Jeschajahu 11 ישעיהו

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1
וְיָצָ֥א חֹ֖טֶר מִגֵּ֣זַע יִשָׁ֑י וְנֵ֖צֶר מִשׇּׁרָשָׁ֥יו יִפְרֶֽה׃
BernfeldEs keimt dann ein Reis aus dem Stamme Isai und ein Sprößling bricht aus seinen Wurzeln hervor.
ZunzUnd es keimt ein Reis aus dem Stamme Jischai, und ein Sprößling aus seinen Wurzeln bricht hervor.
J. J. HirschEs geht ein Reis hervor aus dem abgehauenen Stamme Isais, und eine Knospe entwickelt sich aus seinen Wurzeln zur Frucht.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 11. V. 1. Der Sonnenstrahl, welcher die drohenden Gewitterwolken für Juda zerteilen sollte, mußte den unabwendbaren Untergang des Bruderreiches Israel in noch tiefere Schatten hüllen und den mitfühlenden Zeitgenossen die schmerzhafte Frage abringen, ob denn dieses für ewig verloren sei. Darum folgt hier sofort das Trosteswort des Propheten, der auch für Israels lange bange Nacht einst das Morgenrot golden hervorbrechen sieht, welches Israel in trautem Brudervereine zu immerwährendem hellen, glücklichen Tagesleben geleiten wird.

Aber diese Lichtzeit ist erst später Zukunft vorbehalten. Inzwischen schaut Jesaias Auge auch den Davidsstamm, der eben erst in Chiskijahu einen frischen, herrlich grünenden Sprößling getrieben hatte, gefällt, und nichts kündet mehr sein Dasein. Was von ihm übrig geblieben, ist nur ein abgehauener Stumpf, und auch diesen bedeckt in dichter Schicht die Erde. Aber dem Auge der Menschen unsichtbar regt sich in seinen Wurzeln des Lebens. Wenn die stolzen Baumriesen der Weltgeschichte der Axt der unerbittlichen Zeit erliegen, so erstehen sie nimmer wieder zum Leben, Verwesung ist ihr Los. Allein Isais abgehauenem Stamme entsprießt einst ein Zweig חטר; in seinen Wurzeln hat Gott die langen, dunklen Jahrhunderte hindurch den Lebenskeim bewahrt נצר, der, wenn seine Zeit gekommen, יפרה für Israel und die Allmenschheit die Heilesfrucht, den Messias zeitigen wird.

2
וְנָחָ֥ה עָלָ֖יו ר֣וּחַ יְהֹוָ֑ה ר֧וּחַ חׇכְמָ֣ה וּבִינָ֗ה ר֤וּחַ עֵצָה֙ וּגְבוּרָ֔ה ר֥וּחַ דַּ֖עַת וְיִרְאַ֥ת יְהֹוָֽה׃
BernfeldAuf ihm wird ruhen der Geist des Herrn, der Geist der Weisheit und Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis und Gottesfurcht.
ZunzUnd es ruht auf ihm der Geist des Ewigen, der Geist der Weisheit und Einsicht, der Geist des Rathes und der Stärke, der Geist der Erkenntniß und Furcht des Ewigen.
J. J. HirschAuf ihm ruht der Gottesgeist: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Tatkraft, der Geist der Erkenntnis und der Furcht Gottes;
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. ונחה עליו. Auf ihm findet der Gottesgeist, welcher bis dahin im Kreise der Menschheit des Trägers entbehrte, die Ruhe, in welcher er das Ziel des göttlichen Waltens auf Erden, den Frieden und die Paradiesesblüte hienieden erreichen wird. Denn in dem Geistesleben dieses Davidssprößlings wird sich der Gottesgeist in seiner höchsten Potenz nach allen Richtungen entfalten; als sein Träger wird der Messias ihn in Theorie und Praxis zur Geltung bringen und ihm die Herrschaft über das Tun und Lassen der Menschen gewinnen.

חכמה ובינה. חכמה die Weisheit, welche sich im Begreifen und Festhalten der dargebotenen Wahrheit zeigt. בינה die Einsicht überschaut die gegebene Wahrheit zugleich mit allen in ihr enthaltenen Wirkungen und aus ihr sich ergebenden Folgerungen.

עצה וגבורה: Ratschluß und Tatkraft, in dem ersten gestaltet sich die durch חכמה ובינה gewonnene Erkenntnis zum Entschluß, und die letztere setzt das Wahre und Gute in Tat um. Jedoch, damit dieser Vorsatz wirklich zur rechten Tat reifen könne, dazu bedarf es der דעת ויראת ד' der Gotteserkenntnis und Gottesfurcht. Denn nur in der Erkenntnis Gottes lernt man die Welt und sich begreifen, und nur, indem man sich entschließt, nichts anderes sein zu wollen als Diener und Vollstrecker des göttlichen Willens, gewinnt man die Kraft zu wirklich Leben spendender Tat. Siehe die Ausführung dieser Gedanken in ihrer ganzen Tiefe im Komm. zu 2. B. M. 25, 31—37.

