1
וַיֹּ֨אמֶר יְהֹוָ֤ה אֶל־יְהוֹשֻׁ֙עַ֙ אַל־תִּירָ֣א וְאַל־תֵּחָ֔ת קַ֣ח עִמְּךָ֗ אֵ֚ת כׇּל־עַ֣ם הַמִּלְחָמָ֔ה וְק֖וּם עֲלֵ֣ה הָעָ֑י רְאֵ֣ה ׀ נָתַ֣תִּי בְיָדְךָ֗ אֶת־מֶ֤לֶךְ הָעַי֙ וְאֶת־עַמּ֔וֹ וְאֶת־עִיר֖וֹ וְאֶת־אַרְצֽוֹ׃
BernfeldDer Herr sprach zu Josua: Sei nicht furchtsam und nicht bang. Nimm mit dir das ganze Kriegsvolk und ziehe nach Ai; siehe, ich gebe in deine Hand den König von Ai und sein Volk und seine Stadt und sein Land.
R. BreuerHierauf sprach Gott zu Josua: Fürchte nichts und schrecke nicht! Nimm das ganze Kriegsvolk mit dir, mach dich auf und ziehe hinauf nach Ai; siehe, ich gebe in deine Hand den König von Ai, sein Volk, seine Stadt und sein Land.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 8. V. 1. אל תירא ואל תחת. Jetzt, nachdem die Glut meines Zornes gewichen ist (7, 26), brauchst du nichts mehr zu fürchten und vor einer Wiederholung eines Zuges gegen Ai nicht zurückzuschrecken. — Zur Übersetzung vgl. Deut. 31, 8.
את כל עם המלחמה. Vgl. 7, 3. Gott hätte die Einnahme von Ai auch durch Vermittlung von „zwei- oder dreitausend Mann“ bewerkstelligen können, wenn nicht eben auch äußerlich, durch Aufgebot des ganzen Heeres, nachträglich der ganze Widersinn und die ganze Unzulänglichkeit der ersten Expedition dargetan werden sollte.
2
וְעָשִׂ֨יתָ לָעַ֜י וּלְמַלְכָּ֗הּ כַּאֲשֶׁ֨ר עָשִׂ֤יתָ לִּֽירִיחוֹ֙ וּלְמַלְכָּ֔הּ רַק־שְׁלָלָ֥הּ וּבְהֶמְתָּ֖הּ תָּבֹ֣זּוּ לָכֶ֑ם שִׂים־לְךָ֥ אֹרֵ֛ב לָעִ֖יר מֵאַחֲרֶֽיהָ׃
BernfeldDu sollst mit Ai und seinem Könige verfahren wie mit Jericho und seinem König, nur dass ihr seine Beute und sein Vieh für euch plündern sollt. Lege dir einen Hinterhalt für die Stadt in ihren Rücken.
R. BreuerUnd du sollst mit Ai und seinem Könige verfahren, wie du mit Jericho und seinem Könige verfahren bist; nur seine Beute und sein Vieh mögt ihr für euch nehmen. Lege dir einen Hinterhalt der Stadt im Rücken.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 2. Vergleicht man den ausdrücklichen Befehl Gottes, nach der Einnahme von Ai die Beute an sich zu nehmen, mit dem Vorgang bei Jericho 6, 17 f., so macht es beinahe den Eindruck, als ob hier Gott einer eventuellen abermaligen Übertretung eines ausdrücklichen Verbotes nach dem verhängnisvollen Vorbilde Achans dadurch von vornherein vorbeugen wollte, daß er sich von Josua eine Wiederholung des vor Jericho ausgesprochenen Weihegelöbnisses verbat.
מאחריה. Wörtlich: hinter ihr. Dem braucht die Tatsache, daß der Hinterhalt, wie V. 9 erzählt, westlich von Ai, also nicht unbedingt der Angriffsseite gegenüber, aufgestellt war, nicht zu widersprechen, weil ja durch מאחריה nur gesagt werden sollte, es möge die Stadt Ai „hinterrücks“ angefallen und kampfesunfähig gemacht werden.
3
וַיָּ֧קׇם יְהוֹשֻׁ֛עַ וְכׇל־עַ֥ם הַמִּלְחָמָ֖ה לַעֲל֣וֹת הָעָ֑י וַיִּבְחַ֣ר יְ֠הוֹשֻׁ֠עַ שְׁלֹשִׁ֨ים אֶ֤לֶף אִישׁ֙ גִּבּוֹרֵ֣י הַחַ֔יִל וַיִּשְׁלָחֵ֖ם לָֽיְלָה׃
BernfeldJosua machte sich auf und das ganze Kriegsvolk, nach Ai zu ziehen. Josua hob dreißigtausend tapfere Männer aus und sandte sie bei Nacht ab.
R. BreuerJosua machte sich auf und das ganze Kriegsvolk, um nach Ai zu ziehen. Es wählte Josua dreißigtausend kriegstüchtige Männer aus und entsandte sie des Nachts.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 3. שלשים אלף איש. Vgl. 7, 4 die dreitausend Mann, die bei der ersten Expedition gegen Ai entsandt wurden, während hier dreißigtausend der Tüchtigsten bloß für den Sonderzweck des Hinterhaltes verwendet wurden. Auch hierin dürfte das zu V. 1 an zweiter Stelle Bemerkte eine eklatante Bestätigung erfahren. Vgl. indessen das zu V. 12 zu Bemerkende.
4
וַיְצַ֨ו אֹתָ֜ם לֵאמֹ֗ר רְ֠א֠וּ אַתֶּ֞ם אֹרְבִ֤ים לָעִיר֙ מֵאַחֲרֵ֣י הָעִ֔יר אַל־תַּרְחִ֥יקוּ מִן־הָעִ֖יר מְאֹ֑ד וִהְיִיתֶ֥ם כֻּלְּכֶ֖ם נְכֹנִֽים׃
BernfeldEr gebot ihnen also: Sehet, ihr belauert die Stadt im Rücken. Entfernet euch nicht weit von der Stadt, sondern bleibet alle bereit.
R. BreuerEr gebot ihnen also: Sehet, ihr belauert die Stadt im Rücken der Stadt; entfernt euch nicht weit von der Stadt, und seid allesamt bereit.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4. Dreimal wird hier von der „Stadt“ gesprochen, obwohl es statt מאחרי העיר ebensogut, wie in V. 2, מאחריה hätte heißen können. Es soll aber durch diese immerfort auf die Stadt hindeutende Redeweise den zum Hinterhalt bestimmten גבורי החיל die Notwendigkeit einer unablässig aufmerksamen Belauerung der Stadt eindringlich nahegelegt werden, umsomehr, als bei ihrer verhältnismäßig großen Zahl die Gefahr lässiger Unbekümmertheit im Vertrauen auf die numerische Stärke zu befürchten war. Dieser Gefahr soll wohl auch das ziemlich überflüssige והייתם כלכם נכנים vorbeugen: Ihr alle haltet euch bereit; hütet euch davor, eure Aufgabe — wie beim ersten Mal — allzu leicht zu nehmen. Vgl. indessen das zu V. 12 zu Bemerkende.
