Tehillim 109 תהילים

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1
לַ֭מְנַצֵּחַ לְדָוִ֣ד מִזְמ֑וֹר אֱלֹהֵ֥י תְ֝הִלָּתִ֗י אַֽל־תֶּחֱרַֽשׁ׃
BernfeldDem Sangmeister. ein Psalm Davids. Gott, dem gilt mein Loblied, o schweige nicht!
ZunzDem Sangmeister. Von Dawid. Ein Psalm. Gott meines Loblieds, schweige nicht!
HirschDem Siegverleiher, von David ein Psalm. Gott meines Thatenlobs, schweige nicht!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

Kap. 109, V. 1. למנצח וגו'. Der Gang dieses Ps. ist ein einfacher. David sieht sich von Feinden umgeben, die nicht nur seine materielle Existenz angreifen, die ganz besonders ihn moralisch zu vernichten suchen, und Alles, was nur die Sprache der Lüge und des Hasses an Vorwürfen und Verwünschungen zu erdichten und zu erfinden weiß, auf sein Haupt schütten. Diese Verwünschungen und die erdichteten Vorwürfe, womit sie ihren Haß zu rechtfertigen suchen, bilden den Inhalt von V. 6 bis V. 19. Daß dies aber Verwünschungen sind, die die Feinde über David, nicht aber die David über die Feinde ausgesprochen, das ist schon daraus klar, daß sie den Gegenstand, auf den sie sich beziehen, durchweg im Singular nennen, das geht auch deutlich aus V. 20 und V. 28 hervor, und sagen ja auch V. 2 und 3 ausdrücklich, daß die Feinde mit Reden der Bosheit, der Lüge und des Hasses David umgaben. Allen diesen Verlästerungen und Verwünschungen tritt David sofort mit dem ersten Worte entgegen, indem er Gott: אלקי תהלתי nennt. Gott ist Der, in dem und bei dem er תהלתו, wörtlich ja, die Ausstrahlung seines Wesens, die Ausprägung seines Seins, Denkens und Wollens, und den Ausspruch derselben, somit seinen Charakter und die Würdigung seiner Handlungen findet. In aller erster Linie erstrebt er von Gott תהלתו, und so weh ihm auch die Verkennung und die Verlästerung der Menschen thut, und so sehr er auch von Gott seine endliche Rechtfertigung in den Augen der Menschen erhofft, und von ihm erfleht, daß Er nicht schweigen möge zu den Verläßterungen und Verwünschungen seiner Feinde, so hebt ihn doch das Bewußtsein, daß Gott אלקי תהלתו ist, über die Reden der Menschen empor, und wohl, weil dies Bewußtsein ihn von Vorhinein erfüllt, er von ihm ausgeht, und nicht erst zu ihm im Laufe des Psalms sich emporschwingt, lautet die Ueberschrift: לדוד מזמור, und nicht מזמור לדוד (siehe Ps. 24).

2
כִּ֤י פִ֪י רָשָׁ֡ע וּֽפִי־מִ֭רְמָה עָלַ֣י פָּתָ֑חוּ דִּבְּר֥וּ אִ֝תִּ֗י לְשׁ֣וֹן שָֽׁקֶר׃
BernfeldDenn sie haben über mich geöffnet den Mund des Frevlers und des Truges, sie reden mit mir mit der Zunge der Lüge.
ZunzDenn der Mund des Frevlers und der Mund des Truges sind gegen mich offen, sie reden mit mir mit der Zunge der Lüge.
HirschDenn des Gesetzlosen Mund und den Mund des Truges haben sie über mich geöffnet, haben mit mir die Sprache der Lüge geredet.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 2–4. כי וגו', פי רשע ופי מרמה ist Objekt von פתחו. Sie haben bald Reden offenbar bewußter, dein Gesetz höhnender Schlechtigkeit, bald die Sprache täuschender Heuchelei über mich geführt; oder, manche meiner Feinde führten jene, manche diese Sprache. Der Inhalt ihrer Reden war immer Lüge. Den ganzen Kreis, in welchem ich mich bewegte, vergifteten sie mit Worten des Hasses, und sie hatten doch gar keine Ursache mich zu bekämpfen. Ja, תחת וגו', ich hatte ihnen stets nur wohlthuende Liebe zugewandt, und statt mir solches zu erwiedern, traten sie überall mir hindernd in den Weg (Vgl. Ps. 38, 21). ואני תפלה. Vgl. Ps. 110, 3. עמך נדבות, Ps. 120, 7. אני שלום: mein ganzes Wesen ist Friede, so auch hier: ich bin ganz Gebet, d. h. alle diese Anfeindungen bewirken nur die immer größere Sammlung meines Innern zur geistigen und sittlichen Arbeit an mir selbst vor Gott.

