Tehillim 40 תהילים

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1
לַ֝מְנַצֵּ֗חַ לְדָוִ֥ד מִזְמֽוֹר׃
BernfeldDem Sangmeister. ein Psalm Davids.
ZunzDem Sangmeister. Von Dawid. Ein Psalm.
HirschDem Siegverleiher. Von David, ein Psalm.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 40. V. 1. לדוד מזמור siehe Ps. 25, 1. Nach der Lehre der Weisen (Pesachim 117 a) bezeichnet לדוד מזמור das שרתה עליו שכינה ואחר כך אמר שירה, daß nicht wie bei מזמור לדוד David auf den Flügeln des Gesanges die in der Gottes-Nähe zu findende Begeisterung gesucht, sondern er von vorherein der Gottes-Nähe und der Begeisterung gewürdigt worden, und in Folge dessen, die in ihm lebendig gewordenen Gedanken und Gefühle in Gesang ausgesprochen habe. Lesen wir dieses Kap. bis über die Hälfte, so würden wir glauben, David habe, als er diese Worte sprach, auf der Höhe des ungetrübtesten Glückes sich befunden. Lesen wir jedoch von V. 12 bis zum Schluß, so ist es vielmehr eine höchst bedrängte, Gefahr drohende und schleunige Rettung heischende Lage in welcher ihn die Erinnerung an die mannigfaltige Rettung, die Gott ihm bereits in ähnlichen Lagen erwiesen, sofort auf die Höhe der Begeisterung hob und ihn vor Allem freudig gedenken ließ, wie er die Erfahrungen solcher Waltungs-Nähe Gottes für die eigene, geistige und sittliche Veredlung und für die Belehrung seines Volkes, ja der allgemeinen Menschen-Gemeine zu verwerthen bestrebt war. Mitten in Elend und Gefahr hat ihn daher die Gottesbegeisterung erfaßt und sich ihm wahrhaft als מנצח, als Den erwiesen, der es versteht, mit geistiger Kraft über alles Elend in der Erden-Niedere siegreich emporzuheben und das Liedeswort freudigster Begeisterung in den Mund zu legen.

2
קַוֺּ֣ה קִוִּ֣יתִי יְהֹוָ֑ה וַיֵּ֥ט אֵ֝לַ֗י וַיִּשְׁמַ֥ע שַׁוְעָתִֽי׃
BernfeldStets habe ich auf den Herrn gehofft; er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.
ZunzGehofft habe ich, gehofft auf den Ewigen, und er neigte sich zu mir und hörte mein Schreien.
HirschZu Ihm hinstrebend habe ich schon oft Gott erhofft, und Er hat sich zu mir geneigt und hat mein Flehen erhört,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2. קוה קויתי ד', קוה: zusammengesetzt aus קל und פיעל, קל: das Hinstreben zu Gott, פיעל, mit Accus.: das Streben Gott uns näher kommen zu lassen. Also: oft schon habe ich gehofft, daß, so wie ich mich zu Gott hinauf hob, also Gott auch mir sich nahen werde, und meine Hoffnung hatte mich nicht getäuscht, er hat sich mir zugeneigt und mein Flehen erhört.

3
וַיַּעֲלֵ֤נִי ׀ מִבּ֥וֹר שָׁאוֹן֮ מִטִּ֢יט הַיָּ֫וֵ֥ן וַיָּ֖קֶם עַל־סֶ֥לַע רַגְלַ֗י כּוֹנֵ֥ן אֲשֻׁרָֽי׃
BernfeldEr zog mich aus der Grube des Verderbens, aus dem Lehmschlamme, und stellte meine Füße auf einen Felsen; er machte meine Schritte sicher.
ZunzUnd zog mich aus der Grube des Brauens, aus dem Lehmschlamme, und stellte auf einen Felsen meine Füße, machte sicher meine Schritte,
Hirschhat mich aus einer Gruft der Verödung, aus dem zähen Schlamme emporgehoben, hat auf einen Fels meine Füße gestellt, meine Schritte fest gerichtet,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 3. ויעלני וגו'. שאון von שאה: öde werden, שאו ערים (Jes. 6, 11). Auch die geistige Oede, die Unklarheit, ja die gänzliche Abwesenheit der Gedanken: והאיש משתאה לה (1. B. M. 24, 21). Aehnlich auch von שמם: ישתומם לבי' Ps. 143, 4). — טיט Schmutz

