Tehillim 118 תהילים

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1
הוֹד֣וּ לַיהֹוָ֣ה כִּי־ט֑וֹב כִּ֖י לְעוֹלָ֣ם חַסְדּֽוֹ׃
BernfeldDanket dem Herrn, denn er ist gütig, ewig währt seine Gnade.
ZunzDanket dem Ewigen, denn er ist gütig, denn ewiglich währt seine Huld.
HirschBekennet G o t t, daß er gut sei, daß immerdar seine Liebe walte.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 118. Nach einer einleitenden Aufforderung an alle Gottesfürchtigen, sich dem Bekenntniß Israels und seines Priesterhauses anzuschließen, folgt ein bekenntnißvoller Rückblick auf Israels ganze weltgeschichtliche Vergangenheit bis zu dem Erlösungstage hin, an welchem es nun als hohepriesterlicher Herold Gottes an die Menschheit dasteht, und Alle, Alle zum Eintritt in die Gott huldigende Pflichtgerechtigkeit des Lebens ladet.

V. 1—4. הודו וגו'. Siehe Ps. 107, 1. Daß die Liebe Gottes immerdar walte, in leidvollen Tagen nicht minder als in Tagen des Glückes und der Freude, das hat Israel mit seinem Berufe im Kreise der Menschheit, das hat das Haus der Aharoniden mit seinem Berufe in Israels Mitte, das hat jeder gottesfürchtige Mensch in seiner Arbeit an sich selber erfahren, und das sollen sie alle mit huldigendem Dankbekenntniß aussprechen.

2
יֹאמַר־נָ֥א יִשְׂרָאֵ֑ל כִּ֖י לְעוֹלָ֣ם חַסְדּֽוֹ׃
BernfeldSo spreche Israel: Denn ewig währt seine Gnade.
ZunzSprechen soll Jisraël: denn ewiglich währt seine Huld.
HirschSage es Israel doch, daß immerdar seine Liebe walte!
3
יֹאמְרוּ־נָ֥א בֵֽית־אַהֲרֹ֑ן כִּ֖י לְעוֹלָ֣ם חַסְדּֽוֹ׃
BernfeldSo spreche das Haus Aaron: Denn ewig währt seine Gnade.
ZunzSprechen soll das Haus Aharon: denn ewiglich währt seine Huld.
HirschSage es doch das Haus Aharon's, daß immerdar seine Liebe walte!
4
יֹאמְרוּ־נָ֭א יִרְאֵ֣י יְהֹוָ֑ה כִּ֖י לְעוֹלָ֣ם חַסְדּֽוֹ׃
BernfeldSo mögen alle sprechen, die den Herrn fürchten, denn ewig währt seine Gnade.
ZunzSprechen sollen, die den Ewigen fürchten: denn ewiglich währt seine Huld.
HirschSagen es doch die G o t t e s f ü r c htigen, daß immerdar seine Liebe walte!
5
מִֽן־הַ֭מֵּצַר קָרָ֣אתִי יָּ֑הּ עָנָ֖נִי בַמֶּרְחָ֣ב יָֽהּ׃
BernfeldAus der Enge rief ich Jah, — Jah erhörte und [stellte mich] in die Weite.
ZunzAus der Enge rief ich Jah, mich erhörte im Geräumigen Jah.
HirschAus der Bedrängniß rief ich Gott, er antwortete mir durch die Gottes-Weite.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5—20 ist ein solches Gott huldigendes Dankbekenntniß Israels, mit welchem es auf die prüfungsvolle Vergangenheit zurückblickt, durch welche es Gott zu dem freudigen Höhepunkt der Erlösung geführt.

