Chabbakuk 3 חבקוק

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Haftarot in diesem Kapitel: Schawuot, 1. Tag · Schawuot, 2. Tag (Diaspora)
Haftarah Schawuot, 1. Tag Karäer beginnen hier.
Haftarah Schawuot, 2. Tag (Diaspora) Aschkenasim und Romanioten beginnen hier.
1
תְּפִלָּ֖ה לַחֲבַקּ֣וּק הַנָּבִ֑יא עַ֖ל שִׁגְיֹנֽוֹת׃
BernfeldGebet des Propheten Chabakuk auf Sigjonot 2.
ZunzGebet vom Propheten Chabakuk auf Schigjonot.
J. J. HirschGebet des Propheten Habakuk wegen der Irrtümer.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

Kap. 3. V. 1. Kap. 2 enthielt die Antwort, die Habakuk auf seine Frage erhalten hatte, weshalb denn Gott den Sieg des Unrechts und der Gewalt zulasse, dadurch müsse ja das Rechtsbewußtsein der Menschen getrübt und der Glaube an die göttliche Weltregierung erschüttert werden. Darauf war ihm die Antwort geworden, daß die endliche Erreichung des von Anfang an für die Menschheit bestimmten Zieles absolut feststehe, auch wenn ihm die einzelnen Phasen des Weges zu ihm nicht enthüllt würden und der Fortschritt oft dem kurzsichtigen Menschenauge in den einzelnen Zeitabschnitten nicht erkennbar sei. Auch werde der zeitweilige Sieg des Unrechts nicht im Stande sein, das Bewußtsein der Menschen zu trüben, denn das Geschick aller der auf Unrecht gegründeten Reiche werde die göttliche Gerechtigkeit ins hellste Licht stellen. Daß Gottes Langmut aber dem frevelhaften Beginnen so lange zusehe, das folge aus dem Wesen der menschlichen Freiheit, da nur auf dem Wege der Selbsterfahrung die Menschen zu der endlichen Erkenntnis der Nichtigkeit aller von ihnen vergötterten Faktoren und zur Anerkennung Gottes gelangen könnten. —

In diesem dritten Kapitel erfolgt nun die geistige Verarbeitung der empfangenen Belehrung. תְּפִלָּה, „Selbstbeurteilung“, „Sich durchdringen mit der göttlichen Wahrheit“, „Sich vor Gott zurechtfinden wegen der Irrtümer“ — so lautet die Überschrift dieses Kapitels. Wenn wir auch תְּפִלָּה in herkömmlicher Weise mit „Gebet“ übersetzt haben, so zeigt sich doch gerade in diesem Kapitel, das keine einzige Bitte, sondern nur eine Selbstaussprache enthält, daß sich diese Begriffe durchaus nicht immer decken. Denn auch die Worte: בְּרֹגֶז רַחֵם תִּזְכּוֹר (V. 23) enthalten keine „Bitte um Erbarmen im Gerichte“, sondern verkünden die Thatsache dieses Erbarmens als einen Ausspruch tiefster Überzeugung. Wir verweisen des Näheren auf die Ausführungen zu Gen. 20, 7. שִׁגְיֹנוֹת: „Irrtümer“, als solche hat er nunmehr seine Befürchtungen, sowie die Meinung erkannt, daß die Zulassung des zeitweiligen Sieges des Unrechts einen Gegensatz zur Gerechtigkeit der göttlichen Weltregierung darstelle.

