1
וַיְהִ֣י כִשְׁמֹ֣עַ כׇּל־מַלְכֵ֣י הָאֱמֹרִ֡י אֲשֶׁר֩ בְּעֵ֨בֶר הַיַּרְדֵּ֜ן יָ֗מָּה וְכׇל־מַלְכֵ֤י הַֽכְּנַעֲנִי֙ אֲשֶׁ֣ר עַל־הַיָּ֔ם אֵ֠ת אֲשֶׁר־הוֹבִ֨ישׁ יְהֹוָ֜ה אֶת־מֵ֧י הַיַּרְדֵּ֛ן מִפְּנֵ֥י בְנֵי־יִשְׂרָאֵ֖ל עַד־[עׇבְרָ֑ם] (עברנו) וַיִּמַּ֣ס לְבָבָ֗ם וְלֹא־הָ֨יָה בָ֥ם עוֹד֙ ר֔וּחַ מִפְּנֵ֖י בְּנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃ {פ}
BernfeldAls alle Könige des Emori, diesseits des Jordan westwärts, und alle Könige des Kanaan am Meere, hörten, dass der Herr ausgetrocknet das Wasser des Jordan vor den Kindern Israel, bis sie hinüber waren, da schmolz ihr Herz, und es war kein Mut mehr in ihnen vor den Kindern Israel.
R. BreuerEs war nun, als alle Könige des Emoriten, jenseits des Jarden nach dem Westen, und alle Könige des Kenaniters, am Meere, hörten, daß Gott ausgetrocknet hatte das Wasser des Jarden vor den Söhnen Jisraels, bis sie hinübergezogen waren, da ward verzagt ihr Herz und es blieb in ihnen kein Mut mehr vor den Söhnen Jisraels.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 5. V. 1. Der Vergleich des Übergangs über den Jarden mit dem Zug durchs Schilfmeer, womit das vorige Kapitel in historischer Würdigung beider Ereignisse als Offenbarungen der göttlichen Allmacht für Israel und die gesamte Menschheit ausklang, wird hier gleich zu Beginn des neuen Abschnitts treffend durch die Tatsache illustriert, daß die „Herzensverzagtheit“ und das „Schwinden des Mutes“ bei den Feinden Israels hier als Folge des Zuges durch den Jarden, oben aber in Rachabs-Schilderung (2, 11) als Folge des Zuges durch das Schilfmeer bezeichnet wird. Beides wirkte zusammen: Was am Schilfmeer begann, wurde am Jarden nach der gleichen Richtung hin verstärkt.
Haftarah Pessach, 1. Tag Sefardim stellen Joschua 3,5–7 voran.
2
בָּעֵ֣ת הַהִ֗יא אָמַ֤ר יְהֹוָה֙ אֶל־יְהוֹשֻׁ֔עַ עֲשֵׂ֥ה לְךָ֖ חַֽרְב֣וֹת צֻרִ֑ים וְשׁ֛וּב מֹ֥ל אֶת־בְּנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל שֵׁנִֽית׃
BernfeldIn jener Zeit sprach der Herr zu Josua: Mache dir scharfe Messer und beschneide die Kinder Israel zum zweiten Male.
R. BreuerIn dieser Zeit sprach Gott zu Josua: Mache dir (scharfe) Steinmesser und beschneide wieder die Söhne Jisraels zum zweiten Male.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 2. בעת ההיא. Wenn der abermalige Befehl zur Beschneidung gerade in dem Augenblick erging, wo der Ruf des von Gottes Allmacht gestützten und getragenen Israel alle umwohnenden Völkerschaften erzittern machte, so mag dabei weniger ein politisches Motiv wirksam gewesen sein, als ob die Angst seiner Feinde sie verhindern würde, das durch die Milah geschwächte Volk anzugreifen, vielmehr dürfte es für das siegreiche Auftreten Israels von Belang gewesen sein, noch bevor es in den Kampf gegen die Einwohner des Landes zog, sich der חרפת מצרים (vgl. weiter V. 9) zu entledigen, die der eigentliche Anlaß zum Befehl der nachträglichen Beschneidung aller in der Wüste Geborenen war. Darum gerade: בעת ההיא וגו'. Erst galt es noch, einer jüdischen Pflichtforderung Genüge zu tun, wie groß auch der Anreiz war, in raschem Entschluß sich unverzüglich auf den zitternden Feind zu stürzen.
