Malachi 1 מלאכי

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Haftarot in diesem Kapitel: Toldot
Einleitung von Julius Jehuda Hirsch

Maleachi.

Von dem Leben des Propheten ist nichts weiter bekannt. Nach der Septuaginta und Jonathan zu Kap. 1,1 wäre der Name überhaupt kein Eigenname, sondern bezeichne den Propheten als Gottesgesandten und sei identisch mit Esra. Die bei weitem überwiegende Ansicht erblickt in ihm einen Eigennamen. Ohnehin, will uns dünken, weist schon der Inhalt auf eine spätere Zeit als die Esras. Die Herabwürdigung des Heiligtums durch die Haltung, die den Priestern vorgeworfen wird, läßt auf einen schon längere Zeit wieder aufgenommenen Tempeldienst schließen, ebenso ihre Einsegnung der Felder. Außerdem trägt die Sprache oder vielmehr der Stil ein ganz individuell charakteristisches Gepräge. Ganz abgesehen davon, daß sich schwer begreifen ließe, weshalb Esras Name hier verschwiegen sein sollte.

Auch die Zeit Maleachi's ist nicht genau zu fixieren. Jedenfalls ist er nach dem Schriftworte der letzte der Propheten.

Was den Inhalt betrifft, so wendet sich der Prophet zuerst an das Volk und zeigt (1,1—4) zunächst, daß er sich einem in der Treue und im freudigen Gottesbewußtsein noch sehr schwankenden Volke gegenüber fühlt. Er macht dafür vor allem die Priester, die Vertreter des Heiligtums verantwortlich, die durch ihre mangelnde Energie und dadurch, daß sie das Volk in seinen falschen Vorstellungen von der Bedeutung des Heiligtums und der Opfer noch bestärken, dem ganzen Tempeldienste jede sittigende und erziehende Kraft raubten, ja ihn geradezu in den Augen des Volkes herabwürdigten.

Kap. 2 schildert sodann die Idealstellung und die Idealwirksamkeit des wahrhaft levitischen Priesters gegenüber ihrem verderblichen Wirken und gegenüber der wohlverdienten Verachtung, der sie verfallen seien (V. 1—9). Als schwerste Folge ihrer Pflichtvergessenheit wird sodann die Trübung des jüdischen Ehelebens hervorgehoben und V. 10 eine Probe der gleißnerischen Begünstigung und Rechtfertigung dieser das Fundament des ganzen Volkslebens untergrabenden Versündigung mitgeteilt, durch die die ganze Zukunft Israels in Frage gestellt werde. V. 14—16 wendet sich der Prophet an das Volk und sucht es mit der Erkenntnis der wahren Bedeutung und innersten Heiligkeit der jüdischen Ehe und den Pflichten, die daraus erwachsen, zu erfüllen.

Im 3. Kapitel belehrt der Prophet die große Zahl jener, die allerdings im Gesetze wandeln, aber das rechte innere Verhältnis zu Gott noch nicht gefunden haben, und die deshalb die Gotteswaltung nicht begreifen und an ihrer Gerechtigkeit kleinmütig zweifeln (Kap. 2, 17), über die Wege und Ziele der göttlichen Waltung. Um den Tag des Gerichtes, der kommen wird, zu bestehen, muß Israel, das sich nie dem Gesetze in seiner Ganzheit untergeordnet hat, durch Geschicke geläutert werden (K. 3, 1—12). Ein reiner Kern aber bleibt noch zur Zeit schlimmster Verblendung, an ihm klärt sich der Blick der Verirrten (V. 13—21), Und wer dann dem gottgesandten Propheten Elia sich anschließt, wird gerettet werden. (V. 22 ff.)

Haftarah Toldot Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten und Italiener beginnen hier.
1
מַשָּׂ֥א דְבַר־יְהֹוָ֖ה אֶל־יִשְׂרָאֵ֑ל בְּיַ֖ד מַלְאָכִֽי׃
ZunzVortrag des Wortes des Ewigen an Jisraël durch Maleachi.
J. J. HirschGeschick des an Israel gerichteten Gotteswortes. Von Maleachi.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 1. V. 1. Wie מַשָּׂא בָבֶל, מַשָּׂא מִצְרַיִם, das von Babel, von Mizrajim zu tragende Geschick und Verhängnis bedeutet, so bezeichnet מַשָּׂא דְבַר ה' das Geschick des Gotteswortes, zu dessen Träger Israel bestimmt ist, die Aufnahme, die es bei Israel gefunden, das Maß des Verständnisses und der Hingebung, die es bei ihm gefunden. Die Worte Maleachi's bilden ja den Abschluß des Prophetenwortes, und sie enthalten ein Stück Geschichte des Gotteswortes.

