Chaggaj 2 חגי

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1
בַּשְּׁבִיעִ֕י בְּעֶשְׂרִ֥ים וְאֶחָ֖ד לַחֹ֑דֶשׁ הָיָה֙ דְּבַר־יְהֹוָ֔ה בְּיַד־חַגַּ֥י הַנָּבִ֖יא לֵאמֹֽר׃
ZunzAm siebenten, am ein und zwanzigsten Tage des Monats, erging das Wort des Ewigen durch Chaggai, den Propheten, also:
J. J. HirschIm Siebenten, am einundzwanzigsten Tage des Monats, erging das Wort Gottes durch den Propheten Chaggai:
2
אֱמׇר־נָ֗א אֶל־זְרֻבָּבֶ֤ל בֶּן־שַׁלְתִּיאֵל֙ פַּחַ֣ת יְהוּדָ֔ה וְאֶל־יְהוֹשֻׁ֥עַ בֶּן־יְהוֹצָדָ֖ק הַכֹּהֵ֣ן הַגָּד֑וֹל וְאֶל־שְׁאֵרִ֥ית הָעָ֖ם לֵאמֹֽר׃
ZunzSprich doch zu Serubabel, Sohn Schaltiél's, dem Landpfleger von Jehudah, und zu Jehoschua, Sohn Jehozadak, dem Hohenpriester, und zu dem übrigen Volke also:
J. J. HirschSprich doch zu Serubabel, dem Sohne Schealthiels, dem Statthalter von Juda, und zu dem Hohenpriester Jehoschua, dem Sohne Jehozadaks, und zu dem Überreste des Volkes:
3
מִ֤י בָכֶם֙ הַנִּשְׁאָ֔ר אֲשֶׁ֤ר רָאָה֙ אֶת־הַבַּ֣יִת הַזֶּ֔ה בִּכְבוֹד֖וֹ הָרִאשׁ֑וֹן וּמָ֨ה אַתֶּ֜ם רֹאִ֤ים אֹתוֹ֙ עַ֔תָּה הֲל֥וֹא כָמֹ֛הוּ כְּאַ֖יִן בְּעֵינֵיכֶֽם׃
ZunzWer ist unter euch noch übrig, der dieses Haus gesehen in seiner ersten Herrlichkeit, und wie sehet ihr es jetzt? Nicht wahr? Es ist gleich einem Nichts in euren Augen!
J. J. HirschWer unter euch ist ein Übriggebliebener, der dieses Haus in seiner früheren Herrlichkeit gesehen hat? Und wie sehet ihr es jetzt? Ist es nicht wie nichts in euren Augen?
4
וְעַתָּ֣ה חֲזַ֣ק זְרֻבָּבֶ֣ל ׀ נְאֻם־יְהֹוָ֡ה וַחֲזַ֣ק יְהוֹשֻׁ֣עַ בֶּן־יְהוֹצָדָק֩ הַכֹּהֵ֨ן הַגָּד֜וֹל וַחֲזַ֨ק כׇּל־עַ֥ם הָאָ֛רֶץ נְאֻם־יְהֹוָ֖ה וַֽעֲשׂ֑וּ כִּֽי־אֲנִ֣י אִתְּכֶ֔ם נְאֻ֖ם יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzDoch sei nun stark, Serubabel, ist der Spruch des Ewigen, und sei stark, Jehoschua, Sohn Jehozadak, Hoherpriester, und sei stark, sämmtliches Volk des Landes, ist der Spruch des Ewigen, und arbeitet; denn ich bin mit euch, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren,
J. J. HirschUnd nun sei stark, Serubabel, ist der Spruch Gottes, und sei stark Jehoschua, Sohn Jehozadaks, Hoherpriester, und sei stark alles Volk des Landes, ist der Spruch Gottes, und führet aus! Denn ich bin mit euch, ist der Spruch Gottes der Schöpfungsscharen!
