Jeschajahu 20 ישעיהו

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1
בִּשְׁנַ֨ת בֹּ֤א תַרְתָּן֙ אַשְׁדּ֔וֹדָה בִּשְׁלֹ֣חַ אֹת֔וֹ סַֽרְג֖וֹן מֶ֣לֶךְ אַשּׁ֑וּר וַיִּלָּ֥חֶם בְּאַשְׁדּ֖וֹד וַֽיִּלְכְּדָֽהּ׃
BernfeldIm Jahre, als Tartan nach Aschdod kam, da ihn Sargon, König von Assyrien, sandte und er Aschdod bekriegte und es einnahm;
ZunzIm Jahre, da Tartan nach Aschdod kam, da ihn Sargon, König von Aschur, sandte, und er Aschdod bekriegte und es einnahm;
J. J. HirschIn dem Jahre, da Tartan nach Aschdod kam, als ihn Sargon, König von Aschur, sandte und er Aschdod bekämpfte und eroberte —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 20. V. 1. 2. Nach dem Ausblick auf das Israel, Ägypten und Assyrien der einstigen fernen Zukunft führt uns der Prophet wieder zurück zu der Stellung dieser drei Staaten gegeneinander in seinen Tagen, und zwar um die Zeit etwa des zwölften Regierungsjahres des Königs Chiskijahu.

Das Reich Israel war gefallen, und sackgehüllt trauert Jesaia um die durch Aschur in die ferne Fremde vertriebenen Brüder. Schon braust Aschur auch gegen Juda heran. Sein König Sargon, der Vater von Sanherib, hat bereits durch seinen Feldherrn die Stadt Aschdod im benachbarten Philistäa bezwungen. Zitternd erwartet auch Juda den Todesstreich, klammert sich nur noch an eine Hoffnung an — aber nicht Gott, dessen Wunderkraft ihm so oft geholfen, ist es, auf dem seine letzte Hoffnung beruht, es hofft einzig auf den Mut und die Tapferkeit von Ägypten und Kusch, die allein noch aufrecht dem assyrischen Koloß gegenüber geblieben waren, und mit Ägypten in politischer Freundschaft zu stehen, rühmte sich Juda.

Das war der Moment, in welchem der hier mitgeteilte Ausspruch Gottes an den Propheten erging. Gott forderte ihn zur Vornahme zweier symbolischer Handlungen auf, die das, was Gott dem Volke sagen wollte, erst sinnbildlich veranschaulichen sollten. Es ist sogar durchaus nicht unmöglich, daß das דבר ד' ביד ישעיהו in dem Sinne zu nehmen sei: Gottes Ausspruch erfolgte durch das von Jesaias Hand zu Vollziehende. Sonst wäre das דבר ד' ביד ישעיהו wie כאשר דבר ד' ביד משה לו (4. B. M. 17, 5) zu nehmen, und das eigentliche, die Verkündigung aussprechende Wort Gottes folge erst im V. 3, eingeleitet durch ויאמר ד'.

לך „gehe“, mit diesem Worte ward er aufgefordert, das von ihm zu Vollziehende vor den Augen des Volkes zu tun. ופתחת השק וגו' ונעלך תחלץ. Schon der Wechsel in den grammatischen Formen, die hier in der Bedeutung des Imperativs stehen — ופתחת der Form nach durch ו' ההיפוך in עתיד verwandelter עבר, תחלץ hingegen עתיד —, führt zu der Annahme, daß einer jeden dieser Aufforderungen ein besonderer Gedanke zugrunde liege, wie wir dies ja ungemein häufig finden, ganz besonders aber bei Handlungen symbolischer Bedeutung: ושמת את השלחן מחץ לפרכת וגו' והשלחן תתן על צלע צפון (2. B. M. 26, 35 u. a.).

שק. Das Sackgewand kommt in תנ"ך stets als Ausdruck von Trauer und Schmerz vor, חליצת נעל jedoch nicht. Mit dem Ausziehen der Schuhe bezeichnet man symbolisch das Aufgeben oder die Einbuße der Selbständigkeit oder des gesicherten Standes und Fortgangs, sei es durch gänzliche Hingebung an das Heilige, wie wir dies bei Moses, Josua und den Priestern bei dem Opferdienst finden, sei es, weil man ihrer gleichsam nicht mehr würdig ist, wie dies bei der verweigerten Schwagerehe zum Ausdruck gelangt.

Jesaia sollte das Gewand, welches er zum Ausdruck der Trauer über den Untergang des Bruderstaates getragen hatte, demonstrativ ablegen und damit seinem eigenen Volke sagen, daß die Zeit der Trauer vorüber sei und es wieder Hoffnung für die Zukunft schöpfen dürfe.

