Jehoschua 1 יהושע

Buch: Kapitel: Vers:
Übersetzung:
Haftarah Simchat Torah (in Erez Israel: Schemini Atzeret) Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten, Italiener, Karäer und Syrakus (erloschen) beginnen hier.
1
וַֽיְהִ֗י אַחֲרֵ֛י מ֥וֹת מֹשֶׁ֖ה עֶ֣בֶד יְהֹוָ֑ה וַיֹּ֤אמֶר יְהֹוָה֙ אֶל־יְהוֹשֻׁ֣עַ בִּן־נ֔וּן מְשָׁרֵ֥ת מֹשֶׁ֖ה לֵאמֹֽר׃
BernfeldNach dem Tode Moses, des Knechtes des Herrn, sprach der Herr zu Josua Sohn Nuns, dem Diener Moses, also:
R. BreuerEs war nach dem Tode Moschehs, des Dieners Gottes, da sprach Gott zu Jehoschua, dem Sohne Nuns, dem Diener Moschehs:
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 1. V. 1. Über die Bedeutsamkeit der Bestimmung, daß Moses im jenseitigen Lande sterben mußte, vgl. die im Komm. Deut. 34, 5 gegebenen Verweisungen und Komm. Haftoroth S. 568 ff. Nach dem Tode Moschehs, des Dieners Gottes, wendet sich Gott an Jehoschua, den Diener Moschehs. Der tiefsinnige Unterschied zwischen עבד ד' und משרת משה und die darin ausgesprochene Verschiedenheit des Verhältnisses Moses' und Josuas zu Gott, könnte in vollkommener Klarheit nur von Moses selbst dargelegt werden, der unter allen Propheten der einzige blieb, dem „Gott Angesicht zu Angesicht sein Erkennen zugewandt“ (Deut. 34, 10), der aber bei aller Intimität des Einblicks, den ihm Gott in sein Bereich gewährte, nicht משרת ד', kein Helfer Gottes, sondern עבד ד', nur selbstloser Diener und Sklave war, der nur auszuführen hatte, was ihm der auch ihm Unbegreifliche und Unfaßbare gebot. Unwillkürlich drängt sich einem der Zug einer tiefen Tragik in dieser Gegenüberstellung von עבד ד' und משרת משה auf. Moses war tot, und Josua, der in seine Spuren trat, hatte wohl als Diener Moses' deutlicher als irgend jemand das Ziel der Sendung Moses' geschaut und begriffen, doch תשש כחו של יהושע ונשתכחו ממנו שלש מאות הלכות ונולדו לו שבע מאות ספיקות ועמדו כל ישראל להורגנו וכו' (Themurah 16 a; vgl. Raschi zum folgenden Vers), Moses war Josua nicht, die unmittelbare Gewißheit der sinaitischen Tradition schien dem Volke durch lange Gewöhnung an die Persönlichkeit des Moses geknüpft zu sein, die bloße Tatsache von Josuas inniger Beziehung zu ihm hätte dem Volke nicht genügt, um auch im משרת משה den עבד ד' zu sehen — obwohl es Moses selbst gewesen, der durch die Änderung des Namens הושע in יהושע für alle Zeiten es bekräftigt hatte, „daß הושע, daß der, der in aller Vergangenheit uns geholfen, auch der sei, der יהושע, der die Heileszukunft schaffen werde ...“ (Komm. Num. 13, 16) — da war's denn ein Gebot geschichtlicher Notwendigkeit, daß unmittelbar nach dem Tode Moses' an seinen Nachfolger das Wort der göttlichen Beglaubigung erging.

2
מֹשֶׁ֥ה עַבְדִּ֖י מֵ֑ת וְעַתָּה֩ ק֨וּם עֲבֹ֜ר אֶת־הַיַּרְדֵּ֣ן הַזֶּ֗ה אַתָּה֙ וְכׇל־הָעָ֣ם הַזֶּ֔ה אֶל־הָאָ֕רֶץ אֲשֶׁ֧ר אָנֹכִ֛י נֹתֵ֥ן לָהֶ֖ם לִבְנֵ֥י יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldMose, mein Knecht, ist tot; mache dich nun auf, ziehe über den Jordan, du und das ganze Volk, nach dem Lande, das ich den Kindern Israel gebe.
R. Breuer„Mein Diener Moscheh ist gestorben und nun mache dich auf, überschreite diesen Jarden, du und dieses ganze Volk, zum Lande hin, das ich ihnen, den Söhnen Jisraels, gebe.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2. Besser als ich weiß keiner, was mir dieser Moses war. Doch so wichtig sein Leben war, so notwendig war sein Tod. An keine einzelne Persönlichkeit soll der Ablauf der jüdischen Geschichte gebunden sein. Mein Diener Moses ist tot. Die Vorgeschichte des jüdischen Staates wartet in ihrem schwierigsten Teil auf die Kraft seines Nachfolgers. Führe nun du das Volk in das ihm verheißene Land. — Mit Nachdruck ist hier gleich am Vorabend der kommenden Ereignisse hervorgehoben, daß bei aller Feldherrnkunst, die Josua nunmehr betätigen würde, Gott es ist, der das Land erobert, und zwar להם, dem Volke, mit Ausschluß jeder leitenden Kraft, die aus ihrer Kriegskunst ein persönliches Besitzrecht an dem zu erobernden Land etwa herleiten würde.

