Tehillim 1 תהילים
Kommentar (S. R. Hirsch)
Kap. 1. אשרי. Während einerseits die Lautverwandtschaft der Wurzel אשר mit עשר, אצר, עצר, עזר, אזר, אסר, auf eine Sammlung von Kräften und Gütern hinweist, läßt die Bedeutung אָשוּר Schritt, אשר Fortschreiten (Prov. 4, 14. 23, 19), אשרה ein unter vermeintlichem Gottesschutz gedeihender Baum, für אשר nicht bereits den Besitz von Kräften und Gütern, sondern den Fortschritt zu solchem innern und äußern Reichthum als Bedeutung erkennen. Es ist das Fortschreiten zum Heil, das Gedeihen. Auch selbst das Relativpronomen אשר, womit einem Subjekt oder Objekt die Beilegung eines Prädikats eingeleitet wird, drückt ja einen Gedankenfortschritt, die Bekleidung eines Gedankengegenstandes mit einer fernern Aussage, einem neuen Merkmale, somit eine Bereicherung der Vorstellung desselben aus. אשרי, der stat. constr. plur. bezeichnet daher: allen möglichen Fortschritt, alle Fortschritte, Fortschritte in allen Beziehungen. „Fortschritt," Fortschreiten in allem Wünschenswerthen, das ist aber das Motiv und das Ziel aller Gedanken und aller Handlungen aller Menschen. Um dieses Ziel zu erreichen, emancipirt sich der רשע vom Gesetz, büßt der Leichtsinnige seinen Pflichternst ein, und spottet der לץ, der Sophist Alles weg, worin er ein Hemmniß zur Erreichung der Herzenswünsche der Menschen erblickt. Alle drei rühmen sich des Fortschritts und betrachten Die als die Zurückstehenden und Zurückbleibenden, die sich ihren Wegen und Ansichten anzuschließen Bedenken tragen. Dem gegenüber spricht der Psalm: אשרי האיש, das von ihnen allen gesuchte Fortschreiten ist doch in Wahrheit nur des Mannes, der eben nicht ihren Grundsätzen, Wegen und Ansichten sich anschließt, sondern seine Grundsätze, Bestrebungen und Anschauungen nur aus der Gottes-Lehre schöpft.
Schon die Weisen bemerken, wie mit diesem Worte אשרי sich תהלים unmittelbar der תורה anschließt. Moses' Abschiedssegen וזאת הברכה schloß mit den Worten: אשריך ישראל מי כמוך, David beginnt, womit Moses geschlossen: אשרי האיש (Jalkut z. St.) Was Moses für das Nationalganze ausgesprochen, das bringt David hier individuell für jeden Einzelnen zum Bewußtsein. Gegensätzlich zur תורה kennt er aber drei Charaktere: רשע, חטא und לץ.
רשע, lautverwandt mit רשה, wovon das rabbinische רשות, der ungehinderte Wille, das Machtgebiet, und רָשות (אבות I u II) die über dem Gesetz stehende Hoheit, — bezeichnet den Gesetzverächter, den Gesetzlosen, der sich mit Bewußtsein dem Gesetzesgehorsam entzieht, sich nur von seiner Willkühr leiten läßt.
חטא, wovon קלע באבן אל השערה ולא יחטיא, er schleudert mit einem Stein auf ein Haar und läßt es ihn nicht verfehlen (Richter 20, 16), bezeichnet das unabsichtliche Fehlgehen, das Versündigen gegen das Gesetz aus Leichtsinn, aus Mangel an Ernst, und zwar bezeichnet die Form חטָא wie חרש, קשה, גנב (ח wegen des ר), דַּיָן: Denjenigen, dem Sündigen aus Leichtsinn zum Charakter geworden; er ist nicht חוטא, ein mitunter Fehlgehender, wovon kein Mensch frei bleibt, sondern חטָא, leichtsinnig von Charakter. (Die Etymologie von חטא siehe Pent. 1. B. M. 39, 9).
