Ezra 10 עזרא

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1
וּכְהִתְפַּלֵּ֤ל עֶזְרָא֙ וּכְהִתְוַדֹּת֔וֹ בֹּכֶה֙ וּמִתְנַפֵּ֔ל לִפְנֵ֖י בֵּ֣ית הָאֱלֹהִ֑ים נִקְבְּצוּ֩ אֵלָ֨יו מִיִּשְׂרָאֵ֜ל קָהָ֣ל רַב־מְאֹ֗ד אֲנָשִׁ֤ים וְנָשִׁים֙ וִֽילָדִ֔ים כִּֽי־בָכ֥וּ הָעָ֖ם הַרְבֵּה־בֶֽכֶה׃ {פ}
BernfeldAls Esra so betete und bekannte, weinend hingestreckt vor dem Gotteshause, sammelten sich zu ihm aus Israel eine sehr zahlreiche Menge, Männer und Frauen und Kinder; das Volk weinte sehr stark mit.
ZunzUnd als Esra betete und bekannte, weinend hingestreckt vor dem Gotteshause, sammelten sich zu ihm aus Jisraél eine sehr zahlreiche Versammlung Männer und Weiber und Kinder; denn das Volk weinte sehr stark.
R. BreuerAls Esra so betete und bekannte, weinend hingestreckt vor dem Gotteshause, sammelten sich zu ihm aus Israel eine sehr zahlreiche Menge, Männer, Frauen und Kinder, denn es weinte das Volk ein großes Weinen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

Kap. 10. V. 1. Die Versammlung einer sehr zahlreichen Menge von Männern, Frauen und Kindern aus Israel um den betenden, bekennenden, weinend vor dem Gotteshause hingestreckten Esra wird mit dem großen Weinen des Volkes begründet. Volk und Menge kann somit nicht restlos identisch sein, vielmehr wird man unter Volk zunächst die Schar derer zu verstehen haben, die nach 9, 4 besorgt waren um die Worte des Gottes Israels wegen des Treubruchs der Exulanten und die sich um Esra schon versammelt hatten, als er unter dem ersten Eindruck der Kunde dieses Treubruchs mit allen Zeichen der Trauer niedergeschmettert dasaß bis zum Abendopfer. Auf die Schar dieser um das Gotteswort Besorgten, die Esra gesinnungs- und gefühlsmäßig am nächsten standen, wirkte Esras seelischer Zusammenbruch mit solch unmittelbarer Gewalt, daß ihre Tränen mit den seinigen sich vermischten: gleich ihm weinten auch sie ein großes Weinen. So wurden sie zur Brücke zwischen Esra und dem Volk. Der unendliche, alle Tiefen der Seele aufwühlende Schmerz, der sich in Esras Verhalten vor dem Gotteshause kundgab, übertrug sich durch Vermittlung dieser Nächststehenden auf die breiten Volksmassen, die, erst jetzt zu klarem Bewußtsein der eingerissenen Verirrung erwacht, in überaus zahlreicher Menge herbeiströmten, um an Esras Trauer und Schuldbekenntnis teilzunehmen.

2
וַיַּ֩עַן֩ שְׁכַנְיָ֨ה בֶן־יְחִיאֵ֜ל מִבְּנֵ֤י (עולם) [עֵילָם֙] וַיֹּ֣אמֶר לְעֶזְרָ֔א אֲנַ֙חְנוּ֙ מָעַ֣לְנוּ בֵאלֹהֵ֔ינוּ וַנֹּ֛שֶׁב נָשִׁ֥ים נׇכְרִיּ֖וֹת מֵעַמֵּ֣י הָאָ֑רֶץ וְעַתָּ֛ה יֵשׁ־מִקְוֶ֥ה לְיִשְׂרָאֵ֖ל עַל־זֹֽאת׃
BernfeldDa hub an Sechanja, Sohn Jehiel, von den Söhnen Elam, und sprach zu Efra: Wir sind untreu geworden unserm Gotte, dass wir heimgeführt fremde Frauen von den Völkern des Landes; aber es ist noch Hoffnung für Israel hierüber.
ZunzDa hub an Schechanjah, Sohn Jechiël, von den Söhnen Elam, und sprach zu Esra: Wir sind untreu geworden unserm Gotte, daß wir heimgeführt fremde Weiber von den Völkern des Landes; aber es ist noch Hoffnung für Jisraél hierüber.
R. BreuerDa hub an Schechanjah, Sohn Jechiels, von den Söhnen Elams, und sprach zu Esra: Wir sind untreu geworden unserem Gotte und haben heimgeführt fremde Frauen von den Völkern des Landes, aber es ist noch Hoffnung für Israel hierüber.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 2—4. Bevor Esra zum Volke auch nur ein Wort gesprochen hatte — bisher hatte er ja bloß zu Gott geredet — brach aus dem Volke selbst mit elementarer Gewalt der Wille zur Sühne der an Gott begangenen Untreue hervor. So groß war der Eindruck seines Betens, Bekennens und Weinens vor Gott. Die Reue des Volkes, als dessen Wortführer Schechanjah sich erhob, bevor Esra selbst zu den Versammelten ein Wort geredet hatte, war ein Triumph seiner Persönlichkeit, deren Größe nicht in der Meisterschaft der Handhabung agitatorischer und propagandistischer Künste, sondern in der Lauterkeit und Erfülltheit ihrer Seele von Gott und Gottes Thora sich weithin leuchtend, werbend und erwärmend kundgab. Nicht der Schriftgelehrte, Redner und Politiker Esra, sondern der betende, bekennende, weinend vor Gottes Heiligtum hingestreckte Esra hat das leuchtende Lehrwunder der Bekehrung und Heimführung seines Volkes zu Gott vollbracht. Mit tiefem Bedacht wird darum wohl im Talmud (Megilla 15a) von רב נחמן zum Beweis, daß Esra, der die Mischehen auflöste, mit Maleachi, der die Mischehen im 2. Kapitel seines Buches geißelt, identisch ist, auf unsern V. 2 hingewiesen und gesagt: ומאן אפריש נשים נכריות עזרא דכתיב ויען שכניה בן יחיאל וכו'. Es hätte doch viel näher gelegen, auf die weiter unten folgenden Verse 10f. hinzuweisen, wo Esra an das versammelte Volk einen flammenden Aufruf zur Auflösung der Mischehen ergehen läßt: אתם מעלתם ותשיבו נשים נכריות וכו' ועתה תנו תודה לד' וכו' והבדלו מעמי הארץ ומן הנשים הנכריות, statt auf V. 2 hinzuweisen, wo die Initiative zur Auflösung der Mischehen scheinbar nicht von Esra, sondern von Schechanja ausgeht. Indessen wirkte sich Esras Persönlichkeit in wahrhaft triumphierender Größe und Gewalt in den impulsiven Worten aus, mit welchen sich Schechanjah zum Organ des von Reue erfüllten, zur Sühne bereiten Volkes machte im Augenblick, als Esra selbst noch in seinem Gebete vor Gott weinend und bekennend versunken war.

