Jeschajahu 14 ישעיהו

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1
כִּי֩ יְרַחֵ֨ם יְהֹוָ֜ה אֶֽת־יַעֲקֹ֗ב וּבָחַ֥ר עוֹד֙ בְּיִשְׂרָאֵ֔ל וְהִנִּיחָ֖ם עַל־אַדְמָתָ֑ם וְנִלְוָ֤ה הַגֵּר֙ עֲלֵיהֶ֔ם וְנִסְפְּח֖וּ עַל־בֵּ֥ית יַעֲקֹֽב׃
BernfeldDenn der Herr wird sich Jakobs erbarmen und wiederum erwählen Israel und sie in ihr Land einsetzen; der Fremdling schließt sich ihnen an, und sie hängen sich an das Haus Jakobs.
ZunzDenn erbarmen wird sich der Ewige Jaakob's und wiederum erwählen Jisraël, und setzt sie ein in ihr Land; und es schließt sich der Fremdling ihnen an, und sie hängen sich an das Haus Jaakob's.
J. J. HirschDenn erbarmen wird sich Gott Jakobs — aber [einst] dauernd Jisrael erwählen und sie einsetzen auf ihrem Boden; es schließt sich der Fremdling ihnen an, sie fühlen sich hingezogen zum Hause Jakobs.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 14. V. 1. Dieses Kapitel bildet bis zum V. 27 die Fortsetzung des vorhergehenden. An dessen letzte Worte „seine Tage dauern nicht lange“ knüpft dieses an. Die Zeit der Selbständigkeit des neubabylonischen Reiches war eine verhältnismäßig kurze. Sie beginnt nicht lange vor der Zerstörung Ninives, der Hauptstadt von Assyrien, durch Babel unter Beihilfe von Medien und endet mit der Eroberung Babels durch Cyrus — also betrug deren ganze Dauer etwa 88 Jahre. Aber bereits 18 Jahre vor diesem Ende hatte Babel eine schwere Niederlage durch Cyrus erlitten, von welcher es sich nicht wieder erholte. Denn es war durch Gottes Ratschluß bestimmt, daß Babels Niedergang noch einmal Juda den Weg zur Heimkehr in sein Land ebne, um dort freilich nicht als „Jisrael“, sondern in „Jakobsgestalt“ ein von der Macht anderer Staatengrößen abhängiges eigenes Volksdasein zu leben. Lag es doch nicht in Gottes Absicht, das jüdische Volk jetzt schon zu einer politischen Größe zu gestalten, für eine solche hatte es das kurze babylonische Exil noch nicht reif genug werden lassen — in seiner Heimat sollte es aus dem Boden seines Gesetzes verjüngende Geisteskraft und neues Leben trinken, sich wieder und besser als während seiner ersten Glücksperiode und nachhaltiger mit dem Gottesgedanken erfüllen, damit es befähigt werde, in der großen Diaspora, „der Völkerwüste“, in Treue auszuharren. Dort, in der Schule der Leiden lernend und durch sein Beispiel die Völker lehrend, sollte es die völlige Reife für ein ewig andauerndes Glück gewinnen, zu welchem es die endliche Erlösung führen wird.

Einstweilen ירחם erbarmt sich Gottes väterliche Liebe Jakobs. רֶחֶם — רַחֵם der Mutterschoß — ist die Liebe des Schöpfers zu seinem Geschöpfe. Diese Liebe, die wieder und wieder sich bemüht, das ungehorsame Kind zu bessern und auf den rechten Weg zu bringen, diese ist es, die Gott das babylonische Exil enden läßt, um mit seiner Schöpfung, dem jüdischen Volke, den Versuch der Wiedergeburt auf heimischem Boden zu machen.

Bevor nun der Prophet V. 3 seine Offenbarung über die Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft fortsetzt, unterbricht er sich bei dem Worte יעקב und zeichnet mit knappen Federstrichen die einstige Erlösung, durch welche Gott „עוד“ dauernd (s. o. Kap. 1, 5) sein Volk zu „ישראל“ erwählt, zu einem Menschenkreise, in dem der Wille Gottes das allein herrschende Prinzip ist und ein Leben des Segens und des Friedens zeitigt, zu einer Nation, deren Beispiel die Menschheit zur Gotteshuldigung führen wird. Jener Jakobszustand, der auch sich nach der Wiederherstellung des Tempels durch das Fehlen der heiligen von Cherubim-Fittichen geschützten Bundeslade, der Urim und Thummim und des himmlischen Feuers auf dem Altar als solcher kundgab, bildet nur die Vorstufe für die dereinstige Jisraels-Erwählung. Das ward hier sofort verkündigt.

Mit dem Worte בחר wird die innigste Beziehung Gottes zu Israel wiederholt bezeichnet, so 5. B. M. 7, 6, 7 und sonst. והניחם, Hifil von ינח, wie 3. B. M. 16, 23, etwas deponieren, für immer niederlegen. Dann erst wird Israel dauernd wirkliche Stätte finden auf dem Boden seiner Bestimmung, um sich ihr ganz zu widmen.

ונלוה הגר עליהם. לֹוֶה heißt der Schuldner. לוה im Nifal, wie hier, bezeichnet die innige Beziehung zweier, von denen jeder sich als Schuldner des anderen begreift, jeder sich dem anderen verpflichtet fühlt. So war das Verhältnis zwischen Priestern und Leviten, von denen es 4. B. M. 18, 2 heißt: וילוו עליך וישרתוך Sie sollen dir sich anschließen und dich bedienen. Deren Tätigkeit war, obgleich gewissermaßen eine den Priestern bei- und untergeordnete, doch durch den Sängerdienst eine so bedeutsame, daß die Priester sie darin nicht ersetzen konnten. Auf ein solches Verhältnis der sich dem jüdischen Volke dereinst anschließenden Menschheit blickt unser Prophet in seinem Schlußwort Kap. 66, 21 hin, indem er im Namen Gottes verkündet: וגם מהם אקח לכהנים ללוים „Und auch von ihnen (von den Völkern) nehme ich für die Priester zu Leviten“. Etwas Ähnliches dürfte hier gesagt sein: gipfelt ja der Beruf Israels darin, ממלכת כהנים „ein Reich von Priestern“ zu werden (2. B. M. 19, 6).

ונספחו וגו'. ספח bezeichnet ein unselbständiges Anschließen an ein anderes, sogar wohl zugleich mitunter ein unbewußtes, wie bei ספיח Nachwuchs (3. B. M. 25, 5), der nicht durch diesjährige Bestellung des Ackers, sondern infolge früherer Bodenkultur gewachsen ist. Im Nifal, wie hier, sich zum Anschluß bewogen fühlen. Mit größter Feinheit wird hier sofort hervorgehoben, daß nicht die jetzige äußere Glanzstellung Jisraels den Anschluß der Fremden veranlaßte, sie vielmehr, und zwar ונספחו, Plural, in großer Anzahl durch das geistig und sittlich reinere, edlere Leben dieses Volkes sich unbewußt zu ihm hingezogen fühlten schon in der Zeit, als es seinem Geschicke nach noch „Haus Jakobs“ war. Dieser jetzige Anschluß ist ein Produkt seiner stillen Kulturarbeit während der Jahrhunderte des Exils. (Bei dieser Auffassung steht auch der Ausspruch unserer Weisen: אין מקבלין גרים לימות המשיח nicht im Widerspruch mit diesem Verse. Aufnahme als גרי צדק finden nur die, deren früherer Anschluß an בית יעקב diesen als rein לשם שמים charakterisiert. Die wirkliche גאולה wird ja auch erst im nächsten Verse durch ולקחום וגו' erfolgend berichtet. — Der anderenfalls sich ergebende Widerspruch wäre um so mehr auffällig, als gerade an die gleiche Wurzel des ונספחו mit ספחת das Wort קשים גרים לישראל כספחת (Jebam. 47 b) sich anlehnt.)

