Jeschajahu 10 ישעיהו
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 10. V. 1. 2. החקקים. Im jüdischen Volke ist Gott Gesetzgeber, und die, welche seinem Gesetze Geltung und Verwirklichung verschaffen, heißen מחוקקים, ebenso auch die Gesetzeslehrer (Richter 5, 14). Die hier getadelten Großen und Richter erheben die Gewalt zum Gesetze, machen Gesetze nach ihrer Willkür und auf Grund dieser, in ihrem eigenen Interesse von ihnen getroffenen Vorschriften fällen sie Urteile und machen sie durch ihre Unterschrift rechtskräftig. מכתבים, כתבו. Der Piel von כתב schreiben kommt sonst nicht wieder vor. Der Bedeutung des Piels entsprechend, scheint es: Schreiben mit verstärkter Wirkung auszudrücken: Vorschreiben, dekretieren. עמל in der Regel: fruchtlose Mühe und Unglück, aber auch Unrecht, von dem Gesichtspunkte aus, daß andere durch es unglücklich gemacht werden. משפט עניי וגו' wie משפט הכהנים das den Priestern von Rechts wegen Zukommende (5. B. M. 18, 3). Sie machen sie durch ihren „Rechtsspruch“ zu Armen und berauben sie dann noch dessen, was ihnen die göttliche Lehre als Armen zugewiesen hat, wie פאה, שכחה, לקט, מעשר עני.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 3. Daß Gott einem solchen Frevel für die Dauer nicht ruhig zusehen wird, könnt ihr euch denken. Der Tag der Ahndung kommt sicher. על מי וגו'. על kommt auch in der Bedeutung von אל vor: 1. Sam. 2, 11: וילך אלקנה הרמתה על ביתו. Hier aber läßt es die Frage als eine doppelte erscheinen: Auf wen wollt ihr euch stützen und zu wem fliehen, um Hilfe zu finden? Gottes Beistand habt ihr durch euer Leben verscherzt. ואנה תעזבו, darin liegt das sorglose, unbekümmerte Überlassen, wie ויעזב כל אשר לו (1. B. M. 39, 6). כבודכם scheint sarkastisch gemeint zu sein: Ihr habet, um Habe und Besitz zu mehren, so viele göttliche Gesetze übertreten, daß euch euer Vermögen nicht „zur Ehre“ gereicht — wo wollet ihr nun mit der ganzen „Herrlichkeit“ hin?
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 4. בלתי כרע. Die Antwort auf diese beiden Fragen gibt der Prophet selbst. Aber er wendet sein tränendes Auge ab, um das Leid nicht zu sehen, das er verkünden muß, und abgewandten Antlitzes spricht er in der dritten Person von ihnen: Es bleibt ihnen nichts übrig als Gefangenschaft oder Tod. בלתי hier wie בלתי לד' לבדו (2. B. M. 22, 19), בלתי החוי (Josua 11, 19). כרע Singul. Der bei weitem größte Teil wird den Tod der Gefangenschaft vorziehen.
Der zweite Teil des vorigen Kapitels, Vers 7 beginnend, bildet mit diesen ersten vier Versen ein zusammenhängendes Ganzes. (S. Bemerkung am Schlusse des dritten Kapitels.) In vier Abschnitten schildert Jesaia die stets fortschreitende Entartung im Reiche Israel und schließt einen jeden mit den Worten ובכל זאת וגו'.
Der erste Absatz rügt die gänzliche Verkennung ihrer Aufgabe und den bodenlosen Leichtsinn, der, des bisherigen Unglücks nicht achtend, hochmütig wähnt, durch eigene Kraft das Gefallene wieder aufbauen zu können.
Der zweite beklagt, daß das Volk, von seinen Führern mißleitet und absichtlich geblendet, in seinen bitteren Erfahrungen nicht Gottes Hand sieht und immer weiter sittlich sinkt, bis die Verderbtheit alle Stände durchseucht.
Im dritten kommt in erschütternden Worten der Jammer zum Ausdruck über das Unrecht und die Gewalt, die den Einzelverkehr infolge der Verrohung untergraben und schließlich zum förmlichen Bruderkriege führen.
Der vierte Absatz ruft Wehe über die aus, welchen ein bedeutender Teil der allgemeinen Schuld zur Last fällt, die Vornehmen, Großen und Richter, in deren Händen das Gesetz nichts anderes ist als eine Waffe, um das Glück des Nächsten um eigenen Vorteils willen zu vernichten.
