Jeschajahu 14 ישעיהו
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 14. V. 1. Dieses Kapitel bildet bis zum V. 27 die Fortsetzung des vorhergehenden. An dessen letzte Worte „seine Tage dauern nicht lange“ knüpft dieses an. Die Zeit der Selbständigkeit des neubabylonischen Reiches war eine verhältnismäßig kurze. Sie beginnt nicht lange vor der Zerstörung Ninives, der Hauptstadt von Assyrien, durch Babel unter Beihilfe von Medien und endet mit der Eroberung Babels durch Cyrus — also betrug deren ganze Dauer etwa 88 Jahre. Aber bereits 18 Jahre vor diesem Ende hatte Babel eine schwere Niederlage durch Cyrus erlitten, von welcher es sich nicht wieder erholte. Denn es war durch Gottes Ratschluß bestimmt, daß Babels Niedergang noch einmal Juda den Weg zur Heimkehr in sein Land ebne, um dort freilich nicht als „Jisrael“, sondern in „Jakobsgestalt“ ein von der Macht anderer Staatengrößen abhängiges eigenes Volksdasein zu leben. Lag es doch nicht in Gottes Absicht, das jüdische Volk jetzt schon zu einer politischen Größe zu gestalten, für eine solche hatte es das kurze babylonische Exil noch nicht reif genug werden lassen — in seiner Heimat sollte es aus dem Boden seines Gesetzes verjüngende Geisteskraft und neues Leben trinken, sich wieder und besser als während seiner ersten Glücksperiode und nachhaltiger mit dem Gottesgedanken erfüllen, damit es befähigt werde, in der großen Diaspora, „der Völkerwüste“, in Treue auszuharren. Dort, in der Schule der Leiden lernend und durch sein Beispiel die Völker lehrend, sollte es die völlige Reife für ein ewig andauerndes Glück gewinnen, zu welchem es die endliche Erlösung führen wird.
Einstweilen ירחם erbarmt sich Gottes väterliche Liebe Jakobs. רֶחֶם — רַחֵם der Mutterschoß — ist die Liebe des Schöpfers zu seinem Geschöpfe. Diese Liebe, die wieder und wieder sich bemüht, das ungehorsame Kind zu bessern und auf den rechten Weg zu bringen, diese ist es, die Gott das babylonische Exil enden läßt, um mit seiner Schöpfung, dem jüdischen Volke, den Versuch der Wiedergeburt auf heimischem Boden zu machen.
Bevor nun der Prophet V. 3 seine Offenbarung über die Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft fortsetzt, unterbricht er sich bei dem Worte יעקב und zeichnet mit knappen Federstrichen die einstige Erlösung, durch welche Gott „עוד“ dauernd (s. o. Kap. 1, 5) sein Volk zu „ישראל“ erwählt, zu einem Menschenkreise, in dem der Wille Gottes das allein herrschende Prinzip ist und ein Leben des Segens und des Friedens zeitigt, zu einer Nation, deren Beispiel die Menschheit zur Gotteshuldigung führen wird. Jener Jakobszustand, der auch sich nach der Wiederherstellung des Tempels durch das Fehlen der heiligen von Cherubim-Fittichen geschützten Bundeslade, der Urim und Thummim und des himmlischen Feuers auf dem Altar als solcher kundgab, bildet nur die Vorstufe für die dereinstige Jisraels-Erwählung. Das ward hier sofort verkündigt.
Mit dem Worte בחר wird die innigste Beziehung Gottes zu Israel wiederholt bezeichnet, so 5. B. M. 7, 6, 7 und sonst. והניחם, Hifil von ינח, wie 3. B. M. 16, 23, etwas deponieren, für immer niederlegen. Dann erst wird Israel dauernd wirkliche Stätte finden auf dem Boden seiner Bestimmung, um sich ihr ganz zu widmen.