3
כׇּל־מָק֗וֹם אֲשֶׁ֨ר תִּדְרֹ֧ךְ כַּֽף־רַגְלְכֶ֛ם בּ֖וֹ לָכֶ֣ם נְתַתִּ֑יו כַּאֲשֶׁ֥ר דִּבַּ֖רְתִּי אֶל־מֹשֶֽׁה׃
BernfeldJeden Ort, worauf euer Fußballen tritt, gebe ich euch, wie ich dem Mose verheißen.
R. BreuerJeden Ort, den euer Fußballen betreten wird, ihn habe ich euch gegeben, wie ich Moscheh verheißen habe.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 3. Vgl. Deut. 11, 24, wo ausgesprochen ist, daß nach völliger Besitznahme von Palästina auch jeder außerpalästinensische, von Israel eroberte Ort den vollen Charakter des jüdischen Landes, קדושת הארץ, erhalten und allen für ארץ ישראל gebotenen Gesetzesbestimmungen unterliegen sollte (s. ספרי und Komm. das. und Num. 34, 1, sowie Raschi hierselbst). Eine Ausnahme bildeten ארם צובה und ארם נהרים, die von David erobert wurden, bevor das eigentlich verheißene Land völlig in jüdischen Besitz gekommen war. Darüber s. Komm. a. a. O.

4
מֵהַמִּדְבָּר֩ וְהַלְּבָנ֨וֹן הַזֶּ֜ה וְֽעַד־הַנָּהָ֧ר הַגָּד֣וֹל נְהַר־פְּרָ֗ת כֹּ֚ל אֶ֣רֶץ הַֽחִתִּ֔ים וְעַד־הַיָּ֥ם הַגָּד֖וֹל מְב֣וֹא הַשָּׁ֑מֶשׁ יִֽהְיֶ֖ה גְּבוּלְכֶֽם׃
BernfeldVon der Wüste und dem Libanon dort bis zu dem großen Strome, dem Strome Euphrat, das ganze Land der Hittim bis zum großen Meere nach Westen soll euer Gebiet sein.
R. BreuerVon der Wüste und diesem Libanon bis zu dem großen Strome, dem Strome Euphrat, das ganze Land der Chittäer, und bis zum großen Meere gen Untergang der Sonne, soll euer Gebiet sein.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 4. Nachdem im vorigen Vers die Zugehörigkeit aller rechtmäßig eroberten außerpalästinensischen Gebiete zur קדושת ארץ ישראל betont wurde, werden hier die Grenzen des zu erobernden Landes selbst bestimmt.

מהמדבר. Die Wüste Zin als südöstliche Spitze. Vgl. Num. 34, 3: והיה לכם פאת נגב ממדבר צין על אדום.

והלבנון הזה. Vgl. Komm. Deut. 3, 25 und 1, 7: „Das palästinensische Gebirgsland ist eigentlich selbst nur der südliche Ausläufer des Libanons.“

ועד הנהר וגו'. Schon Abraham empfing die Bundesverheißung (Gen. 15, 18), daß seinem Samen das Land „vom Strome Mizrajims bis zum großen Strome, dem Strome Perath“ verliehen werde. Jetzt fängt die Verheißung an, wahr zu werden.

הים הגדול. Deut. 11, 24 הים האחרון genannt, weil man das Mittelmeer „in Palästina, mit dem Angesicht nach Osten gekehrt, im Rücken hat.“ (Komm. das.) Versetzt ja der ganze Abschnitt daselbst von V. 22 an den Leser im Geiste auf palästinensischen Boden und vergegenwärtigt er ja den Augenblick, wo nach bereits stattgehabtem Eintritt ins Land והוריש ד' את כל הגוים האלה מלפניכם וגו' (V. 23), während hier an Josua erst der Befehl ergeht, den Jordan zu überschreiten und ihm zu einer Zeit, wo er sich noch jenseits des Jordans befand, die Grenzen des zu erobernden Landes bezeichnet werden.