2
וּלְקָח֣וּם עַמִּים֮ וֶהֱבִיא֣וּם אֶל־מְקוֹמָם֒ וְהִֽתְנַחֲל֣וּם בֵּֽית־יִשְׂרָאֵ֗ל עַ֚ל אַדְמַ֣ת יְהֹוָ֔ה לַעֲבָדִ֖ים וְלִשְׁפָח֑וֹת וְהָיוּ֙ שֹׁבִ֣ים לְשֹׁבֵיהֶ֔ם וְרָד֖וּ בְּנֹגְשֵׂיהֶֽם׃ {ס}
BernfeldVölker werden sie nehmen und an ihre Stätte geleiten; das Haus Israel macht jene sich zu eigen auf dem Boden des Herrn zu Knechten und Mägden; sie werden ihre Zwingherren gefangen halten und über ihre Dränger herrschen.
ZunzUnd Völker nehmen sie und geleiten sie an ihre Stätte, und das Haus Jisraél macht sie sich zu eigen auf dem Boden des Ewigen, zu Knechten und Mägden, und sie halten gefangen ihre Zwingherren und herrschen über ihre Treiber.
J. J. HirschEs nehmen sie Völker und bringen sie heim zu ihrer Stätte, und Jisraels Haus nimmt sie sich zum Erbe hin auf der Erde Gottes als dessen Diener und Dienerinnen. So halten sie gefangen ihre Gefangenwärter und beherrschen ihre Treiber. —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. ולקחום וגו'. Darum geleiten die Völker sie nun heim, es ist dies zugleich eine Huldigung Gottes, den sie durch das jüdische Volk kennen gelernt hatten. Auf seinem heimischen Boden beginnt es nun als „Haus Jisrael“ seine Wirksamkeit und tritt seine Erbschaft an auf der Gotteserde, indem es die Menschen für Gott gewinnt, sie zu Dienern und Dienerinnen Gottes erzieht. So fesseln sie mit den Banden der Liebe die Menschheit, die so lange ihnen Kerkermeister gewesen, an sich und die göttliche Pflicht, die für die Allmenschheit in der Erfüllung der noachidischen Gesetze besteht, und die von ihnen durch die Zeiten getragene Gottesidee beherrscht ihre seitherigen Tyrannen.

3
וְהָיָ֗ה בְּי֨וֹם הָנִ֤יחַ יְהֹוָה֙ לְךָ֔ מֵֽעׇצְבְּךָ֖ וּמִֽרׇגְזֶ֑ךָ וּמִן־הָעֲבֹדָ֥ה הַקָּשָׁ֖ה אֲשֶׁ֥ר עֻבַּד־בָּֽךְ׃
BernfeldAn dem Tage, da der Herr dir Ruhe gönnt von deiner Mühsal und deinem Ungemach und von der schweren Fronde, die dir aufgelegt worden war.
ZunzUnd es soll geschehen, an dem Tage, da der Ewige dir Ruhe gönnt von deinem Mühal und deinem Ungemach und von der schweren Arbeit, die mit dir gearbeitet worden;
J. J. HirschUnd es wird sein am Tage, da dir Gott Ruhe gewährt von deinem Schmerze und deiner Sorge und dem schweren Werke, welches an dir vollzogen wurde,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. הניח וגו', Hifil von נוח, welches im קל ruhen und im הפעיל zur Ruhe kommen lassen, Ruhe gewähren bedeutet. Daher mit dem Dativ konstruiert und nicht wie oben das והניחם mit Akkusativ. מעצבך von עצב, 1. Chron. 4, 9 כי ילדתי בעצב nicht körperlicher, sondern im Gemüte empfundener Schmerz, Entsagung. וּמֵרָגְזֶךָ, das · ist ungewöhnlich, kommt jedoch einigemal statt des ·· so vor, s. 1. Samuel 23, 28; 2. Samuel 18, 16. — רגז sowohl durch äußere als durch innere Veranlassung erfolgende Erschütterung, daher Zittern und Gemütsbewegung. Letztere kann durch Angst, Zorn, Sorge verursacht sein; hier scheint es, wie אל תרגזו בדרך (1. B. M. 45, 24), Sorge zu bezeichnen.

Unter העבדה הקשה dürfte hier nicht harter Frohndienst zu verstehen sein, von einem solchen wird, soweit uns bekannt, nichts berichtet. Vielmehr scheint das schwierige Werk der Läuterung und Reinigung Judas von seinen Schwächen, welches sich während des babylonischen Exils in so wirksamer Weise an ihm vollzog, gemeint zu sein. Die Stärke, die Wucht der Leiden, durch welche diese Besserung herbeigeführt wurde, dürfte durch die männliche Form עֻבַּד statt der zu dem weiblichen עבדה eigentlich passenden עֻבְדָה angedeutet sein. Die hierfür von Grammatikern als Analogie angeführten Beispiele erscheinen nicht ganz ausreichend, da hier zu העבדה bereits ein Adjektiv mit femin. Endung הקשה hinzugefügt ist und erst dann עֻבַּד folgt.

4
וְנָשָׂ֜אתָ הַמָּשָׁ֥ל הַזֶּ֛ה עַל־מֶ֥לֶךְ בָּבֶ֖ל וְאָמָ֑רְתָּ אֵ֚יךְ שָׁבַ֣ת נֹגֵ֔שׂ שָׁבְתָ֖ה מַדְהֵבָֽה׃
BernfeldDa wirst du vortragen diese Gleichnisrede über den König von Babel und sprechen: Wie feiert der Treiber, wie feiert die Quälerei.
ZunzDa wirst du erheben diese Gleichnißrede über den König von Babel, und sprechen: Wie feiert der Treiber, wie feiert die Quälerin.
J. J. Hirschda wirst du diese Spruchrede über den König von Babel anheben und sagen: Wie?! Feiert der Dränger, feiert die Schmerzbringerin?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. איך, mit trennendem Akzent, ist eine Frage des Erstaunens für sich. Du wirst dich erleichtert, ja frei fühlen und rufst erstaunt fragend aus: Woher kommt dies? Feiert der Tyrann? מדהבה, Hifil von דהב, welches sonst nicht wieder vorkommt, lautverwandt (wie צבה mit צבא, קרה mit קרא) mit דאב, das meistens seelischen Schmerz, Betrübnis des Gemüts bedeutet, bezeichnet Babel als diejenige, durch welche alle die 3. B. M. 26,16 unter den Begriff מכלות עינים ומדיבת נפש zusammengefaßten Leiden über das dorthin exilierte Volk gebracht worden sind. So faßt es auch der Kommentator R. Eleasar Beaugenci auf.

