Jehoschua 24 יהושע
Kommentar (R. Breuer)
Kap. 24. V. 1. Auch die erste Ansprache Josuas galt לכל ישראל לזקניו ולראשיו ולשפטיו ולשטריו (23, 2 ff.). Was sollte diese zweite Versammlung? Hätte Josua nicht alles, was er auf dem Herzen hatte, in einer Rede zusammenfassen können? Offenbar war seine Absicht hier eine andere als dort. Seine erste Rede galt לכל ישראל, der Gesamtheit Israels, und zwar in erster Reihe ihrer offiziellen Vertretung: לזקניו ולראשיו וגו'. Hier aber waren es in erster Reihe כל שבטי ישראל, war es jeder einzelne Stamm, der sich versammeln sollte; zugleich wurden dabei auch in besonderem Aufruf die offiziellen Führer entboten: ויקרא לזקני ישראל וגו'. Der zweifachen Absicht entspricht auch die zweifache Form der Reden, die sich inhaltlich so ziemlich decken, indem beide im Wesentlichen die unentwegte Treue zu Gott als Vorbedingung des göttlichen Schutzes bezeichnen. Die erste Rede konnte, da sie an die Elite der Nation sich wandte, Israels Vorgeschichte als bekannt voraussetzen und ihre Ausführungen allgemeiner fassen. Die zweite Rede wendet sich an die Massen und muß darum konkrete Einzelheiten bieten; sie darf nichts voraussetzen, muß weit ausholen, darf den Volkston nicht verfehlen, um verstanden zu werden.
ויתיצבו לפני האלהים. Dieser Schlußsatz giebt die feierliche Stimmung wieder, die Josua ergriff, als er die ewige Nation, die keine Macht auf Erden jemals aus ihrer „Stellung vor Gott“ verdrängen wird, in dichten Haufen aufhorchend vor sich stehen sah. Er selbst geht ja bald dahin, „und so auch die von Geschlecht zu Geschlecht nachfolgenden Führer, sie alle gehen hin, und die Eigenart der Führer wechselt, — nur ..... die Nation ist das Unsterbliche, Ewige, das Bleibende, in ihr vererbt sich der Genius und der Geist, dem Gott die Fortdauer seines Werkes anvertraut und in dessen Dienst jeder Führer eintritt. Die Nation ist die מצבה, die ewige Säule seines Gesetzes. דבר אחר מפני מה עשאן כמשה מצבה מפני שמשתמשין מדעת לדעת מדעת משה לדעת יהושע מדעת יהושע לדעת הזקנים ואף יהושע עשאן מצבה שנא' (יהושע כ"ד א') ויאסף יהושע .... ויתיצבו לפני האלהים .... “ (Komm. Deut. 29, 9).
Kommentar (R. Breuer)
V. 2. Schon dieser erste Satz der an das ganze Volk, אל כל העם, gerichteten Rede beweist, wie trefflich Josua es verstand, aus der Vorgeschichte Israels das für den augenblicklichen Zweck Wichtigste und Wirksamste herauszugreifen und gerade diejenigen Momente hervorzuheben, die er als dem Volke bekannt voraussetzen durfte. In grauer Vorzeit war's, als eure Väter noch jenseits des Euphrat-Stromes wohnten. Wie ein historischer Roman hebt die Rede an. Und von all den „Vätern“, deren Namen (Gen. 11, 10 ff.) überliefert werden, wird blos תרח genannt. Was weiß das Volk von Abrahams übrigen Ahnen: שרוג, שלח, ארפכשד usw.? תרח dagegen, dessen Götzen Abraham erschlug, kennt jedes Kind. Und nur אבי אברהם ואבי נחור wird er genannt. Sein dritter Sohn הרן wird verschwiegen. Starb er ja frühzeitig „vor dem Angesichte seines Vaters Therach“ (Gen. 11, 28) und war darum wohl kaum anzunehmen, daß Harans Bild in deutlichen Umrissen in der Volksphantasie sich erhalten habe. Und mit vielsagender Kürze wird dann am Schluß des Satzes der Charakter des ganzen Zeitalters gezeichnet: Götzen waren es, אלהים אחרים, denen eure Ahnen dienten. — Vgl. Komm. Deut. 32, 17.