2
יְהֹוָ֗ה שָׁמַ֣עְתִּי שִׁמְעֲךָ֮ יָרֵ֒אתִי֒ יְהֹוָ֗ה פׇּֽעׇלְךָ֙ בְּקֶ֤רֶב שָׁנִים֙ חַיֵּ֔יהוּ בְּקֶ֥רֶב שָׁנִ֖ים תּוֹדִ֑יעַ בְּרֹ֖גֶז רַחֵ֥ם תִּזְכּֽוֹר׃
BernfeldHerr! deinen Ruf habe ich vernommen und fürchte mich, Herr, in den nächsten Jahren rufe dein Werk ins Leben, in den nächsten Jahren mach‘ es überall kund — doch im Zürnen denke an Erbarmen.
ZunzEwiger, vernommen habe ich deinen Ruf, ich fürchte mich; Ewiger, dein Wort — beim Herannahen der Jahre belebe es, beim Herannahen der Jahre mache es kund. Im Zorne denke auf Erbarmen.
J. J. HirschO Gott! Als ich deine Kunde vernahm, da fürchtete ich. Gott! Dein Werk — im Kreislaufe von Jahren lasse es Leben gewinnen, im Kreislaufe von Jahren wirst du es erkennen lassen — Im Zürnen bist du des Erbarmens eingedenk!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 2. „Ich hatte deine Kunde vernommen“ — von dem Schalten des machttrunkenen welterobernden Babylon — „da fürchtete ich“ —, s. oben. Jetzt aber weiß ich es, du selbst, ה', der Alliebende, hast mir’s verkündet: פָּעָלְךָ, dein Werk, das große Werk der Erziehung der Menschheit, das mit der Erschaffung des Menschen begann und erst mit der allgemeinen Gotteshuldigung in Gesinnung und That sein Ziel erreicht, ganzer Perioden von Zeitläufen bedarf es zu seiner Verwirklichung, wörtlich: um Leben zu gewinnen, und im Kreislaufe der Jahre erst wirst du die Menschen es erkennen, begreifen lassen. Es spricht sich hier jener tiefe Seelenfrieden, die freudige Verzichtleistung auf nähere Erkenntnis der einzelnen Phasen des Gottesweges, und jenes unbedingte Vertrauen aus, zu dem oben 2, 3 unter den Hinweis: וְיָפֵחַ לַקֵּץ mit den Worten חַכֵּה לוֹ und צַדִּיק בֶּאֱמוּנָתוֹ יִחְיֶה aufgefordert worden war. בְּקֶרֶב שָׁנִים: im Aneinanderschlusse, d. i. im Laufe der Jahre, im Gegensatz zu der Plötzlichkeit des Eintritts eines Ereignisses oder der Erreichung eines Zieles. שָׁנִים hier im weitesten Sinne von den sich wiederholenden (שנה) Zeitläufen. חַיֵּיהוּ ist nicht Aufforderung und Bitte, denn deren bedarf es nicht angesichts der Verheißung, sondern vielmehr der Imper. des Zulassens, der freudigen Zustimmung: magst du es auch immerhin erst in ungemessenen Zeiträumen Leben gewinnen lassen. Zur Gewinnung der Überzeugung aber bedarf es keines Verlaufes ungemessener Zeiträume, das Bewußtsein beseelt mich schon jetzt: daß „du im Zürnen stets des Vatererbarmens gedenkest“. Dein Zürnen selbst ist eine Bekundung der Liebe, als ה' ist ja Gott hier geschaut, dein Zorn trifft nur dasjenige, das sich der Verwirklichung deines großen Liebewerkes feindlich entgegenstellt. Auf die Vollendung dieses Werkes blicken die folgenden beiden Verse hin und auf den Weg zu diesem Ziele die Verse 5—15.

3
אֱל֙וֹהַּ֙ מִתֵּימָ֣ן יָב֔וֹא וְקָד֥וֹשׁ מֵהַר־פָּארָ֖ן סֶ֑לָה כִּסָּ֤ה שָׁמַ֙יִם֙ הוֹד֔וֹ וּתְהִלָּת֖וֹ מָלְאָ֥ה הָאָֽרֶץ׃
BernfeldGott kam von Teman und der Heilige vom Gebirge Paran. Sela! Der Himmel war von seinem Glanze bedeckt und voll war die Erde seines Ruhmes.
ZunzGott kommt von Teman und der Heilige vom Gebirge Paran. Selah. Es deckte die Himmel sein Glanz, und seines Ruhmes war die Erde voll.
J. J. HirschGott wird von Theman kommen, der Heilige vom Gebirge Paran, dann hat seine Majestät die Himmel bedeckt, und sein Thatenlob erfüllt die Erde.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 3. אֱלוֹהַּ מִתֵּימָן יָבוֹא. Dieser Vers bildet offenbar die Parallele zu ה' מִסִּינַי בָּא Deut. 33, 2, das sich auf die Offenbarung am Sinai bezieht, und das Futurum יָבוֹא hier steht in entschieden betontem Gegensatz zu dem dortigen Präteritum בָּא. בָּא, von Gott gebraucht, bezeichnet stets sein Eintreten in den irdischen Kreis. Was mit der Offenbarung am Sinai begonnen, dessen Verwirklichung gehört noch der Zukunft an. Nicht der Vergangenheit gehört das Gotteswort und das Gotteswerk, vielmehr die Zukunft gehört diesem Worte und diesem Werke. Wenn die Offenbarung am Sinai den Eintritt Gottes in Israel bezeichnete, so wird hier auf den Eintritt Gottes in die Gesamtmenschheit hingeblickt: „Gott wird von Theman kommen.“ — Freilich Vorbedingung dazu ist die sittliche Erhebung der Menschheit, denn es ist „der Heilige“ d. i. der von den Menschen Selbstheiligung Fordernde, der einziehen will in ihren Kreis. — כִּסָּה שָׁמַיִם הוֹדוֹ: für die wiedergewonnene Menschheit ist die ganze Schöpfung die Offenbarung seiner Herrlichkeit geworden, aus der Herrlichkeit des Werkes ahnt sie die noch größere Herrlichkeit des Meisters, und deshalb „erfüllt sein Thatenlob die ganze Erde.“