3
וְדִבְרֵ֣י שִׂנְאָ֣ה סְבָב֑וּנִי וַיִּֽלָּחֲמ֥וּנִי חִנָּֽם׃
BernfeldMit Worten des Hasses umzingeln sie mich und streiten gegen mich ohne Ursache.
ZunzUnd mit Worten des Hasses umzingeln sie mich, und streiten gegen mich ohne Ursach.
HirschMit Worten des Hasses haben sie mich umgeben und bekämpften ohne Ursache mich.
4
תַּֽחַת־אַהֲבָתִ֥י יִשְׂטְנ֗וּנִי וַאֲנִ֥י תְפִלָּֽה׃
BernfeldStatt meiner Liebe befehden sie mich, während ich [für sie] bete.
ZunzStatt meiner Liebe befehden sie mich, ich aber bin ganz Gebet.
HirschStatt meiner Liebe traten sie mir hindernd in den Weg, und ich, ich bin Gebet.
5
וַיָּ֘שִׂ֤ימוּ עָלַ֣י רָ֭עָה תַּ֣חַת טוֹבָ֑ה וְ֝שִׂנְאָ֗ה תַּ֣חַת אַהֲבָתִֽי׃
BernfeldSie erzeigen mir Böses für Gutes und Hass für meine Liebe.
ZunzUnd sie erzeigen mir Böses für Gutes, und Haß für meine Liebe.
HirschBöses statt Gutem bestellten sie über mich, Haß statt meiner Liebe:
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 5. וישימו וגו', wie לא אשים עליך (2. B. M. 15, 26): über Jemanden Etwas verhängen, hier in verwünschenden Reden Böses über Jemanden verhängen. Es spricht dies hier nur ihren Wunsch aus, zu dessen Verwirklichung ihnen nicht der Wille, wohl aber die Macht fehlt.

6
הַפְקֵ֣ד עָלָ֣יו רָשָׁ֑ע וְ֝שָׂטָ֗ן יַעֲמֹ֥ד עַל־יְמִינֽוֹ׃
BernfeldBestelle über ihn einen Frevler, ein Ankläger stehe zu seiner Rechten [ihn anzuklagen].
ZunzSetze über ihn einen Frevler, und der Ankläger stehe zu seiner Rechten.
Hirsch„Setze einen Gesetzlosen über ihn, und der Hinderer stehe an seiner Rechten;
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 6–19. הפקד וגו'. Hier bis V. 19 folgen nun Reden, in welchen der Haß der Feinde Das ausspricht, was nach ihren Wünschen über David kommen müßte. V. 6 und 7 הפקד וגו': der generelle Wunsch, daß er bei Gott verloren sein möge. Auf Erden möge Gott ihn der Gewalt völlig schlechter Menschen überliefern, und im Himmel, beim göttlichen Gerichte, möge „Satan" ihm zur „Rechten" stehen. Selbst was zu seinen Gunsten vorgebracht werden könnte, werde vorgebracht zu werden „gehindert,“ so daß er als schuldig aus dem Gerichte hervorgehe, und selbst „sein Gebet werde ihm zur Sünde.“ Er finde eine solche Verdammung bei Gott, daß, es noch zu wagen, sich im Gebete an Gott zu richten, ihm als Verbrechen angerechnet werde. V. 8. פקדתו: פקודה, der Auftrag, das Amt, wie פקדת אלעזר (4. B. M. 4, 16) u. s.: sein Königsamt. V. 10. ודרשו מחרביתיהם: sie suchen unter den Trümmern ihrer verfallenen Größe, ob sie noch Etwas darin für ihr gegenwärtiges Elend Brauchbares finden können, suchen in ihrem Schutt. V. 11. ינקש siehe Pent. 5. B. M. 12, 30. 17. ויאהב קללה: er hat dem göttlichen Verhängnisse getrotzt, hat mit Bewußtsein und Absicht Dinge angestrebt, von denen er wußte, daß sie ihm zum Unsegen gereichen müssen.