„Wir sind untreu geworden unserem Gotte“, sprach Schechanjah. Aus diesem „Wir“ leuchtet das Gefühl der Verbundenheit, des „Arewuth“, der Gemeinbürgschaft und Verantwortlichkeit Aller in Israel für die Verfehlungen Einzelner hervor. Vgl. Sanhedrin 11a: ור"מ מהיכא גמיר לה משמואל הקטן ושמואל הקטן מהיכא גמיר לה משכניה בן יחיאל דכתיב ויען שכניה וכו' ושכניה בן יחיאל מהיכא גמיר לה מיהושע דכתיב ויאמר ה' אל יהושע קום לך למה זה אתה נופל על פניך חטא ישראל אמר לפניו רבש"ע מי חטא אמר לו וכי דילטור אני לך הטל גורלות ואיבעית אימא ממשה דכתיב עד אנה מאנתם. Wie Moses die Verirrung Einzelner beim Manna zu einer Verirrung des ganzen Volkes stempelt, wie in Josuas Tagen die Sünde Achans im Munde Gottes als die Sünde des gesamten Israels erscheint, so hat Schechanjah die Mischehen, durch die ein Teil des Volkes sich versündigte, als eine von Allen begangene und zu sühnende Untreue bezeichnet. Von Moses und Josua beginnend, sich fortsetzend bei Schechanjah ist so „Arewuth“ über שמואל הקטן und ר' מאיר (s. Talmud das.) in ununterbrochenem Erbgang in alle Zukunft, als das Fundament der nationalen Einheit des jüdischen Volkes, verpflanzt worden.

בעצת אדני in V. 3 wird von den alten Kommentaren auf Gott bezogen und in überaus seltsamer Weise unter dem „Rate meines Herrn“ das göttliche Verbot der Mischehe (לא תתחתן) verstanden. Einleuchtender dürfte es sein, es auf Esra zu beziehen und an die Maßnahmen zu denken, die nach dem Rate Esras und der um das Wort Gottes Besorgten (vgl. 9, 4) getroffen werden sollen, um die Auflösung der Mischehen durchzuführen. Ohnedies wird ja die Absicht, die zu treffenden Maßnahmen aus dem Geiste des Gotteswortes לא תתחתן herzuleiten, durch den energischen Nachsatz וכתורה יעשה deutlich genug betont.

Nun sollte gehandelt werden. Gebetet, bekannt und geweint hast du nun genug, Esra! Wir sind mit dir, steh auf und handle! Und Esra stand auf.

3
וְעַתָּ֣ה נִֽכְרׇת־בְּרִ֣ית לֵ֠אלֹהֵ֠ינוּ לְהוֹצִ֨יא כׇל־נָשִׁ֜ים וְהַנּוֹלָ֤ד מֵהֶם֙ בַּעֲצַ֣ת אֲדֹנָ֔י וְהַחֲרֵדִ֖ים בְּמִצְוַ֣ת אֱלֹהֵ֑ינוּ וְכַתּוֹרָ֖ה יֵעָשֶֽׂה׃ {פ}
BernfeldLasset uns jetzt einen Bund schließen mit unserm Gotte, fortzuschaffen alle Frauen und die von ihnen Geborenen, nach dem Beschluss meines Herrn und derer die fürchten das Gebot unseres Gottes; nach dem Gesetz soll geschehen.
ZunzUnd nun lasset uns einen Bund schließen mit unserm Gotte, fortzuschaffen alle Weiber und die von ihnen Geborenen, nach dem Beschluß des Herrn, und derer, die zittern vor dem Gebot unseres Gottes, und nach dem Gesetze soll geschehen.
R. BreuerLasset uns jetzt einen Bund schließen mit unserem Gotte, fortzuschaffen alle Frauen und die von ihnen Geborenen nach dem Rate meines Herrn und der um das Gebot unseres Gottes Besorgten. Gemäß dem Gesetze soll verfahren werden.
4
ק֛וּם כִּֽי־עָלֶ֥יךָ הַדָּבָ֖ר וַאֲנַ֣חְנוּ עִמָּ֑ךְ חֲזַ֖ק וַעֲשֵֽׂה׃ {פ}
BernfeldAuf, denn dir liegt die Sache ob, und wir sind mit dir; sei stark und richte aus!
ZunzAuf, denn dir liegt die Sache ob, und wir sind mit dir; sei stark und richte aus!
R. BreuerAuf, denn dir liegt die Sache ob, und wir sind mit dir; sei stark und handle!
5
וַיָּ֣קׇם עֶזְרָ֡א וַיַּשְׁבַּ֣ע אֶת־שָׂרֵי֩ הַכֹּהֲנִ֨ים הַלְוִיִּ֜ם וְכׇל־יִשְׂרָאֵ֗ל לַעֲשׂ֛וֹת כַּדָּבָ֥ר הַזֶּ֖ה וַיִּשָּׁבֵֽעוּ׃
BernfeldDa stand Esra auf und ließ die Oberen der Priester, der Leviten und von ganz Israel schwören, dass sie also tun wollen, und sie schworen.
ZunzDa stand Esra auf und ließ die Oberen der Priester, der Lewiim und von ganz Jisraél schwören, daß sie also thun, und sie schwuren.