4
וְנֹ֙גַהּ֙ כָּא֣וֹר תִּֽהְיֶ֔ה קַרְנַ֥יִם מִיָּד֖וֹ ל֑וֹ וְשָׁ֖ם חֶבְי֥וֹן עֻזֹּֽה׃
BernfeldEin Glanz wie das helle Sonnenlicht strahlte von ihm aus, darin war die Hülle seiner Macht.
ZunzUnd der Mond, der Sonne gleich, hatte Strahlen sich zur Seite, und dort war die Hülle seiner Macht.
J. J. HirschUnd der Schimmer wird dann wie das weltdurchstrahlende Licht, die Strahlenkraft wird ihm von Seiner Hand; und dort ist die Hülle seiner Siegesmacht!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 4. וְנֹגַהּ וגו'. In der Gegenüberstellung mit אוֹר ist נֹגַהּ Schein, Glanz, Schimmer. Was jetzt nur ein schwacher Schimmer ist, die Gotteserkenntnis, die jetzt nur als stilles Sehnen in der Menschen Herzen lebt, wird dann zum hellen Sonnentage, was jetzt nur ein schwacher Schein, wird zum weltdurchstrahlenden Lichte werden. קַרְנַיִם וגו': diese siegreiche Strahlenkraft — קָרַן strahlen, קֶרֶן Horn, zugleich Symbol der Kraft — wird diesem „Schimmer“ von Seiner, von Gottes Hand verliehen, וְשָׁם: und „dort“, darin, in diesem Siege der Wahrheit über den Wahn, des Lichtes über das Dunkel, des Göttlichen im Menschen über die jochende Macht der Leidenschaften, in diesem sich im Gange der Ereignisse vollziehenden Siege liegt: חֶבְיוֹן עֻזּוֹ, die Hülle der siegenden Gottesallmacht. Das ה des Kethib bezeichnet den Schein der Schwäche.

5
לְפָנָ֖יו יֵ֣לֶךְ דָּ֑בֶר וְיֵצֵ֥א רֶ֖שֶׁף לְרַגְלָֽיו׃
BernfeldVor ihm ging die Seuche einher und der Pest Glut zog aus in seinem Gefolge.
ZunzVor ihm gehet Pest einher, und ausziehet der Seuche Glut in seinem Gefolge.
J. J. HirschVor ihm schreitet die Pest, und der Brand zieht aus in seinem Gefolge.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 5. לְפָנָיו יֵלֶךְ דָּבֶר וגו'. Alles, auch das Verderbenbringende, steht in seinem Dienste und hat nichts als die Herbeiführung dieses Sieges zum Zwecke. Selbst die Pest geht vor ihm her und seinem Gebote folgt die Flamme, der Brand. Dem Brande der Zeiten verfällt nur, was den Sieg des Lichtes hemmt.

6
עָמַ֣ד ׀ וַיְמֹ֣דֶד אֶ֗רֶץ רָאָה֙ וַיַּתֵּ֣ר גּוֹיִ֔ם וַיִּתְפֹּֽצְצוּ֙ הַרְרֵי־עַ֔ד שַׁח֖וּ גִּבְע֣וֹת עוֹלָ֑ם הֲלִיכ֥וֹת עוֹלָ֖ם לֽוֹ׃
BernfeldEr trat auf, und die Erde erbebte, er sah hin, und die Völker erzitterten, die hohen Berge zersplitterten, es sanken die Höhen der Urwelt — so durchschritt er alles seit Ewigkeit.
ZunzEr trat auf und machte die Erde beben, er sah hin und machte die Völker zittern, und es zersplitterten die ewigen Berge, einsanken die Höhen der Urwelt — für ihn Bahnen von Ewigkeit her.
J. J. HirschWenn er stille steht und seinen Maßstab an die Erde legt; wenn er’s ersieht und Völker auflöst, und Berge zerstieben, die ewig fest, und Hügel einsinken, die ewig hoch schienen: so sind die Gänge der Zeiten — Sein!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 6. עָמַד וַיְמֹדֶד אֶרֶץ וגו'. Jeder von Gott gefügten Zerstörung geht eine Prüfung voran. Wenn „Berge der Ewigkeit zerstieben“, Reiche auseinander fallen, die für die Ewigkeit gegründet, „Hügel plötzlich einsinken, die ewig hoch“ schienen, so ist es, weil er zuvor den Maßstab seines Rechtes und seiner Liebe an diese Reiche gelegt, und sie diese Prüfung nicht bestanden, sich vielmehr als Hemmnisse für die Erreichung der gottgewollten Ziele herausgestellt hatten. „Berge und Hügel“ sind das Bild für große und kleine Reiche.

הֲלִיכוֹת עוֹלָם לוֹ, so sind die Gänge der Zeiten: Gottes. Unser Auge erblickt freilich nur den natürlichen Pragmatismus der wirkenden Ursachen, und schreibt den Sieg des einen und das Unterliegen des anderen der überlegenen Diplomatie, Strategie und Kriegstüchtigkeit des Siegers zu: alle diese materiellen Momente aber werden gestaltet, benutzt und gelenkt von dem unsichtbaren alliebenden Vater der Menschheit, dem alleinigen Lenker der Geschichte. Denn nicht die dem Auge des Geschichtsforschers sich darbietenden physischen, sondern ethische Momente sind im tiefsten Grunde ausschlaggebend für die Gestaltung der Geschichte.

הֲלִיכוֹת von der Kalform abgeleitet, nicht: die Führungen, sondern: die „Gänge“, die scheinbar selbständigen, sind in Wahrheit: לוֹ, werden von Ihm gelenkt. Und zwar הֲלִיכוֹת עוֹלָם, die Gänge der Ewigkeit, die von der „verhüllten“, עלם, fernen Vergangenheit bis in die „verhüllte“ ferne Zukunft führen, also: die Gänge der Zeiten sind Gottes.