3
וַהֲרִיח֖וֹ בְּיִרְאַ֣ת יְהֹוָ֑ה וְלֹֽא־לְמַרְאֵ֤ה עֵינָיו֙ יִשְׁפּ֔וֹט וְלֹא־לְמִשְׁמַ֥ע אׇזְנָ֖יו יוֹכִֽיחַ׃
BernfeldEr wird richten mit Gottesfurcht. Nicht nach seinem Augenschein wird er richten und nicht nach des Ohres Gerücht entscheiden.
ZunzUnd sein Gefallen hat er an der Furcht des Ewigen, und nicht nach seinem Augenschein richtet er, und nicht nach des Ohres Gerücht entscheidet er.
J. J. Hirschund der durchgeistigt ihn mit Gottesfurcht, daß er nicht nach dem, was seine Augen sehen, urteilt und nicht nach dem, was seine Ohren hören, zurechtweist.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. והריחו וגו'. והריחו ist Hifil: erfüllt ihn mit Geist, durchgeistigt ihn. Wie dieser Gottesgeist bei dem Davidsenkel in seiner Gottesfurcht wurzelt, so durchdringt er sein ganzes Wesen derart mit ihr, daß sie die Seele seines Denkens, Fühlens und Handelns bildet. Denn nicht etwa zu stillem, beschaulichem, nur innerem Geistesleben führt ihn der auf ihm ruhende Gottesgeist, vielmehr zu unablässigem tätigen Schaffen für die Welt. Da zeigt sich die ganze segensreiche Fülle dieses Geistes in dem Wirken seines Trägers: לא למראה עיניו Er bildet sich seine Ansicht nicht nach dem „Augenschein“ und vom „Hörensagen“; nicht aus dem, was die wechselnden Begriffe der Menschen, und oft sogar Gründe der Zweckmäßigkeit, als Recht festsetzen, schöpft er sein Urteil, um jeden auf den ihm gebührenden Platz zu stellen ישפוט und die Menschen in die Bahn der Pflicht zu leiten יוכיח.

4
וְשָׁפַ֤ט בְּצֶ֙דֶק֙ דַּלִּ֔ים וְהוֹכִ֥יחַ בְּמִישׁ֖וֹר לְעַנְוֵי־אָ֑רֶץ וְהִֽכָּה־אֶ֙רֶץ֙ בְּשֵׁ֣בֶט פִּ֔יו וּבְר֥וּחַ שְׂפָתָ֖יו יָמִ֥ית רָשָֽׁע׃
BernfeldDenn er wird mit Gerechtigkeit die Armen richten und zurechtweisen mit Lauterkeit die Sanftmütigen im Land; aber [die Frevler] des Landes mit der Geißel des Mundes schlagen und mit dem Hauch seiner Lippen den Bösewicht töten.
ZunzAber er richtet mit Gerechtigkeit die Armen, und entscheidet mit Biederkeit den Gebeugten im Lande, und schlägt die Erde mit der Geißel seines Mundes, und mit dem Hauch seiner Lippen tödtet er den Bösewicht.
J. J. HirschEr tritt mit dem Rechte für die Armen ein und weist „in der Ebene“ die Bescheidenen der Erde zurecht; er schlägt die Erde mit seines Mundes Stabe, und mit dem Geiste seiner Lippen tötet er den Bösen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. וישפט בצדק דלים. „צדק“ das in der Thora gelehrte Ideal des Rechts allein ist die Meßschnur für sein Richten. Durch ihn wird dieses Ideal verwirklicht und auch den Ärmsten wird ihr Recht.

והוכיח במישור. Der gewöhnliche Ausdruck für Geradheit ist מישרים, während מישור fast immer die Ebene bezeichnet, allerdings auch einigemal in dem Sinne wie מישרים vorkommt. Bis zum Anbruch dieser Heilszukunft baut sich die Menschengesellschaft in der Form einer Pyramide auf, unten die breite Schicht der an Besitz und Ansehen Armen, über ihnen die schon kleinere Anzahl der Reicheren und Mächtigeren, dann die Befehlenden, und je höher die Rangordnung, um so kleiner die sie bildende Gruppe, bis an der Spitze der Pyramide der Herrscher steht. Bereits für das Volk, welches Gott zu dem seinen erkor, war eine ganz andere Ordnung vorgesehen. In ihm sollte das Gesetz den Mittelpunkt bilden, um den sich die Einzelnen im Kreise zu scharen hatten. Da sollte keiner den anderen unter seine Füße zu bringen suchen, um höher als er zu stehen, dagegen jeder mit dem ihm gewordenen Maß von Besitz und Kraft die Erfüllung seiner Pflichten anstreben und dann mit dem anderen, wenn auch Reicheren und Mächtigeren, auf völlig gleichem Niveau stehen. In dieser als Kreis „in der Ebene“ gedachten gesellschaftlichen Ordnung geht der Bettler dem König ebenso voran, wie er ihm nachfolgt, und wenn unser großer Lehrer Moses alle Volksglieder umfassend bezeichnen will, so sagt er nicht „vom kleinsten bis zum größten“, sondern: מחטב עציך עד שאב מימיך von deinem Holzhauer bis zu deinem Wasserschöpfer (5. B. M. 29, 10).

