Owadjah 1 עובדיה
Einleitung von Julius Jehuda Hirsch
Obadja
Über Person und Zeit des Propheten fehlt es an bestimmten Angaben. Wir haben von ihm nur die Prophezeiung über Edom. Diese aber überschaut mit großartigem Ausblicke die Jahrtausende der Geschichte, und vor seinem Auge strahlt durch alles Dunkel der Jahrtausende das Morgenrot auf am Nachthimmel der Menschheit, er sieht den Anbruch des Gottesreiches auf Erden, sieht Israel als Bringer des Heiles, als Menschheitspriester „auf dem Berge Esau“.
Unsere Weisen erblicken in Rom die Verkörperung Edoms. Über eine Stammesverwandtschaft fehlt es an allen geschichtlichen Nachrichten, ist ja nicht nur über die Gründung, sondern über die ersten Jahrhunderte Roms das Dunkel der Sagengeschichte gebreitet. Blicken wir jedoch auf den inneren Kern, die bewegenden Kräfte und die in der Geschichte Roms zu Tage tretenden Principien und Mittel, so finden wir in Rom, in dem aus kleinsten Anfängen lediglich aus eigner Kraft, durch kluge und durch keinerlei Rücksicht auf Recht und Menschlichkeit behinderte scrupellose Ausnutzung aller Mittel der Gewalt und der List, zu so beispielloser Größe herangewachsenen römischen Riesenreiche, die großartigste Verwirklichung des Esau-Edom-Princips. Welches waren doch die beiden Momente, die Esau-Edom charakterisierten? Einmal צֵיד בְּפִיו (Gen. 25, 28 s. daselbst), er war Jäger, nicht nur mit dem Bogen und Pfeile, sondern „mit dem Munde“, er verstand die Kunst, mit List, unter dem Scheine der Harmlosigkeit, die Menschen zu verstricken und für seine Ziele einzufangen. Und zweitens, wie der Seherblick seines greisen Vaters ihn schaute: עַל חַרְבְּךָ תִחְיֶה (das. 27, 40), das Schwert, kriegerische Tapferkeit war die Grundlage für seine Machtentfaltung. Beide Momente haben nie größere Triumphe gefeiert, als in dem Aufbau des römischen Weltreiches. Wenn nun aber dieses selbige römische Reich, das für die Ewigkeit gegründet schien, trotzdem an seiner eigenen inneren Verderbnis kläglich zu Grunde gegangen ist, so verkündet eben dieser Untergang in einer erschütternden Tragik, die ihresgleichen nicht hat, die Unfähigkeit dieser beiden Momente zur Gründung dauernder Staatengebilde. — Erinnern wir ferner daran, daß das geschichtliche Edom sich stets als unversöhnlicher, erbitterter Todfeind des Brudervolkes Israel gezeigt hat, worauf auch hier V. 10—14 hingewiesen wird; bedenken wir endlich, daß das von Israel durch die Zeiten zu tragende Princip der Gerechtigkeit, der Nächstenliebe und der Sittlichkeit den diametralen Gegensatz zu dem in Edom wie in Rom verkörperten Principe steht: so begreifen wir die Identificierung der beiden zeitlich getrennten, an Ausdehnung so verschiedenen, ihrem Wesen nach aber gleichen geschichtlichen Größen. Und voll Ehrfurcht lauschen wir dem Prophetenworte, das, die Jahrhunderte überschauend, scheinbar nur von Edom sprechend, aus dem Pragmatismus der Ereignisse vor unserem inneren Auge Züge in unverkennbarer Deutlichkeit erstehen läßt, die die Hauptmomente des Aufblühens und des Unterganges des weltbeherrschenden Roms Jahrhunderte später charakterisierten.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 1. שְׁמוּעָה שָׁמַעְנוּ מֵאֵת ה' וגו'. Aus dem Ansturm der Völker, die schließlich den Zusammenbruch des gewaltigen Reiches herbeiführen, tönt laut die Stimme des Gottesverhängnisses.