7
תַּ֣חַת אָ֔וֶן רָאִ֖יתִי אׇהֳלֵ֣י כוּשָׁ֑ן יִרְגְּז֕וּן יְרִיע֖וֹת אֶ֥רֶץ מִדְיָֽן׃
BernfeldIm Unheil sah ich die Zelte Kusans, es erzittern die Teppiche des Landes Midjan.
ZunzIn Noth sah ich die Zelte Kuschan's, es erzittern die Teppiche des Landes Midjan's.
J. J. HirschUnter der Sünde erliegen sah ich Kuschans Zelte, zu zittern haben nur die Zeltwände des midjanitischen Landes!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 7. תַּחַת אָוֶן וגו'. Nur die Schuld, wörtlich: אָוֶן, Machtmißbrauch, ist es, unter dem die Starken erliegen. Kuschan und Midjan sind als typische Beispiele von Mächten genannt, die vor den Folgen ihrer Sünden zu zittern haben. Der mesopotamische König Kuschan war nach Richter 3, 8 die erste Macht, die Israel im eigenen Lande knechtete, die jedoch, nach Israels Rückkehr zu Gott, von ihm besiegt wurde.

8
הֲבִנְהָרִים֙ חָרָ֣ה יְהֹוָ֔ה אִ֤ם בַּנְּהָרִים֙ אַפֶּ֔ךָ אִם־בַּיָּ֖ם עֶבְרָתֶ֑ךָ כִּ֤י תִרְכַּב֙ עַל־סוּסֶ֔יךָ מַרְכְּבֹתֶ֖יךָ יְשׁוּעָֽה׃
BernfeldIst über Ströme der Herr entbrannt, über Ströme dein Zorn, über das Meer dein Groll, dass du so daherfährst auf deinen Rossen, auf deinen Siegeswagen?
ZunzIst über Ströme entbrannt der Ewige, über Ströme dein Zorn, über das Meer dein Groll, daß du daher fährst auf deinen Rossen, auf deinen Wagen der Sieg?
J. J. HirschAlso in Zeitenströmen waltet Gottes Zürnen? Wenn in diesen Strömen dein Zorn, wenn in diesem Meere dein Unwille waltet, wenn du deine Rosse besteigst, so bedeuten deine Lenkungen — Heil!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 8. הֲבַנְּהָרִים וגו'. Das ה bezeichnet eine Frage. Ströme sind das Bild verheerender gewaltiger Zeitereignisse. Also in „Strömen“ waltet des barmherzigen Gottes Zürnen? Nachdem ich weiß, daß in diesen — בַּנְּהָרִים, bestimmter Artikel — Strömen dein Zorn waltet, und würden diese Ströme auch zum alles überflutenden Meere, wenn es עֶבְרָתֶךָ, dein in die Sichtbarkeit tretender Unwille ist, der in ihm „hinaustritt“: so habe ich nicht mehr zu fürchten. Denn wenn du „deine Rosse besteigst“, wenn die Lenkung der wild durcheinanderwogenden Fluten in deinen Händen ruht, so bedeutet deine Lenkung stets nur Heil.

9
עֶרְיָ֤ה תֵעוֹר֙ קַשְׁתֶּ֔ךָ שְׁבֻע֥וֹת מַטּ֖וֹת אֹ֣מֶר סֶ֑לָה נְהָר֖וֹת תְּבַקַּע־אָֽרֶץ׃
BernfeldDu entblößt deinen Bogen. In den Wochen der Regengüsse — sprich: Sela! — die Erde lässt Ströme hervorbrechen.3
ZunzEntblößt erwacht dein Bogen mit den siebenfachen Pfeilen — ein Spruch, Selah. Ströme läßt hervorbrechen die Erde.
J. J. HirschUnverhüllt wird enthüllt dein Bogen, die den Stämmen geleisteten Schwüre bleiben ein ewig Gotteswort —: die Ströme durchbricht die Erde.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 9. עֶרְיָה תֵּעוֹר קַשְׁתֶּךָ. Und wie einst die Sündflut nicht Untergang, sondern Verjüngung, Neubelebung zum Ziele hatte, und wie damals der im Gewölke sich spannende Bogen zum Zeichen des Gottesbundes mit der Menschheit bestimmt wurde, daß nur ihre Erziehung zum höchsten Ziele der Menschenveredlung und nimmer ihre Vernichtung Zweck und Bedeutung der geschichtlichen Katastrophen sein solle —: so schaue auch ich, spricht der Prophet, über diesem Meere verheerender Geschicksfluten in unverhüllter Klarheit deinen Bogen, den Bogen des Friedens.

