Jeschajahu 13 ישעיהו

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1
מַשָּׂ֖א בָּבֶ֑ל אֲשֶׁ֣ר חָזָ֔ה יְשַֽׁעְיָ֖הוּ בֶּן־אָמֽוֹץ׃
BernfeldVortrag über Babel, den geschaut hat Jesaja, Sohn des Amoz.
ZunzVortrag über Babel, den geschauet Jeschajahu, Sohn Amoz.
J. J. HirschGeschickeslast Babels, welche Jeschajahu, der Sohn Amoz', schaute.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 13. V. 1. Nichts dürfte geeigneter sein, die Lüge von dem partikularistischen „National-Gott“ der Juden in ihrer ganzen Nichtigkeit erkennen zu lassen, als die Reihe der Kapitel, welche dieses eröffnet. Es sind nichtjüdische Völker, an welche Gott hier das Wort seines Propheten sendet. Indem er in eindringlicher Sprache ihre Entartung geißelt, nimmt er sich der durch sie geknechteten, zu Boden getretenen nichtjüdischen Menschheit in väterlicher Liebe an und zeigt ihnen, welch schwere „Geschickeslast“ sie mit ihrer Unsittlichkeit, dem starren Egoismus und dem Frevel gegen die geheiligten Menschenrechte sich aufbürden.

Denn das ist מַשָּׂא, von נשׂא tragen, bezeichnet es im Munde der Propheten die Geschicke eines Volkes als die von der Gerechtigkeit der göttlichen Waltung ihm seinen Taten entsprechend auferlegte Last.

Babylon, Philistea, Moab, Assyrien, Ägypten, Arabien, Tyrus sind diese Kapitel geweiht, alles Völker, die handelnd oder leidend die Figuranten der in den nächsten etwa hundertneunzig Jahren sich abspielenden Völkergeschichte bilden. Sie selber aber sind dem Propheten nur Typen und Anfänge des großen „Gottesplanes, den Er über alle Völker beschlossen hat“, um dereinst für die Gesamtmenschheit die Zeit des Heiles in ewigem Frieden und Gerechtigkeit anbrechen zu lassen.

Und wie durchlebt da Jesaia die Geschicke der Völker mit, wie erzittern alle seine Nerven und blutet ihm das Herz, wenn sein Wort all die Schmerzen und Wehen ankündigt, die sein geöffnetes geistiges Auge über sie verhängt schaut.

Zu der Zeit, da Jesaia die hier niedergelegte Offenbarung wurde, war Babylon noch Vasallenstaat unter assyrischer Oberhoheit, und wie er im 39. Kapitel den Fall Jerusalems durch Babel zu verkünden hat, so hier den Untergang Babels, der mit seiner Erstürmung durch das medisch-persische, von Cyrus befehligte Heer im letzten Viertel des babylonischen Exils begann. Unmittelbar voran ging dieser das denkwürdige schwelgerische Mahl, bei welchem Belsatzar, wie Daniel 5 berichtet, aus den goldenen und silbernen Opfergefäßen des Gottestempels in Jerusalem seinen Göttern zutrank, und eine überirdische Hand die seinen Untergang durch Medien und Persien verkündenden Worte an die Wand seines Prunkgemaches schrieb. In dieser Nacht ward Belsatzar getötet; ob durch die eindringenden Feinde oder durch Verschworene seines eigenen Volkes, wird uns in der heiligen Schrift nicht mitgeteilt. Aus

V. 2 scheint jedenfalls hervorzugehen, daß in Babel selbst Gegner der bisherigen Regierung sich befanden, welchen das heranrückende medisch-persische Heer willkommen war und die es durch Zeichen auf den Bergen von dem für den Einzug geeigneten Moment verständigten. Es macht sogar den Eindruck, daß diese gerade unter den babylonischen Edlen zu suchen sind, da „die Pforten der Fürsten“ des Einzuges der feindlichen Truppen harrten.

נשפה wie וילך שפי (4. B. M. 23, 3): Er ging zur Anhöhe; doch scheint darin auch zugleich der Begriff des Kahlen, Glatten zu liegen, wie ja שפה im Talmudischen glätten bedeutet. Auf nackter Felsenhöhe ist ein aufgestecktes Zeichen weit sichtbarer als auf bewaldetem Bergesgipfel.