Zur Verwirklichung jedoch gelangt diese göttliche Ordnung erst durch den späten Enkel Davids, dann aber auch für die ganze Menschheit. Auf diese Zeit schaut der begeisterte Liebespsalm seines königlichen Ahnen hin, indem er Ps. 67, 5 singt: „Freuen werden sich Staaten und jauchzen, כי תשפוט עמים מישר daß du Völker in Ebene ordnest“. Diese, die עמים Volksgesellschaften nach innen regelnde Ordnung, welche die Menschen nicht übereinander, sondern nebeneinander auf gleichem Niveau rangiert, heißt die Ebene. Und diese wird dann auch die Staaten erst zur wahren Freude und zum Genusse ihres Daseins bringen.

לענוי ארץ. Bescheidenheit, diese hohe Tugend, wird unter dem bis dahin herrschenden Regime leicht zur Schwäche, wenn sie den bescheiden Auftretenden von der Übung solcher Pflichten, die ein energisches Handeln erfordern, oder ihn in einen Gegensatz zu sich höher Dünkenden bringen könnten, zurückhält. Bescheidenheit ist eine Schwäche, wenn sie nur dem Bewußtsein der Besitzlosigkeit entspringt, denn dann beweist sie, daß auch dem Armen der richtige Maßstab für wahren Menschenwert oder -Unwert abhanden gekommen ist. Auch einer solchen Bescheidenheit weist der Messias die richtige heilsame Schranke.

והכה ארץ בשבט פיו. Nicht der Gewaltmittel bedarf es dann, um die Menschheit in die Bande des Gesetzes zu schlagen, sein Wort allein erzielt sie zur Huldigung Gottes, zum reinen Menschentum. וברוח שפתיו ימית רשע. Der Geist der Belehrung, den seine Lippen atmen, gewinnt ihre Herzen und Gemüter und ertötet in ihnen jeden Hang zum Bösen — und somit ist das Geschlecht „der Bösen“ ausgestorben, wie dies Ps. 104, 35 ausspricht: יתמו חַטָּאִים מן הארץ: חוֹטְאִים „mitunter Fehlende“ wird es immer geben, aber חַטָּאִים „grundsätzlich Sündigende werden endlich aufhören von der Erde ורשעים עוד אינם und dann gibt es keine Bösen mehr“.

5
וְהָ֥יָה צֶ֖דֶק אֵז֣וֹר מׇתְנָ֑יו וְהָאֱמוּנָ֖ה אֵז֥וֹר חֲלָצָֽיו׃
BernfeldDas Recht wird sein seiner Lenden Gurt und die Treue der Gurt seiner Hüften.
ZunzUnd es wird seyn das Recht seiner Lenden Gurt, und die Treue der Gurt seiner Hüften.
J. J. HirschDas Recht wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue seiner Hüften Gürtel.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. Das Befestigen des Gewandes um die Lenden gestattet ungehindertes Fortschreiten, der Gürtel um die Hüfte sichert die freie Bewegung beim Kampfe und erhöht dadurch die Kraft. Dem Gottesrechte, dem Zedek-Ideale sind alle seine Schritte geweiht, das ist es, wodurch er unaufhaltsam dem Ziele zuschreitet. Innige Treue und Hingebung an Gott und seine Aufgabe erfüllen ihn mit felsenfestem Vertrauen auf Gott, der Seiner Sache zum Siege verhilft, das gibt ihm Kraft und bildet seine alleinige Stärke.

6
וְגָ֤ר זְאֵב֙ עִם־כֶּ֔בֶשׂ וְנָמֵ֖ר עִם־גְּדִ֣י יִרְבָּ֑ץ וְעֵ֨גֶל וּכְפִ֤יר וּמְרִיא֙ יַחְדָּ֔ו וְנַ֥עַר קָטֹ֖ן נֹהֵ֥ג בָּֽם׃
BernfeldDann wird wohnen der Wolf mit dem Lamme, und der Tiger wird lagern neben dem Böcklein, und Kalb und junger Löwe und Masttier zusammen, ein kleiner Knabe wird sie leiten.
ZunzUnd es wohnt der Wolf mit dem Lamme, und der Tiger lagert neben dem Böcklein, und Kalb und junger Leu und Maststier zusammen, und ein kleiner Knabe leitet sie.
J. J. HirschEs weilt dann der Wolf neben dem Schafe, und der Leopard lagert sich zum Böcklein, Kalb, Löwe und Mastvieh sind beieinander, und ein kleiner Knabe leitet sie.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6—8. Mit dem Gottesrechte zieht auch der Gottesfriede in das Reich der gesamten atmenden Schöpfung ein. וגר זאב וגו'. Wie bereits oben zu Kap. 5, 17 ausgeführt, bezeichnet גור das nur geduldete, nicht berechtigte Verweilen an einem Orte. Bis zu der hier geschilderten Zeit gewähren Macht und Besitz allein die Berechtigung zum „Dasein“, und der Schwache muß froh sein, wenn ihn der Starke neben sich duldet. Jedoch das dann herrschende Prinzip sagt: je mehr einer hat und je stärker er ist, um so stärker muß seine Leistung sein, und nur nach dem, was er im Verhältnis seines Besitzes und seiner Kraft leistet, wird der Wert seines Daseins geschätzt. Da fühlt der „Wolf“ sich neben dem „Schafe“ nur geduldet, so lange er nicht entsprechend seiner größeren Stärke auch mehr als dieses geleistet hat. Es heißt darum nicht וגר כבש עם זאב, sondern umgekehrt: der זאב fühlt sich noch nicht vollberechtigt; er bildet darin keine Ausnahme, auch die anderen Starken, Mächtigen, wie נמר und כפיר, empfinden die gleiche Forderung der Pflicht.