5
וַאֲנִ֗י וְכׇל־הָעָם֙ אֲשֶׁ֣ר אִתִּ֔י נִקְרַ֖ב אֶל־הָעִ֑יר וְהָיָ֗ה כִּֽי־יֵצְא֤וּ לִקְרָאתֵ֙נוּ֙ כַּאֲשֶׁ֣ר בָּרִֽאשֹׁנָ֔ה וְנַ֖סְנוּ לִפְנֵיהֶֽם׃
BernfeldUnd ich und das ganze Volk, das mit mir, werden uns der Stadt nähern, und wenn sie herauskommen uns anzugreifen wie zuvor, so wollen wir fliehen vor ihnen;
R. BreuerUnd ich und das ganze Volk, das bei mir ist, werden uns der Stadt nähern, und wenn sie dann herausziehen werden uns entgegen wie das erste Mal, so wollen wir vor ihnen fliehen.
6
וְיָצְא֣וּ אַחֲרֵ֗ינוּ עַ֣ד הַתִּיקֵ֤נוּ אוֹתָם֙ מִן־הָעִ֔יר כִּ֣י יֹֽאמְר֔וּ נָסִ֣ים לְפָנֵ֔ינוּ כַּאֲשֶׁ֖ר בָּרִֽאשֹׁנָ֑ה וְנַ֖סְנוּ לִפְנֵיהֶֽם׃
BernfeldDass sie uns nachziehen, bis wir sie fortgezogen von der Stadt, denn sie werden denken, sie fliehen vor uns wie zuvor — und so wollen wir vor ihnen fliehen.
R. BreuerDann werden sie uns nachziehen, bis wir sie von der Stadt fortgezogen haben, denn sie werden denken, sie fliehen vor uns wie das erste Mal — und so wollen wir vor ihnen fliehen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 6. ונסנו לפניהם. Die Wiederholung aus V. 5 ist überflüssig. Es soll aber wohl damit die Bereitschaft angedeutet werden, den nacheilenden Feind in seiner Meinung, daß er ein in die Flucht gejagtes Heer vor sich habe, zu bestärken: Sie werden meinen, daß wir Reißaus vor ihnen nehmen, nun wohl, ונסנו לפניהם wir wollen tun, als ob es so sei.
7
וְאַתֶּ֗ם תָּקֻ֙מוּ֙ מֵהָ֣אוֹרֵ֔ב וְהוֹרַשְׁתֶּ֖ם אֶת־הָעִ֑יר וּנְתָנָ֛הּ יְהֹוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶ֖ם בְּיֶדְכֶֽם׃
BernfeldIhr aber erhebet euch aus dem Hinterhalte und besetzet die Stadt, und der Herr, euer Gott, wird sie in eure Hand geben.
R. BreuerIhr aber erhebet euch aus dem Hinterhalte und besetzet die Stadt, und Gott, euer Gott, wird sie in eure Hand geben.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 7. Die Eroberung der ihrer militärischen Stütze beraubten Stadt war kein gefährliches Unternehmen. Dennoch wird sie hier als das Werk des göttlichen Kriegsherrn charakterisiert: ונתנה ד' אלהיכם בידכם.
8
וְהָיָ֞ה כְּתׇפְשְׂכֶ֣ם אֶת־הָעִ֗יר תַּצִּ֤יתוּ אֶת־הָעִיר֙ בָּאֵ֔שׁ כִּדְבַ֥ר יְהֹוָ֖ה תַּעֲשׂ֑וּ רְא֖וּ צִוִּ֥יתִי אֶתְכֶֽם׃
BernfeldWenn ihr die Stadt erobert, sollt ihr sie in Feuer stecken, nach dem Worte des Herrn thuet. Sehet, ich habe es euch geboten.
R. BreuerUnd wenn ihr dann die Stadt erobert habt, so zündet die Stadt mit Feuer an, nach dem Worte Gottes handelt. Seht, ich befehle es euch!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 8. כדבר ד' וגו'. Oben (6, 16 ff.), wo Josua seine Anweisungen für die Eroberung Jerichos erteilte, fehlt die Berufung auf Gottes ausdrücklichen Befehl. Inzwischen war aber das Erlebnis der Achanschen Unterschlagung erfolgt. Dieses Erlebnis zittert hier nach. Von einem Anzünden der Stadt war in dem göttlichen Befehl (8, 2), der ganz allgemein gehalten ist, nicht die Rede. Josua blieb es überlassen, die Einzelheiten des Befehls zu präzisieren. Er tut es hier mit Berufung auf Gott, dessen heiliges Wort in der Autorität seines Sendboten zu respektieren ist. Seht, ich bin es, der euch im Namen Gottes Befehle erteilt. Denkt an jene Stunde, wo mein Wort vor den Mauern Jerichos in solch verhängnisvoller Weise von einem Ohre überhört worden ist — und seid gewarnt!
9
וַיִּשְׁלָחֵ֣ם יְהוֹשֻׁ֗עַ וַיֵּֽלְכוּ֙ אֶל־הַמַּאְרָ֔ב וַיֵּשְׁב֗וּ בֵּ֧ין בֵּֽית־אֵ֛ל וּבֵ֥ין הָעַ֖י מִיָּ֣ם לָעָ֑י וַיָּ֧לֶן יְהוֹשֻׁ֛עַ בַּלַּ֥יְלָה הַה֖וּא בְּת֥וֹךְ הָעָֽם׃
BernfeldJosua schickte sie ab, und sie gingen nach dem Hinterhalt und hielten zwischen Bet El und Ai, im Westen von Ai. Josua übernachtete in dieser Nacht unter dem Volke.
R. BreuerJosua schickte sie fort, und sie zogen in den Hinterhalt und lagerten sich zwischen Bethel und Ai, im Westen von Ai. Josua übernachtete in dieser Nacht inmitten des Volkes.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 9. וישלחם. Daß Josua die für den Hinterhalt Bestimmten so frühzeitig entsandte, lag wohl daran, daß entweder für von der Vorsicht etwa gebotene Umwege eine geraume Zeit erforderlich war oder die Beschaffenheit des Terrains die langwierige Erkundung eines geeigneten Verstecks notwendig machte. Das Versteck mußte umso zuverlässiger sein, je mehr zu befürchten war, daß die Männer von Bethel, wie es auch tatsächlich der Fall war (vgl. V. 17), vom Westen her, wo sich die Abgesandten zum Hinterhalte lagerten, den Bewohnern von Ai zu Hilfe kommen würden.