5
שָׁבַ֥ר יְהֹוָ֖ה מַטֵּ֣ה רְשָׁעִ֑ים שֵׁ֖בֶט מֹשְׁלִֽים׃
BernfeldZerbrochen hat der Herr den Stab der Bösen, den Stock der Herrscher,
ZunzZerbrochen hat der Ewige den Stab der Frevler, den Stock der Herrscher;
J. J. HirschZerbrochen hat Gott den Stab der Frevler, das Herrscherszepter,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. 6. שבר ד'. Aus Barmherzigkeit hat Gott den Stab der Frevler zerbrochen, die als solchen ihr Szepter mißbrauchten. Daß das Herrscheramt ihnen auch Pflichten gegen die ihrer Leitung anvertrauten Menschen auferlege, kam ihnen nie in den Sinn, launenhafte, tyrannische Willkür machte ihre Untertanen unglücklich, dabei suchten sie deren Kreis fortwährend durch Eroberungen zu erweitern. רדה in der Bedeutung beherrschen, mit dem Akkusativ konstruiert, bezeichnet ein Überschreiten der dem Herrn zustehenden Befugnis; außer hier kommt es nur in לא ירדנו בפרך לעיניך (3. B. M. 25, 53) vor, sonst immer mit ב. — מרדף Hofal von רדף. Der unerbittliche Tod verfolgt ihn, und keiner will und vermag diesem Halt zu gebieten. בלי חשך wie Ps. 78, 50: לא חשך ממות נפשם „er hielt ihre Seele nicht vom Tode zurück“.

6
מַכֶּ֤ה עַמִּים֙ בְּעֶבְרָ֔ה מַכַּ֖ת בִּלְתִּ֣י סָרָ֑ה רֹדֶ֤ה בָאַף֙ גּוֹיִ֔ם מֻרְדָּ֖ף בְּלִ֥י חָשָֽׂךְ׃
BernfeldDer Völker schlug im Grimme, Schläge ohne Unterlass, der mit Zorn über Völker schaltete, verfolgend ohne Einhalt.
ZunzDer Völker schlug im Grimme, Schläge ohne Unterlaß, der mit Zorn über Völker schaltete, verfolgend ohne Einhalt.
J. J. Hirschdas Völker schlug in der Wut, ein Schlagen ohne Unterlaß. Der mit Zorn Nationen beherrschte, wird selbst verfolgt ohne Einhalt.
7
נָ֥חָה שָׁקְטָ֖ה כׇּל־הָאָ֑רֶץ פָּצְח֖וּ רִנָּֽה׃
BernfeldJetzt ruhen aus, rasten alle Völker der Erde! Sie jubeln laut auf.
ZunzSie ruhet, rastet, die ganze Erde, ausbrechen sie in Jauchzen.
J. J. Hirsch„Nun ruhet, fühlt sich sicher die ganze Erde!“ brechen sie in Jubel aus.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. 8. נחה שקטה וגו' sind die Worte des allgemeinen Jubelausbruchs. פצחו ohne besonders genanntes Subjekt: Alle. In die Freudenhymne der Menschen stimmt auch die Natur mit ein. (ברוש vielleicht die gleich der Zeder zur Gattung der Koniferen zählende Tanne.) Der Libanon ist glücklich, seine Zedern nicht mehr zu Zerstörungswerkzeugen des Krieges mißbraucht zu wissen. Denn wenn der Mensch die Bergeshöhen erklimmt und Waldriesen fällt, um den Tempel Gottes zu erbauen oder seine eigenen Häuser aufzurichten und dann in diesen Häusern ein wahrhaft menschliches Leben entfaltet, dann freuen sich die Bäume. Vgl. אז ירננו כל עצי יער וגו' (Ps. 96, 12) oder 148, 9: עץ פרי וכל ארזים. Zur Begründung der Gottesherrschaft auf Erden geben sie sich willig, freudig hin, aber nichtigem Streben nach Üppigkeit und der frevelnden Gewalt dienen zu müssen, das schmerzt sie tief.

8
גַּם־בְּרוֹשִׁ֛ים שָׂמְח֥וּ לְךָ֖ אַרְזֵ֣י לְבָנ֑וֹן מֵאָ֣ז שָׁכַ֔בְתָּ לֹא־יַעֲלֶ֥ה הַכֹּרֵ֖ת עָלֵֽינוּ׃
BernfeldAuch die Zypressen freuen sich darüber, die Zedern Libanons: Seitdem du liegst, zieht niemand aus, uns zu fällen.
ZunzAuch Cypressen freuen sich dein, Lebanon's Zedern: Seitdem du liegst, zieht Niemand gegen uns, der uns fälle.
J. J. HirschAuch die Tannen freuen sich über dich, die Zedern des Libanon: „Seit du daniederliegst, kommt der Holzfäller nicht zu uns herauf.“
9
שְׁא֗וֹל מִתַּ֛חַת רָגְזָ֥ה לְךָ֖ לִקְרַ֣את בּוֹאֶ֑ךָ עוֹרֵ֨ר לְךָ֤ רְפָאִים֙ כׇּל־עַתּ֣וּדֵי אָ֔רֶץ הֵקִים֙ מִכִּסְאוֹתָ֔ם כֹּ֖ל מַלְכֵ֥י גוֹיִֽם׃
BernfeldAber die Hölle darunter erzittert deiner Ankunft entgegen; sie stört dir auf die Abgeschiedenen, all die Mächtigen der Erde, lässt aufstehen von ihren Thronen all die Könige der Völker.
ZunzDie Hölle darunten erzittert dir, deiner Ankunft entgegen, sie störet dir auf die Abgeschiedenen, all die Böcke der Erde, lässet aufstehen von ihren Thronen all die Könige der Völker.
J. J. HirschDie Gruft in der Tiefe gerät deinetwegen in Erregung, deiner Ankunft entgegen, sie weckt dir auf die Abgeschiedenen, alle Führer der Erde, läßt von ihren Thronen sich erheben alle Könige der Völker.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9, 10. שאול מתחת וגו'. Auch die Gräberwelt hält ihr Totengericht über den gestürzten gewaltigen Dynasten, sie rüstet sich, ihn mit schadenfrohem Spotte zu begrüßen. Allen voran die abgeschiedenen Völkerkönige, sie, die selbst עתודים — עתודי ארץ — Böcke — im Leben ihre Völker als Herdentiere betrachtet hatten, die ihnen, den voranwandelnden „Böcken“ unbedingt folgen mußten.

כלם יענו ויאמרו. Nicht antworten, sondern die Rede anheben, beginnen, wie וענית ואמרת du aber beginnst und sagst (5. B. M. 26, 5); ועני הלוים ואמרו (5. B. M. 27,14) u. f. גם אתה s. o. das zu איך Bemerkte. Im Leben warst du uns ja so unendlich überlegen an Macht und Stärke — und jetzt bist du ebenso schwach wie wir, du dünktest dich so viel höheren, jeden Vergleich mit uns ausschließenden Ranges — und jetzt hat der Tod dich uns ganz gleich gestellt! חליתה ist Pual von חלה krank, schwach sein. נמשלת sonst stets mit כ oder עם konstruiert, hier אלינו; אל gibt die Richtung an, und da אלינו vor נמשלת steht, so hebt es das „uns“ hervor: Hat dich dein stolzer Siegesflug doch zu gleicher Stufe mit uns geführt?