2
עַ֤ל הַר־נִשְׁפֶּה֙ שְֽׂאוּ־נֵ֔ס הָרִ֥ימוּ ק֖וֹל לָהֶ֑ם הָנִ֣יפוּ יָ֔ד וְיָבֹ֖אוּ פִּתְחֵ֥י נְדִיבִֽים׃
BernfeldAuf steilem Berge erhebet ein Panier, rufet ihnen mit lauter Stimme zu, schwinget die Hand, dass sie einziehen in die Tore der Gewaltigen.
ZunzAuf steilem Berg erhebet ein Panier, rufet ihnen mit lauter Stimme, schwinget die Hand, daß sie einziehen in die Thore der Gewaltigen.
J. J. HirschAuf hohem, kahlem Berge erhebet ein Panier, lasset die Stimme ihnen entgegenschallen, winket mit der Hand, daß sie in die Pforten der Fürsten einziehen.
3
אֲנִ֥י צִוֵּ֖יתִי לִמְקֻדָּשָׁ֑י גַּ֣ם קָרָ֤אתִי גִבּוֹרַי֙ לְאַפִּ֔י עַלִּיזֵ֖י גַּאֲוָתִֽי׃
BernfeldIch habe aufgeboten meine Gerüsteten, geladen habe ich meine Helden für mein Zorngericht, meine stolzen Helden.
ZunzIch habe aufgeboten meine Gerüsteten, ja geladen hab' ich meine Helden für mein Zorngericht, die frohlocken meiner Hoheit.
J. J. HirschIch habe die zu meinem Dienste Bereiten aufgeboten, auch meine Helden gerufen zur Vollstreckung meines Zornes, die jauchzen ob meiner Erhabenheit.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. למקדשי. קדש im Piel heißt: zu unbedingtem Dienste bereitstellen. גבורי לאפי: Ihr Heldentum besteht darin, daß sie sich als die Vollstrecker meines Urteils fühlen, und sie jubeln darüber, daß ich gerade ihrer mich bediene in dem Augenblicke, da ich in der ganzen alles überragenden Hoheit hervortrete. Wird doch auch durch das „אני“, mit dem der Vers beginnt, noch ganz besonders betont, daß alle diese Veranstaltungen von Gott stammen.

4
ק֥וֹל הָמ֛וֹן בֶּהָרִ֖ים דְּמ֣וּת עַם־רָ֑ב ק֠וֹל שְׁא֞וֹן מַמְלְכ֤וֹת גּוֹיִם֙ נֶאֱסָפִ֔ים יְהֹוָ֣ה צְבָא֔וֹת מְפַקֵּ֖ד צְבָ֥א מִלְחָמָֽה׃
Bernfeld[Horch!] Eine Stimme des Getöses auf den Bergen, wie von zahlreichem Volke, Stimme des Geräusches versammelter Völkerreiche, der Herr Zebaot mustert ein Kriegsheer.
ZunzStimme des Getöses auf den Bergen, gleichwie von zahlreichem Volke, Stimme des Geräusches versammelter Bölkerreiche, der Ewige der Heerschaaren mustert ein Kriegsheer.
J. J. HirschDonnerndes Getöse in den Bergen! Das Bild einer mächtigen Volksmasse! Hört! Das Wogen sich versammelnder Völkerreiche! Gott Zebaoth hält Musterung über ein Kriegsheer!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. 5. קול המון. Wohl wie קולות וברקים, donnerähnlich, hört sich das Getümmel der Menge an. דמות in Gestalt, nach Art. Das zweite קול hat einen trennenden Akzent wie קול דמי אחיך (1. B. M. 4,10) und dürfte wie dieses: horch, hört heißen. Der Tumult kommt näher und nun unterscheidet man, daß er aus verschiedenen Richtungen herkommt: es müssen von mehreren Seiten sich Truppen zusammenziehen. War es doch, abgesehen von den Persern, die unter den Medern dienten, auch noch nach Jerem. 50, 9 „eine Versammlung großer Völker aus der nordischen Gegend“, welche an diesem Zuge teilnahm.