Kommentar (R. Breuer)
V. 3. Wie anschaulich dieses ואולך אותו בכל ארץ כנען ist! Mit welch prägnanter Kürze wird damit das Wandern Abrahams von Ort zu Ort als das Umherziehen eines die Zukunft vorausschauenden Urahns bezeichnet, der sich das Land einmal genau ansehen will, das seinen Enkeln zu dauerndem Wohnsitz bestimmt ist. Und wie vielsagend der Schlußsatz: die Nachkommenschaft vermehrte ich ihm, als ich ihm den Jizchak gab. Wider alles natürliche Berechnen kam der erste Fortträger der abrahamitischen Bestimmung zur Welt. Auf ein Wunder hatte Gott die ganze Zukunft Israels gebaut.
Kommentar (R. Breuer)
V. 4. ואתן לעשו וגו'. Eine wirksame Antithese im Munde eines Volksredners. „Esaus Geschick entwickelt sich nach den natürlichen Kausalitätsverhältnissen des „Schwertes“. Während Jakobs Nachkommen noch in egyptischer Sklaverei schmachteten und ihnen noch nicht der erste Führer in Moses erstanden war, blühte schon Edom als Staat mit einer ganzen Reihe königlicher Dynasten. Ein Gegensatz, auf den Josua 24, 4 hinweist: ואתן לעשו את הר שעיר לרשת אותו ויעקב ובניו ירדו מצרים!“ (Komm. Gen. 36, 31).
Kommentar (R. Breuer)
V. 5—6. Die Forderung: בכל דר ודר חייב אדם לראות את עצמו כאלו הוא יצא ממצרים, die ewige Bedeutung des Mizrajimwunders sich so lebendig vor Augen zu halten, als ob es in der Gegenwart sich vollzogen habe, wird hier treffend durch einen zweimaligen Wechsel der angeredeten Person illustriert: הוצאתי אתכם, dann: ואוציא את אבותיכם; ותבאו הימה, dann: וירדפו מצרים אחרי אבותיכם. Im Schicksal eurer Väter seht ihr das eure sich vollenden.
Kommentar (R. Breuer)
V. 7. וישם מאפל וגו'. Vgl. Ex. 14, 20 und Komm. das.: „Durch die zwischen die beiden Lager getretene Wolke blieb das egyptische Lager auch da im Dunkel, als Gott durch die Feuersäule das Lager Israels erleuchtete“.
ותשבו וגו'. Was ihr mit eigenen Augen im Mizrajim geschaut habt, damit war das Werk eurer Erziehung zum Gottesvolke noch nicht vollendet. „Die außerordentliche Gottesnähe in außerordentlichen Momenten hatte die Erlösung aus Mizrajim und der Durchzug durchs Meer für alle Zeiten gelehrt. Daß aber auch für die Bedürfnisse des alltäglichen Lebens in jeder Lage Gott zu vertrauen sei, daß die sogenannten kleinen, täglichen Bedürfnisse des Menschen dem Gottesauge und der Gotteshand nicht zu geringe seien, und der Gottreue Mensch mit jedem Atemzuge für sich und die Seinen der stets gegenwärtigen Gotteshuld und Gottesmacht vertrauen dürfe, das sollte sie der nun erst eigentlich angetretene Weg durch die Wüste lehren“. (Komm. Ex. 15, 25).
Kommentar (R. Breuer)
V. 8. Vgl. Num. 21, 23 f. In seinem Rückblick auf die Vergangenheit übergeht Josua gar manches mit weisem Bedacht. Warum hätte er auch in seiner Abschiedsrede das Gedächtnis auffrischen sollen etwa der Geschichte der Kundschafter, der Empörung Korachs u. dgl.? Das alles hätte wohl kaum zur versöhnlichen, weihevollen Stimmung gepaßt, in welcher er zum Volke sprach. Von den schwarzen Flecken in Israels Geschichte schweigt Josua; umso beredter aber spricht er, wenn es gilt, die glanzvollen Momente zu schildern.
Kommentar (R. Breuer)
V. 9. Der Bestellung Bileams ging nicht ein förmlicher Krieg voran, wie das וילחם בישראל mißdeutet werden könnte. Es soll damit nur kurz das hetzerische Aufwiegeln Balaks (Num. 22, 2 ff.) umschrieben werden: וילחם בישראל, er hetzte, machte Stimmung gegen Israel.