מים לעי. Vgl. das zu V. 2 an zweiter Stelle Bemerkte. Damit erklärt sich auch das מאחרי העיר in V. 14, das bei wörtlicher Auffassung dem ויחנו מצפון לעי in V. 11 widerspräche.
וילן. Es scheint, daß Josua sonst in einem besonderen, abseits vom Heereslager gelegenen Feldherrnzelt zu übernachten pflegte. Wenn er in dieser Nacht sein Lager mitten im Volke aufschlug, so geschah dies entweder, wie Raschi bemerkt, להיות נכון בהשכמת הבקר, um sofort, wenn der Morgen graute, an Ort und Stelle zu sein, vielleicht aber auch deshalb, um in der Zwischenzeit von der Verkündung des Kriegsbefehls bis zum Aufbruch gegen Ai in der Nähe seines Volkes zu bleiben: niemals wirkt die Gegenwart des Führers so anfeuernd und beruhigend, wie in den Stunden, die einer Kriegsentscheidung vorangehen. Vielleicht war auch Josua durch das Achansche Intermezzo von der Besorgnis erfüllt, es könnte in den Stunden vor Beginn des Kampfes abermals in irgend einem Herzen der Gedanke einer „Untreue“ keimen, den das Bewußtsein seiner unmittelbaren Gegenwart ersticken würde.
10
וַיַּשְׁכֵּ֤ם יְהוֹשֻׁ֙עַ֙ בַּבֹּ֔קֶר וַיִּפְקֹ֖ד אֶת־הָעָ֑ם וַיַּ֨עַל ה֜וּא וְזִקְנֵ֧י יִשְׂרָאֵ֛ל לִפְנֵ֥י הָעָ֖ם הָעָֽי׃
BernfeldAm Morgen stand Josua früh auf und musterte das Volk, und zog hinauf, er und die Ältesten Israels vor dem Volke nach Ai.
R. BreuerAm Morgen stand Josua früh auf und musterte das Volk, und zog hinauf, er und die Ältesten Jisraels vor dem Volke nach Ai.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 10. Der vorwiegende Grund, warum Josua „in dieser Nacht inmitten des Volkes übernachtete“ (V. 9) war also doch, um am nächsten Morgen recht frühzeitig die „Musterung des Volkes“ beginnen zu können. Zu ויפקד vgl. Komm. Ex. 30, 12. Es kann aber auch ein einfaches Mustern des Heeres bedeuten, ob es bereit sei, den Kampf zu beginnen.
11
וְכׇל־הָעָ֨ם הַמִּלְחָמָ֜ה אֲשֶׁ֣ר אִתּ֗וֹ עָלוּ֙ וַֽיִּגְּשׁ֔וּ וַיָּבֹ֖אוּ נֶ֣גֶד הָעִ֑יר וַֽיַּחֲנוּ֙ מִצְּפ֣וֹן לָעַ֔י וְהַגַּ֖י בֵּינָ֥ו וּבֵין־הָעָֽי׃
BernfeldUnd das ganze Kriegsvolk, das mit ihm, rückte heran und kam vor die Stadt, und lagerten nördlich von Ai, und das Tal war zwischen ihm und Ai.
R. BreuerUnd das ganze Kriegsvolk, das mit ihm war, zog hinauf, rückte heran und kam vor die Stadt, und lagerte nördlich von Ai, und das Tal war zwischen ihm und Ai.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 11. והגי וגו'. Das Lager war also nicht unmittelbar vor der Stadt aufgeschlagen, vielmehr war das Tal dazwischen. Dies geschah wohl aus dem Grunde, um noch, wie aus den folgenden Versen ersichtlich ist, die kommende Nacht für die Aufstellung des Hinterhaltes und Ordnung des Lagers, ohne vom Feind bemerkt zu werden, benutzen zu können. Erst am nächsten Morgen (vgl. V. 14) begann der Kampf.
12
וַיִּקַּ֕ח כַּחֲמֵ֥שֶׁת אֲלָפִ֖ים אִ֑ישׁ וַיָּ֨שֶׂם אוֹתָ֜ם אֹרֵ֗ב בֵּ֧ין בֵּֽית־אֵ֛ל וּבֵ֥ין הָעַ֖י מִיָּ֥ם לָעִֽיר׃
BernfeldEr nahm weitere fünftausend Mann und legte sie als Hinterhalt zwischen Bet El und Ai, im Westen von Ai.
R. BreuerEr nahm ungefähr fünftausend Mann und legte sie als Hinterhalt zwischen Bethel und Ai im Westen von Ai.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 12. Wie ist der Inhalt dieses Verses mit dem Berichte in V. 3 auszugleichen, wonach Josua dreißigtausend Mann für den Hinterhalt bestimmte? Man pflegt nach Raschis Vorgang die Aufstellung eines doppelten Hinterhaltes anzunehmen, unterliegt aber dadurch der mühevollen Pflicht, die Notwendigkeit einer solch komplizierten Strategie irgendwie zu rechtfertigen. Vielleicht empfiehlt sich das folgende. Im Augenblick, da Josua den Plan des Hinterhaltes verkündigte, war er über die Beschaffenheit des Terrains um Ai selber noch nicht im klaren. Für alle Fälle bestimmte er darum die unverhältnismäßig große Anzahl von dreißigtausend Mann, sich für diese kriegerische Nebenmission bereit zu halten. Darauf deutet offenbar der Satz in V. 4: והייתם כלכם נכנים hin, womit Josua die Verwendung der gesamten dreißigtausend Mann nur im Eventualfalle unbedingter Notwendigkeit in Aussicht nahm. Nachdem er sich aber Ai genähert und einen genauen Überblick über die erforderlichen Maßnahmen gewonnen hatte, ויקח כחמשת אלפים איש, da griff er etwa fünftausend Mann heraus und übertrug ihnen die אורב-Mission, die er sich doch schwieriger vorgestellt hatte, als sie in Wirklichkeit war.