יהיה גבולכם. „Das ist das eigentliche euch zugesagte Gebiet (siehe 4. B. M. 34)“. (Komm. Deut. a. a. O.)

5
לֹא־יִתְיַצֵּ֥ב אִישׁ֙ לְפָנֶ֔יךָ כֹּ֖ל יְמֵ֣י חַיֶּ֑יךָ כַּאֲשֶׁ֨ר הָיִ֤יתִי עִם־מֹשֶׁה֙ אֶהְיֶ֣ה עִמָּ֔ךְ לֹ֥א אַרְפְּךָ֖ וְלֹ֥א אֶעֶזְבֶֽךָּ׃
BernfeldNiemand soll gegen dich Stand halten all die Tage deines Lebens. Wie ich mit Mose gewesen bin, werde ich auch mit dir sein; ich verlasse dich nicht und verstoße dich nicht.
R. BreuerKein Mann wird vor dir aufrecht bleiben alle Tage deines Lebens; wie ich mit Moses war, werde ich mit dir sein; ich lasse dich nicht los und verlasse dich nicht.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 5. לא יתיצב וגו'. Vgl. Deut. 11, 25.

לא ארפך. „... in allen Stellen, in welchen הרפה mit dem Suffixum des Akkusativs vorkommt, heißt es: etwas loslassen, etwas fahren lassen, es nicht weiter festhalten, also: seine festhaltende Kraft in Beziehung auf etwas nicht üben ...“ (Komm. Deut. 31, 6).

6
חֲזַ֖ק וֶאֱמָ֑ץ כִּ֣י אַתָּ֗ה תַּנְחִיל֙ אֶת־הָעָ֣ם הַזֶּ֔ה אֶת־הָאָ֕רֶץ אֲשֶׁר־נִשְׁבַּ֥עְתִּי לַאֲבוֹתָ֖ם לָתֵ֥ת לָהֶֽם׃
BernfeldSei stark und fest, denn durch dich soll das Volk das Land in Besitz nehmen, das ich zugeschworen ihren Vätern, ihnen zu geben.
R. BreuerSei fest und stark! Denn du sollst in Besitz nehmen lassen dieses Volk das Land, das ich ihren Vätern zugeschworen habe, es ihnen zu geben.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 6—9. חזק ואמץ. „Die Anrede חזק ואמץ an Josua ... umfaßt seine ganze Aufgabe als Führer des Volkes. So wiederholt (Josua 1, 6. 7 u. 9) ..., und wird dies (Berachoth 32 b) speziell erläutert: חזק בתורה ואמץ במעשים טובים, bleibe fest in Erkenntnis deiner Aufgaben aus der תורה und sei stark in Überwindung aller Hindernisse bei deren Lösung. Fest im Prinzipe und stark in der Ausführung, das sind die ersten Anforderungen an den Führer.“ (Komm. Deut. 37, 7).

למען תשכיל. „Es ist, wie uns scheint, durchaus keine Veranlassung, השכיל in irgend einer Stelle in der Bedeutung von: Beglücken zu nehmen. Die natürliche Bedeutung einer Betätigung des Verstandes und der Vernunft reicht überall aus. השכיל דרך heißt überall: seinen Wandel vernünftig gestalten, vernünftig wandeln.“ (Komm. Deut. 29, 8).

תצליח. „צלח bezeichnet einen Schwierigkeiten überwindenden Fortgang. Daher auch einen Fluß überschreiten (Sam. II. 19, 18). וכל אשר יעשה יצליח nicht: alles, was er tut, gelingt, sondern: alles, was er tut, führt er zum glücklichen Ziele. Nicht dem Ungefähr und dem bloßen Zutreffen äußerer Umstände verdankt er das Gelingen seiner Vorhaben. Indem er das und nur das unternimmt, was den von Gott in seiner Lehre gegebenen Motiven und Zielen gemäß ist, hat er alles getan, was die Gewährung eines Gelingens von Gott zu erzielen vermag.“ (Komm. Ps. 1, 3).

