Nechemjah 5 נחמיה

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1
וַתְּהִ֨י צַעֲקַ֥ת הָעָ֛ם וּנְשֵׁיהֶ֖ם גְּדוֹלָ֑ה אֶל־אֲחֵיהֶ֖ם הַיְּהוּדִֽים׃
BernfeldDamals beklagte sich das Volk samt den Frauen über ihre Brüder, die Judäer.
ZunzUnd es war das Geschrei des Volkes und ihrer Weiber groß, über ihre Brüder, die Jehudim.
R. BreuerDa entstand ein großes Geschrei des Volkes und seiner Frauen gegen ihre jüdischen Brüder.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 5. V. 1. Ob und wie das aus tiefster wirtschaftlicher Not hervorgebrochene „große Geschrei“ der breiten Volksmasse, die damals wie zu allen Zeiten in dürftigen Verhältnissen lebte, und ihrer Frauen zumal, die damals wie zu allen Zeiten in ihrer Eigenschaft als Verwalterinnen der Hauswirtschaft die Sorge ums tägliche Brot am unmittelbarsten und quälendsten empfanden, mit den Ereignissen des vorigen Kapitels in Zusammenhang stehen, ob etwa die Hingabe an das heilige Werk des Maueraufbaus irgendwie zur Vernachlässigung der wirtschaftlichen Lage und zur Einbuße an Hab und Gut geführt hat: der Erzähler schweigt, und nur aus dem krassen Übergang der weihevollen Stimmung, die der stolze Bericht am Schlusse des vorigen Kapitels von der unendlichen Opferfreude der Arbeiter und Wächter erzeugte, in die Atmosphäre der Ernüchterung, der grauen Sorge ums tägliche Brot, des wilden Geschreis um die Verkümmerung und Gefährdung des nackten Lebens, in die uns der schrille Auftakt dieses Kapitels versetzt, läßt er uns den tragischen Widerstreit zwischen Ideal und Wirklichkeit erahnen, der damals wie zu allen Zeiten den Höhenflug der geistigen Kraft mit erdenschweren Ketten fesseln, hemmen, zur Tiefe niederzerren konnte.

2
וְיֵשׁ֙ אֲשֶׁ֣ר אֹמְרִ֔ים בָּנֵ֥ינוּ וּבְנֹתֵ֖ינוּ אֲנַ֣חְנוּ רַבִּ֑ים וְנִקְחָ֥ה דָגָ֖ן וְנֹאכְלָ֥ה וְנִחְיֶֽה׃
BernfeldManche klagten: Unsere vielen Söhne und Töchter [wollen wir verpfänden], denn wir müssen Korn kaufen, dass wir essen und leben.
ZunzDenn Manche sagten: Unserer Söhne und Töchter, unser sind viel, und wir müssen Korn kaufen, daß wir essen und leben.
R. BreuerDa gab es Leute, die sagten: Unsere Söhne und Töchter müssen wir verzinsen, denn wir möchten Korn kaufen, daß wir essen und leben!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2—5. Die Aufständischen zerfielen in drei Gruppen. Die erste Gruppe (V. 2) waren die gänzlich Vermögenslosen, die weder bewegliche noch unbewegliche Habe (Felder, Weinberge, Häuser) besaßen und die darum zur Beschaffung des täglichen Brotes gezwungen waren, ihre Söhne und Töchter als Pfänder für Zinsdarlehen hinzugeben. (רבים leitet Malbim von תרבית Zins ab, wir haben dementsprechend übersetzt). Die zweite Gruppe (V. 3) waren Grundbesitzer, die aber gleichwohl Hunger litten, weil ihnen ihr Grund und Boden nicht den nötigen Ertrag lieferte und sie darum ברעב gezwungen waren, durch Verpfändung ihrer Felder, Weinberge und Häuser sich das Geld für den Getreideeinkauf zu verschaffen. Die dritte Gruppe (V. 4) waren Grundbesitzer, die nicht das nötige Geld besaßen, um die Steuer des Königs zu bezahlen, und die darum gezwungen waren, auf ihre Felder und Weinberge Darlehen aufzunehmen. Bei aller Verschiedenheit ihrer wirtschaftlichen Lage vereinigten sich diese drei Gruppen zu dem gemeinsamen „Geschrei“ in V. 5. In den Vordergrund ihres Protestes stellten sie naturgemäß die Beschwerden der ersten Gruppe, die gezwungen waren, ihre Kinder als Sklaven zu verkaufen: Warum geht es uns schlechter als den reichen Leuten? Haben wir nicht das gleiche Recht, uns satt zu essen, wie sie? Ist unser Leib etwa anders als der ihre? Sind nicht auch unsere Kinder mit dem Anspruch auf Leben und Freiheit geboren? Ist es nicht eine Schande, daß wir unsere Söhne und Töchter in die Sklaverei verkaufen müssen? Und welche zum Himmel schreiende Schmach, daß wir ohnmächtig zuschauen müssen, wie selbst die Ehre und sittliche Frauenwürde so mancher unserer zu Sklavinnen verkauften Töchter gefährdet ist? (Treffend verweist Malbim zu נכבשות auf הגם לכבוש את המלכה in Esther 7, 8). Nachdem der größte Teil des gemeinsamen Protestgeschreis die Beschwerden der ersten Gruppe wiedergab, folgt am Schluß die Beschwerde der zweiten und dritten Gruppe: der Zwang zur Verpfändung von Grund und Boden.

3
וְיֵשׁ֙ אֲשֶׁ֣ר אֹמְרִ֔ים שְׂדֹתֵ֛ינוּ וּכְרָמֵ֥ינוּ וּבָתֵּ֖ינוּ אֲנַ֣חְנוּ עֹרְבִ֑ים וְנִקְחָ֥ה דָגָ֖ן בָּרָעָֽב׃
BernfeldManche auch sagten: Unsere Felder und Weinberge und Häuser müssen wir verpfänden, dass wir Korn kaufen in der Hungersnot.
ZunzUnd Manche sagten: Unsere Felder und Weinberge und Häuser müssen wir verpfänden, daß wir Korn kaufen in der Hungersnoth.
R. BreuerDa gab es ferner Leute, die sagten: Unsere Felder und Weinberge und Häuser müssen wir verpfänden, denn wir möchten Korn kaufen in der Hungersnot!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 3. Nehemia lehnt die Einladung ab mit einer Begründung, in die er absichtlich, um seine heimtückischen Feinde seine Verachtung fühlen zu lassen, das stolze Hochgefühl, das ihm das „große Werk“ des Aufbaus gewährt, einfließen läßt. Sie sollen es merken, daß er von der Höhe seines heiligen Schaffens zur Tiefe ihrer Niedrigkeit „hinabkommen“ müßte, wollte er ihrer Einladung folgen und sein Werk feiern lassen. Dabei fühlt er in all seinem Stolze die Gefahr, die ihm droht. Während es in V. 2 einfach heißt: וישלח, heißt es in V. 3: ואשלחה מלאכים. Gemahnt dieses מלאכים nicht lebhaft an jene anderen מלאכים, die einst der Zusammenkunft zwischen Jakob und Esau vorausgegangen waren und an die Nehemia durch die Einladung seiner Feinde erinnert worden sein möchte? Diese Deutung würde zugleich erklären, warum V. 2 nur Sanballat und Geschem erwähnt, nachdem doch in V. 1 auch Tobijah genannt wurde. Als dem Esau ähnliche Feinde empfand Nehemia blos den Horoniter Sanballat und den Araber Geschem, während Tobijah in freundschaftlichen und familiären Beziehungen zu jüdischen Kreisen stand. (Vgl. das zu 2, 10 Bemerkte).