ונלוה הגר עליהם. לֹוֶה heißt der Schuldner. לוה im Nifal, wie hier, bezeichnet die innige Beziehung zweier, von denen jeder sich als Schuldner des anderen begreift, jeder sich dem anderen verpflichtet fühlt. So war das Verhältnis zwischen Priestern und Leviten, von denen es 4. B. M. 18, 2 heißt: וילוו עליך וישרתוך Sie sollen dir sich anschließen und dich bedienen. Deren Tätigkeit war, obgleich gewissermaßen eine den Priestern bei- und untergeordnete, doch durch den Sängerdienst eine so bedeutsame, daß die Priester sie darin nicht ersetzen konnten. Auf ein solches Verhältnis der sich dem jüdischen Volke dereinst anschließenden Menschheit blickt unser Prophet in seinem Schlußwort Kap. 66, 21 hin, indem er im Namen Gottes verkündet: וגם מהם אקח לכהנים ללוים „Und auch von ihnen (von den Völkern) nehme ich für die Priester zu Leviten“. Etwas Ähnliches dürfte hier gesagt sein: gipfelt ja der Beruf Israels darin, ממלכת כהנים „ein Reich von Priestern“ zu werden (2. B. M. 19, 6).
ונספחו וגו'. ספח bezeichnet ein unselbständiges Anschließen an ein anderes, sogar wohl zugleich mitunter ein unbewußtes, wie bei ספיח Nachwuchs (3. B. M. 25, 5), der nicht durch diesjährige Bestellung des Ackers, sondern infolge früherer Bodenkultur gewachsen ist. Im Nifal, wie hier, sich zum Anschluß bewogen fühlen. Mit größter Feinheit wird hier sofort hervorgehoben, daß nicht die jetzige äußere Glanzstellung Jisraels den Anschluß der Fremden veranlaßte, sie vielmehr, und zwar ונספחו, Plural, in großer Anzahl durch das geistig und sittlich reinere, edlere Leben dieses Volkes sich unbewußt zu ihm hingezogen fühlten schon in der Zeit, als es seinem Geschicke nach noch „Haus Jakobs“ war. Dieser jetzige Anschluß ist ein Produkt seiner stillen Kulturarbeit während der Jahrhunderte des Exils. (Bei dieser Auffassung steht auch der Ausspruch unserer Weisen: אין מקבלין גרים לימות המשיח nicht im Widerspruch mit diesem Verse. Aufnahme als גרי צדק finden nur die, deren früherer Anschluß an בית יעקב diesen als rein לשם שמים charakterisiert. Die wirkliche גאולה wird ja auch erst im nächsten Verse durch ולקחום וגו' erfolgend berichtet. — Der anderenfalls sich ergebende Widerspruch wäre um so mehr auffällig, als gerade an die gleiche Wurzel des ונספחו mit ספחת das Wort קשים גרים לישראל כספחת (Jebam. 47 b) sich anlehnt.)
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 2. ולקחום וגו'. Darum geleiten die Völker sie nun heim, es ist dies zugleich eine Huldigung Gottes, den sie durch das jüdische Volk kennen gelernt hatten. Auf seinem heimischen Boden beginnt es nun als „Haus Jisrael“ seine Wirksamkeit und tritt seine Erbschaft an auf der Gotteserde, indem es die Menschen für Gott gewinnt, sie zu Dienern und Dienerinnen Gottes erzieht. So fesseln sie mit den Banden der Liebe die Menschheit, die so lange ihnen Kerkermeister gewesen, an sich und die göttliche Pflicht, die für die Allmenschheit in der Erfüllung der noachidischen Gesetze besteht, und die von ihnen durch die Zeiten getragene Gottesidee beherrscht ihre seitherigen Tyrannen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 3. הניח וגו', Hifil von נוח, welches im קל ruhen und im הפעיל zur Ruhe kommen lassen, Ruhe gewähren bedeutet. Daher mit dem Dativ konstruiert und nicht wie oben das והניחם mit Akkusativ. מעצבך von עצב, 1. Chron. 4, 9 כי ילדתי בעצב nicht körperlicher, sondern im Gemüte empfundener Schmerz, Entsagung. וּמֵרָגְזֶךָ, das · ist ungewöhnlich, kommt jedoch einigemal statt des ·· so vor, s. 1. Samuel 23, 28; 2. Samuel 18, 16. — רגז sowohl durch äußere als durch innere Veranlassung erfolgende Erschütterung, daher Zittern und Gemütsbewegung. Letztere kann durch Angst, Zorn, Sorge verursacht sein; hier scheint es, wie אל תרגזו בדרך (1. B. M. 45, 24), Sorge zu bezeichnen.