10
כֻּלָּ֣ם יַעֲנ֔וּ וְיֹאמְר֖וּ אֵלֶ֑יךָ גַּם־אַתָּ֛ה חֻלֵּ֥יתָ כָמ֖וֹנוּ אֵלֵ֥ינוּ נִמְשָֽׁלְתָּ׃
BernfeldSie alle heben an und sprechen zu dir: Auch du bist zusammengebrochen wie wir, bist uns gleich geworden.
ZunzSie alle heben an und sprechen zu dir: Auch du bist siech geworden wie wir, bist uns gleich geworden.
J. J. HirschSie alle heben an und sprechen zu dir: „Auch du? Bist du geschwächt worden wie wir, uns wurdest du gleich gemacht?
11
הוּרַ֥ד שְׁא֛וֹל גְּאוֹנֶ֖ךָ הֶמְיַ֣ת נְבָלֶ֑יךָ תַּחְתֶּ֙יךָ֙ יֻצַּ֣ע רִמָּ֔ה וּמְכַסֶּ֖יךָ תּוֹלֵעָֽה׃
BernfeldGestürzt in die Hölle ist dein Stolz, das Rauschen deiner Pfalter. Unter dir gebettet ist Gewürm, und Würmer bedecken dich.
ZunzGestürzt in die Hölle ward dein Stolz, das Rauschen deiner Psalter. Unter dir gebettet ist Gewürm, und was dich decket, Würmer.
J. J. HirschIst ins Grab gestürzt dein Stolz, das Rauschen deiner Psaltern? Dir unterbreitet man als Bett Gewürm, und deine Decke ist der Wurm!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11. המית נבליך. Wie zu Kapitel 5, 12 (s. das.) bemerkt, scheint נבל ein Instrument zu sein, dem mehr weiche, ernste, klagende Töne entlockt wurden. Es paßt ganz in den Rahmen der satirischen Begrüßung hier, daß sie die rauschende, gewiß heitere Tafelmusik und die lauten Siegesfanfaren des stolzen Dynasten mit feinem Spotte von vornherein als Trauerklänge bezeichnet.

12
אֵ֛יךְ נָפַ֥לְתָּ מִשָּׁמַ֖יִם הֵילֵ֣ל בֶּן־שָׁ֑חַר נִגְדַּ֣עְתָּ לָאָ֔רֶץ חוֹלֵ֖שׁ עַל־גּוֹיִֽם׃
BernfeldWie bist du vom Himmel gefallen, Glanzstern, der du am Morgen gestrahlt; zu Boden geschmettert bist du, der du die Völker bezwungen!
ZunzWie bist du vom Himmel gefallen, Glanzstern, Sohn des Morgenroths; zu Boden geschmettert, Völkerbezwinger!
J. J. HirschWie!? Bist du vom Himmel herabgestürzt, strahlender Morgenstern? Du bist zu Boden gefällt, der Völker schwächende Bedrücker?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 12. איך wie oben. חולש על גוים. חלש schwächen, den natürlichen Zusammenhalt der Kräfte lösen. ויחלש יהושע את עמלק (2. B. M. 17, 13). Da es hier nicht mit את, sondern mit על konstruiert ist, wird damit zugleich als Ursache der eingetretenen Schwäche der auf den Völkern lastende Druck bezeichnet: Du warst der entnervende Völkeralp!

13
וְאַתָּ֞ה אָמַ֤רְתָּ בִֽלְבָבְךָ֙ הַשָּׁמַ֣יִם אֶעֱלֶ֔ה מִמַּ֥עַל לְכוֹכְבֵי־אֵ֖ל אָרִ֣ים כִּסְאִ֑י וְאֵשֵׁ֥ב בְּהַר־מוֹעֵ֖ד בְּיַרְכְּתֵ֥י צָפֽוֹן׃
BernfeldDu hattest doch gedacht: In den Himmel will ich steigen, über Gottes Sterne meinen Thron erheben und mich setzen auf den Berg der Versammlung in dem äußersten Norden.
ZunzUnd du hattest gesprochen in deinem Herzen: In den Himmel will ich steigen, über Gottes Sterne erheben meinen Thron, und mich setzen auf den Berg der Versammlung in der äußersten Mitternacht.
J. J. HirschUnd du, du hattest doch in deinem Herzen gesprochen: „Den Himmel werde ich ersteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben, meinen Sitz einnehmen auf dem Berge der Bestimmung, wohin der Norden strebt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 13. 14. ואתה וגו' zeichnet den grenzenlosen Stolz und Größenwahn Nebukadnezars, wie er Dan. 4 sich kundgab.

בהר מועד בירכתי צפון ist der Tempelberg, der Träger des erweiterten אהל מועד. ירכתים bezeichnet den Teil einer Räumlichkeit, der das eigentliche Strebeziel derselben bildet, zu welchem alles übrige sich als Vorraum verhält. Der Tempelberg liegt im Süden Palästinas, zu ihm strebt der ganze Norden hin. Von diesem Gedanken ausgehend, wird bereits Ps. 48, 3 der Zionsberg ירכתי צפון genannt. S. Komm. daselbst.

במתי עב stat. constr. einer Dualform, die במתים heißen würde, allerdings nicht vorkommt. Alle Stellen, in welchen diese Dualform gebraucht wird, wie: ירכיבהו על במותי ארץ (5. B. M. 32, 13), ודורך על במתי ים (Job 9, 8) bezeichnen bildlich das Besteigen von Höhen und drücken die Doppelbezeichnung einer solchen Stellung als Herrschaft über die Natur- und Menschenwelt aus. So auch hier, es spricht sich darin die maßlose Selbstüberhebung Nebukadnezars aus, die אדמה לעליון sich zum Ziel gesteckt hatte. Dem gegenüber wird ihm Dan. 4, 14 gezeigt: daß die Lebenden erkennen sollen, די שליט עליא במלכות אנושא „daß der Höchste schaltet über die Herrschaft der Menschen“. אדמה ist Hispael.