15* Schlamm, davon טאטא Pielform wie דשן: Schmutz entfernen, auskehren (Jes. 14, 23). יון die Etymologie ist zweifelhaft, dem Zusammenhang nach heißt es: zähe. Ich war in eine Tiefe gerathen, in welcher mir die Besinnung geschwunden war, und wo die mich fesselnden Schwierigkeiten so groß waren, daß ich meine Schritte ihnen nicht entwinden konnte. Da hat Gott mich hinaus gehoben, hat — in vollem Gegensatz zu einer solchen Lage, — mich auf sichere Höhe geführt, mich aufrecht gestellt und meinen Schritten die feste gerade Richtung wieder gegeben.

4
וַיִּתֵּ֬ן בְּפִ֨י ׀ שִׁ֥יר חָדָשׁ֮ תְּהִלָּ֢ה לֵאלֹ֫הֵ֥ינוּ יִרְא֣וּ רַבִּ֣ים וְיִירָ֑אוּ וְ֝יִבְטְח֗וּ בַּיהֹוָֽה׃
BernfeldEr legte in meinen Mund ein neues Lied, Lobgesang unserm Gotte. Es werden es viele schauen und schauern, und sich verlassen auf den Herrn.
ZunzUnd legte in meinen Mund ein neues Lied, Lobgesang unserm Gotte. Schauen werden es Viele, und schauern, und sich verlassen auf den Ewigen.
Hirschund hat mir ein neues Lied in den Mund gegeben, Thaten-Preis Gott, unserm Richter, daß Viele sehen und fürchten und zugleich vertrauen lernen in Gott!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 4. ויתן בפי וגו', und ließ mich da ein neues Lied finden, nicht das Lied, das die Freude spendenden Liebesthaten, sondern, das Gottes strahlende Größe indem er richtet singt, das eben singt, wie Gott gerade dann die höchste Liebe übt, wenn seine richtende Hand uns erziehende Leiden sendet. Er gab mir solches Lied in den Mund, daß an meinem Beispiel, „auf mich sehend,“ die Menge lerne, in dem Augenblick in welchem sie Gott fürchten, zugleich auf Gott zu vertrauen, Gott, der ja, indem er als אלקי' sein Richteramt an uns übt, als ד' ewig bereit ist, uns in eine reinere, heitere Lebenszukunft emporzuhelfen.

5
אַ֥שְֽׁרֵי־הַגֶּ֗בֶר אֲשֶׁר־שָׂ֣ם יְ֭הֹוָה מִבְטַח֑וֹ וְֽלֹא־פָנָ֥ה אֶל־רְ֝הָבִ֗ים וְשָׂטֵ֥י כָזָֽב׃
BernfeldWohl dem Manne, der sein Vertrauen auf Gott setzt und sich nicht gewandt zu den Trotzigen und den Anhängern der Lüge.
ZunzHeil dem Manne, der den Ewigen genommen zu seinem Verlaß, und sich nicht gewandt zu den Prahlereien und den Anhängern der Lüge.
HirschDes Mannes ist aller Fortschritt der Gott zum Quell seines Vertrauens gemacht, und sich nicht zu Machtstolzen gewendet und die mit Täuschung untreu sich abwenden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. אשרי וגו', אשר שם, der Gott fest gestellt hat für immer als den Quell seines Vertrauens, der in keiner Lage aufhört auf Gott zu vertrauen, der auch in Gefahr und Noth nur von Gott Hilfe erwartet, und sich nicht an רהבים ושטי כזב wendet. רהב, verw. mit רחב, das erweiterte רוב (so viel als רבב, Wurzel von רב: viel, groß), wie כהן und כן, בהן und בון: machtstolz sein, ירהבו הנער בזקן (Jes. 3, 5) רהב הם שבת (Jes. 30, 7). שטי' von שוט gleichbedeutend mit שטה, Jemandem untreu werden, sich von ihm in Untreue abwenden. רהבים ושטי כזב sind machtstolze Menschen, die uns zuerst Vertrauen einflößen, und dann, wenn wir ihrer bedürfen, sich in Untreue und Täuschung von uns abwenden.