צרים. Vgl. Ex. 4, 25; Ps. 89, 44.
שנית. Warum, nachdem bereits in der Nacht des Auszugs aus Mizrajim die מילה vollzogen ward, nunmehr der Befehl dazu abermals erging, wird sofort in den folgenden Versen näher angegeben.
3
וַיַּעַשׂ־ל֥וֹ יְהוֹשֻׁ֖עַ חַֽרְב֣וֹת צֻרִ֑ים וַיָּ֙מׇל֙ אֶת־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל אֶל־גִּבְעַ֖ת הָעֲרָלֽוֹת׃
BernfeldJosua machte sich scharfe Messer und beschnitt die Kinder Israel am Hügel der Vorhäute.
R. BreuerJosua machte sich (scharfe) Steinmesser und beschnitt die Söhne Jisraels am „Hügel der Vorhäute.“
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 3. גבעת הערלות. Unter diesem Namen lebte später die Stätte, wo die nachträgliche מילה vollzogen war, im Gedächtnis des Volkes weiter.
4
וְזֶ֥ה הַדָּבָ֖ר אֲשֶׁר־מָ֣ל יְהוֹשֻׁ֑עַ כׇּל־הָעָ֣ם הַיֹּצֵא֩ מִמִּצְרַ֨יִם הַזְּכָרִ֜ים כֹּ֣ל ׀ אַנְשֵׁ֣י הַמִּלְחָמָ֗ה מֵ֤תוּ בַמִּדְבָּר֙ בַּדֶּ֔רֶךְ בְּצֵאתָ֖ם מִמִּצְרָֽיִם׃
BernfeldUnd dies ist die Bewandtnis mit der Beschneidung durch Josua. All das Volk, das aus Ägypten kam, die Männlichen, all die Kriegsmänner, waren gestorben in der Wüste auf dem Wege bei ihrem Auszuge aus Ägypten.
R. BreuerUnd folgendes war die Veranlassung, aus der Josua die Beschneidung vollzog: das ganze Volk, das aus Aegypten zog, die Männlichen, alle kriegsfähigen Männer, waren in der Wüste gestorben, auf dem Wege bei ihrem Auszuge aus Aegypten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4. כל אנשי המלחמה, „diejenigen, welche zur Zeit der Kundschaftersendung das kriegsfähige Alter hatten, die demzufolge bei der damals bereits beabsichtigten Besitznahme des Landes hätten tätig sein sollen, aus gottvergessenem Kleinmute jedoch vor dieser Aufgabe zurückgeschreckt waren.“ (Komm. Deut. 2, 14)
5
כִּֽי־מֻלִ֣ים הָי֔וּ כׇּל־הָעָ֖ם הַיֹּצְאִ֑ים וְכׇל־הָ֠עָ֠ם הַיִּלֹּדִ֨ים בַּמִּדְבָּ֥ר בַּדֶּ֛רֶךְ בְּצֵאתָ֥ם מִמִּצְרַ֖יִם לֹא־מָֽלוּ׃
BernfeldDenn beschnitten war das ganze ausziehende Volk, aber das ganze Volk, welches in der Wüste geboren worden auf dem Wege bei ihrem Auszuge aus Ägypten, hatte man nicht beschnitten.
R. BreuerDenn beschnitten war das ganze Volk, das auszog; das ganze Volk aber, das in der Wüste geboren wurde auf dem Wege bei ihrem Auszuge aus Aegypten, hatte man nicht beschnitten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 5. לא מלו. Wegen des mangelnden רוח צפונית. Vgl. Jebamoth 71 b.
6
כִּ֣י ׀ אַרְבָּעִ֣ים שָׁנָ֗ה הָלְכ֣וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵל֮ בַּמִּדְבָּר֒ עַד־תֹּ֨ם כׇּל־הַגּ֜וֹי אַנְשֵׁ֤י הַמִּלְחָמָה֙ הַיֹּצְאִ֣ים מִמִּצְרַ֔יִם אֲשֶׁ֥ר לֹא־שָׁמְע֖וּ בְּק֣וֹל יְהֹוָ֑ה אֲשֶׁ֨ר נִשְׁבַּ֤ע יְהֹוָה֙ לָהֶ֔ם לְבִלְתִּ֞י הַרְאוֹתָ֣ם אֶת־הָאָ֗רֶץ אֲשֶׁר֩ נִשְׁבַּ֨ע יְהֹוָ֤ה לַֽאֲבוֹתָם֙ לָ֣תֶת לָ֔נוּ אֶ֛רֶץ זָבַ֥ת חָלָ֖ב וּדְבָֽשׁ׃
BernfeldDenn vierzig Jahre zogen die Kinder Israel in der Wüste, bis dahin war das ganze Volk der Kriegsmänner, die aus Ägypten gegangen, welche nicht gehört auf die Stimme des Herrn, denen Gott geschworen, sie nicht sehen zu lassen das Land, das der Herr ihren Vätern zu geben geschworen, ein Land fließend von Milch und Honig.