מן המצר וגו'. Nach Pesachim 117, a. wäre מרחביה Ein Wort wie הללויה. Es wäre Ein Begriff: die Gottes-Weite, die Befreiung von jedem Angstgefühl, die nur Gott zu verleihen vermag, und in welcher dem Bedrängten sich die Gottesnähe ankündigt. Dieses frei machende Bewußtsein der Gottesnähe sprechen die folgenden Verse 6—9 aus. ד' לי, das war mein Gefühl, und wenn ich auf Erden von Menschen ganz verlassen war, so kannte ich keine Furcht, und wenn auch die ganze Menschheit gegen mich war. ד' לי בעזרי, und wenn Menschen mir hilfreich zur Seite traten, so sah ich in ihnen nur Gottes Boten, Gottes Fügung. In ihnen, in ihrem Beistand erblickte ich Gottes Hilfe, und sah daher ruhigen Auges auf meine Hasser hin (Siehe Ps. 112, 8). Weil ich, wenn Menschen mir beistanden, nicht auf diesen Menschenbeistand vertraute, sondern auf Gott, dessen Werk ich in diesem Beistand der Menschen erblickte, darum verzweifelte ich auch nicht, wenn mir dieser Beistand fehlte, und ich nur Menschenhaß mir gegenüber sah. טוב לחסות וגו'. חסה ב, das verstärkte חזה, heißt: auf eine Hilfe mit Zuversicht ausschauen, die noch ferne ist, im Gegensatz, zu בטח ב, welches das Vertrauen auf einen schon gegenwärtigen Beistand bezeichnet. Also: Besser ist es, mit Zuversicht auf die noch ferne Hilfe Gottes hinzublicken, als auf die bereits gegenwärtige Hilfe von Menschen zu vertrauen, selbst, wenn diese Menschen נדיבים sind, die bloß ihrem innern Drange zu folgen brauchen, ihrem innern Drange folgen können und folgen. נדיבים nach Stand und Charakter.