6
רַבּ֤וֹת עָשִׂ֨יתָ ׀ אַתָּ֤ה ׀ יְהֹוָ֣ה אֱלֹהַי֮ נִ֥פְלְאֹתֶ֥יךָ וּמַחְשְׁבֹתֶ֗יךָ אֵ֫לֵ֥ינוּ אֵ֤ין ׀ עֲרֹ֬ךְ אֵלֶ֗יךָ אַגִּ֥ידָה וַאֲדַבֵּ֑רָה עָ֝צְמ֗וּ מִסַּפֵּֽר׃
BernfeldViel hast du getan, du Herr mein Gott, deiner Wundertaten und deiner Absichten für uns. Niemand ist dir gleich! Wollte ich verkünden und erzählen — sie überstiegen die Zahl.
ZunzViel hast du geübt, du Ewiger mein Gott, deiner Wunderthaten und deiner Abichten für uns. Kein Vergleich zu dir! Wollte ich verkünden und reden — sie überstiegen die Zahl.
HirschGroß und viel hast du Gott, mein Gott, deine Wunder und deine Gedanken für uns vollbracht. Nichts kann man dafür entsprechend dir entgegenbringen, wollte ich sie vergegenwärtigen, auch nur aussprechen, waren sie zu übermächtig fürs Erzählen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6. רבות עשית וגו' ist bis אלינו ein Satz. Große und Viele — beides bedeutet ja רב (siehe Pent. 1. B. M. 28, 23) — Wunder und Gedanken hast du für uns vollbracht. נפלאות: offenbare Wunder. מחשבות: Gedanken, die wir nur aus dem Erfolg der Ereignisse ahnend erschließen. Wie groß und viel sind die offenbaren Wunder und mehr noch die von uns nur geahnten Gedanken, die du ד' אלקי, wie du sie als „mein“ Gott, in fürsorgender Leitung m e i n e r Geschicke, also אלינו, überhaupt für uns Alle vollbracht hast. אין ערך אליך, ערך אל: etwas Jemandem entsprechend entgegen bringen. Etwas der Größe deiner Wohlthaten Entsprechendes dir zu entgegnen, ist unmöglich, selbst sie zu schildern, ja auch nur einfach auszusprechen übersteigt unsere Kraft.

