Jeschajahu 36 ישעיהו

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1
וַיְהִ֡י בְּאַרְבַּע֩ עֶשְׂרֵ֨ה שָׁנָ֜ה לַמֶּ֣לֶךְ חִזְקִיָּ֗הוּ עָלָ֞ה סַנְחֵרִ֤יב מֶֽלֶךְ־אַשּׁוּר֙ עַ֣ל כׇּל־עָרֵ֧י יְהוּדָ֛ה הַבְּצֻר֖וֹת וַֽיִּתְפְּשֵֽׂם׃
BernfeldIm vierzehnten Regierungsjahre des Königs Hiskija zog Sanherib, König von Assyrien, gegen alle festen Städte von Jehuda und eroberte sie.
ZunzUnd es geschah, im vierzehnten Jahre des Königs Chiskijahu zog Sancherib, König von Aschur, herauf gegen alle feste Städte von Jehudah, und nahm sie ein.
J. J. HirschEs war im vierzehnten Jahre des Königs Chiskijahu, als Sanherib, König von Aschur, über alle festen Städte Judas heraufzog und sie einnahm.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 36. V. 1. Zu wiederholten Malen hatte Jesaia das Leid, welches Gott über Juda durch die assyrische Königsmacht zu seiner Erziehung und Besserung senden würde, zu verkünden. Bereits Achas gegenüber hatte er Kap. 7, 20 diese Invasionen Aschurs vorauszusagen, die in den Tagen seines Sohnes dessen Reich treffen würden, und auch die letzte, die mit Aschurs „Flügelsturz“ (Kap. 8, 8) angesichts des Tempelbergs endende. Dieser letzte Zug samt dem sträflichen Übermut und der Überhebung, die ihn leiten, bildet unter genauer Angabe des Weges, den er nehmen werde, und des plötzlichen Endes, das ihm durch das Eingreifen Gottes bevorsteht, den Inhalt fast des ganzen zehnten Kapitels. Auf Aschurs Fall blickt auch Kap. 30, 27—33 hin, und Kap. 31, 8 und 9 hatte die Vernichtung seines Heeres als nicht durch „Menschenschwert“ erfolgend zu prophezeien.

Nun war das so viele Jahre voraus Geschaute Tatsache geworden. Es wäre unnatürlich, wenn Jesaia der Art und Weise, wie diese Tatsache sich vollzog, in seinen Aufzeichnungen nicht gedacht hätte, um so mehr, als er mit der wunderbaren Errettung Judas zugleich die Heilung Chiskijahus mit ihren auf die Allmacht Gottes hinweisenden „Zeichen“ zu berichten und die herrliche Denkschrift Chiskijahus für ewige Zeiten der Vergessenheit zu entreißen hatte. Ebenso hatte er daran den Bericht über die Botschaft des Königs von Babel an den König von Juda anzuknüpfen, die Veranlassung zur Ankündigung des von Gott beschlossenen babylonischen Exils wurde.

Wir irren wohl nicht, wenn wir darin auch die Ursache erblicken, die חזקיה וסיעתו וגו' (Baba bathra 15a) Chiskijahu und die ihn bei diesem Werke unterstützenden und es nach seinem Tode vollendenden Gelehrten — Raschi das. —, die Ordner des Buches Jesaia, veranlaßte, diese vier Kapitel 36 bis 39 gerade hier einzureihen, da mit dem Kap. 40 die trostbringenden Verheißungen auch für die Befreiung aus dem babylonischen Galuth beginnen, an welche sich diejenige für die endliche dauernde Erlösung aus dem Galuth der Völker anschließt, von der sich auch schon in den vorhergehenden Offenbarungen Schilderungen vorfinden.

Das hier Berichtete finden wir auch im 2. Buche der Könige 18, 13 bis Kap. 20, 19 erzählt unter näherer Angabe des der Sendung Rabschakes Vorangehenden, aber ohne die Denkschrift Chiskijahus. Einzelnes ist dort etwas ausführlicher, anderes dagegen mit kleinen Kürzungen mitgeteilt.

Nicht unwichtig ist es, sich daran zu erinnern, daß der Verfasser des Buches der Könige, wie es uns vorliegt, Jirmijahu ist, (ירמיה כתב ספרו וספר מלכים Baba bathra 15a), der also das Buch Jeschajahu vor sich hatte. Das Buch der Könige ist aber allem Anschein nach eine kompendiöse Geschichte der Ereignisse, die sich in Juda und Israel vollzogen und in dem ספר דברי הימים למלכי ישראל und in dem ספר דברי הימים למלכי יהודה ausführlicher verzeichnet standen. Auf diese Werke, die sich nicht unter unseren heiligen Schriften vorfinden, wird immer wieder im Buche der Könige verwiesen. Möglicherweise bildeten sie auch nur ein Werk, wie aus dem nachstehend zitierten Verse 2. Chron. 32, 32 sowie 25, 26 על ספר מלכי יהודה וישראל und 16, 11 על ספר המלכים ליהודה וישראל, 27, 7. 35, 27. 36, 8 על ספר מלכי ישראל ויהודה hervorzugehen scheint, und dieses eine Werk wäre unter diesen verschiedenen Titeln zitiert, je nachdem von den historischen Begebenheiten des einen oder des anderen Reiches und der Geschichte seiner Könige die Rede ist. — Dies sei nur nebenbei bemerkt, eine eingehendere Untersuchung über diese Möglichkeit wäre hier nicht am Platze.