2
אָהַ֤בְתִּי אֶתְכֶם֙ אָמַ֣ר יְהֹוָ֔ה וַאֲמַרְתֶּ֖ם בַּמָּ֣ה אֲהַבְתָּ֑נוּ הֲלוֹא־אָ֨ח עֵשָׂ֤ו לְיַֽעֲקֹב֙ נְאֻם־יְהֹוָ֔ה וָאֹהַ֖ב אֶֽת־יַעֲקֹֽב׃
ZunzIch habe euch geliebt, spricht der Ewige; da sprachet ihr: Worin hast du uns geliebt? Ist nicht ein Bruder Esav von Jaakob, ist der Spruch des Ewigen, und ich liebte den Jaakob;
J. J. HirschGeliebt habe ich euch, spricht Gott! Ihr aber entgegnet: Womit hast du uns geliebt? — Ist denn nicht Esau Jakobs Bruder, ist der Spruch Gottes, und doch liebte ich Jakob,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. Da mutet es uns denn ganz eigenartig, ganz modern an. Der Prophet sieht sich einem Geschlechte gegenüber, dem das allererste Verständnis für seine ererbte Bestimmung abgeht, das gar keine Ahnung hat von Wesen und Bedeutung des Gotteswortes, von der Erhabenheit seiner Wahrheit, von der heiligenden und beglückenden Wirkung seiner Gesetze, von der auch dem blödesten Auge sichtbaren Gotteswaltung in der eigenen Geschichte, von dem größten aller Wunder, das sich in der einfachen Thatsache seiner eigenen Existenz offenbart. Sie bestreiten alles, sie leugnen alles. Der Prophet darf nichts voraussetzen, muß jede Prämisse erst beweisen und so überhaupt erst einen gemeinsamen Boden herstellen, auf dem er dann V. 6. weiter bauen und zu demjenigen übergehen kann, um dessentwillen er eigentlich gesandt ist.

Gleich der erste Satz, daß in der Erwählung Israels sich Gottes Liebe offenbare, wird bestritten. Er muß erst bewiesen werden. Charakteristisch und für alle Zeiten, und nicht zum mindesten für die unsere, lehrreich ist es nun, wie der Prophet für die Anerkennung dieser Wahrheit den Grund legt. Diesem Geschlechte gegenüber wäre es Thorheit, sofort vom Geiste der Gottesgesetze, von Wesen und Bestimmung des Judentums, von dem Gottesodem in Israels und der Menschheit Geschichte zu sprechen. Da ist vielmehr ganz nüchtern auf eine unwiderlegliche handgreifliche Thatsache hinzuweisen, der nunmehr auch der zweifelsüchtigste, hartnäckigste Skeptiker sich nicht entziehen kann: nämlich auf die Thatsache der Existenz, der Erhaltung der Juden. Auf diese welthistorische Thatsache weist der Prophet hin. Dem gewaltigen „auf sein Schwert gestützten“ Esau=Edom gegenüber steht seit Jahrtausenden Jakob da und hat alle gewaltigen Edom=Reiche blühen und zerfallen sehen, war ihnen allen unterworfen und hat sie alle überdauert, wie wir rückblickend als geschichtliche Erfahrung das aussprechen können, was dem voraus=schauenden Blicke des Propheten als das Ergebnis der Zukunft sich darbot. Diese einfache Thatsache der Erhaltung Israels, und zwar unter äußeren Bedingungen, die jedem anderen Volke den sicheren geschichtlichen Tod gebracht hätten, ist der unwiderlegliche Beweis der göttlichen Liebe, der Beweis, daß Israel in dem von Gott empfangenen Gesetze in Wahrheit das Princip des Lebens, der nationalen Unsterblichkeit erhalten hat.

3
וְאֶת־עֵשָׂ֖ו שָׂנֵ֑אתִי וָאָשִׂ֤ים אֶת־הָרָיו֙ שְׁמָמָ֔ה וְאֶת־נַחֲלָת֖וֹ לְתַנּ֥וֹת מִדְבָּֽר׃
ZunzUnd den Esav haßte ich und machte seine Berge zur Oede, und seinen Besitz für die Schakale der Wüste.
J. J. HirschEsau aber habe ich gehaßt und machte seine Berge zur Öde und zu seinem Erbe: Wüstenklage.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3 und 4. Esau=Edoms Princip heißt: Vergötterung der Macht, der blutige Lorbeer ist sein höchster Schmuck, Welteroberungspläne bilden die Träume der größten seiner weltgeschichtlichen Größen. In dem Dienst dieser Ideale steht bei ihm die Pflege und Entwickelung aller körperlichen, geistigen und sittlichen Kräfte und Vermögen des Menschen. Wir wissen, wie unsere Weisen in dem römischen Weltreiche die gewaltigste Verkörperung dieses edomitischen Principes erblickten. — Dieses Esau=Princip steht aber im Gegensatze zu der göttlichen Weltordnung. Diese bestimmt die Herrschaft des Rechtes und der Liebe auf dem Grunde der Lebensheiligung als das höchste, als das einzige Ziel. Im Dienste dieses höchsten Menschheitszieles steht Jakobs Lebensprincip, im Gegensatze zu ihm Esau=Edom. An diesem Gegensatze zerschellen die gewaltigen Edomsreiche, mögen sie auch „berg=gleich“ — הָרִיו — himmelanstrebend und scheinbar für die Ewigkeit gegründet dem zeitgenössischen Blicke sich dargestellt haben. „Das Esau=Princip ist das von Gott gehaßte, das Jakob=Princip das von Gott geliebte“ — das lehrt das Trümmerfeld der edomitischen Reiche, das lehrt die Erhaltung Israels.