Unter העבדה הקשה dürfte hier nicht harter Frohndienst zu verstehen sein, von einem solchen wird, soweit uns bekannt, nichts berichtet. Vielmehr scheint das schwierige Werk der Läuterung und Reinigung Judas von seinen Schwächen, welches sich während des babylonischen Exils in so wirksamer Weise an ihm vollzog, gemeint zu sein. Die Stärke, die Wucht der Leiden, durch welche diese Besserung herbeigeführt wurde, dürfte durch die männliche Form עֻבַּד statt der zu dem weiblichen עבדה eigentlich passenden עֻבְדָה angedeutet sein. Die hierfür von Grammatikern als Analogie angeführten Beispiele erscheinen nicht ganz ausreichend, da hier zu העבדה bereits ein Adjektiv mit femin. Endung הקשה hinzugefügt ist und erst dann עֻבַּד folgt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 4. איך, mit trennendem Akzent, ist eine Frage des Erstaunens für sich. Du wirst dich erleichtert, ja frei fühlen und rufst erstaunt fragend aus: Woher kommt dies? Feiert der Tyrann? מדהבה, Hifil von דהב, welches sonst nicht wieder vorkommt, lautverwandt (wie צבה mit צבא, קרה mit קרא) mit דאב, das meistens seelischen Schmerz, Betrübnis des Gemüts bedeutet, bezeichnet Babel als diejenige, durch welche alle die 3. B. M. 26,16 unter den Begriff מכלות עינים ומדיבת נפש zusammengefaßten Leiden über das dorthin exilierte Volk gebracht worden sind. So faßt es auch der Kommentator R. Eleasar Beaugenci auf.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 5. 6. שבר ד'. Aus Barmherzigkeit hat Gott den Stab der Frevler zerbrochen, die als solchen ihr Szepter mißbrauchten. Daß das Herrscheramt ihnen auch Pflichten gegen die ihrer Leitung anvertrauten Menschen auferlege, kam ihnen nie in den Sinn, launenhafte, tyrannische Willkür machte ihre Untertanen unglücklich, dabei suchten sie deren Kreis fortwährend durch Eroberungen zu erweitern. רדה in der Bedeutung beherrschen, mit dem Akkusativ konstruiert, bezeichnet ein Überschreiten der dem Herrn zustehenden Befugnis; außer hier kommt es nur in לא ירדנו בפרך לעיניך (3. B. M. 25, 53) vor, sonst immer mit ב. — מרדף Hofal von רדף. Der unerbittliche Tod verfolgt ihn, und keiner will und vermag diesem Halt zu gebieten. בלי חשך wie Ps. 78, 50: לא חשך ממות נפשם „er hielt ihre Seele nicht vom Tode zurück“.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 7. 8. נחה שקטה וגו' sind die Worte des allgemeinen Jubelausbruchs. פצחו ohne besonders genanntes Subjekt: Alle. In die Freudenhymne der Menschen stimmt auch die Natur mit ein. (ברוש vielleicht die gleich der Zeder zur Gattung der Koniferen zählende Tanne.) Der Libanon ist glücklich, seine Zedern nicht mehr zu Zerstörungswerkzeugen des Krieges mißbraucht zu wissen. Denn wenn der Mensch die Bergeshöhen erklimmt und Waldriesen fällt, um den Tempel Gottes zu erbauen oder seine eigenen Häuser aufzurichten und dann in diesen Häusern ein wahrhaft menschliches Leben entfaltet, dann freuen sich die Bäume. Vgl. אז ירננו כל עצי יער וגו' (Ps. 96, 12) oder 148, 9: עץ פרי וכל ארזים. Zur Begründung der Gottesherrschaft auf Erden geben sie sich willig, freudig hin, aber nichtigem Streben nach Üppigkeit und der frevelnden Gewalt dienen zu müssen, das schmerzt sie tief.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 9, 10. שאול מתחת וגו'. Auch die Gräberwelt hält ihr Totengericht über den gestürzten gewaltigen Dynasten, sie rüstet sich, ihn mit schadenfrohem Spotte zu begrüßen. Allen voran die abgeschiedenen Völkerkönige, sie, die selbst עתודים — עתודי ארץ — Böcke — im Leben ihre Völker als Herdentiere betrachtet hatten, die ihnen, den voranwandelnden „Böcken“ unbedingt folgen mußten.
