1
וַיַּשְׁכֵּם֩ יְהוֹשֻׁ֨עַ בַּבֹּ֜קֶר וַיִּסְע֣וּ מֵהַשִּׁטִּ֗ים וַיָּבֹ֙אוּ֙ עַד־הַיַּרְדֵּ֔ן ה֖וּא וְכׇל־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל וַיָּלִ֥נוּ שָׁ֖ם טֶ֥רֶם יַעֲבֹֽרוּ׃
BernfeldJosua stand morgens früh auf, und sie brachen auf von Sittim und kamen bis zum Jordan, er und all die Kinder Israel, und übernachteten dort, ehe sie über [den Jordan] gingen.
R. BreuerJosua stand früh morgens auf, und sie zogen von Schittim fort und kamen zum Jarden, er und alle Söhne Israels; dort übernachteten sie, bevor sie hinüberzogen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
Kap. 3. V. 1. וישכם — ויסעו. Es ist nicht biblische Art, in breiten Worten die Vorzüge ihrer Helden zu rühmen. Doch schimmert die Bewunderung zuweilen in kleinen Wortnuancen durch. So auch hier. Der in וישכם und ויסעו hervortretende Subjektwechsel vom Singular zum Plural deutet Josuas einsame Größe an, der allein schon lange wacht, wenn noch die Vielen schlafen und, erfüllt von der Sorge für des Volkes Wohl, selbstlos und frisch in früher Morgenstunde die Aufgaben des Tages bedenkt.
2
וַיְהִ֕י מִקְצֵ֖ה שְׁלֹ֣שֶׁת יָמִ֑ים וַיַּעַבְר֥וּ הַשֹּׁטְרִ֖ים בְּקֶ֥רֶב הַֽמַּחֲנֶֽה׃
BernfeldNach Verlauf von drei Tagen gingen die Beamten im Lager umher,
R. BreuerEs war nach Verlauf von drei Tagen, da gingen die Amtsleute im Lager umher,
3
וַיְצַוּוּ֮ אֶת־הָעָ֣ם לֵאמֹר֒ כִּרְאֹתְכֶ֗ם אֵ֣ת אֲר֤וֹן בְּרִית־יְהֹוָה֙ אֱלֹ֣הֵיכֶ֔ם וְהַכֹּֽהֲנִים֙ הַלְוִיִּ֔ם נֹשְׂאִ֖ים אֹת֑וֹ וְאַתֶּ֗ם תִּסְעוּ֙ מִמְּק֣וֹמְכֶ֔ם וַהֲלַכְתֶּ֖ם אַחֲרָֽיו׃
BernfeldUnd geboten dem Volke also: Wie ihr die Bundeslade des Herrn, eures Gottes, sehet und die Priester, die Leviten, tragen sie, so brechet ihr auf von eurem Orte und folget ihr.
R. Breuerund geboten dem Volke: Wenn ihr die Bundeslade Gottes, eures Gottes, sehet, und die Priester, die Leviten, tragen sie, so brechet auf von eurem Orte und folget ihr.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 3. והכהנים הלוים נשאים אתו. „Die Bundeslade war sonst von den Leviten des Stammes Kehath zu tragen (4. B. M. 3, 31), und so heißen auch V. 25 die Leviten, הלוים נשאי ארון וגו'. Allein ausnahmsweise bei besonders hervorragender Gelegenheit wurde sie von Priestern getragen. So beim Durchzug durch den Jordan (Josua 3, 3 f.), bei der Umschreitung Jerichos (daselbst 6, 6) und bei der endlichen Einbringung derselben in das Allerheiligste des von Salomo erbauten Tempels (Kön. I. 8, 3; siehe Sota 33 b) . . .“ (Komm. Deut. 31, 9)
4
אַ֣ךְ ׀ רָח֣וֹק יִֽהְיֶ֗ה בֵּֽינֵיכֶם֙ וּבֵנָ֔יו כְּאַלְפַּ֥יִם אַמָּ֖ה בַּמִּדָּ֑ה אַֽל־תִּקְרְב֣וּ אֵלָ֗יו לְמַ֤עַן אֲשֶׁר־תֵּֽדְעוּ֙ אֶת־הַדֶּ֙רֶךְ֙ אֲשֶׁ֣ר תֵּֽלְכוּ־בָ֔הּ כִּ֣י לֹ֧א עֲבַרְתֶּ֛ם בַּדֶּ֖רֶךְ מִתְּמ֥וֹל שִׁלְשֽׁוֹם׃ {פ}
Bernfeld(Aber ihr sollt gegen zwei tausend Ellen nach dem Maße von [der Bundeslade] fern sein; nahet ihr nicht). Auf dass ihr wisset den Weg, auf dem ihr gehen sollet; denn ihr seid des Weges nicht gezogen gestern und ehegestern.