4
וְיֵשׁ֙ אֲשֶׁ֣ר אֹמְרִ֔ים לָוִ֥ינוּ כֶ֖סֶף לְמִדַּ֣ת הַמֶּ֑לֶךְ שְׂדֹתֵ֖ינוּ וּכְרָמֵֽינוּ׃
BernfeldUnd manche wiederum klagten: Wir haben uns Geld geliehen zu der Steuer des Königs auf unsere Felder und unsere Weinberge.
ZunzUnd Manche sagten: Wir haben uns Geld geliehen zu der Steuer des Königs auf unsere Felder und unsere Weinberge.
R. BreuerUnd es gab endlich Leute, die sagten: Wir haben uns Geld geliehen für die Steuer des Königs auf unsere Felder und Weinberge!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 4—7. Viermal wiederholten sie ihre Einladung, ohne auch nur mit einem Worte zu verraten, was sie damit bezweckten. Als aber Nehemia es immer wieder rundweg ablehnte, ihrer Einladung zu folgen, mußten sie schließlich aus ihrer Reserve heraustreten und ihm mitteilen, was der Grund ihrer Einladung war. Mit schlecht gespielter Besorgnis um sein Heil, bei der ihre Dummheit gleichen Schritt hielt mit ihrer Schlechtigkeit, bezeichneten sie die gewünschte Unterredung als in Nehemias eigenem Interesse gelegen. Sanballat schreibt ihm einen offenen Brief. Er umgibt sich mit dem Glorienschein ehrlicher Offenheit, der heimtückische Diplomatenschleichwege zuwider sind. In diesem offenen Brief erzählt er auf Grund von Berichten seines Freundes Gasmu (des Arabers Geschem) von Gerüchten, die im Umlauf sind, daß er, Nehemia und seine Judäer nichts weniger als offene Empörung gegen den Perserkönig und die Erhebung Nehemias zum König von Judäa planen. Schon seien die Propheten bestellt, die ihn zum König von Judäa in Jerusalem ausrufen sollen, und auch der Bau der Mauer stehe nur im Dienste der Sicherstellung und Verteidigung des geplanten Hochverrats. Wie man diesen unerhörten Gerüchten, die auch das Ohr des Königs erreichen würden, wirksam entgegentreten könne, dieses und nur dieses sei der Zweck der gewünschten Unterredung.

5
וְעַתָּ֗ה כִּבְשַׂ֤ר אַחֵ֙ינוּ֙ בְּשָׂרֵ֔נוּ כִּבְנֵיהֶ֖ם בָּנֵ֑ינוּ וְהִנֵּ֣ה אֲנַ֣חְנוּ כֹ֠בְשִׁ֠ים אֶת־בָּנֵ֨ינוּ וְאֶת־בְּנֹתֵ֜ינוּ לַעֲבָדִ֗ים וְיֵ֨שׁ מִבְּנֹתֵ֤ינוּ נִכְבָּשׁוֹת֙ וְאֵ֣ין לְאֵ֣ל יָדֵ֔נוּ וּשְׂדֹתֵ֥ינוּ וּכְרָמֵ֖ינוּ לַאֲחֵרִֽים׃
BernfeldUnd nun, unser Leib ist ja wie der unserer Brüder, wie ihre Söhne sind auch unsere Söhne; warum müssen wir unsere Söhne und Töchter zu Sklaven [freiwillig] pressen, oder gar manche von unseren Töchtern werden dazu gepresst und wir können nichts dagegen tun! Warum gehören unsere Felder und Weinberge Fremden?
ZunzUnd nun, unser Leib ist wie der Leib unerer Brüder, wie ihre Söhne sind unsere Söhne; und siehe, wir müssen unsere Söhne und Töchter zu Sklaven zwingen, und manche von unsern Töchtern werden dazu gezwungen, und Nichts ist in der Macht unserer Hand; und unsere Felder und Weinberge gehören Fremden.
R. BreuerUnd nun, wie das Fleisch unserer Brüder ist unser Fleisch, wie ihre Söhne sind unsere Söhne, und siehe, wir müssen unsere Söhne und Töchter zu Sklaven pressen, ja manche unserer Töchter sind vergewaltigt worden, und wir können nichts dagegen tun, und unsere Felder und Weinberge gehören anderen!
6
וַיִּ֥חַר לִ֖י מְאֹ֑ד כַּאֲשֶׁ֤ר שָׁמַ֙עְתִּי֙ אֶת־זַֽעֲקָתָ֔ם וְאֵ֖ת הַדְּבָרִ֥ים הָאֵֽלֶּה׃
BernfeldEs verdross mich sehr, als ich ihre Klage hörte und diese Reden.
ZunzUnd es verdroß mich sehr, als ich ihre Klage hörte und diese Reden.
R. BreuerDa verdroß es mich sehr, als ich ihr Geschrei hörte und diese Reden.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 6. Oben V. 1 hieß es: ותהי צעקת העם וגו', hier heißt es זעקתם. Es ist ein Unterschied zwischen צעקה und זעקה. Vgl. Komm. Gen. 18, 21: „צעקה ist das verstärkte זעקה“. Das Geschrei des Volkes war in einem sehr kritischen Augenblick ausgebrochen, als das Aufbauwerk an der Mauer in jedem Augenblick durch einen feindlichen Überfall vernichtet werden konnte. Wie leicht konnte die Kunde von einem inneren Zerwürfnis im jüdischen Lager den Feind zum Angriff ermutigen! Was Wunder, daß Nehemia im ersten Augenblick das Geschrei des Volkes als eine das Aufbauwerk gefährdende, mit seinem starken Widerhall den Feind zum Angriff förmlich herausfordernde צעקה empfand, die er im tiefen Verdruß über ihren zeitlich deplacierten Ausbruch am liebsten mit Gewalt unterdrückt hätte. Als er aber aufmerksamer hinhörte, als er nicht bloß das Geschrei, sondern auch את הדברים האלה, die jammervollen, tiefstem Elendsgefühl entstammenden Worte hörte, die von dem sozialen Unrecht sprachen, unter welchem weite Kreise seines Volkes mit ihren Frauen und Kindern seufzten, da schlug er sich die kühle Berechnung der nach außen hin dringenden Wirkung dieses Jammergeschreis aus dem Sinn, da war es nicht mehr צעקתם, sondern זעקתם, was er vernahm, da empfand er das Geschrei dieser Armen nicht mehr wie einen den Feind herbeilockenden Verrat, sondern wie eine stille Kinderklage, die sich unter Tränen in das Vaterherz ergießt, da wandte sich sein Zorn nicht mehr gegen die, die das Geschrei erhoben, sondern gegen die, die es verschuldet hatten.