Wie präzis und dabei so inhaltreich sind die Worte: ד' צבאות hält Musterung über צבא מלחמה!

לחבל וגו'. חבל kommt häufig nicht nur für Schmerzen, sondern geradezu für Geburtswehen vor, wie auch hier V. 8. Bildlich bezeichnet es die Leiden und Erschütterungen, die einer Neugestaltung der Verhältnisse vorangehen, so weiter 54, 16: ואנכי בראתי משחית לחבל „auch den Verderber habe ich geschaffen, um das Kreißen zu fördern“. Ganz so hier, Cyrus ist ein Instrument in Gottes Hand, um unter Wehen und Schmerzen dem Lande zur Geburt besserer Zustände zu verhelfen.

5
בָּאִ֛ים מֵאֶ֥רֶץ מֶרְחָ֖ק מִקְצֵ֣ה הַשָּׁמָ֑יִם יְהֹוָה֙ וּכְלֵ֣י זַעְמ֔וֹ לְחַבֵּ֖ל כׇּל־הָאָֽרֶץ׃ {ס}
BernfeldSie kommen vom fernen Lande, vom äußersten Ende des Himmels, der Herr und die Werkzeuge seines Grimmes, zu vernichten, das ganze Land.
ZunzSie kommen vom fernen Lande, vom Ende des Himmels, der Ewige und die Geräthe seines Grimmes, zu vernichten die ganze Erde.
J. J. HirschSie kommen aus fernem Lande, vom Rande des Himmels her — Gott und seines Zornes Werkzeuge, um das ganze Land zum Kreißen zu bringen.
6
הֵילִ֕ילוּ כִּ֥י קָר֖וֹב י֣וֹם יְהֹוָ֑ה כְּשֹׁ֖ד מִשַּׁדַּ֥י יָבֽוֹא׃
BernfeldHeulet, denn nah ist der Tag des Herrn; wie ein Wolkenbruch vom Allmächtigen kommt er.
ZunzHeulet, denn nah ist der Tag des Ewigen; wie ein Wolkenbruch vom Allmächtigen kommt er.
J. J. HirschJammert! Denn nahe ist der Tag Gottes, als Verwüstung vom Allmächtigen kommt es!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6—8. כשד וגו'. Verwüstung, Zusammenbruch. Das כ ist wie in כמהפכת זרים s. o. 1, 7. Der Sturz erfolgt so plötzlich und mit solcher Gewalt, daß jeder in ihm sofort das Werk der Allmacht Gottes erkennt, gegen die jeder Kampf unmöglich. Daher auch die völlige Ratlosigkeit im Innern der Stadt, die nicht einmal den Versuch, Widerstand zu leisten, wagt. Die Panik macht sie völlig zum Weibe, worauf das Suffix ן statt ם in יאחזון und יחילון hinweist.

יתמהו. תמה staunen, starr sein über etwas, von dem man sich keine richtige Vorstellung machen kann, daher auch תמהון לבב (5. B. M. 28, 28) Gemütsstörung und Secharja 12, 4 תמהון das Scheuwerden der Pferde. Jeder entsetzte sich über das totenbleiche Gesicht des anderen, welches er sonst nur in der Farbe der Gesundheit strahlend erblickt hatte — er weiß nicht, daß er in ihm zugleich sein eigenes Spiegelbild sieht.