שְׁבֻעוֹת מַטּוֹת: auch was du einst Israels Stämmen zugeschworen, das bleibt ein ewiges Gotteswort; die wiederholten Zusicherungen, daß sie zu Trägern des Gotteswortes heranerzogen würden und daß diesem Worte die Zukunft gehöre, sie werden sich als unverbrüchliche Verheißung erfüllen. — עֶרְיָה תֵּעוֹר קַשְׁתֶּךָ bezieht sich auf den Gottesbund mit der Menschheit, שְׁבֻעוֹת מַטּוֹת auf den mit Israel. — אֶרֶץ, נְהָרוֹת תְּבַקַּע־אָרֶץ ist Subject. Das Zurücktreten überflutender Gewässer, das die überschwemmte Erde wieder sichtbar werden läßt, stellt sich dem Auge als das Durchbrechen des bisher von Wasser bedeckten Bodens dar. Offenbar eine Parallele mit der Sündflut. Neu geschaffen, verjüngt und geläutert geht die Menschheit aus den schweren Schicksalsfügungen hervor. — (In der Wiederholung עֶרְיָה und תֵּעוֹר, Nifal von ערר und עור, wird die Befreiung von jeder Hülle mit besonderer Schärfe hervorgehoben. Wenn von עור: wach, geweckt werden. Vielleicht an beides anklingend: das so lange schlummernde, dem Menschengeiste entschwundene Bewußtsein von der Gottesnähe in allen Schicksalsgängen wird in diesem Zeichen des Friedens von allen Banden des Wahns und der Leidenschaft befreit, „enthüllt, geweckt werden.“).

Die folgenden Verse 10—15 bilden ein Ganzes. Dem Sinne nach sind die ersten drei der Vordersatz, die letzten drei der Nachsatz. Sie blicken auf die oben im Bilde der alles verheerenden Schicksalsfluten geschilderten Allmachtsthaten Gottes in der Geschichte hin und sprechen deren Ziel und zugleich deren Bedeutung für Israel als für dasjenige Volk aus, das im Dienste dieser selben Gotteswaltung steht, und das als Träger dieses Gotteswortes so lange dem Wüten übermächtiger Feinde wehrlos preisgegeben war.

10
רָא֤וּךָ יָחִ֙ילוּ֙ הָרִ֔ים זֶ֥רֶם מַ֖יִם עָבָ֑ר נָתַ֤ן תְּהוֹם֙ קוֹל֔וֹ ר֖וֹם יָדֵ֥יהוּ נָשָֽׂא׃
BernfeldDie Berge erblickten dich und kreisten, die Wasserflut ergoss sich, der Abgrund ließ seine Stimme erschallen, da er in die Höhe seine Hand erhob.
ZunzDich sahen und kreisten Berge, die Wasserfluth ergoß sich, erschallen ließ die Tiefe ihre Stimme, da er in die Höhe seine Hand erhob.
J. J. HirschWenn sie dich schauten und erbebten die Berge, dahin geströmt der Wasser Schwall; wenn das Gewoge seine Donner vernehmen ließ, zur Höhe seine Wucht erhob;
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 10. רָאוּךָ הָרִים וגו'. Berge: die geschichtlichen Größen. Da sie das Nahen des Allmächtigen spürten, erzitterten sie, „da der Strom der Wasser daherbrauste, das Gewoge seine Donner vernehmen ließ und bis zur Höhe seine Wucht erhob“.

11
שֶׁ֥מֶשׁ יָרֵ֖חַ עָ֣מַד זְבֻ֑לָה לְא֤וֹר חִצֶּ֙יךָ֙ יְהַלֵּ֔כוּ לְנֹ֖גַהּ בְּרַ֥ק חֲנִיתֶֽךָ׃
BernfeldDie Sonne und der Mond standen still in der Höhe vor dem Leuchten deiner rennenden Pfeile, vor dem Glanze deines blitzenden Schwertes.
ZunzSonne, Mond blieben stehen in ihrer Wohnung; eine Sonne flogen deine Pfeile, ein Mond das Blitzen deiner Lanzen.
J. J. HirschSonne, Mond dastanden an die Stelle [gebannt], bei dem Lichte deiner Pfeile, die dahinfahren, beim Scheine des Blitzes deines Speeres; —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 11. שֶׁמֶשׁ וגו'. Vor der Majestät der in die Geschicke eingreifenden Gottesallmacht stehen Sonne und Mond „scheu an ihre Stätte gebannt“, זְבֻלָה, sie zögern aufzugehen, „bei dem Lichte deiner Pfeile, die dahinfahren“: sie treten zurück vor dem Strahle deiner Offenbarung, den die Allgewalt der Ereignisse über die Welt leuchten läßt.

V. 12 ff. Wenn du so im Zorneswalten die Erde durchschreitest und Völker über das Volk heraufziehen soll, das niederwirfst: so bist du damit ausgezogen für das Heil deines Volkes, für das Heil: אֶת־מְשִׁיחֶךָ, das „mit deinem Gesalbten“ kommen, das durch ihn der Menschheit werden soll. Also: zu Israels und der Gesamtmenschheit Heile. Darum hast du „gespalten das Haupt von dem Hause des Bösen“, darum mußten aufgedeckt werden die Grundlagen des Ganzen „bis an den Hals“, die Verhältnisse mußten „von unten bis oben“ in ihrer ganzen Verderbtheit den Augen der Menschen klargelegt werden. עֲרוֹת Inf. von עָרָה. Das zweite יֵשַׁע ist auch im verbalen Sinne mit dem Acc. nach sich zu fassen, in diesem Sinne haben wir übersetzt.