Im Mittelpunkte dieser Ermahnung, die Josua an seine oberste Feldherrnpflicht erinnert, steht der Aufruf: חזק ואמץ. Dreimal, in ziemlich ermüdendem Refrain, ergeht an Josua die Mahnung: חזק ואמץ. Indessen steht sie immer an richtiger Stelle. Zunächst V. 6. Hier werden ihm die beiden Worte als Vademecum für seine politische Laufbahn ins Herz geredet. Sie enthalten alles, dessen er bedarf, um dieses Volk in das den Vätern verheißene Land zu führen. In V. 7 versetzt sich der Redende in die Zeit, wo Josua bereits begonnen hat, den göttlichen Auftrag auszuführen. Da könnte es denn sein, daß die rauhe Wirklichkeit auch die besten Vorsätze, mit welchen Josua sein politisches Wirken begonnen, über den Haufen werfen werde. Gar mancher Ideologe hat schon Rücksichten der Opportunität seine Prinzipien zum Opfer gebracht. Davor warnt V. 7 das göttliche Wort: רק חזק ואמץ. Nur fest und stark bleiben! Ja, חזק ואמץ מאד! Je mehr du geneigt sein könntest, im Drange des wirklichen Lebens von den Grundsätzen abzuweichen, die dich am Beginn deiner Laufbahn erfüllten, um so entschiedener klammere dich an das einmal für wahr Erkannte. Und nun wird näher gesagt, worin und wozu Josua seine Festigkeit und Stärke zu betätigen habe: לשמר לעשות וגו'. Gewissenhafte Erfüllung der ganzen Thora, so wie sie von Moscheh überliefert wurde, Vermeidung jedes diplomatischen Lavierens nach rechts oder nach links, das soll die Summe aller politischen Weisheit Josuas sein in allem, worin er strebe: למען תשכיל וגו'. Damit hat aber das göttliche Wort noch nicht alles gesagt, wessen Josua bedarf, um nicht in einen verhängnisvollen Irrtum zu verfallen, dem schon mancher Politiker zum Opfer wurde: als ob im jüdischen Kreis politische Führer, weil sie im wirklichen Leben die Domäne ihres Schaffens finden, von der Pflicht theoretischer Selbstvervollkommnung, von der Pflicht eines emsigen Thorastudiums sich dispensiert erachten dürften. Darum ward Josua ausdrücklich (V. 8) gesagt: Willst du die Mahnung לשמר לעשות (V. 7) zum Leitmotiv deines Strebens machen, dann לא ימוש וגו', dann weiche niemals das Buch dieser Lehre von deinem Munde, dann sinne darin Tag und Nacht, למען תשמר לעשות וגו'! Denn nur so wirst du auf die Dauer an der Spitze des Volkes dich behaupten können: כי אז תצליח וגו'. Guter Wille und gute Gesinnung allein erschöpfen die Größe eines zum Führer Berufenen noch lange nicht. Damit wird man wohl eine zeitlang vernünftig handeln können: למען תשכיל (V. 7). Allein zur wirklich segensreichen Vollendung des begonnenen Werks ist damit noch keine Garantie geboten. Erst wenn mit politischem Weitblick der wissenschaftliche Tiefblick sich vereint, erst wenn das והגית בו יומם ולילה zum tragenden Pfeiler des תשמר לעשות wird, dann erst gesellt sich zur praktischen Vernünftigkeit des Handelns die Ewigkeitsdauer verbürgende Kraft des Ideals: כי אז תצליח את דרכך ואז תשכיל. Nachdem so Josua mit nachdrücklichen Worten auf die Pflicht unablässigen Thorastudiums als den Inbegriff der ihm gewordenen Mahnung חזק ואמץ hingewiesen wurde, greift nun das Gotteswort auf die in den ersten Versen erwähnte Mission Josuas zurück, das den Vätern verheißene Land für Israel in Besitz zu nehmen. Mächtige Feinde werden dir entgegentreten. Du könntest fürchten und zagen. Ist es nötig, dir nach alledem, was ich dir bereits gesagt habe, Mut zuzusprechen? Wahrlich, nein. הלוא צויתיך חזק ואמץ (V. 9), du bedarfst hierfür keiner erneuten Mahnung, fest und stark zu bleiben. Der Aufruf, mit welchem ich dich (V. 6—8) zu gewissenhafter Thoratreue ermahnt habe, umfaßt alles, was ich dir zu dem bevorstehenden Rencontre mit deinen Feinden mitzugeben habe. Diesem Aufruf bleibe treu, dann fürchte und zage nicht, denn überall bin ich dann bei dir!