7
עַל־כֵּ֖ן כׇּל־יָדַ֣יִם תִּרְפֶּ֑ינָה וְכׇל־לְבַ֥ב אֱנ֖וֹשׁ יִמָּֽס׃
BernfeldDarüber werden alle Hände schlaff und jedes Menschenherz verzagt.
ZunzDarum werden alle Hände schlaff und jegliches Menschenherz schmilzt.
J. J. HirschDeshalb erschlaffen alle Hände und jegliches Menschenherz vergeht.
8
וְֽנִבְהָ֓לוּ ׀ צִירִ֤ים וַחֲבָלִים֙ יֹֽאחֵז֔וּן כַּיּוֹלֵדָ֖ה יְחִיל֑וּן אִ֤ישׁ אֶל־רֵעֵ֙הוּ֙ יִתְמָ֔הוּ פְּנֵ֥י לְהָבִ֖ים פְּנֵיהֶֽם׃
BernfeldAlle erschrecken sie, Wehen und Schmerzen erfassen sie, wie die Gebärerin kreisen sie. Einer starrt den andern mit flammendem Gesichte an.
ZunzUnd sie erschrecken, Wehen und Schmerzen erfassen sie, wie die Gebärerin kreisen sie. Einer starrt den Andern an, flammende Gesichter sind ihre Gesichter.
J. J. HirschSie sind bestürzt, Krämpfe und Wehen ergreifen sie, machen sie wie eine Gebärende kreißen; verstört starrt einer den anderen an, deren Antlitz sonst wie Flammen glühte.
9
הִנֵּ֤ה יוֹם־יְהֹוָה֙ בָּ֔א אַכְזָרִ֥י וְעֶבְרָ֖ה וַחֲר֣וֹן אָ֑ף לָשׂ֤וּם הָאָ֙רֶץ֙ לְשַׁמָּ֔ה וְחַטָּאֶ֖יהָ יַשְׁמִ֥יד מִמֶּֽנָּה׃
BernfeldDer Tag des Herrn kommt grauenvoll, Grimm und Zornesglut; er verwandelt die Erde in Wüsteneien, und ihre Sünder tilgt er weg von ihr.
ZunzSiehe, der Tag des Ewigen kommt grausenvoll, Grimm und Gluth des Zorns, zu wandeln die Erde in Wüsteneien, und ihre Sünder tilgt er weg von ihr.
J. J. HirschSiehe, der Tag Gottes kommt, der unerbittliche des zürnenden Einschreitens und der Zornesglut, als wolle er die Erde zur Einöde machen, aber nur ihre grundsätzlichen Sünder wird er von ihr vertilgen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. 10. אכזרי, vermutlich zusammengesetzt aus אך und זר, nur fremd, jemand, der jedem Annäherungsversuche unzugänglich ist, also fremd, hart, unerbittlich bleibt. So furchtbar erscheint das zürnende Hervortreten Gottes, als sollte die Erde zur Wüstenei umgewandelt werden, und doch sind es nur ihre grundsätzlichen, ergrauten, unverbesserlichen Sünder, denen sein Strafgericht gilt. Durch es bewahrt Gott die Erde davor, von Babels Tyrannei zugrunde gerichtet zu werden.

חשך השמש וגו'. Wenn die Sonne am Morgen euch ihr Licht verweigert, so zählet ihr vergeblich auf das des Mondes, strahlt er doch selbst nur in erborgtem Lichte und dieses sendet ihm die Sonne nicht auf der euch am Tage zugekehrten Seite. So würde sich Babel vergebens nach Hilfe von anderen Völkern gegen Medien umsehen, wenn denen nicht Gott seinen Beistand gewährt, können auch sie euch nicht helfen — ohne diesen sind sie ja selbst ohnmächtig. — כסליהם. כסלים die Flanken. Davon abgeleitet dürften כסילים die einem Sterne stets zur Seite bleibenden, ihn umkreisenden Monde, seine Trabanten, sein.