6
יְהֹוָ֣ה לִ֭י לֹ֣א אִירָ֑א מַה־יַּעֲשֶׂ֖ה לִ֣י אָדָֽם׃
BernfeldDer Herr ist mit mir — ich fürchte nichts; was kann ein Mensch mir tun?
ZunzDer Ewige ist mit mir — ich fürchte nicht; was kann ein Mensch mir thun?
HirschG o t t war mir, darum fürchtete ich nicht; was kann der Mensch mir thun!
7
יְהֹוָ֣ה לִ֭י בְּעֹזְרָ֑י וַ֝אֲנִ֗י אֶרְאֶ֥ה בְשֹׂנְאָֽי׃
BernfeldDer Herr ist mein Helfer, und ich werde [Rache] sehen an meinen Hassern.
ZunzDer Ewige ist mit mir unter meinen Helfern, und ich werde mich weiden an meinen Hassern.
HirschIst G o t t mir in meinen Helfern, sehe i c h ruhigen Auges auf meine Hasser.
8
ט֗וֹב לַחֲס֥וֹת בַּיהֹוָ֑ה מִ֝בְּטֹ֗חַ בָּאָדָֽם׃
BernfeldBesser ist es, sich beim Herrn zu bergen, als auf Menschen zu vertrauen.
ZunzBesser ist es, sich bergen beim Ewigen, als auf Menschen vertrauen.
HirschBesser, Zuversicht in G o t t zu haben, als auf den Menschen zu vertrauen.
9
ט֗וֹב לַחֲס֥וֹת בַּיהֹוָ֑ה מִ֝בְּטֹ֗חַ בִּנְדִיבִֽים׃
BernfeldBesser ist es, sich beim Herrn zu bergen, als auf Edle zu vertrauen.
ZunzBesser ist es, sich bergen beim Ewigen, als auf Edle vertrauen.
HirschBesser, Zuversicht in G o t t zu haben, als auf Edle zu vertrauen.
10
כׇּל־גּוֹיִ֥ם סְבָב֑וּנִי בְּשֵׁ֥ם יְ֝הֹוָ֗ה כִּ֣י אֲמִילַֽם׃
BernfeldAlle Völker haben mich umringt, im Namen des Herrn wehre ich sie ab.
ZunzAlle Völker haben mich umringt, im Namen des Ewigen raff' ich sie weg.
HirschAlle Völker umringten mich: mit dem Namen G o t t e s war's, daß ich ihnen entgegentrat.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 10—12. כל גוים וגו'. Diese Zuversicht in Gott habe ich während meiner ganzen Geschichte bethätigt und sie bewährt gefunden. Dieses dreimalige סבוני, סבוני, סבוני dürfte, Israels ganze Geschichte umfassend, die drei Perioden derselben bezeichnen: die Zeit von Josua bis zum Untergange des ersten Tempels, die Zeit während des zweiten Tempels bis zu dessen Zerstörung, die Zeit der Zerstreuung im Exil. Die שלמים-Form סבב, in Verhältniß zu der gewöhnlichen Form סוב, scheint mehr ein engeres Umringen zu bezeichnen. אמילם von מול gegenüber, המיל entgegentreten. אמילם mit פתח, statt אמילם des סוף פסוק willen. Während der ersten Periode seiner Geschichte, hatte Israel zunächst von seinen Nachbarvölkern zu leiden, sie Alle umringten es, und es war zuletzt doch nur der Name Gott, mit dem Israel ihnen entgegen trat; so lange ihm die Zuversicht nicht war, unterlag es. Und daß es den Untergang seiner staatlichen Selbstständigkeit überdauerte, war nur die Kraft des göttlichen Namens. Während seines zweiten Staatlebens waren es Völker aus der Ferne und Nähe, die es bedrängten. Wo es siegreich ihnen begegnete, da war es nur da, wo der Name Gott es zur Zuversicht begeisterte. Sobald und als es nach Völkerart Politik auf eigene Faust und Völkerbeistand treiben wollte und trieb, richtete es sich und seinen Staat zu Grunde. Mit dem Namen „Gott" und nur mit ihm zog es in's Exil und in die Zerstreuung. In weitem weitem Kreise, so weit fast wie das Erdenrund, umgab es die Feindschaft der Völker. Wie unter einen Bienenschwarm war es gerathen, aus dem es kein Entrinnen giebt, und jeder Einzelne konnte an ihm seinen Stachel üben, übte ihn, und erreichte doch nicht sein Ziel. Nach Jahrtausenden schaut Israel zurück, und darf sich sagen: דועכו, es ist der Pual: durch eine höhere, unsichtbare Macht sind sie zum Verlöschen wie Dornen-Feuer gebracht worden. Der Gedanke des brennenden Bienenstiches hat vielleicht das andere Bild von Dorn und Feuer erzeugt. Was aber hat Israel die Kraft gegeben, diesen langen, langen Tortur-Jahrhunderten standhaft zu begegnen? Nur בשם ד' trat es Allen und Allem entgegen, und erfocht den Sieg der Ausdauer.

