Tehillim 90 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 90, V. 1. תפלה למשה, eine תפלה, in welcher Moses als איש אלק', als von Gott zum Werkzeug für seine Waltung Erwählter, sich die Bedeutung dieser seiner Sendung für die Geschichte der Menschheit aus einem Hinblick auf die Bedeutung der bis zu seiner Sendung verflossenen Jahrhunderte der Menschenentwickelung zur Erkenntniß bringt. In so fern steht der Inhalt dieses Psalms in enger Verwandtschaft mit dem Psalm, mit welchem das vorhergehende Buch schloß, in welchem auch das Versinken der Menschheit in vollendete Nichtigkeit ohne die aus Israels Sendung zu erwartende Wiederherbung zum Heile den leitenden Gedanken bildet. איש אלק' siehe Pent. 5. B. M. 33, 1. Mehr als zweitausend Jahre lagen aus der Geschichte der Menschheit zurück. Die Welt war geistig und sittlich wieder in תהו, in's Chaos zurückgesunken. Mit der Erwählung Abrahams waren nach dem Ausdruck der Weisen die שני אלפי' תהו, die zweitausend Jahre des menschengeschichtlichen Chaos zu Ende, und der Anfang der שני אלפי' תורה, der Anfang der zweitausend Jahre der Einbürgerung des Gottesgesetzes zunächst in Ein für die geistige und sittliche Auferstehung der Menschheit ausgesandtes Volk angebahnt (Siehe Pent. 5. B. M. S. 560). Aber erst mit Moses Sendung trat dieser Anfang mit deutlicher Sichtbarkeit hervor.
אדני, Gott, der du mich für deinen Dienst berufen, מעון (Siehe Pent. 3. B. M. S. 485. 5. B. M. S. 583). עון: die nach einander in die Erscheinung tretenden Zeittheile. מעון: die Unterlage, der Träger der nach einander eintretenden und vergehenden ZeitMomente. Der Träger, der einzige Bleibende in allem Wechsel der Zeiten, und zugleich der einzige Urheber derselben bist du. היית לנו. Du warst uns in all den vergangenen Geschlechtern. Dich allein hatten wir zum Halt in jeder Zeit. Und nicht vom Standpunkt seines Volkes, vom Standpunkt der Menschheit, als Mensch spricht Moses dieses: „uns."
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. בטרם וגו', Berge sind nicht nur die hervorragenden Höhen, die Spitzen der Erde, sie sind zugleich die Vermittler der Entwickelung des physischen Lebens der Erdwelt, trinken den Niederschlag aus den Wolken und senden ihn der Niederung in Quellen, Bächen zc., ziehen die Electricität an zc. zc. Die Hebung, d. i. Entstehung von Bergen aus vulkanischen Vorgängen zc. heißt hier: ילד: deren Geburt, und solche der Geburt vorangehende Vorgänge: חול, das Kreißen. Wie Gott die Erdwelt kreißen läßt, wenn „Berge" entstehen sollen, so läßt Gott die Menschenwelt kreißen, wenn Hervorragendes, ihre Entwickelung Bedingendes und Förderndes entstehen soll (ארץ ותבל Siehe Ps. 24,1). ומעולם וגו' und von der fernsten, uns verhüllten Vergangenheit, bis in die fernste, uns verhüllte Zukunft bist du allein die Alles bewegende Kraft (אל siehe Pent. 2. B. M. 34, 6).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. תשב וגו'. אנוש und אדם. Siehe Pent. 1. B. M. 4, 26. אנוש: der von Gott losgelöste, in seiner gewaltthätigen Selbstherrlichkeit die Welt siech und krank machende Mensch. אדם: der reine Mensch in seiner unter Gott wirkenden Gott-Ebenbildlichkeit. Wie bereits im vorigen B. angedeutet, geht der Weg zur geistigen und sittlichen Wiedergeburt nur über kreißendes Weh. Waren die Menschen אנוש geworden, und sprach Gott שובו בני אדם: werdet wieder reine Adamssöhne, so bethätigt Gott diesen Ruf zur Wiedergeburt dadurch, daß Gott den gewaltthätig und selbstherrlich gewordenen אנוש bis zum vollendeten Innewerden seiner Ohnmacht und Nichtigkeit sinken läßt. Was sich also als ein äußerer leidensvoller Niedergang der אנוש gewordenen Menschheit darstellt, ist ein kreißender Aufweg zur Wiedererringung des אדם-Charakters.