles, was in gleicher Gewissenlosigkeit sich dir angeschlossen hat, wird, zu einem großen Ball verpackt, weit hinweggeschleudert. Der Boden, auf den er auffällt, ist eben und da rollt der Ball noch weiter fort.
קלון וגו' ist Vokativ. והדפתיך ich mache, indem ich deinem Herrn die Augen öffne über deine Unwürdigkeit, daß du deinen hohen Posten verlierst, der König wird aber noch weiter gehen, er stößt dich aus dem Beamtenstande, aus der Klasse der Würdenträger für immer aus. Subjekt von יהרסך ist אדוניך.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 20—23. לעבדי. Im Gegensatz zu dir hat sich dein Nachfolger bereits durch sein ganzes Vorleben des höchsten Ehrentitels „Diener Gottes“ würdig gemacht. Er wird sein Amt nicht mißbrauchen, er wird ein wahrer סכן Versorger und Pfleger, ja Vater seiner Mitbürger werden, indem er sich als „meinen Diener“ begreift. והיה לאב, vgl. das zu לאב לפרעה im Komm. 1. B. M. 45, 8 Bemerkte, Ratgeber, ohne dessen Einwilligung nichts zu geschehen hat.
מפתח בית דוד על שכמו bildlich, wie oben 9, 5: ותהי המשרה על שכמו. Ihm kann der König unbeschränkte Macht über sein Haus verleihen, so daß alle seinen Beschlüssen Folge zu leisten haben. יתד Nagel, Pflock kommt gewöhnlich als יתד האהל, als der Pflock vor, der dem Zelte Halt und Festigkeit gibt. Sein wackeres, gottesfürchtiges Wirken erhöht die Festigkeit des Königshauses. Wie er dem Volke Jerusalems und dem Hause Juda ein Vater ist, so blickt er mit kindlicher Liebe und Ehrfurcht auf zu seinem Herrn, dessen Haus er als sein Vaterhaus anschaut, dessen Ehre zu wahren und zu mehren er als seine Aufgabe betrachtet. Er sucht nicht Ehre für sich, will nur der Sitz sein, auf den die Ehre seines Herrn sich ruhig niederlassen kann.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 24. ותלו עליו. Davon sind auch alle überzeugt, darum vertrauen auch alle der Festigkeit und Haltbarkeit des „Pflockes“ Eljakim — der Prophet verbleibt bei dem Gleichnisse des Pflockes und des Hauses — ruhig sich und ihre Interessen an. Alle, sowohl die Glieder des Königshauses als die dem Hofe Nahestehenden, aber auch Volk, Priester und Leviten suchen ihren Halt in ihm.
צאצאים sind leibliche Nachkommen. Bei צפעות dürfte die Verwandtschaft der Wurzel צפע mit צבא und צבה, versammeln, an Umfang zunehmen, auf diejenigen hinweisen, die durch Heirat zu dem Hofe in Beziehung treten.
כל כלי הקטן. הקטן wie קטן וגדול שם הוא (Job 3, 19 u. f.) der „kleine Mann“, der weder durch Reichtum noch durch Stellung hervorragt. Hier im Gegensatze zum Königshause ist כל כלי הקטן bildlicher Ausdruck für das Volk, insbesondere für dessen Minderbegüterte, ebenso bezeichnet כלי האגנות (2. B. M. 24, 6 וישם באגנות) Sprengbecken, den Priesterstand, wie כלי הנבלים Musikinstrumente, die den Dienst des Gesangs im Tempel vollziehenden Leviten.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 25. ביום ההוא. Die meisten Kommentatoren nehmen den Inhalt dieses Verses als auf Schebna sich beziehend. Dagegen spricht, daß dieser überhaupt nicht als יתד התקועה במקום נאמן bezeichnet und sein völliger Sturz bereits oben vor der Berufung Eljakims eingehend geschildert war. — Gegen eine andere, von nichtjüdischer Seite gegebene Erklärung, daß der Inhalt des Verses sich allerdings auf Eljakim beziehe, und sein Sturz komme als Folge und Strafe einer Nepotenwirtschaft, welche sie in V. 23 und 24 gebrandmarkt wähnen, spricht alles, spricht der ganze Inhalt des bis zu diesem Verse von ihm Ausgesagten. So handelt kein „Diener Gottes“, so kein „Vater der Bevölkerung Jerusalems“ u. s. w.
Wir folgen gerne der schönen Erläuterung des Rabbi Eleasar de Beaugenci (gegen Ende des 12. Jahrhunderts lebend), der das ביום ההוא als einen Hinweis auf die im ersten Teile unseres Kapitels verkündete Zeit des Untergangs von Jerusalem begreift, wodurch auch der Zusammenhang der beiden Teile des Kapitels, wie wir ihn oben zu erklären versuchten, an Wahrscheinlichkeit gewinnt. ביום ההוא heißt selbstverständlich hier, wie an vielen anderen Stellen, nicht gerade „an demselben Tage“, sondern „um jene Zeit“, wie רד"ק z. B. oben zu V. 20 bemerkt.
Der Sinn des Verses ist: Das Vertrauen all derer, die in Eljakim ihren Halt suchen, wird nicht getäuscht, er bleibt der an fester Stelle eingeschlagene Pflock so lange, bis die Zeit gekommen ist, die Gottes Gerechtigkeit als den יום מבוכה für Jerusalem bestimmt hat. Mit dem Untergange des Staates erst endet Eljakims Wirksamkeit, dann stürzen auch die, welchen er Stütze gewesen, aber nicht durch sein Verschulden, sie stürzen, כי ד' דבר weil es Gott so verfügt hatte. Jedenfalls muß dann seine Amtsführung von sehr langer Dauer gewesen sein.