11
סַבּ֥וּנִי גַם־סְבָב֑וּנִי בְּשֵׁ֥ם יְ֝הֹוָ֗ה כִּ֣י אֲמִילַֽם׃
BernfeldSie haben mich umringt, ja umzingelt; im Namen des Herrn wehre ich sie ab.
ZunzSie haben mich umringt, ja umzingelt, im Namen des Ewigen raff' ich sie weg.
HirschSie umgaben, ja umringten mich: mit dem Namen G o t t e s war's, daß ich ihnen entgegentrat.
12
סַבּ֤וּנִי כִדְבוֹרִ֗ים דֹּ֭עֲכוּ כְּאֵ֣שׁ קוֹצִ֑ים בְּשֵׁ֥ם יְ֝הֹוָ֗ה כִּ֣י אֲמִילַֽם׃
BernfeldSie haben mich umringt wie Bienen, aber sie verenden wie vom Dornenfeuer, im Namen des Herrn wehre ich sie ab.
ZunzSie haben mich umringt wie Bienen, sie verlöschen wie Dornenfeuer, im Namen des Ewigen raff' ich sie weg.
HirschSie umgaben wie Bienen mich, wurden verlöscht wie Dornenfeuer: mit dem Namen G o t t e s war's, daß ich ihnen entgegentrat.
13
דַּחֹ֣ה דְחִיתַ֣נִי לִנְפֹּ֑ל וַ֖יהֹוָ֣ה עֲזָרָֽנִי׃
BernfeldStießest du mich auch zum Falle, aber der Herr half mir.
ZunzStießest du mich auch zum Falle, stand der Ewige mir bei.
HirschWohl hast du wieder und wieder zum Falle mich gestoßen, aber G o t t hat mir beigestanden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 13. 14. דחה וגו'. Diese Anrede beweist, daß auch alles Bisherige an die Völker gerichtet war, die schon Ps. 117 aufgefordert waren, und die hier nun in ihrer Gesammtheit als Einheit angeredet werden, wohl weil sie in der That in der Gegnerschaft Israel gegenüber Eins gewesen sind. Du hast mich fortwährend zum Fallen gestoßen, es war deine Absicht mich zu Falle zu bringen, und ohne Gottes Beistand wäre ich zu Falle gekommen, aber Gott hat mir beigestanden. Ich widerstand, gewann Lebensheiterkeit, schwang mich zu Gesang auf; diese meine Widerstandskraft und diese Gesangesbegeisterung war ה', war die Gottesmacht, die sich in dieser meiner Widerstandskraft und in dieser Gesangesbegeisterung, — die gar nicht זמרתי', gar nicht „mein“ Gesang war — bekundete, ויהי לי לישועה, das ward mir zur ישועה, das ließ mich mitten in allem Elend immer neue Daseins- und Lebensfrische gewinnen (Siehe Pent. 2. B. M. 15, 2). Mit diesem עזי וזמרת יה ויהי לי לישועה tritt die ganze lange, lange Galuthzeit in dieselbe Bedeutung Einer Gottes Macht offenbarenden Waltungsthat wie der großartige Moment der קריעת ים סוף', und überragt diese noch durch seine fast nach Jahrtausenden messende Dauer.

14
עׇזִּ֣י וְזִמְרָ֣ת יָ֑הּ וַֽיְהִי־לִ֝֗י לִישׁוּעָֽה׃
BernfeldMein Sieg und mein Sang ist Jah, er war meine Rettung.
ZunzMein Sieg und mein Sang ist Jah, er war meine Rettung.
HirschMeine Widerstandskraft und Gesang war G o t t, das ward mir zur Hilfe.
15
ק֤וֹל ׀ רִנָּ֬ה וִישׁוּעָ֗ה בְּאׇהֳלֵ֥י צַדִּיקִ֑ים יְמִ֥ין יְ֝הֹוָ֗ה עֹ֣שָׂה חָֽיִל׃
BernfeldStimme des Jubels und des Sieges erschallt in den Zelten der Gerechten: Die Rechte des Herrn schafft Macht.
ZunzStimme des Jubels und der Rettung erschallt in den Zelten der Gerechten: die Rechte des Ewigen schafft Macht.
HirschStimme des Jubels und der Hilfe sei daher in den Hütten der Gerechten: „Gottes Rechte wirket Kraft,
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 15. 16. קול רנה וגו'. Diese Israel widerfahrene Gotteshilfe soll aber die freudige heilverkündende Botschaft, weit über Israel hinaus, in die Hütten aller Gerechten tragen, die Botschaft: daß Gottes helfende Rechte, wie sie in der Vergangenheit hoch über alles Hohe sich gezeigt, noch jetzt und in aller Gegenwart Allen obsiegende Kraft und Macht verleiht.