13
וַיָּשִׂ֨ימוּ הָעָ֜ם אֶת־כׇּל־הַֽמַּחֲנֶ֗ה אֲשֶׁר֙ מִצְּפ֣וֹן לָעִ֔יר וְאֶת־עֲקֵב֖וֹ מִיָּ֣ם לָעִ֑יר וַיֵּ֧לֶךְ יְהוֹשֻׁ֛עַ בַּלַּ֥יְלָה הַה֖וּא בְּת֥וֹךְ הָעֵֽמֶק׃
BernfeldDas Volk stand also gerüstet, das ganze Lager, welches auf der Nordseite der Stadt, und dessen Hinterhalt zur Westseite der Stadt; Josua ging diese Nacht mitten durch das Tal.
R. BreuerEs rüstete das Volk das ganze Lager, das nordwärts von der Stadt war, und seinen Hinterhalt westlich von der Stadt; Josua ging in dieser Nacht inmitten des Tales.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13. וישימו. שימה זו לשון הזמנה (Raschi): der Ausdruck שימה wird hier in der Bedeutung „Rüsten“ gebraucht. Ähnlich auch Kön. I, 20, 12. Das Volk selbst rüstete das ganze Lager und den Hinterhalt. Es soll damit wohl die eifrige Anteilnahme des ganzen Volkes an der Ausführung der Befehle Josuas betont werden.
וילך יהושע וגו'. Zu welchem Zweck Josua diese Nacht im Tale sich erging, wird nicht gesagt. Es liegt nahe, an eine Herausforderung der Bewohner von Ai zu denken, die ja auch, wie gleich im folgenden Verse erzählt wird, entsprechend reagierten. Dagegen spricht jedoch der einfache Wortlaut des Verses, wonach Josua ohne jede Begleitung einen nächtlichen Spaziergang durch das Tal unternahm. Diese Auffassung wird auch offenbar vom Midrasch geteilt, wenn er zu diesem Satze bemerkt: שלן בעומקה של הלכה, Josua habe die stille Muße der Nacht zu eindringendem Sinnen in der Thora benutzt. Haben wir ja in Josua keinen Feldherrn vor uns, der sich in den Stunden der Nacht, während ringsum das ganze Lager schläft, bei wüstem Gelage im Kreise zechender Offiziere von den Strapazen des Tages erholt. Ward ihm ja von Gott gleich zu Beginn seiner Feldherrnlaufbahn das große Wort eingeschärft: לא ימוש ספר התורה הזה מפיך והגית בו יומם ולילה וגו' (1, 8). Welch erhebender Zug im Charakterbilde dieses jüdischen Feldherrn, der sich zur Nachtzeit die Stunden raubt, um in der Einsamkeit eines Tales — kurz vor einer kriegerischen Entscheidung — ungestört seiner höchsten Feldherrnpflicht zu genügen.
14
וַיְהִ֞י כִּרְא֣וֹת מֶלֶךְ־הָעַ֗י וַֽיְמַהֲר֡וּ וַיַּשְׁכִּ֡ימוּ וַיֵּצְא֣וּ אַנְשֵֽׁי־הָעִ֣יר לִקְרַֽאת־יִ֠שְׂרָאֵ֠ל לַֽמִּלְחָמָ֞ה ה֧וּא וְכׇל־עַמּ֛וֹ לַמּוֹעֵ֖ד לִפְנֵ֣י הָעֲרָבָ֑ה וְהוּא֙ לֹ֣א יָדַ֔ע כִּֽי־אֹרֵ֥ב ל֖וֹ מֵאַחֲרֵ֥י הָעִֽיר׃
BernfeldAls nun der König von Ai dies sah, da machten sich die Männer der Stadt eilends früh auf und zogen hinaus, Israel entgegen in den Streit, [der König] und sein ganzes Volk zum Wahlplatz vor die Ebene. Er wusste nicht, dass ihm ein Hinterhalt drohte im Rücken der Stadt.
R. BreuerAls nun der König von Ai aufmerksam wurde, da machten sie sich frühzeitig auf, und es rückten die Männer der Stadt Jisrael entgegen in den Krieg, er und sein ganzes Volk zur bestimmten Zeit vor die Ebene; er aber wußte nicht, daß ihm ein Hinterhalt drohte im Rücken der Stadt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 14. למועד: Entweder zur selben Tagesstunde, in der sie beim ersten Mal ausgerückt waren und die sie jetzt wieder im abergläubigen Vertrauen auf eine Wiederholung des Erfolges wählten (vgl. Raschi); oder zur Zeit, in welcher Josua ihr Vorrücken erwartete; oder aber auch im Sinne des קרא עלי מועד לשבר בחורי (vgl. Komm. das.): zur Zeit, da sich das von der Vorsehung bestimmte Verhängnis erfüllen sollte.
15
וַיִּנָּ֥גְע֛וּ יְהוֹשֻׁ֥עַ וְכׇל־יִשְׂרָאֵ֖ל לִפְנֵיהֶ֑ם וַיָּנֻ֖סוּ דֶּ֥רֶךְ הַמִּדְבָּֽר׃
BernfeldJosua und ganz Israel ließen sich von ihnen schlagen und sie flohen in der Richtung der Wüste.
R. BreuerJosua und ganz Jisrael ließen sich von ihnen schlagen, und sie flohen in der Richtung nach der Wüste.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 15. Vgl. V. 5.
16
וַיִּזָּעֲק֗וּ כׇּל־הָעָם֙ אֲשֶׁ֣ר (בעיר) [בָּעַ֔י] לִרְדֹּ֖ף אַחֲרֵיהֶ֑ם וַֽיִּרְדְּפוּ֙ אַֽחֲרֵ֣י יְהוֹשֻׁ֔עַ וַיִּנָּתְק֖וּ מִן־הָעִֽיר׃
BernfeldEs ward nun zusammengerufen das ganze Volk, das in Ai, sie zu verfolgen; sie verfolgten den Josua und wurden fortgezogen von der Stadt.
R. BreuerNun ward die ganze Bevölkerung von Ai zusammengerufen, sie zu verfolgen; sie eilten Josua nach und wurden so fortgelockt von der Stadt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 16. Im Augenblick, wo der Angriff in eine wilde Verfolgung des scheinbar feig abziehenden Feindes überging, wurde auch derjenige Teil der Bevölkerung von Ai zum Kampfe aufgeboten, der zu Beginn (V. 14) noch zurückgeblieben war; und zwar scheint dieses an und für sich vollkommen unnötige Landsturmaufgebot in jauchzender Trunkenheit (ויזעקו) erfolgt zu sein, angesichts der so unverhofft geringen Mühe, welche die Abwehr des Feindes zu erfordern schien. Nachdem es offenbar kein Kampf auf Leben und Tod war, der einem bevorstand, sollte sich jedermann an der Rettung der Vaterstadt beteiligen.
