Jonah 4 יונה
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kap. 4. V. 1. So war Jona's erste Sendung, die Rettung einer großen Stadt vollständig gelungen. Wie hätte es einen glücklicheren Menschen geben können als Jona! Ihm aber — וַיֵּרַע אֶל־יוֹנָה, erschien die Abwendung einer bedingungslos angekündigten Katastrophe „als ein großes Unglück.“ Sei es, weil nach seiner Meinung dadurch der Glaube der Menschen an die Wahrheit göttlicher Verkündigungen erschüttert wurde, oder, wie wir dies oben angedeutet, weil seine Glaubwürdigkeit dadurch in Frage gestellt wurde. „War ja dies mein Wort (V. 2), habe ich mich ja eben deshalb deinem Auftrage zu entziehen versucht!“ Siehe oben. Sicher hätte eine bloß bedingte Ankündigung des drohenden Untergangs nicht den tiefen Eindruck hervorgebracht. Gott brauchte einen Mann, der bereit war, sich für die Rettung seiner Menschenbrüder zu opfern. Der Prophet darf nicht an sich denken, er muß, wie die Weisen diese Eigenschaft bezeichnen, „reich“ sein, d. h. für sich keinen Wunsch haben. Zu dieser Höhe wird Jona hier erzogen. — Es ist übrigens auch möglich, daß die drei Worte וַיֵּרַע וגו' רָעָה גְדוֹלָה auf ein wirkliches Übel hinweisen, das Jona zugekommen. Wie leicht konnten sich unter den Hunderttausenden nicht Elemente befinden, die das Volk gegen ihn aufhetzten, ihn als falschen Propheten, als Lügner dahinstellten. Wenn wir mit Schamröte an die empörenden Mißhandlungen denken, die ein Jesaias, ein Jeremias von entarteten Juden zu erdulden hatte, so darf es uns nicht Wunder nehmen, wenn Jona, als der Jude, der eine glänzende Residenz so außer Rand und Band gebracht hatte, nunmehr als vermeintlicher Lügner schwere Verfolgung, ja Mißhandlung erfuhr. Damit stimmten dann auch die Worte des V. 6: לְהַצִּיל לוֹ מֵרָעָתוֹ, hinsichtlich der „Rettung“, die ihm durch das „Kikajon“ wurde. Wir wissen nicht, welche Pflanze dieses Wort bezeichnet. Jedenfalls war das wunderbar rasche Wachsen desselben „in einer Nacht“ zu einem Gewächse, unter dem er auch im Freien Schatten fand, etwas so Auffälliges, daß es ihn in den Augen der Leute von Ninive wieder als den gottgesandten Propheten legitimierte, ihn so vor fernerer Unbill schützte und seine Ehre rettete.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 4. הֲהֵיטֵב וגו'. In Stellen, wie וְדָרַשְׁתָּ הֵיטֵב Deut. 17, 7, בָּאֵר הֵיטֵב das. 27, 8 u. s., ebenso auch weiter unten V. 9: הֲהֵיטֵב חָרָה לָךְ, bezeichnet הֵיטֵב jedenfalls adverbial eine Intensität des Grades. Gen. 32, 3, Jes. 1, 17 לִמְדוּ הֵיטֵב, Jerem. 7, 5 u. s. ist es unzweifelhaft Infinitiv und heißt: Wohlthun, Gutes üben. Da es im Gegensatz zu V. 9 hier durch einen trennenden Accent von חָרָה geschieden ist, so ist es hier Infinitiv und zwar als Subjekt zu dem Prädikate חָרָה zu fassen. Es ist der ernste Vorwurf, der sich in die Form der Frage kleidet: Also Wohlthun verdrießt dich? Das war keine Frage, die eine Antwort heischte, darum erfolgte auch keine. Schweigend verließ der Prophet die Stadt. V. 9, wo es eine wirkliche Frage ist, ob ihn der Verlust des Kikajon ernstlich schmerze, erfolgt die Antwort als positive Bejahung.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 7. וַיְמַן הָאֱלֹהִים derselbe Gott. Auf das bedeutsame, mehrfach wiederholte וַיְמַן haben wir schon oben hingewiesen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 8. וַתַּךְ הַשֶּׁמֶשׁ עַל־רֹאשׁ יוֹנָה: die Sonne brannte Jona aufs Haupt, die V. 5. genannte סֻכָּה muß also mehr ein Schutzdach aus Laub gewesen sein, das durch den Glutwind verdorrte.