Amos 7 עמוס
Kommentare (Herxheimer, J. J. Hirsch)
Nachdem der König das Frühgras (wahrsch. als ihm zukommend) für seine Rosse rc. weggenommen, hatten die Unterthanen ihren Bedarf von dem Grummet zu erhalten gehofft; um so trauriger mußte es für sie sein, wenn dies nun von Heuschrecken verzehrt ward.
Kap. 7. Der Kerngedanke dieses Kapitels ist in den Versen 7—9 enthalten. Die vorhergehenden Verse 1—6 bilden nur die Einleitung und die nachfolgenden zeigen die Gehässigkeit und die niedrige Gesinnung des denuncierenden Hofgeistlichen sowie die vornehme Haltung des Königs gegenüber dieser Denunciation. —
Das Verständnis des Kapitels ist bedingt durch die Auffassung des nur hier in V. 7 und 8 und sonst nicht wieder vorkommenden Wortes אֲנָךְ. Jüdische und nichtjüdische Erklärer nehmen es für Blei, und gewinnen dann die Bedeutung Bleigewicht, Senkblei, Lot, Perpendikel, und verstehen dann unter חוֹמַת אֲנָךְ eine nach dem Lot errichtete und im Lot erhaltene gerade Mauer, als Bild eines geordneten Baues, und וְשַׂמְתִּי אֲנָךְ als Anlegen des Senkbleies in dem sonst hiefür nicht gebräuchlichen Sinne der Zerstörung. Ohnehin erscheint die Erklärung von חוֹמַת אֲנָךְ gezwungen, und die von שַׂמְתִּי אֲנָךְ nimmt den Jes. 34, 11 stehenden Zusatz des Wortes תֹהוּ, der ebenso wie das danebenstehende אַבְנֵי־בֹהוּ erst den Begriff der Zerstörung giebt, hier ohne jegliche Begründung mit hinzu. Außerdem ist zu bedenken, daß der אֲנָךְ, den „Gott in seiner Hand hält“, von ihm „in das Innere Israels gesetzt wird“. Israel wird dabei als „mein Volk“ bezeichnet, eine Bezeichnung, die hier nach dem Zusammenhange nur die Innigkeit der Beziehung Israels zu Gott infolge seiner Bestimmung bedeutet und ein Ausdruck nicht des Zürnens und der Verwerfung, sondern der Liebe und der Aneignung ist. Jedenfalls wird dadurch das in diesem Satze verkündete Geschick nicht als ein feindliches, vernichtendes, sondern als ein erhaltendes und erhebendes bezeichnet. In der Erklärung von אֲנָךְ glauben wir daher der Auffassung des Aruch folgen zu sollen, der darunter einen Edelstein, den Onyx, begreift, wie er auch im Talmud als ein höchst wertvoller Edelstein vorkommt und von Aruch deshalb für einen der Exod. 28, 9 genannten Schohamsteine gehalten wird. Von dieser Auffassung des Anach als eines wertvollen Edelsteins ausgehend, kommen wir zu einer ganz anderen Anschauung dessen, was dem Propheten hier gezeigt wurde.
Der allmächtige Gott hat diesen Edelstein „in seiner Hand“. Das ganze Weltall, über dem der Prophet Gott waltend schaut, bildet die „Mauer für diesen Anach“, steht nicht nur nicht in feindlichem Gegensatz zu ihm, sondern bildet die „Mauer“, die schützende Umgebung für ihn. Von diesem Edelsteine aber, den Gott in seiner Hand hält, spricht er: „Siehe ich setze ihn ein in die Mitte, in das Innere meines Volkes Israel!“ Es soll die würdige Fassung des Anach werden! Deshalb werde ich an ihm, d. i. an seinen Sünden ferner nicht vorübergehen, deshalb müssen schwere Geschickesstürme über es hereinbrechen, eben um es zum würdigen Träger, zur würdigen Fassung dieses Juwels zu machen, zu dem das ganze sich ihm als schützende Mauer darbietende Weltall in harmonischem Einklang steht. Ist es zu kühn, ist es etwas der biblischen Anschauung und Bildersprache Fernliegendes, wenn wir in diesem Juwel in Gottes Hand das Symbol für sein heiliges Wort, für die Thora erblicken, zu deren Träger Israel berufen, zu deren würdiger Fassung es zu erziehen ist? Der Gedanke aber von dem innigen Zusammenhange dieses Gotteswortes mit der ganzen Menschenwelt, von der Identität des Gottes der Schöpfung mit dem Gotte der Offenbarung, — der Gedanke, daß der Inhalt des Offenbarungswortes und seine Verwirklichung durch Israel und durch die ganze Menschheit das Heil auf Erden bedingt und daß an diese Verwirklichung der Beginn des Gottesreiches auf Erden geknüpft ist, daß die ganze Weltlenkung im Dienste der Anbahnung und Erreichung dieses höchsten Zieles steht, daß also die Welt in tiefster Wahrheit die schützende Mauer dieses Gotteswortes zu bilden bestimmt ist und durch Gottes Lenkung bildet — dieser Gedanke zieht sich durch das Gotteswort vom ersten Satze der Genesis bis zum letzten Prophetenworte. In besonderer Ausführlichkeit und Anschaulichkeit wird dieser Gedanke, daß das Gotteswort eigentlich nur das dem Wesen und der Natur des Menschen und der menschlichen Verhältnisse, der individuellen wie der socialen und politischen, Entsprechende enthalte und im innigsten Einklang mit der ganzen geschaffenen Erdwelt stehe, in Prov. Kap. 8 ausgeführt. Israel aber verschmähte in seiner Verblendung die unselbständige Stellung als Fassung des Juwels, (— vergl. Jer. 2, 20 לֹא אֶעֱבוֹד, Kethib: „ich mag nicht Diener sein“ —) es wollte gleich den Völkern dem eigenen Sinne folgend sich selbständige Höhen schaffen: deshalb mußten diese Höhen sinken.