ונער קטן וגו'. Wie der Mensch freudig sich Gott beugt, so ordnet dem reinen Menschen sich willig und friedlich wie einst im Paradiese die Tierwelt unter, ja ושעשע יונק על חר פתן: Als der Mensch im Paradiese die Tierweisheit zur Lehrmeisterin nahm, um zu erkennen „was gut sei und böse“, da setzte Gottes erziehende Fürsorge Feindschaft ein zwischen Schlange und Mensch, um ihm stets zu vergegenwärtigen, daß, was dem Triebe des Tieres zusagt, noch lange nicht auch für den Menschen „gut“ sei, denn nur infolge ihres Triebes heißt die Schlange, und für den Menschen ist ihr Biß etwas „Böses“. So darf der Mensch sich auch nicht von der Stimme seiner Sinnlichkeit, der Triebe, welche er mit dem Tiere teilt, sagen lassen, was gut und böse sei. Jetzt aber, da der Mensch Gott und seinem Sittengesetze huldigen gelernt hat und nur aus ihm die Erkenntnis dessen, was gut ist und böse, schöpfen will, jetzt beseitigt Gott diese Feindschaft — und es spielt der Säugling an der Otter Höhle. Denn

7
וּפָרָ֤ה וָדֹב֙ תִּרְעֶ֔ינָה יַחְדָּ֖ו יִרְבְּצ֣וּ יַלְדֵיהֶ֑ן וְאַרְיֵ֖ה כַּבָּקָ֥ר יֹאכַל־תֶּֽבֶן׃
BernfeldKuh und Bär werden weiden und ihre Jungen zusammen lagern, und der Löwe Stroh fressen wie ein Rind.
ZunzUnd Kuh und Bär weiden, es lagern ihre Jungen zusammen, und der Leu, wie ein Rind, frißt Stroh.
J. J. HirschUnd Kuh und Bärin weiden — zusammen lagern ihre Jungen, und der Löwe frißt Stroh wie das Rind.
8
וְשִֽׁעֲשַׁ֥ע יוֹנֵ֖ק עַל־חֻ֣ר פָּ֑תֶן וְעַל֙ מְאוּרַ֣ת צִפְעוֹנִ֔י גָּמ֖וּל יָד֥וֹ הָדָֽה׃
BernfeldDer Säugling wird spielen auf dem Loche der Natter, in die Höhle des Basilisken wird das kaum entwöhnte Kind seine Hand strecken.
ZunzUnd es spielt der Säugling auf dem Loche der Natter, in die Höhle des Basilisken steckt seine Hand das entwöhnte Kind.
J. J. HirschUnd es spielt der Säugling an der Otter Höhle, und nach dem funkelnden Auge des Basilisken streckt der Entwöhnte seine Hand.
9
לֹא־יָרֵ֥עוּ וְלֹֽא־יַשְׁחִ֖יתוּ בְּכׇל־הַ֣ר קׇדְשִׁ֑י כִּֽי־מָלְאָ֣ה הָאָ֗רֶץ דֵּעָה֙ אֶת־יְהֹוָ֔ה כַּמַּ֖יִם לַיָּ֥ם מְכַסִּֽים׃ {ס}
BernfeldSie werden niemanden ein Leid tun und kein Verderben anrichten auf meinem ganzen heiligen Berge. Denn voll wird die Erde der Erkenntnis des Herrn, wie Wasser die Meerestiefe bedecken.
ZunzSie thun kein Leid und richten nicht Verderben an auf meinem ganzen heiligen Berge; denn voll ist die Erde der Erkenntniß des Ewigen, wie Wasser die Meerestiefe bedecken.
J. J. HirschSie üben nichts Böses und handeln nicht verderbt auf meinem ganzen heiligen Berge, denn voll geworden ist die Erde mit Erkenntnis Gottes, wie die Wasser des Meeres Bett bedecken.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. לא ירעו ולא ישחיתו nicht nur den Verkehr der Menschen untereinander beherrscht das Zedek-Ideal, was zur Folge hat, daß לא ירעו keiner dem anderen etwas Böses tut, sondern es veranlaßt auch jeden, den Anforderungen gerecht zu werden, die das Sittengesetz an ihn betreffs der Reinhaltung seiner eigenen Person in Neigungen, Regungen, Gefühlen und Trieben stellt: ולא ישחיתו. — Soziales Unrecht und sittliche Entartung hatten einst zur Vernichtung der ganzen Erde durch die Wasserflut geführt. Nach derselben begann für die neuerstandene Menschenwelt das große Erziehungswerk Gottes, um sie von diesen beiden Gebrechen zu heilen; das hier geschilderte Wirken des Isais-Sprossen krönt seine Vollendung für die ganze weite Erde, denn das ist die Bedeutung von בכל הר קדשי. Die ganze Erde ist Erziehungsboden Gottes, auf welchem die Menschen die Höhe ihrer sittlichen Bestimmung erreichen sollen. S. Komm. zu Ps. 24, 3 und 15, 1.