R. BreuerDa stand Esra auf und ließ die Vornehmsten der Priester, der Leviten und ganz Israels schwören, daß sie also tun wollen, und sie schworen.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 5—6. Esras „Aufstehen“ vollzog sich in zwei Etappen: ויקם (V. 5), ויקם (V. 6). Nur zögernd richtete er sich auf aus seinem Schmerze. Zu überraschend, weil ganz unerwartet, war die Kunde von der plötzlichen Wandlung im Volke durch den Mund Schechanjahs an sein Ohr gedrungen. Er traute nicht recht. Wie, wenn Schechanjahs Rede nur der Ausdruck einer vorübergehenden Schamaufwallung war? Er mußte Gewißheit haben, daß der Wille zur Sühne, der aus dieser Rede klang, wirklich tief im Volke Wurzel geschlagen hatte, daß er echt und dauernd war. Darum war das erste, was er tat, als er langsam „aufstehend“ aus seiner Versunkenheit im Gebete zum Handeln sich erhob, daß er die Gemeinschaft Israels durch Vermittlung ihrer Vornehmsten in eine auf den Antrag Schechanjahs sich festlegende und zu seiner Ausführung feierlich sich verpflichtende Eidgenossenschaft sich verwandeln ließ, die schwören mußte, zu tun, wie Schechanjah geredet hatte. Und sie schworen. Erst nachdem dieser Eid geschworen war, stand Esra wirklich auf. Dem zögernden Aufstehen in V. 5 folgte nun das siegesgewisse, frohberuhigte Aufstehen in V. 6. Nun ging Esras תענית seinem Ende zu. Er verließ das Gotteshaus, um sich in das Gemach Jehochanans, des Sohnes Eljaschibs, zu begeben. Was tat er dort? Die heilige Schrift schweigt. Nur ahnen dürfen oder sollen wir, daß Esra, der die ganze Zeit über kein Brot gegessen und kein Wasser getrunken hatte und in dessen Gemüte die Trauer über das furchtbare Erlebnis noch immer nachzitterte, in Jehochanans Gemach von der erlittenen Mühsal seines schlimmsten Lebenstages Erholung gesucht und gefunden haben mochte. (Mit echt biblischer Präzision weiß auch hier die heilige Schrift mit dem, was sie verschweigt, nicht minder als mit dem, was sie verrät, Menschen und Situationen zu malen.)

6
וַיָּ֣קׇם עֶזְרָ֗א מִלִּפְנֵי֙ בֵּ֣ית הָֽאֱלֹהִ֔ים וַיֵּ֕לֶךְ אֶל־לִשְׁכַּ֖ת יְהוֹחָנָ֣ן בֶּן־אֶלְיָשִׁ֑יב וַיֵּ֣לֶךְ שָׁ֗ם לֶ֤חֶם לֹֽא־אָכַל֙ וּמַ֣יִם לֹֽא־שָׁתָ֔ה כִּ֥י מִתְאַבֵּ֖ל עַל־מַ֥עַל הַגּוֹלָֽה׃
BernfeldEsra stand auf vor dem Gotteshause und ging in das Gemach Johanans, Sohnes Eljasib; er ging dahin, ohne noch Brot gegessen und Wasser getrunken zu haben, immer trauernd wegen der Untreue der Exilanten.
ZunzUnd Esra stand auf vor dem Gotteshause und ging in das Gemach Jehochanan's, Sohnes Eljaschib, und er ging dahin ohne Brod zu essen und Wasser zu trinken, sondern trauernd wegen der Untreue der Weggeführten.
R. BreuerEsra stand auf vor dem Gotteshause und ging in das Gemach Jehochanans, des Sohnes Eljaschibs; er ging dahin, ohne noch Brot gegessen und Wasser getrunken zu haben, noch immer trauernd wegen der Untreue der Exulanten.
7
וַיַּעֲבִ֨ירוּ ק֜וֹל בִּיהוּדָ֣ה וִירֽוּשָׁלַ֗͏ִם לְכֹל֙ בְּנֵ֣י הַגּוֹלָ֔ה לְהִקָּבֵ֖ץ יְרוּשָׁלָֽ͏ִם׃
BernfeldUnd sie ließen einen Ruf ergehen in Judäa und Jerusalem an alle Söhne des Exils, dass sie sich versammeln in Jerusalem.
ZunzUnd sie ließen einen Ruf ergehen in Jehudah und Jeruschalajim an alle Söhne des Exils, daß sie sich versammeln in Jeruschalajim.
R. BreuerUnd sie ließen einen Ruf ergehen in Judäa und Jerusalem an alle Söhne des Exils, sich zu versammeln in Jerusalem.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 7—9. Die Einberufer der großen Volksversammlung waren die Vornehmsten und Ältesten des Volkes, die in V. 5 und 8 erwähnt werden. Alle Söhne des Exils mußten sich binnen drei Tagen in Jerusalem versammeln. Ihr vollzähliges Erscheinen wurde durch Androhung einer Konfiskation des ganzen Vermögens und Ausschließung der Nichterscheinenden aus der Volksgemeinschaft erzwungen. Vgl. Moed katan 16a: ומנלן דמפקרינן נכסיה דכתיב וכל אשר לא יבא וכו' Jebamoth 89b: מנין שהפקר ב"ד היה הפקר שנאמר וכל אשר לא יבא וכו'. Das ב"ד ist befugt, den Bann zu verhängen und Enteignung des Vermögens vorzunehmen, wenn es gilt, wie in den Tagen Esras, einer Anordnung, die im Interesse der Thoraerfüllung erlassen wurde, den entsprechenden Nachdruck zu verleihen.

Die so dringlich ergangene Einberufung verfehlte ihre Wirkung nicht. Das ganze Volk versammelte sich am 20. Kislew auf dem geräumigen Platze vor dem Gotteshause. Die Stimmung war erregt. Das Volk zitterte „wegen der Angelegenheit und wegen der Regengüsse“. Das klingt seltsam. Bedenkt man jedoch, daß in einem Lande, wo die Regenspende nichts alltägliches ist, sondern nur in bestimmten Regenzeiten immer wieder mit Spannung erwartet und als besonderes Gnadengeschenk des Himmels empfunden wird und bedenkt man ferner, daß einer Volksversammlung unter freiem Himmel nichts so störend abträglich ist, wie Regengüsse, die einen Massenaufenthalt im Freien zur Qual gestalten, dann wird man sich in die Stimmung der Versammelten hineinversetzen können, die unter strömendem Regen ausharren mußten, um den Ausgang der Sache abzuwarten, um derentwillen sie gerufen wurden.