10
כִּֽי־כוֹכְבֵ֤י הַשָּׁמַ֙יִם֙ וּכְסִ֣ילֵיהֶ֔ם לֹ֥א יָהֵ֖לּוּ אוֹרָ֑ם חָשַׁ֤ךְ הַשֶּׁ֙מֶשׁ֙ בְּצֵאת֔וֹ וְיָרֵ֖חַ לֹא־יַגִּ֥יהַּ אוֹרֽוֹ׃
BernfeldSelbst die Gestirne des Himmels und seine Orione lassen ihr Licht nicht leuchten. Finster ist die Sonne bei ihrem Aufgange, und der Mond lässt sein Licht nicht schimmern.
ZunzDenn die Gestirne des Himmels und seine Orione lassen ihr Licht nicht leuchten. Finster ist die Sonne bei ihrem Aufgange, und der Mond läßt sein Licht nicht schimmern.
J. J. HirschDenn die Sterne des Himmels und ihre Trabanten werden ihr Licht nicht mehr leuchten lassen, die Sonne hat sich bei ihrem Aufgange verfinstert und der Mond strahlt nicht sein Licht aus.
11
וּפָקַדְתִּ֤י עַל־תֵּבֵל֙ רָעָ֔ה וְעַל־רְשָׁעִ֖ים עֲוֺנָ֑ם וְהִשְׁבַּתִּי֙ גְּא֣וֹן זֵדִ֔ים וְגַאֲוַ֥ת עָרִיצִ֖ים אַשְׁפִּֽיל׃
BernfeldIch ahnde an dem Erdball die Bosheit, [spricht der Herr], und an den Frevlern ihre Schuld: ich dämpfe den Hochmut der Trotzigen, und die Macht der Tyrannen stürze ich.
ZunzUnd ich ahnde an dem Erdball die Bosheit und an den Frevlern ihre Schuld, und dämpfe den Hochmuth der Trotzigen, und die Hoheit der Mächtigen stürze ich.
J. J. HirschSo suche ich an der Menschenwelt das Schlechte heim und an den Bösen ihre Sünde, ich mache ein Ende dem Hochmute der Frevler und werde den Stolz der Frechen demütigen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11. „ופקדתי“ drückt den Zweck der oben V. 4 durch ein Wort der gleichen Wurzel „מפקד“ bezeichneten Heeresmusterung Gottes aus. תבל von בלל ist die Menschenwelt, in der nicht Gottes Gesetz, sondern Menschenwillkür und Selbstsucht das gestaltende Element bildet, eben die Welt, die das mit בבל (1. B. M. 11, 9) begonnene Werk der Größen- und Ruhmesucht der Einzelnen auf Kosten der Gesamtheit fortsetzt. Darum ist auch dieses Wort hier, wo die Schuld בבל's gerügt wird, so charakteristisch. Gott schreitet ein, weil das in Babel herrschende Grundprinzip רעה böse war und die leidenschaftlichen Sünder רשעים sich in Krümmung des Rechts עונם gefielen, daneben זדים ihre Untaten reiflich planende Verbrecher ihre Ehre darin suchten, die bösen Vorsätze ganz so, wie sie solche gefaßt hatten, auch auszuführen und sich dabei die Mithilfe der, in ihrer schrankenlosen Willkür und dünkelhaften Gewalt die Rechte ihrer Mitmenschen mißachtenden, עריצים sicherten.

12
אוֹקִ֥יר אֱנ֖וֹשׁ מִפָּ֑ז וְאָדָ֖ם מִכֶּ֥תֶם אוֹפִֽיר׃
BernfeldIch mache den Sterblichen seltener denn gediegenes Gold und den Menschen denn Ofirs Kleinod.
ZunzIch mache den Sterblichen seltner denn gediegenes Gold, und den Menschen denn Ofir's Kleinod.
J. J. HirschIch mache den schwachen Menschen wertvoller als Geschmeide und den reinen Menschen als Ophirs Gold.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 12. Diesem Prinzipe der babylonischen Machthaber, das in den Menschen nur Bausteine der eigenen, Turmhöhe anstrebenden Herrschsucht sieht, diesem Prinzipe, dem jedes Bewußtsein wahrer Menschenwürde abhanden gekommen war, stellt Gott sein eigenes Prinzip vernichtend entgegen. Nicht nach dem, was der Mensch an Gold besitzt, und hätte er mit diesem zugleich den Ruhm erworben, sich es selbst aus dem meerfernen Ophir geholt zu haben, ist der Wert eines Menschen zu schätzen. Gott bewertet den Menschen je nach dem, wie er seinem Menschenberufe gerecht geworden, aber selbst dem schwachen, noch nicht auf dessen Höhe stehenden Menschen erkennt Gott eine den Wert von Kleinodien überragende Würde (יקר Würde) zu — die Würde des reinen, des „menschlichen“ Menschen ist völlig unschätzbar.

אנוש bezeichnet eine getrübte Menschheitsstufe im Gegensatz zu אדם dem reinen Menschen. Über פז, dessen Bedeutung nicht klar ist, siehe Kommentar zu Ps. 19, 11. Gold selbst dürfte es wohl nicht bezeichnen, vielleicht einen höchst seltenen Edelstein oder die Perle.