כמים לים מכסים. ים hier das Meeresbecken, der Meeresgrund. Wie dieser aus Höhen und Tiefen, Bergen und Tälern besteht, und das Wasser, überall hindringend, alle Unebenheiten so bedeckt, daß der Meeresspiegel glatt wird, so wird einst die Gotteserkenntnis die ganze Erde durchdringen. Und ob auch an Reichtum, Macht, physischer und geistiger Fähigkeit die Menschen stets verschieden begabt sein werden — denn das gehört mit zum Gottesplane —, die alle erfüllende Gotteserkenntnis ebnet diese sozialen Unterschiede, gleicht die individuellen aus und gestaltet die Menschenwelt zu einer harmonischen Einheit, in welcher jeder zufrieden und glücklich das Seinige für das Gedeihen des Ganzen beiträgt.

10
וְהָיָה֙ בַּיּ֣וֹם הַה֔וּא שֹׁ֣רֶשׁ יִשַׁ֗י אֲשֶׁ֤ר עֹמֵד֙ לְנֵ֣ס עַמִּ֔ים אֵלָ֖יו גּוֹיִ֣ם יִדְרֹ֑שׁוּ וְהָיְתָ֥ה מְנֻחָת֖וֹ כָּבֽוֹד׃ {פ}
BernfeldAn jenem Tage werden sich die Völker zu dem Stamm Isais wenden, der als Panier der Völker stehen wird, — und seine Ruhe [der Friede] wird ehrenvoll sein [nicht in großen Siegen wird fortan Ruhm gefunden werden].
ZunzUnd geschehen wird es an selbigem Tage: die Wurzel Jischai's, die da steht als Panier der Völker — zu ihr werden Völker sich wenden, und seine Ruhestätte ist Herrlichkeit.
J. J. HirschAn jenem Tage wird die Wurzel Isais, die stehen geblieben, zum Panier der Völker, zu ihm hin streben die Nationen, und seine Ruhe wird die Offenbarungsherrlichkeit sein.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10. שרש ישי. Die Wurzel Isais, die einen David hervorgetrieben hatte, bewirkt auch diese segensreiche Umgestaltung in den Anschauungen der Menschen. Der Geist und die Wahrheit, als deren Träger ihr später Sprößling durch Lehre und Beispiel die Welt für das reine Menschentum gewinnt, haben auch schon seinen Ahn David beseelt. Denn עמד stehen geblieben ist dieser Geist und diese Wahrheit, haben sich nicht geändert und sind dieselben geblieben, während alles andere im Fluge der Jahrtausende sich wandelte, eben weil sie göttlich und darum ewig sind. Jetzt zur Standarte, zum Panier der Volksgesellschaften עמים erhoben, wenden ihm sich גוים die Nationen zu, um für ihre internationalen Beziehungen Rat bei ihm zu holen. Wird ja der die Menschen trennende Begriff גוים, der Völkergegensatz, dann von der Gotteserde schwinden. Vgl. Komm. zu Ps. 10, 16.

והיתה מנחתו כבוד. In dem ruhigen Friedenswalten des Messias, das überall heiter und friedlich das Leben zur Blüte bringen wird, besteht seine Herrlichkeit. Aber vor allem offenbart sich darin der Sieg der Gottesidee über alles ihr Entgegenstehende, und so ist diese Ruhe selbst eine Offenbarung der Gottesherrlichkeit. Siehe das zu Kap. 4, 5 Bemerkte.