Zuerst wird nun V. 1—7 dem Propheten gezeigt, wie Israel — „Jakob“ sei, das an sich schwache, wie es nur von Gottes Allmacht im Dasein erhalten werde und schon unrettbar verloren sei, wenn Gott es seinem Geschicke überlasse, geschweige denn, wenn er die Kräfte gegen es entsende, — wie er es jedoch nicht vernichten, wohl aber (V. 9 וְנָשַׁמּוּ וגו') durch die läuternde Schule der Leiden erziehen wolle zur Höhe seiner Bestimmung: „mein Volk“ zu sein. In diese Worte ist die Bedeutung der nach Jahrtausenden zählenden Geschichte Israels zusammengefaßt.
V. 1. וְהִנֵּה יוֹצֵר וגו', wörtlich: „Und siehe es war da ein Bildner von Heuschrecken.“ לֶקֶשׁ der Stand der Frucht zur Zeit des מַלְקוֹשׁ, die durch den Spätregen gezeitigte Frucht, die hier im Anfange des Aufwachsens geschaut wird. Es war der zweite Halmwuchs, denn der erste war von den Beamten des Königs als Viehfutter für die königlichen Herden geschnitten worden. Da dieser „Schnitt des Königs“ als etwas ganz Normales angeführt wird, so haben wir hier eine von den israelitischen Königen willkürlich eingeführte Steuer vor uns, die sich somit als die eigentlichen Herren des Bodens betrachteten. Wenn nun dieser zweite Wuchs von den Heuschrecken verzehrt wurde, so gab es keinen Nachwuchs und die Hungersnot war da. Die Heuschrecken fraßen — so sah er — alles weg, nicht blos das Gras, עֵשֶׂב umfaßt den ganzen Pflanzenwuchs der Felder. — אִם steht hier in der Bedeutung von „als“ oder „nachdem“, vergl. Jes. 4, 4, das Perf. hier in der Bedeutung des Plusquamperf. — מִי יָקוּם, wörtlich: als welcher könnte Jakob bestehen, sich überlassen ist Israel von selbst „Jakob“, seiner eigenen Kraft nach „ist es ja klein!“ Nun heißt es nicht: וַיִּנָּחֶם, als historisches Imperf. zur Fortführung der Schilderung des Gesichtes, sondern: נִחַם, Perf., das in solchem Falle die Bedeutung des Plusquamperf. hat. Gott hatte bereits seinen Beschluß geändert; geschehen soll es nicht — hatte Gott gesprochen. — סְלַח נָא ist nicht sowohl der Inhalt der Fürbitte für das Volk, als vielmehr, ähnlich wie Gen. 18, 27. 30 ff., die Bitte um Verzeihung für den Propheten, der es wagt, Gott Vorstellungen zu machen. Ich weiß es ja, du willst Jakob nicht vernichten; wenn du es strafen willst, so brauchst du blos deine Hand von ihm abzuziehen; entsendest du aber selbst zerstörende Kräfte gegen es, so ist es verloren. Gerade das aber sollte durch dieses Gesicht und durch das folgende dem seinen Ursprung und seine Stellung vergessenden Volke in Erinnerung gebracht werden.
Kommentar (Herxheimer)
Und nun zu befürchten war, daß sie über das Grummet herfallen würden (Hitzig). כאשר = אם (Kimchi).
Und laß nicht wegen der Sünde Alles verderben.
Das Volk Israel ist so arm an Hülfsmitteln, es könnte einen solchen Schlag nicht ertragen.