תַּנּוֹת לְתַנּוֹת מִדְבָּר: kommt als Substantiv nicht wieder vor. Man nimmt es für das Femininum von תַּנִּים, welches Tiere der Wüste bezeichnet, deren Aufenthalt an den Plätzen, die früher Stätten menschlicher Kultur waren, von den Propheten wiederholt als Bild gänzlicher Verlassenheit und Zerstörung gebraucht wird. So Jes. 13, 22. 34, 13. 35, 7. Jer. 9, 10. 49, 33. 51, 37 u. s. Die Verbindung mit נַחֲלָה giebt dann die Nüance: die Ruhmesgröße Edoms, die es — als von den Ahnen ererbt — glaubt weiter vererben zu können, verfällt vielmehr den Tieren der Wüste; und dann wäre, wie so oft, die weibliche Form auch hier als Ausdruck der Schwäche gewählt, um den Contrast noch schärfer hervorzuheben. Immerhin ist es jedoch möglich, daß לְתַנּוֹת Infinitiv des Piel von תנה wäre, wie לְתַנּוֹת לְבַת יִפְתָּח Richter 11, 40, und es dann hieße (vergl. שָׁם יְתַנּוּ צִדְקוֹת ה' das. 5, 11): im Gegensatz zu Edoms Träumen von ewigem Ruhm mache ich zu seinem in Wahrheit unverlierbaren Erbe die Bestimmung, durch sein Geschick zu verkünden: Wüstenei! — d. h. den Untergang aller auf Gewalt gebauten Größe. Vergl. Habakuk 2, 6: וְיֹאמַר הוי הַמַּרְבֶּה לֹא לוֹ וגו', wo derselbe Gedanke ausgesprochen ist, daß die welterobernden Mächte durch ihren Untergang selbst den welthistorischen Wehruf durch die Jahrtausende dringen lassen über jede Macht, die von Erfolg zu Erfolg schreitet, durch jeden Erfolg aber nur ihren eigenen Untergang beschleunigt.

4
כִּי־תֹאמַ֨ר אֱד֜וֹם רֻשַּׁ֗שְׁנוּ וְנָשׁוּב֙ וְנִבְנֶ֣ה חֳרָב֔וֹת כֹּ֤ה אָמַר֙ יְהֹוָ֣ה צְבָא֔וֹת הֵ֥מָּה יִבְנ֖וּ וַאֲנִ֣י אֶהֱר֑וֹס וְקָרְא֤וּ לָהֶם֙ גְּב֣וּל רִשְׁעָ֔ה וְהָעָ֛ם אֲשֶׁר־זָעַ֥ם יְהֹוָ֖ה עַד־עוֹלָֽם׃
ZunzSo Edom spricht: Wir sind geplündert, aber wir werden wiederum aufbauen die Trümmer — spricht also der Ewige der Heerschaaren: Sie mögen bauen, ich aber werde niederreißen, und man wird sie nennen das Gebiet des Frevels, und das Volk, dem der Ewige zürnet in Ewigkeit.
J. J. HirschWenn Edom auch spricht: Sind wir auch beraubt worden, so werden wir die Trümmer wieder aufbauen! so hat Gott der Schöpfungsscharen stets also gesprochen: sie mögen aufbauen, ich aber, ich werde niederreißen, so daß man bis in die ewige Zukunft sie nennen wird: Gebiet des Frevels! und: das Volk, das Gott mit Zorn getroffen hat!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. Was Edom so durch sein Geschick selbst verkündet, wird von den Menschen begriffen und ausgesprochen werden.

5
וְעֵינֵיכֶ֖ם תִּרְאֶ֑ינָה וְאַתֶּ֤ם תֹּֽאמְרוּ֙ יִגְדַּ֣ל יְהֹוָ֔ה מֵעַ֖ל לִגְב֥וּל יִשְׂרָאֵֽל׃
ZunzUnd eure Augen sollen es sehen, und ihr werdet sprechen: Erhaben ist der Ewige über Jisraël's Gebiet hinaus.
J. J. HirschEure Augen aber werden es sehen, und ihr werdet verkünden: „Groß zeigt sich Gott!“ hinaus über das Gebiet Israels.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. Jakob, das machtlose und zerstreute, wird alle diese Zusammenbrüche der Edomsreiche schauen, es ist bestimmt, weit hinaus über das Gebiet Israels zu verkünden, wie Gottes Hand es sei, die in allen diesen an Edom sich vollziehenden Geschicken walte.