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. כי אלף וגו'. Uns kurzlebigen, nur an der Spanne, die wir erleben und überschauen, haftenden Menschen entgeht diese nur im großen Zusammenhange erkennbare Bedeutung der Zeiten. Denn tausend Jahre, von Gott überschaut, haben oft nur die Bedeutung eines Uebergangpunktes, wie der Zeitmoment, der zwischen einem Tage und dem andern liegt, den ein Tag überschreitet, wenn er zu schwinden im Begriffe ist. Ja, tausend Jahre sind oft nicht einmal das, sind oft nur „eine Wache in der Nacht." Man theilte die Nacht in vier, gewöhnlicher in drei Theile, deren jeder eine אשמורת, אשמורה heißt (2. B. M. 14, 24. Ps. 63, 7. Berachoth 3 a). Die Nacht hat die Eigenthümlichkeit, daß sich deren Theile nicht erkennbar unterscheiden lassen. Wer in der Nacht aufwacht, weiß bis zum Tagesanbruch nicht, ob er sich vor oder nach Mitternacht befindet. So ohne erkennbare Unterscheidung stellen sich die Ereignisse eines Jahrhunderts oft also einförmig da, daß Menschen nicht wissen, ob die Gegenwart, in der sie sich befinden, als ein Schritt zum Tage hin, oder zu noch tieferer Nacht zu betrachten sei.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. זרמתם וגו'. Gott läßt oft tausend Jahre dahin strömen, oder wie Regentropfen zur Erde strömen, sie sind ein Schlaf, das wahre, geistige, persönliche Wesen des Menschen kommt nicht zur Entfaltung, es schläft; dieser Schlaf scheint ein Tod zu sein, und ist Gesundung und Erstarkung. Ist der Morgen da, ist das Jahrtausend des Schlafs vorüber, so ersteht es in erneuter Frische wie junges Grün. חלף ein Wechseln, ein Austausch des Schlechten mit Besserm (Siehe Pent. 3. B. M. 27, 10). Daher auch das Erneuen der Kräfte und der frische Pflanzenwuchs, קוי ד' יחליפו כח (Jes. 40, 31), אם יכרת ועוד יחליף (Hiob 14, 7).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. בבקר וגו'. יציץ (siehe Pent. 4. B. M. 17, 23). Subjekt von ימולל ist ערב. Das, was לערב, dem Abend zugewandt, einer Nacht-Periode entgegen gehend, von dieser Nachtzeit geknickt wird und verdorrt, sproßt, wenn der Morgen gekommen ist, wenn es die Nachtperiode durchgemacht hat, frisch auf und erneut seine Kraft. יציץ im Gegensatz zu ימולל, וחלף im Gegensatz zu ויבש. Es sind damit die doppelten Seiten gezeichnet, an welchen die menschlichen Verhältnisse während des geschichtlichen Nachtganges Einbuße leiden und bei Wiederauferstehung gewinnen, die äußere: ימולל ויציץ, die innere יבש וחלף.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. כי כלינו וגו'. Denn wir, die ganze Menschheit während des Nachtganges der vergangenen Jahrtausende, כלינו וגו'. באפך: indem du dich in deinem Zorne von uns abwandtest und uns uns selbst überließest, fanden wir überall unbesiegbare Hindernisse, und gingen in unsern äußern Verhältnissen zu Grunde, und בחמתך, durch das Bewußtsein deines Unwillens lebten wir in beständiger Bestürzung und Unruhe. Das Bewußtsein der göttlichen Zufriedenheit mit uns gehört in erster Linie zu unserm Glücke. Gewissensbisse, die nichts als die Kundgebung der göttlichen Unzufriedenheit mit uns sind, lassen kein Glück bei uns aufkommen: Dieses כי u. s. w. ist die von uns erfahrene bestätigende Thatsache für die vorhergehende allgemeine Aussage: לערב ימולל ויבש.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. שת וגו'. Diese Nachtjahrhunderte ließest du über uns kommen, weil du Das, was wir waren (עונתינו), und das, was wir sein könnten und sollten (עלמנו), dir vergegenwärtigt. עלמנו: das in uns Verborgene, das Bessere in uns, das nicht zur Entfaltung, nicht zur Erscheinung kommt. So heißt der Mensch im kindlichen und jugendlichen Alter, in welchem das geistige und sittliche Innere noch nicht zur rechten Entfaltung gekommen ist: עלם.