Kommentar (R. Breuer)
V. 10. ויברך ברוך. Im Anklang an das והנה ברכת ברך, womit Balak seinem Aerger über Bileam Luft machte: Num. 23, 11.
Kommentar (R. Breuer)
V. 11. Vgl. Raschi über den Sinn der Angabe, daß die בעלי יריחו, die Einwohner von Jericho es waren, die mit Israel kämpften, wovon im 6. Kapitel nichts erwähnt wird, ebenso was die Opposition האמרי וגו' zu בעלי יריחו zu bedeuten hat. Vgl. auch נחלת יהושע z. St. Am einfachsten ist's wohl zu sagen, daß Josua im raschen Ueberblick über das von ihm an kriegerischen Taten Geleistete unter בעלי יריחו die Gesamtheit aller Feinde begriffen habe, die auf die Kunde von Jerichos Fall zum Kampf gegen Israel sich zusammengefunden hatten. Es widerstrebt ihm, lang und breit von seinen Leistungen zu reden, zumal diese Ereignisse noch ganz frisch im Gedächtnis seiner Zuhörer lebten. Er drückt sich darum mit absichtlicher Nonchalance aus, indem er den Ausgangspunkt seiner Kämpfe und Siege — Jericho — zum beherrschenden Mittelpunkt aller kommenden Ereignisse erhebt und von allen Völkerschaften, mit denen er zu kämpfen hatte, gleichsam als den בעלי יריחו spricht: es waren das alles Feinde, deren Feindschaft er durch seinen Sieg über Jericho sich zugezogen hatte.
Kommentar (R. Breuer)
V. 12. Das ohnmächtige Hinsinken des Feindes wird hier nach Analogie von Ex. 23, 28; Deut. 7, 20 als Wirkung einer von Gott gesandten Horniß bezeichnet. Daher wohl auch das plötzliche Uebergehen in die Singularform: לא בחרבך ולא בקשתך. In den beiden Stellen, die Josua in diesem Augenblick vorschweben, wird nämlich die Form der Einzahl gebraucht: ושלחתי את הצרעה לפניך (Ex. a. a. O.), וגם את הצרעה ישלח ה' אלקיך וגו' (Deut. a. a. O.).
Kommentar (R. Breuer)
V. 13. Auch hier erklärt sich die Einzahlform des אשר לא ינעת בה im Anklang an die Singularformen der Parallelstellen Deut 6, 10 ff.
Kommentar (R. Breuer)
V. 14. Was Josua bisher gesprochen, war der Form nach Gottes Wort. Um die lebendige Wirkung seiner Rede zu erhöhen, legte er seine Betrachtungen über Israels Vergangenheit in Gottes Mund. Jetzt ändert er die Form und fordert in direkter Anrede ans Volk dasselbe auf, die aus der Vergangenheit Israels sich ergebenden Lehren immerdar treu und aufrichtig zu beherzigen, vor allem jeden Überrest götzentümlichen Unwesens aus seiner Mitte zu verbannen.
ובמצרים. Auch die Stelle in Jecheskel 20, 8 beweist, „daß unsere Väter Gott gegenüber nicht die abrahamitische Treue in aller Reinheit bewahrt, vielmehr egyptischem Unwesen in Geist und Sitte bei sich Eingang gewährt, und, woran das jüdische Geistesauge kein Gefallen haben (שקוצי עיניו) und was das jüdische Herz als seiner unwürdig, als Auswurf, von sich weisen sollte (גלולי מצרים), bei sich hatten heimisch werden lassen . . . .“ (Komm. Ex. 1, 9).