Außerdem begegnen wir demselben Berichte in 2. Chron. Kap. 32 mit starken Kürzungen und nur einiges zum besseren Verständnis beifügend, so die Schilderung des Eindruckes, welchen die wunderbare Rettung Judas und seines Königs auf die umgebenden Völker machte. Auch dort wird auf das Buch Jesaia, dessen historischer Bericht in dem ספר מלכי יהודה וישראל Aufnahme gefunden habe, im V. 32 verwiesen: ויתר דברי יחזקיהו וחסדיו הנם כתובים בחזון ישעיהו בן אמוץ הנביא על ספר מלכי יהודה וישראל.

Wie oben bereits gesagt, ist es nicht unwichtig, sich zu vergegenwärtigen, daß die Erzählung im Buche der Könige erst von Jirmijahu niedergeschrieben, also späteren Datums ist als die uns vorliegende von Jesaia, denn eine den göttlichen Ursprung der Prophetie negierende Bibelerklärung behauptet das Gegenteil, um nicht zugestehen zu müssen, daß Jesaia das babylonische Exil im voraus geweissagt hat. Diese irrige Behauptung weist schon Luzzato zurück.

2
וַיִּשְׁלַ֥ח מֶֽלֶךְ־אַשּׁ֣וּר ׀ אֶת־רַבְשָׁקֵ֨ה מִלָּכִ֧ישׁ יְרוּשָׁלַ֛͏ְמָה אֶל־הַמֶּ֥לֶךְ חִזְקִיָּ֖הוּ בְּחֵ֣יל כָּבֵ֑ד וַֽיַּעֲמֹ֗ד בִּתְעָלַת֙ הַבְּרֵכָ֣ה הָעֶלְיוֹנָ֔ה בִּמְסִלַּ֖ת שְׂדֵ֥ה כוֹבֵֽס׃
BernfeldDer Konig von Assyrien sandte darauf den Rabsake von Lachis gegen den König Hiskija in Jerusalem mit einem großen Heer; [da angelangt], nahmen sie Stellung an der Leitung des oberen Teiches, der auf der Bahn des Wäscher-Feldes war.
ZunzUnd der König von Aschur sandte den Rabschakeh von Lachisch nach Jeruschalajim, gegen den König Chiskijahu mit einem grossen Heer; und er hielt an der Leitung des oberen Teiches, der auf der Bahn des Wäscher-Feldes war.
J. J. HirschDa sandte der König von Aschur den Rawschakeh von Lachisch nach Jerusalem zum Könige Chiskijahu mit einem mächtigen Heere; er nahm Aufstellung an dem Graben der oberen Wasserleitung auf der Straße, die zum Wäscherfelde führt.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. וישלח מלך אשור. Im Buche der Könige wird noch mitgeteilt, daß, nachdem Sanherib gegen Judas feste Städte siegreich vorgegangen war und nun Lachisch belagerte, Chiskijahu ihm seine Unterwerfung melden ließ und sich erbot, den Tribut zu leisten, den er ihm auflegen werde. Der assyrische König verlangte dreihundert Talente Silber und dreißig Talente Gold. Chiskijahu gab alles hin, was er an Gold und Silber hatte. Nach 2. Chron. 32, 2 scheint Sanherib, wenn er es auch nicht direkt aussprach, dennoch weitere Vorkehrungen zu einem Zuge wider Jerusalem getroffen zu haben: ופניו למלחמה על ירושלם seine Front war zum Kriege gegen Jerusalem gerichtet. Darauf traf Chiskijahu, wie in den folgenden Versen berichtet wird, entsprechende Verteidigungsmaßregeln, wie das Verstopfen der Wasserquellen und die Instandsetzung der Mauer u. s. w. Das scheint Sanherib als Vorwand für einen neuen Beutezug gedient zu haben, den er durch die Sendung des Rawschakeh einzuleiten gedachte. Im Buche der Könige werden außer diesem noch Tartan und Raw-Saris als Botschafter genannt, wahrscheinlich war Rawschakeh der Vornehmste, jedenfalls der Sprecher. Im Buche der Chronik steht „עבדיו“, seine Diener, ohne Nennung der Namen.

Jesaia, der es nicht als seine Aufgabe betrachtete, eine Chronik zu verfassen, konnte derartige Einzelheiten füglich fortlassen. Den Zweck, welchen er mit seinem Berichte im Auge hatte, haben wir bereits oben erläutert. Wir brauchen daher auf die Verschiedenheiten der Abfassungen, die wir weiter antreffen, nicht näher einzugehen.

ויעמד בתעלת הברכה העליונה וגו'. Es ist dies die gleiche Örtlichkeit, an welcher Jesaia seiner Zeit Achas anzureden und ihm zum Schlusse seiner Offenbarung auch den Kriegszug Aschurs über Juda zu verkünden hatte. Wie wir dort bemerkten, war diese Örtlichkeit von höchster strategischer Wichtigkeit, ganz besonders aber jetzt, nachdem Chiskijahu die Quellen verstopft hatte.