7
בְּ֭הִשָּׁ֣פְטוֹ יֵצֵ֣א רָשָׁ֑ע וּ֝תְפִלָּת֗וֹ תִּֽהְיֶ֥ה לַחֲטָאָֽה׃
BernfeldRechtet er, so geh er schuldig aus, und sein Gebet werde zur Sünde.
ZunzRechtet er, geh' er schuldig aus, und sein Gebet sei zur Sünde.
Hirsch„wenn er gerichtet wird, gehe er schuldig aus, und sein Gebet werde zu Versündigung;
8
יִֽהְיוּ־יָמָ֥יו מְעַטִּ֑ים פְּ֝קֻדָּת֗וֹ יִקַּ֥ח אַחֵֽר׃
BernfeldWenig seien seine Tage, seine Obliegenheit nehme ein anderer.
ZunzWenig seien seine Tage, seinen Besitz nehm' ein Anderer.
Hirsch„wenig seien seine Tage, sein Amt erhalte ein Anderer;
9
יִֽהְיוּ־בָנָ֥יו יְתוֹמִ֑ים וְ֝אִשְׁתּ֗וֹ אַלְמָנָֽה׃
BernfeldSeine Kinder seien Waisen und sein Weib eine Witwe.
ZunzSeine Kinder seien Waisen, und sein Weib Wittwe.
Hirsch„Waisen seien seine Kinder und sein Weib Wittwe;
10
וְנ֤וֹעַ יָנ֣וּעוּ בָנָ֣יו וְשִׁאֵ֑לוּ וְ֝דָרְשׁ֗וּ מֵחׇרְבֽוֹתֵיהֶֽם׃
BernfeldSeine Kinder mögen umherirren und betteln, und [Hilfe] suchen fern von ihren Trümmern.
ZunzUnd umherirren mögen seine Kinder und betteln, und (Brod) suchen fern von ihren Trümmern.
Hirsch„seine Kinder sollen von Ort zu Ort gehen nnd betteln, und suchen aus ihren Trümmern;
11
יְנַקֵּ֣שׁ נ֭וֹשֶׁה לְכׇל־אֲשֶׁר־ל֑וֹ וְיָבֹ֖זּוּ זָרִ֣ים יְגִיעֽוֹ׃
BernfeldDer Gläubige lege auf das Seinige Beschlag und Fremde rauben seinen Erwerb.
ZunzSchlingen lege der Gläubiger allem Seinigen, und Fremde rauben seinen Erwerb.
Hirsch„es fahnde der Gläubiger auf alles Seine, und Feinde sollen seinen Erwerb plündern;
12
אַל־יְהִי־ל֭וֹ מֹשֵׁ֣ךְ חָ֑סֶד וְֽאַל־יְהִ֥י ח֝וֹנֵ֗ן לִֽיתוֹמָֽיו׃
BernfeldNiemand erweise ihm Gnade und keiner sei mildtätig seinen Waisen.
ZunzEr habe Niemanden, der ihm Huld zulenke, und keiner sei mildthätig seinen Waisen.
Hirsch„er habe Keinen, der ihm Liebe zuwende, und Keiner sei, der seinen Waisen Etwas gewähre;
13
יְהִי־אַחֲרִית֥וֹ לְהַכְרִ֑ית בְּד֥וֹר אַ֝חֵ֗ר יִמַּ֥ח שְׁמָֽם׃
BernfeldSeine Nachkommenschaft werde ausgerottet, im späteren Geschlechte werde ihr Name ausgelöscht.
ZunzSeine Zukunft werde ausgerottet, im nachkommenden Geschlechte werde ihr Name ausgelöscht.
Hirsch„zum Untergang sei sein Ende, im nächsten Geschlecht erlösche ihr Name;
14
יִזָּכֵ֤ר ׀ עֲוֺ֣ן אֲ֭בֹתָיו אֶל־יְהֹוָ֑ה וְחַטַּ֥את אִ֝מּ֗וֹ אַל־תִּמָּֽח׃
BernfeldGedacht werde die Schuld seiner Väter von dem Herrn, und die Sünde seiner Mutter werde nicht getilgt.
ZunzGedacht werde seiner Väter Schuld von dem Ewigen, und die Sünde seiner Mutter werde nicht ausgelöscht.
Hirsch„seiner Eltern Sünde werde vor Gott gedacht, und seiner Mutter Fehl werde nie verlöscht;
15
יִהְי֣וּ נֶגֶד־יְהֹוָ֣ה תָּמִ֑יד וְיַכְרֵ֖ת מֵאֶ֣רֶץ זִכְרָֽם׃
BernfeldSie seien dem Herrn stets vor Augen, dass er von der Erde ihr Andenken auslösche.
ZunzSeien sie dem Ewigen stets vor Augen, und tilge er von der Erde ihr Gedächtniß.
Hirsch„immer seien sie Gott gegenwärtig, und er vernichte von der Erde ihr Andenken;
16
יַ֗עַן אֲשֶׁ֤ר ׀ לֹ֥א זָכַר֮ עֲשׂ֢וֹת חָ֥֫סֶד וַיִּרְדֹּ֡ף אִישׁ־עָנִ֣י וְ֭אֶבְיוֹן וְנִכְאֵ֨ה לֵבָ֬ב לְמוֹתֵֽת׃
BernfeldDafür, dass er nicht gedachte, Gnade zu üben, dass er den Armen und Dürftigen verfolgte und den mit verzagtem Herzen töten wollte.
ZunzDafür daß er nicht gedachte, Liebe zu erweisen, und er verfolgte den Armen und Dürftigen, und den, der betrübten Herzens war, bis in den Tod.
Hirsch„weil er nie gedachte Liebe zu üben, und Armen und Wehrlosen und Herzbetrübten bis auf den Tod verfolgte;
17
וַיֶּאֱהַ֣ב קְ֭לָלָה וַתְּבוֹאֵ֑הוּ וְֽלֹא־חָפֵ֥ץ בִּ֝בְרָכָ֗ה וַתִּרְחַ֥ק מִמֶּֽנּוּ׃
BernfeldEr liebte den Fluch, so komme er über ihn; er begehrte nicht den Segen, so bleibe er ihm fern.
ZunzUnd er liebte Fluch, und er kam über ihn, und er begehrte nicht den Segen, und er blieb ihm fern.
Hirsch„er liebte Fluch, der ist nun über ihn gekommen, hat Segen nie gewollt, darum ist er fern von ihm geblieben;
18
וַיִּלְבַּ֥שׁ קְלָלָ֗ה כְּמַ֫דּ֥וֹ וַתָּבֹ֣א כַמַּ֣יִם בְּקִרְבּ֑וֹ וְ֝כַשֶּׁ֗מֶן בְּעַצְמוֹתָֽיו׃
BernfeldDenn er zog den Fluch an wie sein Gewand, so dringe er wie Wasser in sein Inneres und wie Öl in seine Gebeine.
ZunzUnd er legte Fluch an wie sein Gewand, und er dringt wie Wasser in sein Inneres, und wie Oel in seine Gebeine.
Hirsch„er kleidete sich in Fluch, wie in seinen Anzug, er kam wie Wasser in sein Inneres und wie Oel in seine Knochen;
19
תְּהִי־ל֭וֹ כְּבֶ֣גֶד יַעְטֶ֑ה וּ֝לְמֵ֗זַח תָּמִ֥יד יַחְגְּרֶֽהָ׃
BernfeldEr sei ihm wie ein Kleid, in das er sich hülle, und zum Gurt, den er stets umgürtet.
ZunzSei er ihm wie ein Kleid, in das er sich hülle, und zum Gurt, den er beständig sich umgürtet.
Hirsch„sei er ihm nun wie ein Kleid, hülle er sich darin, und zum steten Gürtel umgürte er ihn!“
20
זֹ֤את פְּעֻלַּ֣ת שֹׂ֭טְנַי מֵאֵ֣ת יְהֹוָ֑ה וְהַדֹּבְרִ֥ים רָ֝֗ע עַל־נַפְשִֽׁי׃
BernfeldDies sei der Lohn meiner Widersacher vom Herrn und derer, die gegen mich Böses reden.
ZunzDies ist der Lohn meiner Widersacher vom Ewigen und derer, die Böses reden gegen meine Seele.
HirschDas möchten meine Hinderer von Gott erwirken, und die Böses über meine Seele reden.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 20. זאת וגו', Dies, all das Vorhergehende ist פעולת שטני, פעולה, Das, was man mit einem Thun anstrebt, daher ja auch der Lohn (3. B. M. 19, 13). Das ist das Erwirken meiner Feinde, d. h. das ist Das, was sie über mich herbeiführen möchten.