5
אֶֽת־הַדָּבָ֞ר אֲשֶׁר־כָּרַ֤תִּי אִתְּכֶם֙ בְּצֵאתְכֶ֣ם מִמִּצְרַ֔יִם וְרוּחִ֖י עֹמֶ֣דֶת בְּתוֹכְכֶ֑ם אַל־תִּירָֽאוּ׃ {פ}
ZunzNach dem Wort, das ich mit euch eingegangen bin bei eurem Auszuge aus Mizraim; und mein Geist bestehet in eurer Mitte. Fürchtet nichts.
J. J. HirschDas Wort, das ich mit euch geschlossen bei eurem Auszuge aus Mizrajim und mein Geist bleibt in eurer Mitte: fürchtet euch nicht!
6
כִּ֣י כֹ֤ה אָמַר֙ יְהֹוָ֣ה צְבָא֔וֹת ע֥וֹד אַחַ֖ת מְעַ֣ט הִ֑יא וַאֲנִ֗י מַרְעִישׁ֙ אֶת־הַשָּׁמַ֣יִם וְאֶת־הָאָ֔רֶץ וְאֶת־הַיָּ֖ם וְאֶת־הֶחָרָבָֽה׃
ZunzDenn also spricht der Ewige der Heerschaaren: Noch um eine kleine Weile und ich erschüttere Himmel und Erde, und das Meer und das Trockne,
J. J. HirschDenn so hat Gott der Schöpfungsscharen gesprochen: Noch eine Weile, nicht lange dauert's, da setze ich in stürmende Bewegung den Himmel und die Erde und das Meer und das Trockene —
7
וְהִרְעַשְׁתִּי֙ אֶת־כׇּל־הַגּוֹיִ֔ם וּבָ֖אוּ חֶמְדַּ֣ת כׇּל־הַגּוֹיִ֑ם וּמִלֵּאתִ֞י אֶת־הַבַּ֤יִת הַזֶּה֙ כָּב֔וֹד אָמַ֖ר יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzUnd erschüttere all die Völker, und es kommt herbei das Kostbarste aller Völker, und ich fülle dieses Haus mit Herrlichkeit, spricht der Ewige der Heerschaaren.
J. J. HirschUnd setze in stürmende Bewegung alle Völker, und sie kommen zu dem Strebeziele aller Völker, und ich werde dieses Haus mit Herrlichkeit füllen! — hat Gott der Schöpfungsscharen gesprochen.
8
לִ֥י הַכֶּ֖סֶף וְלִ֣י הַזָּהָ֑ב נְאֻ֖ם יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzMein ist das Silber und mein das Gold, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren.
J. J. HirschMein ist das Silber und mein ist das Gold — ist der Spruch Gottes der Schöpfungsscharen.
9
גָּד֣וֹל יִֽהְיֶ֡ה כְּבוֹד֩ הַבַּ֨יִת הַזֶּ֤ה הָאַֽחֲרוֹן֙ מִן־הָ֣רִאשׁ֔וֹן אָמַ֖ר יְהֹוָ֣ה צְבָא֑וֹת וּבַמָּק֤וֹם הַזֶּה֙ אֶתֵּ֣ן שָׁל֔וֹם נְאֻ֖ם יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃ {פ}
ZunzGrößer wird seyn die Herrlichkeit dieses zweiten Hauses, als die des ersten, spricht der Ewige der Heerschaaren, und an diesem Orte werde ich Frieden geben, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren.
J. J. HirschGrößer wird sein die Ehre dieses späteren Hauses als die des ersten, hat Gott der Schöpfungsscharen gesprochen, und an diesen Ort werde ich Frieden geben, ist der Spruch Gottes der Schöpfungsscharen.
