Tehillim 138 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 138, V. 1. לדוד וגו'. Es kann dieser Psalm ebensowohl aus Israels Brust, als aus Davids Seele gesprochen sein. Beide, David und Israel, David mit seinen Gesängen, Israel mit seinen welthistorischen Geschicksgängen, dürften sich als Werkzeuge zur Anbahnung der einstigen allgemeinen Gotteshuldigung auf Erden begreifen. Was in diesem Psalm V. 1. 2. von dem offenen Gottesbekenntniß der götterhuldigenden Welt gegenüber, V. 3 von dem Muth belebenden Innewerden der Gottesnähe gesagt ist, der V. 4—6 sich aussprechende Ausblick auf die einst allgemeine Gotteshuldigung und die Völker=Erziehung hierzu, sowie die daran V. 7. 8. sich knüpfende, allen Geschickeswandel durchdauernde Zuversicht in Gottes besondere und allgemeine Waltungsliebe, ist für Beide gleich zutreffend.
נגד אלהים, der ganze Inhalt des Psalms spricht dafür, daß hier unter אלהים die von den Völkern verehrten Götter verstanden sind. Ihnen gegenüber spricht mein Bekenntniß und mein Lied unverholen Dich als den Einzigen aus.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. אשתחוה וגו'. Wo ich auch bin, da beuge ich mich offen in der Richtung deines Heiligthums deinem Gesetze zu, dem du die Machtstätte auf Erden gestiftet, und bekenne deinen Namen, wie er in „Liebe und Wahrheit," „segnend und erziehend," sich bewährt, bekenne, „daß weit hinaus über all deinen Namen du deine Verheißung groß hast gestellt," d. h. daß über alle die Namen hinaus, unter welchen wir jetzt dein und deiner Waltung gedenken, du uns noch eine größere Verheißung gegeben. Du hast es uns verheißen, daß die ganze Fülle deines Namens erst in der Zukunft zur Erkenntniß und Verwirklichung kommen wird, wenn über den jüdischen Kreis hinaus deine Anerkennung die ganze Menschheit durchdringt, hast uns verheißen, daß dieser großen, die Gegenwart an Herrlichkeit weit überstrahlenden Zukunft die ganze Menschheit entgegenreift (Siehe Pent. 2 B. M. 3, 14. 15. 17, 16).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. ביום וגו'. Wenn am Tage, da ich rufe, du mich innewerden lässest, daß du mir nahe bist, daß du meinen Ruf vernimmst, תרהבני, so machst du damit mich kühn, erhöhst du mir den Muth, wie vereinzelt und schwach ich auch sei, mit deinem Bekenntniß und mit deinen mir anvertrauten Offenbarungen und Verheißungen offen hervorzutreten. רהב, Stolz, Uebermuth (Siehe Ps. 87, 4). Als Zeitw. ירהבו הנער בזקן (Jes. 3, 5). שהם הרהיבוני (Hohel. 6, 5). בנפשי עז, eine unwiderstehliche, unüberwindliche Kraft fühle ich dann in meiner Seele.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 4. ידוך וגו'. Das ist die Verheißung, auf welche V. 2 hingeblickt wird, und zu deren Ausspruch den Götter verehrenden Völkermächten gegenüber allerdings ein Muth gehört, der nur aus dem Bewußtsein der Gottes=Billigung zu schöpfen ist. Alle Könige der Erde werden einst Gott huldigen, wenn sie Kenntniß und Verständniß der Offenbarung gewonnen haben werden, mit welcher Gott Israel in die Mitte der Völker gesandt hat.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. וישירו וגו'. Sie werden selbst von der Gottesbegeisterung ergriffen werden und die Wege der göttlichen Waltung schauend besingen, auf welchen Gott die Menschheit zu diesem Ziele geführt. כי גדול כבוד ד', denn groß wird an diesem Ende der Zeiten die Herrlichkeit Gottes unter den Menschen auf Erden sein (Vgl. Joel 3, 1. 2. Zephanja 3, 9. Jes. 60, 6. Jes. 11, 9. 40, 5. 66, 23. u. s.).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. כי רם וגו'. Diese Zeit kommt sicherlich herbei. Denn wenn auch Gott jetzt hoch über die irdischen Verhältnisse hinaus, ohne in sie einzugreifen zu thronen scheint, so sieht er doch fürsorgend das Niedrigste und den Niedrigsten, und bringt durch die Ereignisse seiner Waltung den Stolzen zur Besinnung, oder vielmehr: ממרחק, eben aus der Ferne, durch sein Fernbleiben, durch sein Nichteingreifen, indem er ihn sich selbst und den Folgen seines Thuns überläßt, bringt er ihn zur bessern Erkenntniß. ראה, Vgl. Ps. 10, 14.
יידע, ungewöhnliche Hifilform wie אלמנה לא ייטיב (Hiob 24, 21). Er bringt den Hochmüthigen zur Erkenntniß. Vgl. וידע בם אנשי סכות (Richter 8, 16).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 7. אם אלך וגו'. Mit dieser Zuversicht belebst du mich mitten in der Noth, und während du mit deiner Linken dem wüthigen Vorgehen meiner Feinde Gränze setzest, spendet deine Rechte mir ישע, erneutes gekräftigtes Sein.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 8. ד' יגמר וגו' (Vgl. Ps. 57, 3). מעשי ידיך. Es heißt nicht מעשה ידיך, sondern מעשי, und schließt offenbar die ganze übrige Menschheit in diese Bitte mit ein. Du wollest mich und die Menschheit nicht sich selbst überlassen, wollest mich und die Menschheit zu unserer Bestimmung führen. אל תרף (Vgl. Pent. 5 B. M. 3, 31. 31, 6).