לץ von ליץ (lautverwandt mit לוז, nicht in derselben Richtung bleiben, sich etwas davon entfernen), wovon מליץ, der Dolmetscher (1. B. M. 42, 23), מליץ der Fürsprecher (Hiob 33, 23), מליצה die Dichtung (Prov. 1, 6), bezeichnet in edlem Sinne die Kunst der übertragenden Rede, für das Verständniß, aus einer Sprache in die andere: das Dolmetschen; für das Urtheil, die zweckentsprechende Darstellung der Thatsachen die Fürsprache; für das Gemüth, die ansprechende Formgestaltung: die Poesie. In unedlem Sinne, und diesem gehört besonders die Substantivform לץ an, bezeichnet es jene verderbliche und verwerfliche Kunst der entstellenden Rede, die in falscher, aber geistreich bestechender Weise, Niedriges und Gemeines als etwas Hohes und Sittliches, geistig und sittlich Hohes und Heiliges als Thorheit und Werthloses darstellt oder geistreich verspottet. Es ist dies die fluchwürdige Kunst der falschen Dialektik und der schlechten Ironie. Den רשעים und חטאים zur Seite sind לצים die theoretischen Feinde der תורה, wie רשעים und חטאים die praktischen Uebertreter derselben sind. Sehr oft üben לצים noch aus Gewohnheit oder aus Feigheit die Vorschriften des Gesetzes, machen sich aber über ihre eigene Lebensweise lustig und untergraben mit ihren Reden die Achtung des Sittlichen und Heiligen in der Brust ihrer Nebenmenschen.
Laut- und begriffsverwandt mit לוץ und לצון erscheint לוש und לשון. Die Zunge gestaltet und formt (לוש) die in die Mundhöhle aufgenommene Speise zum Bissen, und gestaltet und formt die Stimme zum artikulirten Sprachlaut. לוץ — wie die meisten צ-Wurzeln in Verhältniß zu den ש-Wurzeln — ist der künstliche Gebrauch der Sprache.
יעץ, wovon עצה, ist nicht in erster Linie einem Andern einen Rath ertheilen, sondern eigentlich: Etwas mit Ueberlegung beschließen und sich vorsetzen, und עצה: ein überlegter Beschluß und Vorsatz, ein Plan. So ja auch namentlich von Gott: וכאשר יעצתי ה'א תקום וזאת העצה היעוצה על כל הארץ (Jes. 14, 24, 26, u. s.). Es erscheint als Gegensatz von יאש, dem Ausdruck der völligen Rathlosigkeit, der aufgegebenen Hoffnung. Demgegenüber ist יעץ: die durch Ueberlegung überwundene Rathlosigkeit.
עצת רשעים ist somit: ein Vorsatz Gesetzloser, ein das Gesetz mit Bewußtsein außer Acht lassender Vorsatz. Einen solchen hat er nie gefaßt. בעצת רשעים לא הלך: mit einem solchen Vorsatz hat er nie einen Schritt gethan. Eine vorsätzliche Gesetzübertretung kennt sein Lebenslauf nicht.
ובדרך חטאים לא עמד, und wenn er je — wovor kein Mensch geschützt ist — aus Mangel an Ernst, an Ueberlegung, aus Schwäche und Irrthum, auf einen unrechten Weg, auf einen דרך חטאים hingerathen war, so ist er doch nie darin stehen geblieben, hat, so bald er es erkannt hatte, ihn verlassen. בדרך חטאים לא הלך wird sich schwerlich von einem Menschen aussagen lassen. Aber לא עמד, nicht darin verbleiben, sobald man seinen Irrthum erkannt, das ist's, was von jedem rechtschaffenen Menschen gefordert wird.