3
וַיֵּצֵ֥א אֵלָ֛יו אֶלְיָקִ֥ים בֶּן־חִלְקִיָּ֖הוּ אֲשֶׁ֣ר עַל־הַבָּ֑יִת וְשֶׁבְנָא֙ הַסֹּפֵ֔ר וְיוֹאָ֥ח בֶּן־אָסָ֖ף הַמַּזְכִּֽיר׃
BernfeldDer Palastaufseher Eljakim, Sohn Hiskijas, und Sebua, der Schreiber, und der Staatsschreiber Joah, Sohn Asafs, gingen zu ihm hinaus.
ZunzUnd es ging hinaus zu ihm Eljakim, Sohn Chilkijahu's, der über das Haus, und Schebna, der Schreiber, und Joach, Sohn Aßaf, der Geschichtschreiber.
J. J. HirschEs ging zu ihm hinaus Eljakim, Sohn des Chilkijahu, welcher über das Haus gesetzt war, und Schewna, der Schreiber, und Joach, Sohn des Aßaph, der Kanzler.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. ושבנא הסופר. Oben zu Kap. 22, 15 haben wir bereits bemerkt, daß der dort so schwer getadelte שבנא nicht mit dem hier erwähnten identisch sein kann und dies eingehend motiviert. Siehe daselbst.

4
וַיֹּ֤אמֶר אֲלֵיהֶם֙ רַבְשָׁקֵ֔ה אִמְרוּ־נָ֖א אֶל־חִזְקִיָּ֑הוּ כֹּֽה־אָמַ֞ר הַמֶּ֤לֶךְ הַגָּדוֹל֙ מֶ֣לֶךְ אַשּׁ֔וּר מָ֧ה הַבִּטָּח֛וֹן הַזֶּ֖ה אֲשֶׁ֥ר בָּטָֽחְתָּ׃
BernfeldRabsake rief ihnen zu: Sagt doch dem Hiskija, so spricht der große König, der König von Assyrien: Was für ein Vertrauen ist das, das du gehegt?
ZunzUnd es sprach zu ihnen Rabschakeh: Saget doch dem Chiskijahu: So spricht der große König, der König von Aschur: Was für ein Vertrauen ist das, das du gehegt?
J. J. HirschDa sprach Rawschakeh zu ihnen: Saget doch zu Chiskijahu, so hat der große König, der König von Aschur gesprochen, was ist das für ein Vertrauen, welches du hegtest?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. מה הבטחון. Worauf beruhte deine Zuversicht, als du dich anschicktest, mir Widerstand zu leisten und, 2. Chron. 32, 3—8, bei den Vorbereitungen zum Kampfe den Mut deines Volkes durch den Hinweis auf Gottes Hilfe zu entflammen suchtest.

Haftarah Bo Romanioten enden hier.
5
אָמַ֙רְתִּי֙ אַךְ־דְּבַר־שְׂפָתַ֔יִם עֵצָ֥ה וּגְבוּרָ֖ה לַמִּלְחָמָ֑ה עַתָּה֙ עַל־מִ֣י בָטַ֔חְתָּ כִּ֥י מָרַ֖דְתָּ בִּֽי׃
BernfeldMeintest du etwa, es sei ein bloßes Gerede, [wenn es heißt] Rat und Stärke zeigen zum Krieg? Nun, auf wen vertrautest du, dass du dich gegen mich empörtest?
ZunzIch sage: Ist nur ein Wort der Lippen Rath und Stärke zum Krieg? Nun, auf wen vertrautest du, daß du dich gegen mich empörtest?
J. J. HirschIch sagte es ja, nur Lippenwort ist es! Plan und Stärke erfordert der Krieg, nun auf wen vertrautest du, da du dich gegen mich empörtest?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. 6. אמרתי וגו'. Ich dachte mir gleich, der Hinweis auf Gottes Beistand sei nur eine Phrase — denn du bist zu klug, um nicht einzusehen, daß es zum Kriege eines Planes und einer starken Macht bedarf — in Wirklichkeit war es Ägypten, auf dessen mächtige Hilfe du rechnetest, aber du hast dich verrechnet. Vgl. oben Kap. 30, 1—7. 31, 1—3.

In dieser Auffassung werden wir durch eine kleine Variante im Buche der Könige bestärkt. Dort heißt es statt אָמַרְתִּי: אָמַרְתָּ und statt הנה בָטַחְתָּ: עתה הנה בטחת לְךָ. Damit wird unsere Stelle hier näher erklärt: אָמַרְתָּ Was du sagtest, war nur Lippenwort, nur fürs Volk bestimmt u. s. w., aber für dich vertrautest du auf Ägypten, deine eigene Zuversicht stützte sich auf Ägypten.