R. BreuerDenn vierzig Jahre zogen die Söhne Jisraels in der Wüste, bis geschwunden war das ganze Volk der kriegsfähigen Männer, die aus Aegypten gezogen waren, die nicht gehört auf die Stimme Gottes, denen Gott geschworen, sie nicht sehen zu lassen das Land, das Gott ihren Vätern zugeschworen, es uns zu geben, ein Land, das von Milch und Honig fließt.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 6. Vgl. Num. 14, 28 ff.
7
וְאֶת־בְּנֵיהֶם֙ הֵקִ֣ים תַּחְתָּ֔ם אֹתָ֖ם מָ֣ל יְהוֹשֻׁ֑עַ כִּֽי־עֲרֵלִ֣ים הָי֔וּ כִּ֛י לֹֽא־מָ֥לוּ אוֹתָ֖ם בַּדָּֽרֶךְ׃
BernfeldAber ihre Kinder ließ er bestehen an ihrer statt. Diese beschnitt Josua, denn unbeschnitten waren sie, denn man hatte sie nicht beschnitten auf dem Wege.
R. BreuerAber ihre Kinder ließ er an ihre Stelle treten; sie beschnitt Josua; denn unbeschnitten waren sie, denn man hatte sie nicht beschnitten auf dem Wege.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 7. Vgl. Num. 14, 31. Deut. 1, 39.
8
וַיְהִ֛י כַּאֲשֶׁר־תַּ֥מּוּ כׇל־הַגּ֖וֹי לְהִמּ֑וֹל וַיֵּשְׁב֥וּ תַחְתָּ֛ם בַּֽמַּחֲנֶ֖ה עַ֥ד חֲיוֹתָֽם׃ {פ}
BernfeldAls das ganze Volk sämtlich beschnitten war, blieben sie an ihrem Orte im Lager bis zu ihrer Genesung.
R. BreuerAls nun die Beschneidung des ganzen Volkes vollzogen war, blieben sie an ihrem Orte im Lager bis zu ihrer Genesung.
9
וַיֹּ֤אמֶר יְהֹוָה֙ אֶל־יְהוֹשֻׁ֔עַ הַיּ֗וֹם גַּלּ֛וֹתִי אֶת־חֶרְפַּ֥ת מִצְרַ֖יִם מֵעֲלֵיכֶ֑ם וַיִּקְרָ֞א שֵׁ֣ם הַמָּק֤וֹם הַהוּא֙ גִּלְגָּ֔ל עַ֖ד הַיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
BernfeldDer Herr sprach zu Josua: Heut hab‘ ich abgewälzt die Schmach Ägyptens von euch. Und er nannte den Namen dieses Ortes Gilgal, bis auf diesen Tag.
R. BreuerGott aber sprach zu Josua: Heute habe ich abgewälzt die Schmach Aegyptens von euch. Und er nannte den Namen dieses Ortes Gilgal bis auf diesen Tag.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 9. חרפת מצרים. Wenn das Volk weiter unbeschnitten geblieben wäre, wodurch hätte es sich da von seinen ägyptischen Drängern unterschieden? Heute erst ward ihm der Stempel seiner jüdischen Bestimmung aufgedrückt. — Zur Bezeichnung des Unbeschnittenseins als חרפה vgl. Gen. 34, 14.
10
וַיַּחֲנ֥וּ בְנֵֽי־יִשְׂרָאֵ֖ל בַּגִּלְגָּ֑ל וַיַּעֲשׂ֣וּ אֶת־הַפֶּ֡סַח בְּאַרְבָּעָה֩ עָשָׂ֨ר י֥וֹם לַחֹ֛דֶשׁ בָּעֶ֖רֶב בְּעַֽרְב֥וֹת יְרִיחֽוֹ׃
BernfeldDie Kinder Israel lagerten in Gilgal, und sie opferten das Pessach am vierzehnten Tage des Monats am Abend in den Ebenen von Jericho.