8
וְכֹל֩ אֲשֶׁ֨ר לֹֽא־יָב֜וֹא לִשְׁלֹ֣שֶׁת הַיָּמִ֗ים כַּעֲצַ֤ת הַשָּׂרִים֙ וְהַזְּקֵנִ֔ים יׇחֳרַ֖ם כׇּל־רְכוּשׁ֑וֹ וְה֥וּא יִבָּדֵ֖ל מִקְּהַ֥ל הַגּוֹלָֽה׃ {פ}
BernfeldWer aber nicht kommen wird binnen drei Tagen, nach dem Beschluss der Oberen und der Ältesten, dessen ganze Habe soll gebannt werden, und er selbst ausgestoßen sein aus der Versammlung der Exilanten.
ZunzUnd wer nicht kommen wird binnen drei Tagen, nach dem Beschluß der Oberen und der Aeltesten, dessen ganze Habe soll gebannt werden, und er ausgestoßen seyn aus der Versammlung der Weggeführten.
R. BreuerWer aber nicht kommen wird binnen drei Tagen nach dem Beschluß der Vornehmsten und Ältesten, dessen ganze Habe soll dem Bann verfallen und er selbst ausgestoßen sein aus der Versammlung der Exulanten.
9
וַיִּקָּבְצ֣וּ כׇל־אַנְשֵֽׁי־יְהוּדָה֩ וּבִנְיָמִ֨ן ׀ יְרוּשָׁלַ֜͏ִם לִשְׁלֹ֣שֶׁת הַיָּמִ֗ים ה֛וּא חֹ֥דֶשׁ הַתְּשִׁיעִ֖י בְּעֶשְׂרִ֣ים בַּחֹ֑דֶשׁ וַיֵּשְׁב֣וּ כׇל־הָעָ֗ם בִּרְחוֹב֙ בֵּ֣ית הָאֱלֹהִ֔ים מַרְעִידִ֥ים עַל־הַדָּבָ֖ר וּמֵהַגְּשָׁמִֽים׃ {פ}
BernfeldEs versammelten sich alle Männer von Jehuda und Benjamin nach Jerusalem binnen drei Tagen, das war am zwanzigsten des neunten Monats; das ganze Volk saß auf dem Platze vor dem Gotteshause, zitternd wegen der Angelegenheit und wegen des Regens.
ZunzUnd es versammelten sich alle Männer von Jehudah und Binjamin nach Jeruschalajim binnen drei Tagen; das war im neunten Monat, am zwanzigsten des Monats; und das ganze Volk saß auf dem Platze vor dem Gotteshause, zitternd wegen der Angelegenheit und wegen des Regens.
R. BreuerEs versammelten sich alle Männer von Judäa und Benjamin nach Jerusalem binnen drei Tagen, das war am zwanzigsten des neunten Monats; das ganze Volk saß auf dem Platze vor dem Gotteshause, zitternd wegen der Angelegenheit und wegen der Regengüsse.
10
וַיָּ֨קׇם עֶזְרָ֤א הַכֹּהֵן֙ וַיֹּ֣אמֶר אֲלֵהֶ֔ם אַתֶּ֣ם מְעַלְתֶּ֔ם וַתֹּשִׁ֖יבוּ נָשִׁ֣ים נׇכְרִיּ֑וֹת לְהוֹסִ֖יף עַל־אַשְׁמַ֥ת יִשְׂרָאֵֽל׃
BernfeldDa stand der Priester Esra auf und sprach zu ihnen: Ihr habt untreu gehandelt und fremde Frauen heimgeführt, um die Schuld Israels zu mehren.
ZunzDa stand auf Esra, der Priester, und sprach zu ihnen: Ihr habt untreu gehandelt und fremde Weiber heimgeführt, um die Schuld Jisraél's zu mehren.
R. BreuerDa stand der Priester Esra auf und sprach zu ihnen: Ihr habt untreu gehandelt und fremde Frauen heimgeführt, um die Schuld Israels zu mehren.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 10—11. Als Kohen, als beispielgebender, wegweisender Führer seines Volkes ergreift Esra das Wort. Und was er zum Volke spricht, ist nichts anderes als eine kurze Zusammenfassung des Gefühlsausbruches, mit welchem 9, 6ff. betend, weinend, bekennend seine Seele sich entlud. Er spricht von der Sündenschuld früherer Zeiten, die durch den Treubruch der Mischehen eine unerhörte Steigerung erfahren habe. Es gibt nur einen Weg der Sühne: offenes Schuldbekenntnis, Wiedergutmachung des Treubruchs durch Wiederherstellung der Scheidewand gegen die Völker des Landes und Entlassung der fremden Frauen.

11
וְעַתָּ֗ה תְּנ֥וּ תוֹדָ֛ה לַיהֹוָ֥ה אֱלֹהֵֽי־אֲבֹתֵיכֶ֖ם וַעֲשׂ֣וּ רְצוֹנ֑וֹ וְהִבָּֽדְלוּ֙ מֵעַמֵּ֣י הָאָ֔רֶץ וּמִן־הַנָּשִׁ֖ים הַנׇּכְרִיּֽוֹת׃ {ס}
BernfeldSo legt denn ein Bekenntnis ab vor dem Herrn, dem Gott eurer Väter, und tut seinen Willen; scheidet euch von den Völkern des Landes und von den fremden Frauen.
ZunzSo gebet denn ein Bekenntniß dem Ewigen, dem Gott euerer Väter, und thut seinen Willen und scheidet euch von den Völkern des Landes und von den fremden Weibern.
R. BreuerSo legt denn ein Bekenntnis ab vor Gott, dem Gotte eurer Väter, und erfüllt seinen Willen; scheidet euch von den Völkern des Landes und von den fremden Frauen!
12
וַיַּֽעֲנ֧וּ כׇֽל־הַקָּהָ֛ל וַיֹּאמְר֖וּ ק֣וֹל גָּד֑וֹל כֵּ֛ן (כדבריך) [כִּדְבָרְךָ֥] עָלֵ֖ינוּ לַעֲשֽׂוֹת׃
BernfeldDie ganze Versammlung antwortete mit lauter Stimme: Wie du gesprochen hast, soll getan werden.