7
רַק֩ חֲזַ֨ק וֶאֱמַ֜ץ מְאֹ֗ד לִשְׁמֹ֤ר לַֽעֲשׂוֹת֙ כְּכׇל־הַתּוֹרָ֔ה אֲשֶׁ֤ר צִוְּךָ֙ מֹשֶׁ֣ה עַבְדִּ֔י אַל־תָּס֥וּר מִמֶּ֖נּוּ יָמִ֣ין וּשְׂמֹ֑אול לְמַ֣עַן תַּשְׂכִּ֔יל בְּכֹ֖ל אֲשֶׁ֥ר תֵּלֵֽךְ׃
BernfeldNur sei sehr stark und fest, zu beobachten und zu thun ganz nach der Lehre, die dir mein Knecht Mose geboten. Weiche nicht davon rechts oder links, damit du Glück habest überall, wo du gehest.
R. BreuerNur sei überaus fest und stark, gewissenhaft zu verfahren nach der ganzen Lehre, die dir mein Diener Moscheh geboten hat; weiche davon nicht ab, weder rechts noch links, damit du vernünftig handelst in allem, was du erstrebst.
8
לֹֽא־יָמ֡וּשׁ סֵ֩פֶר֩ הַתּוֹרָ֨ה הַזֶּ֜ה מִפִּ֗יךָ וְהָגִ֤יתָ בּוֹ֙ יוֹמָ֣ם וָלַ֔יְלָה לְמַ֙עַן֙ תִּשְׁמֹ֣ר לַעֲשׂ֔וֹת כְּכׇל־הַכָּת֖וּב בּ֑וֹ כִּי־אָ֛ז תַּצְלִ֥יחַ אֶת־דְּרָכֶ֖ךָ וְאָ֥ז תַּשְׂכִּֽיל׃
BernfeldDies Buch der Lehre weiche niemals von deinem Mund, du sollst sinnen darüber Tag und Nacht, damit du beobachtest zu thun, alles was darin geschrieben; dann wirst du durchführen deinen Weg, und dann wirst du Glück haben.
R. BreuerNicht weiche das Buch dieser Lehre von deinem Munde und sinne darin bei Tag und bei Nacht, damit du gewissenhaft handelst entsprechend allem, was darin geschrieben ist! Denn dann wirst du glücklich ausführen deine Wege und dann vernünftig handeln.
9
הֲל֤וֹא צִוִּיתִ֙יךָ֙ חֲזַ֣ק וֶאֱמָ֔ץ אַֽל־תַּעֲרֹ֖ץ וְאַל־תֵּחָ֑ת כִּ֤י עִמְּךָ֙ יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֶ֔יךָ בְּכֹ֖ל אֲשֶׁ֥ר תֵּלֵֽךְ׃ {פ}
BernfeldIch gebiete dir also, sei stark und fest, zage nicht und sei nicht bange, denn mit dir ist der Herr, dein Gott, überall, wo du gehest.
R. BreuerHabe ich dir nicht geboten: Sei fest und stark! — Fürchte nicht und zage nicht, denn mit dir ist Gott, dein Gott, in allem, was du erstrebst.
Haftarah Simchat Torah (in Erez Israel: Schemini Atzeret) Sefardim, Jemeniten und Karäer enden hier.
Haftarah Simchat Torah (in Erez Israel: Schemini Atzeret) Jemeniten fügen Joschua 6,27 hinzu.
10
וַיְצַ֣ו יְהוֹשֻׁ֔עַ אֶת־שֹׁטְרֵ֥י הָעָ֖ם לֵאמֹֽר׃
BernfeldJosua gebot alsdann den Beamten des Volkes also:
R. BreuerDa gebot Josua den Amtsleuten des Volkes:
11
עִבְר֣וּ ׀ בְּקֶ֣רֶב הַֽמַּחֲנֶ֗ה וְצַוּ֤וּ אֶת־הָעָם֙ לֵאמֹ֔ר הָכִ֥ינוּ לָכֶ֖ם צֵידָ֑ה כִּ֞י בְּע֣וֹד ׀ שְׁלֹ֣שֶׁת יָמִ֗ים אַתֶּם֙ עֹֽבְרִים֙ אֶת־הַיַּרְדֵּ֣ן הַזֶּ֔ה לָבוֹא֙ לָרֶ֣שֶׁת אֶת־הָאָ֔רֶץ אֲשֶׁר֙ יְהֹוָ֣ה אֱלֹֽהֵיכֶ֔ם נֹתֵ֥ן לָכֶ֖ם לְרִשְׁתָּֽהּ׃ {פ}
BernfeldGehet im Lager umher und gebietet dem Volke: Bereitet euch Mundvorrat; denn binnen drei Tagen zieht ihr über den Jordan, das Land in Besitz zu nehmen, welches der Herr, euer Gott, euch gibt, es zu besitzen.
R. BreuerGehet im Lager umher und gebietet dem Volke: Bereitet euch Mundvorrat; denn binnen drei Tagen überschreitet ihr diesen Jarden, um an die Besitznahme des Landes zu gehen, das Gott, euer Gott, euch verleiht, es in Besitz zu nehmen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 11. צדה. Nach Raschi bezieht sich der vorzubereitende Vorrat auf die Kriegswaffen und sonstigen Reiseutensilien, nicht aber auf Speisen; denn daran war ja, wie aus dem Mannabericht (5, 12) hervorgeht, kein Mangel. Allerdings redet der Sprachgebrauch des Wortes צדה (vgl. Komm. Gen. 42, 25) der einfachen Auffassung das Wort, wonach sich das Volk Mundvorrat für die Reise bereiten sollte.