13
עַל־כֵּן֙ שָׁמַ֣יִם אַרְגִּ֔יז וְתִרְעַ֥שׁ הָאָ֖רֶץ מִמְּקוֹמָ֑הּ בְּעֶבְרַת֙ יְהֹוָ֣ה צְבָא֔וֹת וּבְי֖וֹם חֲר֥וֹן אַפּֽוֹ׃
BernfeldDarüber mache ich den Himmel zittern, und es erbebt die Erde von ihrer Stätte, beim Grimme des Herrn Zebaot und am Tage seiner Zornesglut.
ZunzDarum mach' ich die Himmel zittern, und aufbebt die Erde von ihrer Stätte, beim Grimme des Ewigen der Heerschaaren und am Tage seiner Zorngluth.
J. J. HirschDeshalb erschüttere ich die Himmel, daß die Erde erbebe von ihrer Stätte ob des zürnenden Einschreitens Gottes Zebaoth und am Tage, da sein Zorn erglüht.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 13. ff. Der Glanz Babylons und seine Eigenschaft als mächtiges Handelsemporium hatten eine Menge Fremder veranlaßt, dort ihren Wohnsitz aufzuschlagen; diese sind nun die ersten, die, aufgescheucht aus ihrer Behaglichkeit, nach allen Richtungen auseinander stieben und ihrer Heimat zueilen, wie dieses Faktums auch Jerem. 50, 16 u. f. gedacht wird. Aber auch von ihnen werden viele auf der Flucht erreicht und getötet. Gleichem Schicksale verfallen diejenigen, welche sich nicht von ihren Besitztümern in der Stadt trennen konnten und dort verblieben. Entsetzlich ist das Geschick der unglücklichen Metropole, Blutbad, Plünderung mit allen diese begleitenden Greuelszenen. Des Goldes und Silbers wegen sind die Meder nicht gekommen, sie nehmen es, aber nur die grausamste Rache vermag ihre Wut abzukühlen, die in ihnen, ob der Tyrannei und grenzenlosen Willkür Babels gegen alle umgebenden Völker, kocht.

נספה Nifalform von ספה, etwas mit einem anderen verbinden: ספו שנה על שנה (weiter 29, 1) reihet Jahr an Jahr, עולותיכם ספו על זבחיכם (Jerem. 7, 21) eure Emporopfer leget zu euren Mahlopfern.