21
וְאַתָּ֤ה ׀ יֱ֘הֹוִ֤ה אֲדֹנָ֗י עֲֽשֵׂה־אִ֭תִּי לְמַ֣עַן שְׁמֶ֑ךָ כִּי־ט֥וֹב חַ֝סְדְּךָ֗ הַצִּילֵֽנִי׃
BernfeldDu aber Gott, Herr, tue mit mir um deines Namens willen; weil du gütig bist in deiner Gnade, rette mich.
ZunzDu aber Gott, Herr, thue mit mir um deines Namens willen; weil gütig ist deine Huld, rette mich.
HirschDu aber, auch im Recht Liebe übender Gott mein Herr! Thue du mit mir um deines Namen willen, wenn deine Liebe wieder gütig ist, rette mich!
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 21. ואתה וגו'. ד', (siehe Pent. 1. B. M. 15, 2. Ps. 73, 18), Gott, dessen Liebe auch in diesem meinem gegenwärtigen unglücklichen Zustande wirksam ist, und dem ich als meinem Herrn mit meinem Dienste geweiht bleibe. כי טוב חסדך הצילני ist in eigenthümlicher Weise durch den Accent zu Einem Gedanken verbunden. Vielleicht: rette mich wenn es deiner Liebe wieder gemäß ist, mir wieder Gutes zu erweisen, wenn es deiner Liebe wieder gemäß sein wird, sich mir gütig zu zeigen. Jetzt zeigt sich mir deine Liebe in dem bittern Weh, das du über mich verhängt hast.