16
יְמִ֣ין יְ֭הֹוָה רוֹמֵמָ֑ה יְמִ֥ין יְ֝הֹוָ֗ה עֹ֣שָׂה חָֽיִל׃
BernfeldDie Rechte des Herrn ist hochgehoben, die Rechte des Herrn schafft Macht.
ZunzDie Rechte des Ewigen ist hoch gehoben, die Rechte des Ewigen schafft Macht.
HirschGottes Rechte, die von je sich hoch gezeigt, Gottes Rechte wirket noch Kraft!“
17
לֹא־אָמ֥וּת כִּֽי־אֶחְיֶ֑ה וַ֝אֲסַפֵּ֗ר מַעֲשֵׂ֥י יָֽהּ׃
BernfeldIch sterbe nicht, ich werde leben und die Taten Jahes erzählen.
ZunzIch sterbe nicht, nein ich lebe, und erzähle die Thaten Jah's.
HirschIch sterbe nicht, sondern werde leben und erzählen Gottes Thaten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 17. 18. לא אמות וגו'. So, — spricht Israel — ist meine Bestimmung, nicht unterzugehen. Unter lebenbedrohendsten Geschicken sollte ich als unsterbliches Volk auf Erden wandeln, sollte die ganze Geschichte der Menschheitentwickelung und meine eigene durchleben und durchmachen und die erlebten Waltungsthaten der Gottes-Allmacht erzählen. Mit schmerzlich erziehenden Leiden hat mich die Gottes-Allmacht nicht verschont, aber dem Untergange hatte sie mich nicht bestimmt.

18
יַסֹּ֣ר יִסְּרַ֣נִּי יָּ֑הּ וְ֝לַמָּ֗וֶת לֹ֣א נְתָנָֽנִי׃
BernfeldGezüchtigt hat mich Jah, aber dem Tode gibt er mich nicht preis.
ZunzZüchtigen mag mich Jah, aber dem Tode giebt er mich nicht hin.
HirschGezüchtigt, gezüchtigt hat mich Gott, aber dem Tode hatte er mich nicht hingegeben.
19
פִּתְחוּ־לִ֥י שַׁעֲרֵי־צֶ֑דֶק אָבֹא־בָ֝֗ם אוֹדֶ֥ה יָֽהּ׃
BernfeldÖffnet mir die Pforten des Heils, ich will durch sie eintreten, Jah preisen.
ZunzOeffnet mir die Pforten des Heils, ich will durch sie eintreten, Jah preisen.
HirschOeffnet mir die Thore des Rechts, ich gehe in sie ein, bekenne Gott.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 19. פתחו וגו'. Jetzt, nachdem mich die Leiden für meine Bestimmung bessernd reif gemacht, öffnet mir wieder die Pforten des die Lebens-Gerechtigkeit lehrenden und fordernden Gesetzesheiligthums Gottes. Von der „Gerechtigkeit“ abgefallen, fielen dessen Pforten mir zu. Zu der von ihm gelehrten Gerechtigkeit zurückkehrend, seiner wieder würdig geworden, darf ich wieder in seine Pforten einziehen, und dort mein Gott huldigendes Bekenntniß aussprechen. צדק: das von Gott gelehrte Ideal des Rechts, dessen Huldigung die Summe des ganzen Pflichtlebens bildet. Wer der Verwirklichung dieses צדק lebt, ist צדיק.

20
זֶה־הַשַּׁ֥עַר לַיהֹוָ֑ה צַ֝דִּיקִ֗ים יָבֹ֥אוּ בֽוֹ׃
BernfeldDies ist die Pforte des Herrn, Gerechte treten da ein.
ZunzDies ist die Pforte des Ewigen, Gerechte treten da ein.
HirschGottes ist dies Thor, Gerechte gehen darin ein.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 20. זה השער וגו'. Dieses Thor des Gesetzesheiligthums ist zugleich das Thor Gottes. Es giebt keinen andern Weg zu Gott, als den Weg zu der von seinem Gesetze gelehrten Pflichtgerechtigkeit, und nicht nur Israels Söhne, sie und alle, die der von Gott gelehrten Pflichtgerechtigkeit huldigen, sind geladen, in die Pforte seines Gesetzesheiligthums einzugehen. So auch die Weisen in ת"כ zu 3. B. M. 18, 5. וכן הוא אומר פתחו שערים ויבאו כהנים לויים וישראלים לא נאמר אלא צדיקים יבאו בו. וכן הוא אומר זה השער לד' כהנים לויים וישראלים לא נאמר אלא צדיקים יבאו בו (Siehe Pent. das.). Nur als ihr Weg weisender Führer geht ihnen Israel voran, und spricht zuerst sein Bekenntniß aus.