Kommentar (R. Breuer)
V. 15. Mit welch beißender Ironie Josua seine Rede beschließt! Wenn euch etwa Gott nicht mehr gefällt, dann habt ihr ja eine große Auswahl unter anderen Göttern, denen ihr dienen könnt. Da sind die Götter eurer Väter, die ein historisches Recht auf euren Dienst besitzen. (Von Ägypten, das er V. 14 genannt, spricht Josua hier nicht: er will den Rückfall ins Götzentum so kraß als möglich schildern und er greift darum die Urzeit Israels heraus, um dem Volke anzudeuten, in welch graues, versteinertes Altertum sie zurücksinken würden, wenn sie Gott, dem Einig-einzigen, die Treue brächen). Da sind aber auch moderne Götter, die Götter des Emori, die eurem „gebildeten Zeitbewußtsein“ vielleicht näher stehen dürften. Ich freilich und mein Haus, wir werden auch weiter treu ausharren bei unserem Gott. Und wie einst in alter Zeit unser Gott entschlossen war, eine ganze Generation des jüdischen Volkes untergehen und die Bestimmung Israels durch Moses allein forttragen zu lassen, so wird auch heute die Thora nicht verwaist sein, auch wenn ich allein es bin, der ihr die Treue bewahrt.
Kommentar (R. Breuer)
V. 16—18. Begeistert stimmt das Volk der Aufforderung Josuas zu. Wir sollten Gott die Treue brechen? Wir, die solches erlebt?
ואת האמרי. Die besondere Erwähnung des Emori geschieht wohl im Hinblick auf אלהי האמרי in V. 15: den Göttern Emoris sollten wir dienen, desselben Emoris, den Gott vor uns vertrieben?
Kommentar (R. Breuer)
V. 19. Habt ihr euch wohl bedacht, was ihr gesprochen? Werdet ihr auch ausführen können, was ihr gelobtet? Meint ihr, es sei ein Kinderspiel, einem Gott zu dienen, der sein eigenes heiliges Wesen seinem Volke zur Nacheiferung anempfahl (Lev. 19, 2), und am Sinai zu Israel sprach: Als א' קנא „schließe ich alles andere aus und fordere dich ganz, mit deiner ganzen Gegenwart und deiner ganzen Zukunft“ (Komm. Ex. 20, 5)?
אלהים קדושים. „Der Plural in Attributen und Prädikaten zu אלקים ist keineswegs ein sehr gewöhnlicher. Vergleichen wir die Stellen: . . . . 5. B. M. 4, 7 . . . . Sam. II. 7, 13 . . . .: so scheint in allen diesen Stellen der Plural aus der Pluralität des Gottheitsbegriffs der nichtjüdischen Welt entstanden zu sein, auf welche alle diese Seelen hinblicken, und, im Gegensatz zu diesem, die Nähe, Heiligkeit, Wundermacht, lebendige Daseinswirklichkeit des einen einzigen Gottes Israels hervorheben zu sollen, der in seiner Alleinheit das wirklich ist, was die polytheistische Welt von ihren vielen vermeintlich träumt“. (Komm. Gen. 35, 7).
V. 20 ist eine weitere Ausführung des zweiten Teiles von V. 19. Gott ist אל קנוא, der לא ישא לפשעכם וגו'. Er läßt sich sein Recht an euch nicht nehmen; und werdet ihr ihm treulos, dann wird er sein Recht durch Strafgerichte sich schon zu verschaffen wissen. Und Gottes strafende Hand wird umso schwerer auf euren Schultern lasten, je öfter ihr Gott in seiner liebenden Waltung geschaut und erlebt habt. Habt ihr auch wohl bedacht, was ihr dem Allmächtigen gelobtet?
Kommentar (R. Breuer)
V. 21. Wohl haben wir bedacht, was wir gelobten. Treu ausharren wollen wir bei Gott! Und nur als ה', in seiner liebenden, und nicht als אלהים in seiner strafenden, vernichtenden Waltung soll uns Gott immerdar erscheinen! — Im Gegensatz zu V. 18: נעבד את ד' כי הוא אלהינו heißt es hier einfach: כי את ד' נעבד. Eindringlich hatte Josua dem Volke vor Augen geführt, was das heißt: כי הוא אלקינו, was der Name אלקים bedeutet. Darauf antwortete das Volk: Gott soll es niemals nötig haben, sich uns als אלקים zu zeigen, כי את ד' נעבד!
Kommentar (R. Breuer)
V. 22. Wenn einst Gott Gericht halten wird über die Treue und Untreue, die ihr ihm erwiesen, dann werdet ihr selbst als Zeugen auftreten müssen wider euch selbst, und das begeisterte Gelöbnis dieser Stunde — hütet euch, daß es nicht einst zum Ankläger einer künftigen Irrung werde!