ZunzUnd die ganze Versammlung antwortete, und sie sprachen mit lauter Stimme: Also, wie deine Reden, soll von uns gethan werden.
R. BreuerDa antwortete die ganze Versammlung und sprach mit lauter Stimme: So wie du gesprochen hast, soll es uns obliegen zu tun.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 12—16. Die Versammlung erklärte sich mit lauter Stimme bereit, so zu tun, wie Esra verlangt hatte. Über die Modalitäten der Auflösung der Mischehen hatte Esra nichts verlauten lassen. Esra hatte die Notwendigkeit einer sofortigen Sühne des begangenen Treubruchs als eine so dringliche hingestellt, daß die Versammlung glauben mußte, Esras Wille sei, daß unverzüglich noch in dieser Versammlung unter strömendem Regen über den modus procedendi beraten und beschlossen werden möge. Hierzu erklärte sich die Versammlung im Hinblick auf die große Zahl der Versammelten, die Unerträglichkeit eines noch längeren Aufenthalts im Freien, die Unmöglichkeit einer Ausführung des Sühnewerkes von heute auf morgen und die große Zahl der aufzulösenden Mischehen außerstande. Die Versammlung schlug vor, daß Esra die Ausführung des Werkes den Vornehmen des Volkes übertragen möge, die bereits durch Esra auf die Ausführung vereidigt waren und die Versammlung einberufen hatten. (Vgl. V. 5 und 7.) Diese mögen sämtliche Mischeheleute, von den Ältesten und Richtern ihrer Stadt begleitet, auf bestimmte Termine vorladen und sie nicht eher entlassen, bis durch Auflösung ihrer Ehen Gottes Zornesglut besänftigt sei.

Gegen diesen Vorschlag (wann wäre eine jüdische Versammlung ohne Protest verlaufen?) protestierten Jonathan, der Sohn des Assahel, und Jachsejah, der Sohn des Thikwah, unter Assistenz Meschullams und des Leviten Schabthai. Worauf dieser Protest abzielte, wird nicht gesagt. Nach Raschi — עמדו על זאת לקנתר על דבר זה — war Streitsucht das Motiv dieses Protestes, wobei die Frage offen ist, ob der Protest das Sühnewerk als Ganzes oder bloß die vorgeschlagene Art seiner Ausführung verwarf. Uns will bedünken, daß die Absicht des Protestes aus V. 16 sich ergibt und die vier Protestierenden keine böswilligen Opponenten, sondern bloß — die klügsten Psychologen der Versammlung waren. Sie waren der Meinung, daß man viel rascher das gewünschte Ziel erreichen werde, wenn man statt der שרים, der Fürsten, der Vornehmsten des Volkes, אנשים ראשי האבות לבית אבתם einfache Männer aus dem Volke, die zu den Mischeheleuten in verwandtschaftlicher Beziehung stehen, mit der Ausführung des Sühnewerkes betrauen würde. Statt aus der ganzen Sache eine hochoffizielle Staatsaktion mit einem mächtigen Aufgebot von Fürsten, Ältesten und Richtern zu machen, wäre es doch im Interesse einer raschen Erledigung viel richtiger, die Auflösung der Mischehen zu einer persönlichen Familienangelegenheit aller an diesem Krebsschaden leidenden „Vaterhäuser“ zu erklären und die einzelnen „Stammeshäupter“ mit der Initiative zur Beseitigung dieses Krebsschadens zu betrauen. Die Meinung der Opponenten leuchtete der Versammlung ein, und es verfuhren so die Söhne des Exils. Ohne die offiziellen Führer des Volkes weiter zu bemühen, wandte sich Esra an die einzelnen Familienhäupter, die schon bald darauf, am 1. Tebeth, zu einer gemeinsamen Besprechung zusammenkamen.

13
אֲבָ֞ל הָעָ֥ם רָב֙ וְהָעֵ֣ת גְּשָׁמִ֔ים וְאֵ֥ין כֹּ֖חַ לַעֲמ֣וֹד בַּח֑וּץ וְהַמְּלָאכָ֗ה לֹֽא־לְי֤וֹם אֶחָד֙ וְלֹ֣א לִשְׁנַ֔יִם כִּֽי־הִרְבִּ֥ינוּ לִפְשֹׁ֖עַ בַּדָּבָ֥ר הַזֶּֽה׃
BernfeldAber das Volk ist zahlreich, und es ist Regenzeit, man kann nicht lange draußen stehen, auch ist das Werk nicht für einen Tag und nicht für zwei, denn unser viel haben gefrevelt in dieser Sache.
ZunzAber das Volk ist zahlreich, und es ist Regenzeit, und man hat nicht Kraft draußen zu stehen, und das Werk ist nicht für Einen Tag und nicht für zwei, denn unser viel haben gefrevelt in dieser Sache.
R. BreuerAber das Volk ist zahlreich, und es ist Regenzeit, und es ist unerträglich, draußen stehen zu bleiben, auch ist das Werk nicht für einen Tag und nicht für zwei, denn wir haben viel Verstöße begangen in dieser Sache.
14
יַֽעַמְדוּ־נָ֣א שָׂ֠רֵ֠ינוּ לְֽכׇל־הַקָּהָ֞ל וְכֹ֣ל ׀ אֲשֶׁ֣ר בֶּעָרֵ֗ינוּ הַהֹשִׁ֞יב נָשִׁ֤ים נׇכְרִיּוֹת֙ יָבֹא֙ לְעִתִּ֣ים מְזֻמָּנִ֔ים וְעִמָּהֶ֛ם זִקְנֵי־עִ֥יר וָעִ֖יר וְשֹׁפְטֶ֑יהָ עַ֠ד לְהָשִׁ֞יב חֲר֤וֹן אַף־אֱלֹהֵ֙ינוּ֙ מִמֶּ֔נּוּ עַ֖ד לַדָּבָ֥ר הַזֶּֽה׃ {ס}
BernfeldMan möge bestellen unsere Oberen für die ganze Versammlung, und jeder in unseren Städten, der fremde Frauen heimgeführt, soll zu bestimmten Zeiten kommen und mit ihnen die Ältesten jeder Stadt und ihre Richter, damit aufhören soll der Zorn unseres Gottes über uns wegen dieser Sache.