17
וְלֹא־נִשְׁאַ֣ר אִ֗ישׁ בָּעַי֙ וּבֵ֣ית אֵ֔ל אֲשֶׁ֥ר לֹא־יָצְא֖וּ אַחֲרֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל וַיַּעַזְב֤וּ אֶת־הָעִיר֙ פְּתוּחָ֔ה וַֽיִּרְדְּפ֖וּ אַחֲרֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃ {פ}
BernfeldEs blieb kein Mann in Ai und Bet El, der nicht hinausgegangen hinter Israel her; sie ließen die Stadt offen und verfolgten Israel.
R. BreuerUnd es blieb kein Mann in Ai und Bethel, der nicht herausgerückt wäre hinter Jisrael her; sie ließen die Stadt offen zurück und eilten Jisrael nach.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 17. ובית אל. Vgl. V. 9.
18
וַיֹּ֨אמֶר יְהֹוָ֜ה אֶל־יְהוֹשֻׁ֗עַ נְ֠טֵ֠ה בַּכִּיד֤וֹן אֲשֶׁר־בְּיָֽדְךָ֙ אֶל־הָעַ֔י כִּ֥י בְיָדְךָ֖ אֶתְּנֶ֑נָּה וַיֵּ֧ט יְהוֹשֻׁ֛עַ בַּכִּיד֥וֹן אֲשֶׁר־בְּיָד֖וֹ אֶל־הָעִֽיר׃
BernfeldDa sprach der Herr zu Josua: Strecke die Lanze aus, die in deiner Hand, gen Ai hin, denn in deine Hand werde ich es geben. Und Josua streckte aus die Lanze, die in seiner Hand, gegen die Stadt hin.
R. BreuerDa sprach Gott zu Josua: Strecke die Lanze aus, die in deiner Hand liegt, gegen Ai, denn in deine Hand habe ich es gegeben. Da streckte Josua die Lanze, die in seiner Hand war, gegen die Stadt hin.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 18. Die gewöhnliche Auffassung sieht in diesem Strecken der Lanze gegen Ai hin ein Signal für die im Hinterhalt Verborgenen, aus ihrem Versteck hervorzubrechen. Dafür spricht der unmittelbare Zusammenhang mit V. 19, wonach כנטות ידו, im selben Augenblick, da Josua seine Hand ausstreckte, der Hinterhalt eilends von seinem Orte sich erhob. (Vgl. jedoch das zu V. 26 zu Bemerkende.) Es bleibt nur unverständlich, wie dieses Signal, da doch Josua (vgl. V. 16) an der Spitze der Davoneilenden sich befand, aus der Ferne wahrgenommen werden konnte, und warum es für die Erteilung dieses Winkes eines ausdrücklichen göttlichen Befehls bedurfte. Indessen daß Gott es für nötig fand, diesen Befehl zu erteilen und damit der אורב-Maßnahme eine besonders wichtige Bedeutung zu vindizieren, steht ganz im Einklang mit V. 2, wonach Gott gleich zu Beginn des Feldzuges gegen Ai unter allen etwa zu treffenden Maßnahmen die Notwendigkeit eines Hinterhaltes mit besonderem Nachdruck betonte. Es steht ferner der Annahme nichts im Wege, daß Josua, um dem göttlichen Befehl zu gehorchen, späterhin sich von dem Heere getrennt, sich Ai wieder genähert und hier persönlich durch Neigen der Lanze (vgl. hierzu das וחרבו שלופה בידו נטויה וגו' in Chr. I. 21, 16) die Männer des Hinterhaltes zum Vorrücken aufgerufen habe. Für diese Annahme spricht auch V. 26, wonach Josua mit ausgestreckter Lanze den allmählichen Untergang der Stadt verfolgte.
19
וְהָאוֹרֵ֡ב קָם֩ מְהֵרָ֨ה מִמְּקוֹמ֤וֹ וַיָּר֙וּצוּ֙ כִּנְט֣וֹת יָד֔וֹ וַיָּבֹ֥אוּ הָעִ֖יר וַֽיִּלְכְּד֑וּהָ וַֽיְמַהֲר֔וּ וַיַּצִּ֥יתוּ אֶת־הָעִ֖יר בָּאֵֽשׁ׃
BernfeldDa erhob sich der Hinterhalt eilends von seinem Orte, und stürzte davon, da [Josua] seine Hand ausstreckte, und kam in die Stadt und nahm sie ein und zündete eilends die Stadt mit Feuer an.
R. BreuerDa erhob sich der Hinterhalt eilends von seinem Orte, sie stürzten hervor, als er seine Hand ausstreckte, kamen zur Stadt, nahmen sie ein und beeilten sich, die Stadt in Brand zu stecken.
20
וַיִּפְנ֣וּ אַנְשֵׁי֩ הָעַ֨י אַחֲרֵיהֶ֜ם וַיִּרְא֗וּ וְהִנֵּ֨ה עָלָ֜ה עֲשַׁ֤ן הָעִיר֙ הַשָּׁמַ֔יְמָה וְלֹא־הָיָ֨ה בָהֶ֥ם יָדַ֛יִם לָנ֖וּס הֵ֣נָּה וָהֵ֑נָּה וְהָעָם֙ הַנָּ֣ס הַמִּדְבָּ֔ר נֶהְפַּ֖ךְ אֶל־הָֽרוֹדֵֽף׃
BernfeldDie Leute von Ai kehrten sich um und schauten, wie der Rauch der Stadt zum Himmel aufstieg, und sie hatten keine Kraft zu fliehen dahin oder dorthin, denn das Volk [Israel], das nach der Wüste zu geflohen war, wandte sich gegen den Verfolger.
R. BreuerAls sich nun die Männer von Ai umwandten und sahen, wie der Rauch von der Stadt zum Himmel aufstieg, da hatten sie keine Kraft mehr, dahin oder dorthin zu fliehen; das Volk aber, das nach der Wüste floh, wandte sich nun gegen den Verfolger.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 20. Der aufsteigende Rauch ließ die Männer von Ai sofort den ganzen Ernst der Situation erkennen. Vor ihnen und hinter ihnen stand nun der Feind. Denn mit einem Male verwandelte sich nun das Heer der Flüchtigen in den Angreifer seines bisherigen Verfolgers. Wohin hätten sie nun fliehen sollen?