VV. 2—4 zeichnen den siegestrunkenen, machtvergötternden Übermut des aus kleinen Anfängen emporgewachsenen Edom.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 5. Der Prophet schaut das an Esau sich vollziehende Geschick. Wäre es ein bloßer Wechsel des Kriegsglückes, der auch dir einmal das Schicksal bereitete, das du so oft andern gebracht, wärest auch du einmal der Raubgier der Sieger preisgegeben —: auch die habgierigsten Räuber nehmen nicht alles, auch die Winzer lassen die noch unreifen Beeren zurück. Möglich, daß die Nüance der Steigerung darin liegt, daß unter den Dieben und Räubern jene Feinde gezeichnet werden, die unprovoziert, nur der Eroberungs- und Beutesucht folgend dich überfallen, während unter den Winzern jene begriffen sind, die durch Angriff oder sonstige Unbill gereizt mit einem mehr oder minder großen Scheine von Recht angreifen und siegen. Die einen wie die andern würden nicht alles zerstören, der Besiegte hätte eine Zukunft. Ein solches Geschick ist aber nicht dasjenige des hier gezeichneten Esau-Reiches.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 6. נֶחְפְּשׂוּ, der Plural des Prädikates neben dem Singular des Subjectes läßt das letztere in allen seinen Beziehungen begreifen. Wie wird Esau in allen Richtungen durchsucht, in allen Tiefen durchwühlt! נִבְעוּ, von בָּעָה, aus dem Innern hinaus bringen, so vom Feuer, das Wasser aufkochen läßt (Jes. 64, 1), auch aus dem Innern hinausstreben, daher: wollen (Jes. 21, 12); dann hier: wie werden erstrebt, aufgesucht.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 7. Als zwei Gruppen erscheinen die Völker in ihrem Verhältnis zu dem Esau-Edomitischen Weltreiche. Das Prophetenwort zeichnet sie einmal als Bundesgenossen. Es waren dies die an Macht und Cultur ebenbürtigen Völker, welche Esau-Edoms Staatskunst verstanden hatte, zu seinen Bundesgenossen, zu „Männern seines Friedens“ zu machen. Sie blieben ihm auch treu, so lange sein Glück dauerte. Der Glaube an seine Macht, deren Geheimnis hauptsächlich darin bestand, daß es die Kräfte der „Bundesgenossen“ seinen Zwecken dienstbar zu machen wußte, bildete ganz eigentlich den Kern seiner Macht. Daß es glaubte, dieser Unterstützung unter allen Umständen sicher zu sein, das war sein Verderben. — הִשִּׁיאוּךָ, von נָשָׁא, verwandt mit נָשָׁה, einen Anspruch haben, eine unbefriedigte Forderung haben, הִשָּׁה im Hiphil: einen solchen Anspruch geben, in הִשִּׁיא tritt dann noch die Nüance der Nichterfüllung hinzu, eine Leistung trügerisch verheißen. In diesem Sinne hier: die Bundesgenossen, auf deren Hülfe du bautest, haben dich „hinausgelockt“, dich nur bis zur Grenze geleitet; im Vertrauen auf sie hattest du in immer weiteren Entfernungen Unternehmungen gewagt, die dann durch ihr Versagen dir nur Niederlagen bereiten konnten.
Gerade aber zweitens diejenigen Völker, die du als tief unter dir stehend verachtet hattest, לַחְמְךָ, gerade sie sind bestimmt, an deine Stelle zu treten, תַּחְתֶּיךָ. Wenn ein Volk dem andern gegenüber als לֶחֶם bezeichnet wird, so Ps. 14, 4: אֹכְלֵי עַמִּי אָכְלוּ לֶחֶם, ebenso Num. 14, 9: כִּי לַחְמֵנוּ הֵם, so wird es damit als das der Macht des andern völlig preisgegebene bezeichnet. Hier kommt noch als zweites Merkmal hinzu: אֵין תְּבוּנָה בּוֹ, diese Mehrheit von Völkern entbehrt der Cultur. Und gerade diese, von der stolzen Weltmacht verachteten, an geistiger Cultur so tief unter ihr stehenden, rohen, aber auch noch unverdorbenen Naturvölker sind bestimmt: תַּחְתֶּיךָ, an deine Stelle zu treten und dadurch der Welt Heilung zu bringen. Charakteristisch wird dieser Heilungsprozeß durch מָזוֹר bezeichnet. Vergl. Jes. 1, 6 לֹא זֹרוּ, wo es das Ausdrücken der Wunde, die Entfernung der verdorbenen, faulen Säfte bedeutet. Also kein positives Moment der Heilung, sondern nur negativ, die Beseitigung der schädlichen Stoffe. Das mächtige Reich war in einem Grade der Verderbnis verfallen, daß sein Fortbestand die Gesundung für alle seinem Einflusse unterstehenden Völker unmöglich machte. Und wohin reichte sein Einfluß nicht! Seine Zerstörung war deshalb unerläßlich, sie selbst war der erste Schritt zur Besserung. Es war die Beseitigung der Pestbeule an dem Körper der schwerkranken europäischen Menschheit. Wem, der mit rückwärts gewandtem Blicke die Vergangenheit überschaut, tritt nicht im Lichte dieses vorwärts schauenden Prophetenwortes das Bild des weltbeherrschenden Roms entgegen, das in dem wilden Gewoge der Völkerwanderung dem Ansturm der rohen, jedoch unverdorbenen germanischen Völker erliegt!
