Hoschea 3 הושע

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1
וַיֹּ֨אמֶר יְהֹוָ֜ה אֵלַ֗י ע֚וֹד לֵ֣ךְ אֱֽהַב־אִשָּׁ֔ה אֲהֻ֥בַת רֵ֖עַ וּמְנָאָ֑פֶת כְּאַהֲבַ֤ת יְהֹוָה֙ אֶת־בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וְהֵ֗ם פֹּנִים֙ אֶל־אֱלֹהִ֣ים אֲחֵרִ֔ים וְאֹהֲבֵ֖י אֲשִׁישֵׁ֥י עֲנָבִֽים׃
ZunzUnd der Ewige sprach zu mir: Gehe wiederum, liebe ein Weib, von ihrem Freunde geliebt, doch ehebrecherisch; wie der Ewige liebt die Kinder Jisraél, die sich aber fremden Göttern zuwenden und Weinkrüge lieben.
J. J. HirschGott sprach zu mir: „Gehe noch einmal hin und schließe den Liebesbund mit einer Frau, die aufs innigste geliebt wird und dennoch die Treue bricht, ganz so wie Gott die Söhne Israels liebt, sie jedoch sich anderen Göttern zuwenden und nur Freunde sind der den Trauben entstammenden Kräftigung.“
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 3. In dem vorhergehenden Kapitel war der Eintritt der nationalen Katastrophe verkündet und das Erlösungsziel bezeichnet, zu dem das Galuth führe. Der Auftrag, der Hosea in diesem Kapitel wird, bringt das Verhältnis Israels während des Galuth selbst zur Anschauung.

V. 1. אֲהֻבַת רֵעַ וּמְנָאֶפֶת: eine Frau, der ihr Mann nicht nur durch das gesetzliche eheliche Band, sondern auch durch innige Liebe verbunden, der ihr in Wahrheit רֵעַ, der treue Gefährte ist, sich ihr nur als Förderer und Mehrer ihres Glückes darbietet, und die dennoch sich dieser Liebe unwert zeigt. So Israel, das im Angesichte der es tragenden Liebe Gottes sich gleichwohl fremden Göttern zuwendet. אֲשִׁישֵׁי עֲנָבִים, die männliche Form אָשִׁישׁ kommt nur noch Jes. 16, 7 vor: לַאֲשִׁישֵׁי קִיר חֲרֶשֶׂת. Sonst an drei Stellen als אֲשִׁישָׁה weiblich. Es bezeichnet jedenfalls etwas Großes. Nach der angeführten Stelle aus Jesaias, wo es die Stärke der Mauern zu bezeichnen scheint, und im Hinblick auf das verbale Vorkommen in der Stelle זִכְרוּ־זֹאת וְהִתְאֹשָׁשׁוּ, Jes. 46, 8: daran denket und ermannet euch, oder: werdet stark! glauben wir unsere Stelle dahin begreifen zu sollen: der geistigen und sittlichen Höhe gegenüber, zu der Gottes Liebe Israel erheben möchte, wendet es sich fremden Göttern zu und liebt nur die Stärkung, die aus den Trauben, hier gleichbedeutend mit dem Weine, ihm winkt. Die substantivische Form אֹהֲבֵי sagt, daß dieser Hang ihnen zur Natur geworden ist. Sie haben gar keinen Sinn mehr für das Göttliche, nur das Grobsinnliche hat für sie noch Reiz.

2
וָאֶכְּרֶ֣הָ לִּ֔י בַּחֲמִשָּׁ֥ה עָשָׂ֖ר כָּ֑סֶף וְחֹ֥מֶר שְׂעֹרִ֖ים וְלֵ֥תֶךְ שְׂעֹרִֽים׃
ZunzUnd ich erhandelte sie mir um fünfzehn Silberstücke und ein Chomer Gerste und ein Letech Gerste.
J. J. HirschDa stellte ich sie mir bereit für fünfzehn Silberstücke und ein Chomer Gerste und ein Lethech Gerste.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. וָאֶכְּרֶהָ לִּי. כָּרָה graben, bereiten, erwerben, bereitstellen. In der letzteren Bedeutung hier. Sie hatte sich bereit zu halten für die eigentliche Verbindung, die erst in einer noch fernen Zukunft erfolgen sollte. Sie gehörte ihm also zunächst nur insofern an, als sie sich mit keinem anderen verbinden durfte. Also ganz der Zustand der סוֹטָה, bevor die Num. 5, 15 ff. vorgeschriebene Prüfung erfolgt ist. Das Dagesch im כ soll vielleicht durch den Hinweis auf ein ausgefallenes נ noch die Nüance des הַכֵּר, also des ausscheidenden Erkennens, Bestimmens, hinzufügen. Möglich aber auch, daß dadurch zugleich das נָכָר in dem Begriffe der Entfremdung zum Ausdruck kommen soll.