12
בְּזַ֖עַם תִּצְעַד־אָ֑רֶץ בְּאַ֖ף תָּד֥וּשׁ גּוֹיִֽם׃
BernfeldMit Mut durchschreitest du die Erde, im Grimm stampfest du die Völker.
ZunzMit Wuth durchschreitest du die Erde, im Grimm stampfest du die Völker.
J. J. Hirschwenn du so mit Zorneslaut die Erde durchschreitest, im Zorne Völker niedertrittst —:
13
יָצָ֙אתָ֙ לְיֵ֣שַׁע עַמֶּ֔ךָ לְיֵ֖שַׁע אֶת־מְשִׁיחֶ֑ךָ מָחַ֤צְתָּ רֹּאשׁ֙ מִבֵּ֣ית רָשָׁ֔ע עָר֛וֹת יְס֥וֹד עַד־צַוָּ֖אר סֶֽלָה׃ {פ}
BernfeldDu zogst deinem Volke zur Hilfe aus, zur Hilfe deinem Gesalbten, schmettertest den Giebel herab vom Hause des Frevlers, entblößtest den Grund bis an den Hals. Sela!
ZunzAuszogst du zur Hülfe deinem Volke, zur Hülfe deinem Gesalbten, schmettertest den Giebel herab vom Hause des Frevlers, entblößtest den Grund bis an den Hals. Selah.
J. J. Hirschso zogst du aus zum Heile deines Volkes, für das Heil deines Gesalbten, zerschmettertest das Haupt vom Hause des Frevlers, um die Grundlagen aufzudecken bis an den Hals.
14
נָקַ֤בְתָּ בְמַטָּיו֙ רֹ֣אשׁ פְּרָזָ֔ו יִסְעֲר֖וּ לַהֲפִיצֵ֑נִי עֲלִ֣יצֻתָ֔ם כְּמוֹ־לֶאֱכֹ֥ל עָנִ֖י בַּמִּסְתָּֽר׃
BernfeldDu durchbohrst mit seinen Pfeilen das Haupt seiner Führer, die herangestürmt kommen, mich zu zersprengen; sie jubeln, als gälte es aufzuzehren den Armen im Verborgenen.
ZunzDurchbohrst mit seinen Pfeilen das Haupt seiner Führer; heranstürmen sie, mich zu zersprengen; sie jubeln, als gälte es aufzuzehren den Armen im Verborgenen.
J. J. HirschMit seinen eigenen Pfeilen durchbohrtest du das Haupt seiner Fürsten, die daherstürmten, mich zu zerschmettern, ihr Jubelgeschrei, als gelte es, den Armen im Verborgenen zu verspeisen!
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 14. בְּמַטָּיו: mit seinen eigenen Stäben, Speeren hast du das Haupt seiner Freien durchbohrt, hast sie durch ihre eigenen Gewaltmittel ihren Untergang finden lassen in dem Augenblicke, da sie heranstürmten, mich zu vernichten, — sie jauchzten schon laut auf, als gälte es wieder einen wehrlosen Armen in sicherem Versteck zu „verspeisen“! —

15
דָּרַ֥כְתָּ בַיָּ֖ם סוּסֶ֑יךָ חֹ֖מֶר מַ֥יִם רַבִּֽים׃
BernfeldDu tratest das Meer mit deinen Rossen, den Boden großer Gewässer.
ZunzDu tratest das Meer mit deinen Rossen, den Boden großer Gewässer.
J. J. HirschWenn du deine Rosse das Meer betreten lässest, so werden zu gefügigem Thon die mächtigen Fluten! —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 15. דָּרַכְתָּ בַיָּם וגו': denn wo du einschreitest, da werden zu gefügigem bildsamen Thon die gewaltigen Fluten, sie sind gefügiges Mittel in deiner Hand und dienen deinen Zwecken.