11
וְהָיָ֣ה ׀ בַּיּ֣וֹם הַה֗וּא יוֹסִ֨יף אֲדֹנָ֤י ׀ שֵׁנִית֙ יָד֔וֹ לִקְנ֖וֹת אֶת־שְׁאָ֣ר עַמּ֑וֹ אֲשֶׁ֣ר יִשָּׁאֵר֩ מֵאַשּׁ֨וּר וּמִמִּצְרַ֜יִם וּמִפַּתְר֣וֹס וּמִכּ֗וּשׁ וּמֵעֵילָ֤ם וּמִשִּׁנְעָר֙ וּמֵ֣חֲמָ֔ת וּמֵאִיֵּ֖י הַיָּֽם׃
BernfeldAn jenem Tage wird der Herr zum zweiten Male seine Macht zeigen, sich zuzueignen den Rest seines Volkes, der übrig bleiben wird von Assyrien, von Ägypten, von Patros, von Kusch [Äthiopien], von Elam, von Sinear, von Hamat und von den Inseln des Meeres.
ZunzUnd es geschieht, selbigen Tages läßt walten der Herr zum zweiten Male seine Hand, sich zu eignen den Rest seines Volkes, der übrig seyn wird von Aschur und von Mizrajim, und von Patros, und von Kusch, und von Elam, und von Schinear, und von Chamat und von den Eilanden des Meeres.
J. J. HirschUnd es wird an jenem Tage der Herr zum zweitenmal darin seine Allmacht zeigen, daß er sich zu eigen nimmt den Rest seines Volkes, der übrig geblieben sein wird von Aschur und Ägypten, von Pathros und Kusch, von Elam und Schinear, von Chamath und den Eilanden des Meeres.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11. יוסיף אדנ' שנית. So hat die Menschheit den Weg zu Gott gefunden, und nun nimmt Gott als „Herr“ das ihm willig sich weihende, geläuterte Israel wieder in seinen Dienst, wie er dies einst in Ägypten getan hatte. לקנות. Desselben Ausdruckes bedient sich das Gotteswort bei der ersten Gewinnung Israels für den Dienst seines Eigners: עם זו קנית (2. B. M. 15, 16). Damals hatte Israel alle Voraussetzungen eingebüßt, die das Menschen- und Volksdasein bedingen, und empfing durch Gottes Eingreifen in den Gang der Ereignisse freies Menschentum und die Selbständigkeit als Volk.

Und nun hatte wiederum Israel in Jahrhunderte dauernder Verbannung und Verfolgung Menschen- und Volksdasein verloren, und zum zweitenmal greift Gott ein in das Getriebe der Weltgeschichte und fordert die überallhin versprengten Reste „seines Volkes“ als sein Eigentum zurück. Dabei zeigt sich seine Allmacht wieder in der fürsorgenden Liebe, wie sie dies beim Auszuge aus Ägypten getan hatte.

12
וְנָשָׂ֥א נֵס֙ לַגּוֹיִ֔ם וְאָסַ֖ף נִדְחֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל וּנְפֻצ֤וֹת יְהוּדָה֙ יְקַבֵּ֔ץ מֵאַרְבַּ֖ע כַּנְפ֥וֹת הָאָֽרֶץ׃
BernfeldEr wird ein Panier den Völkern erheben und sammeln die Verstoßenen Israels; die Zerstreuten von Jehuda wird er versammeln von den vier Enden der Erde.
ZunzUnd er erhebt ein Panier den Völkern, und sammelt die Verstoßenen Jisraël's, und die Zerstreuten von Jehudah versammelt er von den vier Enden der Erde.
J. J. HirschEr erhebt ein Panier zu den Völkern hin und nimmt die Vertriebenen Israels wieder auf und sammelt die Zerstreuten Judas von den vier Enden der Erde ein.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 12. ונשא נס לגוים. Auf einen Wink von ihm wirken die Völker freudig mit bei der Heimbringung Israels. Es geschieht dies als ein Akt der Gotteshuldigung מנחה לד', wie Kap. 66, 20 verkündet.

ואסף וגו'. אסף in bezug auf Personen gebraucht heißt besonders die Wiederaufnahme in den Kreis, zu welchem der zur Zeit sich draußen Befindende seiner Bestimmung nach gehört. קבץ ist die Sammlung getrennter Teile, um aus ihnen eine Einheit zu bilden. Die über den ganzen Erdkreis Zersprengten Judas sammelt Gott und vereinigt sie zu einem Volke auf dem Boden des heiligen Landes. Israel jedoch, die unseren Augen entschwundenen zehn Stämme, ist nach dem Worte des Propheten nicht zerstreut, sondern räumlich einander nahe. Bei den zehn Stämmen bedarf es nicht des Einsammelns, sondern der Wiederaufnahme in ihre Heimat, aus der sie Gott um ihres Abfalls vertrieben hatte. Auch an sie dringt der Gottesruf heran, weckt sie zur treuen Hingebung an seine Thora und vereinigt sie wieder mit ihren so lange von ihnen getrennten Brüdern. נדחי ohne Dagesch, nicht von נדח, was verstoßen, fortstoßen bedeutet, sondern von דחה, welches, schwächer als jenes, nur drängen, verdrängen, vertreiben heißt.