7
זֶ֤בַח וּמִנְחָ֨ה ׀ לֹֽא־חָפַ֗צְתָּ אׇ֭זְנַיִם כָּרִ֣יתָ לִּ֑י עוֹלָ֥ה וַ֝חֲטָאָ֗ה לֹ֣א שָׁאָֽלְתָּ׃
BernfeldMahlopfer und Speiseopfer begehrst du nicht, das hast du mir eingeprägt; Ganzopfer und Sühnopfer verlangst du nicht.
ZunzMahlopfer und Speiseopfer begehrst du nicht, Ohren hast du mir gehöhlt; Ganzopfer und Sühnopfer verlangst du nicht.
HirschMahl- und Huldigungsopfer hast du nicht gewollt, Ohren hast du mir gebohrt, Emporopfer und Leichtsinn hast du wahrlich nicht gefordert.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 7. זבח ומנחה, und wollte ich, wo das Wort nicht reicht, die Symbolhandlungen des Opfers zu Hilfe zu nehmen, und, wie du das תודה, das Dankopfer (3. B. M. 7, 12) angeordnet, זבח ומנחה dir bringen, so ist es doch nicht זבח ומנחה das du gewollt, indem du זבח ומנחה angeordnet. Es heißt nicht: בזבח ובמנחה לא חפצת, du hast kein Wohlgefallen an זבח ומנחה, sondern Accusativ: זבח ומנחה לא חפצת: indem du uns זבח ומנחה vorgeschrieben, ist זבח ומנחה nicht das damit Bezweckte, sondern אזנים כרית לי: Gehorsam erwartest du von mir, eine Sprache zu unser Ohr soll jedes Opfer sein, soll zu treuem Gehorsam, zu größerer Pflichttreue gegen Gott veranlassen. עולה וחטאה: symbolische Emporweihe und wirklichen Leichtsinn, hast du wahrlich nicht gewollt. Es steht nicht חטאה, das noch allenfalls, obgleich auch dann ohne Beispiel, Sündopfer heißen könnte, חטאה heißt aber entschieden nur Sünde, Leichtsinn. Für Sünde giebt es zwei Formen: חטאה und חטאה, für Sündopfer aber nur die eine einzige Form: חטאת. Schon mit dieser einzigen Thatsache fällt Alles zusammen, was man aus diesem Vers für eine vorgebliche „Davidische Reform“ herleiten zu können vermeint hat, als ob David den Werth des Opfercultus herab gesetzt hätte. Ausdrücklich gilt sein Wort nur der mißbräuchlichen Auffassung, als ob Opfer ohne sittliche Besserung genügen könnte (Siehe Pent. 1. B. M. S. 94. 3. B. M. 10, 1).

8
אָ֣ז אָ֭מַרְתִּי הִנֵּה־בָ֑אתִי בִּמְגִלַּת־סֵ֝֗פֶר כָּת֥וּב עָלָֽי׃
BernfeldDa sprach ich: Ich komme mit einer Buchrolle, worin [meine wunderbare Errettung] geschrieben ist.
ZunzDa sprach ich: Siehe, ich komme mit einer Rolle des Buches, das mir vorgeschrieben ist.
HirschDa sprach ich: siehe ich bin dahin gelangt, in einer Bücherrolle ist geschrieben was mir obliegt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 8. אז אמרתי וגו': nachdem ich mir vergegenwärtigt hatte, wie jedes Opfer nur die Pflichtanforderung an uns auf's neue vergegenwärtigen und unsere Hingebung an diese Pflicht auf's neue wecken soll, da sprach ich: ich bin dahin gekommen, d. h. ich habe Das gefunden, womit wir einzig und allein den zahllosen göttlichen Wohlthaten unserer Seits begegnen können: במגלת ספר וגו', es kann nicht für mich, es kann für Keinen von uns zweifelhaft sein, was Gott von uns für Alles, was Er für uns thut, erwartet, klar und deutlich steht es במגלת ספר, d. i. in der תורה geschrieben עלי: was mir obliegt. Vgl. הרבו עלי מהר ומתן (1. B. M. 39, 12), כל מחסורך עלי (Richter 19, 20). במגלת ספר, nicht in einem etwa nur den Gelehrten zugänglichen, in Bibliotheken zu findenden ספר במגלת ספר, in einer populären, Jedem zugänglichen Bücherrolle finden wir unsere Pflichten verzeichnet.

9
לַ֥עֲשׂוֹת־רְצוֹנְךָ֣ אֱלֹהַ֣י חָפָ֑צְתִּי וְ֝ת֥וֹרָתְךָ֗ בְּת֣וֹךְ מֵעָֽי׃
BernfeldDeinen Willen zu tun, mein Gott, begehre ich, und deine Lehre ist in meinem Innern.
ZunzDeinen Willen zu thun, mein Gott, begehr' ich, und deine Lehre ist in meinem Innern.
HirschDeinen Willen zu vollbringen, mein Gott, ward mein Verlangen, und deine Lehre nahm ich in mein Inneres auf,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 9. לעשות וגו', indem ich daher, deinen Willen zu erfüllen, mein ganzes Wollen sein ließ, nahm ich deine תורה in mein Inneres auf, ward תורה-Lernen meine heiligste Angelegenheit, und zwar so lernen, daß Gottes Gesetz mir gleichsam in Fleisch und Blut überging, all mein Sein, Denken und Wollen beherrschend und gestaltend durchdrang.