7
וַיִּמָּלֵ֨ךְ לִבִּ֜י עָלַ֗י וָאָרִ֙יבָה֙ אֶת־הַחֹרִ֣ים וְאֶת־הַסְּגָנִ֔ים וָאֹמְרָ֣ה לָהֶ֔ם מַשָּׁ֥א אִישׁ־בְּאָחִ֖יו אַתֶּ֣ם (נשאים) [נֹשִׁ֑ים] וָאֶתֵּ֥ן עֲלֵיהֶ֖ם קְהִלָּ֥ה גְדוֹלָֽה׃
BernfeldIch fasste einen Entschluss; ich zankte mit den Edlen und Fürsten und sprach zu ihnen: Wucher treibt ihr einer mit dem andern! Und ich veranlasste gegen sie einen großen Zusammenlauf.
ZunzDa übernahm es mich, und ich zankte mit den Edlen und den Fürsten und sprach zu ihnen: Wucher treibt ihr Einer mit dem Andern! Und ich veranlaßte gegen sie einen großen Zusammenlauf.
R. BreuerIch ging mit mir zu Rate; ich erhob Vorwürfe gegen die Edlen und Vorsteher und sprach zu ihnen: Eine Schuldforderung erhebt ihr der eine gegen den andern! Und ich setzte gegen sie eine Versammlung an.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 7. Nehemias Zorn gegen den rücksichtslosen Egoismus der reichen Gläubiger war so groß, daß er sich selber Zügel anlegen mußte, um nicht zu Unbedachtsamkeiten sich hinreißen zu lassen. Er ging darum zunächst über die zu unternehmenden Schritte mit sich selbst gewissenhaft zu Rate. Er beschloß, den Weg der unmittelbaren Zurechtweisung der Edlen und Vorsteher zu beschreiten und diese Zurechtweisung nicht in der Form eines Appells an das Gefühl der Humanität zu erteilen, sondern im Namen des heiligen Gottesgesetzes das jüdische Gewissen der Gläubiger wachzurufen. Es heißt in der Thora (Ex. 22, 24: אם כסף תלוה את עמי את העני עמך לא תהיה לו כנשה, „Wenn du meinem Volke, dem Armen neben dir, Geld leihst, sollst du ihm nicht wie ein Schuldforderer sein.“ (s. Komm. das.). Dieses Verbot לא תהיה לו כנשה habt ihr übertreten, denn משא איש באחיו אתם נשאים! Und nicht genug damit, daß er ihnen in persönlicher Zurechtweisung ihr Vergehen vor Augen hielt, eine große Volksversammlung berief er ein, um in breiter Öffentlichkeit das unverantwortliche Verhalten der Gläubiger zu geißeln.

8
וָאֹמְרָ֣ה לָהֶ֗ם אֲנַ֣חְנוּ קָ֠נִ֠ינוּ אֶת־אַחֵ֨ינוּ הַיְּהוּדִ֜ים הַנִּמְכָּרִ֤ים לַגּוֹיִם֙ כְּדֵ֣י בָ֔נוּ וְגַם־אַתֶּ֛ם תִּמְכְּר֥וּ אֶת־אֲחֵיכֶ֖ם וְנִמְכְּרוּ־לָ֑נוּ וַֽיַּחֲרִ֔ישׁוּ וְלֹ֥א מָצְא֖וּ דָּבָֽר׃ {פ}
BernfeldUnd ich sprach [ferner] zu ihnen: Wir haben unsere Brüder, die Judäer, losgekauft, die verkauft waren an die Völker, so viel an uns war; und nun wollt ihr gar eure Brüder verkaufen, dass sie selbst an uns verkauft werden? Sie schwiegen darauf und fanden keine Antwort.
ZunzUnd ich sprach (ferner) zu ihnen: Wir haben unsere Brüder, die Jehudim, losgekauft, die verkauft worden an die Völker, so viel an uns war; und ihr wollt gar eure Brüder verkaufen, daß sie (wieder) an uns verkauft werden? Da schwiegen sie still, und fanden keine Antwort.
R. BreuerDa sprach ich zu ihnen: Wir haben losgekauft unsere jüdischen Brüder, die verkauft waren an die Völker, so viel an uns war; und nun wollt ihr gar eure Brüder verkaufen, daß sie an uns verkauft werden? — Sie schwiegen und fanden keine Antwort.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 8—12. Wie überwältigend muß Nehemias Rede in jener Volksversammlung gewesen sein, wenn es ihr gelang, die Gläubiger zur Preisgabe ihrer Forderungen zu bewegen! Was uns hier von dieser Rede berichtet wird, sind bloß ihre Leitgedanken, ein paar Stichwörter, die uns den Aufbau der Rede und ihre eindrucksvolle Wirkung nur erahnen lassen. In drei Teilen, mit immer sich steigerndem rhetorischen Effekt, mag diese Rede in die Herzen der Versammlung eingedrungen sein. Sie begann mit einem Hinweis auf die מצות פדיון שבוים. Ihr wißt, welche große מצוה es ist, Gefangene auszulösen. Wie oft kam es vor, daß wir jüdische Brüder losgekauft haben, wenn sie verkauft waren an die Völker. Niemals hat man in jüdischen Kreisen Kosten und Mühen gescheut, um diese מצוה zu erfüllen. Prüfet nun im Lichte dieser מצוה euer Verhalten gegenüber euren notleidenden jüdischen Brüdern. Sie haben ihre Söhne und Töchter euch zu Sklaven verkauft. Soll es nun dahin kommen — und es wird dazu kommen, wenn ihr in eurem sträflichen, nur auf geschäftlichen Profit bedachten Egoismus verharret — daß ihr eure Brüder an nichtjüdische Sklavenhalter verkauft, aus deren Hand sie dann wieder von uns losgekauft werden müssen? — Und als sie schwiegen, weil sie keine Antwort fanden, fuhr Nehemia im zweiten Teil seiner Rede fort, das Gewissen der Gläubiger durch einen flammenden Appell an ihr jüdisch-nationales Ehrgefühl wachzurütteln. Abgesehen von der unerhörten Verletzung aller Grundlagen der vom Thoragesetz gelehrten und geforderten Wirtschaftsgesinnung und sozialen Verantwortung, deren ihr euch schuldig gemacht habt, müßtet ihr das חלול השם bedenken, das in eurer Gesinnung liegt und zu dem euer Verhalten führt. Wisset ihr denn nicht, daß die große nichtjüdische Welt, die uns rings umgibt, uns beobachtet und prüft, ob wir in der Furcht unseres Gottes wandeln oder nicht? Schon aus Scham vor den Völkern, unseren Feinden, die froh triumphieren, wenn sie am Ehrenkleide des Gottesvolkes einen häßlichen Flecken gewahren, müßtet ihr mit ängstlicher Gewissenhaftigkeit über die Ehre des jüdischen Namens wachen! — Den höchsten Effekt hob sich Nehemia für den dritten Teil seiner Rede auf. Er und seine Brüder und die Leute seiner nächsten Umgebung, die ebenfalls Schuldforderungen an Geld und Getreide erheben könnten, sind entschlossen, mit gutem Beispiel voranzugehen und auf ihre Forderungen zu verzichten. Und so konnte Nehemia als נאה דורש ונאה מקיים, als einer, der sein eigenes Tun in harmonischen Einklang mit seinen Worten bringt, am Schlusse seiner Rede den Gläubigern zurufen: Geht nun hin und tut desgleichen! Und als sie unter dem tiefen Eindruck seiner Rede so zu tun versprachen, wie er geredet hatte, da ließ er sie ihr Versprechen durch einen Schwur in Gegenwart der Priester (vgl. Num. 5, 19 u. 22) bekräftigen.