13
וְסָ֙רָה֙ קִנְאַ֣ת אֶפְרַ֔יִם וְצֹרְרֵ֥י יְהוּדָ֖ה יִכָּרֵ֑תוּ אֶפְרַ֙יִם֙ לֹא־יְקַנֵּ֣א אֶת־יְהוּדָ֔ה וִיהוּדָ֖ה לֹא־יָצֹ֥ר אֶת־אֶפְרָֽיִם׃
BernfeldDann wird aufhören die Eifersucht Efraims, und die Feindschaft Jehudas wird schwinden. Efraim wird nicht eifersüchtig sein auf Jehuda und Jehuda nicht befeinden Efraim.
ZunzUnd es weicht die Eifersucht Efrajim's und die Feindschaft Jehudah's wird getilgt; Efrajim ist nicht eifersüchtig auf Jehudah, und Jehudah befeindet nicht Efrajim.
J. J. HirschUnd gewichen ist der Neid Efrajims, und alles Juda Feindliche wird vernichtet sein, Efrajim nicht eifersüchtig auf Juda sein und Juda Efrajim nicht beschränken.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 13. וְסָרָה mit dem Akzent auf der ersten Silbe ist präter. und das ו halten wir für ein kopulatives, genau wie 1. Sam. 16, 23: וְסָרָה מעליו רוח הרעה, wo es auch kein konversives ist. Der Neid, mit welchem Efraims erster König auf Juda hingeblickt hatte, war die Ursache des Abfalls von Gott, er ist längst geschwunden, und nie wieder werden Gründe der Politik Israel in seiner Treue wankend machen.

וצררי יהודה וגו'. Alle Welt ist einig in dem Bestreben, das Unrecht von Jahrhunderten gegen Juda wieder gut zu machen, und jeder Gedanke, sein Glück und Gedeihen schmälern zu wollen, ist für immer ausgetilgt. צרר heißt ja recht eigentlich: einengen, beschränken, und haben wir unter צררי nicht gerade wirkliche Feinde zu verstehen, sondern wie Ps. 6, 8 und 69, 20 alles Drängende und Sorge Bereitende zu begreifen. צור von לא יצר. Diese Form von צור kommt nur hier vor. Es dürfte hier gesagt sein: Jeder Stamm wird sich in seiner ihm eigentümlichen Weise und nach seinen besonderen Anlagen entwickeln können, wie dies ja von Anfang an vorgesehen war, ohne durch der anderen irgendwie gehemmt zu werden.

14
וְעָפ֨וּ בְכָתֵ֤ף פְּלִשְׁתִּים֙ יָ֔מָּה יַחְדָּ֖ו יָבֹ֣זּוּ אֶת־בְּנֵי־קֶ֑דֶם אֱד֤וֹם וּמוֹאָב֙ מִשְׁל֣וֹחַ יָדָ֔ם וּבְנֵ֥י עַמּ֖וֹן מִשְׁמַעְתָּֽם׃
BernfeldGemeinsam werden sie die Philister angreifen, westlich, vereint plündern die Sohne des Morgenlandes; Edom und Moab werden ihre Habe, und die Ammoniter werden ihnen gehorsam sein.
ZunzUnd sie fliegen auf den Rücken der Pelischtim ans Meer, vereint plündern sie die Söhne des Morgenlandes, Edom und Moab sind ihre Habe, und die Söhne Ammon ihnen gehorsam.
J. J. HirschIm Fluge erreichen sie im Gebiete der Philister das Meer, vereinigt nehmen sie den Söhnen des Morgenlandes das Erbeutete ab: Edom und Moab steht jetzt ihrer Hand zu, und die Ammons-Söhne haben ihnen zu gehorchen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 14. Den in Treue um ihn gesammelten Söhnen Israels gibt Gott nun das Land zum Besitze, welches ursprünglich für sie bestimmt war, das sie jedoch niemals in seiner ganzen Ausdehnung besessen hatten. 1. B. M. 15, 19—21 wurden Vater Abraham die Länder von zehn dort aufgezählten Völkerschaften für seine Nachkommen verheißen. Bei der wirklichen Besitznahme waren es nur sieben, es fehlten die Gebiete des קיני קנזי וקדמני, unter welchen in Midrasch Rabboth zur Stelle Ammon, Moab und Edom verstanden werden. Es wären dann, wie der Kommentar זרע אברהם bemerkt (vgl. Komm. zu 5. B. M. 1, 7), diese Länder erst nach der Kundschafterversündigung und infolge derselben für Israels Besitznahme durch die 5. B. M. 2, 5, 9, 19 ergangenen Verbote, sie anzugreifen, verschlossen gewesen. Für diese Länder, deren Besitznahme also einer späten Zukunft vorbehalten blieb, erhielt Israel, wie unser Vers es ausdrücklich betont, nun „freie Hand“, indem das sie hindernde Verbot aufgehoben wird. Vgl. Raschi zu 1. B. M. 15, 19. Analog der Stelle 5. B. M. 12, 7: ושמחתם בכל משלח ידכם „Freuet euch mit allem, was eurer Hand zusteht“, heißt ja hier משלח ידם nichts anderes, als daß ihnen jetzt die Besitznahme dieser Länder gestattet wird.