R. BreuerJedoch es soll ein Abstand sein zwischen euch und ihr von etwa zweitausend Ellen im Maß; nähert euch ihr nicht, damit ihr den Weg wisset, den ihr gehen sollt, denn ihr seid dieses Weges nicht gezogen gestern und ehegestern.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 4. כאלפים אמה. Num. 2, 2 heißt es: מנגד סביב לאהל מועד יחנו, aus der Ferne rings um das Zusammenkunftsbestimmungszelt sollen sie lagern. Nach במדבר רבה daselbst bedeutet מנגד „die Entfernung einer מיל, d. i. zweitausend Ellen, einem תחום שבת entsprechend, damit sie, wie es dort heißt, am Sabbat zum אהל מועד kommen konnten. So auch Josua 3, 4.“ (Komm. das.)
למען. Nach Raschi bezieht sich dieser Satz zurück auf והלכתם אחריו im vorigen Vers, sodaß die erste Hälfte von V. 4 als eingeschobener Satz aufzufassen ist. רלב"ג dagegen läßt den mit למען eingeleiteten Satz von אל תקרבו אליו abhängig sein und zwar in folgendem Sinne: Nähert euch der Lade nicht, damit ihr sehen könnet, auf welchen Weg sie euch führt; denn nur, wenn sie in einiger Entfernung sich von euch befindet, kann sie von euch allen geschaut werden. Für diese Auffassung spricht auch, wie Malbim z. St. bemerkt, das auf במדה und nicht — wie Raschis Auffassung es erforderte — auf אליו ruhende אתנחתא.
5
וַיֹּ֧אמֶר יְהוֹשֻׁ֛עַ אֶל־הָעָ֖ם הִתְקַדָּ֑שׁוּ כִּ֣י מָחָ֗ר יַעֲשֶׂ֧ה יְהֹוָ֛ה בְּקִרְבְּכֶ֖ם נִפְלָאֽוֹת׃
BernfeldJosua sprach zum Volke: Seid bereit, denn morgen wird der Herr in eurer Mitte Wunder thun.
R. BreuerJosua sprach zum Volke: Denkt an eure Heiligung, denn morgen wird Gott in eurer Mitte Wunder vollbringen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 5. התקדשו. Vgl. Ex. 19, 10. 14. 22. Nicht unvorbereitet sollte das Volk den bevorstehenden Wundern entgegengehen, ähnlich wie einst התקדשות zur Entgegennahme des Gesetzes rüsten sollte. Vgl. Komm. das.
6
וַיֹּ֤אמֶר יְהוֹשֻׁ֙עַ֙ אֶל־הַכֹּהֲנִ֣ים לֵאמֹ֔ר שְׂאוּ֙ אֶת־אֲר֣וֹן הַבְּרִ֔ית וְעִבְר֖וּ לִפְנֵ֣י הָעָ֑ם וַיִּשְׂאוּ֙ אֶת־אֲר֣וֹן הַבְּרִ֔ית וַיֵּֽלְכ֖וּ לִפְנֵ֥י הָעָֽם׃ {ס}
BernfeldJosua sprach dann zu den Priestern also: Traget die Bundeslade und ziehet hin vor dem Volke. Und sie trugen die Bundeslade und gingen vor dem Volke.
R. BreuerDann sprach Josua zu den Priestern: Traget die Bundeslade und ziehet vor dem Volke einher. Da trugen sie die Bundeslade und zogen vor dem Volke einher.