16
שָׁמַ֣עְתִּי ׀ וַתִּרְגַּ֣ז בִּטְנִ֗י לְקוֹל֙ צָלְל֣וּ שְׂפָתַ֔י יָב֥וֹא רָקָ֛ב בַּעֲצָמַ֖י וְתַחְתַּ֣י אֶרְגָּ֑ז אֲשֶׁ֤ר אָנ֙וּחַ֙ לְי֣וֹם צָרָ֔ה לַעֲל֖וֹת לְעַ֥ם יְגוּדֶֽנּוּ׃
BernfeldIch höre es und es erbebt mein Inneres, beim Gerüchte bewegten sich meine Lippen, Morschheit dringt in mein Gebein und an meiner Stelle zittre ich — dass ich ruhen soll bis an den Tag der Not, des Heranziehens des Volkes, das ihn bedrängt.
ZunzIch höre es und es zittert mein Inneres, beim Gerüchte bebten meine Lippen, Morschheit dringet in mein Gebein und an meiner Stelle zittere ich — daß ich ruhen soll bis an den Tag der Noth, des Heranziehens des Volkes, das ihn bedrängt.
J. J. HirschDa ich’s vernahm, da erbebte mein Inneres, bei der Kunde waren meine Lippen gelähmt, Moder kam in mein Gebein, und an meiner Stätte erzitterte ich, der ich ruhig zu bleiben habe [selbst] am Tage der Not, der uns mit seinen Scharen überfällt! —
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 16. שָׁמַעְתִּי וגו'. Dem jüdischen Propheten lacht nicht das Herz beim Gedanken an den Untergang der Frevler. In dem Augenblicke, wo das Gottesgericht über sie hereinbricht, sieht er in ihnen nur die dem Untergange verfallenen unglücklichen Menschen. Vgl. den Schmerzausbruch des Propheten Jesaias über den Untergang Babels, Jes. 21, 2 ff. So auch hier im Anblick des Gottesgerichtes. Der Schluß des Verses weist darauf hin, daß auch hier zunächst an Babels Untergang gedacht ist. — צָלַל, צָלְלוּ שְׂפָתַי sonst in Verbindung mit אזנים, 1 Sa. 3, 11. 2 Kö. 21, 12. Jer. 19, 3 zur Bezeichnung des überwältigenden Eindrucks einer Schreckenskunde, wird es im Hinblick auf die Derivate מְצִלָּה und צלצל mit Klingen der Ohren übersetzt, von dem schrillen, gellenden Klange der Nachricht. Dann wäre hier an einen Ton der vor Schrecken aneinander schlagenden Lippen, nicht Zähnen, zu denken, was wenig passend ist. Beim Zähneklappern bewegen sich ohnehin die Lippen nicht. Wir glauben daher, daß in allen diesen Stellen צלל in seiner Grundbedeutung zu nehmen ist: den Eindrücken des Lichtes und des Schalles entzogen sein, daher auch: in die dunkle schattige Tiefe versinken, und von den Ohren: betäubt sein. Die niederschmetternde Wirkung der Kunde wird in ihrer lähmenden Wirkung auf das Organ gezeichnet, mit dem sie vernommen wird, beide Ohren werden taub. Ebenso hier auf die Lippen übertragen: sie werden gelähmt, können nicht mehr sprechen. Ganz wie wir in unserem Sprachgebrauche das Wort lähmen von den Organen der Bewegung auf alle Sinne und ihre Muskeln und Nerven übertragen. — וְתַחְתַּי אֶרְגָּז: an meiner Stätte, selbst von keiner Gefahr bedroht, zitterte ich, אֲשֶׁר אָנוּחַ: der ich doch keinen Grund zu zagen, vielmehr ruhig zu bleiben habe, selbst wenn der von mir geschaute Tag des Gerichtes da sein wird, der über das Volk heraufzieht, das uns mit seinen Scharen überfällt. לְיוֹם wörtlich: entgegen oder gegenüber dem Tage.

V. 17 ff. In erhabenem Gegensatze zu dem eben bekundeten Mitgefühl mit dem untergangenen Feinde kommt nun in diesen herrlichen, aus der Seele Israels gesprochenen Versen der Gedanke zum Ausdruck, wie Israel für sein eigenes Geschick keine Furcht und keine Sorge kennt. Und türmten sich auch über ihm die düstersten Wetterwolken des Geschickes zusammen, und sähe es sich auch aller Güter beraubt, die sonst die Bedingungen des Volksdaseins bilden: es erkennt in allen Wandlungen seines Geschickes die Hand des barmherzigen Gottes (V. 18), jemehr es aller materiellen Stützen entbehrt, umsomehr fühlt es jauchzend sich getragen von dem starken „Gotte seines Heiles“. כִּחֵשׁ, wie Hos. 9, 2: וְתִירוֹשׁ יְכַחֶשׁ בָּהּ, täuschen, den berechtigten Anspruch ableugnen, hier vom Versagen des Ertrages.

17
כִּֽי־תְאֵנָ֣ה לֹֽא־תִפְרָ֗ח וְאֵ֤ין יְבוּל֙ בַּגְּפָנִ֔ים כִּחֵשׁ֙ מַֽעֲשֵׂה־זַ֔יִת וּשְׁדֵמ֖וֹת לֹא־עָ֣שָׂה אֹ֑כֶל גָּזַ֤ר מִמִּכְלָה֙ צֹ֔אן וְאֵ֥ין בָּקָ֖ר בָּרְפָתִֽים׃
BernfeldDenn der Feigenbaum blühet nicht, und kein Ertrag ist an den Weinstöcken, es versagt der Olive Frucht, und die Flur trägt keine Speisen. Entrafft ist der Hürde das Schaf, und kein Rind ist in den Ställen.
ZunzDenn der Feigenbaum blühet nicht, und kein Ertrag ist an den Weinstocken, es versagt der Olive Frucht, und die Flur trägt feine Speisen. Entrasft ist der Hürde das Schaf, und kein Rind in den Ställen.
J. J. HirschWenn auch der Feigenbaum nicht mehr blüht, und kein Ertrag ist an den Weinstöcken; wenn versagt das Werk des Ölbaumes, und keine Nahrung bietet die Flur; wenn geschwunden ist aus der Hürde das Schaf und kein Rind mehr in den Ställen:
18
וַאֲנִ֖י בַּיהֹוָ֣ה אֶעְל֑וֹזָה אָגִ֖ילָה בֵּאלֹהֵ֥י יִשְׁעִֽי׃
BernfeldIch aber jauchze in dem Herrn, ich juble in dem Gotte meines Heils!
ZunzIch aber jauchze in dem Ewigen, juble in dem Gotte meines Heiles.
J. J. Hirschso jauchze ich freudig auf von Gott getragen, ich juble durch den Gott meines Heiles.
19
יֱהֹוִ֤ה אֲדֹנָי֙ חֵילִ֔י וַיָּ֤שֶׂם רַגְלַי֙ כָּאַיָּל֔וֹת וְעַ֥ל בָּמוֹתַ֖י יַדְרִכֵ֑נִי לַמְנַצֵּ֖חַ בִּנְגִינוֹתָֽי׃
BernfeldGott der Herr ist meine Kraft, er macht meine Füße wie die der Hirschkühe und lässt mich einherschreiten auf meinen Höhen. Dem Sangmeister auf dem Saitenspiele.
ZunzGott der Herr ist meine Kraft, und gleich macht er meine Füße den Hindinnen, und läßt mich einherschreiten auf meinen Höhen. Dem Sangmeister auf dem Saitenspiele.
J. J. HirschGott, mein Herr, ist meine Kraft, er macht meine Füße den Rehen gleich, und auf die mir bestimmten Höhen wird er mich führen! — Deshalb weihe ich mich Ihm, der mich durchdauern läßt in meinen Melodieen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
Kommentar von Julius Jehuda Hirsch