V. 8—9. Nehemia läßt sich nicht irre machen durch die verschlagene Heuchelei Sanballats und seiner Freunde. Den gesamten Inhalt des offenen Briefes bezeichnet er als Lug und Trug, nur zu dem Zweck ersonnen, die Vollendung seines heiligen Werkes noch in letzter Stunde zu verhindern. — Die alten Bibelerklärer begreifen V. 9 als unmittelbare Fortsetzung von V. 8. Danach habe Nehemia in seiner Antwort an Sanballat begründet, warum er den Inhalt des offenen Briefes als erdichtet ansehe: Ihr habt uns ja schon immer mit euren Verleumdungen bange machen wollen und jetzt: חזק את ידי? Und jetzt soll ich euch auf einmal glauben, daß ihr uns helfen wollet, daß aus den Feinden Freunde geworden sind? Oder: lang genug habt ihr alles unternommen, um unsere Hände schlaff zu machen, ועתה nun wäre es aber endlich einmal an der Zeit, חזק את ידי unsere Hände stark zu machen! — Dieser Auffassung steht aber unseres Erachtens die ganze Satzkonstruktion in V. 9. entgegen. Während V. 8 die zweite Person der Anrede an Sanballat gebraucht, geht V. 9 zur dritten Person der Mehrzahl über und will darin offenbar nicht die Antwort Nehemias an Sanballat fortsetzen, sondern für uns Leser begründen: Ich habe, so erzählt uns Nehemia, die Einladung Sanballats rundweg abgelehnt, weil ich ihn und seine Genossen seit je durchschaut habe, כי כלם מיראים וכו'. Dieser Begründung schließt sich ein Stoßseufzer an, gerichtet an den, der bisher geholfen und auch in Zukunft helfen möge: ועתה חזק את ידי, nun aber, o Gott, nachdem ich das meinige getan, um die dunklen Machenschaften meiner Feinde zu durchkreuzen, mache fest meine Hände, damit ich auch fernerhin ihnen widerstehen kann. Nehemia ahnt, daß die Feinde den Plan, ihn irgendwie zu beseitigen, noch nicht aufgegeben haben. Seine Ahnung sollte sich bald bewahrheiten.

9
(ויאמר) [וָאוֹמַ֕ר] לֹא־ט֥וֹב הַדָּבָ֖ר אֲשֶׁר־אַתֶּ֣ם עֹשִׂ֑ים הֲל֞וֹא בְּיִרְאַ֤ת אֱלֹהֵ֙ינוּ֙ תֵּלֵ֔כוּ מֵחֶרְפַּ֖ת הַגּוֹיִ֥ם אוֹיְבֵֽינוּ׃
BernfeldIch sprach dann weiter: Es ist nicht gut, was ihr tut; schon aus Scham vor den Völkern, unsern Feinden, müsstet ihr ja in Gottesfurcht wandeln.
ZunzUnd ich sprach: Es ist nicht gut, was ihr thut; solltet ihr nicht in der Furcht unseres Gottes wandeln, daß ihr nicht verhöhnt werdet von den Völkern, unsern Feinden?
R. BreuerIch sprach dann weiter: Es ist nicht gut das, was ihr tut. Ihr müßtet ja in der Furcht unseres Gottes wandeln schon aus Scham vor den Völkern, unseren Feinden!
10
וְגַם־אֲנִי֙ אַחַ֣י וּנְעָרַ֔י נֹשִׁ֥ים בָּהֶ֖ם כֶּ֣סֶף וְדָגָ֑ן נַֽעַזְבָה־נָּ֖א אֶת־הַמַּשָּׁ֥א הַזֶּֽה׃
BernfeldAuch ich, meine Brüder und meine Leute, haben ihnen Geld und Korn geliehen, erlassen wir ihnen doch dieses Darlehn!
ZunzAuch ich, meine Brüder und meine Knaben, haben ihnen Geld und Korn geliehen; erlassen wir ihnen doch dieses Darlehn!
R. BreuerAuch ich, meine Brüder und meine Leute, haben ihnen Geld und Korn geliehen. Erlassen wir ihnen doch diese Forderung!
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 10—14. Der Schlüssel zum Verständnis dieses rätselhaften Berichts dürfte in dem Satze והוא עצור (V. 10) liegen. Dieser Satz erinnert an Sam. I. 28, 8, wo von דאג האדמי erzählt wird: er war נעצר לפני ד', wozu Raschi bemerkt: עוצר עצמו לפני אהל מועד לעסוק בתורה, er schloß sich ab vor dem Stiftszelte, um sich mit Thora zu beschäftigen. Wir möchten darum glauben, daß mit dem Satze והוא עצור Schemajah als ein dem weltlichen Treiben abgewandter, ausschließlich dem Studium der Thora hingegebener Mann charakterisiert werden soll, in dessen Hause Nehemia sich wohl schon öfters eingefunden haben mag und so auch jetzt, in dieser gefahrvollen Zeit, in der die Feinde ihn unschädlich zu machen suchten: dort im Hause Schemajahs, hoffte er, fern von den Verleumdungen und Nachstellungen seiner Feinde, wieder einmal eine Stunde ruhiger Beschaulichkeit verbringen zu können. Doch wie staunte er, als Schemajah in seiner von der Welt „abgeschlossenen“ Klause jetzt gerade von dem anfing zu reden, dem er für eine Weile entronnen zu sein glaubte. Er findet ihn in einem Zustande höchster Aufregung. Er spricht, wie er noch nie gesprochen, in zitternder Bestürzung, mit ängstlich fliegender Hast: Sie kommen, dich zu erschlagen — noch in dieser Nacht kommen sie, dich zu erschlagen! Nur einen Weg der Rettung gibts! Komm mit an einen Ort, wo dich niemand sucht, in das Innere des heiligen Tempels, wo der Eintritt jedem Unberufenen verwehrt ist! Dort wollen wir hin und die Türen verschließen. Du bist in Lebensgefahr — laß jedes Bedenken beiseite — Gott wird dir verzeihen — die Stunde drängt — schon die nächste Stunde kann die Stunde deines Todes sein! —