7
וַיֹּ֤אמֶר יְהֹוָה֙ אֶל־יְהוֹשֻׁ֔עַ הַיּ֣וֹם הַזֶּ֗ה אָחֵל֙ גַּדֶּלְךָ֔ בְּעֵינֵ֖י כׇּל־יִשְׂרָאֵ֑ל אֲשֶׁר֙ יֵֽדְע֔וּן כִּ֗י כַּאֲשֶׁ֥ר הָיִ֛יתִי עִם־מֹשֶׁ֖ה אֶהְיֶ֥ה עִמָּֽךְ׃
BernfeldUnd der Herr sprach zu Josua: Diesen Tag beginne ich, dich groß zu machen in den Augen von ganz Israel, die erkennen sollen, dass, wie ich gewesen mit Mose, ich auch mit dir sein werde.
R. BreuerGott aber sprach zu Josua: Diesen Tag beginne ich dich groß zu machen in den Augen von ganz Jisrael, die erkennen sollen, daß, wie ich gewesen bin mit Moscheh, ich auch mit dir sein werde.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 7. Vgl. Deut. 2, 25.
Haftarah Pessach, 1. Tag Ende des vorangestellten Teils (Sefardim); weiter bei der Haftarah.
8
וְאַתָּ֗ה תְּצַוֶּה֙ אֶת־הַכֹּ֣הֲנִ֔ים נֹֽשְׂאֵ֥י אֲרֽוֹן־הַבְּרִ֖ית לֵאמֹ֑ר כְּבֹאֲכֶ֗ם עַד־קְצֵה֙ מֵ֣י הַיַּרְדֵּ֔ן בַּיַּרְדֵּ֖ן תַּעֲמֹֽדוּ׃ {פ}
BernfeldGebiete den Priestern, den Trägern der Bundeslade, also: Wie ihr an den Rand der Wasser des Jordan kommet, steht im Jordan still.
R. BreuerDu aber gebiete den Priestern, den Trägern der Bundeslade: Wenn ihr an den Rand des Wassers des Jarden kommt, dann stehet im Jarden still.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 8. כבאכם עד קצה מי הירדן. Erst aus V. 15 ist klar, wie dies zu verstehen sei: nicht — wie man es wörtlich auffassen könnte — „wenn ihr an das Ufer des Jarden kommt“, sondern (wie auch Raschi bemerkt): „wenn ihr das Jardenufer überschritten haben werdet“, dann stehet sofort im Jarden still und verharret darin, bis das ganze Volk an das jenseitige Ufer gelangt ist.
9
וַיֹּ֥אמֶר יְהוֹשֻׁ֖עַ אֶל־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֑ל גֹּ֣שׁוּ הֵ֔נָּה וְשִׁמְע֕וּ אֶת־דִּבְרֵ֖י יְהֹוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶֽם׃
BernfeldJosua sprach zu den Kindern Israel: Tretet her und vernehmet die Worte des Herrn, eures Gottes.
R. BreuerEs sprach Josua zu den Söhnen Jisraels: Tretet her und vernehmet die Worte Gottes, eures Gottes!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 9. Die Verheißung des siebten Verses, daß nunmehr der Tag gekommen sei, wo Josua auch seiner göttlichen Beglaubigung nach an die Stelle Moses’ trete, beginnt sich zu verwirklichen. Schon sind es „Worte Gottes, eures Gottes“, zu deren Anhörung Josua das Volk in seine Nähe lädt.