In jedem dieser Abschnitte wird neben der Verschuldung auch des hereinbrechenden Unheils in erschütternder Weise gedacht — vollzog sich ja in Wirklichkeit der Untergang des Reiches, die Vernichtung und das Exil seiner Söhne nicht auf einmal, sondern in einzelnen Zeitabschnitten.
Wir wollen nicht unterlassen, daran zu erinnern, daß auch im ersten Teile des die traurigen Folgen des Abfalls im vorhinein ankündigenden Gotteswortes im 26. Kapitel des 3. B. M. sowohl Schuld wie Strafe in vier Absätzen Israel warnend vor die Seele geführt werden. Jeden dieser Abschnitte beschließt der fast gleiche Refrain: V. 18: ויספתי ליסרה אתכם שבע על חטאתיכם — V. 21: ויספתי עליכם מכה שבע כחטאתיכם — V. 24: והכתי אתכם גם אני שבע על חטאתיכם — V. 28: ויסרתי אתכם אף אני שבע על חטאתיכם. Es ist dies eine Analogie, welche die großartige Diktion des Prophetenwortes noch bemerkbarer macht und seine tiefe Bedeutung erst recht erkennen läßt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 5. הוי אשור. Von hier bis zum Schluß des Kapitels folgt die Verkündigung des plötzlichen Falles der assyrischen Macht angesichts der Tore Jerusalems, und bereits dieser erste Vers deutet dessen Ursache an. Wohl ist Aschur das Werkzeug der Strafe, welche ich über schuldige Nationen verhänge, allein nur darin liegt seine Kraft, nur mein Zürnen wirft alles vor ihm nieder. Das durfte Aschur nicht vergessen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 6. אשלחנו Piel. Im Piel bedeutet שלח gewöhnlich: etwas bisher Festgehaltenes nun freigeben. In seiner Absicht lag es längst, Israel anzugreifen, ich zügelte seinen Willen, bis das Maß der Schuld, die es als Nation auf sich geladen hatte, voll war und עם עברתי und die Entartung ihres Verkehr- wie Einzellebens mein Einschreiten verlangte. Das כתיב: ולשימו dürfte andeuten, daß ihre eigene Sünde sie bereits in den Kot hinabgezogen hatte, dem er sie jetzt überläßt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 7. 8. להשמיד בלבבו. Lust am Zerstören ist die Triebfeder seines Vorgehens und nicht zu sättigende Größensucht: הלא שרי וגו' Von jeher haben welterobernde Mächte alle anderen Größen um ihre Selbständigkeit gebracht, um, sich ihrer als Vasallen bedienend, der eigenen Größe noch mehr Folie zu verleihen. „שרי“ sind seine Feldherren, finden wir doch bereits im alten Pharaonenreiche, daß sogar die Hofbeamten gefürstet waren: שר האופים, שר המשקים und שר הטבחים. Seine Heerführer waren jedenfalls lauter depossedierte Könige.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 9. 10. „Gegenüber allen diesen Staaten und Städten war meine eigene Macht ausreichend, nicht einmal der Hilfe meiner eigenen Götter bedurfte ich — er gedenkt ja ihrer in seiner Rede gar nicht — um der Ohnmacht ihrer Götter zu obsiegen. Und derer hatten sie doch weit mehr als Jerusalem und Samarien, welches letztere ja nur ein paar „goldener Kälber“ besitzt und Jerusalems Gott überhaupt nicht zu sehen ist.“ Sanherib nennt die Götter der anderen Nationen wegwerfend אלילים, einmal, weil es nicht die seinen sind, aber hauptsächlich, weil er deren Schutzbefohlene besiegen konnte. כאשר מצאה ידי wie ואם לא תמצא ידה (3. B. M. 12, 8): Wenn ihr Vermögen aber nicht ausreicht.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 11. Inzwischen hatte Aschur auch Samarien besiegt. ולעצביה. עצבים heißen die heidnischen Gottheiten, insofern als sie neidisch auf das Glück der Menschen blicken und ihnen עצב Schmerz, Entsagung bereiten. Den Nationalgott Jerusalems, der unsichtbar ist, kenne ich nicht, spricht Sanherib, aber gewiß will er seinem Volke wehe tun, das beweist ja der mir so leicht gewordene Erfolg meiner wiederholten Einfälle in Judäa, aber selbst gegen seinen Willen werde ich Jerusalem überwältigen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 12. והיה כי יבצע וגו' אפקד וגו'. Erst spricht Gott von sich in der dritten Person, wohl um damit zu sagen, das gedeihliche Ende, zu welchem er sein durch Aschur zu vollbringendes Werk leitet, bestehe darin, Zions und Jerusalems Volk durch Leiden und Sorgen wieder zu seinem, des Herrn „אדני“, Dienste zurückzuführen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 13. נבנותי ist Nifal: mit Einsicht begabt, von Klugheit erfüllt. „Kraft, Weisheit