ובמושב לצים לא ישב. Im Lebensverkehr und in den Wegen des geschäftigen thätigen Lebens auch mit לצים, auch mit theoretischen Feinden und Verächtern der sittlichen Gesetzlichkeit zusammen zu kommen, kann kein Mensch vermeiden, und der pflichtgetreue am wenigsten. Nur in der Gesellschaft lassen sich die Pflichten der Lebensaufgabe lösen. Den socialen Kreis seiner Mitwelt kann Keiner sich wählen. Er ist einem Jeden ein gegebener, und eben im Thatenverkehr mit den verschiedensten Andersgesinnten hat der Pflichttreue den unwandelbaren, durch Nichts zu beirrenden Ernst seiner Gott zugewandten Grundsätze zu bewähren. Allein die Zeit des Geschäfts und des thätigen Lebensberufes ist es ja auch nicht, מושב: die der Besprechung und der Unterhaltung zufallenden Stunden der Muße, sie sind das eigentliche Bereich, in welchem die Zungengewandtheit der לצים-Zunft ihre Ansichten verwirrende und Sitten verderbende Kunst entfaltet. Nicht „gehend und stehend," „sitzend" wird sie geübt. Den „Sitz" der לצים kann Jeder vermeiden. Ueber seine Mußestunden kann Jeder nach freier Wahl verfügen. In den Mußestunden gehört Jeder sich selber und seinen Gleichgesinnten an: ובמושב לצים לא ישב.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 2. כי אם בתורת ד' חפצו. חפץ ist das verstärkte חפש, suchen, und חֵפֶץ bedeutet das Ziel und das Streben darnach. Im Gegensatz zu רשעים, חטאים und לצים findet er seine Ziele und sein Streben nach ihnen nur in Gottes Gesetz, dort sind ihm seine Ziele gesteckt und die Wege zu ihnen gezeichnet. Dieses für Alle gegebene Gesetz ist und wird ihm sein Gesetz, ist ihm für seine Erkenntniß und zur Erfüllung durch ihn gegeben, darum bewegt sich sein stetes intensivstes Denken in dieser seiner Gotteslehre „Tags und Nachts". יומם, am Tage, in der Zeit seiner thätigen Lebenserfüllung ist die תורה der Leiter seines Denkens, Wollens und Handelns, damit ist er vor den Gängen und Wegen der רשעים und חטאים geschützt; und לילה, die Nacht, die Stunden der Muße, wo die Berufsthat ruht und der Mensch seinem erkennenden und empfindenden Innern hingegeben ist, seine „Muße," gehört erst ganz der תורה, „dem Lernen" an, Geist und Gemüth in stets fortschreitender Erkenntniß des Wahren und Guten und stets erneuter und wachsender Begeisterung für das Wahre und Gute zu bereichern und zu veredeln. Damit bleibt er ewig fern von מושב לצים.
הגה ist das lebhafte zur Aeußerung drängende Denken. Daher ja auch der Naturlaut der Thiere, כיונה אהגה (Jes. 38, 14), כאשר יהגה האריה (daf. 31, 4) und der gedankenvolle Ausdruck der menschlichen Rede: ולשוני תהגה צדקך (Ps. 38, 28) Daher ist es auch der ganz spezifische Ausdruck für das gedankenvolle „Lernen" der תורה, das ja wesentlich nicht durch blos wortloses Denken erreicht wird, sondern selbst von dem allein und einsam „Lernenden" den präcisen Wortausdruck der zu belebenden und lebendig gewordenen Gedanken fordert. Auch an Josua erging die Forderung: לא ימוש ספר התורה הזה מפיך והגית בו יומם ולילה (K. 1, 8). הגה kommt daher sowohl vom lebhaften Denken als vom gedankenvollen Aussprechen vor.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 3. והיה Durch dieses Aufgehen seines ganzen denkenden, wollenden und handelnden Wesens in die תורה, wird er כעץ u. s. w. שתל ist nach der Erklärung der Weisen (Aboda Sara 19a) nicht gleichbedeutend mit נטע. נטע ist die erste Pflanzung. שתל aber ist das Versetzen junger Pflanzen an die geeigneten Stellen. Es scheint lautverwandt mit dem rabbinischen שדל, dem Ausdruck eines ernsten Bemühens. Dieser Ausdruck ist dem Sinne alles Vorhergehenden überaus entsprechend. Er zieht die Nahrung seiner geistigen und Charakter-Entwickelung nicht aus der Umgebung, in welcher er sich zufällig, durch Geburt und Verhältnisse, befindet. Er pflanzt sich mit ernster Wahl an den Quell, aus welchem allein seine Entwickelung Gedeihen und Heil versprechend zu schöpfen ist. Dieser Quell ist, wie V. 2 gesagt, die תורה. Zweifelhaft kann man sein, wie der Plural פלגי מים gedacht ist. Der Baum, sollte man meinen, steht doch nur an Einem Bach, nicht aber gleichzeitig an vielen. Vielleicht daher ist damit gesagt: es sind viele Bäche vorhanden, er aber hat sich mit Bedacht nur dahin gepflanzt, wo ihm die beste Nahrung wird. Bedenkt man aber, daß פלג eigentlich: theilen, auseinandergehen heißt, so würden פלגי מים viele aus einem gemeinsamen Quell hervorgehende Wasser-„Scheiden", viele einem gemeinsamen Quell entstammende Bäche bedeuten, und wäre dies die ganz eigentliche bildliche Bezeichnung der תורה, die aus dem Einen Quell der göttlichen Wahrheit das innere und äußere Leben nach den verschiedensten Seiten hin durchtränkt und fruchtbar macht.