Kommentar (R. Breuer)
V. 23. Wie die Geschichte Israels ein allmähliches Emporentwickeln des Volkes aus geistiger und sittlicher Niederung zur Höhe des Thoragedankens ist, wie die Thora nicht aus dem Volke, sondern nur für das Volk entstanden sein kann, auch diese Stelle — wie so viele andere — beweist es zur Genüge. Wie lang ist Moses schon todt — auch sein Nachfolger rüstet sich schon zum Sterben — er kann aber nicht scheiden, ohne mit solch eindringlichen Worten zum Volke von der Reinheit des jüdischen Gottesgedankens zu reden, als geschähe es heute zum ersten Male. Ist's denkbar, daß schon zu Moses' Zeiten, daß überhaupt jemals die Thora ein „Produkt des jüdischen Volksgeistes“ war?
Kommentar (R. Breuer)
V. 25. וישם לו וגו'. Vgl. Ex. 15,25: שם שם לו חק ומשפט וגו' und Raschi hier z. St.: סידר להם שם החוקים שבתורה וקבלו עליהם. Nach Raschi prägte Josua dem Volke auch die Einzelheiten der Thora noch einmal ein, nachdem er zuvor im allgemeinen die Bedeutung der Thora für Israels Geschick dargelegt hatte. Es kann aber auch — ähnlich wie in Mara, vgl. Ex. a. a. O. und Komm. das. — die „Grundlegung von Gesetz und Recht“ auch hier insofern erfolgt sein, als ja auch hier — ähnlich wie in Mara Gott — Josua das Volk das göttliche „Gesetz und Recht“ „als „Heilung“ aller physischen und sozialen Übel begreifen“ (Komm. das.) ließ. Daher wohl auch die analoge Ausdrucksweise.
Kommentar (R. Breuer)
V. 26. Was Josua niederschrieb, את הדברים האלה, kann sich nur entweder auf das ganze Buch oder auf die Abschiedsreden des letzten Teiles beziehen. Dann bedarf es aber einer Erklärung, was das heißt, daß Josua „diese Worte“ בספר תורת אלקים geschrieben. Mackoth 11 a (vgl. Raschi hier z. St.) differiren אמוראים in dieser Frage. Der eine meint: את הדברים האלה beziehe sich auf die acht letzten — den Tod Moses' behandelnden — Verse der Thora, die von Josua niedergeschrieben seien. Der andere: es beziehe sich auf den Abschnitt von den ערי מקלט, die aus dem ספר תורת אלקים in das Buch Josua hinübergenommen seien. Nach dieser letzteren Ansicht kann בספר תורת אלקים selbstredend nicht „in das Buch der Gotteslehre schrieb Josua diese Worte“ übersetzt werden, der Sinn ist vielmehr, wie Mackoth a. a. O. erläutert wird: ויכתוב יהושע בספרו את הדברים האלה הכתובים בספר תורת אלקים, Josua übernahm in sein Buch die Worte, die im Buche der Gotteslehre verzeichnet waren. Damit erklärt sich auch der Sinn des בספר תורת אלקים, wenn man את הדברים האלה auf das ganze Buch, oder die Mahnworte des letzten Teiles bezieht: die Worte, die Josua zum Volke sprach, waren in bewußter Anlehnung בספר תורת אלקים gesprochen (vgl. u. a. das zu V. 25 Bemerkte), ja oft wörtlich dem Buche der Gotteslehre entnommen.
האלה. Die Auffassung (vgl. Raschi), wonach die Eiche, unter welche Josua den „großen Stein“ als symbolische Bekräftigung des mit dem Volke geschlossenen Bündnisses (V. 25) errichtete, identisch sei mit der Eiche, von der Gen. 35, 4 erzählt wird: ויטמן אתם יעקב תחת האלה אשר עם שכם, ist ungemein sinnig. Waren es doch כל אלהי הנכר אשר בידם (das.), die Jakob unter der Eiche in Schechem vergrub, und wenn hier ebenfalls in Schechem, במקדש ד', der Stätte der Bundeslade ein Wahrzeichen der Bundestreue errichtet wurde, so sollte ja damit nur eine Aufforderung bekräftigt werden, die Jakob und Josua beinahe mit denselben Worten an ihre Getreuen hatten ergehen lassen: הסירו את אלהי הנכר אשר בתוככם dort (Gen. 35, 2), הסירו את אלהי הנכר אשר בקרבכם (V. 23) hier.