10
וַיֹּ֣אמֶר יְהוֹשֻׁ֔עַ בְּזֹאת֙ תֵּֽדְע֔וּן כִּ֛י אֵ֥ל חַ֖י בְּקִרְבְּכֶ֑ם וְהוֹרֵ֣שׁ יוֹרִ֣ישׁ מִ֠פְּנֵיכֶ֠ם אֶת־הַכְּנַעֲנִ֨י וְאֶת־הַחִתִּ֜י וְאֶת־הַחִוִּ֗י וְאֶת־הַפְּרִזִּי֙ וְאֶת־הַגִּרְגָּשִׁ֔י וְהָאֱמֹרִ֖י וְהַיְבוּסִֽי׃
BernfeldJosua sprach ferner: Hieran sollt ihr erkennen, dass ein lebendiger Gott in eurer Mitte ist, und dass er austreiben wird vor euch den Kanaani und den Hitti und den Hivi und den Perisii und den Girgasi und den Emori und den Jebusi —
R. BreuerDann sprach Josua: Daran sollt ihr erkennen, daß ein lebendiger Gott in eurer Mitte ist und daß er vertreiben wird vor euch den Kanaani, Chitti, Chiwi, Perisi, Girgaschi, Emori und Jebussi.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 10. ויאמר יהושע. Nachdem sich das Volk um ihn versammelt hat, hebt Josua von neuem an und kündigt das bevorstehende Ereignis als Manifestation eines lebendigen Gottes an, der fürwahr mächtig genug sein werde, das Land von seinen feindlichen Einwohnern zu säubern.
11
הִנֵּה֙ אֲר֣וֹן הַבְּרִ֔ית אֲד֖וֹן כׇּל־הָאָ֑רֶץ עֹבֵ֥ר לִפְנֵיכֶ֖ם בַּיַּרְדֵּֽן׃
BernfeldDie Bundeslade des Herrn der ganzen Erde ziehet vor euch her im Jordan.
R. BreuerSiehe, die Bundeslade des Herrn der ganzen Erde zieht vor euch her im Jarden.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 11. ארון כל הארץ. Gar leicht ist kurzsichtiger Menschensinn geneigt, die Enge eines irdischen Symbols auf den Unfaßbaren selbst zu übertragen. Emphatisch ruft darum Josua aus: Seht diese Bundeslade, ein Zeugnis des Weltengottes schreitet in ihr vor euch einher!
12
וְעַתָּ֗ה קְח֤וּ לָכֶם֙ שְׁנֵ֣י עָשָׂ֣ר אִ֔ישׁ מִשִּׁבְטֵ֖י יִשְׂרָאֵ֑ל אִישׁ־אֶחָ֥ד אִישׁ־אֶחָ֖ד לַשָּֽׁבֶט׃
BernfeldNehmet euch [als Zeugen] zwölf Männer von den Stämmen Israels, je einen Mann für den Stamm.
R. BreuerUnd nun nehmet euch zwölf Männer von den Stämmen Jisraels, je einen Mann für den Stamm.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 12. Scheinbar wird der Zusammenhang von V. 11 und 13 durch diesen eingeschobenen Satz, der auf die Begebenheit des folgenden Kapitels (vgl. V. 2 das.) hinweist, unterbrochen. Entweder waren die zwölf Männer, von denen im folgenden Kapitel die Rede ist, andere als die hier — wie Malbim bemerkt — als Zeugen zur unmittelbaren Wahrnehmung des Wunders geladenen, oder sie waren dieselben und nur schon jetzt — wie Raschi bemerkt — für den Befehl, der ihnen bevorstand, vorbereitet. Raschis Auffassung scheint deshalb den Vorzug zu verdienen, weil es doch im vierten Verse des folgenden Kapitels ausdrücklich heißt: ויקרא יהושע אל שנים העשר איש אשר הכין מבני ישראל, womit am ungezwungensten Raschis Deutung harmoniert. Vgl. das zu 4, 2 zu Bemerkende.
13
וְהָיָ֡ה כְּנ֣וֹחַ כַּפּ֣וֹת רַגְלֵ֣י הַכֹּהֲנִ֡ים נֹשְׂאֵי֩ אֲר֨וֹן יְהֹוָ֜ה אֲד֤וֹן כׇּל־הָאָ֙רֶץ֙ בְּמֵ֣י הַיַּרְדֵּ֔ן מֵ֤י הַיַּרְדֵּן֙ יִכָּ֣רֵת֔וּן הַמַּ֥יִם הַיֹּרְדִ֖ים מִלְמָ֑עְלָה וְיַעַמְד֖וּ נֵ֥ד אֶחָֽד׃
BernfeldEs wird geschehen, wie die Fußballen der Priester, der Träger der Lade des Herrn, des Herrn der ganzen Erde, in den Wassern des Jordan stehen, wird das Wasser des Jordan sich trennen, das von oben herabfließende Wasser wird dastehen wie ein Damm.