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 8. ff. Freilich bringen diese keine Geistescultur mit, aber ich lasse ja gerade die bisherige im Dienste des Esau-Principes und der Edom-Politik mißbrauchte Cultur, die der Menschheit eben deshalb nicht zum Segen, sondern zum Unheil gereichte, zu Schanden werden. Ihre Ohnmacht soll ja gerade erkannt werden. תְּבוּנָה, die Anwendung und Handhabung der in ein System gebrachten בִּינָה. בִּינָה die Erkenntnis des בֵּין, der Beziehungen der Erscheinungen zu einander, ihres gegenseitigen Verhältnisses. Auf die geschichtlichen Verhältnisse angewandt ist sie es, die allein es ermöglicht, Personen und Völker in ihren Bestrebungen geschickt zu benutzen, sie gegen einander auszuspielen und so den eigenen Zwecken dienstbar zu machen. Kurz, es ist die Politik, deren Bankerott in diesem Sturze hier in Frakturschrift in die Blätter der Geschichte verzeichnet wird, der Bankerott einer jeden Politik, der trotz aller auch im unbeschränktesten Umfange zu Gebote stehenden Machtmittel unabwendbar eintritt, wann und wo sie im Gegensatz zu den ewigen Grundlagen aller Menschengesittung sich befindet, also im Gegensatz zur Gerechtigkeit, zur Menschlichkeit und zur Sittlichkeit. Dieser Gegensatz wird nun sofort in dem Verhalten des historischen Edomvolkes zu dem verwandten Jakobvolke in ergreifender Weise in einer Fülle von Einzelzügen gekennzeichnet, nachdem zuvor V. 9 darauf hingewiesen war, wie auch die so lange bewunderte Tapferkeit im entscheidenden Augenblicke nicht Stand hielt. Die Verse 10—15 bilden somit eine förmliche Anklageschrift gegen Edom vor dem Tribunal der Geschichte, und das Edom ereilende Geschick wird als das Urteil des Weltenrichters über die von dem historischen Edom an seinem Bruder Jakob in Haß und Herzenshärte geübte Gewalt und Unmenschlichkeit verkündet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 9 und 10. מִקֶּטֶל, wegen, ganz ebenso wie das מֵחֲמַס אָחִיךָ יַעֲקֹב den Grund, und nicht das Mittel der Ausführung bezeichnet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 11. עֲמָדְךָ, du standest ruhig dabei, weit davon entfernt dem dir verwandten Volke zu helfen. Da aber die Feinde eindrangen in die Stadt, warst du wie der erste, wildeste, raubgierigste der Feinde. Das liegt in dem stat. constr. אֶחַד, nicht אֶחָד, der ohne Beifügung eines Genitivs stets eine Steigerung des Umfangs oder der Intensität bezeichnet.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 12. Das ראה ב' ist hier das teuflische Behagen an dem Leide des anderen
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 13. חֵיל. חֵילוֹ: Heer, materielle, sittliche und geistige Kraft, Vermögen. Da im V. 11 schon von der Gefangennahme des Heeres gesprochen war, so ist hier unter חֵילוֹ wohl der Besitz zu verstehen. — Die weibliche Form תִּשְׁלַחְנָה bezeichnet das gewaltthätige Edom, das in Wonne schwelgt über den Jammer seines Bruders, als das doch in Wahrheit schwache.