R. BreuerEs lagerten die Söhne Jisraels in Gilgal; sie vollzogen das Peßachopfer am vierzehnten Tage des Monats am Abend in der Umgegend von Jericho.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 10. בערבות יריחו. „בערבה: aus Kap. 3, 17 und 11, 30 ist ersichtlich, daß diesseits und jenseits des Jordans die Umgegend des toten Meeres, welches selbst ים הערבה heißt, unter ערבה begriffen wird. So auch die Umgegend von Jericho: ערבות יריחו (Jos. 5, 10 und sonst). Es ist übrigens nicht leicht, die Bedeutung von ערבה festzustellen ...“ (s. das.) Komm. Deut. 1, 7.
11
וַיֹּ֨אכְל֜וּ מֵעֲב֥וּר הָאָ֛רֶץ מִמׇּחֳרַ֥ת הַפֶּ֖סַח מַצּ֣וֹת וְקָל֑וּי בְּעֶ֖צֶם הַיּ֥וֹם הַזֶּֽה׃
BernfeldSie aßen von dem Ertrage des Landes, vom folgenden Tage des Pessach an, ungesäuerte Brote und Geröstetes an eben diesem Tage.
R. BreuerSie aßen von dem Ertrage des Landes vom Tage nach dem Peßach ungesäuerte Brote und Geröstetes an eben diesem Tage.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 11. ממחרת הפסח. Vgl. Komm. Lev. 23, 11 und die daselbst citierte Stelle in Maimonides (הל' תמידין ומוספים VII, 11), die auf vorliegenden Vers hinweist, „wo, ganz übereinstimmend mit der tradierten Halacha, der Genuß von der neuen Landesfrucht an den Tag nach dem ersten Festtag geknüpft ist.“ Vgl. auch die sehr interessante Auseinandersetzung in der Anmerkung zu S. 420 der „Ges. Schr.“ Bd. VI.
קלוי. Vgl. Komm. Lev. 2, 14.
12
וַיִּשְׁבֹּ֨ת הַמָּ֜ן מִֽמׇּחֳרָ֗ת בְּאׇכְלָם֙ מֵעֲב֣וּר הָאָ֔רֶץ וְלֹא־הָ֥יָה ע֛וֹד לִבְנֵ֥י יִשְׂרָאֵ֖ל מָ֑ן וַיֹּאכְל֗וּ מִתְּבוּאַת֙ אֶ֣רֶץ כְּנַ֔עַן בַּשָּׁנָ֖ה הַהִֽיא׃ {ס}
BernfeldDas Manna blieb nun aus vom folgenden Tage an, da sie von dem Ertrage des Landes aßen, und es kam für die Kinder Israel kein Manna mehr. Sie aßen von dem Ertrage des Landes Kanaan in diesem Jahre.
R. BreuerEs hörte das Man auf vom folgenden Tage, da sie von dem Ertrage des Landes aßen, und es ward den Söhnen Jisraels kein Man mehr. Sie aßen von dem Ertrage des Landes Kenaan in diesem Jahre.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 12. Vgl. Komm. Ex. 16, 35.
13
וַיְהִ֗י בִּֽהְי֣וֹת יְהוֹשֻׁ֘עַ֮ בִּֽירִיחוֹ֒ וַיִּשָּׂ֤א עֵינָיו֙ וַיַּ֔רְא וְהִנֵּה־אִישׁ֙ עֹמֵ֣ד לְנֶגְדּ֔וֹ וְחַרְבּ֥וֹ שְׁלוּפָ֖ה בְּיָד֑וֹ וַיֵּ֨לֶךְ יְהוֹשֻׁ֤עַ אֵלָיו֙ וַיֹּ֣אמֶר ל֔וֹ הֲלָ֥נוּ אַתָּ֖ה אִם־לְצָרֵֽינוּ׃
BernfeldAls Josua vor Jericho war, da hub er seine Augen auf und sah einen Mann vor ihm stehen und ein gezücktes Schwert in seiner Hand. Und Josua ging auf ihn zu und sprach zu ihm: Bist du für uns oder für unsere Feinde?
R. BreuerEs war nun, als Josua bei Jericho war, da hob er seine Augen auf und sah: da stand ein Mann ihm gegenüber, und ein gezücktes Schwert war in seiner Hand. Da ging Josua hin zu ihm und sprach zu ihm: Gehörst du zu uns oder zu unseren Feinden?