22
כִּי־עָנִ֣י וְאֶבְי֣וֹן אָנֹ֑כִי וְ֝לִבִּ֗י חָלַ֥ל בְּקִרְבִּֽי׃
BernfeldDenn arm und dürftig bin ich, und mein Herz ist gebrochen in meiner Brust.
ZunzDenn arm und dürftig bin ich, und mein Herz ist krank in meiner Brust.
HirschDenn arm und wehrlos bin ich und mein Herz ist todt in meinem Innern.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 22. כי וגו' לבי חלל, mein Herz ist erschlagen, hat alle Lebenskraft eingebüßt.

23
כְּצֵל־כִּנְטוֹת֥וֹ נֶהֱלָ֑כְתִּי נִ֝נְעַ֗רְתִּי כָּאַרְבֶּֽה׃
BernfeldWie ein Schatten, wenn er sich streckt, vergehe ich; aufgescheucht bin ich wie die Heuschrecke.
ZunzWie ein Schatten, wenn er sich streckt, vergehe ich, abgeschüttelt werde ich, gleich Heuschrecken.
HirschWie ein Schatten wenn er sich dehnt schwanke ich, bin aufgescheucht wie Heuschreck.
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kommentar von Rabbiner Samson Raphael Hirsch

V. 23. כצל וגו' נהלכתי. Obgleich הלך intransi. ist, steht es hier im Nifal. Intransitive Verba im Nifal bezeichnen gewöhnlich ein Entstehen des Zustandes, den der Kal ausdrückt. So חלה, krank sein, נחלה, erkranken, היה sein, נהיה werden, also eine Einwirkung erleiden zum Uebergange in den Zustand, den der Kal ausdrückt. Demgemäß wäre auch נהלך: zum Gehen gebracht werden, und hieße es: langsam wie ein Schatten sich dehnt, werde ich zum Gehen gebracht, oder bringe ich mich zum Gehen. Vielleicht auch drückt der Nifal נהלך ein Gehemmtwerden des Gehens aus, wie der Nifal נהיה in ושנתו נהיתה (Daniel 2, 1), ונהייתי ונחליתי (das. 8, 27) ein Gehemmtwerden des Seins ausdrückt. ננערתי, נער, schütteln, in Bewegung setzen. So אצא כפעם בפעם ואנער (Richter 16, 20) schüttele mich ab. So hier, ich bin aufgescheucht.