כלם יענו ויאמרו. Nicht antworten, sondern die Rede anheben, beginnen, wie וענית ואמרת du aber beginnst und sagst (5. B. M. 26, 5); ועני הלוים ואמרו (5. B. M. 27,14) u. f. גם אתה s. o. das zu איך Bemerkte. Im Leben warst du uns ja so unendlich überlegen an Macht und Stärke — und jetzt bist du ebenso schwach wie wir, du dünktest dich so viel höheren, jeden Vergleich mit uns ausschließenden Ranges — und jetzt hat der Tod dich uns ganz gleich gestellt! חליתה ist Pual von חלה krank, schwach sein. נמשלת sonst stets mit כ oder עם konstruiert, hier אלינו; אל gibt die Richtung an, und da אלינו vor נמשלת steht, so hebt es das „uns“ hervor: Hat dich dein stolzer Siegesflug doch zu gleicher Stufe mit uns geführt?
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 11. המית נבליך. Wie zu Kapitel 5, 12 (s. das.) bemerkt, scheint נבל ein Instrument zu sein, dem mehr weiche, ernste, klagende Töne entlockt wurden. Es paßt ganz in den Rahmen der satirischen Begrüßung hier, daß sie die rauschende, gewiß heitere Tafelmusik und die lauten Siegesfanfaren des stolzen Dynasten mit feinem Spotte von vornherein als Trauerklänge bezeichnet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 12. איך wie oben. חולש על גוים. חלש schwächen, den natürlichen Zusammenhalt der Kräfte lösen. ויחלש יהושע את עמלק (2. B. M. 17, 13). Da es hier nicht mit את, sondern mit על konstruiert ist, wird damit zugleich als Ursache der eingetretenen Schwäche der auf den Völkern lastende Druck bezeichnet: Du warst der entnervende Völkeralp!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 13. 14. ואתה וגו' zeichnet den grenzenlosen Stolz und Größenwahn Nebukadnezars, wie er Dan. 4 sich kundgab.
בהר מועד בירכתי צפון ist der Tempelberg, der Träger des erweiterten אהל מועד. ירכתים bezeichnet den Teil einer Räumlichkeit, der das eigentliche Strebeziel derselben bildet, zu welchem alles übrige sich als Vorraum verhält. Der Tempelberg liegt im Süden Palästinas, zu ihm strebt der ganze Norden hin. Von diesem Gedanken ausgehend, wird bereits Ps. 48, 3 der Zionsberg ירכתי צפון genannt. S. Komm. daselbst.
במתי עב stat. constr. einer Dualform, die במתים heißen würde, allerdings nicht vorkommt. Alle Stellen, in welchen diese Dualform gebraucht wird, wie: ירכיבהו על במותי ארץ (5. B. M. 32, 13), ודורך על במתי ים (Job 9, 8) bezeichnen bildlich das Besteigen von Höhen und drücken die Doppelbezeichnung einer solchen Stellung als Herrschaft über die Natur- und Menschenwelt aus. So auch hier, es spricht sich darin die maßlose Selbstüberhebung Nebukadnezars aus, die אדמה לעליון sich zum Ziel gesteckt hatte. Dem gegenüber wird ihm Dan. 4, 14 gezeigt: daß die Lebenden erkennen sollen, די שליט עליא במלכות אנושא „daß der Höchste schaltet über die Herrschaft der Menschen“. אדמה ist Hispael.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 15—17. ירכתי בור wie oben: Die Grube strebt der Tiefe zu. ישגיחו von שגח seine Aufmerksamkeit intensiv auf etwas richten. ועריו הרם. Da תבל ausnahmslos fem. ist, so kann sich עריו nicht darauf beziehen, vielmehr heißt es (wie bereits אבן עזרא als Ansicht einiger bringt): seine eigenen Städte, wie auch אסיריו seine eigenen Gefangenen. Der Starrsinn des Tyrannen schonte der eigenen Städte nicht, wenn es galt, dem einmal vielleicht in der Laune des Augenblicks gefaßten Vorsatze Geltung zu verschaffen. Wer von seinen Untertanen in Gefangenschaft geriet, dem verzieh er dies unter keinen Umständen, sein Dünkel empfand es als persönliche Beleidigung, daß einer seiner Leute nicht den Tod für ihn der Gefangenschaft vorgezogen hatte — und darum tat er grundsätzlich nichts, um „seine in Gefangenschaft geratenen Untertanen auszulösen“. Selbst vor dem Tribunal der abgeschiedenen Könige, welche sicherlich in ihrem Leben auch nur Interessenpolitik verfolgt und anderer Völker Rechte nur so lange geachtet hatten, als sie diesen nicht an Gewalt überlegen waren, war solche Zerstörungswut gegen das eigene Land und gegen die eigenen Leute als verbrecherischer Wahnsinn gerichtet.