ZunzMan möge doch bestellen unsere Oberen für die ganze Versammlung, und jeder in unsern Städten, der fremde Weiber heimgeführt, soll zu bestimmten Zeiten kommen, und mit ihnen die Aeltesten jeglicher Stadt und ihre Richter, bis daß nachlassen wird die Zornglut unseres Gottes von uns wegen dieser Sache.
R. BreuerEs mögen doch unsere Oberen für die ganze Gemeinde eintreten, und jeder in unseren Städten, der fremde Frauen heimgeführt, soll zu bestimmten Zeiten kommen, und mit ihnen die Ältesten jeder Stadt und ihre Richter, damit aufhören soll die Zornesglut unseres Gottes über uns wegen dieser Sache.
15
אַ֣ךְ יוֹנָתָ֧ן בֶּן־עֲשָׂהאֵ֛ל וְיַחְזְיָ֥ה בֶן־תִּקְוָ֖ה עָמְד֣וּ עַל־זֹ֑את וּמְשֻׁלָּ֛ם וְשַׁבְּתַ֥י הַלֵּוִ֖י עֲזָרֻֽם׃
BernfeldInsbesondere Jonatan, Sohn Aßahël und Jahseja, Sohn Tikva, beharrten darauf, und Mesullam und Sabtai, der Levit, standen ihnen bei.
ZunzJedoch Jonatan, Sohn Aßahel, und Jachsejah, Sohn Tikwah, beharrten darauf, und Meschullam und Schabtai, der Lewi, standen ihnen bei.
R. BreuerJedoch Jonathan, der Sohn des Assahel, und Jachsejah, der Sohn des Thikwah, traten dagegen auf, und Meschullam und Schabthaj, der Levit, standen ihnen bei.
16
וַיַּֽעֲשׂוּ־כֵן֮ בְּנֵ֣י הַגּוֹלָה֒ וַיִּבָּדְלוּ֩ עֶזְרָ֨א הַכֹּהֵ֜ן אֲנָשִׁ֨ים רָאשֵׁ֧י הָאָב֛וֹת לְבֵ֥ית אֲבֹתָ֖ם וְכֻלָּ֣ם בְּשֵׁמ֑וֹת וַיֵּשְׁב֗וּ בְּי֤וֹם אֶחָד֙ לַחֹ֣דֶשׁ הָעֲשִׂירִ֔י לְדַרְי֖וֹשׁ הַדָּבָֽר׃
BernfeldEs taten also die Söhne des Exils, und es wurden durch den Priester Esra Männer gewählt, Häupter ihrer Stammhäuser, und zwar alle mit Namen [bestimmt]; sie setzten sich am ersten Tage des neunten Monats nieder, um die Sache zu untersuchen.
ZunzUnd es thaten also die Söhne des Exils, und es wurden ausgesondert: Esra, der Priester, (und) Männer, Häupter ihrer Stammhäuser, und zwar alle mit Namen (bestimmt) und sie setzten sich am ersten Tage des zehnten Monats, um die Sache zu untersuchen.
R. BreuerUnd so verfuhren die Söhne des Exils: Es wurden durch den Priester Esra Männer ausgesondert, Stammeshäupter nach ihrem Vaterhause, alle mit Namen bestimmt, und sie hielten eine Sitzung ab am ersten Tage des zehnten Monats, um die Sache zu untersuchen.
17
וַיְכַלּ֣וּ בַכֹּ֔ל אֲנָשִׁ֕ים הַהֹשִׁ֖יבוּ נָשִׁ֣ים נׇכְרִיּ֑וֹת עַ֛ד י֥וֹם אֶחָ֖ד לַחֹ֥דֶשׁ הָרִאשֽׁוֹן׃ {פ}
BernfeldSie vollendeten es an allen Männern, die fremde Frauen heimgeführt, bis zum ersten Tage des ersten Monats.
ZunzUnd sie vollendeten es an allen Männern, die fremde Weiber heimgeführt, bis zum ersten Tage des ersten Monats.
R. BreuerSie wurden vollkommen fertig mit den Männern, die fremde Frauen heimgeführt hatten, bis zum ersten Tage des ersten Monats.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 17—19. Die Auflösung der Mischehen ging glatt vonstatten. Am 1. Nissan war das Werk der Sühne vollendet. Es folgt nun ein Verzeichnis der Männer, die fremde Frauen heimgeführt hatten (V. 18—44): Eine Liste der Priestersöhne (V. 18—22), der Leviten (V. 23—24), der Laien (V. 25—43). Unter den Priestersöhnen befanden sich vier, die in V. 18 genannten, die zur Sühne ihrer Verschuldung einen Widder als Schuldopfer darbringen mußten. Im Talmud (Kerithuth 11a) überliefert רב חסדא, was es mit diesem Schuldopfer für eine Bewandtnis hatte: מלמד שכולן שפחות חרופות בעלו, sie hatten Frauen beigewohnt, die „angetraute Sklavinnen“ waren und damit einen Ehebruch begangen, der nach Lev. 19, 21 durch Darbringung eines Schuldopferwidders zu sühnen war. Wenn Raschi hier z. St. bemerkt: הוראת שעה היתה, daß die Schuldopferdarbringung ungesetzlich war und nur einer momentanen Aufhebung des Gesetzes durch die hierzu befugte Behörde entsprang, so wird dieser Widerspruch mit der Überlieferung des רב חסדא vom Malbim mit dem Hinweis darauf gelöst, daß Raschi hierbei לשיטתו, nur seiner in Gittin 36 ausgesprochenen Meinung folgt, daß zur Zeit des zweiten Tempels die Jobelzählung nicht stattfand: Da nun ein ibrischer Sklave nur zur Zeit der Jobelzählung möglich und im Sinne der Halachah unter שפחה חרופה eine einem ibrischen Sklaven angetraute Sklavin zu verstehen ist, so kann im Sinne Raschis die Überlieferung des רב חסדא nur der nicht rezipierten Meinung entsprechen, die unter שפחה חרופה eine einem heidnischen Sklaven angetraute Sklavin versteht, und es ist daher klar, warum Raschi die Schuldopferdarbringung hier als הוראת שעה bezeichnet. Als Motiv dieser הוראת שעה wird man wohl die Notwendigkeit erachten dürfen, zu einer Zeit, in der die geschlossenen Mischehen den Geist geschlechtlicher Ungebundenheit in weite Kreise des Volkes hineingetragen hatten, die in dem שפחה חרופה-Gesetz mit besonderer Eindringlichkeit sich aussprechende Heiligkeit des Geschlechtslebens (s. Komm. das.) durch den sinnfälligen Akt einer demonstrativen Opferdarbringung dem Volke einzuprägen.