14
וְהָיָה֙ כִּצְבִ֣י מֻדָּ֔ח וּכְצֹ֖אן וְאֵ֣ין מְקַבֵּ֑ץ אִ֤ישׁ אֶל־עַמּוֹ֙ יִפְנ֔וּ וְאִ֥ישׁ אֶל־אַרְצ֖וֹ יָנֽוּסוּ׃
BernfeldWie das gescheuchte Reh, wie die Schafe, die [kein Hirt] sammelt, so wenden sie sich jeder zu seinem Volke, so werden sie fliehen, jeder nach seinem Lande.
ZunzUnd es geschieht, wie ein gescheuchtes Reh und wie Schafe, die Niemand sammelt, so Jeglicher zu seinem Volke wenden sie sich, und Jeglicher nach seinem Lande fliehen sie.
J. J. HirschDa wird man sein wie ein aufgescheuchter Hirsch, und wie Schafe, die keiner zusammenhält, wendet sich jeglicher zu seinem Volke, und jeder flieht in seine Heimat.
15
כׇּל־הַנִּמְצָ֖א יִדָּקֵ֑ר וְכׇל־הַנִּסְפֶּ֖ה יִפּ֥וֹל בֶּחָֽרֶב׃
BernfeldWer sich [auf freiem Felde] finden lässt, wird [mit der Lanze] durchbohrt, und wer sich [in der Stadt] verbirgt, fällt durch das Schwert.
ZunzWer sich finden läßt, wird durchbohrt, und wer sich verbirgt, fällt durch das Schwert.
J. J. HirschJeder Angetroffene wird erstochen, und jeder, der sich ihnen angeschlossen hat, fällt durchs Schwert.
16
וְעֹלְלֵיהֶ֥ם יְרֻטְּשׁ֖וּ לְעֵינֵיהֶ֑ם יִשַּׁ֙סּוּ֙ בָּתֵּיהֶ֔ם וּנְשֵׁיהֶ֖ם (תשגלנה) [תִּשָּׁכַֽבְנָה]׃
BernfeldIhre Kinder werden zerschmettert vor ihren Augen, ihre Häuser werden geplündert und ihre Frauen geschändet.
ZunzUnd ihre Kinder werden zerschmettert vor ihren Augen, geplündert werden ihre Häuser, und ihre Weiber geschändet.
J. J. HirschSogar ihre kleinen Kinder werden vor ihren Augen zerschmettert, ihre Häuser geplündert und ihre Frauen geschändet.
17
הִנְנִ֛י מֵעִ֥יר עֲלֵיהֶ֖ם אֶת־מָדָ֑י אֲשֶׁר־כֶּ֙סֶף֙ לֹ֣א יַחְשֹׁ֔בוּ וְזָהָ֖ב לֹ֥א יַחְפְּצוּ־בֽוֹ׃
BernfeldIch rege auf gegen sie das Volk der Meder, die Silber nicht achten und nicht nach Gold verlangen, [sondern schonungslos alles niedermachen werden].
ZunzSiehe, ich rege auf gegen sie Madai, die Silber nicht achten und nicht nach Gold verlangen.
J. J. HirschSiehe, ich erwecke gegen sie die Meder, die des Silbers nicht achten und am Golde keinen Gefallen haben,
18
וּקְשָׁת֖וֹת נְעָרִ֣ים תְּרַטַּ֑שְׁנָה וּפְרִי־בֶ֙טֶן֙ לֹ֣א יְרַחֵ֔מוּ עַל־בָּנִ֖ים לֹא־תָח֥וּס עֵינָֽם׃
BernfeldIhre Knaben werden Bogen zerschmettern; der Leibesfrucht erbarmen sie sich nicht, auch Kinder schont ihr Auge nicht.
ZunzUnd Bogen zerschmettern die Knaben, und der Leibesfrucht erbarmen sie sich nicht, auf Kinder siehet nicht schonend ihr Auge.
J. J. Hirschaber Bogen, welche Knaben niederschmettern, der Neugeborenen erbarmen sie sich nicht, auf Kinder blickt nicht schonend ihr Auge.
19
וְהָיְתָ֤ה בָבֶל֙ צְבִ֣י מַמְלָכ֔וֹת תִּפְאֶ֖רֶת גְּא֣וֹן כַּשְׂדִּ֑ים כְּמַהְפֵּכַ֣ת אֱלֹהִ֔ים אֶת־סְדֹ֖ם וְאֶת־עֲמֹרָֽה׃
BernfeldBabel, der Schmuck der Königreiche, die stolze Zierde der Chaldäer, wird sein wie Sodom und Gomorrha, das Gott zerstört hat.
ZunzUnd es wird Babel, der Schmuck der Königreiche, die stolze Zierde der Kasdim, wie die Zerstörung durch Gott von Sedom und Amorah.
J. J. HirschWerden wird Babel — die Zierde der Reiche, die Pracht, der Stolz der Chaldäer — wie das von Gott zerstörte Sedom und Amora.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 19. Mit dieser Eroberung durch Cyrus geht die Residenz Babylon ihrem völligen Verfall entgegen und sinkt allmählich zur Ruine herab. צבי bis inkl. כשדים ist Parenthese, wie auch die Akzente nachweisen; vor diesem Zwischensatze steht auf בבל ein פשטא, also ein trennender Akzent dritten Ranges, und den Schluß bildet auf כשדים eine אתנחתא, ein trennender ersten Grades. Wie dieses stets bei Zwischensätzen der Fall ist: vor Beginn leicht trennender, am Schlusse schwerer trennender Akzent.