12
וְלָרֽאוּבֵנִי֙ וְלַגָּדִ֔י וְלַחֲצִ֖י שֵׁ֣בֶט הַֽמְנַשֶּׁ֑ה אָמַ֥ר יְהוֹשֻׁ֖עַ לֵאמֹֽר׃
BernfeldUnd zu den Stämmen Ruben und Gad und dem halben Stamme Manasse sprach Josua also:
R. BreuerZu den Männern von Reuben und Gad und zu dem halben Stamm Menascheh aber hatte Josua gesprochen:
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 12—15. Vgl. Num. 32; Deut. 3, 18 ff. Ein Vergleich mit den daselbst erzählten Verhandlungen zeigt, mit welch weisem Bedacht Josua an die Ausführung dessen ging, was damals von den Rubeniten und Gaditen einerseits und Moscheh andererseits beschlossen wurde. Im Augenblick, wo Josua die Männer von Reuben und Gad (welche Motive und Veranlassungen zum Anschluß des halben Stammes Manasse an die transjordanische Niederlassung geführt haben, wird nicht mitgeteilt; vgl. Komm. Num. 32, 33) an die Erfüllung ihres Versprechens erinnert, läßt er zunächst in V. 13 jene Abmachung nach ihrer vorteilhaften Seite, insofern den Rubeniten und Gaditen damit eine Ausnahmestellung zugesprochen wurde, hervortreten und geht erst in der zweiten Hälfte von V. 14 dazu über, die dem zuerkannten Rechte entsprechende Pflicht — fast wie im Vorbeigehen — zu erwähnen, um dann sofort in V. 15 ihnen die Beendigung des Kampfes und den friedlichen Genuß ihres Vorzugsrechtes für absehbare Zeit in Aussicht zu stellen. Moscheh hatte den Vertrag zu schließen und mußte darum die einzelnen Punkte mit aller Schärfe hervortreten lassen. Josua dagegen ward die schwere Aufgabe, die exakte Einhaltung aller übernommenen Verpflichtungen zu überwachen, und es mußte ihm darum daran gelegen sein, durch vorsichtig wägendes Inaugurieren von vornherein die nötige Stimmung zu erzeugen und damit ein glattes Abwickeln der Vertragserfüllung einzuleiten.

אמר יהושע לאמר. Das Plusquamperfektum könnte dazu verleiten, diese ganze Rede, sowie die unmittelbar darauf folgenden Ereignisse zeitlich vor den Beginn des in V. 1 an Josua ergangenen Gotteswortes zurückzuverlegen, wodurch dann zugleich chronologische Schwierigkeiten des folgenden Kapitels ihre Erledigung fänden. Es scheint aber der Schlußsatz dieses Kapitels: רק חזק ואמץ (V. 18) vorauszusetzen, daß den Rubeniten und Gaditen im Augenblick, da Josua zu ihnen redete, das Gotteswort in V. 6, 7 und 9, wo die Aufforderung חזק ואמץ immer wiederkehrt, bereits bekannt gewesen sein muß und wenn auch sie diese Aufforderung an Josua ergehen lassen, sie damit nur eine Wendung des göttlichen Wortes wiederholen. Durch אמר dürfte vielmehr diese ganze Rede Josuas an die Rubeniten und Gaditen wohl nur deshalb chronologisch von dem Befehle an die שטרי העם (V. 10) fortgerückt worden sein, um den Fortgang der Haupthandlung nicht zu stören. Immerhin betraf ja die Auseinandersetzung (V. 12 ff.) nur einen Teil des Volkes und soll ihr vielleicht durch die Form des referierenden Berichtes der Charakter des relativ Nebensächlichen angeheftet werden.