6
בֵּ֛ן יְכַבֵּ֥ד אָ֖ב וְעֶ֣בֶד אֲדֹנָ֑יו וְאִם־אָ֣ב אָ֣נִי אַיֵּ֣ה כְבוֹדִ֡י וְאִם־אֲדוֹנִ֣ים אָ֩נִי֩ אַיֵּ֨ה מוֹרָאִ֜י אָמַ֣ר ׀ יְהֹוָ֣ה צְבָא֗וֹת לָכֶם֙ הַכֹּֽהֲנִים֙ בּוֹזֵ֣י שְׁמִ֔י וַאֲמַרְתֶּ֕ם בַּמֶּ֥ה בָזִ֖ינוּ אֶת־שְׁמֶֽךָ׃
ZunzDer Sohn ehrt den Vater, und der Knecht seinen Herrn. Nun, wenn ich ein Vater bin, wo ist meine Verehrung? und wenn ich ein Herr bin, wo ist meine Furcht? spricht der Ewige der Heerschaaren zu euch, Priester, Verächter meines Namens. Da sprechet ihr: Womit haben wir deinen Namen verachtet?
J. J. HirschDer Sohn soll den Vater ehren und der Knecht seinen Herrn. Wenn ich aber Vater bin, wo ist meine Ehre, und wenn ich Herr bin, wo ist meine Furcht? spricht Gott der Schöpfungsscharen zu euch, ihr Priester, den Verächtern meines Namens — da saget aber ihr: Womit haben wir deinen Namen verachtet?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. Nachdem so das besondere Verhältnis Gottes zu Israel an der bloßen Existenz des Juden thatsächlich nachgewiesen ist, wird nun die Consequenz daraus gezogen, und der schwere Vorwurf ausgesprochen, wie wenig Israel seinerseits der aus diesem Verhältnisse sich ergebenden Pflicht gerecht werde. Dieser Vorwurf wird aber nicht an das Volk, sondern zunächst an die Priester gerichtet, denen der allerschwerste Vorwurf, nicht etwa bloß des mangelnden Gehorsams, sondern geradezu der Verachtung des göttlichen Namens ins Gesicht geschleudert wird.

7
מַגִּישִׁ֤ים עַֽל־מִזְבְּחִי֙ לֶ֣חֶם מְגֹאָ֔ל וַאֲמַרְתֶּ֖ם בַּמֶּ֣ה גֵאַלְנ֑וּךָ בֶּאֱמׇרְכֶ֕ם שֻׁלְחַ֥ן יְהֹוָ֖ה נִבְזֶ֥ה הֽוּא׃
ZunzIhr bringet auf meinem Altar unreines Brod dar. Da sprechet ihr: Womit haben wir dich verunreinigt? Indem ihr sprechet: Der Tisch des Ewigen ist verächtlich.
J. J. HirschSie bringen auf meinen Altar sonst verschmähte Speise, und da sprechet ihr: Wodurch haben wir dich verächtlich gemacht? Durch euer Reden ist es, daß der Tisch Gottes das Verachtete ist!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. Denn das מַשָּׂא דְבַר ה', das „Geschick des Gotteswortes“ in Israels Mitte, wie es in diesem Kapitel geschildert wird, seine Verkennung und Mißachtung wird hier in erster Linie der Pflichtvergessenheit einer charakterlosen Priesterschaft zur Last gelegt. Das Geschlecht, das der Prophet im Auge hat, hat noch keineswegs mit dem Heiligtum ganz gebrochen, es verkennt jedoch den Ernst der Forderungen des Gottesgesetzes und betrachtet die „Religion“ als ein Zubehör zum Leben, dessen man in gewissen gegebenen Momenten nicht ganz entraten möchte, das sich jedoch mit bescheidenem Abhub von der reichen Tafel des Lebens begnügen müsse, froh, nur überhaupt noch berücksichtigt zu werden. Aus dieser Gesinnung heraus bringen sie dem Heiligtum לֶחֶם מְגֹאָל, das sonst überall Verschmähte. Die „Näherbringenden“ des V. 7 sind religiöse Männer aus dem Volke, den Priestern aber wird in V. 8 zum Vorwurf gemacht, daß sie dieses Opfer nicht zurückweisen, es vielmehr darbringen. Statt dem irrenden Volke mit dem Ernste der Wahrheit entgegenzutreten, daß das auf dem Altar lodernde Gesetzesfeuer die Hingebung des ganzen Menschen fordere und den Anspruch erhebe, alle Beziehungen des Menschenlebens beherrschend zu gestalten, und so sich in Wahrheit als כֹּהֲנִים d. i. „Richtung gebende“ Männer zu bewähren, fürchten diese Diener des Heiligtums, das Volk werde bei ernster Geltendmachung dieser Forderungen sich ganz vom Heiligtume abwenden. Die geringschätzige Gesinnung lag also im Volke. Den Priester trifft aber der Vorwurf, durch Annahme des „Blinden und Lahmen und Kranken“ diese Gesinnung gebilligt und sanctioniert, ja in ein System gebracht zu haben. בֶּאֱמָרְכֶם und ebenso V. 12, nicht וַאֲמַרְתֶּם. Nicht etwa: ihr sagt: „der Tisch Gottes ist das zu Verachtende und ihm blüht zu, das für ihn so recht Geeignete ist gerade dasjenige, dessen Genuß sonst verschmäht wird!“ So spricht kein Priester von seinem Heiligtume. Das verbietet schon das Standesinteresse. Aber בֶּאֱמָרְכֶם: in eurem Reden liegt es, durch eure zustimmenden Worte wird diese unwürdige Gesinnung im Volke immer mehr befestigt und als vom Heiligtume selbst gebilligt dahingestellt. Man fühlt sich ganz beruhigt, mit dem Heiligtum hat man sich ja abgefunden. Dadurch aber ist jede Möglichkeit der Besserung des verblendeten Volkes abgeschnitten; es fehlt ja das Bewußtsein der Sünde. Dadurch aber haben die Priester Verrat geübt an ihrer eigentlichen Bestimmung, wie diese ihnen V. 7 des folgenden Kapitels entgegengehalten wird. Schützen sollen sie, so heißt es daselbst, die Erkenntnis der Wahrheit, wenn sie im Volke verloren zu gehen droht; als Bote Gottes und Vertreter seines Gesetzes soll der Priester dastehen, nicht aber ist er berechtigt, an diesem Gesetze etwas zu ändern oder von seinen Anforderungen auch nur eine einzige zu streichen; sein Mund soll das Organ der Thora sein, nicht aber das Echo der jeweiligen Ansichten und Wünsche des Volkes. — מְגֹאָל Part. Pass. Piel von גאל (vergl. דַּשֵּׁן, סַקֵּל u. a.) sich jemandes als seines Verwandten annehmen, die Bethätigung der Liebe zu einem nahen Verwandten, im Piel das Gegenteil: ihn von sich weisen, verwerfen, oder als zu Verwerfenden betrachten und hinstellen. Hier von einer Sache: dasjenige, was man als widerwärtig von sich weist. גֵאַלְנוּךָ wörtlich: womit haben wir dich als den Zurückzuweisenden, Fernzuhaltenden dahingestellt?