Kommentar (Herxheimer)
Vgl. 2 M. 32, 14. — נחם ist Niph.
Kommentare (Herxheimer, J. J. Hirsch)
Glühende Hitze (Joel 1, 19) trocknete den Ozean aus und fing schon an, den daran grenzenden Theil (החלק) des h. Landes, wo die des Wassers bedürftige Wiesen (V. 1), zu versengen.
V. 4—6. Denn das zweite Gesicht, die Entfesselung des Feuers, bringt denselben Gedanken in noch eindringlicherer Weise und mit einigen anderen Modalitäten zur Anschauung. Israel hat sich in Gegensatz zu seinem Gotte gesetzt. Gott braucht nur zu winken, und dasselbe Element, das sonst dem Menschen Licht und Leben spendet, wird in Gegensatz gestellt zu demjenigen Elemente, von dem gleichfalls alles organische Leben und Gedeihen abhängig ist. Wenn nach göttlichem Ratschlusse ein Land verheert werden soll, so braucht das Feuer nicht gegen die Felder entsandt zu werden, sondern: es verzehrt, wie es in dem grandiosen Bilde heißt, den „wogenden Ocean“ und damit versiegen die Quellen und Flüsse und es hat jedes „einzelne, kleinste Teil“ verzehrt. חֵלֶק bildet den Gegensatz zu רַבָּה. Darauf der Prophet: Wenn du so Israel die Elemente seines Lebens entziehest, so kann es ja nicht bestehen bleiben. Und auch durch dieses Gesicht hatte Gott nur zeigen wollen, was geschehen könnte, jedoch in dieser Ausdehnung nicht geschehen werde.
Kommentare (Herxheimer, J. J. Hirsch)
אנך eig. Mauer, nach dem Senkblei gerichtet.
V. 7—10. Siehe oben. עָבַר an jemandem vorübergehen. — Darum ist es, daß (V. 9) verheert werden die Götzenhöhen und zu Ruinen werden die Heiligtümer, die sie sich geschaffen, und darum stehe ich über das Haus Jerobeams mit dem Schwerte auf. — בָּמוֹת יִשְׂחָק. Nur sehr selten wird Israel nach seinem Stammvater Jizchak genannt. Der Ursprung des Namens giebt Aufschluß über seine Bedeutung und den Sinn, in welchem er auf das Volk angewendet wird. Wie der Ahn den Namen empfing wegen des „Lachens“, des Spottes, mit dem die Erwartungen und Hoffnungen seiner greisen Eltern begrüßt wurden — כָּל הַשׁוֹמֵעַ יִצְחַק לִי — war es doch in Wahrheit gegen den natürlichen Lauf der Dinge, daß einem hundertjährigen Greise von einer neunzigjährigen Greisin noch ein Kind geschenkt wurde! — so bildet auch die ganze Geschichte dieses Volkes und seine Erhaltung einen vollendeten Gegensatz zu den Erfahrungen, die aus der Völkergeschichte hinsichtlich der Bedingungen gewonnen werden, an welche die Entstehung und die Erhaltung eines Volkes geknüpft sind. Das Gelächter, das den Ahnen an der Wiege empfing, es begleitet seine Kinder auf ihrem Wege durch die Jahrtausende, und sie waren auf dieses Schicksal vorbereitet. Ein Gelächter sind ihre „Prätentionen“, Träger des Menschheitsheiles zu sein, ein Gelächter ihre Thränen, ein Gelächter ihre Hoffnungen. Gerade das nach menschlicher Berechnung Aussichts- und Zukunftlose dieses Volkes, die Unmöglichkeit seines Daseins nach den natürlichen Bedingungen, macht eben dieses Volk und seine Erhaltung zu einem אֶצְבַּע אֱלֹקִים, zu einem Gottesfinger in der Geschichte. Während andere Völker בָּמוֹת haben, gestützt auf die Kräfte der Natur und auf die eigene Kraft, die Erwerbung ihrer Selbständigkeit und Macht als höchstes Ziel erstreben, sollte Israel des eigenen Glanzes, der eigenen Selbständigkeit und Machtherrlichkeit entbehren, vielmehr in seiner dienenden Stellung, Träger des Gotteswortes, würdige „Fassung des Anach“ zu werden, seine höchste Bestimmung erblicken. Das Jizchak-Volk sollte keine Bamoth haben, in dieser Zusammenstellung tritt der Gegensatz um so schärfer hervor. Wenn der Name nun statt יִצְחָק mit צ hier יִשְׂחָק mit שׂ geschrieben ist, so dürfte damit eine feine Modificierung des Begriffes zum Ausdruck gebracht sein. צָחַק hat vorwiegend die Bedeutung: Auslachen, Verspotten, שָׂחַק aber auch die des heiteren Lachens, als bloßen Ausdrucks der Freude. Wir hätten dann hier einen Ausblick auf jene Zeit, in der sich dieses das Jizchakvolk so lange umgebende und verfolgende צָחַק in שָׂחַק gelöst, die Höhnung in freudige Begrüßung umwandelt haben wird.