Nehemia traut zunächst seinen Ohren nicht. Wie? Ein Mann wie er, dem das bängliche Schwanken feiger Gedanken stets ein Greuel war, sollte fliehen? Und nicht nur der Held in ihm, auch der Jude in ihm bäumt sich gegen die Zumutung Schemajahs auf. Ein Mann wie er, dem die gehorsame Unterwerfung seines Lebens unter das Gesetz der Thora seit je das höchste Anliegen und das tiefste Bedürfnis seiner Seele war, sollte in den Tempel gehen und leben bleiben? — Wie er Sanballats Einladung rundweg abgelehnt hatte, so lehnt er jetzt die Einladung Schemajahs rundweg ab. — Und wie er jetzt Schemajah vor sich stehen sieht, verlegen, kleinlaut, hilflos, weltfremd wie noch nie, über sich selbst erschrocken und von nachträglicher Angst vor seinem eigenen Mute erfüllt, da fängt Nehemia an zu verstehen, was es mit dem Plane Schemajahs für eine Bewandtnis hat. Aus der prophetischen Todesmahnung dieses weltfremden Klausners sprach nicht Gott, sondern sprachen Tobijah und Sanballat, die den leicht einzuschüchternden Schwächling als Werkzeug ihrer Pläne zu gewinnen wußten und zu benutzen dachten. Schemajah selbst handelt in gutem Glauben. Man hatte ihm die Todesgefahr, in der Nehemia schwebe, in den schwärzesten Farben geschildert und ihn überredet, Nehemia, von dem man wußte, daß er in seinem Hause zu verkehren pflegte, durch eine הוראת שעה zum Eintritt in den Tempel zu bewegen. Damit wollten diese Ehrenmänner ein Doppeltes erreichen: Erstens: למען שכור הוא (ein Satz, der bisher nirgendwo einleuchtend erklärt wurde), damit er, Schemajah, gemietet sei, damit auch der Einzige, der bisher unter den im Rufe prophetischer Begabung Stehenden (vgl. V. 14) abseits stand, in das Intrigennetz eingefangen werde und gerade kraft seiner weltfernen Abgeschlossenheit den Verdacht zerstreuen möge, als stünden Drahtzieher hinter ihm. Zweitens: למען אירא וכו', damit Nehemia endlich das Fürchten lerne und sich durch Schemajah verleiten lasse, einen Schritt zu tun, der geeignet war, ihn vor der ganzen jüdischen Öffentlichkeit auf das empfindlichste zu kompromittieren. Denn nachdem Tobijah und Sanballat einsehen mußten, daß eine Beseitigung Nehemias nicht so leicht zu bewerkstelligen war, wie sie anfangs geglaubt hatten, unternahmen sie es, seine moralische Stellung im Volke zu erschüttern, indem sie ihn mit Hilfe Schemajahs zu einer flagranten Verletzung eines der heiligsten Thoragesetze zu verleiten suchten. Als nun Nehemia mit seiner überlegenen Einsicht dieses Intrigenspiel durchschaute, blieb er sich bewußt, daß Schemajah nur als schwaches Werkzeug von Intriganten sich hatte gebrauchen lassen, denen er nicht gewachsen war, und wohl wußte er, was er tat, wenn er im Augenblick, wo er der letzten Gefahr, die ihn bedroht hatte, sich entronnen fühlte und sein gepreßtes Herz zu Gott um Vergeltung an seinen Widersachern flehte, den Namen Schemajah nicht erwähnte, sondern ihn wohlweislich ausschloß aus der Schar der Lügenpropheten, die sich im vollen Bewußtsein dessen, was sie taten, zu Helfern seiner Feinde hergegeben hatten.

11
הָשִׁ֩יבוּ֩ נָ֨א לָהֶ֜ם כְּהַיּ֗וֹם שְׂדֹתֵיהֶ֛ם כַּרְמֵיהֶ֥ם זֵיתֵיהֶ֖ם וּבָתֵּיהֶ֑ם וּמְאַ֨ת הַכֶּ֤סֶף וְהַדָּגָן֙ הַתִּיר֣וֹשׁ וְהַיִּצְהָ֔ר אֲשֶׁ֥ר אַתֶּ֖ם נֹשִׁ֥ים בָּהֶֽם׃
BernfeldGebet ihnen sofort zurück ihre Felder, ihre Weinberge, ihre Ölberge und ihre Häuser, und das Hundert [Daricken] an Geld und das Korn, Most und Öl, was ihr von ihnen fordert.
ZunzGebet ihnen doch sofort zurück ihre Felder, ihre Weinberge, ihre Oelberge und ihre Häuser, und das Hundert an Geld und Korn, Most und Oel, was ihr ihnen dargeliehen habt.
R. BreuerGebet ihnen sofort zurück ihre Felder, ihre Weinberge, ihre Olbäume und ihre Häuser und das Hundert an Geld und das Korn, Most und Oel, was ihr von ihnen fordert!
12
וַיֹּאמְר֣וּ נָשִׁ֗יב וּמֵהֶם֙ לֹ֣א נְבַקֵּ֔שׁ כֵּ֣ן נַעֲשֶׂ֔ה כַּאֲשֶׁ֖ר אַתָּ֣ה אוֹמֵ֑ר וָאֶקְרָא֙ אֶת־הַכֹּ֣הֲנִ֔ים וָֽאַשְׁבִּיעֵ֔ם לַעֲשׂ֖וֹת כַּדָּבָ֥ר הַזֶּֽה׃
BernfeldDa antworteten sie: Wir wollen zurückgeben und von ihnen nichts verlangen, wir wollen so tun, wie du sprichst. Ich berief die Priester und beschwor sie [vor ihnen], also zu tun.
ZunzDa sprachen sie: Wir wollen zurückgeben und von ihnen Nichts verlangen; wir wollen so thun, wie du sprichst. Da berief ich die Priester und beschwor sie, also zu thun.
R. BreuerDa antworteten sie: Wir wollen zurückgeben und von ihnen nichts verlangen; wir wollen so tun, wie du sprichst. Ich berief die Priester und ließ sie beschwören, also zu tun.
13
גַּם־חׇצְנִ֣י נָעַ֗רְתִּי וָֽאֹמְרָ֡ה כָּ֣כָה יְנַעֵ֪ר הָֽאֱלֹהִ֟ים אֶת־כׇּל־הָאִישׁ֩ אֲשֶׁ֨ר לֹֽא־יָקִ֜ים אֶת־הַדָּבָ֣ר הַזֶּ֗ה מִבֵּיתוֹ֙ וּמִ֣יגִיע֔וֹ וְכָ֛כָה יִהְיֶ֥ה נָע֖וּר וָרֵ֑ק וַיֹּאמְר֨וּ כׇֽל־הַקָּהָ֜ל אָמֵ֗ן וַֽיְהַלְלוּ֙ אֶת־יְהֹוָ֔ה וַיַּ֥עַשׂ הָעָ֖ם כַּדָּבָ֥ר הַזֶּֽה׃
BernfeldAuch schüttete ich meinen Rockschoß aus und sprach: So schüttele Gott jeden Mann, der dies Wort nicht hält, aus seinem Hause und seinem Erwerb, und so geschüttelt und ausgeleert soll er bleiben. Die ganze Versammlung sprach: Amen! Sie priesen den Herrn, und das Volk tat also.
ZunzAuch schüttete ich meinen Rockschoß aus und sprach: So schütte Gott jeden Mann, der dies Wort nicht hält, aus seinem Hause und aus seinem Erwerb, und so ausgeschüttet und ausgeleert soll er bleiben. Und die ganze Versammlung sprach: Amen! Und sie priesen den Ewigen, und das Volk that also.
R. BreuerAuch schüttelte ich meinen Rockschoß aus und sprach: So schüttele Gott jeden Mann, der dies Wort nicht hält, aus seinem Hause und seinem Erwerb, und so geschüttelt und ausgeleert soll er bleiben. Die ganze Versammlung sprach: Amen! Sie priesen Gott, und das Volk handelte danach.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 13. Das Ausschütteln des Rockschoßes war keine rednerische Geste, um die nachfolgende Anrufung Gottes als strafenden Rächers eines Wortbruches wirksam einzuleiten, sondern eine jener symbolischen Handlungen, die uns in der heiligen Schrift, und zwar sowohl in ihrem gesetzlichen als auch in ihrem geschichtlichen Teile, zur einprägsamen Bekräftigung, Verdeutlichung und Verewigung von Gedanken, Gefühlen und Willensentschlüssen auf Schritt und Tritt begegnen. Hier sollte der Gedanke symbolisch veranschaulicht werden, den der Talmud (B. Mezia 71a) in die Worte kleidet: כל המלוה בריבית נכסיו מתמוטטין „Wer gegen Zinsen leiht, dessen Vermögen geht zu Grunde“.