Kommentar (R. Breuer)
V. 27. כל אמרי ד'. Bezieht sich wohl nach dem Zusammenhang auf die von Josua בספר תורת אלקים (vgl. das zu V. 26 Bemerkte) niedergeschriebenen Worte: dieser Stein wird noch dauern, wenn ihr längst nicht mehr seid; und bezeugen wird er einst, ob ihr die Worte, die auch er vernommen, beherzigt oder verleugnet habt!
Kommentar (R. Breuer)
V. 29. עבד ד'. Im Gegensatz zu 1, 1, wo uns משה als עבד ד' und Josua als משרת משה vorgeführt wurde (vgl. das das. Bemerkte), wird hier auch Josua עבד ד' genannt. Damals unter dem Eindrucke des Todes des größten „Gottesdieners“ schrumpfte Josuas Größe zur Winzigkeit eines משרת משה zusammen. Nachdem aber Josua gestorben war und sein ganzes herrliches Leben abgeschlossen vor den Augen seines Volkes lag, da wuchs auch er zur Größe eines ebenbürtigen Nachfolgers Mosches, zur Größe eines wahrhaften עבד ד' hinan.
Kommentar (R. Breuer)
V. 30. Während es nach dem Tode Moses heißt: ויבכו בני ישראל את משה בערבת מואב שלשים יום וגו' (Deut. 34, 8) es fand eine Nationaltrauer von dreißig Tagen statt, wird hier nach dem Tode Josuas nichts dergleichen berichtet, obwohl auch er als עבד ד' (vgl. das zum vorigen Verse Bemerkte) die Tränen seines Volkes wahrlich verdient hätte. Dieses Schweigen der Bibel von jeder Nationaltrauer um Josua läßt uns erst die an להר געש sich lehnende Bemerkung der Weisen (vgl. Raschi z. St.) richtig verstehen; מלמד שרעש עליהם ההר להורגם לפי שלא הספידוהו כראוי. Wenn das Volk nach Josuas Tod eine gemeinsame Trauer von dreißig Tagen unterließ, so mag dies eine bedauerliche Unterlassung gewesen sein. Ganz unbegründet war es jedenfalls nicht. Denn anders als mit dem Tode Mosches verhielt es sich mit dem Tode Josuas. An der Bestattung Mosches war das Volk völlig unbeteiligt. ויקבר אתו בגי, Gott selbst begrub ihn im Tale. Ferner ולא ידע איש את קבורתו עד היום הזה, niemand wußte um sein Grab. Was Wunder, wenn das Volk, dem es nicht vergönnt war, an Mosches Bahre sich auszuweinen, das Bedürfnis hatte, ihm nachträglich eine Trauerfeier von dreißig Tagen zu widmen? Anders war's nach Josuas Tod. ויקברו אתו, nicht Gott, sie begruben ihn. Das ganze Volk weinte an seiner Bahre, und auch in Zukunft war es Jedermann vergönnt, so oft sich der Todestag Josuas jährte, an Josuas örtlich genau bestimmtem Grab — בגבול נחלתו בתמנת סרח וגו' — seinem geistigen Erbe unentwegte Treue immer wieder aufs Neue zu geloben. Hier mochte das Volk eine dreißigtägige Nationaltrauer für überflüssig gehalten haben, ohne zu bedenken, daß gerade je normaler im Gegensatz zum wunderbaren Verschwinden Mosches das Sterben und die Bestattung Josuas verlief, umsomehr hätte darauf Bedacht genommen werden müssen, daß nichts geschehen dürfe, was als Beeinträchtigung der Ehre Josuas gedeutet werden könnte. So gewiß ולא קם נביא עוד בישראל כמשה, kein Prophet in Israel jemals wieder aufgestanden ist gleich Mosche, so gewiß aber auch אין דור שאין בו כאברהם אין דור שאין בו כיעקב כמשה וגו', giebt es keine Zeit, in der nicht Abraham, Jakob, Moses gleiche Männer lebten (vgl. Komm. Gen. 3, 19). Die objektive Wertung irdischer Größen steht allein dem Allmächtigen zu. Uns müssen die גדולים unseres דור so hoch und