6
הִנֵּ֣ה בָטַ֡חְתָּ עַל־מִשְׁעֶ֩נֶת֩ הַקָּנֶ֨ה הָרָצ֤וּץ הַזֶּה֙ עַל־מִצְרַ֔יִם אֲשֶׁ֨ר יִסָּמֵ֥ךְ אִישׁ֙ עָלָ֔יו וּבָ֥א בְכַפּ֖וֹ וּנְקָבָ֑הּ כֵּ֚ן פַּרְעֹ֣ה מֶלֶךְ־מִצְרַ֔יִם לְכׇֽל־הַבֹּטְחִ֖ים עָלָֽיו׃
BernfeldDu vertrautest wohl auf jenen geknickten Rohrstab, auf Ägypten, das dem, der sich darauf stützt, in die Hand dringt und sie durchbohrt? Denn so ist Pharao, König von Ägypten, für alle, die auf ihn vertrauen.
ZunzSiehe, du vertrautest auf jenen geknickten Rohrstab, auf Mizrajim, der dem, der sich darauf stützt, in die Hand dringt und sie durchbohrt; so ist Pharaoh, König von Mizrajim, für Alle, die auf ihn vertrauen.
J. J. HirschSiehe, du vertrautest auf die Stütze jenes geknickten Rohres, auf Ägypten, welches, wenn sich jemand auf es stützt, in seine Hand dringt und sie durchbohrt; so ist Pharao, der König von Ägypten, allen, die auf ihn vertrauen.
7
וְכִֽי־תֹאמַ֣ר אֵלַ֔י אֶל־יְהֹוָ֥ה אֱלֹהֵ֖ינוּ בָּטָ֑חְנוּ הֲלוֹא־ה֗וּא אֲשֶׁ֨ר הֵסִ֤יר חִזְקִיָּ֙הוּ֙ אֶת־בָּמֹתָ֣יו וְאֶת־מִזְבְּחֹתָ֔יו וַיֹּ֤אמֶר לִיהוּדָה֙ וְלִיר֣וּשָׁלַ֔͏ִם לִפְנֵ֛י הַמִּזְבֵּ֥חַ הַזֶּ֖ה תִּֽשְׁתַּחֲוֽוּ׃
BernfeldOder wollt ihr mir vielleicht sagen: Auf den Herrn, unsern Gott, vertrauen wir. Hiskija hat ja dessen Höhen und Altäre abgeschafft und in Jehuda und Jerusalem angeordnet: Nur vor diesem Altar in Jerusalem werfet euch nieder.
ZunzUnd so du zu mir sprichst: Auf den Ewigen, unsern Gott, vertrauen wir; — ist er es nicht, dessen Höhen und Altäre Chiskijahu abgeschafft, und zu Jehudah und Jeruschalajim gesprochen: Vor diesem Altar werfet euch nieder?
J. J. HirschSagst du mir aber: „In Gott, unseren Gott setzen wir unsere Zuversicht!“ So ist der es ja, dessen Anhöhen und Altäre Chiskijahu beseitigte, indem er zu Juda und Jerusalem sprach: „[nur] vor diesem Altare habet ihr euch niederzuwerfen.“
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. וכי תאמר אלי וגו'. Buch der Könige: תאמרון an das Volk. Wenn du nun, da es mit der Aussicht auf Ägyptens Beistand nichts ist, auch mir gegenüber euren Gott als euren Bundesgenossen hinstellen möchtest, so will ich dich eines Besseren belehren. Seinen Beistand habet ihr verwirkt durch den Frevel, den ihr an seinen Altären beginget. Den heidnischen Anschauungen Sanheribs und seines Gesandten war Gott eben auch nur ein Nationalgott der Juden, wie die Götter von Chamas, Arpad und Sefarwajim (V. 19), und zwar der ärmste mit seinem bilderarmen Kultus. Und einem in seinen Ansprüchen so bescheidenen Gott gönnt ihr nicht einmal die Befriedigung dieser, habet ihn vielmehr um seinen Opferdienst auf den „Anhöhen“ gebracht und seinen Huldigungskultus auf den einen einzigen vereinsamten Altar in Jerusalem beschränkt. Das ist eine Gottlosigkeit, die er euch nie und nimmer verzeihen kann!

8
וְעַתָּה֙ הִתְעָ֣רֶב נָ֔א אֶת־אֲדֹנִ֖י הַמֶּ֣לֶךְ אַשּׁ֑וּר וְאֶתְּנָ֤ה לְךָ֙ אַלְפַּ֣יִם סוּסִ֔ים אִם־תּוּכַ֕ל לָ֥תֶת לְךָ֖ רֹכְבִ֥ים עֲלֵיהֶֽם׃
BernfeldUnd nun versuche es mit meinem Herrn, dem Könige von Assyrien. Ich will dir zweitausend Rosse geben, ob du dir Reiter darauf setzen kannst?
ZunzUnd nun, laß dich doch ein mit meinem Herrn, dem König von Aschur. Und ich will dir geben zweitausend Rosse, ob du dir Reiter darauf setzen kannst?
J. J. HirschUnd nun, gehe doch den Handel mit meinem Herrn, dem König von Aschur, ein, daß ich dir zweitausend Rosse zu geben habe, wenn du deinerseits die Reiter darauf beschaffen kannst!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8—10. התערב Hispael von ערב in der Bedeutung: sich mit jemand in Beziehungen einlassen, wie Prov. 24, 21: עם שונים אל תתערב Mit Änderungssüchtigen lasse dich nicht ein, paktiere nicht mit ihnen. — Durch das Verbot לא ירבה לו סוסים (5. B. M. 17, 16) hatte Juda sicherlich nicht viele des Reitens kundige Männer, die es in den Krieg hätte senden können.

ותבטח לך: wie oben V. 5 bemerkt. ועתה המבלעדי ד'. Ich bin ja gerade der Rächer des Frevels, den ihr gegen euren Nationalgott durch Einreißen seiner Altäre begangen habet, und komme daher als sein Mandatar.