Unter dem Eindruck der Rede Nehemias sprach die ganze Versammlung Amen, und froh darüber, daß Gott ihr Herz zum Guten gelenkt hatte, entlud sich ihr Hochgefühl in einem Gott verherrlichenden Hallelujah. Doch wichtiger als dieses Amen und Hallelujah der „Versammlung“, das so oft in einem Augenblicksrausche entsteht und mit ihm verschwindet, war die nüchterne Sachlichkeit, mit der das „Volk“, nachdem die Versammlung längst auseinandergegangen war, sich anschickte, das gegebene Wort einzulösen.

14
גַּ֞ם מִיּ֣וֹם ׀ אֲשֶׁר־צִוָּ֣ה אוֹתִ֗י לִהְי֣וֹת פֶּחָם֮ בְּאֶ֣רֶץ יְהוּדָה֒ מִשְּׁנַ֣ת עֶשְׂרִ֗ים וְ֠עַ֠ד שְׁנַ֨ת שְׁלֹשִׁ֤ים וּשְׁתַּ֙יִם֙ לְאַרְתַּחְשַׁ֣סְתְּא הַמֶּ֔לֶךְ שָׁנִ֖ים שְׁתֵּ֣ים עֶשְׂרֵ֑ה אֲנִ֣י וְאַחַ֔י לֶ֥חֶם הַפֶּחָ֖ה לֹ֥א אָכַֽלְתִּי׃
Bernfeld[Noch das tat ich]: Von dem Tage an, da man mich entboten, Landpfleger in dem Lande Judäa zu sein, vom zwanzigsten Jahre bis zum zweiunddreißigsten Jahre des Königs Artahsast, also zwölf Jahre, aß weder ich noch meine Brüder die Kost des Landpflegers.
ZunzAuch von dem Tage an, da man mich entboten, Landpfleger in dem Lande Jehudah zu seyn, vom zwanzigsten Jahre bis zum zwei und dreißigsten Jahre Artachschast's, des Königs, zwölf Jahre, aß weder ich, noch meine Brüder, die Kost des Landpflegers.
R. BreuerSchon von dem Tage an, da man mich beauftragt hatte, Landpfleger zu sein im Lande Juda, vom zwanzigsten Jahre bis zum zweiunddreißigsten Jahre des Königs Arthachschasth, also zwölf Jahre, habe ich mit meinen Brüdern die Kost des Landpflegers nicht gegessen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 14—19. Das befriedigende Ergebnis der Volksversammlung führt Nehemia auf die Selbstlosigkeit zurück, mit der er zwölf Jahre hindurch sein Landpflegeramt, zu dem ihn die Gnade des persischen Königs berufen, verwaltet hatte. Der moralische Kredit, den er beim Volke genoß, gab nach seiner eigenen Darstellung in jener Versammlung den Ausschlag. (Nur so ist der unvermittelte Übergang von V. 13 zu 14 zu erklären). Er wäre berechtigt gewesen, für sich und die Leute seiner Umgebung „die Kost des Landpflegers“, die Bestreitung seines ganzen Aufwandes, der Repräsentationskosten eines königlichen Landpflegers zu verlangen. Er hat es nicht getan, obwohl er nur hätte fortzusetzen brauchen, was seine Vorgänger im Amte begonnen hatten. Die verstanden zu leben. Sie nahmen keine Rücksicht auf die Steuerlast des Volkes, sie beanspruchten Abgaben von Nahrungs- und Genußmitteln (Brot und Wein) und Geldsteuern in bar (40 Silberschekel); und nicht genug damit, daß sie selber das Volk bedrückten, auch ihre jungen Leute ließen in jugendlichem Übermut ihre Herrschgelüste am Volke aus. Er aber tat nicht also, weil er sich als jüdischer Landpfleger fühlte, dem die Furcht vor Gott oberste Verwaltungsmaxime war. Und so entsprach es nur den Grundsätzen seiner politischen Sittlichkeit, wenn er sich auch bei dem Aufbauwerk an der Mauer als ersten Diener seines Volkes betrachtete: nicht untätig stand er fern, während das Volk arbeitete. Weil er und seine Leute ihre Vorzugsstellung nicht benutzt hatten, sich durch Erwerb von Grundbesitz zu bereichern, stellte er sich in eine Reihe mit den Arbeitern an der Mauer und sorgte er dafür, daß auch seine jungen Leute, anders als jene aus der Zeit seiner Vorgänger, frei von jugendlicher Überheblichkeit, Schulter an Schulter mit den Arbeitern des Volkes zur Arbeit an der Mauer sich versammelten. Dabei war es eine fürstliche Haushaltung, die er aus eigenem bestreiten mußte. Zu den 150 jüdischen Beamten, die an seiner Tafel speisten, gesellten sich Nichtjuden aus der Umgegend, die nach Raschi גרים, Proselyten waren, die, offenbar angezogen durch den Glanz seines Namens und den Adel seines Wesens und Lebens, zu seinen Volksgenossen wurden und seine täglichen Gäste waren. Sie alle mußte er mit Speise und Trank versorgen. Für die Mahlzeit eines Tages mußte ein ganzer Ochse zubereitet werden; dazu kamen sechs auserlesene Schafe und Geflügel und allerlei Wein in Fülle. — Das schwierige ובין עשרת ימים wird am richtigsten wohl von Raschi erklärt: Was die Gäste an einem Tage vertranken, hätte für zehn Tage gereicht. Dagegen dürfte die Hypothese Malbims, daß Nehemia an jedem zehnten Tage gefastet habe, wohl kaum begründet sein. Mit Raschis Auffassung erklärt sich auch das zwischen Speise und Trank eingeschobene נעשו לי: zu den Abnehmern der Fleischgänge des täglichen Menüs gehörte auch Nehemia; der Ochse, die sechs Schafe und das Geflügel נעשו לי, die wurden auch für mich zubereitet. Im Essen vermögen wir Juden noch heute mit unseren nichtjüdischen Mitbürgern gleichen Schritt zu halten. Gilt es aber, viel und vielerlei Wein zu trinken, dann konnten schon zu Nehemias Tagen die גרים an seinem Tische, die sich ihre Trinkfestigkeit von dazumal noch als Juden bewahrt haben mochten, an einem Tage so viel bewältigen, wie es für Nehemia und seine Leute für zehn Tage gereicht hätte,