Aboda Sara 19a wird daran die Lehre geknüpft, seine תורה-Geistesbildung, um nicht einseitig zu bleiben, bei mehreren Lehrern zu suchen, והיה כעץ שתול על פלגי מים אמרי דבי' רבי ינאי כעץ שתול ולא כעץ נטוע כל הלומד תורה מרב אחד אינו רואה סימן ברכה לעולם. אשר פריו יתן בעתו, im Gegensatz zu den unter Einfluß der Leidenschaft und des Leichtsinnes gehemmten oder erzeugten Lebensäußerungen der רשעים und חטאים giebt der an dem Quell der תורה sein Denken und Wollen nährende Mensch „seine Frucht in ihrer Zeit". Er leistet Alles, was das Schriftgebot „von ihm" erwartet, und thut Nichts, was nicht unter dem prüfenden, läuternden und veredelnden Einfluß der Gotteslehre gezeitigt und gereift ist. ועלהו לא יבול, auch sein Blatt welkt nicht. Dem gewöhnlichen Auge erscheint das Blatt am Fruchtbaum als unwesentlicher, nutzloser Theil, und es sind doch die Blätter für das Gedeihen des Baumes so wesentlich wie die Lungen den Thieren. In dem Bilde der geistigen und sittlichen Lebensentwickelung des Menschen entspräche der Blattthätigkeit die das Thatenleben vorbereitende Belebung des Geistes und Gemüthes mit dem Hauche und dem Lichte der göttlichen Wahrheiten, und wenn אשר פריו יתן בעתו den Gegensatz zu den Lebensäußerungen der רשעים und חטאים bildet, so entspricht ועלהו לא יבול einem dem מושב לצים abgewandten Verwenden der Muße für geistige und sittliche Förderung. Daher auch der Satz der Weisen (Aboda Sara 19b): אפילו שיחות חולין של ת"ח צריכה תלמוד שנא' ועלהו לא יבול, auch die gewöhnliche Unterhaltung der Weisen bedarf lernender Beachtung, heißt es doch: auch sein Blatt ist nicht welk. וכל אשר יעשה יצליח ist in concretem Ausdruck die Folge des zuerst unter dem Bilde des gedeihenden Baumes Vergegenwärtigten. Subjekt von יצליח ist der Rechtschaffene, und כל וגו' ist Objekt. צלח bezeichnet einen Schwierigkeiten überwindenden Fortgang. Daher auch einen Fluß überschreiten (Sam. II 19, 18). וכל אשר יעשה יצליח nicht: Alles, was er thut, gelingt, sondern: Alles, was er thut, führt er zum glücklichen Ziele. Nicht dem Ungefähr und dem bloßen Zutreffen äußerer Umstände verdankt er das Gelingen seiner Vorhaben. Indem er Das und nur Das unternimmt, was den von Gott in seiner Lehre gegebenen Motiven und Zielen gemäß ist, hat er alles gethan, was die Gewährung eines Gelingens von Gott zu erzielen vermag.