18
וַיִּמָּצֵא֙ מִבְּנֵ֣י הַכֹּהֲנִ֔ים אֲשֶׁ֥ר הֹשִׁ֖יבוּ נָשִׁ֣ים נׇכְרִיּ֑וֹת מִבְּנֵ֨י יֵשׁ֤וּעַ בֶּן־יֽוֹצָדָק֙ וְאֶחָ֔יו מַֽעֲשֵׂיָה֙ וֶֽאֱלִיעֶ֔זֶר וְיָרִ֖יב וּגְדַלְיָֽה׃
BernfeldEs fanden sich von den Söhnen der Priester, die fremde Frauen heimgeführt, von den Söhnen Jesua, Sohnes Jozadak und seinen Brüdern: Maaßeja, Elieser, Jarib und Gedalja.
ZunzUnd es fanden sich von den Söhnen der Priester, die fremde Weiber heimgeführt, von den Söhnen Jeschua, Sohnes Jozadak und seinen Brüdern: Maaßejah und Elieser und Jarib und Gedaljah.
R. BreuerEs fanden sich von den Söhnen der Priester, die fremde Frauen heimgeführt hatten, von den Söhnen Jesuas, des Sohnes Jozadaks, und seinen Brüdern: Maassejah, Elieser, Jarib und Gedaljah.
19
וַיִּתְּנ֥וּ יָדָ֖ם לְהוֹצִ֣יא נְשֵׁיהֶ֑ם וַאֲשֵׁמִ֥ים אֵֽיל־צֹ֖אן עַל־אַשְׁמָתָֽם׃ {ס}
BernfeldSie gaben ihre Hand darauf, fortzuschaffen ihre Frauen, und einen Widder zu büßen ob ihrer Schuld.
ZunzUnd sie gaben ihre Hand darauf, fortzuschaffen ihre Weiber, und die Schuldigen einen Widder ob ihrer Schuld.
R. BreuerSie gaben ihre Hand darauf, hinauszuweisen ihre Frauen, und sie wurden eines Widders für schuldig erachtet wegen ihrer Verschuldung.
20
וּמִבְּנֵ֣י אִמֵּ֔ר חֲנָ֖נִי וּזְבַדְיָֽה׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Immer: Hanani und Sebadja.
ZunzUnd von den Söhnen Immer: Chanani und Sebadjah.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Immer: Chanani und Sebadjah.
21
וּמִבְּנֵ֖י חָרִ֑ם מַעֲשֵׂיָ֤ה וְאֵֽלִיָּה֙ וּֽשְׁמַֽעְיָ֔ה וִיחִיאֵ֖ל וְעֻזִּיָּֽה׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Harim: Maaßeja, Elija, Semaja, Jehiël und Usija.
ZunzUnd von den Söhnen Charim: Maasejah und Elijah und Schemajah und Jechiël und Usijah.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Charim: Maassejah, Elijah, Schemajah, Jechiel und Usijah.
22
וּמִבְּנֵ֖י פַּשְׁח֑וּר אֶלְיוֹעֵינַ֤י מַֽעֲשֵׂיָה֙ יִשְׁמָעֵ֣אל נְתַנְאֵ֔ל יוֹזָבָ֖ד וְאֶלְעָשָֽׂה׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Pashur: Eljoënai, Maaßeja, Ismaël, Natanael, Josabad und Elaßa.
ZunzUnd von den Söhnen Paschchur: Eljoënai, Maaßejah, Jischmaël, Netanel, Josabad und Elaßah.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Paschchur: Eljoenaj, Maassejah, Jischmael, Nethanel, Josabad und Elassah.
23
וּמִֽן־הַלְוִיִּ֑ם יוֹזָבָ֣ד וְשִׁמְעִ֗י וְקֵֽלָיָה֙ ה֣וּא קְלִיטָ֔א פְּתַֽחְיָ֥ה יְהוּדָ֖ה וֶאֱלִיעֶֽזֶר׃ {ס}
BernfeldVon den Leviten: Josabad, Simëi und Kelaja, das ist Kelita, Petahja, Jehuda und Elieser.
ZunzUnd von den Lewiim: Josabad und Schimëi und Kelajah, das ist Kelita, Petachjah, Jehudah und Elieser.
R. BreuerUnd von den Leviten: Josabad, Schimei, Kelajah, das ist Kelita, Pethachjah, Jehudah und Elieser.
24
וּמִן־הַמְשֹׁרְרִ֖ים אֶלְיָשִׁ֑יב וּמִן־הַשֹּׁ֣עֲרִ֔ים שַׁלֻּ֥ם וָטֶ֖לֶם וְאוּרִֽי׃ {ס}
BernfeldVon den Sängern: Eljasib; von den Pförtnern: Sallum, Telem und Uri.
ZunzUnd von den Sängern: Eljaschib; und von den Pförtnern: Schallum und Telem und Uri.
R. BreuerUnd von den Sängern: Eljaschib; von den Pförtnern: Schallum, Telem und Uri.
25
וּמִֽיִּשְׂרָאֵ֑ל מִבְּנֵ֣י פַרְעֹ֡שׁ רַ֠מְיָ֠ה וְיִזִּיָּ֤ה וּמַלְכִּיָּה֙ וּמִיָּמִ֣ן וְאֶלְעָזָ֔ר וּמַלְכִּיָּ֖ה וּבְנָיָֽה׃ {ס}
BernfeldVon Israel, von den Söhnen Paros: Ramja, Jisija, Malkija, Mijamin, Elasar, Malkija und Benaja.