21
וִיהוֹשֻׁ֨עַ וְכׇל־יִשְׂרָאֵ֜ל רָא֗וּ כִּֽי־לָכַ֤ד הָאֹרֵב֙ אֶת־הָעִ֔יר וְכִ֥י עָלָ֖ה עֲשַׁ֣ן הָעִ֑יר וַיָּשֻׁ֕בוּ וַיַּכּ֖וּ אֶת־אַנְשֵׁ֥י הָעָֽי׃
BernfeldDenn da Josua und ganz Israel sahen, dass der Hinterhalt die Stadt eingenommen und dass der Rauch der Stadt aufstieg, so kehrten sie um und schlugen die Leute von Ai.
R. BreuerUnd als Josua und ganz Jisrael sahen, daß der Hinterhalt die Stadt erobert hatte und daß der Rauch der Stadt aufstieg, da machten sie kehrt und schlugen die Männer von Ai.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 21. Nachdem bereits im vorigen Verse erzählt wurde, daß die Fliehenden sich gegen den Angreifer wandten, scheint das Neue, wovon der vorliegende Vers erzählt, bloß die Tatsache der Wiedervereinigung Josuas mit seinem Heere zu sein: was eine Bestätigung der zu V. 18 vorgetragenen Annahme ist, wonach Josua sich von seinen Leuten getrennt habe, um dem Hinterhalte das Signal mit der Lanze zu geben. Es ist auch klar, warum hier die beiden Umstände genannt werden, die das Heer zur Umkehr bewogen: die Einnahme der Stadt und das Aufsteigen des Rauches. Den aufsteigenden Rauch konnte auch das „nach der Wüste fliehende Volk“ (V. 20) wahrnehmen. Dagegen konnte die Eroberung von Ai nur von Josua konstatiert werden, der sich zur Zeit des Angriffs in der Nähe der Stadt befand und sich jetzt zu gemeinsamem Vorgehen dem Heere wieder anschloß.
22
וְאֵ֨לֶּה יָצְא֤וּ מִן־הָעִיר֙ לִקְרָאתָ֔ם וַיִּֽהְי֤וּ לְיִשְׂרָאֵל֙ בַּתָּ֔וֶךְ אֵ֥לֶּה מִזֶּ֖ה וְאֵ֣לֶּה מִזֶּ֑ה וַיַּכּ֣וּ אוֹתָ֔ם עַד־בִּלְתִּ֥י הִשְׁאִֽיר־ל֖וֹ שָׂרִ֥יד וּפָלִֽיט׃
BernfeldJene kamen aus der Stadt ihnen entgegen und Israel bekam sie in die Mitte, die einen hier, die andern dort, und sie schlugen sie, bis dass ihnen kein Entronnener und kein Flüchtling übrigblieb.
R. BreuerUnd jene zogen ihnen von der Stadt aus entgegen, und so gerieten sie Jisrael in die Mitte, diese von hier und jene von dort. Man schlug sie derart, daß kein Einziger entfliehen und sich retten konnte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 22. ואלה: Die Männer des Hinterhaltes zogen, nachdem sie die Stadt in Brand gesetzt hatten, לקראתם den Männern von Ai entgegen, und diese gerieten so „Israel in die Mitte“: von zwei Seiten bedrängt, konnten sie nicht verhindern, daß der Feind sie völlig aufrieb.
23
וְאֶת־מֶ֥לֶךְ הָעַ֖י תָּ֣פְשׂוּ חָ֑י וַיַּקְרִ֥בוּ אֹת֖וֹ אֶל־יְהוֹשֻֽׁעַ׃
BernfeldDen König von Ai ergriffen sie lebendig und führten ihn zu Josua.
R. BreuerDen König von Ai ergriffen sie lebendig und brachten ihn vor Josua.
24
וַיְהִ֣י כְּכַלּ֣וֹת יִשְׂרָאֵ֡ל לַהֲרֹג֩ אֶת־כׇּל־יֹשְׁבֵ֨י הָעַ֜י בַּשָּׂדֶ֗ה בַּמִּדְבָּר֙ אֲשֶׁ֣ר רְדָפ֣וּם בּ֔וֹ וַֽיִּפְּל֥וּ כֻלָּ֛ם לְפִי־חֶ֖רֶב עַד־תֻּמָּ֑ם וַיָּשֻׁ֤בוּ כׇל־יִשְׂרָאֵל֙ הָעַ֔י וַיַּכּ֥וּ אֹתָ֖הּ לְפִי־חָֽרֶב׃
BernfeldAls Israel alle Bewohner von Ai getötet auf dem Felde, in der Wüste, wohin sie dieselben verfolgt hatten, und sie alle durch die Schärfe des Schwertes gefallen waren, bis sie dahin waren, — da kehrte ganz Israel nach Ai zurück und schlugen es mit der Schärfe des Schwertes.
R. BreuerUnd als nun Jisrael alle Einwohner von Ai getötet, auf dem Felde, in der Wüste, wo man sie verfolgt hatte und sie alle durch die Schärfe des Schwertes gefallen waren bis auf den letzten Mann, da wandte sich ganz Jisrael gegen Ai und schlug es mit der Schärfe des Schwertes.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 24. וישבו כל ישראל וגו'. Nachdem, wie V. 16 berichtete, „das ganze Volk von Ai“ sich unter den Verfolgern befand, deren Untergang V. 21 und 22 schilderten, können diejenigen, die in Ai selbst der Schärfe des Schwertes zum Opfer fielen, nur die kampfesunfähigen Elemente der Stadt gewesen sein. Vgl. das מאיש ועד אשה im folgenden Verse.
25
וַיְהִי֩ כׇל־הַנֹּ֨פְלִ֜ים בַּיּ֤וֹם הַהוּא֙ מֵאִ֣ישׁ וְעַד־אִשָּׁ֔ה שְׁנֵ֥ים עָשָׂ֖ר אָ֑לֶף כֹּ֖ל אַנְשֵׁ֥י הָעָֽי׃
BernfeldAlle Gefallenen an diesem Tage Männer und Frauen waren zwölftausend; die ganze Einwohnerschaft von Ai.
R. BreuerUnd es waren alle Gefallenen an diesem Tage, Männer und Frauen, zwölftausend: alle Einwohner von Ai.
26
וִיהוֹשֻׁ֙עַ֙ לֹא־הֵשִׁ֣יב יָד֔וֹ אֲשֶׁ֥ר נָטָ֖ה בַּכִּיד֑וֹן עַ֚ד אֲשֶׁ֣ר הֶחֱרִ֔ים אֵ֖ת כׇּל־יֹשְׁבֵ֥י הָעָֽי׃
BernfeldJosua zog seine Hand nicht zurück, die er ausgestreckt mit der Lanze, bis man alle Bewohner von Ai aufgerieben.