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 16. כִּי כַּאֲשֶׁר שְׁתִיתֶם עַל הַר קָדְשִׁי: die Völker trinken den Geschickeskelch auf oder an Gottes heiligem Berge, ihr Geschick gestaltet sich nach ihrem Verhalten zu dem hier thronenden Gesetze. Die in diesem Gesetze enthaltenen, für die ganze Menschheit gültigen ewigen Normen des Rechtes, der Menschlichkeit und der Gesittung bilden den Maßstab, an dem die Daseinsberechtigung aller weltgeschichtlichen Gebilde gemessen wird. Was sich zu ihnen in Gegensatz stellt, geschweige denn was gerade auf ihrer Verleugnung sich erbaut, geht trotz aller zeitweiligen Macht zu Grunde. Der Untergang aller Weltreiche und die äußeren ihn herbeiführenden geschichtlichen Ursachen sind nichts als die Folge dieser inneren Verderbnis, dieses Gegensatzes zu jenen ewigen Normen. Eine Darlegung dieser Verhältnisse eröffnete in Wahrheit einen Einblick in den wirklichen Pragmatismus, d. i. in den ursächlichen Zusammenhang, in den Kernpunkt der weltgeschichtlichen Katastrophen. Das gilt von der Vergangenheit, das gilt nach den Worten unseres Propheten von aller Zukunft. — Da von den Völkern wie von den Einzelnen das Recht und die Menschlichkeit am leichtesten gegen die Schwächeren verletzt wird; in dem den politisch und wirtschaftlich Schwachen gegenüber bewiesenen Verhalten sich deshalb der Grad der Rechtsachtung und der Pflege der Humanität am unmittelbarsten ausspricht: so bildet das Verhalten der Völker und Staaten zu den in ihrer Mitte weilenden zerstreuten Söhnen des Jakobshauses, den Trägern des auf dem „heiligen Berge“ thronenden Gesetzes, zugleich den Gradmesser ihrer eigenen Gesittung.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 17. וּבְהַר צִיּוֹן תִּהְיֶה פְלֵיטָה: nur was sich auf Anerkennung und Verwirklichung jener ewigen Normen erbaut, hat eine Zukunft. — So wird Zion zum קֹדֶשׁ, d. h. zum Ausgangspunkt und Quell der Lebensheiligung. — מוֹרשׁ von מוֹרָשֵׁיהֶם masc., wie לְמוֹרַשׁ קִפֹּד Jes. 14, 23.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 18. Wenn erst in den Geistern und Gemütern der Menschen die Rechtsheiligung zum siegreichen Durchbruch gekommen ist, so verschwinden widerstandslos alle Prachtbauten und Machtstätten der Esau-Herrlichkeit von der Erde. Ein mächtiger Faktor zur Herbeiführung dieses Sieges der göttlichen Wahrheit ist aber das schwache Jakobshaus. Das von ihm getragene Licht wird für das Esau-Haus zum verzehrenden Feuer, das starke Esau wird dem schwachen Jakob gegenüber zu Stoppeln. — Eigentümlich ist, daß neben dem bereits alles umfassenden „Jakobshause“ noch besonders das „Haus Joseph“ genannt wird, das ja von jenem nur einen Teil bildet. Jenes wird als das Feuer, dieses als die von dem Feuer ausgehende Flamme bezeichnet. Das Haus Joseph bezeichnet fast immer den dem Gottesgesetze entfremdeten Teil des jüdischen Volkes, dessen Streben dahin ging, in die anderen Völker aufzugehn. Ist nun hier gesagt, daß auch in den anscheinend dem Judentume entfremdeten, unter die anderen Völkerfamilien gemischten Sprossen des Jakobshauses soviel von dem im Jakobshause gehegten „Gesetzesfeuer“ als Geist des Rechtes und der Liebe lebendig sein werde, daß sie sich inmitten der Esau-Gebilde schließlich als „Flamme“ erweisen werden? — Jedenfalls ist hier ausgesprochen, daß das edomitische Staatsprincip vollständig von dem Judentum und seinen Sprößlingen überwunden werden wird.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 19. הַנֶּגֶב: die Männer des Südens, der Süden von Palästina, also das damalige Juda, wird sich nach Osten ausdehnen, wird also Edom, und die Niederung im Westen auch das Land der Philister mit dem jüdischen Lande vereinigen, und ebenso wird der zu des Propheten Zeiten bereits verlorene nördliche Teil wieder in jüdischen Besitz kommen, und Benjamin wird Gilead besitzen. Die volle Aufhellung dieser Angaben wird wohl erst das Ziel der Tage bringen.