21
א֭וֹדְךָ כִּ֣י עֲנִיתָ֑נִי וַתְּהִי־לִ֝֗י לִישׁוּעָֽה׃
BernfeldIch will dich preisen, dass du mich erhört hast und meine Rettung warst.
ZunzIch will dich preisen, daß du mich gebeugt, und warst meine Rettung.
HirschDich bekenne ich, denn du hast mich erhört und bist mir zur Hilfe geworden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 21. אודך וגו'. Dir bekenne ich, daß, oder: Dich bekenne ich, denn du hast mich erhört und bist mir zur Hilfe geworden.

22
אֶ֭בֶן מָאֲס֣וּ הַבּוֹנִ֑ים הָ֝יְתָ֗ה לְרֹ֣אשׁ פִּנָּֽה׃
BernfeldDer Stein, den die Bauleute verschmäht haben, ist zum Eckstein geworden.
ZunzDer Stein, den die Bauleute verwarfen, ist geworden zum Eckstein.
HirschDer Stein, den die Bauleute verachtet, der ist zum Haupteckstein geworden!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 22. אבן וגו'. Nicht einmal als Mitbaustein unter andern Bausteinen glaubten die an dem vermeintlichen Völkerheil schaffenden Bauherrn Israel in ihren Bau einfügen zu können, und ließen es verächtlich bei Seite liegen, und nun ist gerade Es der erste Hauptgrundstein des Heilesbau's der Menschheit geworden! (פנה von פנה, wenden, eigentlich der Wendepunkt, ist Ausdruck für Ecke, Winkel, als derjenige Punkt, in welchem zwei Linien zwei verschiedener Richtungen zusammentreffen, jede derselben daher eine „Wendung“ macht, in eine andere Richtung übergeht. Beim Grunde eines Gebäudes wird פנה, der Winkel, als derjenige Theil begriffen, auf dessen gewählter Festigkeit und Stärke die Festigkeit des ganzen Bau's beruht. So Hiob 38, 6. von der Gründung der Erde: מי ירה אבן פנתה. Ebenso Jes. 28, 16. הנני יסד בציון אבן אבן בחן פנת יקרת מוסד מוסד. Daher heißen auch die Haupträger der Volksgemeine פנות העם (Richter 20, 2. Sam. I. 14, 38). Wahrscheinlich ist auch בנה, wie dem Laute nach auch begrifflich mit פנה verwandt, als Zusammenfügung in die vier Richtungen gewandter Wände.

23
מֵאֵ֣ת יְ֭הֹוָה הָ֣יְתָה זֹּ֑את הִ֖יא נִפְלָ֣את בְּעֵינֵֽינוּ׃
BernfeldVon dem Herrn ist dies geschehen, das in unseren Augen so wunderbar ist.
ZunzVon dem Ewigen ist dies geschehen, das so wunderbar in unsern Augen.
HirschVon Gott ist dies geworden, es ist wunderbar in unsern eigenen Augen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 23. מאת וגו'. Die Herbeiführung dieser endlichen und allgemeinen Anerkennung der einzighohen Bedeutung Israels, des bisher völlig Verkannten und Verachteten, für den Heilesbau der Menschheit, ist auf solchen Wegen geschehen, daß sich darin unverkennbar der Gottesfinger bekundet.

24
זֶה־הַ֭יּוֹם עָשָׂ֣ה יְהֹוָ֑ה נָגִ֖ילָה וְנִשְׂמְחָ֣ה בֽוֹ׃
BernfeldDiesen Tag hat der Herr geschaffen, lasset uns jubeln und uns an ihm freuen.
ZunzDiesen Tag hat der Ewige geschaffen, lasset uns jubeln und uns freuen an ihm.
HirschDiesen Tag hat Gott bewirkt, laut und innig freuen wir uns sein.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 24. זה היום וגו'. Diesen Tag, der mit Allanerkennung gekrönten Erlösung und Rückkehr Israels zu seinem Gottesheiligthum, hat Gott bewirkt, sein, Gottes haben wir uns laut und innig zu freuen. גיל, verw. mit קול: die laute Freude. שמח, verw. mit צמח: die innere Freude.

