Tehillim 109 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 109, V. 1. למנצח וגו'. Der Gang dieses Ps. ist ein einfacher. David sieht sich von Feinden umgeben, die nicht nur seine materielle Existenz angreifen, die ganz besonders ihn moralisch zu vernichten suchen, und Alles, was nur die Sprache der Lüge und des Hasses an Vorwürfen und Verwünschungen zu erdichten und zu erfinden weiß, auf sein Haupt schütten. Diese Verwünschungen und die erdichteten Vorwürfe, womit sie ihren Haß zu rechtfertigen suchen, bilden den Inhalt von V. 6 bis V. 19. Daß dies aber Verwünschungen sind, die die Feinde über David, nicht aber die David über die Feinde ausgesprochen, das ist schon daraus klar, daß sie den Gegenstand, auf den sie sich beziehen, durchweg im Singular nennen, das geht auch deutlich aus V. 20 und V. 28 hervor, und sagen ja auch V. 2 und 3 ausdrücklich, daß die Feinde mit Reden der Bosheit, der Lüge und des Hasses David umgaben. Allen diesen Verlästerungen und Verwünschungen tritt David sofort mit dem ersten Worte entgegen, indem er Gott: אלקי תהלתי nennt. Gott ist Der, in dem und bei dem er תהלתו, wörtlich ja, die Ausstrahlung seines Wesens, die Ausprägung seines Seins, Denkens und Wollens, und den Ausspruch derselben, somit seinen Charakter und die Würdigung seiner Handlungen findet. In aller erster Linie erstrebt er von Gott תהלתו, und so weh ihm auch die Verkennung und die Verlästerung der Menschen thut, und so sehr er auch von Gott seine endliche Rechtfertigung in den Augen der Menschen erhofft, und von ihm erfleht, daß Er nicht schweigen möge zu den Verläßterungen und Verwünschungen seiner Feinde, so hebt ihn doch das Bewußtsein, daß Gott אלקי תהלתו ist, über die Reden der Menschen empor, und wohl, weil dies Bewußtsein ihn von Vorhinein erfüllt, er von ihm ausgeht, und nicht erst zu ihm im Laufe des Psalms sich emporschwingt, lautet die Ueberschrift: לדוד מזמור, und nicht מזמור לדוד (siehe Ps. 24).
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2–4. כי וגו', פי רשע ופי מרמה ist Objekt von פתחו. Sie haben bald Reden offenbar bewußter, dein Gesetz höhnender Schlechtigkeit, bald die Sprache täuschender Heuchelei über mich geführt; oder, manche meiner Feinde führten jene, manche diese Sprache. Der Inhalt ihrer Reden war immer Lüge. Den ganzen Kreis, in welchem ich mich bewegte, vergifteten sie mit Worten des Hasses, und sie hatten doch gar keine Ursache mich zu bekämpfen. Ja, תחת וגו', ich hatte ihnen stets nur wohlthuende Liebe zugewandt, und statt mir solches zu erwiedern, traten sie überall mir hindernd in den Weg (Vgl. Ps. 38, 21). ואני תפלה. Vgl. Ps. 110, 3. עמך נדבות, Ps. 120, 7. אני שלום: mein ganzes Wesen ist Friede, so auch hier: ich bin ganz Gebet, d. h. alle diese Anfeindungen bewirken nur die immer größere Sammlung meines Innern zur geistigen und sittlichen Arbeit an mir selbst vor Gott.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. וישימו וגו', wie לא אשים עליך (2. B. M. 15, 26): über Jemanden Etwas verhängen, hier in verwünschenden Reden Böses über Jemanden verhängen. Es spricht dies hier nur ihren Wunsch aus, zu dessen Verwirklichung ihnen nicht der Wille, wohl aber die Macht fehlt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6–19. הפקד וגו'. Hier bis V. 19 folgen nun Reden, in welchen der Haß der Feinde Das ausspricht, was nach ihren Wünschen über David kommen müßte. V. 6 und 7 הפקד וגו': der generelle Wunsch, daß er bei Gott verloren sein möge. Auf Erden möge Gott ihn der Gewalt völlig schlechter Menschen überliefern, und im Himmel, beim göttlichen Gerichte, möge „Satan" ihm zur „Rechten" stehen. Selbst was zu seinen Gunsten vorgebracht werden könnte, werde vorgebracht zu werden „gehindert,“ so daß er als schuldig aus dem Gerichte hervorgehe, und selbst „sein Gebet werde ihm zur Sünde.“ Er finde eine solche Verdammung bei Gott, daß, es noch zu wagen, sich im Gebete an Gott zu richten, ihm als Verbrechen angerechnet werde. V. 8. פקדתו: פקודה, der Auftrag, das Amt, wie פקדת אלעזר (4. B. M. 4, 16) u. s.: sein Königsamt. V. 10. ודרשו מחרביתיהם: sie suchen unter den Trümmern ihrer verfallenen Größe, ob sie noch Etwas darin für ihr gegenwärtiges Elend Brauchbares finden können, suchen in ihrem Schutt. V. 11. ינקש siehe Pent. 5. B. M. 12, 30. 17. ויאהב קללה: er hat dem göttlichen Verhängnisse getrotzt, hat mit Bewußtsein und Absicht Dinge angestrebt, von denen er wußte, daß sie ihm zum Unsegen gereichen müssen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 20. זאת וגו', Dies, all das Vorhergehende ist פעולת שטני, פעולה, Das, was man mit einem Thun anstrebt, daher ja auch der Lohn (3. B. M. 19, 13). Das ist das Erwirken meiner Feinde, d. h. das ist Das, was sie über mich herbeiführen möchten.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 21. ואתה וגו'. ד', (siehe Pent. 1. B. M. 15, 2. Ps. 73, 18), Gott, dessen Liebe auch in diesem meinem gegenwärtigen unglücklichen Zustande wirksam ist, und dem ich als meinem Herrn mit meinem Dienste geweiht bleibe. כי טוב חסדך הצילני ist in eigenthümlicher Weise durch den Accent zu Einem Gedanken verbunden. Vielleicht: rette mich wenn es deiner Liebe wieder gemäß ist, mir wieder Gutes zu erweisen, wenn es deiner Liebe wieder gemäß sein wird, sich mir gütig zu zeigen. Jetzt zeigt sich mir deine Liebe in dem bittern Weh, das du über mich verhängt hast.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 22. כי וגו' לבי חלל, mein Herz ist erschlagen, hat alle Lebenskraft eingebüßt.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 23. כצל וגו' נהלכתי. Obgleich הלך intransi. ist, steht es hier im Nifal. Intransitive Verba im Nifal bezeichnen gewöhnlich ein Entstehen des Zustandes, den der Kal ausdrückt. So חלה, krank sein, נחלה, erkranken, היה sein, נהיה werden, also eine Einwirkung erleiden zum Uebergange in den Zustand, den der Kal ausdrückt. Demgemäß wäre auch נהלך: zum Gehen gebracht werden, und hieße es: langsam wie ein Schatten sich dehnt, werde ich zum Gehen gebracht, oder bringe ich mich zum Gehen. Vielleicht auch drückt der Nifal נהלך ein Gehemmtwerden des Gehens aus, wie der Nifal נהיה in ושנתו נהיתה (Daniel 2, 1), ונהייתי ונחליתי (das. 8, 27) ein Gehemmtwerden des Seins ausdrückt. ננערתי, נער, schütteln, in Bewegung setzen. So אצא כפעם בפעם ואנער (Richter 16, 20) schüttele mich ab. So hier, ich bin aufgescheucht.