So begreiflich aber die stolze Genugtuung ist, mit der Nehemia auf die Selbstlosigkeit zurückschaut, die ihn bei seinen persönlichen Ansprüchen als Landpfleger Rücksicht nehmen ließ auf das schon ohnehin genug belastete Volk, so war doch dem scharfen Ohr der Weisen die Selbstgefälligkeit nicht entgangen, mit der Nehemia zu Beginn dieses Rückblicks auf seine minderwertigen Vorgänger im Amte herunterschaut und am Schlusse dieses Rückblicks sein uneigennütziges Wirken für sein Volk dem Gedenken des allgütigen und jede Guttat belohnenden Gottes empfiehlt (Sanhedrin 93b:) מכדי כל מילי דעזרא נחמיה בן חכליה אמרינהו ונחמיה בן חכליה מאי טעמא לא איקרי סיפרא על שמיה אמר רב ירמיה בר אבא מפני שהחזיק טובה לעצמו שנאמר זכרה לי אלקי לטובה .... רב יוסף אמר מפני שסיפר בגנותן של ראשונים שנאמר והפחות הראשונים וגו' ואף על דניאל שגדול ממנו סיפר ...

Obwohl das Buch Esra das geistige Eigentum Nehemias ist, trägt es gleichwohl nicht seinen Namen, zur Sühne der Selbstgefälligkeit seiner Schlußworte in V. 19 unseres Kapitels oder der Überheblichkeit, die ihn in V. 15 übersehen ließ, daß zu den פחות הראשונים auch Daniel gehörte, der als נביא (vgl. Raschi Sanhedrin das.) größer war als er. Wie das Bibelwort die Schwächen unserer Größten nicht verschweigt, so hält auch die talmudische Tradition Überlieferungen nicht zurück, auch dort, wo sie die Schwächen eines Nehemia uns verraten. Denn was bedeutet selbst ein Nehemia, was bedeutet ein einzelner Mensch, und mag er die sittliche Stufe unserer Größten und Reinsten erreichen, gegenüber der Idee der sittlichen Vollkommenheit, die gleichbedeutend ist mit der Idee des Gottesvolkes selbst? Wenn am Tage der Erinnerung zu מלכיות und שופרות auch זכרונות sich gesellen, dann werden Erinnerungen, die nur Einzelne betreffen, in den Schatten gedrängt: אין מזכירין זכרון של יחיד ואפילו לטובה כגון .... זכרה לי אלקי לטובה (Rosch Haschanah 32b).

Kap. VI. V. 1—2. Mit offener Gewalt gegen die unbequemen Judäer vorzugehen, das war den Feinden mißlungen. Nun versuchten sie's mit List. Schon war die Mauer fast vollendet. Nur die Türen fehlten noch in den Toren. Es war höchste Zeit, etwas zu tun, und nicht zu warten, bis die schützende Mauer zur restlosen Vollkommenheit gediehen war. Nehemia, der Leiter des Ganzen, sollte unschädlich gemacht werden. Hierzu mußte er in eine Falle gelockt werden. Sie laden ihn wie zu einer friedlichen und freundschaftlichen Besprechung ein nach Kefirim im Tale Ono. Er aber ahnt nichts Gutes, ja erkennt sofort, daß sie gegen ihn, als den Erbauer der Mauer — das so stolz klingende כי בניתי את החומה in V. 1 ist ja nur die psychologische Einleitung zu והמה חשבים לעשות לי רעה in V. 2 — Böses planen und mit ihm das geistige Haupt des Aufbauwerkes, die Seele der Auferstehung Jerusalems vernichten wollen.