8
וְכִי־תַגִּישׁ֨וּן עִוֵּ֤ר לִזְבֹּ֙חַ֙ אֵ֣ין רָ֔ע וְכִ֥י תַגִּ֛ישׁוּ פִּסֵּ֥חַ וְחֹלֶ֖ה אֵ֣ין רָ֑ע הַקְרִיבֵ֨הוּ נָ֜א לְפֶחָתֶ֗ךָ הֲיִרְצְךָ֙ א֚וֹ הֲיִשָּׂ֣א פָנֶ֔יךָ אָמַ֖ר יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzUnd wenn ihr darbringet ein Blindes zum Opfer, ist das nichts Böses, und wenn ihr darbringet ein Lahmes und Krankes, ist das nichts Böses? Bringe es doch deinem Landpfleger, ob er dich gnädig annimmt, oder ob er dich freundlich aufnimmt, spricht der Ewige der Heerschaaren.
J. J. HirschUnd wenn ihr das Blinde zum Opfern darbringet, so wäre das nichts Böses, und wenn ihr das Lahme und Kranke darbringet, so wäre das nichts Böses? Bringe es doch deinem Statthalter dar, wird der dich wohl wohlgefällig aufnehmen oder deine Person berücksichtigen? — spricht Gott der Schöpfungsscharen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. Über die Forderung der Makellosigkeit des Opfers siehe Hirsch Commentar zu 3. B. M. 1, 3. Die Lehre des Judentums steht in direktem Gegensatze zu jenen Religionen, deren Priester gerade da die Ernte für das von ihnen vertretene Heiligtum erwarten, wo Gesundheit, Kraft und Jugend geschwunden sind und die Menschen Schiffbruch gelitten haben auf ihrer Lebensfahrt. Das Opfertier repräsentiert den Opfernden, und wie, im Gegensatze zu anderen Bekenntnissen, das jüdische Heiligtum gerade die Blinden und Lahmen, die Kranken und Krüppel nicht in seine Räume beruft, sondern die in der Vollkraft des Lebens Befindlichen zu ihrer Durchdringung mit dem Bewußtsein von den Aufgaben der im thätigen Leben zu verwirklichenden Pflichten lädt, so ist das Darbringen des kranken, blinden und lahmen Opfertieres eine Entstellung und Herabwürdigung des Gottesgesetzes.

9
וְעַתָּ֛ה חַלּוּ־נָ֥א פְנֵי־אֵ֖ל וִֽיחׇנֵּ֑נוּ מִיֶּדְכֶם֙ הָ֣יְתָה זֹּ֔את הֲיִשָּׂ֤א מִכֶּם֙ פָּנִ֔ים אָמַ֖ר יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzUnd nun flehet vor Gott, daß er uns begnädige. Von eurer Hand kommt Solches, sollte er einen von euch freundlich aufnehmen? spricht der Ewige der Heerschaaren.
J. J. HirschUnd nun, flehet doch zu Gott, daß er uns seine Gnade schenke! Durch eure Handlungsweise ist dies geworden — wird er etwa auf einen von euch Rücksicht nehmen? spricht Gott der Schöpfungsscharen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. Und nun, da ihr so, statt das Volk zu Gott zu erheben, vielmehr das Heiligtum zu der Niedrigkeit der Gesinnungen und Anschauungen des Volkes hinabziehet, geht doch einmal hin und flehet zu Gott, daß er uns Gnade schenke. Denn der Priester hat die doppelte Aufgabe: Vertreter des Heiligtums dem Volke gegenüber und Vertreter des Volkes Gott gegenüber zu sein, שלוחי דרחמנא ושלוחי דידן. Wagt es also doch, in Zeiten der Not zu Gott hinzutreten und zu flehen! Daß ihr das nicht könnt, ist die Frucht eurer Thaten.