V 4. לא כן הרשעים כי אם וגו'. Da das der רשעים und חטאים wartende Geschick erst in den folgenden Versen gezeichnet, und zwar mit על כן eingeleitet wird, das eine vorhergehende Schilderung der Handlungsweise voraussetzt, durch welche ein solches Geschick verdient worden, so kann das לא כן u. s. w. nicht das Mißlingen der Unternehmungen der Schlechten im Gegensatz zu dem Gelingen der Vorhaben der Guten zeichnen wollen, muß vielmehr als Ausdruck des Gegensatzes zu dem sittlichen Verhalten der Rechtschaffenen begriffen werden. לא כן הרשעים steht daher im Gegensatz zu: כי אם בתורת ד' וגו'. Sie schöpfen nicht aus einem unwandelbar gegebenen, über ihnen stehenden, als Quell ihres Denkens und Wollens sich anzueignenden Gesetze das Prinzip ihrer Handlungen. Sie sind vielmehr כמץ u. s. w. מץ, von מצץ aussaugen, ist die äußere abgelöste Fruchthülse, die, wenn sie auch äußerlich noch der Form der Frucht gleicht, doch weder einen Kern hat, noch einen durch Stamm und Wurzel genährten Halt hat, אשר תדפנו רוח, die daher nur der Macht des Windes erliegt, der sie hierhin und dorthin treibt. So sind die Gesetzlosen, sie haben weder Kern noch Halt und lassen sich von der Macht der Leidenschaften und äußeren Reize bald hierhin bald dorthin bewegen.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 5. על כן וגו', קום ist sowohl aufstehen, sich zu einem Stande erheben, als stehen bleiben, bestehen. Vgl. 1. B. M. 23, 17 und 19 u. s. במשפט ist das Gottesgericht über die Handlungen der Menschen. Weil רשעים weder innern noch äußern Halt an Gottes dem Menschen offenbar gewordenem Sittengesetz suchen, vielmehr sich nur von ihrer Leidenschaft und äußeren Reizen leiten lassen, darum werden sie im Gottes-Gerichte nicht aufzustehen vermögen, oder nicht bestehen im Gottes-Gerichte; וחטאים, und die aus Leichtsinn ihre Lebensbestimmung verscherzt oder ihr entgegengehandelt haben, wenn sie gleich nicht in dem Grade wie die mit Bewußtsein und Vorsatz das Gottesgesetz höhnenden vom Gottesgerichte getroffen werden, so werden sie doch לא יקומו במשפט בערת צדיקים, so werden sie doch nicht im Gottesgerichte eine Stellung im Kreise der Pflichttreuen finden. לא יקומו ist das zu חטאים zu supplirende Prädikat. צדיק ist der mit Bewußtsein und Ernst allen seinen Pflichten gerecht Werdende im Gegensatz zu רשעים und חטאים. עדה von יעד ist ein auf der Gemeinsamkeit der Bestimmung und des Bekenntnisses zu ihr stehender Verein.
Kommentar (S. R. Hirsch)
V. 6. כי יודע וכו'. ידע von Etwas Kenntniß nehmen, bezeichnet von Gott dessen schützende, anhaltende und fördernde Fürsorge. So: ידע לכתך במדבר (5. B. M. 2), 7. Es heißt hier nun nicht כי יודע ד' דרך צדיקים ורשעים יאבדו, sondern כי יודע ד' דרך צדיקים ודרך רשעים תאבד, der Weg, den die Gerechten wandeln, ihre ganze Handlungsweise ist eben diejenige, welcher nach Gottes Absicht die Gesammtzukunft der Menschheit angehört die er daher nicht zu Grunde gehen läßt, die vielmehr das angelegentliche Augenmerk seiner fürsorgenden Waltung bildet. Das ist das Motiv, weshalb צדיקים des Fortschrittes zum Heile gewiß sein können. Ihr Weg ist der von Gott gewollte und geförderte. דרך רשעים תאבד, der Weg der Gesetzlosen hingegen bedarf zu seiner Vereitelung gar keines besondern Einschreitens Gottes. Er geht von selbst verloren, er ist von vornherein hoffnungslos, da ihm die Fürsorge Gottes fehlt. תאבד, er verliert sich ins Oede, er erreicht nicht sein Ziel. Darum genügte auch im Schlußsatze die Erwähnung דרך רשעים ohne nochmals ausdrücklicher Erwähnung der חטאים. Die Wege Beider sind ja gleich Den Weg, den רשעים mit Vorsatz und Bewußtsein betreten, wandeln חטאים mit gedankenlosem Leichtsinn, mit דרך רשעים תאבד ist daher auch דרך חטאים gerichtet.
Das ganze Kapitel ist eine Belehrung über אשרי האיש, über die Frage: Wem die Zukunft gehört, Wessen der Fortschritt ist zu allen Zielen der Menschenhoffnung.