R. BreuerEs wird geschehen, wenn die Fußballen der Priester, welche die Lade Gottes, des Herrn der ganzen Erde, tragen, in den Wassern des Jarden ruhen, werden die Wasser des Jarden auseinandertreten, die von oben herabfließenden Wasser: sie werden dastehen wie eine Mauer.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 13. נד. „נֵד von נוד, von der Stelle weichen. Wenn daher נֵד Mauer bedeutet, so kann dies nicht wie חומה eine den Schutz des innerhalb derselben Liegenden bezweckende Mauer, sondern eine den außer ihr liegenden Raum frei haltende Umzäunung bedeuten: eine scheu zurücktretende, Raum gebende Mauer. Es kommt übrigens nur in einer Schilderung dieses Ereignisses, sowie bei dem ähnlichen Durchzug durch den Jordan vor.“ (Komm. Ex. 15, 8).
14
וַיְהִ֗י בִּנְסֹ֤עַ הָעָם֙ מֵאׇ֣הֳלֵיהֶ֔ם לַֽעֲבֹ֖ר אֶת־הַיַּרְדֵּ֑ן וְהַכֹּהֲנִ֗ים נֹ֥שְׂאֵ֛י הָאָר֥וֹן הַבְּרִ֖ית לִפְנֵ֥י הָעָֽם׃
BernfeldDas Volk brach auf aus seinen Zelten, über den Jordan zu ziehen, und die Priester, die Träger der Bundeslade, gingen vor dem Volke her;
R. BreuerEs war nun, als das Volk aus seinen Zelten zog, um den Jarden zu überschreiten, während die Priester, die Träger der Bundeslade, vor dem Volke (einhergingen)
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 14—15. כהנים נשאי הארון werden die Träger der Bundeslade in allen Augenblicken genannt, wo sie in Ausführung des ihnen gewordenen Auftrags in ihrer ganzen Würde sich zu betätigen hatten: also zunächst in dem Augenblick, wo sie an die Spitze des seine Wanderung beginnenden Volkes traten, ferner, als sie im Begriff waren, ihre Füße einzutauchen in das Wasser des Jarden. In beiden Augenblicken sehen wir sie als Funktionäre der göttlichen Aufgabe sich betätigen, während sie auf dem ganzen Wege bis zum Jarden eben nur „Träger der Lade“ waren, denen eine „priesterliche“ Funktion erst bevorstand: וכבוא נשאי הארון עד הירדן.
ונטבלו. Vgl. Komm. Lev. 4, 6. ימי קציר: Der Monat Nissan.
15
וּכְב֞וֹא נֹשְׂאֵ֤י הָֽאָרוֹן֙ עַד־הַיַּרְדֵּ֔ן וְרַגְלֵ֤י הַכֹּֽהֲנִים֙ נֹשְׂאֵ֣י הָאָר֔וֹן נִטְבְּל֖וּ בִּקְצֵ֣ה הַמָּ֑יִם וְהַיַּרְדֵּ֗ן מָלֵא֙ עַל־כׇּל־גְּדוֹתָ֔יו כֹּ֖ל יְמֵ֥י קָצִֽיר׃
BernfeldUnd wie die Träger der Lade bis zum Jordan kamen, und die Füße der Priester, der Träger der Lade, benetzt wurden am Rande des Wassers — der Jordan aber war voll über all seine Ufer, alle Tage der Erntezeit: —
R. Breuerund als nun die Träger der Lade zum Jarden kamen und die Füße der Priester, welche die Lade trugen, eintauchten in den Rand des Wassers — der Jarden aber war voll über all seine Ufer, die ganze Erntezeit hindurch —
16
וַיַּֽעַמְד֡וּ הַמַּ֩יִם֩ הַיֹּרְדִ֨ים מִלְמַ֜עְלָה קָ֣מוּ נֵד־אֶחָ֗ד הַרְחֵ֨ק מְאֹ֜ד (באדם) [מֵֽאָדָ֤ם] הָעִיר֙ אֲשֶׁר֙ מִצַּ֣ד צָֽרְתָ֔ן וְהַיֹּרְדִ֗ים עַ֣ל יָ֧ם הָעֲרָבָ֛ה יָם־הַמֶּ֖לַח תַּ֣מּוּ נִכְרָ֑תוּ וְהָעָ֥ם עָבְר֖וּ נֶ֥גֶד יְרִיחֽוֹ׃
BernfeldDa stand das von oben herabfließende Wasser still, aufrecht wie ein Damm, sehr weit von der Stadt Adam, die zur Seite von Zortan; das herabfließende Wasser ergoß sich nach dem Meer der Steppe, der Salzsee, und schwand völlig, und das Volk zog hindurch nach Jericho zu. [Das vom Norden kommende Wasser staute bei Adam, während das andere Wasser abfloß; es entstand somit ein trockener Weg mitten durch den Jordan.]