25
אָנָּ֣א יְ֭הֹוָה הוֹשִׁ֘יעָ֥ה נָּ֑א אָנָּ֥א יְ֝הֹוָ֗ה הַצְלִ֘יחָ֥ה נָּֽא׃
BernfeldAch, Herr, gewähre Hilfe; ach, Herr, gewähre mir Glück!
ZunzAch Ewiger, gewähre Hülfe, ach Ewiger, gewähre Glück!
Hirsch„O doch Gott, verleihe doch neues Sein! O doch Gott, gewähr' Gelingen doch!“
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 25. אנא וגו' ist der Ruf der Israel nachfolgenden Völker. Sie haben endlich erkannt, daß sie nur von Gott wahres Heil zu erwarten haben, und richten ihre verlangende Bitte an Ihn. Zwiefach ist aber das von Menschen zu erstrebende und erhoffende Heil: ישועה und הצלחה. ישועה: ungeschwächte persönliche Frische des Seins und Lebens, ישעי, das wirkliche, wahrhaftige ש'. הצלחה: das ungehinderte Gelingen alles Schaffens und Wirkens. Um Beides bitten sie Gott.

26
בָּר֣וּךְ הַ֭בָּא בְּשֵׁ֣ם יְהֹוָ֑ה בֵּ֝רַ֥כְנוּכֶ֗ם מִבֵּ֥ית יְהֹוָֽה׃
BernfeldGesegnet, der da kommt im Namen des Herrn! grüßen wir euch aus dem Hause des Herrn!
ZunzGesegnet, der da kommt im Namen des Ewigen! grüßen wir euch aus dem Hause des Ewigen.
Hirsch„Gesegnet wer kommt, mit dem Namen Gottes! Aus Gottes Haus haben wir euch gesegnet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 26. 27. ברוך וגו' ist die Antwort Israels aus dem Heiligthum, in das es bereits mit seinem Bekenntniß eingetreten. הבא ist durch den Accent von בשם getrennt. Es heißt nicht: Gesegnet der im Namen Gottes kommt; sondern: der Kommende sei im Namen Gottes, oder: mit dem Namen Gottes gesegnet. In der That heißt es aber nicht sowohl: im Namen Gottes, als: mit dem Namen Gottes segnen. Auch unsere Priester, obgleich dieselben von Gott beauftragt sind, den Segen auszusprechen, und insofern von ihnen gesagt werden könnte, sie segnen im Namen Gottes, in seinem Auftrage, segnen in Wahrheit mit dem Namen Gottes, wie es ausdrücklich von ihnen heißt: ושמו שמי על בני ישראל ואני אברכם, sie sollen Israel zum Träger des göttlichen Namens machen, allen seinen Beziehungen den Namen „Gott“ aufprägen, daß sie alle Gott geweiht und seinem Willen gemäß gestaltet seien, dann werde Gott sie segnen (Siehe Pent. 4. B. M. 6,27). So auch hier: die Menschen kommen zu Gott und bitten um den Segen des Heiles und Gelingens. Israel antwortet ihnen: Nicht von Gott, mit Gott, mit seinem Namen habt ihr den Segen zu erstreben und zu gewinnen. Aus Gottes Haus haben wir euch dieses Segenswort gesprochen. In diesem Hause sind alle Bedingungen des Segens niedergelegt: Gottes Gesetz und das daraus und daran sich gestaltende geistige und leibliche Leben und Gedeihen (שולחן und מנורה), und der Altar, an welchem wir die Gelobung unserer Hingebung an dieses Gesetz vollziehen. אל ד', wohl ist Gott, und Gott allein, der Born aller Kraft und Macht, deren wir zu unserm Heile und Gedeihen bedürfen. Allein Gott bewährt sich als Solcher nur, ויאר לנו: wenn wir uns von ihm leuchten lassen, wenn wir die Wege gehen, die Er uns in seinem Gesetze gewiesen. Darum אסרו חג בעבתים, haltet das Opfer, mit welchem ihr euch in Gottes und unsern Kreis einfügen wollet (siehe Pent. 2. B. M. 23, 15), gebunden, noch lange gebunden, bis ihr zu den Höhewinkeln des Altars gelanget, an welchem ihr erst den Eintritt in seinen Bund durch Hingebung eures „Wesens“ an die von seinem Gesetze auch für euch gelehrten Höhenziele gefeiert. Nicht durch Heilesbitten, durch Gehorsamgelobung wird Gott unser Gott! Darum könnt ihr nicht rasch mit eurem Opfer zu Gott gelangen. Bitten ist leicht, Gehorsam geloben, sich der Leuchte der göttlichen Einsicht unterzuordnen, bedarf einer langen, reifen, ernsten Entschließung. Darum haltet eure Opfer בעבתים „mit Seilen“ gebunden, bis ihr den Ernst der Entschließung gewonnen, der euch zu den Altarhöhen seines Gesetzes führt.