so heilig sein, als stünden Abraham, Jakob und Moses vor uns. Dieser großen jüdischen Wahrheit war das Volk untreu geworden, als es nach dem Tode Josuas in unbedachtsamer Überschreitung der Grenzen seiner Kompetenz nach dem göttlichen Maßstabe objektiver Größeneinschätzung verfuhr und dem Nachfolger Moses eine Ehrung versagte, die es nur gegenüber dem größten aller Propheten für geboten hielt. So begreiflich daher auch des Volkes Verirrung war — sie kannten alle (ganz anders wie bei Mosche) genau Josuas Grab, das in תמנת סרח auf dem Gebirge Ephraim und noch genauer: nördlich vom Berge Gaasch lag — entschuldbar war diese Verirrung nicht — ja, die Örtlichkeit des Grabes, die in ihrer genauen Umgrenzung zum Anlaß der Verirrung ward, lehnte sich gleichsam selbst gegen die Pietätlosigkeit des Volkes auf und klagte es gleichsam selbst des Vergehens einer schweren Unterlassung an: מלמד שרעש עליהם ההר להורגם לפי שלא הספידוהו כראוי.
Kommentar (R. Breuer)
V. 31. Die Inschrift auf dem Grabdenkmal Josuas: Solange er lebte und solange die Ältesten lebten, die noch unter dem Einflusse seines Wesens und Wirkens standen und von ihm geleitet und belehrt, den Gottesfinger in Israels Geschichte erkannten, war Israel seinem Gotte treu. Erst nachdem die gesamte Generation Josuas dahingegangen war, „erstand ein anderes Geschlecht nach ihm, das Gott nicht kannte und nicht die Tat, die er für Israel getan“. (Richter 2, 10. Vgl. auch die vorhergehenden Verse das.).
Kommentar (R. Breuer)
V. 32. Knüpft an das ויקברו in V. 30 an. Anläßlich ihres Berichts von der Bestattung Josuas vergißt die Erzählung nicht, zu bemerken, daß, nachdem es Moses nicht vergönnt war, die Gebeine Josefs in Kenaan zu begraben, Josuas Generation nicht von dannen ging, ohne nach vollendeter Besitznahme des Landes Josefs Testament vollstreckt zu haben. War ja die Verpflichtung, die Josef den בני ישראל auferlegte, und waren ja „die Gebeine, an denen sie in Erfüllung gebracht werden sollte, eine Bürgschaft für die Zuversicht, mit welcher sie der Rückkehr nach Kenaan entgegenharren sollten“ (Komm. Gen. 50, 25). Mit der Beisetzung dieser Gebeine ward der Besitznahme des Landes gleichsam der Schlußstein aufgesetzt.
בשכם בחלקת השדה וגו'. Vgl. Gen. 33, 19.
Kommentar (R. Breuer)
V. 33. Schwermütig klingt das letzte Kapitel aus: mit Josuas Grab, Josefs Gebeinen und Eleasars Tod. Ein durch seine ernste Stimmung wirksamer Übergang zum Richterbuche. Ein ganzes Zeitalter ward mit Josua und Eleasar begraben. Unter Mosches und Aharons Augen waren Josua und Eleasar herangewachsen; und Josefs Gebeine, die das Volk in Josuas und Eleasars Tagen an geweihter Stätte begrub, die einst Jakob von den Söhnen Chamors um hundert Keßitah erworben, diese Gebeine wiesen noch in die Urzeit Israels, in die Tage der Stammväter zurück. Das alles sank nun für immer dahin. Eine Zeit wilder Zerrissenheit beginnt. Nur vereinzelt tauchen Lichtgestalten von Josuas Rang aus dem finsteren Chaos empor. Israels erste Heldenzeit ist vorbei — und Josuas Grab, Josefs Gebeine, Eleasars Tod kündigen wie Unheil dräuende Sturmvögel das Herannahen einer ernsten, schweren Geschichtsepoche an: die Zeit der Richter.