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13. ביריחו. Da sich Josua noch nicht in Jericho befand, kann ביריחו der überlieferten Auffassung gemäß (vgl. Raschi) nur das Weichbild der Stadt bedeuten.
14
וַיֹּ֣אמֶר ׀ לֹ֗א כִּ֛י אֲנִ֥י שַׂר־צְבָֽא־יְהֹוָ֖ה עַתָּ֣ה בָ֑אתִי וַיִּפֹּל֩ יְהוֹשֻׁ֨עַ אֶל־פָּנָ֥יו אַ֙רְצָה֙ וַיִּשְׁתָּ֔חוּ וַיֹּ֣אמֶר ל֔וֹ מָ֥ה אֲדֹנִ֖י מְדַבֵּ֥ר אֶל־עַבְדּֽוֹ׃
BernfeldUnd er sprach: Nein, ich bin ein Heerführer des Herrn. Eben bin ich gekommen. Josua fiel auf sein Angesicht zur Erde und bückte sich und sprach zu ihm. Was hat mein Herr seinem Knecht zu sagen?
R. BreuerEr antwortete: Nein, als ein Heerführer Gottes bin ich soeben gekommen. Da fiel Josua auf sein Angesicht zur Erde nieder, bückte sich und sprach zu ihm: Was hat mein Herr seinem Knechte zu sagen?
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 14. Weder Freund noch Feind bin ich, wie du vermutest, sondern abgesandt von Gott, dem Leiter aller Kriege. — Josua aber fragt nicht mehr, sondern fällt zu Boden und bittet, ihm den Befehl zu künden, den ihm Gott übermitteln lasse.
15
וַיֹּ֩אמֶר֩ שַׂר־צְבָ֨א יְהֹוָ֜ה אֶל־יְהוֹשֻׁ֗עַ שַׁל־נַֽעַלְךָ֙ מֵעַ֣ל רַגְלֶ֔ךָ כִּ֣י הַמָּק֗וֹם אֲשֶׁ֥ר אַתָּ֛ה עֹמֵ֥ד עָלָ֖יו קֹ֣דֶשׁ ה֑וּא וַיַּ֥עַשׂ יְהוֹשֻׁ֖עַ כֵּֽן׃
BernfeldDer Heerführer des Herrn sprach zu Josua: Ziehe deinen Schuh von deinem Fuße, denn der Ort, auf dem du stehest, ist heilig. Josua tat also.
R. BreuerDa sprach der Heerführer Gottes zu Josua: Ziehe deinen Schuh von deinem Fuße, denn der Ort, auf welchem du stehst, ist von heiliger Bestimmung. Da tat Josua also.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 15. Vgl. Ex. 3, 5. „Ausziehen der Schuhe drückt die gänzliche Hingebung an die Bedeutung einer Stätte aus, seine Persönlichkeit ganz und unvermittelt auf ihr und in ihr Stand und Stellung gewinnen lassen.“ (Komm. das.) „Josua hatte aus Moschehs Händen die Weiterführung des Volkes in das verheißene Land und die Eroberung desselben übernommen. Er stand soeben vor Jericho, im Begriff seine Feldherrnwirksamkeit mit der ersten Eroberung zu eröffnen. Da erscheint ihm ein schwertgerüsteter Gottesbote, der auf Josuas Frage: „Was spricht mein Herr zu seinem Diener?“ nur die kurze Weisung zu einer symbolischen Handlung erteilt: „Ziehe deinen Schuh von deinem Fuße, denn der Boden, auf dem du stehest, ist heilig!“ (Josua Kap. 5 V. 15). Josua tat also — und sollte damit wohl von vornherein die Heiligkeit und die Gotteshörigkeit und die göttliche Bestimmung des Bodens, den zu erobern er sich anschickte, beherzigen, auf daß er auch mit seinem Schwerte sich im Dienste Gottes begriffe und den Erfolg seines Unternehmens nicht von seinem Schwerte, sondern von Gott erwarte.“ (Ges. Schr. III, 241) Ob hier, weil die Sendung des Boten nur die Aufforderung des Schuhausziehens bezweckte, nicht Gott selbst sein Wort an Josua richtete, während die Erscheinung am Dornbusch, wo sich Gott unvermittelt Moses offenbarte, den Befehl של נעליך nur als Einleitung der kommenden Rede ergehen ließ, sei als Vermutung ausgesprochen.