10
בִּשַּׂ֤רְתִּי צֶ֨דֶק ׀ בְּקָ֘הָ֤ל רָ֗ב הִנֵּ֣ה שְׂ֭פָתַי לֹ֣א אֶכְלָ֑א יְ֝הֹוָ֗ה אַתָּ֥ה יָדָֽעְתָּ׃
BernfeldIch verkünde dein Heil in großer Versammlung; meine Lippen hören nicht auf [dich zu preisen]. Herr, du weißt es.
ZunzIch verkünde Heil in großer Versammlung, siehe, meine Lippen schließ' ich nicht. Ewiger, du weißt es.
Hirschverkündete das Recht in großer Gemeine, siehe, ich werde auch in Zukunft meine Lippen nicht schließen, Gott, du weißt es.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 10. בשרת' וגו'. Nachdem ich aber zuerst mich selber ganz mit Gottes Gesetz durchdrungen hatte, suchte ich den weiten, weitesten Kreis, — für welchen die Thatsache, daß es ein Gottes-Gesetz für das ganze Einzeln- und Gesammtleben des Menschen gebe, von dessen Erfüllung allein das Einzeln- und Gesammtheil bedingt sei, ein ganz „Neues,“ eine בשורה, eine Botschaft ist, — für die gleiche Erkenntniß und Hingebung zu gewinnen, und suchte — mit meinen Gesängen — ein Herold des צדק an die Menschheit zu werden. צדק ist ja das in der תורה geoffenbarte Gottes-Ideal für die Gestaltung aller Menschenverhältnisse und Beziehungen auf Erden.

Das war die Frucht der mir von Gott bereits in der Vergangenheit gewordenen, prüfenden, erziehenden und rettend beglückenden Führungen, und du weißt es, Gott, auf diesem Wege werde ich nicht stehen bleiben. Alle ferneren Erfahrungen der väterlich führenden Gottes-Liebe und Gerechtigkeit werden in meinem Munde zu Menschen belehrenden und Menschen gewinnenden Liedes-Worten sich gestalten.

11
צִדְקָתְךָ֬ לֹֽא־כִסִּ֨יתִי ׀ בְּת֬וֹךְ לִבִּ֗י אֱמוּנָתְךָ֣ וּתְשׁוּעָתְךָ֣ אָמָ֑רְתִּי לֹא־כִחַ֥דְתִּי חַסְדְּךָ֥ וַ֝אֲמִתְּךָ֗ לְקָהָ֥ל רָֽב׃
BernfeldDeine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen, deine Treue und deine Hilfe spreche ich aus; ich verhehle nicht deine Huld und deine Treue vor der großen Versammlung.
ZunzDeine Gerechtigkeit verberge ich nicht in meinem Herzen, deine Treue und deine Hülfe spreche ich aus; ich verhehle nicht deine Huld und deine Treue großer Versammlung.
HirschIch habe deine Milde nicht in mein Herz verhüllt, habe deine Treue und deine Hilfe ausgesprochen, habe deine Liebe und deine Wahrheit der großen Gemeine nicht verholen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 11. צדקתך וגו'. Und wie ich die Heroldschaft der Menschenbestimmung im großen Menschen-Kreise geübt, so habe ich auch nicht verschwiegen, was du m i r gethan, wie ich das, was ich geworden bin, nur deiner צדקה, deiner Milde verdanke, wie ich deine אמונה, deine erziehende Treue in meinen innern Kämpfen, und תשועתך, deine Sieg verleihende Hilfe in den äußern Kämpfen erfahren, habe demselben großen Kreis, dem ich die Botschaft der צדק-Bestimmung des Menschen vermittelte, auch nicht die Erkenntniß deiner חסד ואמת-Waltung (siehe Ps. 25, 10) vorenthalten.