9
וְאֵ֣יךְ תָּשִׁ֗יב אֵ֠ת פְּנֵ֨י פַחַ֥ת אַחַ֛ד עַבְדֵ֥י אֲדֹנִ֖י הַקְּטַנִּ֑ים וַתִּבְטַ֤ח לְךָ֙ עַל־מִצְרַ֔יִם לְרֶ֖כֶב וּלְפָרָשִֽׁים׃
BernfeldUnd wie willst du zurückweisen einen Befehlshaber, einen der geringsten Diener meines Herrn? und du vertrauest auf Ägypten um Rosse und Reiter?
ZunzUnd wie willst du zurückweisen einen Befehlshaber, einen der geringsten Knechte meines Herrn, und du vertrauest auf Mizrajim um Roß' und Reiter?
J. J. HirschWie willst du einem einzigen Befehlshaber Widerstand leisten, einem der geringsten Knechte meines Herrn? Aber deinerseits verließest du dich auf Ägypten betreffs Wagen und Reiter!
10
וְעַתָּה֙ הֲמִבַּלְעֲדֵ֣י יְהֹוָ֔ה עָלִ֛יתִי עַל־הָאָ֥רֶץ הַזֹּ֖את לְהַשְׁחִיתָ֑הּ יְהֹוָה֙ אָמַ֣ר אֵלַ֔י עֲלֵ֛ה אֶל־הָאָ֥רֶץ הַזֹּ֖את וְהַשְׁחִיתָֽהּ׃ {ס}
BernfeldNun, bin ich denn ohne [Billigung] des Herrn herangezogen gegen diesen Ort, um ihn zu verderben? Der Herr hat zu mir gesprochen: Ziehe hinan gegen dieses Land und verdirb es!
ZunzNun, bin ich denn ohne den Ewigen herangejogen gegen dieses Land, es zu verderben? Der Ewige hat zu mir gesprochen: Ziehe hinan gegen dieses Land und verderb' es!
J. J. HirschUnd nun! Bin ich etwa ohne Gott wider dieses Land heraufgezogen, um es zu verheeren? Gott sprach zu mir: „Ziehe hinauf gegen dieses Land und verheere es!“
11
וַיֹּ֣אמֶר אֶלְיָקִים֩ וְשֶׁבְנָ֨א וְיוֹאָ֜ח אֶל־רַבְשָׁקֵ֗ה דַּבֶּר־נָ֤א אֶל־עֲבָדֶ֙יךָ֙ אֲרָמִ֔ית כִּ֥י שֹׁמְעִ֖ים אֲנָ֑חְנוּ וְאַל־תְּדַבֵּ֤ר אֵלֵ֙ינוּ֙ יְהוּדִ֔ית בְּאׇזְנֵ֣י הָעָ֔ם אֲשֶׁ֖ר עַל־הַחוֹמָֽה׃
BernfeldDa sprachen Eljakim und Sebna und Joah zu Rabsake: Rede doch zu deinen Knechten aramäisch, denn wir verstehen es, und rede nicht mit uns judäisch vor den Ohren des Volkes auf der Mauer.
ZunzDa sprach Eljakim und Schebna und Joach zu Rabschakeh: Rede doch zu deinen Knechten Arammisch, denn wir verstehen es, und rede nicht zu uns Jehudisch, vor den Ohren des Volkes auf der Mauer.
J. J. HirschDa sprach Eljakim, Schewna und Joach zu Rawschakeh: Rede doch mit deinen Knechten Aramäisch, denn das verstehen wir, aber rede mit uns nicht Jüdisch vor den Ohren des Volkes, das auf der Mauer ist.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11—15. Zu Kap. 29, 15 und in der Einleitung zu Kap. 30 erläuterten wir, daß sich in Jerusalem eine Partei befand, die zu der Verheißung Gottes, Er werde sie im letzten Momente vor Aschurs Angriffen schützen, kein Vertrauen hatte, dagegen von einem durch ihre diplomatische Klugheit von Ägypten zu erlangenden Schutzbündnis alles erhoffte. Diese Partei war natürlich nicht damit einverstanden, daß Chiskijahu durch die Schutzvorkehrungen, die er traf, Sanherib einen Vorwand zum Angriff lieferte, ehe man der ägyptischen Hilfsaktion versichert war.

Aus der Bitte Eljakims und seiner Genossen, Aramäisch zu reden, ersah Rawschakeh, daß Chiskijahus Vorgehen nicht den ungeteilten Beifall seines ganzen Volkes gefunden hatte. Dies gerade veranlaßte ihn zu dem Versuche, sich direkt an das Volk zu wenden und es zum Ungehorsam und Verrat gegen seinen König zu bestimmen, indem er ihm für diesen Fall sofortige Schonung, sorgenfreies Leben und eine gesicherte Zukunft, wenn auch auf anderem Boden, verhieß.

Diesen Versuch unternahm er mit großer Frechheit und unter Verhöhnung der göttlichen Allmacht, nachdem er schon in seiner Antwort an Eljakim, den Sprecher unter den Würdenträgern Chiskijahus, sich solch obszöner Ausdrücke bedient hatte, daß die Väter unserer Nation für das Lesen dieser Stelle Euphemismen anzuordnen sich veranlaßt fühlten.

Durch das Wort עמכם „mit euch“, das sich auf אדוניך ואליך bezieht, stellte er ausdrücklich auch Chiskijahu und seinen Würdenträgern das gleiche schmähliche Prognostikon für die Fortdauer des Widerstandes gegen seinen Herrn wie dem übrigen Volke.