V: 9. כי וגו'. Nicht nur das große Ganze, das Lebensbild jedes Einzelnen trug das Gepräge dieser Nichtigkeit. Das Hinneigen des Tages zum Abend wird mit פנה ausgedrückt. אוי לנו כי פנה היום כי ינטו צללי ערב (Jerem. 6, 4). Bedeutet doch פנה auch überhaupt sich einer andern Richtung zuwenden. ופנית בבקר וגו' (5. B. M. 16, 6). בעברתך, dadurch daß du einschrittest in die Geschicke und sie gegen uns richtetest, war jeder Augenblick unseres Daseins der Grabesgang zur Nacht. הגה (siehe Ps. 1, 2) der Gedanke, der sich äußern will. Wenn wir unsere Jahre ausgelebt hatten, so hatten wir Nichts erreicht von allem Dem, was wir gewollt. Es war Alles ein ungeäußerter Gedanke geblieben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 10. ימי וגו'. Es giebt einen doppelten Plural von Tage und Jahre, ימים und שנים und ימות und שנות. ימים und שנים sind die concreten Tage und Jahre die wir leben. ימות und שנות sind der Begriff der Lebenszeiten. Aehnlich unterscheidet sich קרנים und קרנות (siehe Ps. 75, 11). בהם, unter dem Einfluß der vorgedachten אף, חמה und עברה hatten die einzelnen Tage unserer Lebenszeiten ihre Bedeutung verloren. Wir lebten nicht Tage, wir lebten Jahre, und es war etwas Großes, siebzig, achtzigmal שנה: die ewige „Wiederholung" des alten Kreislaufes durchgemacht zu haben, ורהבם, und das von uns in ihnen bewährte Große, auf das wir mit Stolz hinblickten, war עמל, war ein vergebenes Mühen um ein uns wünschenswerth erscheinendes Gut, oder און, Mißbrauch Dessen, was wir erreicht hatten. Die Menschen unterliegen aus Machtlosigkeit, oder mißbrauchen die Macht, wenn sie sie erlangt haben. Gewalt leiden oder Gewalt üben, עמל oder און das ist im Großen das Gesammtbild der Menschengeschichte. כי גז חיש, denn Jedem kam das Ende zu früh und zu rasch, und wenn חיש, die Schnelle des Verhängnisses, גז, uns abschnitt und hinweg hob, ונעפה, so flogen wir halt- und gehaltlos dahin, und Nichts blieb von uns übrig. Das waren die vergangenen Jahrtausende nach ihrer äußern Erscheinung. Aber
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 11. מי יודע עז אפך וגו'. עוז bezeichnet eben so sehr die Unwiderstehlichkeit in Erreichung eines Ziels, als die Unüberwindlichkeit, die Widerstandskraft in Bewahrung eines Bestandes. Insbesondere tritt bei Gott die erste Bedeutung hervor. So נהלת בעזך וגו' (2. B. M. 15, 13). וינהג בעזו תימן (Ps. 78, 26) u. s. w. Wer aber erkennt die Unwiderstehlichkeit deines Zornes in Erreichung seines Zieles, wer erkennt, daß du nur so weit gegen uns hinausschreitest, als du von uns gefürchtet werden willst! D. h. Während der Jahrhunderte, die unter deinem Zürnen dahin gingen, schien, wie in Vorgehendem geschildert, das Menschengeschlecht dem Untergange in vollendeter Nichtigkeit geweiht. Niemand denkt daran, daß Gottes Zürnen und Hinausschreiten gegen das Gedeihen der Menschenverhältnisse nie ein zweck- und zielloses, nur Verderben im Auge habendes Vorgehen ist. Gottes Zürnen geht mit עז, mit Unwiderstehlichkeit auf die Herbeiführung seiner Waltungsziele aus, und כיראתו, wie sein Gefürchtetwerden, d. h. nach dem Maaße, in welchem er von uns gefürchtet werden will, עברתו ist sein Hinausund Entgegenschreiten in der Geschichte. יראה ist der Zweck seiner עברה. ידעתי, heißt es in dem Buche des jüdischen Weisen von dem הבל, von der Nichtigkeit alles, nur auf Menschen-Wollen und Menschen-Klugheit sich