הֲיִשָּׂא מִכֶּם פָּנִים: נָשָׂא פָּנִים heißt in der Regel: Rücksicht nehmen auf jemanden. Dann ist das מִכֶּם schwierig, es wäre zu erwarten: הֲיִשָּׂא פְנֵיכֶם, wie im vorigen Verse. Man müßte etwa ergänzen: לְאִישׁ מִכֶּם, und so haben wir übersetzt. Möglich aber auch, daß פָּנִים sich hier auf Gott bezieht und dann Ziel und Richtung der Gotteswaltung bedeutet. Vergl. Comm. zu יִשָּׂא ד' פָּנָיו אֵלֶיךָ 4. B. M. 6, 26. Dann würde das מִכֶּם causal zu fassen sein, und der Sinn wäre: würde wohl Gott um euretwillen seine Waltungsrichtung ändern, dein beschlossenes Verhängnis aufheben, in dem Sinne wie וַיִּנָּחֶם ד'.

10
מִ֤י גַם־בָּכֶם֙ וְיִסְגֹּ֣ר דְּלָתַ֔יִם וְלֹא־תָאִ֥ירוּ מִזְבְּחִ֖י חִנָּ֑ם אֵֽין־לִ֨י חֵ֜פֶץ בָּכֶ֗ם אָמַר֙ יְהֹוָ֣ה צְבָא֔וֹת וּמִנְחָ֖ה לֹא־אֶרְצֶ֥ה מִיֶּדְכֶֽם׃
ZunzSogar Jeder von euch würde die Thür verschließen. So erleuchtet denn nicht vergebens meinen Altar. Keinen Gefallen habe ich an euch, spricht der Ewige der Heerschaaren, und eine Opfergabe nehme ich nicht gnädig an aus eurer Hand.
J. J. HirschWer wäre doch unter euch, daß er die Pforten schlösse, sodaß ihr nicht meinen Altar nutzlos leuchten lasset! Ich habe kein Wohlgefallen an euch, spricht Gott der Schöpfungsscharen, und Huldigungsgabe nehme ich nicht an aus eurer Hand.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10. Vertreter des Gesetzesheiligtums seid ihr also nicht, auch nicht Vertreter des Volkes: ist nun unter euch wohl Einer, der die Ehrlichkeit, den Mut und die Selbstverleugnung hätte, die Thüre des Tempels zu schließen, damit ihr nicht meinen Altar umsonst „leuchten“ lasset! Dies תָּאִירוּ ist bedeutungsvoll, denn zu leuchten ist die Bestimmung der Menora. Die Bestimmung des Altarfeuers aber ist אוֹכֶלֶת zu sein, es ist רוֹבֶצֶת כַּאֲרִי, der obere Altar heißt nicht umsonst אֲרִיאֵל. Das Altarfeuer will den Ausdruck der Hingebung Israels hinnehmen und spricht die Forderung aus, daß der im Opfer die Gottesnähe Suchende sich fortan von dem אֶשְׁדָּת, dem „Gesetzesfeuer“ in allen Beziehungen seines Lebens beherrschen lasse. Dann erhebt das Opfer und bestärkt in dem Entschlusse des Gehorsams. Wenn es aber Ersatz sein soll für diesen Gehorsam, dann bewirkt es das gerade Gegenteil. Der Darbringende hat sich ja, wie er glaubt, mit Gott abgefunden, und jede etwaige Regung seines Gewissens wird im Keime erstickt. Zur offenbaren Höhnung aber wird es, wenn die Geringschätzung sich wie hier schon äußerlich in der Beschaffenheit des Opfers kund giebt. In dem Gottesworte, daß es besser sei den Tempel zu schließen, als diesen unwürdigen, alles Lebens und aller Wahrheit entbehrenden Scheingottesdienst fortbestehen zu lassen, liegt die schärfste Verurteilung jedes Kompromisses, wo es sich um die Anforderungen des Gottesgesetzes handelt.