und scharfer Einblick in die Verhältnisse der Völker berechtigen mich, die Geographie der Gegenwart und die Geschichte der Zukunft zu rektifizieren“. ועתודתיהם lautet nämlich der קרי, während der כתיב: ועתידתיהם ist. Ersterer bezeichnet die für die Zukunft aufgespeicherten Vorräte und Schätze, letzterer die Geschehnisse der Zukunft, wie וחש עתידות למו (5. B. M. 32, 35). שושתי von ששה lautverw. mit שסה plündern: 1. Sam. 23, 1: והמה שסים את הגרנות sie plündern die Tennen. Indem Aschur sie der für die Zukunft angesammelten Hilfsmittel beraubt, bemächtigt er sich ihrer Zukunft selbst. Esther 8, 13 ist der קרי: ולהיות היהודיים עתידים ליום הזה und der כתיב: עתודים. Dort dürfte der כתיב eine Einschränkung des קרי sein: Infolge der offiziellen Vorbereitungen, die sie durch ihre Bewaffnung treffen, vermindert sich die Gelegenheit, an dem bestimmten zukünftigen Tage sich ihrer Waffen bedienen zu müssen — wie sich dies ja auch später zeigte.
ואוריד כביר יושבים viele oder mächtig Thronende. Der כתיב jedoch ist כאביר „wie ein Held“ und weist auf das prahlerische Selbstbewußtsein hin, welches aus ihm spricht.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 14. 15. Herrenlos und wehrlos seiner Willkür preisgegeben erschien ihm die Erde, da warf er sich zu ihrem Herrn auf, und während es Gottes Gericht war, das ihn als Axt über untauglich gewordenes Gestrüpp geschwungen hatte, betrachtete er sich als Sieger über Gott. Vgl. Komm. zu Ps. 74, 5. Als ob die Axt, weil der damit Hauende sie hoch über sein Haupt schwingt, nun verächtlich auf ihn herabschauen wollte. Drei weitere Bilder veranschaulichen die Ohnmacht des Werkzeugs gegenüber dem Meister, möge die Bewegung wagrecht oder senkrecht geschehen. Wer den regelmäßigen Hin- und Herzügen einer großen Säge zusieht, könnte meinen, sie bewege den Säger — die Rute hebt nicht den Arm, der sie schwingt, kann ja der Stock, weil nur von Holz, nicht einmal selbst sich heben.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 16. לכן ישלח וגו'. Der Strafe, welche Aschur schon lange verdient, läßt Gott freien Lauf, seine unnatürliche Fettsucht war längst krankhaft. יקד ist intransitiv. Was sich äußerlich so „herrlich“ ansieht, die glühende Leidenschaft verzehrt und höhlt sein Inneres aus.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 17. והיה אור וגו'. Da bedarf es nur eines Funkens von außen und der Brand vernichtet alles. Wenn Israel sich von dem Lichte der Thora erleuchten und von seinem Gotte zur Heiligkeit erziehen läßt, dann wird ihm sein Gesetz und sein Gott „zu einer Mauer von Feuer“ (Secharj. 2, 9), das alles ihm feindlich Nahende erfaßt und von ihm fern hält. Und gar hier, wo die gegnerische Macht völlig jedes inneren Wertes bar, gleich der „Distel“ nur dem Störrischen, Vernunftlosen, Tierischen Genuß bereitet, während ihr „Dorn“ die Menschheit todbringend verwundet. Hier ist nämlich die einzige Stelle, an welcher שית vor שמיר steht, sonst immer umgekehrt — vgl. oben 5, 6; 7, 23. 24. 25; 9, 17 — und das hat sicherlich seine tiefe Bedeutung.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 18. כמסס von מסס auflösen, zergehen, dahinschwinden, gebildetes Hauptwort in der Form wie יקד, also nicht stat. constr., wie dies אבן עזרא auch ausdrücklich hervorhebt. למס מרעהו חסד (Job 6, 14) dem im Dahinschwinden Begriffenen, dem Verscheidenden wird u. s. w. Das כ hat die Bedeutung unseres „sobald“: כבאכם עד קצה מי הירדן (Jos. 3, 8), כנוח כפות רגלי הכהנים (Jos. 3, 13). נסס partic. präs. von נסס, wovon im Hispael es Ps. 60, 6 heißt: נס להתנוסס ein Wahrzeichen, sich zu der Höhe zu erheben. Hier: Die Auflösung, das Sterben einer solchen Heeresmenge in einer Nacht wird zum weithin sichtbaren warnenden Wahrzeichen werden.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 20. 21. להשען על מכהן. Dieses wunderbare sichtlich Hervortreten Gottes wendet ihm endlich das Vertrauen des Volkes als seinem einzigen wahrhaftigen Helfer zu und läßt es fortan in Bedrängnis nicht mehr die Macht der Menschen zu Hilfe rufen, deren Freundschaft sich gar bald in Feindschaft verkehrt; diese Erfahrung hatten sie ja erst eben an Aschur gemacht, an den Achas sich um Beistand gewandt hatte und unter dessen Streichen sie fast erlegen wären.