erbauenden Strebens, ידעתי כי כל אשר יעשה האלק' הוא יהיה לעולם עליו אין להוסיף וממנו אין לגרע והאלק' עשה שיראו מלפניו, „ich weiß, daß Alles, was Gott gestalten will, in aller Ewigkeit sein wird, darauf läßt sich Nichts hinzuthun, und davon läßt sich Nichts abnehmen, und Gott hat gewirkt, damit man sich vor ihm fürchten lerne" (Pred. 3, 14). Die Menschen müssen erst die vollendete Nichtigkeit alles nicht auf Gott gebauten und von Gott geleiteten Strebens erfahren, ehe sie „Gott fürchten, seine Gebote erfüllen" und damit den einzigen Weg zu wirklichem Heile betreten lernen. Und sie dieser Nichtigkeit inne werden zu lassen, das ist das עוז אפך, das schöpferische Ziel alles Verderben scheinenden göttlichen Zürnens. Es ist dies der Commentar des: תשב אנוש עד דכא ותאמר שובו בני אדם (V. 3).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 12. למנות וגו'. כן, so, auf dem Wege der Erkenntniß der Nichtigkeit unserer Jahre, lehre uns unsere Tage zählen! Die Nichtigkeit und Unzulänglichkeit für unsere Befriedigung alles Dessen, was außer uns liegt und wir nur im Laufe der Jahre erreichbar wähnen, so daß, wenn גז חיש, unser Lebensende rasch herbeikommt, ונעפה, wir davon fliegen, ohne den Zweck unseres Daseins erreicht zu haben, diese Erfahrung soll uns lehren, den Zweck unseres Daseins in Dem zu suchen, was in uns selber liegt und in jedem Tage, ja in jeder Minute zu erreichen ist. In dem Bewußtsein Gott treu durchlebter Zeit, Jahre, Tage, Stunden, Minuten, in diesem Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, liegt alle für den Menschen erreichbare Glückseligkeit. Wer diese Glückseligkeit zu schätzen, danach den Werth seiner Lebenszeit zu bemessen und jeden Augenblick im treuen Dienste seines Gottes zu verleben weiß, der findet in jedem Augenblick den Zweck seines Hierseins, und wann immer sein Gott ihn von hinnen ruft, er geht mit dem Bewußtsein froh erreichten Zieles von dannen. Darum למנות ימינו, unsere Tage zu zählen, die Glückseligkeit zu suchen, welche wir in den 24×60×60 Augenblicken eines Tages uns zu erwerben vermögen, diese Erkenntniß lasse aus der von den Jahrtausenden der Vergangenheit gepredigten Nichtigkeit alles Andern uns reifen, dann ונביא לבב חכמה. Das, was von der Aussaat היוצא השדה, die auf das Feld hinausgeht, wieder heimgebracht wird, der Ertrag, die Aerndte, heißt תבואה (5. B. M. 14, 22), und das Aerndten, das Einheimsen, das Heimbringen dieses Ertrages heißt: הביא (5. B. M. 26, 2). Auf den Aeckern der äußern Lebensgüter Aerndte zu halten, liegt zu großem Theile nicht in unserer Hand. Aber לבב חכמה, unser Herz mit Erkenntniß des Wahren und Huldigung des Guten zu bereichern, das ist eine Aerndte, die ganz in unsern Händen liegt, die wir in jedem — trüben oder heitern — Augenblicke unseres Lebens zu vermehren vermögen, und dies, die Veredlung unseres Innern, ist die einzige Aerndte, die unser seelisches Wesen als Ertrag und Gewinnst seines Hierseins mit heimbringt, wenn es mit Zurücklassung alles leiblich Irdischen in die jenseitige Heimath zurückkehrt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 13. שובה וגו'. Die Jahrhunderte der Nichtigkeit dürften nun an einen Wendepunkt gelangt sein, dürften wenigstens einem Theile der Menschheit die aus ihnen zu schöpfende Belehrung über die wahre Bestimmung des Menschen und den wahren Werth des Lebens gebracht haben. Es giebt schon einen Kreis von Menschen, die sich als עבדיך, als zu deinem Dienste, zur Erfüllung deines Willens auf Erden geboren und berufen begreifen. Darum הנחם, mögest du dadurch zu einer andern Weise des Waltens dich veranlaßt erachten (Siehe Pent. 1. B. M. 6, 6).