20
לֹא־תֵשֵׁ֣ב לָנֶ֔צַח וְלֹ֥א תִשְׁכֹּ֖ן עַד־דּ֣וֹר וָד֑וֹר וְלֹא־יַהֵ֥ל שָׁם֙ עֲרָבִ֔י וְרֹעִ֖ים לֹא־יַרְבִּ֥צוּ שָֽׁם׃
BernfeldEs wird niemals mehr bewohnt sein, und bis in die spätesten Geschlechter wird niemand dort ruhen; der Beduine wird dort sein Zelt nicht aufschlagen und Hirten werden [ihre Herden] dort nicht lagern lassen.
ZunzEs wird nicht mehr wohnen auf ewig und nicht mehr thronen in alle Geschlechter; und nicht schlägt sein Zelt dort auf ein Araber, und Hirten lassen dort nicht lagern.
J. J. HirschNicht bewohnt wird es in Ewigkeit, nimmer angesiedelt bis ins späteste Geschlecht, kein Araber wird dort sein Zelt aufschlagen, selbst Hirten werden dort nicht lagern lassen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 20. לא תשב und לא תשכון beziehen sich auf die Stadt selbst, nicht auf Personen, ebenso פרות תשב ירושלם (Secharj. 2, 8). יַהֵל von אהל Zelt, das א fällt aus, wie Job 35, 11 מַלְפֵנוּ für מְאַלְפֵנוּ. Die Verödung dieser von dem Gottesgerichte getroffenen Stadt, welche einst von lebhaftestem Verkehre erfüllt war, wird so unheimlich wirken, daß selbst der an den Wüstenaufenthalt gewöhnte Araber dort nicht zelten wird, und abergläubische Furcht die Hirten nicht einmal ihre Herde am Tage dort ausruhen läßt.

21
וְרָבְצוּ־שָׁ֣ם צִיִּ֔ים וּמָלְא֥וּ בָתֵּיהֶ֖ם אֹחִ֑ים וְשָׁ֤כְנוּ שָׁם֙ בְּנ֣וֹת יַעֲנָ֔ה וּשְׂעִירִ֖ים יְרַקְּדוּ־שָֽׁם׃
BernfeldAber es werden dort Steppentiere lagern, und ihre Häuser werden voll von Eulen; Strauße werden dort hausen und Teufel daselbst hüpfen,
ZunzAber es lagern dort Steppenthiere, und voll werden ihre Häuser von Eulen, und es hausen dort die Strauße, und Teufel hüpfen daselbst.
J. J. HirschLagern werden dort Steppentiere, Uhus füllen seine Häuser, es hausen daselbst Strauße, und wilde Böcke springen dort umher.
22
וְעָנָ֤ה אִיִּים֙ בְּאַלְמְנוֹתָ֔יו וְתַנִּ֖ים בְּהֵ֣יכְלֵי עֹ֑נֶג וְקָר֤וֹב לָבוֹא֙ עִתָּ֔הּ וְיָמֶ֖יהָ לֹ֥א יִמָּשֵֽׁכוּ׃
BernfeldSchakale werden in ihren Palästen heulen und Waldtiere in den ehemaligen Tempeln der Lust. Es nahet die Zeit [der Strafe] heran, und es zögern nicht die Tage [ihrer Heimführung].
ZunzUnd Schakale heulen in ihren Palästen und Waldgethier in den Tempeln der Lust. Und herannahet ihre Zeit, und es zögern nicht ihre Tage.
J. J. HirschEs rufen Wildkatzen sich zu in seinen verwitweten Palästen und Schakale in den Prachtbauten der Lust. Und nahe dem Eintreffen ist seine Zeit, seine Tage dauern nicht lange.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 22. Paläste heißen sonst ארמנות; indem sie hier אלמנות genannt werden, ist der Begriff des Witwentums mit ihnen verbunden: ihre Herren sind gestorben. Daß, um diesen Gedanken auszudrücken, statt des ר ein ל gebraucht wurde, darf um so weniger befremden, als wir beiden Buchstaben in der Bildung eines Wortes für den gleichen Begriff begegnen: מזרות (Job 38, 32) und מולות (2. Kön. 23, 5) heißen Sternbilder.

בהיכלי ענג. Neben tyrannischer Willkür und Machtstolz feierte genußsüchtige Üppigkeit ihre Orgien in den Palästen der Lust — vielleicht aber sind hier unter היכלי ענג wirkliche Tempel zu verstehen, in welchen man den Göttern zu Ehren der Sinnlichkeit fröhnte.