12
וַיֹּ֣אמֶר רַבְשָׁקֵ֗ה הַאֶ֨ל אֲדֹנֶ֤יךָ וְאֵלֶ֙יךָ֙ שְׁלָחַ֣נִי אֲדֹנִ֔י לְדַבֵּ֖ר אֶת־הַדְּבָרִ֣ים הָאֵ֑לֶּה הֲלֹ֣א עַל־הָאֲנָשִׁ֗ים הַיֹּֽשְׁבִים֙ עַל־הַ֣חוֹמָ֔ה לֶאֱכֹ֣ל אֶת־[צוֹאָתָ֗ם] (חראיהם) וְלִשְׁתּ֛וֹת אֶת־[מֵימֵ֥י רַגְלֵיהֶ֖ם] (שיניהם) עִמָּכֶֽם׃
BernfeldAber Rabsake sprach: [Glaubt ihr], dass nur zu eurem Herrn und zu euch mich mein Herr gesandt hat, diese Worte zu reden? Nicht vielmehr zu den Männern, die auf der Mauer sitzen, ihren Auswurf zu essen und ihren Harn zu trinken mit euch?
ZunzUnd Rabschakeh sprach: Wohl zu deinem Herrn und zu dir hat mich mein Herr gesandt, diese Worte zu reden? Nicht vielmehr zu den Männern, die auf der Mauer sitzen, ihren Auswurf zu essen, und ihren Harn zu trinken mit euch?
J. J. HirschAber Rawschakeh sprach: Hat mich denn zu deinem Herrn und zu dir mein Herr gesandt, um diese Worte zu sprechen? Nicht vielmehr wegen der Männer, die auf der Mauer sitzen, um ihren Unrat zu essen und ihren Harn zu trinken mit euch?
13
וַֽיַּעֲמֹד֙ רַבְשָׁקֵ֔ה וַיִּקְרָ֥א בְקוֹל־גָּד֖וֹל יְהוּדִ֑ית וַיֹּ֕אמֶר שִׁמְע֗וּ אֶת־דִּבְרֵ֛י הַמֶּ֥לֶךְ הַגָּד֖וֹל מֶ֥לֶךְ אַשּֽׁוּר׃
BernfeldRabsake trat auf und rief mit lauter Stimme judäisch und sprach: Hört das Wort des großen Königs, des Königs von Assyrien!
ZunzUnd Rabschakeh trat auf, und rief mit lauter Stimme Jehudisch, und sprach: Hört die Worte des großen Königs, des Königs von Aschur!
J. J. HirschUnd Rawschakeh stellte sich hin und rief mit lauter Stimme auf Jüdisch und sprach: Höret die Worte des großen Königs, des Königs von Aschur.
14
כֹּ֚ה אָמַ֣ר הַמֶּ֔לֶךְ אַל־יַשִּׁ֥א לָכֶ֖ם חִזְקִיָּ֑הוּ כִּ֥י לֹֽא־יוּכַ֖ל לְהַצִּ֥יל אֶתְכֶֽם׃
BernfeldSo spricht der König: Dass euch Hiskija nicht täusche; er kann euch nicht retten von seiner Hand.
ZunzSo spricht der König: Daß euch Chiskijahu nicht täusche. Denn erkann euch nicht retten.
J. J. HirschSo hat der König gesprochen: Lasset euch nicht von Chiskijahu täuschen, denn er vermag nicht euch zu retten.
15
וְאַל־יַבְטַ֨ח אֶתְכֶ֤ם חִזְקִיָּ֙הוּ֙ אֶל־יְהֹוָ֣ה לֵאמֹ֔ר הַצֵּ֥ל יַצִּילֵ֖נוּ יְהֹוָ֑ה לֹ֤א תִנָּתֵן֙ הָעִ֣יר הַזֹּ֔את בְּיַ֖ד מֶ֥לֶךְ אַשּֽׁוּר׃
BernfeldDass euch Hiskija nicht vertröste auf den Herrn: Retten wird uns der Herr, und diese Stadt wird nicht fallen in die Hand des Königs von Assyrien.
ZunzUnd daß euch Chiskijahu nicht vertröste auf den Ewigen, und spreche: Retten wird uns der Ewige, daß diese Stadt nicht gegeben werde in die Hand des Königs von Aschur.
J. J. HirschLasset euch auch von Chiskijahu kein Vertrauen auf Gott einflößen, wenn er sagt, gewiß wird uns Gott retten, diese Stadt wird nicht in die Hand des Königs von Aschur gegeben werden.
16
אַֽל־תִּשְׁמְע֖וּ אֶל־חִזְקִיָּ֑הוּ {פ} כִּי֩ כֹ֨ה אָמַ֜ר הַמֶּ֣לֶךְ אַשּׁ֗וּר עֲשֽׂוּ־אִתִּ֤י בְרָכָה֙ וּצְא֣וּ אֵלַ֔י וְאִכְל֤וּ אִישׁ־גַּפְנוֹ֙ וְאִ֣ישׁ תְּאֵנָת֔וֹ וּשְׁת֖וּ אִ֥ישׁ מֵי־בוֹרֽוֹ׃
BernfeldHöret nicht auf Hiskija. Denn so spricht der König von Assyrien: Ergebet euch mir und kommt heraus zu mir, dass jeder von seinem Weinstock und von seinem Feigenbaum esse und jeglicher das Wasser seiner Grube trinke;
ZunzHöret nicht auf Chiskijahu. Denn so spricht der König von Aschur: Ergebet euch mir, und kommet heraus zu mir, und esset jeglicher von seinem Weinstock, und jeglicher von seinem Feigenbaume, und trinket jeglicher das Wasser seiner Grube,
J. J. HirschHöret nicht auf Chiskijahu! Denn also hat der König von Aschur gesprochen: Erwirket bei mir Segen indem ihr zu mir herauskommet, so sollet ihr jeder seinen Weinstock und seinen Feigenbaum genießen und jeder das Wasser seiner Zisterne trinken,
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 16. עשו אתי ברכה. Den Ausdruck ברכה finden wir als Huldigungsgruß ויברך יעקב את פרעה (1. B. M. 47, 7, 10) und als segnende Anerkennung 1. B. M. 32, 27 — Nach Jonathanischer Übersetzung ist hier ברכה mit שלום identisch „machet mit mir Frieden“. Doch ist bei der ersten Auffassung das עשו nicht leicht zu erklären und außerdem müßte es dann wohl לי heißen, und bei letzterer wäre eher עמי nach analogen Stellen, in denen von Friedenszuständen und Friedensschlüssen die Rede ist, zu erwarten gewesen. Wir ziehen daher vor, ברכה in der gewöhnlichen Bedeutung von Segen aufzufassen: Schaffet, bereitet, erwirket bei mir, durch eure Unterwerfung, für euch Segen. Leistet ihr mir Widerstand, so bereitet ihr euch Unsegen; kommet mir entgegen, so macht ihr euer Glück. עשה ist dann ebenfalls in seiner üblichen Bedeutung, wie ועשה חיל באפרתה (Ruth 4, 11) u. s.