חמשים. „Aus Josua 1, 14 und 4, 12 ist ersichtlich, daß חמוש zum Kampf ausgerüstet bedeutet ...“ (Komm. Ex. 13, 18)

וירשו גם המה וגו'. Vgl. Deut. 3, 20, wo gleichfalls die Entlassung der Rubeniten und Gaditen an die Bedingung geknüpft wird, daß auch die übrigen Stämme „das Land, welches Gott, euer Gott, ihnen jenseits des Jardens giebt, in Besitz genommen haben,“ während in Num. 32 ganz allgemein schon mit der vollzogenen Eroberung des Landes der Zeitpunkt der Vertragserfüllung als eingetroffen bezeichnet wird.

13
זָכוֹר֙ אֶת־הַדָּבָ֔ר אֲשֶׁ֨ר צִוָּ֥ה אֶתְכֶ֛ם מֹשֶׁ֥ה עֶבֶד־יְהֹוָ֖ה לֵאמֹ֑ר יְהֹוָ֤ה אֱלֹֽהֵיכֶם֙ מֵנִ֣יחַ לָכֶ֔ם וְנָתַ֥ן לָכֶ֖ם אֶת־הָאָ֥רֶץ הַזֹּֽאת׃
BernfeldGedenket dessen, was euch geboten Mose, der Knecht des Herrn, also: Der Herr, euer Gott, schaffte euch Ruhe und gab euch dieses Land.
R. Breuer„Seid eingedenk des Wortes, das euch Moscheh, der Diener Gottes, geboten: Gott, euer Gott, gewährt euch Ruhe und hat euch dieses Land gegeben.
14
נְשֵׁיכֶ֣ם טַפְּכֶם֮ וּמִקְנֵיכֶם֒ יֵשְׁב֕וּ בָּאָ֕רֶץ אֲשֶׁ֨ר נָתַ֥ן לָכֶ֛ם מֹשֶׁ֖ה בְּעֵ֣בֶר הַיַּרְדֵּ֑ן וְאַתֶּם֩ תַּעַבְר֨וּ חֲמֻשִׁ֜ים לִפְנֵ֣י אֲחֵיכֶ֗ם כֹּ֚ל גִּבּוֹרֵ֣י הַחַ֔יִל וַעֲזַרְתֶּ֖ם אוֹתָֽם׃
BernfeldEuere Frauen, euere Kinder und euere Herden sollen nun bleiben in dem Lande, das euch Mose gegeben, jenseits des Jordan, ihr aber sollt gerüstet vor euren Brudern herziehen, alle Waffenfähigen, und ihnen beistehen;
R. BreuerEure Frauen, eure Kinder und eure Herden mögen in dem Lande bleiben, das euch Moscheh diesseits des Jardens gegeben hat. Ihr aber ziehet bewaffnet vor euren Brüdern her, alle Starken des Heeres, und stehet ihnen bei.
15
עַ֠ד אֲשֶׁר־יָנִ֨יחַ יְהֹוָ֥ה ׀ לַאֲחֵיכֶם֮ כָּכֶם֒ וְיָרְשׁ֣וּ גַם־הֵ֔מָּה אֶת־הָאָ֕רֶץ אֲשֶׁר־יְהֹוָ֥ה אֱלֹהֵיכֶ֖ם נֹתֵ֣ן לָהֶ֑ם וְשַׁבְתֶּ֞ם לְאֶ֤רֶץ יְרֻשַּׁתְכֶם֙ וִירִשְׁתֶּ֣ם אוֹתָ֔הּ אֲשֶׁ֣ר ׀ נָתַ֣ן לָכֶ֗ם מֹשֶׁה֙ עֶ֣בֶד יְהֹוָ֔ה בְּעֵ֥בֶר הַיַּרְדֵּ֖ן מִזְרַ֥ח הַשָּֽׁמֶשׁ׃
BernfeldBis der Herr euren Brüdern Ruhe gibt wie euch, und auch sie das Land einnehmen, welches der Herr, euer Gott, ihnen gibt; dann kehret zurück nach dem Lande eures Besitzes und besitzet es, das euch gegeben Mose der Knecht des Herrn jenseits des Jordan gen Osten.
R. BreuerBis daß Gott euren Brüdern ebenso wie euch Ruhe bereitet und auch sie das Land, welches Gott, euer Gott, ihnen giebt, in Besitz genommen haben. Dann kehret ihr zu dem Lande eures Besitzes zurück und tretet seinen Besitz an, den euch Moscheh, der Diener Gottes, diesseits des Jardens, gen Sonnenaufgang, gegeben hat.“
16
וַֽיַּעֲנ֔וּ אֶת־יְהוֹשֻׁ֖עַ לֵאמֹ֑ר כֹּ֤ל אֲשֶׁר־צִוִּיתָ֙נוּ֙ נַעֲשֶׂ֔ה וְאֶֽל־כׇּל־אֲשֶׁ֥ר תִּשְׁלָחֵ֖נוּ נֵלֵֽךְ׃
BernfeldSie antworteten darauf dem Josua also: Alles, was du uns geboten, werden wir thun, und wohin du uns schicken wirst, werden wir gehen.
R. BreuerDa antworteten sie Josua: Alles, was du uns befiehlst, werden wir tun, und wohin du uns auch sendest, werden wir gehen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 16. Diese Bereiterklärung zum Gehorsam entspricht in ihrer Konstruktion ganz der Aufforderung Josuas in V. 14 und 15. כל אשר צויתנו וגו' entspricht dem Befehle נשיכם טפכם וגו', ואל כל אשר תשלחנו וגו' der Aufforderung ואתם תעברו וגו'.