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 20. חֵיל. וְגָלֻת הַחֵל הַזֶּה stat. constr. ohne das dazu gehörige Bestimmungswort im Genitiv. Ferner in höchst auffälliger Weise mit dem bestimmten Artikel und dem pron. demonstr. verbunden. Das setzt voraus, daß die durch den stat constr. dem Worte gegebene Beziehung dem bezeichneten Begriffe ein neues Merkmal gegeben hat, mit dem es als ein selbständiger einheitlicher Begriff gefaßt wird und deshalb den Artikel haben kann. Unter den verschiedenen Bedeutungen von חֵיל kann hier nur Heer gemeint sein, da es in Verbindung mit גָּלֻת, den aus der Heimat in die Verbannung Geführten, genannt wird. Der Prophet schaut also ein sichtbares Heer, das sich sofort als unselbständig, als im Dienste eines Heerführers stehend darstellt, der jedoch nicht bezeichnet, nicht geschaut wird. Dieses „sichtbare Heer des unsichtbaren Heerführers“ ist das herrlichste Bild für das seiner Bestimmung entgegenreifende Israel. Dieses „Heer“ wird in der Verbannung, im Exil sein. Es wird aber in Wahrheit לִבְנֵי יִשְׂרָאֵל, zu Söhnen Israels geworden sein. אֲשֶׁר כְּנַעֲנִים עַד צָרְפַת: die auch in der Verbannung ihre Herkunft nicht verleugnen, und an deren Herkunft aus Palästina von ihrer Umgebung nicht vergessen wird. כְּנַעֲנִי heißt auch Handelsmann, Krämer, vergl. Sech. 14, 21. Die wissenschaftliche Bestimmung der Namen צָרְפַת und סְפָרַד ist dunkel. Die Versuche, sie in ähnlich lautenden Städtenamen wiederzufinden, gehen weit auseinander und leiden an innerer Unwahrscheinlichkeit. Nach alter Überlieferung werden unter ihnen Frankreich und Spanien verstanden. Diese „werden die Städte des Südens in Besitz nehmen“. — Also: „die in die Verbannung Geführten dieses sichtbaren Heeres des unsichtbaren Heerführers, die den Söhnen Israels angehören, oder besser: die zu Söhnen Israels geworden sind, die als palästinensische Handelsleute wohnen bis nach Zarphath, und die in die Verbannung Geführten Jerusalems, welche in Sepharad, sie werden die Städte des Südens in Besitz nehmen“.
Kommentar (J. J. Hirsch)
V. 21. וְעָלוּ מוֹשִׁעִים וגו'. Von dem geographisch umgrenzten geschichtlichen Edomsgebiete erhebt sich der Prophetenblick wieder zu dem weltbeherrschenden Esau-Edom-Principe und der Höhe, die es bisher eingenommen. Diese wird dem „Berge Zion“ gegenüber als „Berg Esau“ bezeichnet. Und nun heißt es: diese überall als „nicht hieher gehörig“ betrachteten „Palästinenser“, diese „Handelsleute“, diese vermeintlichen „Schacherjuden“ — sie werden nicht als נוֹשָׁעִים, die Erlösten, sondern als מוֹשִׁיעִים, Hiphil, als die „Erlösung, Hülfe Bringenden“ auf den „Berg Zion“ hinaufziehen, d. i.: zur Zionshöhe ihrer Bestimmung sich erheben, um auf dem „Berge Esau“, d. i.: im Kreise der Brudermenschheit das Recht zur Herrschaft zu bringen, denn das heißt שָׁפַט. Dann wird aber nicht etwa ihnen, den Juden, sondern dann wird Gottes die Herrschaft sein. Der Tag ist angebrochen, Esau sieht ein, daß er Jakob in der langen Nacht verkannt hat, daß er nicht gewußt, wen er bekämpfe, er erkennt nunmehr in ihm „Jisra-El“ — der Kampf ist zu Ende zwischen den Brüdern, es gibt nur eine Höhe auf Erden, das ist die Zionshöhe, und es gibt nur ein Reich, das ist das Gottesreich. —