10
בְּעֶשְׂרִ֤ים וְאַרְבָּעָה֙ לַתְּשִׁיעִ֔י בִּשְׁנַ֥ת שְׁתַּ֖יִם לְדָרְיָ֑וֶשׁ הָיָה֙ דְּבַר־יְהֹוָ֔ה אֶל־חַגַּ֥י הַנָּבִ֖יא לֵאמֹֽר׃
ZunzAm vier und zwanzigsten des neunten Monats, im zweiten Jahre des Darjawesch, erging das Wort des Ewigen durch Chaggai, den Propheten, also:
J. J. HirschAm Vierundzwanzigsten des neunten Monats, im zweiten Jahre des Darjawesch, erging das Wort Gottes durch den Propheten Chaggai:
11
כֹּ֥ה אָמַ֖ר יְהֹוָ֣ה צְבָא֑וֹת שְׁאַל־נָ֧א אֶת־הַכֹּהֲנִ֛ים תּוֹרָ֖ה לֵאמֹֽר׃
ZunzAlso spricht der Ewige der Heerschaaren: Befrage doch die Priester in der Lehre also:
J. J. HirschSo hat Gott der Schöpfungsscharen gesprochen: Frage doch die Priester nach der Lehre und sprich:
12
הֵ֣ן ׀ יִשָּׂא־אִ֨ישׁ בְּשַׂר־קֹ֜דֶשׁ בִּכְנַ֣ף בִּגְד֗וֹ וְנָגַ֣ע בִּ֠כְנָפ֠וֹ אֶל־הַלֶּ֨חֶם וְאֶל־הַנָּזִ֜יד וְאֶל־הַיַּ֧יִן וְאֶל־שֶׁ֛מֶן וְאֶל־כׇּל־מַאֲכָ֖ל הֲיִקְדָּ֑שׁ וַיַּעֲנ֧וּ הַכֹּהֲנִ֛ים וַיֹּאמְר֖וּ לֹֽא׃
ZunzSiehe, es trägt ein Mann heiliges Fleisch in dem Zipfel seines Gewandes, und rühret mit seinem Zipfel an Brod, oder an Gekochtes, oder an Wein, oder an Oel, oder an irgend ein Essen — wird es heilig? Da antworteten die Priester und sprachen: Nein.
J. J. HirschSiehe es trägt ein Mann heiliges Fleisch in dem Zipfel seines Gewandes und berührt mit seinem Zipfel das Brot und das Gericht, den Wein und Öl und irgend welche Speise — wird das wohl heilig? Da antworteten die Priester und sagten: Nein.
13
וַיֹּ֣אמֶר חַגַּ֔י אִם־יִגַּ֧ע טְמֵא־נֶ֛פֶשׁ בְּכׇל־אֵ֖לֶּה הֲיִטְמָ֑א וַיַּעֲנ֧וּ הַכֹּהֲנִ֛ים וַיֹּאמְר֖וּ יִטְמָֽא׃
ZunzUnd Chaggai sprach: Wenn ein durch eine Leiche Unreiner alles das anrühret, wird es unrein? Da antworteten die Priester und sprachen: Es wird unrein.
J. J. HirschDa sprach Chaggai: Wenn ein durch einen Toten Unreiner alles dieses berührt, wird es unrein? Da antworteten die Priester: Es wird unrein.
14
וַיַּ֨עַן חַגַּ֜י וַיֹּ֗אמֶר כֵּ֣ן הָֽעָם־הַ֠זֶּ֠ה וְכֵן־הַגּ֨וֹי הַזֶּ֤ה לְפָנַי֙ נְאֻם־יְהֹוָ֔ה וְכֵ֖ן כׇּל־מַעֲשֵׂ֣ה יְדֵיהֶ֑ם וַאֲשֶׁ֥ר יַקְרִ֛יבוּ שָׁ֖ם טָמֵ֥א הֽוּא׃
ZunzDa entgegnete Chaggai und sprach: So ist dieses Volk und diese Nation vor mir, ist der Spruch des Ewigen, und so alles Thun ihrer Hände, und was sie dort darbringen, ist unrein.
J. J. HirschDa antwortete Chaggai und sprach: So ist diese Volksgesellschaft und so ist diese Nation vor meinem Angesichte, ist der Spruch Gottes, und so ist alles Werk ihrer Hände! Auch was sie [mir] dort darbringen, unrein ist es.
