Tehillim 43 תהילים

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1
שׇׁפְטֵ֤נִי אֱלֹהִ֨ים ׀ וְרִ֘יבָ֤ה רִיבִ֗י מִגּ֥וֹי לֹֽא־חָסִ֑יד מֵ֤אִישׁ־מִרְמָ֖ה וְעַוְלָ֣ה תְפַלְּטֵֽנִי׃
BernfeldSchaffe mir recht, o Gott! Führe meinen Streit gegen liebloses Volk; von falschen und ungerechten Leuten befreie mich.
ZunzRichte mich, o Gott! führe meinen Streit wider liebloses Volk, von dem Manne des Trugs und der Ungerechtigkeit befreie mich.
HirschRichte mich Gott, und führe meinen Streit, gegen ein Volk, das mit Nichten ein Liebe übendes ist, von einem Manne des Truges und der Gewalt rette mich!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 43, V. 1. Es ist dies eine Fortsetzung des Vorigen. Israel hat ein zwiefaches Mißgeschick im Exil: es hat den Kampf zu bestehen mit den Völkern als Gesammtheiten und zugleich mit einzelnen Männern in denselben. Die Gesammtheiten klagt es an, daß sie גוי לא חסיד, daß sie keineswegs die Humanität üben, die sie im Munde führen, daß sie sie vor Allem gegen Israel nicht üben. Israel ist ihnen gar nicht ein Gegenstand, dem man Humanität schuldig wäre. Und diese verlassene Stellung, welche die Lieblosigkeit, die Inhumanität der Völker Israel in ihrer Mitte anweist, benutzen schlechte, ungerechte und gewaltthätige Menschen, um Unrecht und Gewalt gegen Israel auszuführen. Israel hat gegen Beides, gegen die Inhumanität der Gesammtheiten und gegen die Gewalt der Einzelnen nur den Appell an Gott. שפוט und ריב mit מ־ eigentlich: Befreie mich als Richter und Anwalt von Dem, was Völker und Einzelne gegen mich vorhaben.

2
כִּי־אַתָּ֤ה ׀ אֱלֹהֵ֣י מָעוּזִּי֮ לָמָ֢ה זְנַ֫חְתָּ֥נִי לָֽמָּה־קֹדֵ֥ר אֶתְהַלֵּ֗ךְ בְּלַ֣חַץ אוֹיֵֽב׃
BernfeldDenn warum hast du mich, o Gott meiner Schutzwehr, verstoßen? Warum soll ich betrübt einhergehen unter dem Druck des Feindes?
ZunzDenn du bist der Gott meiner Schutzwehr. Warum hast du mich verstoßen? Warum soll ich betrübt einhergehen unter dem Druck des Feindes?
HirschDenn du, Gott, Quell meiner Widerstandskraft, wozu hast du mich verlassen, warum soll ich betrübt mich führen beim Druck des Feindes?
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. כי אתה וגו', Du Gott, der du mir die geistige Kraft zur Ausdauer und zum Widerstand gegen meine Leiden zu verleihen pflegtest, למה זנחתני (Vgl. K. 22, 1) zu welchem Zwecke lässest du mich diesen geistigen Beistand vermissen?

3
שְׁלַח־אוֹרְךָ֣ וַ֭אֲמִתְּךָ הֵ֣מָּה יַנְח֑וּנִי יְבִיא֥וּנִי אֶל־הַֽר־קׇ֝דְשְׁךָ֗ וְאֶל־מִשְׁכְּנוֹתֶֽיךָ׃
BernfeldSende dein Licht und deine Treue, dass sie mich geleiten und mich nach deinem heiligen Berge bringen und zu deinen Wohnungen.
ZunzSende dein Licht und deine Treue, daß sie mich geleiten, mich bringen nach deinem heiligen Berge und zu deinen Wohnungen.
HirschSende nur dein Licht und deine Wahrheit, sie werden mich schon leiten, werden mich heimbringen zu dem Berge deines Heiligthums und zu deinen Wohnstätten,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. שלח אורך וגו'. Sende mir nur die Erleuchtung und die Erkenntniß der Wahrheit, die du für mich in deine תורה niedergelegt hast, gieb mir nur die geistige Kraft, beides aus deiner תורה zu schöpfen, המה ינחוני, so werden die mich schon durch's גלות führen, das dort gewonnene Licht wird mich die Verhältnisse und Zustände, in deren Mitte ich mich zu bewegen habe, in ihrem wahren Werth beurtheilen lassen, und die Erkenntniß der Wahrheit, die du in der תורה niedergelegt hast, wird mich lehren, was das Wahre sei, dem du unabweisbar den endlichen Sieg auf Erden gesichert hast. Durch Beides werde ich den rechten Weg auf Erden nicht verfehlen und endlich wieder zu der Heimath kommen, wo du deinem Heiligthum und deiner Gegenwart auf Erden die Stätte bereitet hast. Ueber den Plural von משכנותיך siehe Ps. 73, 17.

4
וְאָב֤וֹאָה ׀ אֶל־מִזְבַּ֬ח אֱלֹהִ֗ים אֶל־אֵל֮ שִׂמְחַ֢ת גִּ֫ילִ֥י וְאוֹדְךָ֥ בְכִנּ֗וֹר אֱלֹהִ֥ים אֱלֹהָֽי׃
BernfeldDass ich zum Altar Gottes komme, zu Gott, meiner Jubelwonne, und dich preise mit der Zither, Gott, mein Gott.
ZunzDaß ich komme zum Altar Gottes, zu Gott, meiner Jubelwonne, und dich preise mit der Zither, Gott, mein Gott.
Hirschso daß ich komme zum Altare Gottes, zu Gott, der Freude meiner Freude, und werde dir danken mit der Harfe als Gott, als meinem Gott.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. ואבואה וגו', מזבח אלק', Gottes, der ja überall der einzige wirkliche und wahrhaftige Gott der Menschheit und ihrer Geschichte ist, und dessen Altar ja auch einst ihr Gottesaltar werden wird, אל אל שמחת גלי, zu Gott, der die eigentliche Freude meiner dann laut werdenden Freude ist. גיל (siehe Ps. 14, 7). Ich freue mich allen Glückes nur dann, wenn ich mir sagen kann, daß Gott es mir gewährt, und dieses Bewußtsein ist mir das einzige wahrhaft Beglückende in meinem Innern, und ich bekenne dann dankerfüllt Gott als Gott, wie er in allen Gängen der Menschheitgeschichte gewaltet, zugleich aber insbesondere als אלק', wie er sich in meiner Geschichte mir bewährt hat.

5
מַה־תִּשְׁתּ֬וֹחֲחִ֨י ׀ נַפְשִׁי֮ וּֽמַה־תֶּהֱמִ֢י עָ֫לָ֥י הוֹחִ֣ילִי לֵ֭אלֹהִים כִּי־ע֣וֹד אוֹדֶ֑נּוּ יְשׁוּעֹ֥ת פָּ֝נַ֗י וֵאלֹהָֽי׃ {פ}
BernfeldWas bist du gebeugt, meine Seele und was jammerst du in mir? Harre auf Gott, denn noch werde ich ihm danken, dem Heil meines Antlitzes und meinem Gotte.
ZunzWas beugst du dich, meine Seele, und was jammerst du in mir? Harre auf Gott, denn noch werd' ich ihm danken, dem Heil meines Antlitzes und meinem Gotte.
HirschWarum beugst du dich, meine Seele, und warum ist dir bange um mich? Harre nur zu Gott, denn noch werde ich ihm danken die Heilesverleihungen meines Angesichtes und als meinem Gott —
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. Siehe K. 41, 12. —