11
כִּ֣י מִמִּזְרַח־שֶׁ֜מֶשׁ וְעַד־מְבוֹא֗וֹ גָּד֤וֹל שְׁמִי֙ בַּגּוֹיִ֔ם וּבְכׇל־מָק֗וֹם מֻקְטָ֥ר מֻגָּ֛שׁ לִשְׁמִ֖י וּמִנְחָ֣ה טְהוֹרָ֑ה כִּֽי־גָד֤וֹל שְׁמִי֙ בַּגּוֹיִ֔ם אָמַ֖ר יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzDenn von Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergang ist groß mein Name unter den Völkern, und an jeglichem Orte wird geräuchert, dargebracht meinem Namen, und zwar reine Opfergabe; denn groß ist mein Name unter den Völkern, spricht der Ewige der Heerschaaren.
J. J. HirschDenn vom Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergange ist mein Name groß unter den Völkern, und überall wird zum Opfer Geeignetes meinem Namen dargebracht und reine Huldigungsgabe! Denn groß ist mein Name unter den Völkern, spricht Gott der Schöpfungsscharen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11. Denn wenn das Opfer nicht zu einer Unterordnung des ganzen Lebens unter den Gotteswillen führen, wenn es eine bloße Bekundung des Gedankens an das Dasein Gottes sein soll — dazu ist der Gottestempel auf Zion nicht bestimmt und nicht nötig. Das jüdische Opfer hat überhaupt einen anderen, höheren Sinn und das nichtjüdische hat überall seine Stätte.

Nicht: קְטֹרֶת מֻגָּשׁ, sondern מִקְטָר מֻגָּשׁ, das, was geräuchert werden kann, was tauglich ist, als Opfer in Rauch aufzugehen; das Opfer an sich ist das geeignete und ebenso die Huldigungsgabe ist rein. —

In hellem Lichte strahlt in diesem Verse die Universalität des Judentums gegenüber der confessionellen Beschränkung in anderen Religionen. Da ist nichts von einer Verdammnis der Heiden, vielmehr der gerade Gegensatz zu einer Anschauung, die auch in dem Lächeln des noch nicht durch eine Weihehandlung ihr zugeführten Säuglings ein Werk des Satans und in der freudigsten, selbstlosesten Gutthat eines Ungläubigen nur gleißendes Laster erblickte. Mit klaren, unzweideutigen Worten ist es hier rühmend ausgesprochen, daß auch in der Brust der Heiden das Gottesbewußtsein durchaus nicht erstorben ist, und ihre Huldigungsgabe, als Ausfluß dieses Bewußtseins, wird ausdrücklich eine „reine“ genannt. Allerdings ist diese Vorstellung von Gott eine beschränkte. Das Gottesbewußtsein der Heiden geht nicht über die Vorstellung eines אלהא דאלהא hinaus, er ist der höchste Gott, der, nachdem er die Welt erschaffen oder vielmehr dem vorgefundenen Chaos nur den ersten Anstoß gegeben, in keiner näheren Beziehung mehr zu ihr, am wenigsten aber zum Thun und Lassen der Menschen steht. Er ist eben der „Allerhöchste.“ Der Gott der Offenbarung ist aber zugleich der Allernächste. Er hat die Welt nicht nur erschaffen, sondern er erhält sie auch. Einen Teil seines Willens aber hat er dem Menschen zur freien Erfüllung übertragen, und diese Erfüllung bildet in Wahrheit den ganzen Inhalt des Menschenlebens, sie allein bestimmt des Menschen Wert, und von ihr ist seines Geschickes Gestaltung durch Gott abhängig. Das Opfer des jüdischen Menschen soll Ausdruck dieses Verhältnisses, soll gelobende Vergegenwärtigung dieser Wahrheit sein. גָּדוֹל שְׁמִי בַגּוֹיִם heißt es zweimal in diesem Verse. Erkenntnis der Allmacht und Größe Gottes ist auch in außerjüdischen Kreisen vorhanden. Allein die Bethätigung dieser Erkenntnis durch Unterordnung des eigenen Willens unter den göttlichen Willen, sodaß unser ganzes inneres und äußeres Leben nichts als eine Bethätigung der uns Gott gegenüber erfüllenden כָּבוֹד und מוֹרָא bilde, das ist gerade die Wahrheit, die die Priester durch ihre Connivenz gegen die niedere Gesinnung des verblendeten Volkes diesem gänzlich geraubt haben. Deshalb wird ihnen hier entgegengehalten, daß die Verehrung Gottes als des Allerhöchsten auch in der nichtjüdischen Welt vorhanden sei; wenn an Gott gedacht werde, so werde mit Ehrerbietung an ihn gedacht, und den Charakter dieser Ehrerbietung trage auch das Opfer.

12
וְאַתֶּ֖ם מְחַלְּלִ֣ים אוֹת֑וֹ בֶּאֱמׇרְכֶ֗ם שֻׁלְחַ֤ן אֲדֹנָי֙ מְגֹאָ֣ל ה֔וּא וְנִיב֖וֹ נִבְזֶ֥ה אׇכְלֽוֹ׃
ZunzIhr aber entweihet ihn, indem ihr sprechet: Der Tisch des Ewigen ist unrein, und mit der Rede: Verächtlich ist seine Nahrung.
J. J. HirschIhr aber entweihet ihn! Durch euer Reden ist der Tisch Gottes das Verächtliche, und reift ihm zu, dessen Genuß sonst verschmäht wird!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 12. Ihr aber entweihet ihn. Das מְחַלְּלִים steht dem גָּדוֹל שְׁמִי בַגּוֹיִם des vorigen Verses gegenüber. — בֶּאֱמָרְכֶם siehe zu V. 7. — וְנִיבוֹ: נִיב und נוּב, Wurzel von תְּנוּבָה, Frucht, Ertrag. Also: dasjenige, dessen Genuß sonst verschmäht wird, das zu anderen Zwecken Unbrauchbare, das ist gerade noch gut genug, um als Bethätigung „religiöser Gesinnung“ Gott geweiht zu werden.