R. Breuerda standen still die Wasser, die von oben herabflossen, aufrecht standen sie wie eine Mauer — gar fern von der Stadt Adam, die zur Seite von Zorthan liegt — während die zum Meere der Öde, dem Salzmeere, herabfließenden Wasser gänzlich schwanden; da zog das Volk Jericho gegenüber hindurch.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 16. Die herabfließenden Wasser wurden in ihrem Laufe gehemmt und standen aufrecht da wie eine Mauer. Aber auch die bereits zum Salzmeere herabgeflossenen Wasser schwanden völlig fort, sodaß die Möglichkeit eines gänzlich trockenen Durchzuges entstand.
הרחק מאד וגו'. Es erscheint rätselhaft, was diese topographische Angabe bezweckt. Vielleicht folgendes. Beim Durchzug durchs rote Meer vollzog sich das Wunder im Angesichte der gesamten ägyptischen Welt, die bei diesem Ereignis ihre Elite verlor. Hier aber wars still ringsum. Es war ein Erlebnis für Israel allein. Denn auch die nächstgelegene Stadt war noch gar weit entfernt vom Orte des Vorgangs. Und so wird dieses נס, wie so viele andere, ausschließlich von jüdischer Tradition der Nachwelt überliefert.
17
וַיַּעַמְד֣וּ הַכֹּהֲנִ֡ים נֹ֠שְׂאֵ֠י הָאָר֨וֹן בְּרִית־יְהֹוָ֜ה בֶּחָרָבָ֛ה בְּת֥וֹךְ הַיַּרְדֵּ֖ן הָכֵ֑ן וְכׇל־יִשְׂרָאֵ֗ל עֹֽבְרִים֙ בֶּחָ֣רָבָ֔ה עַ֤ד אֲשֶׁר־תַּ֙מּוּ֙ כׇּל־הַגּ֔וֹי לַעֲבֹ֖ר אֶת־הַיַּרְדֵּֽן׃
BernfeldDie Priester, die Träger der Bundeslade des Herrn, standen auf dem Trocknen mitten im Jordan fest. Israel ging durch im Trocknen, bis das ganze Volk vollends über den Jordan gegangen war.
R. BreuerEs standen die Priester, die Träger der Bundeslade Gottes, auf dem Trockenen mitten im Jarden fest; und ganz Israel zog durch im Trockenen, bis das ganze Volk die Überschreitung des Jarden vollendet hatte.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer
V. 17. וכל ישראל — כל הגוי. „Ganz Israel“ wird hier getrennt vom „ganzen Volke.“ Im Gegensatz zum „ganzen Volke“ bezeichnet hier wohl „ganz Israel“ den idealen Begriff der Nation, um derentwillen das ganze Wunder geschah, das freilich in Wirklichkeit dem „ganzen Volke“ in seiner konkreten Erscheinung zugute kam: es wartete gleichsam „ganz Israel“, — wie der Führer zurück auf die nachziehenden Scharen schaut — bis das „ganze Volk“ hinübergezogen war.