בַּחֲמִשָּׁה עָשָׂר כָּסֶף וגו'. Die fünfzehn Silberstücke haben den Charakter des Geldes der Kidduschin. Höchst bezeichnend sind aber die weiter genannten Maße Gerste. Ein Chomer, dem das talmudische Kur entspricht, enthält 10 Epha, ein Lethech ist die Hälfte des Chomer, also 5 Epha. Das nach Num. 5, 15, bei der prüfenden Unterstellung einer durch die in Zweifel gezogene Treue der Frau in ihrem Fundamente erschütterten Ehe unter das göttliche Urteil darzubringende Mincha besteht aus einem Zehntel Epha Gerstenmehl. Fünfzehn Epha Gerstenmehl stellen also ein Quantum von 150 solcher מִנְחַת קְנָאֹת dar. Siehe den Commentar z. St. Durch ein solches Mincha sprach der Gatte übrigens zugleich seinen Wunsch aus, die Ehe, wenn gestattet, fortzusetzen. Wir haben hier also eine Ehe, bei deren Eingehen das Mißtrauen zugleich aufs deutlichste zum Ausdruck gebracht wurde, und zwar ein sehr überwiegendes Mißtrauen, die Zahl der präsumtiven מִנְחַת קְנָאֹת ist das zehnfache des כֶּסֶף קִדֻּשִׁין. In diesem Sinne findet das in וָאֶכְּרֶהָ anklingende נֵכָר durch die Zugabe dieses reichlichen Maßes Gerstenmehl seinen vollen Ausdruck. Alles dies wird

3
וָאֹמַ֣ר אֵלֶ֗יהָ יָמִ֤ים רַבִּים֙ תֵּ֣שְׁבִי לִ֔י לֹ֣א תִזְנִ֔י וְלֹ֥א תִֽהְיִ֖י לְאִ֑ישׁ וְגַם־אֲנִ֖י אֵלָֽיִךְ׃
ZunzUnd sprach zu ihr: Viele Tage sollst du mir verbleiben, buhle nicht und gehöre keinem Manne, und so werde auch ich gegen dich seyn.
J. J. HirschUnd sprach zu ihr: „Viele Tage wirst du meiner harrend weilen müssen, du wirst nicht treubrüchig sein und keinem angehören, und auch ich bleibe so dir zugewandt.“
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. ausdrücklich ausgesprochen. „Viele Jahre wirst du meiner harren müssen, du wirst nicht treubrüchig sein, und auch ich bleibe dir zugewandt.“ Auf das Band, das mit dem heutigen Tage geschlossen, auf die אֵרוּסִין, wird erst in später Zukunft die eigentliche Vereinigung, die נִשֻּׂאִין, folgen.