13
וַאֲמַרְתֶּם֩ הִנֵּ֨ה מַתְּלָאָ֜ה וְהִפַּחְתֶּ֣ם אוֹת֗וֹ אָמַר֙ יְהֹוָ֣ה צְבָא֔וֹת וַהֲבֵאתֶ֣ם גָּז֗וּל וְאֶת־הַפִּסֵּ֙חַ֙ וְאֶת־הַ֣חוֹלֶ֔ה וַהֲבֵאתֶ֖ם אֶת־הַמִּנְחָ֑ה הַאֶרְצֶ֥ה אוֹתָ֛הּ מִיֶּדְכֶ֖ם אָמַ֥ר יְהֹוָֽה׃ {ס}
ZunzUnd ihr sprechet: Siehe, welche Beschwerlichkeit! und ihr lasset ihn verschmachten, spricht der Ewige der Heerschaaren, und bringet Geraubtes, und das Lahme und das Kranke, so bringet ihr die Opfergabe — soll ich es gnädig annehmen aus eurer Hand? spricht der Ewige.
J. J. HirschUnd ihr saget: Siehe, da ist etwas Abgelebtes! das blaset ihr dann auf, spricht Gott der Schöpfungsscharen, und ihr bringet Geraubtes und das Lahme und das Kranke, und das bringet ihr dar als Huldigungsgabe! — Werde ich sie wohl von eurer Hand wohlgefällig annehmen? — spricht Gott.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 13. מַתְלָאָה, von לָאָה müde sein, also Ermüdung, das Abgelebte, Abgenutzte, Unbrauchbare. Das Lebenskräftige, meinet ihr, würde man euch doch nicht geben, ihr stimmet deshalb die Ansprüche des Heiligtums, als dessen Vertreter ihr geltet, herab auf das Niveau des „Erreichbaren“. Es ist das die treffendste Persiflage der sich „den Anforderungen des Lebens“ accomodierenden Religionen. Ihr bezeichnet es selbst als das Abgelebte, lasset es deshalb aufblasen, וְהִפַּחְתֶּם אוֹתוֹ, der jammervollen Nullität sucht ihr ein Ansehen zu geben, ihr sucht den „Anstand zu wahren“. — גָּזוּל im Gegensatz zu הַפִּסֵּחַ וְאֶת־הַחוֹלֶה, ohne hinweisenden Artikel; daß es geraubt ist, das sieht man ihm ja nicht an.

14
וְאָר֣וּר נוֹכֵ֗ל וְיֵ֤שׁ בְּעֶדְרוֹ֙ זָכָ֔ר וְנֹדֵ֛ר וְזֹבֵ֥חַ מׇשְׁחָ֖ת לַאדֹנָ֑י כִּי֩ מֶ֨לֶךְ גָּד֜וֹל אָ֗נִי אָמַר֙ יְהֹוָ֣ה צְבָא֔וֹת וּשְׁמִ֖י נוֹרָ֥א בַגּוֹיִֽם׃
ZunzUnd verflucht sei, der da kargt, wenn in seiner Heerde ein Männliches ist, und gelobt und schlachtet ein Schadhaftes dem Herrn; denn ein großer König bin ich, spricht der Ewige der Heerschaaren, und mein Name ist furchtbar unter den Völkern.
J. J. HirschUnd Fluch trifft den Berechnenden, der, obgleich in seiner Herde ein Männliches ist, Verdorbenes Gott gelobt und opfert. Denn ein großer König bin ich, spricht Gott der Schöpfungsscharen, und mein Name wird gefürchtet unter den Völkern!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 14. Über מַשְׁחָת siehe Hirsch Commentar zu 3. B. M. 22, 25.

כִּי מֶלֶךְ גָּדוֹל אֲנִי. Im Hinblick auf das הַקְרִיבֵהוּ נָא לְפֶחָתֶךָ, V. 8., liegt eine milde Ironie, ein Herabsteigen zu der Anschauung des Volkes, dem die wahre Gottesfurcht abhanden gekommen, in der Erinnerung daran, daß derjenige doch eigentlich ein „großer König“ sei, dem gegenüber sie sich das erlauben, was ihnen sicher nicht einmal einem untergeordneten Würdenträger gegenüber in den Sinn kommen würde. Ebenso spricht sich in dem Hinweis, daß Gottes Namen bei den Völkern mit Ehrerbietung begegnet werde, der schwerste Vorwurf gegenüber dem Volke aus, das berufen ist, diesen Völkern den Weg zu Gott voranzugehen, und das in seinem ganzen Dasein von Gott getragen wird.