14
אֶעֱלֶ֖ה עַל־בָּ֣מֳתֵי עָ֑ב אֶדַּמֶּ֖ה לְעֶלְיֽוֹן׃
BernfeldSteigen will ich auf die Wolkenhöhen, mich gleichstellen dem Höchsten.
ZunzSteigen will ich auf die Wolkenhöhen, mich gleichstellen dem Höchsten.
J. J. HirschIch steige über Wolkenhöhen, stelle mich dem Höchsten gleich!“
15
אַ֧ךְ אֶל־שְׁא֛וֹל תּוּרָ֖ד אֶל־יַרְכְּתֵי־בֽוֹר׃
BernfeldAber in die Hölle bist du gestürzt, in die tiefste Gruft.
ZunzAber in die Hölle bist du gestürzt, in die tiefste Gruft.
J. J. HirschJedoch hinuntergestürzt wirst du ins Grab, in die äußerste Tiefe der Grube!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 15—17. ירכתי בור wie oben: Die Grube strebt der Tiefe zu. ישגיחו von שגח seine Aufmerksamkeit intensiv auf etwas richten. ועריו הרם. Da תבל ausnahmslos fem. ist, so kann sich עריו nicht darauf beziehen, vielmehr heißt es (wie bereits אבן עזרא als Ansicht einiger bringt): seine eigenen Städte, wie auch אסיריו seine eigenen Gefangenen. Der Starrsinn des Tyrannen schonte der eigenen Städte nicht, wenn es galt, dem einmal vielleicht in der Laune des Augenblicks gefaßten Vorsatze Geltung zu verschaffen. Wer von seinen Untertanen in Gefangenschaft geriet, dem verzieh er dies unter keinen Umständen, sein Dünkel empfand es als persönliche Beleidigung, daß einer seiner Leute nicht den Tod für ihn der Gefangenschaft vorgezogen hatte — und darum tat er grundsätzlich nichts, um „seine in Gefangenschaft geratenen Untertanen auszulösen“. Selbst vor dem Tribunal der abgeschiedenen Könige, welche sicherlich in ihrem Leben auch nur Interessenpolitik verfolgt und anderer Völker Rechte nur so lange geachtet hatten, als sie diesen nicht an Gewalt überlegen waren, war solche Zerstörungswut gegen das eigene Land und gegen die eigenen Leute als verbrecherischer Wahnsinn gerichtet.

Mit diesem Verse endet der V. 10 eingeleitete Willkommensgruß der Unterwelt, der einen Teil der „Spruchrede“ des V. 4 bildet. Diese geht bis V. 21 weiter.

16
רֹאֶ֙יךָ֙ אֵלֶ֣יךָ יַשְׁגִּ֔יחוּ אֵלֶ֖יךָ יִתְבּוֹנָ֑נוּ הֲזֶ֤ה הָאִישׁ֙ מַרְגִּ֣יז הָאָ֔רֶץ מַרְעִ֖ישׁ מַמְלָכֽוֹת׃
BernfeldDie dich sehen, blicken hin auf dich und betrachten dich staunend. Ist das der Mann, der die Erde zittern machte, der Königreiche erschüttert?
ZunzDie dich sehen, blicken hin auf dich, betrachten dich: Ist das der Mann, der zittern macht die Erde, der Königreiche erschüttert?
J. J. HirschDie dich sehen, betrachten dich aufmerksam und sinnen über dich nach: „Ist dies der Mann, der die Erde erschütterte, Königreiche erbeben ließ,
17
שָׂ֥ם תֵּבֵ֛ל כַּמִּדְבָּ֖ר וְעָרָ֣יו הָרָ֑ס אֲסִירָ֖יו לֹא־פָ֥תַח בָּֽיְתָה׃
BernfeldEr machte das Erdenrund der Wüste gleich und riss seine Städte nieder, seine Gefesselten ließ er niemals in die Heimat.
ZunzEr machte das Erdenrund der Wüste gleich und riß nieder seine Städte, seine Gefesselten ließ er nicht frei in die Heimath.
J. J. Hirschder die Menschenwelt zur Wüste machte und seine Städte zertrümmerte, seine Gefangenen nimmer zur Heimkehr löste?!“
18
כׇּל־מַלְכֵ֥י גוֹיִ֖ם כֻּלָּ֑ם שָׁכְב֥וּ בְכָב֖וֹד אִ֥ישׁ בְּבֵיתֽוֹ׃
BernfeldAlle Könige der Völker liegen in Ehren, jeder in seiner Gruft;
ZunzAll die Könige der Völker, sie alle liegen in Ehren, Jeglicher in seinem Hause.
J. J. HirschAlle Völkerkönige, sie alle ruhen in Ehren, ein jeder in seinem Hause —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 18. 19. בביתו in seinem Totenhause, seinem Mausoleum. So faßt es auch תרג' יונתן auf: בבית עולמיה. Nach den Worten unserer Weisen wurde Nebukadnezars Leichnam unter der Regierung seines Nachfolgers der Grabstätte entnommen und unehrerbietig behandelt; Abarban. meint, es sei dies wohl erst bei der Eroberung durch die Perser geschehen.

כנצר נתעב wie ein schmarotzerartiges Gewächs, welches man beseitigen muß. לבש הרגים die Leiber aller durch seine Schuld geopferten Menschen, die erschlagen oder schwertdurchbohrt in die Grube fuhren, haften ihm an gleich einem Gewande — es sind seine Ankläger, die ihn nicht fahren lassen. כפגר מובס scheint eine zweite Vergleichung zu sein, um das grausige Bild des königlichen Leichnams noch schauriger hervortreten zu lassen. מטעני von טען aufladen, belasten, טענו את בעירכם beladet eure Tiere (1. B. M. 45, 17), hier: auf das Schwert laden, aufspießen.

19
וְאַתָּ֞ה הׇשְׁלַ֤כְתָּ מִֽקִּבְרְךָ֙ כְּנֵ֣צֶר נִתְעָ֔ב לְבֻ֥שׁ הֲרֻגִ֖ים מְטֹ֣עֲנֵי חָ֑רֶב יוֹרְדֵ֥י אֶל־אַבְנֵי־ב֖וֹר כְּפֶ֥גֶר מוּבָֽס׃
BernfeldAber du bist geschleudert aus deinem Grabe, wie ein widerwärtiger Auswuchs, [aufgefunden] in einem Haufen von Erschlagenen, vom Schwerte Durchbohrten, die hinabsinken in die Tiefe der Gruft, ein zertretenes Aas.
ZunzAber du bist geschleudert aus deinem Grabe, wie ein verachteter Auswuchs, ein Kleid der Erschlagenen, vom Schwerte Durchbohrten, die hinabsinken in die Steine der Gruft, wie zertretenes Aas.
J. J. HirschDu aber, du bist aus deinem Grabe hinausgeworfen wie ein verabscheuter Auswuchs, bekleidet mit Erschlagenen, mit auf das Schwert Gespießten, die zu den Steinen der Gruft hinabfuhren, — wie ein zertretenes Aas.
20
לֹֽא־תֵחַ֤ד אִתָּם֙ בִּקְבוּרָ֔ה כִּי־אַרְצְךָ֥ שִׁחַ֖תָּ עַמְּךָ֣ הָרָ֑גְתָּ לֹא־יִקָּרֵ֥א לְעוֹלָ֖ם זֶ֥רַע מְרֵעִֽים׃
BernfeldDu wirst mit jenen nicht vereint im Begräbnis, denn dein Land hast du zerstört, dein Volk erschlagen; dass in alle Ewigkeit nicht mehr genannt werde die Brut der Übeltäter [dass dir kein Andenken bleibe].
ZunzDu wirst mit ihnen nicht vereint im Begräbniß; denn dein Land hast du zerstört, dein Volk erschlagen; nicht genannt in alle Ewigkeit wird der Same der Uebelthäter.
J. J. HirschDu wirst nicht mit ihnen vereint im Begräbnisse, denn dein Land hast du verderbt, dein Volk erschlagen! Ewig ungenannt bleibe die Nachkommenschaft der Übeltäter!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 20. 21. אתם bezieht sich auf die V. 18 erwähnten מלכי גוים. לא יקרא וגו'. Mit allem Größenstreben wirst du nicht einmal erreicht haben, daß dein Ruhm in deinen Kindern weiterlebt: das רע, welches du geübt hast, vergiftet die Zukunft des „זרע“ und läßt denselben nicht zum Keimen, geschweige denn zur Blüte gelangen. Die Furcht, die giftige Saat könnte aufgehen, treibt die Menschheit an, sie zu zerstören בעון אבותם: Belsatzar und sein Haus fiel nicht allein den eigenen Verbrechen zum Opfer, sondern auch denen Ewil Merodachs und Nebukadnezars, und mit ihm erlosch die Dynastie. ערים wird von vielen für „Feinde“ genommen und das בל auch auf ומלאו. Doch liegt kein zwingender Grund vor, von der sonstigen Bedeutung „Städte“ abzuweichen, der trennende Akzent auf ארץ würde auch Schwierigkeit bereiten. Die Negation endet mit dem Worte ארץ. Der Sinn ist, sobald das zerstörende Element beseitigt ist, kann die Welt wieder gedeihen. Auch רש"י, אבן עזרא, רד"ק, die es als „Feinde“ erklären, geben doch die Möglichkeit dieser Auffassung zu.