4
כִּ֣י ׀ יָמִ֣ים רַבִּ֗ים יֵֽשְׁבוּ֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל אֵ֥ין מֶ֙לֶךְ֙ וְאֵ֣ין שָׂ֔ר וְאֵ֥ין זֶ֖בַח וְאֵ֣ין מַצֵּבָ֑ה וְאֵ֥ין אֵפ֖וֹד וּתְרָפִֽים׃
ZunzDenn viele Tage werden die Kinder Jisraél bleiben ohne König und ohne Fürsten, und ohne Opfer und ohne Standbild, und ohne Efod und Terasim.
J. J. HirschDenn viele Tage werden Israels Söhne weilen, kein König und kein Fürst, kein Opfer und kein Standbild, kein Ephod und [keine] Theraphim.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. „Denn“ — hier wird nun der Gedanke auf das Verhältnis zwischen Israel und Gott übertragen. Das Prophetenwort schaut auf eine lange Zeit staatlicher Unselbständigkeit hin: „ohne König und ohne Große“, in der Israel zwar sich vom Abfall zum Götzendienste frei, aber doch noch nicht ganz würdig gemacht habe, daß Gott den alten Bund der Ehe wieder mit ihm eingehen könne. Auf diesen Zwitterzustand, oder vielmehr auf diesen Uebergangszustand der Halbheit weisen offenbar die Worte hin: אֵין זֶבַח, jene innige, einzig echte Gotteshörigkeit, die auch im Glücke sich Gott hingiebt, — das liegt im זֶבַח, das stets das Friedensmahlopfer bedeutet, dessen Darbringung dem שֶׁלֶם-Gefühle der inneren Zufriedenheit, des Glückes entstammt — wird noch fehlen in Israel, aber auch: וְאֵין מַצֵּבָה, der Altar des Heidentums wird aus seiner Mitte geschwunden sein; אֵין אֵפוֹד: es wird noch nicht reif sein für die Wiederherstellung des Tempelheiligtums, dessen Repräsentant der mit dem Ephod bekleidete Hohepriester ist, aber auch der heidnische Theraphimwahn hat keine Stätte mehr in ihm.

5
אַחַ֗ר יָשֻׁ֙בוּ֙ בְּנֵ֣י יִשְׂרָאֵ֔ל וּבִקְשׁוּ֙ אֶת־יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֵיהֶ֔ם וְאֵ֖ת דָּוִ֣יד מַלְכָּ֑ם וּפָחֲד֧וּ אֶל־יְהֹוָ֛ה וְאֶל־טוּב֖וֹ בְּאַחֲרִ֥ית הַיָּמִֽים׃ {פ}
ZunzNachmals werden die Kinder Jisraël umkehren und aufsuchen den Ewigen ihren Gott, und Dawid ihren König, und hineilen zum Ewigen und zu seiner Güte in der Zukunft der Tage.
J. J. HirschNach dem werden Jisraels Söhne zurückkehren und werden Gott, ihren Gott, suchen, und ihren König David, und werden hineilen zu Gott und zu seinem Gute am Ziele der Tage.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. אַחַר וגו'. Nach dieser langen Zeit „werden Israels Söhne zurückkehren und Gott, ihren Gott, und ihren König David suchen.“ David ist derjenige, der wie kein Zweiter die ganze Fülle der Herrlichkeit der jüdischen Bestimmung für jeden einzelnen wie für die nationale Gesamtheit ausgesprochen hat. So lange sie Gott und David nicht vermissen, so lange ist die Stunde der endgültigen Vereinigung mit Gott noch nicht gekommen. Aber nach dieser langen Zeit werden sie „Gott und ihren König David“ suchen, und dann werden sie voll Eifer und Sehnsucht zu Gott und zu dem nur bei ihm zu gewinnenden Gute hinstreben. פָּחַד in der Verbindung mit מִפְּנֵי: fürchten, ganz wie חָרַד. Aber auch ebenso wie dieses mit אֶל nicht die Bedeutung der Scheu und Sorge hat, die sich von einem Punkte möglichst rasch zu entfernen sucht, sondern vielmehr den Eifer bedeutet, sich ihm möglichst rasch zu nähern, ganz so heißt פָּחַד אֶל: keine andere Angst haben, als die, das erstrebte Ziel nicht sicher zu erreichen. Es bezeichnet daher hier treffend und anschaulich die Rückkehr des von jeglicher Hinneigung zu irgend einem anderen Ziele gänzlich befreiten und in voller rückhaltloser Liebe seinem Gotte sich hingebenden Israel. Das aber wird erst am Ziele der Tage sich erfüllen. — Mit dem Bisherigen sind Ausgangspunkt und Endziel der weiteren jüdischen Geschichte, und in diesem dritten Kapitel nun auch das Wesen der zwischen diesen beiden Endpunkten liegenden Galutperiode noch im besonderen ausgesprochen. — Die folgenden Reden wenden sich nunmehr der Gegenwart des Propheten zu und haben vor allem die Kennzeichnung und Würdigung ihrer Zustände zum Inhalt.