שאר ישוב. Da bewährt sich der Name des Prophetensohnes in seiner doppelten Bedeutung: Nur שאר ישוב, aber auch trotz des Abfalls der großen Menge שאר ישוב bleibt ein Rest übrig, der zu Gott zurückkehrt, zu dem Gotte, welcher soeben seine Allmacht gezeigt hat, und dieser Rest bewährt sich als שאר יעקב, tritt das Erbe des דבר שלח ד' ביעקב, des an die Gesamtheit Jakobs ergangenen Gotteswortes freudig an und überläßt es Gott, ob er in bescheidener Jakobsstellung oder als „Jisrael“ seiner Pflicht zu leben habe.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 22—25. כי אם וגו'. Diese, im Verhältnis zur großen Anzahl der dem Abfall Huldigenden nur kleine Minorität der Gesetzestreuen reicht doch hin, um die göttliche Liebe und Milde zur Beseitigung des bereits beschlossenen Unheils zu veranlassen. Strenge allerdings ahndet Gott den Verfall im Innern des Landes, wo nicht einmal eine solche gewissenhaft ihm gehorchende Minderheit vorhanden ist, aber selbst da bewährt er sich als der „auch im Richten Erbarmen übende Gott“ (der אלקים gelesene und ד' geschriebene Gottesname). Darum haben die sich als „עמי“ um ihn scharen und nur auf dem Boden des Gesetzes leben wollen Aschur nicht zu fürchten. Mag er sie auch mißhandeln wie die Ägypter einst ihre Vorfahren, das mögen sie als Sühne ihrer Verirrungen hinnehmen. Gar bald sucht Gottes Zorn die völlige Entmenschung Aschurs heim.
Bei dieser Auffassung ergibt sich der Zusammenhang der vier Verse von selbst. Sie beruht darauf, daß wir das Wort צדקה als Subjekt, שוטף als Prädikat und כליון חרוץ als Objekt nehmen. Tief bedeutsam wird hier צדקה männlich gebraucht, um die Allgewalt der göttlichen Milde zu kennzeichnen, die selbst bereits verhängtes Unglück nicht eintreten läßt. Sonst, soweit wir finden konnten, immer weiblich, kommt צדקה noch einmal in der männlichen Form vor (weiter 45, 23): כי נשבעתי יצא מפי צדקה דבר ולא ישוב, wo es ebenfalls die Stärke der göttlichen Milde charakterisiert, welche, einmal von Gott ausgesprochen, ein Wort ist, das unter keinen Umständen zurückgenommen wird.
Zu den Einzelheiten übergehend, bemerken wir noch: כי אם יהיה עמך ישראל וגו': Die große Mehrheit des Volkes stützt sich auf dich, Chiskijahu, wie andere Nationen auf ihren König und seine Macht; sie betrachtet es nicht als ihre einzige Aufgabe und zugleich als das, was allein sie schützt, עמי „mein Volk“ zu sein, wie dies im Gegensatz hierzu V. 24 gesagt wird. Ganz in ähnlichem Sinne nannte Gott nach der Egelverirrung des jüdischen Volkes dieses, Moses gegenüber, כי שחת עמך: Verderbt hat es dein Volk u. s. w. Vgl. Komm. zu 2. B. M. 32, 7.
חרוץ und נחרצה. חרץ hat verschiedene, allerdings dem Sinne nach einander verwandte Bedeutungen. Hier heißt es unseres Erachtens nach: einen Beschluß fassen, und zwar einen strengen, scharfen. Analog dafür wird 1. Kön. 20, 40 gesagt: כן משפטך אתה חרצת So sei dein Urteil, du hast es gefällt. עמק החרוץ wird Joel 4,14 das Tal genannt nach der Strenge und Schärfe des von Gott dort gehaltenen Gerichts.