17
עַד־בֹּאִ֕י וְלָקַחְתִּ֥י אֶתְכֶ֖ם אֶל־אֶ֣רֶץ כְּאַרְצְכֶ֑ם אֶ֤רֶץ דָּגָן֙ וְתִיר֔וֹשׁ אֶ֥רֶץ לֶ֖חֶם וּכְרָמִֽים׃
BernfeldBis ich komme und euch bringe in ein Land, wie euer Land, in ein Land des Korns und des Mostes, ein Land der Brotfrucht und der Weinberge.
ZunzBis ich komme und euch bringe in ein Land, wie euer Land, ein Land des Korns und des Mostes, ein Land des Brodes und der Weinberge.
J. J. Hirschbis ich komme und euch mitnehme in ein Land gleich eurem Lande, ein Land mit Getreide und Most, ein Land des Brotes und der Weinberge.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 17. עד בואי וגו'. Bis ich von meinem Zuge gegen Ägypten zurückkehre, dann nehme ich euch mit, und aus meiner Hand empfanget ihr ein ebenso gutes Land wie das eure, denn ihr würdet dessen ja, wenn ihr in Feindschaft gegen mich verharret, ohnehin verlustig gehen und dabei noch euer Leben einbüßen, wie B. d. Kön. erklärend hinzugefügt wird. Die Versetzung besiegter Völkerschaften auf anderen Grund und Boden war eine bei den Eroberern im Altertume beliebte Maßregel, um deren ganzes Volksdasein hierdurch als eine Schöpfung des Siegers zu dokumentieren und sie auch gleichzeitig von allen Beziehungen mit ihrer früheren Nachbarschaft loszulösen, damit ihnen nie der Gedanke komme, mittelst deren Hilfe die Freiheit wieder erlangen zu können.

Mit dem scheinbaren Pleonasmus ארץ דגן ותירוש ארץ לחם וכרמים dürfte Rawschakeh das Verführerische seines Anerbietens für sie noch verstärkt haben: Zehret nur unbesorgt alles, was euch hier gewachsen ist, auf, ich sorge dafür, daß ihr in dem neuen Heimatlande die Scheunen gefüllt mit Getreide und die Keltern voll des Mostes vorfindet, ihr machet euch dann an die Bestellung des ganz besonders ergiebigen Acker- und Weinlandes und seid, bis die neue Ernte und Lese beginnt, vollauf versorgt.

18
פֶּן־יַסִּ֨ית אֶתְכֶ֤ם חִזְקִיָּ֙הוּ֙ לֵאמֹ֔ר יְהֹוָ֖ה יַצִּילֵ֑נוּ הַהִצִּ֜ילוּ אֱלֹהֵ֤י הַגּוֹיִם֙ אִ֣ישׁ אֶת־אַרְצ֔וֹ מִיַּ֖ד מֶ֥לֶךְ אַשּֽׁוּר׃
BernfeldSollte euch Hiskija einreden wollen und sprechen: Der Herr wird uns retten. Haben die Götter der anderen Völker ihre Länder vom assyrischen König gerettet?
ZunzDaß euch Chiskijahu nicht berede, wenn er spricht: Der Ewige wird uns retten. Haben denn die Götter der Völker gerettet, ein jeder sein Land von der Hand des Königs von Aschur?
J. J. HirschDaß euch aber Chiskijahu nur nicht verführe, indem er sagt: „Gott wird uns retten!“ Haben etwa die Götter der Völker jeder sein Land aus der Hand des Königs von Aschur errettet?
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 18—22. Keiner der Nationalgötter der Völker hat sein eigenes Land vor Aschur retten können, so nicht die Götter von Chamath, Arpad und Sepharwajim. Diese Götter der Nachbarschaft eures Bruderreichs Schomron wurden auch von diesem als Nationalgötter adoptiert, nachdem es von eurem Gotte abgefallen war, aber sie vermochten auch nicht es zu retten. חמת und ארפד Städte in Aram, ספרוים in Mesopotamien.