12
אַתָּ֤ה יְהֹוָ֗ה לֹֽא־תִכְלָ֣א רַחֲמֶ֣יךָ מִמֶּ֑נִּי חַסְדְּךָ֥ וַ֝אֲמִתְּךָ֗ תָּמִ֥יד יִצְּרֽוּנִי׃
BernfeldDu, Herr, wirst deine Liebe mir nicht verweigern, deine Gnade und deine Treue werden stets mich bewahren.
ZunzDu, Ewiger, wirst nicht einhalten deine Liebe von mir, deine Huld und deine Treue werden stets mich bewahren.
HirschDu Gott, verschließe mir auch jetzt dein Erbarmen nicht, deine Liebe und deine Wahrheit lasse mich stets bewahren.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 12. 13. אתה ד'. Du bist doch noch jetzt und immer ד', mögest du auch jetzt dein Erbarmen mir nicht verschließen, möge dein חסד und dein אמת mich immerdar bewahren. —נצר ist mehr ein Zurückhalten von jeder Selbstverderbniß und von innerem zu Grunde gehen, als ein Schützen vor äußerem Verderben. Denn wieder sind Leiden ohne Zahl auf mich eingedrungen, und weil ich das Bewußtsein in mir trug, daß diese Leiden durch meine Verirrungen herbeigeführt sind, habe ich den Geistesblick und die Gemüthes=Ruhe verloren.

13
כִּ֤י אָפְפֽוּ־עָלַ֨י ׀ רָע֡וֹת עַד־אֵ֬ין מִסְפָּ֗ר הִשִּׂיג֣וּנִי עֲ֭וֺנֹתַי וְלֹא־יָכֹ֣לְתִּי לִרְא֑וֹת עָצְמ֥וּ מִשַּׂעֲר֥וֹת רֹ֝אשִׁ֗י וְלִבִּ֥י עֲזָבָֽנִי׃
BernfeldDenn mich umringen Leiden ohne Zahl, mich erreichen meine Strafen unübersehbar, zahlreicher als meines Hauptes Haar, und mein Mut verlässt mich.
ZunzDenn mich umringen Leiden ohne Zahl, mich erreichen meine Sünden — unübersehbar, zahlreicher als meines Hauptes Haar, und mein Muth verläßt mich.
HirschDenn wieder sind zahllose Leiden auf mich eingedrungen, meine Sünden haben mich erreicht, und ich vermochte nicht mehr zu sehen, zahlreicher waren sie als meines Hauptes Haare, und mein Herz hat mich verlassen.
14
רְצֵ֣ה יְ֭הֹוָה לְהַצִּילֵ֑נִי יְ֝הֹוָ֗ה לְעֶזְרָ֥תִי חֽוּשָׁה׃
BernfeldWillige, Herr, in meine Rettung, eile, Herr, zu meinem Beistand.
ZunzWillige, Ewiger, in meine Rettung, Ewiger, zu meinem Beistand eile.
HirschGott, lasse es dein Wille sein mich zu retten, eile, Gott, zu meinem Beistand!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 14—16. רצה וגו'. Darum appellire ich an Dich, der du als ד' stets bereit bist, jedem aufrichtig zu dir sich Wendenden die Pforten einer neuen Zukunft zu eröffnen. Mögest du mich retten, so daß meine Gegner, die dich nicht kennen und in meiner jetzigen Lage schadenfroh meinen nahen Untergang erblicken, auf's tiefste sich getäuscht und beschämt finden. האח האח Siehe Ps. 35, 21. ישמו von שמם, geistig veröden, alle Besinnung verlieren. Vgl. V. 3.