בדרך מצרים in der Weise Ägyptens, wie בדרך אשר אמרתי לך. Siehe Komm. zu 5. B. M. 28, 68. תבליתם, Substantiv von בלה. בלה bezeichnet das allmähliche Schwinden des Vorhandenen, daher mechanisch und physisch: durch Gebrauch oder Alter aufgerieben werden. Ebenso sittlich: תבלית die durch fortgesetzte Ausschweifungen endlich bewirkte Vernichtung des ganzen sittlichen Wesens, die völlige Entartung. Vgl. Komm. zu 3. B. M. 18, 23.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 26. כמכת מדין. Richter 7, 22—25 wird die durch wunderbare Fügung Gottes bewirkte gegenseitige Vernichtung der midjanitischen Truppen erzählt. ועורר wie והוא עורר את חניתו (2. Sam. 23, 18). בדרך מצרים. Vgl. Amos 4, 10. Wie Gott einst die Ägypter vernichtete, sein Stab die Wogen des Meeres über sie hereinbrechen ließ, so trifft Gottes Vergeltung nun Aschur für das, was es nach der Ägypter Art an seinem Volke verbrochen hatte.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 27. וחבל על וגו'. Ähnlich dem ואשבר מטת עלכם (3. B. M. 26, 13). Nur so lange das Reich an innerer Fäulnis krankte, hatte es das Joch der Fremden zu tragen, die eintretende Gesundung sprengte es. שמן hier Gesundheit, wie Richter 3, 29 כל שמן וכל איש חיל lauter gesunde, tapfere Männer. Analog heißt ja auch בריא fett: איש בריא מאד (Richter 3, 17) und gesund: ובריא אולם gesund ist ihre Kraft (Ps. 73, 4 und sonst).
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 28—31. In frischer, lebhafter Sprache wird hier der Weg verfolgt, welchen Sanherib gegen Jerusalem nahm, und zwar von dem Augenblick an, da er das Gebiet des jüdischen Reiches betrat, und zugleich der Schrecken und die Verzweiflung geschildert, die seinem Zuge voran eilten.
עברו מעברה. Dieser Engpaß wird 1. Sam. 14, 4. 5 näher beschrieben, er führte zwischen zwei Felszacken hindurch, von denen der eine Michmas und der andere Geba gegenüber lag. בת גלים wie בת ציון, die Stadt Gallim wird 1. Sam. 25, 44 erwähnt. גבים Plural von גבא Teich, Sumpf, Pfütze: עשה הנחל הזה גבים גבים (2. Kön. 3, 16). העיזו wie העז את מקנך (2. B. M. 9, 19). Hier, wo kein Objekt genannt wird, hat das Prädikat die weiteste Ausdehnung, also: alles. Die Panik ergriff auch sie, deren Gebiet des sumpfigen Terrains wegen wohl kaum von dem Heere betreten worden wäre.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 32. עוד היום. Angesichts Jerusalems will er heute seine Truppen rasten lassen, es kann ihm ja nicht entgehen. Siegesgewiß greift seine Hand bereits nach dem Berge der „Zionstochter“ — nein, sein Kampf gilt in Wirklichkeit, welcher der כתיב Ausdruck gibt, הר בית ציון, dem „Hause“ Gottes. —
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 33. הנה האדון. Da, urplötzlich — ויהי בלילה ההוא (2. Kön. 19, 35) — in dieser Nacht, tritt „der Herr“ dieses Hauses, der zugleich der wirkliche Herr „der Schöpfungsscharen“ ist, dem siegestrunkenen Assyrer entgegen, welcher sich als Herr der Erde dünkte, und seine aufgehende Sonne beleuchtete die gefällte Riesenleiche des mächtigsten Kriegsheeres!
מסעף פארה, Piel, heißt סעף Zweig, Ast. Wie von דשן Asche der Piel דשן „entaschen“ und von פאר, wovon hier פארה die Krone des Baumes, der Piel פאר „die Krone abbrechen“ (5. B. M. 24, 20) bedeutet, so heißt hier מסעף „er entastet“.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 34. סבכי היער sind die kleineren Staaten, die mochte Aschur als das Eisen, „die Axt in Gottes Hand“ fällen, er selbst wird ihnen gegenüber mit dem stolzen Zedernwald des Libanon verglichen, sein eigener Sturz erfolgt durch die Hand des Allmächtigen selbst.