15
וְעַתָּה֙ שִֽׂימוּ־נָ֣א לְבַבְכֶ֔ם מִן־הַיּ֥וֹם הַזֶּ֖ה וָמָ֑עְלָה מִטֶּ֧רֶם שֽׂוּם־אֶ֛בֶן אֶל־אֶ֖בֶן בְּהֵיכַ֥ל יְהֹוָֽה׃
ZunzUnd nun richtet doch euern Sinn von diesem Tage an und weiter. Ehe man einen Stein auf den andern gelegt im Tempel des Ewigen,
J. J. HirschUnd nun richtet eurer Herz von diesem Tage an und aufwärts, da noch nicht Stein zu Stein gelegt ward am Tempel Gottes!
16
מִֽהְיוֹתָ֥ם בָּא֙ אֶל־עֲרֵמַ֣ת עֶשְׂרִ֔ים וְהָיְתָ֖ה עֲשָׂרָ֑ה בָּ֣א אֶל־הַיֶּ֗קֶב לַחְשֹׂף֙ חֲמִשִּׁ֣ים פּוּרָ֔ה וְהָיְתָ֖ה עֶשְׂרִֽים׃
ZunzAls sie noch nicht da waren — kam man zu einem Garbenhaufen von zwanzig, waren es zehn; kam man in die Kelter, um funfzig Purah zu schöpfen, waren es zwanzig.
J. J. HirschWegen ihres Verhaltens: kam einer zum Garbenhaufen von zwanzig und es waren zehn, kam einer zur Kelter um fünfzig Pura zu schöpfen und es waren zwanzig!
17
הִכֵּ֨יתִי אֶתְכֶ֜ם בַּשִּׁדָּפ֤וֹן וּבַיֵּֽרָקוֹן֙ וּבַבָּרָ֔ד אֵ֖ת כׇּל־מַעֲשֵׂ֣ה יְדֵיכֶ֑ם וְאֵין־אֶתְכֶ֥ם אֵלַ֖י נְאֻם־יְהֹוָֽה׃
ZunzIch habe euch geschlagen mit Kornbrand und Rost und mit Hagel all die Arbeit eurer Hände, und doch wollt ihr nicht zu mir, ist der Spruch des Ewigen.
J. J. HirschGeschlagen habe ich euch mit Getreidebrand und mit Getreidedürre und mit Hagel, alles Werk eurer Hände — und euer Wesen wandte sich nicht mir zu! — ist der Spruch Gottes.
18
שִׂימוּ־נָ֣א לְבַבְכֶ֔ם מִן־הַיּ֥וֹם הַזֶּ֖ה וָמָ֑עְלָה מִיּוֹם֩ עֶשְׂרִ֨ים וְאַרְבָּעָ֜ה לַתְּשִׁיעִ֗י לְמִן־הַיּ֛וֹם אֲשֶׁר־יֻסַּ֥ד הֵֽיכַל־יְהֹוָ֖ה שִׂ֥ימוּ לְבַבְכֶֽם׃
ZunzRichtet doch euern Sinn von diesem Tage an und weiter, von dem vier und zwanzigsten Tage im neunten (Monat), von dem Tage an, daß gegründet ward der Tempel des Ewigen, richtet euern Sinn.
J. J. HirschRichtet doch euer Herz von dem heutigen Tage aufwärts, von dem vierundzwanzigsten Tage des neunten Monats hin von dem Tage, da der Tempel Gottes gegründet ward, richtet euer Herz!
19
הַע֤וֹד הַזֶּ֙רַע֙ בַּמְּגוּרָ֔ה וְעַד־הַגֶּ֨פֶן וְהַתְּאֵנָ֧ה וְהָרִמּ֛וֹן וְעֵ֥ץ הַזַּ֖יִת לֹ֣א נָשָׂ֑א מִן־הַיּ֥וֹם הַזֶּ֖ה אֲבָרֵֽךְ׃ {פ}
ZunzIst noch die Saat in dem Speicher? und weder der Weinstock, noch der Feigenbaum und die Granate und der Oelbaum haben getragen; von diesem Tage an will ich segnen.
J. J. HirschIst noch Saat im Speicher? Und bis zum Weinstock und Feigenbaum und Granatapfelbaum und Ölbaum — keiner hat getragen —: von diesem Tage an werde ich segnen.