15
יֵ֘בֹ֤שׁוּ וְיַחְפְּר֨וּ ׀ יַחַד֮ מְבַקְשֵׁ֥י נַפְשִׁ֗י לִסְפּ֫וֹתָ֥הּ יִסֹּ֣גוּ אָ֭חוֹר וְיִכָּלְמ֑וּ חֲ֝פֵצֵ֗י רָעָתִֽי׃
BernfeldMögen alle zu Schanden werden und erröten, die mir nach dem Leben trachten, es wegzuraffen; mögen alle zurückweichen und beschämt sein, die mein Unglück wünschen.
ZunzMögen zu Schanden werden und erröthen zumal, die mir nach dem Leben trachten, es wegzuraffen, mögen zurückweichen und beschämt seyn, die mein Unglück wünschen;
HirschDaß sich getäuscht und entlarvt fühlen allesammt, die meine Seele hinzuraffen suchen, daß sie zurückweichen und schamroth werden die mein Unglück wollen,
16
יָ֭שֹׁמּוּ עַל־עֵ֣קֶב בׇּשְׁתָּ֑ם הָאֹמְרִ֥ים לִ֝֗י הֶ֘אָ֥ח ׀ הֶאָֽח׃
BernfeldMögen die infolge ihrer Schande erstarren, die schadenfroh über mich rufen: Ah, ah!
ZunzSich entsetzen in Folge ihrer Schande, die zu mir sprechen: Ha ha!
Hirschveröden über das Äußerste ihrer Scham, die über mich: Bruder! Bruder! rufen.
17
יָ֘שִׂ֤ישׂוּ וְיִשְׂמְח֨וּ ׀ בְּךָ֗ כׇּֽל־מְבַ֫קְשֶׁ֥יךָ יֹאמְר֣וּ תָ֭מִיד יִגְדַּ֣ל יְהֹוָ֑ה אֹ֝הֲבֵ֗י תְּשׁוּעָתֶֽךָ׃
BernfeldLass aber alle frohlocken und sich mit dir freuen, die dich suchen; die nach deinem Heil verlangen, mögen immer sprechen: Groß ist der Herr!
ZunzFrohlocken und sich freuen in dir sollen alle, die dich suchen, beständig sprechen: Groß ist der Ewige! die nach deiner Hülfe verlangen.
HirschDagegen wonnig aufblühen und sich deiner freuen Alle, die dich suchen, stets sprechen: Groß bleibt doch Gott, die nur den von dir verliehenen Sieg lieben.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 17. ישישו וגו'. Dagegen werden Alle, die Gottes Waltung in den Ereignissen und Geschicken der Menschen suchen, sich freuen, in meiner Rettung eine Bestätigung ihrer Hoffnungen und Ueberzeugungen zu finden. יגדל ד': Nichts reicht an die Größe hinan, mit welcher Gottes ewig neuschöpferische Liebe, den in äußern und innern Kämpfen verlorensten Menschen wieder emporzurichten weiß.

18
וַאֲנִ֤י ׀ עָנִ֣י וְאֶבְיוֹן֮ אֲדֹנָ֢י יַחֲשׇׁ֫ב־לִ֥י עֶזְרָתִ֣י וּמְפַלְטִ֣י אַ֑תָּה אֱ֝לֹהַ֗י אַל־תְּאַחַֽר׃ {פ}
BernfeldIch aber, ich armer und dürftiger, für mich wird der Herr sorgen. Mein Beistand und mein Retter bist du, mein Gott säume nicht.
ZunzIch aber bin arm und dürftig, der Herr wird für mich sorgen. Mein Beistand und mein Retter bist du, mein Gott säume nicht.
HirschIch — arm und wehrlos — mein Herr wird für mich denken, mein Retter bist Du, mein Gott zögere nicht! —
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 18. ואני וגו' אדני יחשב לי, Gott, der mein Herr ist, in dessen Dienst ich trotz meiner gegenwärtigen Erniedrigung bleibe, Er wird für mich denken, für mich „rechnen,“ er weiß allein, welche Gestaltung meiner Verhältnisse für die Zwecke seines Dienstes die geeignetste ist.