Dieses Sackgewand sollte er aber durch kein anderes Obergewand ersetzen, sollte demnach nicht nur mangelhaft bekleidet dastehen, sondern sich auch noch entschuhen und so „entblößt und barfuß“ einhergehen, als Vorbild und Wahrzeichen für den Niedergang Ägyptens und Kuschs. Damit war dem Volke Judas sinnbildlich gesagt: Die beiden Staaten, auf welche ihr eure Hoffnung gesetzt habt, können euch nicht helfen, sie gehen selbst zugrunde. Beide symbolische Handlungen zusammengenommen fordern das jüdische Volk auf, nicht zu verzweifeln, vielmehr auf Errettung zu hoffen, aber diese nicht von den Faktoren zu erwarten, auf die sie bisher vertrauten, sondern von dem Einen, der immer bleibt, auch wenn alles andere zugrunde geht.

ערום heißt nicht immer buchstäblich nackt, sondern auch unzulänglich bekleidet. Vgl. Jechesk. 16, 7: ערום ועריה, wo erst עריה völlig nackt bezeichnet.

2
בָּעֵ֣ת הַהִ֗יא דִּבֶּ֣ר יְהֹוָה֮ בְּיַ֣ד יְשַֽׁעְיָ֣הוּ בֶן־אָמוֹץ֮ לֵאמֹר֒ לֵ֗ךְ וּפִתַּחְתָּ֤ הַשַּׂק֙ מֵעַ֣ל מׇתְנֶ֔יךָ וְנַעַלְךָ֥ תַחֲלֹ֖ץ מֵעַ֣ל רַגְלֶ֑ךָ וַיַּ֣עַשׂ כֵּ֔ן הָלֹ֖ךְ עָר֥וֹם וְיָחֵֽף׃ {ס}
BernfeldUm jene Zeit verkündete der Herr durch Jesaja, Sohn Amoze, also: Gehe und löse den Sack von deinen Lenden und ziehe deine Schuhe von den Füßen ab; er tat also, dass er [halb] nackt und barfuß ging.
ZunzUm selbige Zeit, redete der Ewige durch Jeschajahu, Sohn Amoz, also: Gehe und löse den Sack von deinen Lenden, und deine Schuhe ziehe von deinen Füßen ab; und er that also, daß er nackt und barfuß ging.
J. J. Hirschzu dieser Zeit tat Gott einen Ausspruch durch Jesaia, den Sohn Amoz', indem er sagte: Gehe, löse das Sackgewand von deinen Lenden, aber dann sollst du deinen Schuh abziehen von deinem Fuße. Er tat also, ging entkleidet und barfuß.
3
וַיֹּ֣אמֶר יְהֹוָ֔ה כַּאֲשֶׁ֥ר הָלַ֛ךְ עַבְדִּ֥י יְשַֽׁעְיָ֖הוּ עָר֣וֹם וְיָחֵ֑ף שָׁלֹ֤שׁ שָׁנִים֙ א֣וֹת וּמוֹפֵ֔ת עַל־מִצְרַ֖יִם וְעַל־כּֽוּשׁ׃
BernfeldDa sprach der Herr: Wie mein Knecht Jesaja [halb] nackt und barfuß ging drei Jahre lang, das ist ein Zeichen und Vorbild für Ägypten und für Äthiopien.
ZunzDa sprach der Ewige: Wie mein Knecht Jeschajahu nackt und barfuß ging drei Jahre, ein Zeichen und Vorbild für Mizrajim und für Kusch;
J. J. HirschDa sprach Gott: So wie mein Diener Jesaia entkleidet und barfuß gegangen, — drei Jahre sei es Zeichen und Hinweis über Ägypten und Kusch —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. 4. שלוש וגו' ist eingeschobener Satz, drei Jahre schwebt noch über Ägypten und Kusch das Verhängnis, das sie des Herrschergewandes, welches sie umgab, entkleidet, sie politisch unansehnlich macht und ihren gesicherten Stand und Fortgang bedroht, wie dies durch die Symbole angekündigt war.

כוש. Der Name Kusch bezeichnet das Land südlich von Ägypten und dessen Bevölkerung, ebenso auch das Reich Äthiopien.