V. 10 f. Der Priester an dem „königlichen Heiligtum“ zu Bethel, Amazja, denuncierte den Propheten Amos beim Könige Jerobeam wegen seiner Worte. Der König zeigt bei dieser Gelegenheit eine vornehmere Gesinnung als sein Hofgeistlicher, er ließ dessen Anzeige unbeachtet. Da richtet dieser seinen Angriff direkt gegen Amos, sucht mit seinen Worten auch vielleicht das Volk gegen ihn aufzuhetzen, jedenfalls ihn zu discreditieren, um die Wirkung seiner Worte abzuschwächen, indem er den von heiliger Gottesbegeisterung durchglühten Propheten als einen auf den Broterwerb ausgehenden Prediger stigmatisiert, der sich in der Wahl seines Hörerkreises geirrt habe. In Juda werde er eher mit seinen Reden sein Brot verdienen können. Aber in Bethel habe er nichts zu suchen: „denn das ist ein königliches Heiligtum und ein königliches Haus.“ Charakteristisch und naiv ist dieses „denn“. Also, weil es ein königliches Heiligtum ist, so hat der dort gepflegte Götzencult seine volle Berechtigung. So herrlich war die von dem ersten Jerobeam gestreute Saat aufgegangen! Das israelitische Königtum war mit dem Götzendienst vollständig verwachsen, er erschien als seine natürliche Basis. In Juda mochte er verworfen werden, denn dort war das Davidshaus mit dem Tempel auf Zion verbunden. Dort in Juda mochte ein Amos gegen ihn donnern, dort werde er eine willige Zuhörerschaft und insbesondere auch offene Hände finden. Es ist der in seinen Intraden bedrohte Priester, der in seinem Amte nur eine Pfründe sieht und den lästigen Concurrenten über die Grenze weist, den wir in diesen Worten hören.
Kommentar (Herxheimer)
Um dessen Niederreißung abzumessen; wie Jes. 34, 11.
Daher wagt der Prophet hier keine Fürbitte mehr wie bei den beiden vorigen Gesichten.
Kommentar (Herxheimer)
Die Nennung ישחק (urspr. Lachen) soll viell. auf das Lustige des Götzendienstes hier u. V. 16. hindeuten.
Kommentar (Herxheimer)
In einer Hauptstadt.
So frevelhaft sind sie.
Kommentar (Herxheimer)
Der Priester vergrößerte Amos' Drohung V. 9; um den König zu reizen, der jedoch bloß des Propheten Vertreibung nach V. 12. erlaubt zu haben schien.
Kommentare (Herxheimer, J. J. Hirsch)
A. glaubte, Amos predige nur um des Brodes willen. So setzen diejenigen, welche selbst keine Begeisterung der Wahrheit kennen, bei den Besten nur Vortheil und Eigennutz voraus.
V. 12—17. In seiner schlichten Größe richtet sich Amos ihm gegenüber auf. Er kennt keine Pfründe und keinen Broterwerb. „Bin kein Prophet, noch eines Propheten Sohn, sondern ein [?] nahm mich von der Herde hinweg[?] an mein Volk Israel.“ Rufe ihn[?] ist der ganze Inhalt aller Wort[?] gesprochen haben. — [?]וֹלֵם שִׁקְמִים [?] verw. mit פּלס, das als Substan[?] haft Wage bedeutet und als Verb[?] daher die bescheidenen Verhältnisse des Propheten und lehrt zugleich, daß unter dem בֹּקֵר nicht etwa ein reicher Viehzüchter zu verstehen sei. Gegenüber dem Standesdünkel des aufgeblasenen Hofpriesters weist Amos mit diesen Worten zugleich jeden Gedanken an ein seinen Mann nährendes „geistliches Amt“ weit von sich.
Kommentar (Herxheimer)
Wo selbst der König anbetet.
Kommentar (Herxheimer)
Er treibe nicht, wie der Priester voraussetze, wie falsche Propheten das Prophezeien als Profession.
בלס שקמים ritze die Maulbeerfeigen ein; um sie zur Reife zu bringen.
Kommentar (Herxheimer)
Ich weissage nur in außergewöhnlicher Sendung Gottes.
Kommentar (Herxheimer)
Weil du mir verbietest, was Gott mir geboten, so wird zur Zeit des allgemeinen Strafgerichts V. 9. dein schutzloses Weib durch die Feinde, welche die Stadt erobern, geschändet.
Unter fremde Colonisten.
Im Exil.