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 14. שבענו וגו'. Wenn unsere Tage anbrechen, wenn wir erwachen, und Gott uns wieder einen Tag geschenkt hat, den wir in seinem Dienste verleben können, so sind wir „gesättigt von seiner Liebe," so haben wir Alles, was wir an diesem Tage von seiner Liebe wünschen und hoffen, von Ihm verlangen wir nichts weiter. Den Tag für einen glücklichen für uns zu gestalten, liegt in unserer Hand, und dieses Bewußtsein der Gottesliebe, der wir jeden, im Dienste seines Willens zu vollendenden Athemzug verdanken, giebt uns den alle unsere Tage durchdauernden heitern Frohsinn.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 15. שמחנו וגו'. Auch unser äußeres Geschick gestalte wieder heiter, wie du es gewesen, der du uns in den zurückgelegten Zeiten durch Leid die Erkenntniß unserer vollendeten Abhängigkeit hast lernen und die Schule des Unglücks hast durchmachen lassen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 16. יראה וגו'. Möge dem gegenwärtigen, zuerst zu deinem Dienste zu berufenden Geschlechte, פעלך, dein Wirken und Walten in offenbaren Gottesthaten sichtbar werden. Mit diesen נסים גלוים ward Israels Bestimmung zum Gottesvolke gegründet. Sie bilden für alle Zeit den Granitboden unseres Seins, Wollens und Wirkens vor Gott, wiederholen sich aber nicht. Was sie lehren sollten, sollen wir für Kind und Kindeskinder gelernt haben. Aber an den Kindern dieses zum Dienste Gottes berufenen Geschlechtes, soll הדרך, soll die Herrlichkeit sichtbar werden, zu welcher Gottes Leitung und Führung ein unter seiner Herrschaft sich vollendendes Menschen- und Volksleben sich entfalten läßt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 17. ויהי. נעם וגו' ist das Ansprechende, Zusagende, Anziehende (Siehe Pent. 1. B. M. S. 120). Der Satz spricht das beglückende Höchste der jüdischen Gottesstiftung und zugleich den Gesammtinhalt der Sendung Mosis aus. אדני אלהינו ist entweder Vokativ:
Es werde — Du, der du als unser Gott mich zu deinem Dienste berufen hast! — das Beglückende uns, daß u. s. w. Oder: es werde das nur von א' א' zu erlangende Beglückende uns beschieden, daß u. s. w. עלינו: es komme über uns, werde über uns bestimmt zc. Dieses von Gott Israel beschiedene höchste Glück spricht sich also aus: מעשה ידינו כוננה עלינו: gründe das Thun unserer Hände auf uns, d. i. mache uns selbständig, daß wir, wir allein über das Thun unserer Hände zu verfügen haben, in keines Menschen Botmäßigkeit sind, mache uns frei; und מעשה ידינו כוננהו, und stelle Du fest, was wir zu thun haben, schreibe Du uns die Richtung unseres Thuns vor, gieb uns dein Gesetz. Freiheit und Gesetz, keines Menschen Knecht und durch und durch Gottes Diener, גאולה und תורה, das ist Israels beglückendes Loos, und das ist der Inhalt der Sendung Mosis —
Und wie נועם, die sinnliche Anmuth und Schöne aus der Einheit in der Mannigfaltigkeit sich erzeugt, so gestaltet sich die sittliche Anmuth und Schöne aus der Vermählung der Gesetzes-Einheit mit der Mannigfaltigkeit der Freiheit, so ruht das sittlich Schöne wie das sinnlich Schöne auf dem Grunde der Harmonie —