Mit diesem Verse endet der V. 10 eingeleitete Willkommensgruß der Unterwelt, der einen Teil der „Spruchrede“ des V. 4 bildet. Diese geht bis V. 21 weiter.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 18. 19. בביתו in seinem Totenhause, seinem Mausoleum. So faßt es auch תרג' יונתן auf: בבית עולמיה. Nach den Worten unserer Weisen wurde Nebukadnezars Leichnam unter der Regierung seines Nachfolgers der Grabstätte entnommen und unehrerbietig behandelt; Abarban. meint, es sei dies wohl erst bei der Eroberung durch die Perser geschehen.
כנצר נתעב wie ein schmarotzerartiges Gewächs, welches man beseitigen muß. לבש הרגים die Leiber aller durch seine Schuld geopferten Menschen, die erschlagen oder schwertdurchbohrt in die Grube fuhren, haften ihm an gleich einem Gewande — es sind seine Ankläger, die ihn nicht fahren lassen. כפגר מובס scheint eine zweite Vergleichung zu sein, um das grausige Bild des königlichen Leichnams noch schauriger hervortreten zu lassen. מטעני von טען aufladen, belasten, טענו את בעירכם beladet eure Tiere (1. B. M. 45, 17), hier: auf das Schwert laden, aufspießen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 20. 21. אתם bezieht sich auf die V. 18 erwähnten מלכי גוים. לא יקרא וגו'. Mit allem Größenstreben wirst du nicht einmal erreicht haben, daß dein Ruhm in deinen Kindern weiterlebt: das רע, welches du geübt hast, vergiftet die Zukunft des „זרע“ und läßt denselben nicht zum Keimen, geschweige denn zur Blüte gelangen. Die Furcht, die giftige Saat könnte aufgehen, treibt die Menschheit an, sie zu zerstören בעון אבותם: Belsatzar und sein Haus fiel nicht allein den eigenen Verbrechen zum Opfer, sondern auch denen Ewil Merodachs und Nebukadnezars, und mit ihm erlosch die Dynastie. ערים wird von vielen für „Feinde“ genommen und das בל auch auf ומלאו. Doch liegt kein zwingender Grund vor, von der sonstigen Bedeutung „Städte“ abzuweichen, der trennende Akzent auf ארץ würde auch Schwierigkeit bereiten. Die Negation endet mit dem Worte ארץ. Der Sinn ist, sobald das zerstörende Element beseitigt ist, kann die Welt wieder gedeihen. Auch רש"י, אבן עזרא, רד"ק, die es als „Feinde“ erklären, geben doch die Möglichkeit dieser Auffassung zu.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 22. 23. Gott überläßt nicht kleinlicher Rache und Furcht der Menschen das Werk der Vernichtung Babels, seine Waltung beseitigt auch die winzigste Spur davon, und zwei Gründe sind es, die diesen Beschluß fassen: Als ד' צבא' stürzt Gott diese Himmel stürmende Überhebung, kann Er nicht zugeben, daß ein Mensch sich die Herrschaft über die Schöpfungswesen anmaßt, die in Seinem Dienste stehen, und als ד', als היה הוה ויהיה, dem jeder verrinnende Zeitmoment zur Förderung seiner die Welt liebenden Waltungsziele zu gehorchen hat, gewährt Er einer Dynastie, welche den heiligsten Menschenrechten derart Hohn spricht, keine Dauer.