17
כְּכֹ֤ל אֲשֶׁר־שָׁמַ֙עְנוּ֙ אֶל־מֹשֶׁ֔ה כֵּ֖ן נִשְׁמַ֣ע אֵלֶ֑יךָ רַ֠ק יִֽהְיֶ֞ה יְהֹוָ֤ה אֱלֹהֶ֙יךָ֙ עִמָּ֔ךְ כַּאֲשֶׁ֥ר הָיָ֖ה עִם־מֹשֶֽׁה׃
BernfeldWie wir dem Mose gehorcht, so werden wir dir gehorchen. Der Herr, dein Gott, sei mit dir, wie er mit Mose gewesen ist.
R. BreuerGanz wie wir Moscheh gehorcht haben, so werden wir dir gehorchen; nur möge Gott, dein Gott, mit dir sein, wie er mit Moscheh war.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 17—18. Nicht nur — wie bereits zu V. 12 bemerkt — der Schlußsatz רק חזק ואמץ setzt die Bekanntschaft der Rubeniten und Gaditen mit dem Gotteswort an Josua voraus, auch der übrige Inhalt dieser beiden Verse rückt erst ins rechte Licht, wenn wir annehmen, daß die göttliche Aufforderung an Josua bereits ergangen war, als er die zweieinhalb Stämme an ihre Verpflichtungen mahnte. Die Bereitwilligkeit, Josua ganz so zu gehorchen, wie sie Moses gehorcht, und die Erklärung, daß Jedermann dem Tode verfallen sein möge, der es wagen würde, sich einem Befehle Josuas zu widersetzen, beides klang umso aufrichtiger, je bestimmter Gott Josua die Zusicherung erteilt hatte: לא יתיצב איש לפניך כל ימי חייך (V. 5). Und wenn sie nicht umhin konnten, auch ihrerseits eine Mahnung an Josua ergehen zu lassen, indem sie ihm durch רק יהיה ד' וגו' und רק חזק ואמץ andeuteten, daß seine Autorität immerdar abhängig sein werde von dem Grade seiner Würdigkeit, daß Gott mit ihm sein werde, wie er mit Moses war, und von dem Grade seiner Festigkeit und Stärke im Dienste des Herrn, so haben sie damit nur zwei Momente betont, worauf auch das göttliche Wort (V. 5 ff.) als die einzig zuverlässigen Bedingungen seines künftigen Erfolges den Hauptnachdruck gelegt hatte.

18
כׇּל־אִ֞ישׁ אֲשֶׁר־יַמְרֶ֣ה אֶת־פִּ֗יךָ וְלֹֽא־יִשְׁמַ֧ע אֶת־דְּבָרֶ֛יךָ לְכֹ֥ל אֲשֶׁר־תְּצַוֶּ֖נּוּ יוּמָ֑ת רַ֖ק חֲזַ֥ק וֶאֱמָֽץ׃ {פ}
BernfeldJeder Mann, der dir widerspricht und auf deine Worte nicht hört in allem, was du ihm gebietest, werde getötet. Nur sei stark und fest.
R. BreuerJedermann, der sich deinem Befehle widersetzt und nicht hört auf deine Worte, was du ihm auch gebieten magst, soll sterben; nur sei fest und stark!
Haftarah Simchat Torah (in Erez Israel: Schemini Atzeret) Aschkenasim, Italiener und Syrakus (erloschen) enden hier.