15
וְהַפַּחוֹת֩ הָרִאשֹׁנִ֨ים אֲשֶׁר־לְפָנַ֜י הִכְבִּ֣ידוּ עַל־הָעָ֗ם וַיִּקְח֨וּ מֵהֶ֜ם בְּלֶ֤חֶם וָיַ֙יִן֙ אַחַר֙ כֶּֽסֶף־שְׁקָלִ֣ים אַרְבָּעִ֔ים גַּ֥ם נַעֲרֵיהֶ֖ם שָׁלְט֣וּ עַל־הָעָ֑ם וַאֲנִי֙ לֹא־עָשִׂ֣יתִי כֵ֔ן מִפְּנֵ֖י יִרְאַ֥ת אֱלֹהִֽים׃
BernfeldHingegen bedrückten die früheren Landpfleger, die vor mir waren, das Volk, und nahmen von ihnen Brot und Wein, außer vierzig Sekel Silber; auch ihre Leute schalteten über das Volk; ich aber tat nicht so aus Gottesfurcht.
ZunzAber die frühern Landpfleger, die vor mir waren, beschwerten das Volk und nahmen von ihnen Brod und Wein, außer vierzig Schekel Silber; auch ihre Buben schalteten über das Volk; ich aber that nicht so aus Gottesfurcht.
R. BreuerDagegen fielen die früheren Landpfleger, die vor mir waren, dem Volke zur Last und nahmen von ihnen Brot und Wein, außer vierzig Schekel Silber; auch ihre jungen Leute schalteten über das Volk; ich aber tat nicht so aus Furcht vor Gott.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 15—19. Am 25. Elul im 20. Regierungsjahre des Königs Darius (Raschi), im Jahre 444 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung, war die Mauer vollendet, im selben Jahre, in dem Nehemia von Susa nach Jerusalem gekommen war, nach 52 Tagen. Allen Hindernissen zum Trotz war hier ein Werk mit solch erstaunlicher Schnelligkeit vollbracht worden, daß alle Feinde, die davon hörten und alle rings ansässigen Völker, die es in seiner Vollendung schauen konnten, kleinlaut wurden und erkannten, daß in diesem Werke die Hilfe Gottes sichtbarlich in die Erscheinung trat. In jenen Tagen hätte Nehemia allen Grund gehabt, von Gefühlen stolzer Genugtuung erfüllt zu sein. Doch ein bitterer Wermutstropfen fiel in den Kelch seiner Freude. Man hätte erwarten sollen, daß unter „allen unseren Feinden“, die in jenen Tagen angesichts des vollendeten Werkes kleinlaut wurden, Tobijah am kleinlautesten geworden wäre. War es ja Tobijah, der in diesen 52 Tagen immer wieder versucht hatte, das Werk zu stören und mit allen Mitteln der Intrige den Sturz Nehemias herbeizuführen, ja, ihm nach dem Leben zu trachten. Jetzt, nachdem Gott so offenkundig seine Hand über Nehemia gehalten hatte, hätte Tobijah, mit Schmach und Schande bedeckt, seine Rolle ausgespielt haben müssen. Doch weit gefehlt. Wir werden aus dem folgenden Kapitel erfahren, daß Nehemia auch das vollendete Werk als schutzbedürftig erachtete und entsprechende Maßregeln traf. Und er hatte allen Grund dazu. Denn unter allen Widersachern Nehemias war Tobijah nichts weniger als kleinlaut geworden. Er blieb nach wie vor der hochangesehene Mann, der er schon immer war und als der er es hatte wagen können, einem Nehemia in der schmachvollsten Weise auf Schritt und Tritt entgegenzutreten und entgegenzuarbeiten. Auch nachdem Nehemia sein Werk vollendet hatte, waren die vornehmsten Kreise Judäas weit davon entfernt, ihre Beziehungen zu Tobijah abzubrechen, vielmehr verharrten sie in eifriger brieflicher Korrespondenz mit ihm. Sie waren seine „geschworenen Freunde“, ihm wie durch einen heiligen Eid zum Beistand verpflichtet. Denn er war ein mächtiger, einflußreicher Mann: er war der Schwiegersohn des vornehmen Schechanjah, und sein Sohn Jehochanan war der Schwiegersohn des nicht minder vornehmen Meschullam. Mit einer solch aristokratischen Persönlichkeit wollten es die Edlen von Judäa nicht verderben. Solch hochgeborene Menschen wie Tobijah, wie immer man über ihre öffentliche Wirksamkeit denken mag, haben „selbstverständlich“ auch ihre guten Eigenschaften. Und die Edlen Judäas wurden nicht müde, diese guten Eigenschaften Tobijahs in der Gegenwart Nehemias in den Himmel zu heben. Und wenn dann Nehemia, angewidert von solch kriechender Liebedienerei und plutokratischem Götzentum, es einmal wagte, über diese „guten Eigenschaften“ Tobijahs, seines Todfeindes, anderer Meinung zu sein, dann wurden seine abfälligen Äußerungen von diesen edlen Edlen Tobijah brühwarm hinterbracht. — Und dabei war’s doch derselbe Tobijah, der mir einst zur Zeit der Ausführung meines heiligen Werkes „Briefe gesandt hatte, um mich einzuschüchtern.“ All seine Niedrigkeit, all sein gehässiges Tun und Planen, all seine mörderische Feindschaft gegen mich und das, was ich doch nur im Dienste meines Gottes vollbringen zu müssen glaubte, all das ward in den Augen dieser Edlen durch den gleißenden Schimmer seiner — vornehmen Beziehungen überstrahlt.

16
וְ֠גַ֠ם בִּמְלֶ֜אכֶת הַחוֹמָ֤ה הַזֹּאת֙ הֶחֱזַ֔קְתִּי וְשָׂדֶ֖ה לֹ֣א קָנִ֑ינוּ וְכׇ֨ל־נְעָרַ֔י קְבוּצִ֥ים שָׁ֖ם עַל־הַמְּלָאכָֽה׃
BernfeldAuch an der Mauer arbeitete ich mit, obwohl wir keine Felder kauften [und wir also dazu gar nicht verpflichtet waren]; alle meine Leute waren dort versammelt bei dem Werk.
ZunzAuch an das Werk dieser Mauer legte ich Hand an, und wir kauften keine Felder, und all meine Knaben waren dort versammelt bei dem Werke.
R. BreuerUnd auch bei dieser Arbeit an der Mauer legte ich mit Hand an, ein Grundstück aber hatten wir nicht erworben; alle meine jungen Leute waren dort versammelt bei dem Werke.
17
וְהַיְּהוּדִ֨ים וְהַסְּגָנִ֜ים מֵאָ֧ה וַחֲמִשִּׁ֣ים אִ֗ישׁ וְהַבָּאִ֥ים אֵלֵ֛ינוּ מִן־הַגּוֹיִ֥ם אֲשֶׁר־סְבִיבֹתֵ֖ינוּ עַל־שֻׁלְחָנִֽי׃
BernfeldJudäer und Fürsten, hundertundfünfzig Mann, und die zu uns kamen von den Völkern in der Umgegend waren an meinem Tische.
ZunzUnd Jehudim und Fürsten, hundert und fünfzig Mann, und die zu uns kamen von den Völkern, die rings um uns, waren an meinem Tische.
R. BreuerDie Judäer, die Vorsteher, hundertundfünfzig Mann und die zu uns kamen, von den Völkern rings um uns her, waren an meinem Tische.
18
וַאֲשֶׁר֩ הָיָ֨ה נַעֲשֶׂ֜ה לְי֣וֹם אֶחָ֗ד שׁ֣וֹר אֶחָ֞ד צֹ֠אן שֵׁשׁ־בְּרֻר֤וֹת וְצִפֳּרִים֙ נַֽעֲשׂוּ־לִ֔י וּבֵ֨ין עֲשֶׂ֧רֶת יָמִ֛ים בְּכׇל־יַ֖יִן לְהַרְבֵּ֑ה וְעִם־זֶ֗ה לֶ֤חֶם הַפֶּחָה֙ לֹ֣א בִקַּ֔שְׁתִּי כִּֽי־כָֽבְדָ֥ה הָעֲבֹדָ֖ה עַל־הָעָ֥ם הַזֶּֽה׃
BernfeldAuf einen Tag wurde zubereitet: Ein Ochse, sechs auserlesene Schafe, auch Vögel wurden mir zubereitet, und alle zehn Tage allerlei Wein in Fülle; und bei dem verlangte ich nicht die Kost des Landpflegers weil der Dienst ohnehin schwer lag auf diesem Volke.
ZunzUnd was auf Einen Tag zubereitet wurde, (war): Ein Ochse, sechs auserlesene Schafe, und Vögel wurden mir zubereitet, und alle zehn Tage allerlei Wein in Fülle; und bei dem verlangte ich nicht die Kost des Landpflegers, weil der Dienst schwer lag auf diesem Volke.
R. BreuerWas zubereitet wurde auf einen Tag: Ein Ochse, sechs auserlesene Schafe und Geflügel, wurden mir zubereitet und für zehn Tage allerlei Wein in Fülle. Gleichwohl verlangte ich nicht die Kost des Landpflegers, weil ohnehin der Dienst schwer lag auf diesem Volke.
19
זׇכְרָה־לִּ֥י אֱלֹהַ֖י לְטוֹבָ֑ה כֹּ֥ל אֲשֶׁר־עָשִׂ֖יתִי עַל־הָעָ֥ם הַזֶּֽה׃ {פ}
BernfeldGedenke mir, mein Gott, zum Guten alles, was ich für dieses Volk getan habe!
ZunzGedenke mir, mein Gott, zum Guten alles, was ich für dieses Volk gethan habe!
R. BreuerGedenke mir, mein Gott, zum Guten alles, was ich für dieses Volk getan habe!