Was unter קפד zu verstehen ist, scheint ungewiß: vielleicht Igel oder Stachelschwein. Die Wurzel קפד weist auf ein leicht gereiztes, zorniges Tier hin.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 24—27. Die Schwierigkeiten, welche manche ältere wie neuere Kommentatoren in diesen vier Versen zu erblicken glaubten, gaben ihnen Anlaß, sie entweder als eine neue Prophezeiung gegen Aschur oder als den Schluß der im zehnten Kapitel ausgesprochenen aufzufassen, oder gar hier אשור als eine ältere Bezeichnung für Babel zu erklären. Doch ebnen sich alle Schwierigkeiten, sobald man sich streng an den Wortlaut hält und nicht הָיְתָה als an Stelle תִּהְיֶה stehend auffaßt, wie dies רד"ק und vor ihm תרגום יונתן tut. Dann ergibt sich die Richtigkeit der Erläuterung von רש"י und אבן עזרא klar und deutlich.
Wie bereits in den einleitenden Worten des vorigen Kapitels bemerkt, geschah die Verkündigung von Babels Geschick etwa 190 Jahre vor ihrer Verwirklichung. Lange vor Ablauf dieser Zeit war die auch voraus verkündete Vernichtung des assyrischen Heeres eingetreten, und sogar später der völlige Sturz Aschurs durch Babel selbst unter Mithilfe Mediens vollzogen worden. Der Sinn unserer Stelle ist: Wenn Babel etwa an dem wirklichen Eintritt des von Gott über es beschlossenen Verhängnisses zweifeln sollte, so darf es nur auf Aschur hinblicken, was Gott Aschur durch Jesaia angedroht hatte, wird ja inzwischen sich genau der Voraussage entsprechend erfüllt haben. Das Gottesgericht an Aschur möge Babel auch sein Geschick verbürgen: Gottes Beschluß geht in Erfüllung!
כאשר דמיתי: Wie ich es mir vorgestellt hatte, כן היתה so ist es inzwischen geschehen, ebenso wird auch mein Beschluß über euch ins Leben treten.
כאשר דמיתי וגו' וכאשר וגו' ist Vergleichung: gerade wie, so u. s. w., der durch zwei „כ“ ausgedrückt wird, wie והיה כעם ככהן (Hosea 4, 9). Daß vor dem zweiten כאשר ein „ו“ steht, hindert die Bedeutung der beiden vergleichenden כ nicht, ganz so finden wir u. a.: Josua 14, 11 כְּכֹחִי אָז וּכְכֹחִי עָתָּה „wie meine Kraft damals war, ebenso ist sie heute“; כחלק הירד במלחמה וכחלק הישב על הכלים (1. Samuel 30, 24) „wie der Anteil dessen, der zur Schlacht gezogen ist, ebenso ist der Anteil des bei dem Gepäck Gebliebenen“. Das כאשר דמיתי war: לשבר אשור; בארצי auf meiner Erde, wie Ps. 10, 16: אבדו גוים מארצו von seiner Erde. הרי wie כהררי אל (Ps. 36, 7). מעליהם von Israel. וכאשר יעצתי ist der in diesem Kapitel offenbarte Beschluß gegen Babel, der hier noch einmal zusammengefaßt wird in זאת, so ist dieses u. s. w. וזאת היד וגו': Täuschet euch nicht, meine Hand ist mächtig genug, über alle Völker das zu bringen, was ich über sie beschlossen habe, nicht nur über Aschur, wie ihr selbst gesehen haben werdet, sondern auch über Babel.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 28. היה entstand, wurde beschlossen. Aus 2. Chron. 26, 6. 7 wissen wir, daß König Usijahu die Philister erfolgreich bekämpft, die Mauern ihrer Festungen geschleift und jüdische Städte in ihrem Lande erbaut hatte. Dieser Zustand der Abhängigkeit Philistäas ward während der Regierungszeit Achas' erschüttert, die Philister ermutigten sich und machten siegreiche Einfälle in das Gebiet Judas, wie 2. Chron. 