20
וַיְהִ֨י דְבַר־יְהֹוָ֤ה ׀ שֵׁנִית֙ אֶל־חַגַּ֔י בְּעֶשְׂרִ֧ים וְאַרְבָּעָ֛ה לַחֹ֖דֶשׁ לֵאמֹֽר׃
ZunzUnd es erging das Wort des Ewigen zum zweiten Male an Chaggai, am vier und zwanzigsten des Monats, also:
J. J. HirschDa erging das Wort Gottes zum zweiten Mal am Vierundzwanzigsten des Monats an Chaggai:
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 20—23. An demselben Tage erging noch einmal das Wort Gottes an Chaggai. Die gewaltigen Erschütterungen, auf die hier hingewiesen wird, sind wohl identisch mit den oben V. 6 f. verkündeten; es wird also, wie wir glauben, nochmals hingewiesen auf den Sturz des Perserreiches, sowie auf den Sturz auch des seinen ruhmgekrönten Gründer nicht überdauernden macedonischen Reiches und die Zeit der Diadochenkämpfe. Während in allen diesen Kämpfen sich die Nichtigkeit der materiellen Macht erweist, der Sieger von heute der Besiegte von morgen ist, und die gewaltigsten Reiche trotz aller Kriegskunst und Kriegsmacht dem Untergange verfallen: wird das unter Serubabel, dem abhängigen, der Selbstherrscherhoheit entbehrenden „Statthalter von Juda“ gegründete Werk bestehen bleiben. Ohne Rosse und Streitwagen, ohne jegliche Kriegsmacht, ohne Königsthron, wird das durch Serubabel repräsentierte abhängige Juda bestehen bleiben und fort und fort bestehen. So wird Serubabel durch die Fortdauer des von ihm vollbrachten Werkes zum „Siegel“. Das Siegel ist an sich winzig klein und an sich bedeutungslos, und doch dient es zur Beglaubigung der ganzen Akte und verleiht ihr erst Kraft und bekundet den, von dem sie ausgeht. Ein solches Gottessiegel in der Geschichte ist Serubabel. Dadurch daß das von ihm wieder aufgenommene und vollbrachte Werk bestehen bleibt, während die gewaltigsten Reiche dem Untergang verfallen, wird der Menschheit gezeigt, daß ihre Geschicke einen Lenker haben. Für das Walten Gottes in der Geschichte bildet das unter Serubabel Vollbrachte den lautesten Zeugen. In diesem Sinne wird er hier das Gottessiegel genannt, an dem Gelingen und dem Bestande seines Werkes werden die Menschen erkennen: „daß ich dich erwählt habe“. Der V. 21 mit tiefer Beziehung, wie wir sahen, als „Statthalter Judas“ bezeichnete Serubabel wird V. 23: „mein Diener“ genannt. Während jene Völkergrößen nur im Dienste ihrer Interessen und Leidenschaften standen und strebten, willst du nichts für dich, stehst du nur im Dienste meiner Sache, darin liegt das Geheimnis deines Sieges und der ewigen Bedeutung deines Wirkens. Wegen der weltgeschichtlichen Bedeutung dieses äußerlich so bescheidenen Wirkens und weil sein Gelingen nur deshalb möglich ist, weil der Allmächtige, in dessen Hand alle geschaffenen Wesen und Kräfte stehen, dieses Gelingen will und als dessen Werk die V. 22 verkündeten Umwälzungen in der Geschichte bezeichnet werden, deshalb wird V. 23 zweimal Gott als „Gott der Schöpfungsscharen“, und dreimal die Verheißung als נְאֻם ה' bezeichnet.