21
הָכִ֧ינוּ לְבָנָ֛יו מַטְבֵּ֖חַ בַּעֲוֺ֣ן אֲבוֹתָ֑ם בַּל־יָקֻ֙מוּ֙ וְיָ֣רְשׁוּ אָ֔רֶץ וּמָלְא֥וּ פְנֵי־תֵבֵ֖ל עָרִֽים׃
BernfeldMetzelt seine Söhne nieder wegen der Schuld ihrer Väter, dass sie nicht aufstehen und einnehmen das Land, wodurch die Welt sich füllte mit Unruhstiftern.
ZunzBereitet seinen Söhnen die Schlachtbank, wegen der Schuld ihrer Väter, daß sie nicht aufstehen und einnehmen das Land, und das Erdenrund sich fülle mit Unruhstiftern.
J. J. HirschBereitet für seine Söhne die Schlachtbank vor um ihrer Väter Verbrechen willen, damit sie sich nicht erheben und die Erde in Besitz nehmen, so wird die Fläche der Menschenwelt sich wieder mit Städten füllen.
22
וְקַמְתִּ֣י עֲלֵיהֶ֔ם נְאֻ֖ם יְהֹוָ֣ה צְבָא֑וֹת וְהִכְרַתִּ֨י לְבָבֶ֜ל שֵׁ֥ם וּשְׁאָ֛ר וְנִ֥ין וָנֶ֖כֶד נְאֻם־יְהֹוָֽה׃
BernfeldIch mache mich über sie her, ist der Spruch des Herrn Zebaot, und rotte aus von Babel Namen und Überrest, Kind und Enkel, spricht der Herr.
ZunzUnd aufstehe ich gegen sie, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren, und rotte aus von Babel Namen und Ueberrest, und Kind und Enkel, ist der Spruch des Ewigen.
J. J. HirschAuch ich stehe wider sie auf, spricht Gott Zebaoth, und vertilge von Babel Name und Überbleibsel, Kind und Enkel — so lautet der Ausspruch Gottes!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 22. 23. Gott überläßt nicht kleinlicher Rache und Furcht der Menschen das Werk der Vernichtung Babels, seine Waltung beseitigt auch die winzigste Spur davon, und zwei Gründe sind es, die diesen Beschluß fassen: Als ד' צבא' stürzt Gott diese Himmel stürmende Überhebung, kann Er nicht zugeben, daß ein Mensch sich die Herrschaft über die Schöpfungswesen anmaßt, die in Seinem Dienste stehen, und als ד', als היה הוה ויהיה, dem jeder verrinnende Zeitmoment zur Förderung seiner die Welt liebenden Waltungsziele zu gehorchen hat, gewährt Er einer Dynastie, welche den heiligsten Menschenrechten derart Hohn spricht, keine Dauer.

Was unter קפד zu verstehen ist, scheint ungewiß: vielleicht Igel oder Stachelschwein. Die Wurzel קפד weist auf ein leicht gereiztes, zorniges Tier hin.

23
וְשַׂמְתִּ֛יהָ לְמוֹרַ֥שׁ קִפֹּ֖ד וְאַגְמֵי־מָ֑יִם וְטֵאטֵאתִ֙יהָ֙ בְּמַטְאֲטֵ֣א הַשְׁמֵ֔ד נְאֻ֖ם יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃ {ס}
BernfeldIch mache es zum Besitztum der Kröte und zu Wasserbächen, und fege es weg mit dem Besen der Vertilgung, spricht der Herr Zebaot.
ZunzUnd ich mache es zum Besitzthume der Kröte, und zu Wasserbächen, und fege es weg mit dem Besen der Vertilgung, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren.
J. J. HirschIch mache es zum Erbe des Igels und zu Wassersümpfen, ich kehre es aus mit dem Kehrbesen der Vernichtung — so lautet der Ausspruch Gottes Zebaoth!
24
נִשְׁבַּ֛ע יְהֹוָ֥ה צְבָא֖וֹת לֵאמֹ֑ר אִם־לֹ֞א כַּאֲשֶׁ֤ר דִּמִּ֙יתִי֙ כֵּ֣ן הָיָ֔תָה וְכַאֲשֶׁ֥ר יָעַ֖צְתִּי הִ֥יא תָקֽוּם׃
BernfeldGeschworen hat der Herr Zebaot also: Wo es nicht also geschieht, wie ich gesonnen war und wie ich beschlossen, also bestehet es — !
ZunzGeschworen hat der Ewige der Heerschaaren also: Wo es nicht also geschieht, wie ich gesonnen war, und wie ich beschlossen, also bestehet . . . !
J. J. HirschGeschworen hat Gott Zebaoth, indem er sprach: Wahrlich, ganz so wie das, was ich ersonnen hatte, geschehen ist, ebenso wird das, was ich beschlossen habe, auch Bestand haben:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 24—27. Die Schwierigkeiten, welche manche ältere wie neuere Kommentatoren in diesen vier Versen zu erblicken glaubten, gaben ihnen Anlaß, sie entweder als eine neue Prophezeiung gegen Aschur oder als den Schluß der im zehnten Kapitel ausgesprochenen aufzufassen, oder gar hier אשור als eine ältere Bezeichnung für Babel zu erklären. Doch ebnen sich alle Schwierigkeiten, sobald man sich streng an den Wortlaut hält und nicht הָיְתָה als an Stelle תִּהְיֶה stehend auffaßt, wie dies רד"ק und vor ihm תרגום יונתן tut. Dann ergibt sich die Richtigkeit der Erläuterung von רש"י und אבן עזרא klar und deutlich.