28, 18 erzählt wird. Damit war die Furcht, welche ihnen das Regentenhaus Davids eingeflößt hatte, beseitigt. Achas' Tod nun scheint in ihnen die Zuversicht erzeugt zu haben, fortan ganz ungehindert sich alles gegen Juda erlauben zu können. Denn wenn auch Achas sich ihnen gegenüber stets schwach gezeigt, so hatte er doch bei seinen Vorgängern ein festes Auftreten gegen ihre Ausschreitungen mit angesehen. So hatten sie immer zu fürchten, daß er sich doch noch zu energischem Vorgehen gegen sie aufraffen könnte. Von seinem Sohne hingegen, der das Übergewicht der Philister über Judäa bei Antritt seiner Regierung als Tatsache vorfand, glaubten sie gar nichts mehr befürchten zu brauchen und deshalb freuten sie sich. Einer ähnlichen Erscheinung begegnen wir während der Knechtschaft Israels in Ägypten. Da heißt es „als der König von Ägypten starb, seufzten die Söhne Israels von der Arbeit auf und schrien“: Solange der König, der sie widerrechtlich ihrer Freiheit beraubt hatte, lebte, durften sie hoffen, sein Gewissen werde erwachen und sie von dem unerträglichen Joche befreien; sein Nachfolger jedoch trat die Regierung an und fand sie als Sklaven vor, da war jede Hoffnung auf eine mögliche Änderung ihres Geschickes geschwunden und deshalb seufzten sie. —
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 29. Diese Freude vergällt ihnen der göttliche Ausspruch. שבט מכך der Stab, der dir die wohlverdienten Schläge zufügte, das Haus Davids, ist nicht zerbrochen, im Gegenteil er ist mächtiger denn je. War das Haus Davids für dich eine Schlange, der du zu Achas' Zeiten gelegentlich auf „den Kopf treten“ konntest, so ersteht dir in Chiskijahu ein Basilisk, ja eine fliegende Giftschlange, die dich durch ihre Schnelligkeit überall einholt und deren leichtester Biß für dich folgenschwer ist. Seine Siege über die Philister werden uns 2. Könige 18, 8 berichtet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 30. בכורי דלים ist Bezeichnung für Israel, das bei seinem ersten Auftreten auf der Bühne der Geschichte von Gott בני בכורי genannt wurde, und wie es damals für diese Bestimmung aus herbster Sklaverei erlöst ward, so immer wieder, wenn es dieser Bestimmung untreu wird, in die alten Bande der Abhängigkeit und des Elends gerät. Das gerade hatte sie zu Achas' Zeit den Philistern unterliegen lassen, wie dies in der oben zitierten Stelle gesagt wird: „denn Gott hatte Juda niedergebeugt wegen Achas', des Königs von Israel, der Juda zu Zügellosigkeit verleitete, so daß es Gott die Treue brach.“ Jetzt wird Juda ruhig und sicher vor euch sein können. והמתי ברעב שרשך. Du wähntest, in jüdischen Boden Wurzel schlagen zu können — deine Wurzel lasse ich Hungers sterben und was bereits deinem bisherigen Treiben entsprossen ist, verfällt dem Schwerte des Feindes, der
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 31. מצפון וגו' von Norden kommt. Wir glauben, daß darunter Chiskijahu zu verstehen ist, denn das von ihm 2. Könige 18, 8 eroberte Asa und dessen Gebiet liegt südwestlich von Jerusalem. Tief bedeutsam wird diese Niederlage, die ihnen Chiskijahu bereitet, nur „עשן“ Rauch genannt — das sie verzehrende Feuer kommt erst später, wie dies Jerem. 47 und Hesek. 25, 16 verkündigt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 32. Und wenn ihr, ganz überrascht und verwundert ob der Kühnheit der Juden, von denen ihr nach dem Schwächezustande unter Achas euch eines solchen Unterfangens nicht versahet, dem herannahenden Zuge Boten entgegen sendet, die sich nach dessen Absicht erkundigen sollen: wie lautet dann die Antwort Chiskijahus? Daß fortan die Zeit des Elends für Juda zu Ende sei und Gott Zion wieder fest gründete. Dieses „fest“ liegt in der Pielform יסד. ענה wird mit dem Akkus. sowohl der Sache als der Person konstruiert: ומה ענה אותו בלעם (Micha 6,5) und auch, wie hier, ohne את oder Suffix: אל תען כסיל (Prov. 26, 4). ציון die Stätte des Gottesgesetzes, ובה und in diesem Gesetze findet Juda seinen Schutz.