Es liegt übrigens auf der Hand, daß die hier an Serubabel ausgesprochenen Verheißungen weit über seine individuelle Persönlichkeit, jedenfalls über die Zeit seines Wirkens auf Erden hinausreichen. Die hier verkündeten Erschütterungen beziehen sich ja nicht bloß auf ein Reich, es ist ja ausdrücklich von dem Untergange vieler Reiche die Rede, also von Ereignissen, die erst lange nach Serubabels Heimgang sich vollzogen, mögen wir für sein Leben auch eine noch so lange Dauer annehmen. Serubabel steht hier als Repräsentant Israels da. Mit dem Untergang des jüdischen Staates, der Zerstörung des Tempels und der Wegführung der Volksreste in ein fremdes Land war ja Israel nach menschlichem Ermessen und nach den sonst in der Geschichte geltenden Gesetzen aus der Reihe der Völker gestrichen, es gehörte nur noch der Vergangenheit an. Was unter Serubabels Führung sich vollzog, war vor den Augen der Völker die Wiederauferstehung eines Toten oder Totgeglaubten, es war der thatsächliche Beweis, daß Israel noch lebe. Und wenn nun dieses wiedererstandene jüdische Gemeinwesen das mächtige Weltreich überdauerte, unter dessen Herrschaft es wieder gegründet war, und es auch dessen Nachfolger überdauerte und so viele andere Reiche überdauerte, und alles dies ohne kriegerische Macht, ohne politische Selbständigkeit — so war in dem Bestande dieses unter Serubabel begonnenen Werkes die Unsterblichkeit Israels thatsächlich bekundet. In diesem Bestande zeigte es sich, daß ein anderes, von dem der Völker verschiedenes Princip die Lebensseele dieses Volkes bilde, jenes Princip, das in dem auf Zion ragenden Tempel wiederum seine Stätte habe auf Erden, das aber keineswegs an diese Stelle geknüpft sei, da es auch seine fernen Söhne im Dasein zu erhalten und sich wiederzugewinnen vermocht hatte. In diesem Bestande zeigte es sich, daß das Wort, dessen Träger es ist, daß das Gesetz, nach dem es sein Leben gestaltet, nicht Menschensatzung und nicht Priestertrug, sondern das Wort des allmächtigen Gottes ist, des Lenkers aller Zeiten. In diesem Sinne ist Serubabel, ist sein Werk, ist der Fortbestand Israels das leuchtende Gottessiegel auf den Geschickesgestaltungen der Völker, das Gott als den in ihnen waltenden bekundet.

Daß aber dieser durch die Bezeichnung עַבְדִּי aus Gottes Munde geadelte Serubabel, unter dessen Führung das Werk begonnen, dessen Bedeutung wir eben mit schwachen Zügen angedeutet, zugleich dem Geschlechte des Mannes entstammte, mit dem Gott den „ewigen Bund“ geschlossen für seine Heilesziele mit Israel und der Menschheit, jenen Bund, der עֲרוּכָה בַכֹּל וּשְׁמוּרָה, „eingeordnet ist in das All und bewahret von dem All“ (2 Sam. 23, 5), — daß Serubabel ein Sprößling Davids ist, also jenem bereits „gefällten Stamme“ entsprossen, aus dessen dem Menschenauge lange entzogenen „Wurzeln“ einst am Ziele der Zeiten (Jes. 11, 1) „ein Trieb aufgehen soll, auf dem der Geist Gottes ruhen“ und durch den das Gottesreich auf Erden eine Wahrheit werden wird —: macht diese Thatsache diesen früheren Sprößling, unter dem die Erbauung des zweiten Hauses und die Rückkehr aus dem ersten Exile sich vollzog, nicht zum Gottessiegel auch für die Verheißung des späteren Sprößlings aus dem Isai-Stamme, unter dem das dritte, das ewige Haus erstehen, Israels Rückkehr aus dem großen Exile erfolgen und Israels und der Menschheit Erlösung sich vollziehen wird?