ויבא וגו' קרועי בגדים. Mit zerrissenen Kleidern kamen sie zu Chiskijahu. Sie zerrissen ihre Kleider als Zeichen der Trauer und des Schmerzes über die Verhöhnung Gottes und die völlige Gleichstellung Gottes mit den von Menschenhand angefertigten Völkergottheiten (2. Chron. 32, 19). Doch scheinen sie dieses, erst nachdem sie aus der Sehweite Rawschakehs gekommen waren, getan zu haben, um in ihm nicht den Glauben zu erwecken, daß es ihm gelungen sei, ihr und des Volkes Gottvertrauen zu erschüttern und sie nun in hoffnungsloser Verzweiflung ihre Gewänder zerreißen.

Zu ויחרישו וגו' כי מצות וגו' ist noch zu bemerken, daß dieses ein Beweis für die alle Eventualitäten voraus berechnende Klugheit Chiskijahus ist, denn auf eine Ansprache Rawschakehs an das Volk konnte er doch eigentlich nicht gefaßt sein, und doch hatte er selbst für einen solchen Fall Befehl erteilt. Andererseits geht daraus hervor, daß doch die Masse des Volkes sich nicht durch die Machinationen der oben erwähnten Partei in ihrem Vertrauen auf Gott und ihrem Gehorsam gegen ihren König erschüttern ließ.

19
אַיֵּ֞ה אֱלֹהֵ֤י חֲמָת֙ וְאַרְפָּ֔ד אַיֵּ֖ה אֱלֹהֵ֣י סְפַרְוָ֑יִם וְכִֽי־הִצִּ֥ילוּ אֶת־שֹׁמְר֖וֹן מִיָּדִֽי׃
BernfeldWo waren die Götter von Hamat und Arpad, wo die Götter von Sefarvajim, oder retteten sie Schomron von meiner Hand?
ZunzWo waren die Götter von Chamat und Arpad, wo die Götter von Sefarwajim, daß sie gerettet hätten Schomron von meiner Hand?
J. J. HirschWo sind die Götter von Chamath und Arpad? Wo die Götter von Sepharwajim? Und haben sie etwa Schomron aus meiner Hand errettet?
20
מִ֗י בְּכׇל־אֱלֹהֵ֤י הָאֲרָצוֹת֙ הָאֵ֔לֶּה אֲשֶׁר־הִצִּ֥ילוּ אֶת־אַרְצָ֖ם מִיָּדִ֑י כִּֽי־יַצִּ֧יל יְהֹוָ֛ה אֶת־יְרוּשָׁלַ֖͏ִם מִיָּדִֽי׃
BernfeldWer ist unter all den Göttern der Länder, die ihr Land gerettet von meiner Hand, dass der Herr Jerusalem retten sollte von meiner Hand?
ZunzWer ist unter all den Göttern dieser Länder, die ihr Land gerettet von meiner Hand, daß der Ewige Jeruschalajim retten sollte von meiner Hand?
J. J. HirschWer unter all den Göttern dieser Länder hätte ihr Land aus meiner Hand errettet, daß Gott Jerusalem aus meiner Hand erretten sollte?
21
וַֽיַּחֲרִ֔ישׁוּ וְלֹא־עָנ֥וּ אֹת֖וֹ דָּבָ֑ר כִּֽי־מִצְוַ֨ת הַמֶּ֥לֶךְ הִ֛יא לֵאמֹ֖ר לֹ֥א תַעֲנֻֽהוּ׃
BernfeldSie schwiegen und erwiderten kein Wort, denn ein Gebot des Königs war also: Ihr sollt ihm nichts erwidern.
ZunzAber sie schwiegen und erwiederten kein Wort, denn ein Gebot des Königs war es also: Ihr sollt ihm nichts erwiedern.
J. J. HirschSie aber schwiegen und antworteten ihm nicht mit einem Worte, denn also lautete der Befehl des Königs: Gebet ihm keine Antwort!
22
וַיָּבֹ֣א אֶלְיָקִ֣ים בֶּן־חִלְקִיָּ֣הוּ אֲשֶׁר־עַל־הַ֠בַּ֠יִת וְשֶׁבְנָ֨א הַסֹּפֵ֜ר וְיוֹאָ֨ח בֶּן־אָסָ֧ף הַמַּזְכִּ֛יר אֶל־חִזְקִיָּ֖הוּ קְרוּעֵ֣י בְגָדִ֑ים וַיַּגִּ֣ידוּ ל֔וֹ אֵ֖ת דִּבְרֵ֥י רַבְשָׁקֵֽה׃ {ס}
BernfeldEs kamen der Haushofmeister Eljakim, Sohn Hilkijas, und Sebna der Schreiber, und Joah, Sohn Asafs, der Staatsschreiber, zu Hiskija mit zerrissenen Kleidern und berichteten ihm die Worte Rabsakes.
ZunzUnd es kam Eljakim, Sohn Chilkijahu, der über das Haus, und Schebna, der Schreiber, und Joach, Sohn Aßaf, der Geschichtschreiber, zu Chiskijahu mit zerrissenen Kleidern, und berichteten ihm die Worte Rabschakeh's.
J. J. HirschDa kam Eljakim, Sohn des Chilkijahu, der über das Haus gesetzt war, und Schewna, der Schreiber, und Joach, Sohn des Aßaph, der Kanzler, zu Chiskijahu mit zerrissenen Kleidern und berichteten ihm die Worte Rawschakehs.