R. BreuerJosua aber hatte seine Hand, die er mit der Lanze ausgestreckt hatte, nicht zurückgezogen, bis er alle Einwohner von Ai gebannt hatte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 26. Das Ausstrecken der Lanze hatte zunächst, wie aus dem Zusammenhang von V. 18 und 19 erhellt, den Zweck eines für den Hinterhalt berechneten Signals. (Siehe das das. Bemerkte.) Nebenbei mag aber auch eine Reminiscenz an das Emporheben der Mosishand im Kampfe Josuas mit Amalek (Ex. 17, 11 f.) in der Absicht des göttlichen Befehls gelegen haben und auch in Josuas emporgehobener Hand „אמונה, das vertrauensvolle sich Hingeben und Anklammern an Gott, das den Sieg erstreitet“ (Komm. das.) zum Ausdruck gekommen sein.
27
רַ֣ק הַבְּהֵמָ֗ה וּשְׁלַל֙ הָעִ֣יר הַהִ֔יא בָּֽזְז֥וּ לָהֶ֖ם יִשְׂרָאֵ֑ל כִּדְבַ֣ר יְהֹוָ֔ה אֲשֶׁ֥ר צִוָּ֖ה אֶת־יְהוֹשֻֽׁעַ׃
BernfeldNur das Vieh und die Beute aus dieser Stadt plünderte Israel für sich, nach dem Worte des Herrn, das er Josua geboten.
R. BreuerNur das Vieh und die Beute dieser Stadt nahm Jisrael für sich, nach dem Worte Gottes, das er Josua geboten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 27. Vgl. V. 2.
28
וַיִּשְׂרֹ֥ף יְהוֹשֻׁ֖עַ אֶת־הָעָ֑י וַיְשִׂימֶ֤הָ תֵּל־עוֹלָם֙ שְׁמָמָ֔ה עַ֖ד הַיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
BernfeldJosua verbrannte Ai und machte es zu einem ewigen Schutthaufen, zur Einöde, bis auf diesen Tag.
R. BreuerDann steckte Josua Ai in Brand und machte es zu einem ewigen Schutthaufen, zur Einöde, bis auf diesen Tag.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 28. Vgl. V. 2; 6, 26; Deut. 13, 17.
29
וְאֶת־מֶ֧לֶךְ הָעַ֛י תָּלָ֥ה עַל־הָעֵ֖ץ עַד־עֵ֣ת הָעָ֑רֶב וּכְב֣וֹא הַשֶּׁ֩מֶשׁ֩ צִוָּ֨ה יְהוֹשֻׁ֜עַ וַיֹּרִ֧ידוּ אֶת־נִבְלָת֣וֹ מִן־הָעֵ֗ץ וַיַּשְׁלִ֤יכוּ אוֹתָהּ֙ אֶל־פֶּ֙תַח֙ שַׁ֣עַר הָעִ֔יר וַיָּקִ֤ימוּ עָלָיו֙ גַּל־אֲבָנִ֣ים גָּד֔וֹל עַ֖ד הַיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃ {פ}
BernfeldDen König von Ai hängte er an das Holz bis zur Zeit des Abends, erst beim Untergange der Sonne gebot Josua und sie nahmen seine Leiche von dem Holze herab und warfen sie vor den Eingang des Stadttores, und errichteten darüber einen großen Steinhaufen, bis auf diesen Tag [zu sehen].
R. BreuerDen König von Ai aber hängte er an einen Baum bis zur Zeit des Abends; als jedoch die Sonne unterging, nahm man auf Befehl Josuas seinen Leichnam von dem Baume ab, warf ihn vor den Eingang des Stadttores und errichtete darüber einen großen Steinhaufen bis auf diesen Tag.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 29. Vgl. Deut. 21, 22 f. und Komm. das. Das wenig respektvolle וישליכו wird durch die erhebende Tatsache paralysiert, daß auch im Körper des Gehängten im Sinne der Thora das Gefäß einer menschlichen Seele geachtet und — was nicht ausdrücklich gesagt, aber aus dem גל אבנים גדול unzweideutig erhellt — begraben werden muß.
עד היום הזה. Der Sinn dieser Schlußworte erfährt im Zeitalter der Feuerbestattung eine seltsame Umbildung: als ein Wahrzeichen der ewig unangreifbaren קבורה-Pflicht ragt der Steinhaufe über dem Grabe des Königs von Ai in die zerrüttete Gegenwart hinein.
30
אָ֣ז יִבְנֶ֤ה יְהוֹשֻׁ֙עַ֙ מִזְבֵּ֔חַ לַֽיהֹוָ֖ה אֱלֹהֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל בְּהַ֖ר עֵיבָֽל׃
BernfeldDamals baute Josua einen Altar dem Herrn, dem Gotte Israels, auf dem Berge Ebal;
R. BreuerDamals baute Josua einen Altar für Gott, den Gott Jisraels, auf dem Berge Ebal;
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 30—32. Vgl. Deut. 27, 1—8 und Komm. das. Moses' Doppelbefehl an das Volk (vgl. Komm. a. a. O. V. 2) gelangt in den Tagen Josuas zur Ausführung: was oben (4, 2—8) begonnen wurde, wird hier vollendet.
משנה תורת משה. Warum das 5. B. M. „Wiederholung des Gesetzes“ genannt wird, darüber siehe Komm. Deut. 1, 3.
31
כַּֽאֲשֶׁ֣ר צִוָּה֩ מֹשֶׁ֨ה עֶֽבֶד־יְהֹוָ֜ה אֶת־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֗ל כַּכָּתוּב֙ בְּסֵ֙פֶר֙ תּוֹרַ֣ת מֹשֶׁ֔ה מִזְבַּח֙ אֲבָנִ֣ים שְׁלֵמ֔וֹת אֲשֶׁ֛ר לֹא־הֵנִ֥יף עֲלֵיהֶ֖ן בַּרְזֶ֑ל וַיַּעֲל֨וּ עָלָ֤יו עֹלוֹת֙ לַֽיהֹוָ֔ה וַֽיִּזְבְּח֖וּ שְׁלָמִֽים׃
BernfeldSo wie Mose, der Knecht des Herrn, den Kindern Israel geboten, wie geschrieben im Buche der Lehre Moses: Einen Altar, aus ganzen Steinen, worüber man nicht Eisen geschwungen; sie brachten darauf dar Ganzopfer dem Herrn und schlachteten Mahlopfer.
R. Breuerwie Moses, der Diener Gottes, den Söhnen Jisraels geboten, wie geschrieben ist in dem Buche der Lehre Moses': Einen Altar aus ungekürzten Steinen, über welche man nicht Eisen geschwungen; sie brachten darauf Emporopfer Gott und schlachteten Friedensmahlopfer.