כָּתֵף Schulter, davon übertragen Seite, Gebiet, Küstenstrich; für beide letztere Bezeichnungen kommt das Wort sehr häufig vor. בְּכָתֵף פלשתים. Obgleich die Form für den stat. constr. eigentlich כֶּתֶף ist, so steht es doch hier in dieser Bedeutung, ganz genau wie 2. B. M. 23, 31: מִיַּם סוף ועד יָם פלשתים vom Schilfmeere bis zum Meere der Philister, wo auch statt der wirklichen Form des stat. constr., die ים heißt, ים gebraucht wird. Nach dem eben zitierten Verse, welcher die Grenzen des heiligen Landes bestimmt, gehörte der Küstenstrich am Mittelländischen Meere, den die Philister bewohnten, von Anfang an zum Lande Israel. Faktisch in Besitz genommen wurde er jedoch nach Richter 3, 3 selbst zuletzt noch nicht in seiner ganzen Ausdehnung. Jetzt ergreifen sie von ihm, wie von den anderen ihnen gehörenden Ländern in ihrem ganzen Umfange Besitz, und zwar geschieht dies in freundlicher Weise. Die genannten Völker selbst sind dann ja längst geschwunden, und die dort Wohnenden fügen sich der Anordnung Gottes willig. „Die Söhne des Morgenlandes“ übergeben die von ihnen erbeuteten Gebiete, in welchen früher Edom und Moab gewohnt hatten, dem rechtmäßigen Eigentümer Israel und ebenso gehorchen ihnen Ammons Bewohner. Besteht doch dieser Gehorsam in nichts anderem als in dem, was alsdann alle Menschen als ihre Aufgabe betrachten werden: in Erfüllung der allgemein menschlichen Pflichten der Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Sittlichkeit und Huldigung Gottes, in dem Umfange, wie er sie von den Noachiden verlangt.

15
וְהֶחֱרִ֣ים יְהֹוָ֗ה אֵ֚ת לְשׁ֣וֹן יָם־מִצְרַ֔יִם וְהֵנִ֥יף יָד֛וֹ עַל־הַנָּהָ֖ר בַּעְיָ֣ם רוּח֑וֹ וְהִכָּ֙הוּ֙ לְשִׁבְעָ֣ה נְחָלִ֔ים וְהִדְרִ֖יךְ בַּנְּעָלִֽים׃
BernfeldDer Herr wird die Zunge des Meeres von Ägypten trocken machen, und seine Hand in der Glut seines Zornes über den Strom schwingen und ihn in sieben Bäche zerschlagen, dass man ihn in Schuhen beschreiten kann.
ZunzUnd der Ewige bannt die Zunge des Meeres von Mizrajim, und schwingt seine Hand über den Strom in der Gluth seines Zornes, und zerschlägt ihn in sieben Bäche, daß man ihn beschreitet in Schuhen.
J. J. HirschUnd Gott bannt die Meereszunge Ägyptens und schwingt seine Hand über den Strom mit der schrecklichen Gewalt seines Windes und zerschlägt ihn in sieben Bäche, die man in Schuhen durchschreitet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 15. 16. והחרים ד' וגו' והניף ידו וגו'. Dieselbe יד הגדלה die „große Hand“, die Allmacht Gottes, welche Israel bei seinem Durchzuge durch das Meer einst erkannte, zeigt sich nun wieder, um alle physischen Schwierigkeiten, welchen sein Wiedereinzug in die Heimat begegnet, zu beseitigen, und so wird seine Rückkehr wieder zu einer Offenbarung Gottes. Sein bannendes Wort läßt die Meereswogen zurückweichen wie einst das Schilfmeer, und seine allmächtige Hand zerteilt den Euphrat in sieben Bäche, auf daß seine wiedergewonnenen Kinder aus allen Weltgegenden zum Vaterhause heimkehrend nicht durch seine Fluten gehemmt sind; hatte doch auch der Jarden damals vor dem einziehenden Volke des Gottesgesetzes sich spalten müssen.

„הנהר“ ohne nähere Bezeichnung ist, wie zu 8, 7 bemerkt, immer der Euphrat.

בעים: Nach אבן עזרא ist die Wurzel עים, demnach lautverwandt mit אים, wovon אֵיוֹם furchtbar, אֵימָה Schrecken, und zwar der Schreckensausdruck vor einer gegenwärtigen, zu fürchtenden überlegenen Größe und Macht. בעים רוחו: mit der Schrecken erregenden Übermacht des Windes, welcher nichts zu widerstehen vermag. מסלה eine gebahnte Straße, die hinaufführt.

16
וְהָיְתָ֣ה מְסִלָּ֔ה לִשְׁאָ֣ר עַמּ֔וֹ אֲשֶׁ֥ר יִשָּׁאֵ֖ר מֵאַשּׁ֑וּר כַּאֲשֶׁ֤ר הָֽיְתָה֙ לְיִשְׂרָאֵ֔ל בְּי֥וֹם עֲלֹת֖וֹ מֵאֶ֥רֶץ מִצְרָֽיִם׃
BernfeldEs wird eine Bahn für den Überrest seines Volkes, der überbleibt von Assyrien, wie er war für Israel, am Tage seines Auszuges aus dem Lande Ägypten.
ZunzUnd er wird eine Bahn für den Ueberrest seines Volkes, der überbleibt von Aschur, wie er war für Jisraël, am Tage seines Auszuges aus dem Lande Mizrajim.
J. J. HirschSo wird ein Emporweg gebahnt für den Rest seines Volkes, welcher von Aschur her übrig geblieben sein wird, wie er einst für Israel war an dem Tage, da es aus dem Lande Ägypten hinaufzog.