Wie bereits in den einleitenden Worten des vorigen Kapitels bemerkt, geschah die Verkündigung von Babels Geschick etwa 190 Jahre vor ihrer Verwirklichung. Lange vor Ablauf dieser Zeit war die auch voraus verkündete Vernichtung des assyrischen Heeres eingetreten, und sogar später der völlige Sturz Aschurs durch Babel selbst unter Mithilfe Mediens vollzogen worden. Der Sinn unserer Stelle ist: Wenn Babel etwa an dem wirklichen Eintritt des von Gott über es beschlossenen Verhängnisses zweifeln sollte, so darf es nur auf Aschur hinblicken, was Gott Aschur durch Jesaia angedroht hatte, wird ja inzwischen sich genau der Voraussage entsprechend erfüllt haben. Das Gottesgericht an Aschur möge Babel auch sein Geschick verbürgen: Gottes Beschluß geht in Erfüllung!

כאשר דמיתי: Wie ich es mir vorgestellt hatte, כן היתה so ist es inzwischen geschehen, ebenso wird auch mein Beschluß über euch ins Leben treten.

כאשר דמיתי וגו' וכאשר וגו' ist Vergleichung: gerade wie, so u. s. w., der durch zwei „כ“ ausgedrückt wird, wie והיה כעם ככהן (Hosea 4, 9). Daß vor dem zweiten כאשר ein „ו“ steht, hindert die Bedeutung der beiden vergleichenden כ nicht, ganz so finden wir u. a.: Josua 14, 11 כְּכֹחִי אָז וּכְכֹחִי עָתָּה „wie meine Kraft damals war, ebenso ist sie heute“; כחלק הירד במלחמה וכחלק הישב על הכלים (1. Samuel 30, 24) „wie der Anteil dessen, der zur Schlacht gezogen ist, ebenso ist der Anteil des bei dem Gepäck Gebliebenen“. Das כאשר דמיתי war: לשבר אשור; בארצי auf meiner Erde, wie Ps. 10, 16: אבדו גוים מארצו von seiner Erde. הרי wie כהררי אל (Ps. 36, 7). מעליהם von Israel. וכאשר יעצתי ist der in diesem Kapitel offenbarte Beschluß gegen Babel, der hier noch einmal zusammengefaßt wird in זאת, so ist dieses u. s. w. וזאת היד וגו': Täuschet euch nicht, meine Hand ist mächtig genug, über alle Völker das zu bringen, was ich über sie beschlossen habe, nicht nur über Aschur, wie ihr selbst gesehen haben werdet, sondern auch über Babel.

25
לִשְׁבֹּ֤ר אַשּׁוּר֙ בְּאַרְצִ֔י וְעַל־הָרַ֖י אֲבוּסֶ֑נּוּ וְסָ֤ר מֵֽעֲלֵיהֶם֙ עֻלּ֔וֹ וְסֻ֨בֳּל֔וֹ מֵעַ֥ל שִׁכְמ֖וֹ יָסֽוּר׃
BernfeldDass ich Assyrien zerschlage in meinem Lande, auf meinen Gebirgen zerstampf ich ihn; und es soll weichen von [Israel] sein Joch, und seine Last weicht von seiner Schulter.
ZunzAschur zu zerschlagen in meinem Lande; und auf meinen Gebirgen zerstampf' ich ihn, und es soll weichen von ihnen sein Joch, und seine Last weicht von seiner Schulter.
J. J. HirschAschur zu zerschmettern auf meiner Erde und auf meinen Bergen es niederzutreten, daß von ihnen [Jisrael] sein Joch weiche und seine Last von ihrer Schulter schwinde —
26
זֹ֛את הָעֵצָ֥ה הַיְּעוּצָ֖ה עַל־כׇּל־הָאָ֑רֶץ וְזֹ֛את הַיָּ֥ד הַנְּטוּיָ֖ה עַל־כׇּל־הַגּוֹיִֽם׃
BernfeldDies ist der Beschluss der über die ganze Erde gefasste, und dies die Hand, die ausgestreckt über all die Völker.
ZunzDies ist der Beschluß, der über die ganze Erde gefaßte, und dies die Hand, die ausgestreckte über all die Völker.
J. J. Hirschso ist dieses der Ratschluß, beschlossen über die ganze Erde, und dieses die Hand, ausgestreckt über alle die Völker!
27
כִּֽי־יְהֹוָ֧ה צְבָא֛וֹת יָעָ֖ץ וּמִ֣י יָפֵ֑ר וְיָד֥וֹ הַנְּטוּיָ֖ה וּמִ֥י יְשִׁיבֶֽנָּה׃ {פ}
BernfeldDenn der Herr Zebaot hat beschlossen, wer kann es stören? Und seine Hand ist ausgestreckt, wer kann sie zurückwenden?
ZunzDenn der Ewige der Heerschaaren hat beschlossen, und wer wird es stören? und seine Hand ist die ausgestreckte, wer wird sie zurückwenden?
J. J. HirschWenn Gott Zebaoth beschlossen hat, wer kann da stören, und ist seine Hand ausgestreckt, wer vermag, sie zurückzuhalten?
28
בִּשְׁנַת־מ֖וֹת הַמֶּ֣לֶךְ אָחָ֑ז הָיָ֖ה הַמַּשָּׂ֥א הַזֶּֽה׃
BernfeldIm Todesjahre des Königs Achaz erging diese Weissagung:
ZunzIm Todesjahre des Königs Achas war dieser Vortrag:
J. J. HirschIm Todesjahre des Königs Achas wurde diese Geschickeslast:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 28. היה entstand, wurde beschlossen. Aus 2. Chron. 26, 6. 7 wissen wir, daß König Usijahu die Philister erfolgreich bekämpft, die Mauern ihrer Festungen geschleift und jüdische Städte in ihrem Lande erbaut hatte. Dieser Zustand der Abhängigkeit Philistäas ward während der Regierungszeit Achas' erschüttert, die Philister ermutigten sich und machten siegreiche Einfälle in das Gebiet Judas, wie 2. Chron. 28, 18 erzählt wird. Damit war die Furcht, welche ihnen das Regentenhaus Davids eingeflößt hatte, beseitigt. Achas' Tod nun scheint in ihnen die Zuversicht erzeugt zu haben, fortan ganz ungehindert sich alles gegen Juda erlauben zu können. Denn wenn auch Achas sich ihnen gegenüber stets schwach gezeigt, so hatte er doch bei seinen Vorgängern ein festes Auftreten gegen ihre Ausschreitungen mit angesehen. So hatten sie immer zu fürchten, daß er sich doch noch zu energischem Vorgehen gegen sie aufraffen könnte. Von seinem Sohne hingegen, der das Übergewicht der Philister über Judäa bei Antritt seiner Regierung als Tatsache vorfand, glaubten sie gar nichts mehr befürchten zu brauchen und deshalb freuten sie sich. Einer ähnlichen Erscheinung begegnen wir während der Knechtschaft Israels in Ägypten. Da heißt es „als der König von Ägypten starb, seufzten die Söhne Israels von der Arbeit auf und schrien“: Solange der König, der sie widerrechtlich ihrer Freiheit beraubt hatte, lebte, durften sie hoffen, sein Gewissen werde erwachen und sie von dem unerträglichen Joche befreien; sein Nachfolger jedoch trat die Regierung an und fand sie als Sklaven vor, da war jede Hoffnung auf eine mögliche Änderung ihres Geschickes geschwunden und deshalb seufzten sie. —