32
וַיִּכְתׇּב־שָׁ֖ם עַל־הָאֲבָנִ֑ים אֵ֗ת מִשְׁנֵה֙ תּוֹרַ֣ת מֹשֶׁ֔ה אֲשֶׁ֣ר כָּתַ֔ב לִפְנֵ֖י בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldUnd man schrieb daselbst auf die Steine die Wiederholung der Lehre Moses, die er vorgeschrieben den Kindern Israel.
R. BreuerDann schrieb er dort auf die Steine die Wiederholung der Lehre Moses', die er vorgeschrieben den Söhnen Jisraels.
33
וְכׇל־יִשְׂרָאֵ֡ל וּזְקֵנָ֡יו וְשֹׁטְרִ֣ים ׀ וְשֹׁפְטָ֡יו עֹמְדִ֣ים מִזֶּ֣ה ׀ וּמִזֶּ֣ה ׀ לָאָר֡וֹן נֶ֩גֶד֩ הַכֹּהֲנִ֨ים הַלְוִיִּ֜ם נֹשְׂאֵ֣י ׀ אֲר֣וֹן בְּרִית־יְהֹוָ֗ה כַּגֵּר֙ כָּאֶזְרָ֔ח חֶצְיוֹ֙ אֶל־מ֣וּל הַר־גְּרִזִ֔ים וְהַחֶצְי֖וֹ אֶל־מ֣וּל הַר־עֵיבָ֑ל כַּאֲשֶׁ֨ר צִוָּ֜ה מֹשֶׁ֣ה עֶבֶד־יְהֹוָ֗ה לְבָרֵ֛ךְ אֶת־הָעָ֥ם יִשְׂרָאֵ֖ל בָּרִאשֹׁנָֽה׃
BernfeldUnd ganz Israel und seine Ältesten, die Beamten und seine Richter standen zu beiden Seiten der Lade, im Angesichte der Priester, der Leviten, der Träger der Bundeslade des Herrn, der Fremdling wie der Eingeborene; die eine Hälfte gewandt zum Berge Gerisim und die andere Hälfte gewandt zum Berge Ebal, wie Mose, der Knecht des Herrn, geboten, das Volk Israel zuvörderst zu segnen.
R. BreuerUnd ganz Jisrael und seine Ältesten, die Ausführungsbeamten und seine Richter standen zu beiden Seiten der Lade, gegenüber den Priestern, den Leviten, welche die Bundeslade Gottes trugen, der Fremdling wie der Eingeborene, die eine Hälfte zum Berge Gerisim gewandt und die andere Hälfte zum Berge Ebal gewandt, wie Moscheh, der Diener Gottes, befohlen, das Volk Jisrael zuerst zu segnen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 33. Vgl. Deut. 27, 11 ff. „Das Gros des Levitenstammes stand mit den übrigen Stämmen am Gerisim (V. 12). In der Mitte zwischen beiden Bergen standen nur die זקני כהונה ולויה, die Ältesten der Priester- und Levitenschaft mit der Bundeslade, oder nur כל הראוי לשרת die zum Dienst am Heiligtum Berufenen, im Alter zwischen 30 und 50 Jahren (Sota 37 a und 4. B. M. Kap. 4; — siehe Josua 8, 33). Nach einer Auffassung (daselbst) standen sowohl die Volksstämme als die Leviten zwischen den Bergen und das על הר גריזים (V. 12) hieße nur: bei בסמוך, wie ונתת על המערכת לבונה זכה (3. B. M. 24, 7) הפכו פניהם כלפי הר גריזים ופתחו בברכה, כלפי הר עיבל ופתחו בקללה, sie wandten sich dem Gerisim zu und begannen den Segen, dem Ebal zu und begannen den Fluch (daselbst). Es lehrt nämlich die Halacha, daß jeder der folgenden ארור-Sprüche zuerst im verneinenden Gegensatz als ברוך ausgesprochen wurde. Also: ברוך האיש אשר לא יעשה וגו' und dann: ארור האיש אשר יעשה וגו' u. s. w. (daselbst 32 a und 37 b). Damit stimmt ja auch der Wortlaut des V. 12 und 13 und Kap. 11, 29 überein und so lautet auch der Bericht in Josua (daselbst) כאשר צוה משה עבד ד' לברך את העם ישראל בראשנה!“ (Komm. das. zu V. 14)
34
וְאַחֲרֵי־כֵ֗ן קָרָא֙ אֶת־כׇּל־דִּבְרֵ֣י הַתּוֹרָ֔ה הַבְּרָכָ֖ה וְהַקְּלָלָ֑ה כְּכׇל־הַכָּת֖וּב בְּסֵ֥פֶר הַתּוֹרָֽה׃
BernfeldUnd nachher las er all die Worte der Lehre, den Segen und den Fluch, ganz wie geschrieben ist im Buche der Lehre.
R. BreuerUnd nachher las er alle Worte der Lehre, den Segen und den Fluch, ganz wie geschrieben ist im Buche der Lehre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 34. Nachdem den Forderungen des Kap. 27 des 5. Buches Genüge geschehen war, wurden sämtliche Worte der Lehre, soweit sie auf Segen und Fluch sich beziehen, also Kap. 28 das. dem Volke verlesen.
35
לֹא־הָיָ֣ה דָבָ֔ר מִכֹּ֖ל אֲשֶׁר־צִוָּ֣ה מֹשֶׁ֑ה אֲשֶׁ֨ר לֹֽא־קָרָ֜א יְהוֹשֻׁ֗עַ נֶ֣גֶד כׇּל־קְהַ֤ל יִשְׂרָאֵל֙ וְהַנָּשִׁ֣ים וְהַטַּ֔ף וְהַגֵּ֖ר הַהֹלֵ֥ךְ בְּקִרְבָּֽם׃
BernfeldEs war nicht ein Wort von allem, was Mose geboten, das Josua vor der ganzen Versammlung Israels und den Frauen und Kindern und dem Fremdling, der unter ihnen mitzog, nicht gelesen hat.
R. BreuerEs war nicht ein Wort von allem, was Mosche geboten, das Josua nicht verlesen hätte vor der ganzen Versammlung Jisraels, den Frauen, Kindern und dem Fremdling, der mitzog in ihrer Mitte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 35. Eine so ausführliche Verlesung war nicht ausdrücklich geboten, wohl aber, wie es scheint, in dem באר היטב (Deut. 27, 8) mitinbegriffen, das ja nach Sota 32 a in dem Sinne wie הואיל משה באר את התורה הזאת (Deut. 1, 5) zu verstehen ist. Vgl. Komm. das.