27
אֵ֤ל ׀ יְהֹוָה֮ וַיָּ֢אֶ֫ר לָ֥נוּ אִסְרוּ־חַ֥ג בַּעֲבֹתִ֑ים עַד־קַ֝רְנ֗וֹת הַמִּזְבֵּֽחַ׃
BernfeldEin Gott ist der Herr und leuchtet uns; bindet das Festopfer mit Seilen [und führt es] bis zu den Hörnern des Altars.
ZunzEin Gott ist der Ewige und leuchtet uns. Bindet das Festthier mit Seilen an die Hörner des Altars.
Hirsch„Gott ist Gott, wenn er uns geleuchtet! Haltet das Festopfer mit Seilen gebunden bis ihr zu den Höhewinkeln des Altares gelanget!“
28
אֵלִ֣י אַתָּ֣ה וְאוֹדֶ֑ךָּ אֱ֝לֹהַ֗י אֲרוֹמְמֶֽךָּ׃
BernfeldMein Gott bist du, den ich preise, mein Gott, den ich erhebe.
ZunzMein Gott bist du, den ich preise, mein Gott, den ich erhebe.
Hirsch„Mein Gott bist du, dich will ich bekennen, mein Gott, dich will ich in Hoheit halten!“
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 28. אלי וגו'. Diesen Ernst der Entschließung gewinnt die Menschheit und spricht ihn in dem Gott als „ihrem“ Gott huldigenden Bekenntniß aus. אלי וגו', fortan habe ich keine andere Macht, der ich huldige, als Dich, fortan bist Du „mein Gott,“ dem ich als Lenker meiner Geschicke und als Leiter meiner Thaten in seiner ganzen, alles Andere überragenden Hoheit mich unterordne.

29
הוֹד֣וּ לַיהֹוָ֣ה כִּי־ט֑וֹב כִּ֖י לְעוֹלָ֣ם חַסְדּֽוֹ׃ {פ}
BernfeldDanket dem Herrn, denn er ist gütig, ewig währt seine Gnade.
ZunzDanket dem Ewigen, denn er ist gütig, denn ewiglich währt seine Huld.
HirschBekennet Gott, daß er gut sei, daß immerdar seine Liebe walte.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 29. הודו וגו'. Mit diesem Eintritt der Menschheit in den Bund mit Gott, sieht Israel endlich den Zweck seiner Sendung erfüllt, und spricht nun für sich und die mit ihm verbundene Menschheit erst in vollem Sinne das Erlösungsbekenntniß aus, mit dem es, durch die Jahrhunderte der Weltgeschichte ziehend, alle Erlösungsphasen der göttlichen Waltung gefeiert: הודו לד' כי טוב כי לעולם חסדו.