V. 19. ה' א' חֵילִי: es ist ewig מִדַּת הָרַחֲמִים, die unverlierbare Vaterliebe Gottes, die auch in allen Rechtswaltungen der מִדַּת הַדִּין erkannt wird, — das ist ja die Bedeutung des vierbuchstabigen Gottesnamens mit den Vokalen des Namens אֱלֹהִים, — אֲדֹנָי: Gott in seinem Verhältnisse zu dem ihm dienenden Menschen, hier also: das Bewußtsein, daß ich in deinem Dienste stehe, Werkzeug in deiner Hand bin, daß du mein allmächtiger Herr bist: beides zusammen ist חֵילִי, ist mein Heer, meine Kraft, mein Schutzwall, mein Vermögen. Dadurch machte er meine Füße dem Rehe gleich, läßt über alle Schwierigkeiten und Hemmnisse mich leicht hinwegeilen — doch nicht, um des Geschickes Höhen zu erstürmen, ich habe vielmehr kein anderes Streben als meine Pflicht zu thun, „sein Diener“ zu sein: עַל בָּמוֹתַי יַדְרִיכֵנִי, mein Geschick überlasse ich Ihm, „auf die mir bestimmten Höhen wird Er mich führen“.

נֶצַח. לַמְנַצֵּחַ בִּנְגִינוֹתַי Sieg, Kraft, Dauer. מְנַצֵּחַ: der zum Siege befähigt, siegen läßt, Kraft und Dauer verleiht, bezieht sich wie in den 55 Psalmüberschriften auf Gott. נגן ist Instrumentalmusik. נְגִינוֹת: die Gewalt der Töne hebt Geist und Gemüt zur Gottesbegeisterung empor und verleiht durch diese Gottesbegeisterung dem Menschen Kraft, alles zu besiegen, was seinem Inneren Klarheit und Heiterkeit trüben könnte. So 2 Kön. 3, 15. Der מְנַצֵּחַ ist Gott, der dem Menschen Kraft verleiht, Herr aller Trübnis zu werden. So Peßachim 119 a: למנצח מזמור לדוד זמרו למי שנוצחין אותו ושמח, singet dem der sich freut, wenn seine Menschen aus seinen Verhängnissen als Sieger hervorgehen. S. R. Hirsch Psalmencommentar zu Ps. 4, 1. — Das ל bedeutet die Widmung, wie in den Psalmen. Hier am Schlusse des großen weltgeschichtlichen Ausblickes, als die letzte praktische Anwendung aller gewonnenen Erkenntnis bedeutet es das Gelübde freudiger Hingebung an Ihn, der Israel „Sieg und Kraft und Dauer verleiht“ in den Harmonieen und heiteren Liedestönen, in denen das Hochgefühl der Gotteskindschaft und des Bewußtseins austönt, als Träger seines Wortes und Diener seines Willens von seiner starken Hand getragen zu sein.

Möglich auch, daß das ל das Ziel bezeichnet. Das Prophetenwort klingt dann in dem herrlichen Gedanken aus: Über alle Gefahren hebt er mich hinüber, und auf meine Höhen führt er mich hin zu Ihm, der den Sieg auf Erden gewinnt durch die Gotteshuldigung, die die aus meinen Wanderzelten hinaustönenden Melodieen in der Brust der Menschen wecken.

Haftarah Schawuot, 1. Tag Karäer enden hier.
Haftarah Schawuot, 2. Tag (Diaspora) Aschkenasim, Sefardim, Jemeniten, Italiener, Romanioten, einige aschkenasische Gemeinden und Chabad enden hier.(erschlossen)/einige aschkenasische Gemeinden: Umfang aus der -Tabelle erschlossen | Chabad: Umfang aus der -Tabelle erschlossen | Jemeniten: Umfang aus der -Tabelle erschlossen