כן ינהג וגו'. Die hier voraus verkündete Niederlage des mit Kusch verbündeten Ägyptens ist wahrscheinlich die Eroberung von No-Amon, von welcher Nachum 3, 8—10 zurückblickend berichtet, indem er Ninive anredet: התיטבי מנא אמון וגו' „Bist du besser als No-Amon (die Königstadt Theben in Oberägypten), die an den Strömen ruhig wohnende u. s. w., Kusch, das so mächtig war, und Ägypten ohne Ende, Put und die Lybier waren zu deinem Beistande, auch sie ist zur Verbannung gegangen, in Gefangenschaft!“

וחשופי שת drückt den Zustand der Erniedrigung im Verhältnis zu der hohen seitherigen Stellung noch drastischer aus. ערות מצרים: Das ist das Ägypten, auf das ihr vertraut, so sieht es, jeden Nimbus entkleidet, aus —

4
כֵּ֣ן יִנְהַ֣ג מֶֽלֶךְ־אַ֠שּׁ֠וּר אֶת־שְׁבִ֨י מִצְרַ֜יִם וְאֶת־גָּל֥וּת כּ֛וּשׁ נְעָרִ֥ים וּזְקֵנִ֖ים עָר֣וֹם וְיָחֵ֑ף וַחֲשׂוּפַ֥י שֵׁ֖ת עֶרְוַ֥ת מִצְרָֽיִם׃
BernfeldDenn so wird wegführen der König von Assyrien die Gefangenen Ägyptens und die Vertriebenen Äthiopiens, Jünglinge und Greise, nackt und barfuß mit entblößtem Gesäß, eine Schmach für Ägypten.
ZunzAlso wird wegführen der König von Aschur die Gefangenen Mizrajim's und die Vertriebenen von Kusch, Jünglinge und Greise, nackt und barfuß mit entblößtem Gesäß, eine Schmach für Mizrajim.
J. J. Hirschso wird wegführen Aschurs König Ägyptens Gefangene und Kuschs Vertriebene, Jünglinge und Greise, entkleidet und barfuß und mit enthüllter Scham, zur Schmach Ägyptens.
5
וְחַתּ֖וּ וָבֹ֑שׁוּ מִכּוּשׁ֙ מַבָּטָ֔ם וּמִן־מִצְרַ֖יִם תִּפְאַרְתָּֽם׃
Bernfeld[Die Judäer] werden bestürzt sein und sich schämen wegen Äthiopien, auf das sie hofften, und wegen Ägyptens, [mit dessen Bündnis] sie prahlten.
ZunzUnd sie sind bestürzt und schämen sich Kusch's, ihrer Zuversicht, und Mizrajim's, ihres Ruhmes.
J. J. HirschDann wird man bestürzt sich Kuschs schämen, auf das man hinschaut und Ägyptens, dessen man sich rühmt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. 6. und darum werdet ihr euch seiner schämen. יושב האי הזה. אי ist der isolierende Raum, in dem sich eine Menge befindet, daher: Insel und ein abgeschlossenes Land, dann auch die in solcher Weise von anderen abgeschlossenen Bewohner. Vgl. Komm. zu מאלה נפרדו איי הגוים (1. B. M. 10, 5). Hier dürfte die Bezeichnung des jüdischen Landes als אי „abgeschlossenes Land“ eine Mahnung an es sein, daß seine Aufgabe und Lehre es von einer gottentfremdeten Außenwelt isoliere und es vergebens auf deren Beistand hoffe. Sein Beistand ist einzig Gott, der ihm auch dieses Mal Rettung sandte, als der assyrische Heereskoloß bereits drohend vor Jerusalem stand.

6
וְ֠אָמַ֠ר יֹשֵׁ֨ב הָאִ֣י הַזֶּה֮ בַּיּ֣וֹם הַהוּא֒ הִנֵּה־כֹ֣ה מַבָּטֵ֗נוּ אֲשֶׁר־נַ֤סְנוּ שָׁם֙ לְעֶזְרָ֔ה לְהִ֨נָּצֵ֔ל מִפְּנֵ֖י מֶ֣לֶךְ אַשּׁ֑וּר וְאֵ֖יךְ נִמָּלֵ֥ט אֲנָֽחְנוּ׃ {פ}
BernfeldDie Einwohner dieser Landschaft [Judäa] werden an jenem Tage sich sagen: Also erging es dem, auf den wir unsere Hoffnung gesetzt, zu dem wir uns flüchten und ihn um Hilfe bitten wollten — wie wird es nun uns ergehen?
ZunzUnd sprechen wird der Bewohner dieses Eilandes an selbigem Tage: Siehe, also ergeht es unserer Zuversicht, dahin wir um Beistand geflohen, um vor dem Könige von Aschur uns zu retten, und wie sollten wir entrinnen?
J. J. HirschUnd es spricht die Einwohnerschaft dieses Landes an jenem Tage: So sehen die aus, auf die wir hingeschaut, zu denen wir um Beistand flüchteten, um uns vor dem Könige von Aschur zu retten — wie werden nun wir entrinnen, wir — ?!