Ist aber, von allen diesen Ausblicken in die ferne Zukunftperspektive abgesehen, nicht auch noch in einer anderen Beziehung Serubabel, die bloße Persönlichkeit Serubabels, die einfache Thatsache seines Daseins und seiner Stellung nicht auch ein „Gottessiegel“, eine Bekundung der göttlichen Liebeswaltung in der Erziehung der einzelnen Menschen wie der Völker? Ist denn nicht dieser Serubabel, den Gott hier wie einst unseren Moses und David „seinen Diener“ nennt, der ein solches Werkzeug für die Waltungsziele Gottes war, ist er nicht der Abkömmling des Mannes, jenes Chonjahu, von dem einst Jirmejahu (22, 24. 30) auszusprechen hatte, daß er kinderlos sterben, daß von seinen Nachkommen nie einer auf dem Davidsthrone sitzen, noch eine Herrscherstellung einnehmen solle in Juda? Ist Serubabel somit nicht die thatgewordene Verkündung des Gottes der Liebe und des Erbarmens, zu dem auch dem tiefstgesunkenen seiner Kinder die Rückkehr offen steht, so es sich besinnet und sich seinem Vater wieder zuwendet? Über den verblendeten und in Trotz verhärteten Herrscher Chonjahu war das Verhängnis des Unterganges seines Geschlechtes ausgesprochen: über den „Gefangenen Chonjahu“ wurde es gelöst — „Siehe da die Allgewalt der Reue und der Besserung!“ spricht das Wort der Weisen. Für die Wahrheit, daß die Thräne im Auge des reuigen Sünders der nimmer versagende Schlüssel zum Herzen des Vaters ist, ohne Opfer und ohne Mittler — auch für diese Wahrheit stehet Serubabel als das „Gottessiegel“ da.

21
אֱמֹ֕ר אֶל־זְרֻבָּבֶ֥ל פַּֽחַת־יְהוּדָ֖ה לֵאמֹ֑ר אֲנִ֣י מַרְעִ֔ישׁ אֶת־הַשָּׁמַ֖יִם וְאֶת־הָאָֽרֶץ׃
ZunzSprich doch zu Serubabel, dem Landpfleger von Jehudah also: Ich erschüttere Himmel und Erde,
J. J. HirschSprich zu Serubabel, dem Statthalter Juda's: Ich erschüttere den Himmel und die Erde,
22
וְהָֽפַכְתִּי֙ כִּסֵּ֣א מַמְלָכ֔וֹת וְהִ֨שְׁמַדְתִּ֔י חֹ֖זֶק מַמְלְכ֣וֹת הַגּוֹיִ֑ם וְהָפַכְתִּ֤י מֶרְכָּבָה֙ וְרֹ֣כְבֶ֔יהָ וְיָרְד֤וּ סוּסִים֙ וְרֹ֣כְבֵיהֶ֔ם אִ֖ישׁ בְּחֶ֥רֶב אָחִֽיו׃
ZunzUnd stürze um die Thore der Königreiche, und vertilge die mächtigen Reiche der Völker, und stürze um den Wagen sammt denen, die darin fahren, und es sinken Rosse mit ihren Reitern; ein jegliches durch das Schwert seines Bruders.
J. J. Hirschund werde umstürzen den Thron der Reiche und werde vernichten die Stärke der Reiche der Völker, und werde stürzen den Wagen und seine Lenker, und es fallen die Rosse und ihre Reiter, ein jeder durch das Schwert seines Bruders.
23
בַּיּ֣וֹם הַה֣וּא נְאֻם־יְהֹוָ֣ה צְבָא֡וֹת אֶ֠קָּחֲךָ֠ זְרֻבָּבֶ֨ל בֶּן־שְׁאַלְתִּיאֵ֤ל עַבְדִּי֙ נְאֻם־יְהֹוָ֔ה וְשַׂמְתִּ֖יךָ כַּֽחוֹתָ֑ם כִּֽי־בְךָ֣ בָחַ֔רְתִּי נְאֻ֖ם יְהֹוָ֥ה צְבָאֽוֹת׃
ZunzAm selbigen Tage, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren, werde ich dich nehmen, Serubabel, Sohn Schaltiël's, meinen Knecht, spricht der Ewige, und lege dich an, wie einen Siegelring; denn dich hab' ich erkoren, ist der Spruch des Ewigen der Heerschaaren.
J. J. HirschAn jenem Tage, ist der Spruch Gottes der Schöpfungsscharen, werde ich dich, Serubabel, meinen Diener, nehmen, denn dich habe ich erwählt! — ist der Spruch Gottes der Schöpfungsscharen.