29
אַֽל־תִּשְׂמְחִ֤י פְלֶ֙שֶׁת֙ כֻּלֵּ֔ךְ כִּ֥י נִשְׁבַּ֖ר שֵׁ֣בֶט מַכֵּ֑ךְ כִּֽי־מִשֹּׁ֤רֶשׁ נָחָשׁ֙ יֵ֣צֵא צֶ֔פַע וּפִרְי֖וֹ שָׂרָ֥ף מְעוֹפֵֽף׃
BernfeldFreue dich nicht so ganz, Pleset, ob auch zerbrochen ist der Stock deines Schlägers, denn aus der Wurzel einer Schlange kommt eine Natter und deren Frucht ist ein fliegender Drache.
ZunzFreue dich nicht, ganz Pleschet, ob auch zerbrochen ist der Stock deines Schlägers; denn aus der Wurzel einer Schlange kommt eine Natter, und deren Frucht ist ein fliegender Drache.
J. J. HirschFreue dich nicht, ganz Philistää, daß zerbrochen sei der Stab, der dich schlug, denn aus der Wurzel der Schlange geht ein Basilisk hervor, und ihre Frucht ist eine fliegende Giftschlange.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 29. Diese Freude vergällt ihnen der göttliche Ausspruch. שבט מכך der Stab, der dir die wohlverdienten Schläge zufügte, das Haus Davids, ist nicht zerbrochen, im Gegenteil er ist mächtiger denn je. War das Haus Davids für dich eine Schlange, der du zu Achas' Zeiten gelegentlich auf „den Kopf treten“ konntest, so ersteht dir in Chiskijahu ein Basilisk, ja eine fliegende Giftschlange, die dich durch ihre Schnelligkeit überall einholt und deren leichtester Biß für dich folgenschwer ist. Seine Siege über die Philister werden uns 2. Könige 18, 8 berichtet.

30
וְרָעוּ֙ בְּכוֹרֵ֣י דַלִּ֔ים וְאֶבְיוֹנִ֖ים לָבֶ֣טַח יִרְבָּ֑צוּ וְהֵמַתִּ֤י בָרָעָב֙ שׇׁרְשֵׁ֔ךְ וּשְׁאֵרִיתֵ֖ךְ יַהֲרֹֽג׃
BernfeldUnd es ruhen die Erstgeborenen der Darbenden [die Israeliten], und Durstige lagern sicher; aber deine Wurzel töte ich durch Hunger und deinen Überrest würge ich.
ZunzUnd es weiden die Erstgeborenen der Darbenden und Dürftige lagern sicher; aber deine Wurzel tödte ich durch Hunger und deinen Ueberrest würgt er.
J. J. HirschDann werden ihre Weide finden die Erstlinge unter den Erschöpften und die Dürftigen in Sicherheit lagern, aber deine Wurzel lasse ich durch Hunger sterben, dann bringt er, was noch von dir übrig ist, um.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 30. בכורי דלים ist Bezeichnung für Israel, das bei seinem ersten Auftreten auf der Bühne der Geschichte von Gott בני בכורי genannt wurde, und wie es damals für diese Bestimmung aus herbster Sklaverei erlöst ward, so immer wieder, wenn es dieser Bestimmung untreu wird, in die alten Bande der Abhängigkeit und des Elends gerät. Das gerade hatte sie zu Achas' Zeit den Philistern unterliegen lassen, wie dies in der oben zitierten Stelle gesagt wird: „denn Gott hatte Juda niedergebeugt wegen Achas', des Königs von Israel, der Juda zu Zügellosigkeit verleitete, so daß es Gott die Treue brach.“ Jetzt wird Juda ruhig und sicher vor euch sein können. והמתי ברעב שרשך. Du wähntest, in jüdischen Boden Wurzel schlagen zu können — deine Wurzel lasse ich Hungers sterben und was bereits deinem bisherigen Treiben entsprossen ist, verfällt dem Schwerte des Feindes, der

31
הֵילִ֤ילִֽי שַׁ֙עַר֙ זַֽעֲקִי־עִ֔יר נָמ֖וֹג פְּלֶ֣שֶׁת כֻּלֵּ֑ךְ כִּ֤י מִצָּפוֹן֙ עָשָׁ֣ן בָּ֔א וְאֵ֥ין בּוֹדֵ֖ד בְּמוֹעָדָֽיו׃
BernfeldHeule, o Tor, schreie, o Stadt, von Angst bist du ganz aufgelöst, Pleset! denn von Norden her kommt Rauch und keiner bleibt zurück unter seinen Aufgebotenen.
ZunzHeule, o Thor, schreie, o Stadt, von Angst aufgelöst bist du ganz Pleschet! Denn von Norden her kommt Rauch, und kein Vereinzelter ist unter seinen Aufgebotenen.
J. J. HirschJammere, o Tor! Schreie, o Stadt! Vor Angst vergehst ganz Philistäa du, denn von Norden her kommt Rauch, keiner löst sich los von seinen Aufgebotenen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 31. מצפון וגו' von Norden kommt. Wir glauben, daß darunter Chiskijahu zu verstehen ist, denn das von ihm 2. Könige 18, 8 eroberte Asa und dessen Gebiet liegt südwestlich von Jerusalem. Tief bedeutsam wird diese Niederlage, die ihnen Chiskijahu bereitet, nur „עשן“ Rauch genannt — das sie verzehrende Feuer kommt erst später, wie dies Jerem. 47 und Hesek. 25, 16 verkündigt.

32
וּמַֽה־יַּעֲנֶ֖ה מַלְאֲכֵי־ג֑וֹי כִּ֤י יְהֹוָה֙ יִסַּ֣ד צִיּ֔וֹן וּבָ֥הּ יֶחֱס֖וּ עֲנִיֵּ֥י עַמּֽוֹ׃ {פ}
BernfeldUnd was werden beichten die Gesandten des Volkes, [wenn sie die Rettung Israels vor Sanherib zu begrüßen kommen]? Dass der Herr Zijon gegründet, und darin geborgen sind die Armen seines Volkes.
ZunzUnd was berichtet ( jeglicher) der Gesandten des Volkes? daß der Ewige Zijon gegründet, und darin geborgen sind die Armen seines Volkes.
J. J. HirschUnd was antwortet er den Abgesandten der Nation? Daß Gott Zion fest begründet hat und dort Schutz finden werden die Armen seines Volkes!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 32. Und wenn ihr, ganz überrascht und verwundert ob der Kühnheit der Juden, von denen ihr nach dem Schwächezustande unter Achas euch eines solchen Unterfangens nicht versahet, dem herannahenden Zuge Boten entgegen sendet, die sich nach dessen Absicht erkundigen sollen: wie lautet dann die Antwort Chiskijahus? Daß fortan die Zeit des Elends für Juda zu Ende sei und Gott Zion wieder fest gründete. Dieses „fest“ liegt in der Pielform יסד. ענה wird mit dem Akkus. sowohl der Sache als der Person konstruiert: ומה ענה אותו בלעם (Micha 6,5) und auch, wie hier, ohne את oder Suffix: אל תען כסיל (Prov. 26, 4). ציון die Stätte des Gottesgesetzes, ובה und in diesem Gesetze findet Juda seinen Schutz.