24
בִּ֭רְכַּי כָּשְׁל֣וּ מִצּ֑וֹם וּ֝בְשָׂרִ֗י כָּחַ֥שׁ מִשָּֽׁמֶן׃
BernfeldMeine Knie wanken vom Fasten, und mein Fleisch zehrt ab ohne Fett.
ZunzMeine Kniee sinken ein vom Fasten, und mein Fleisch zehrt ab an Fett.
HirschMeine Knie straucheln vor Fasten, und mein Leib ist abgemagert ohne Mark.
25
וַאֲנִ֤י ׀ הָיִ֣יתִי חֶרְפָּ֣ה לָהֶ֑ם יִ֝רְא֗וּנִי יְנִיע֥וּן רֹאשָֽׁם׃
BernfeldIch bin ihnen zum Hohn geworden, sie sehen mich und schütteln ihr Haupt.
ZunzUnd ich bin ihnen zum Hohn geworden, sie sehen mich, schütteln ihr Haupt.
HirschUnd da bin ich ihnen zur Schmach geworden, sie sehen mich, schütteln ihr Haupt.
26
עׇ֭זְרֵנִי יְהֹוָ֣ה אֱלֹהָ֑י ה֖וֹשִׁיעֵ֣נִי כְחַסְדֶּֽךָ׃
BernfeldStehe mir bei, Herr, mein Gott, hilf mir nach deiner Gnade.
ZunzStehe mir bei, Ewiger, mein Gott, hilf mir nach deiner Gnade,
HirschStehe mir bei, Gott mein Gott, hilf mir nach deiner Liebe.
27
וְֽ֭יֵדְעוּ כִּי־יָ֣דְךָ זֹּ֑את אַתָּ֖ה יְהֹוָ֣ה עֲשִׂיתָֽהּ׃
BernfeldDamit sie erkennen, dass dies ist deine Hand; du, Herr, hast es getan.
ZunzDaß sie erkennen, daß dies ist deine Hand, du, Ewiger, es hast gethan.
HirschDaß sie erkennen, daß deine Hand dieses ist, du Gott es hast gethan.
28
יְקַֽלְלוּ־הֵמָּה֮ וְאַתָּ֢ה תְבָ֫רֵ֥ךְ קָ֤מוּ ׀ וַיֵּבֹ֗שׁוּ וְֽעַבְדְּךָ֥ יִשְׂמָֽח׃
BernfeldSie fluchen, du aber segnest — sie stehen auf und werden zu Schanden, während dein Knecht sich freut.
ZunzMögen sie fluchen, du aber segne — sie stehen auf und werden zu Schanden, doch dein Knecht freuet sich.
HirschMögen sie fluchen, du aber segnen, haben sie sich erhoben, mögen sie sich getäuscht gefunden haben, dein Diener aber möge sich freuen.
29
יִלְבְּשׁ֣וּ שׂוֹטְנַ֣י כְּלִמָּ֑ה וְיַעֲט֖וּ כַמְעִ֣יל בׇּשְׁתָּֽם׃
BernfeldMögen meine Widersacher Schimpf anlegen und sich hüllen wie in einen Mantel in ihre Schande.
ZunzMögen anlegen meine Widersacher Schmach, und sich hüllen wie in einen Mantel in ihre Schande.
HirschIn Schamröthe mögen meine Hinderer sich kleiden, und wie in einen Mantel in ihre Schande sich hüllen.
30
א֘וֹדֶ֤ה יְהֹוָ֣ה מְאֹ֣ד בְּפִ֑י וּבְת֖וֹךְ רַבִּ֣ים אֲהַלְלֶֽנּוּ׃
BernfeldDanken will ich dem Herrn mit meinem Munde und unter vielen ihn rühmen.
ZunzDanken will ich dem Ewigen sehr mit meinem Munde, und in Vieler Mitte ihn rühmen;
HirschIch werde unendlich Gott mit meinem Munde bekennen, werde sein Thatenlob in Mitte Vieler verkünden,
31
כִּֽי־יַ֭עֲמֹד לִימִ֣ין אֶבְי֑וֹן לְ֝הוֹשִׁ֗יעַ מִשֹּׁפְטֵ֥י נַפְשֽׁוֹ׃ {פ}
BernfeldDenn er stand zur Rechten des Dürftigen, [ihn] zu retten von jenen, die ihn verurteilen wollten.
ZunzDenn er stand zur Rechten des Dürftigen, (ihn) zu retten von den Verurtheilern seiner Seele.
Hirschdaß er zur Rechten des Wehrlosen steht, zu helfen von seiner Seele Richtern.