ZunzUnd von Jisraël, von den Söhnen Parosch: Ramjah und Jisijah und Malkijah und Mijamin und Elasar und Malkijah und Benajah.
R. BreuerUnd von Israel: Von den Söhnen des Parosch: Ramjah, Jisijah, Malkijah, Mijamin, Eleasar, Malkijah und Benajah.
26
וּמִבְּנֵ֖י עֵילָ֑ם מַתַּנְיָ֤ה זְכַרְיָה֙ וִיחִיאֵ֣ל וְעַבְדִּ֔י וִירֵמ֖וֹת וְאֵלִיָּֽה׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Elam. Mattanja, Sacharja, Jechiel, Abdi, Jeremot und Elija.
ZunzUnd von den Söhnen Elam: Mattanjah, Secharjah und Jechiel und Abdi und Jeremot und Elijah.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Elam: Mathanjah, Secharjah, Jechiel, Abdi, Jeremoth und Elijah.
27
וּמִבְּנֵ֖י זַתּ֑וּא אֶלְיוֹעֵנַ֤י אֶלְיָשִׁיב֙ מַתַּנְיָ֣ה וִֽירֵמ֔וֹת וְזָבָ֖ד וַעֲזִיזָֽא׃ {ס}
BernfeldUnd von den Söhnen Sattu: Eljoenai, Eljasib, Mattanja, Jeremot, Sabad und Asisa.
ZunzUnd von den Söhnen Sattu: Eljoénai, Eljaschib, Mattanjah und Jeremot und Sabad und Asisa.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Sathu: Eljoenaj, Eljaschib, Mathanjah, Jeremoth, Sabad und Asisa.
28
וּמִבְּנֵ֖י בֵּבָ֑י יְהוֹחָנָ֥ן חֲנַנְיָ֖ה זַבַּ֥י עַתְלָֽי׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Bebai: Johanan, Hananja, Sabbai, Atlai.
ZunzUnd von den Söhnen Bebai: Jehochanan, Chananjah, Sabbai, Atlai.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Bebaj: Jehochanan, Chananjah, Sabbai, Athlaj.
29
וּמִבְּנֵ֖י בָּנִ֑י מְשֻׁלָּ֤ם מַלּוּךְ֙ וַעֲדָיָ֔ה יָשׁ֖וּב וּשְׁאָ֥ל (ירמות) [וְרָמֽוֹת]׃ {ס}
BernfeldVon den Sohnen Bani: Mesullam, Malluch, Adaja, Jasub, Seal und Ramot.
ZunzUnd von den Söhnen Bani: Meschullam, Malluch und Adajah, Jaschub und Scheal und Ramot.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Bani: Meschullam, Malluch, Adajah, Jaschub, Scheal und Ramoth.
30
וּמִבְּנֵ֛י פַּחַ֥ת מוֹאָ֖ב עַדְנָ֣א וּכְלָ֑ל בְּנָיָ֤ה מַעֲשֵׂיָה֙ מַתַּנְיָ֣ה בְצַלְאֵ֔ל וּבִנּ֖וּי וּמְנַשֶּֽׁה׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Pahat-Moab: Adna und Kelal, Benaja, Maaßeja, Matanja, Bezalel, Binnuj und Manasse.
ZunzUnd von den Söhnen Pachat Moab: Adna und Kelal, Benajah, Maaßejah, Mattanjah, Bezalel und Binnuj und Menascheh.
R. BreuerUnd von den Söhnen des Pachath-Moab: Adna, Kelal, Benajah, Maassejah, Mathanjah, Bezalel, Binnuj und Menascheh.
31
וּבְנֵ֖י חָרִ֑ם אֱלִיעֶ֧זֶר יִשִּׁיָּ֛ה מַלְכִּיָּ֖ה שְׁמַֽעְיָ֥ה שִׁמְעֽוֹן׃ {ס}
BernfeldDie Söhne Harim: Elisser, Jisija, Malkija, Semaja, Simeon.
ZunzUnd die Söhne Charim: Elieser, Jischijah, Malkijah, Schemajah, Schimeon,
R. BreuerUnd die Söhne des Charim: Elieser, Jischijah, Malkijah, Schemajah, Schimeon.
32
בִּנְיָמִ֥ן מַלּ֖וּךְ שְׁמַרְיָֽה׃ {ס}
BernfeldBenjamin, Malluch, Semarja.
ZunzBinjamin, Malluch, Schemarjah.
R. BreuerBenjamin, Malluch, Schemarjah.
33
מִבְּנֵ֖י חָשֻׁ֑ם מַתְּנַ֤י מַתַּתָּה֙ זָבָ֣ד אֱלִיפֶ֔לֶט יְרֵמַ֥י מְנַשֶּׁ֖ה שִׁמְעִֽי׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Hasum: Matnai, Mattatta, Sabad, Elifelet, Jeremai, Manasse, Simëi.
ZunzVon den Söhnen Chaschum: Matnai, Mattattah, Sabad, Elifelet, Jeremai, Menascheh, Schimëi.
R. BreuerVon den Söhnen des Chaschum: Mathnaj, Mathathah, Sabad, Eliphelet, Jeremaj, Menascheh, Schimei.
34
מִבְּנֵ֣י בָנִ֔י מַעֲדַ֥י עַמְרָ֖ם וְאוּאֵֽל׃ {ס}
BernfeldVon den Söhnen Bani: Maadai, Amram und Uël.
ZunzVon den Söhnen Bani: Maadai, Amram und Uël,
R. BreuerVon den Söhnen des Bani: Maadaj, Amram und Uel.
35
בְּנָיָ֥ה בֵדְיָ֖ה (כלוהי) [כְּלֽוּהוּ]׃ {ס}
BernfeldBenaja, Bedeja, Keluhn,
ZunzBenajah, Bedjah, Kelhu,
R. BreuerBenajah, Bedajah, Keluhu.
36
וַנְיָ֥ה מְרֵמ֖וֹת אֶלְיָשִֽׁיב׃ {ס}
BernfeldWanja, Meremot, Eljasib,
ZunzWanjah, Meremot, Eljaschib,
R. BreuerWanjah, Meremoth, Eljaschib.
37
מַתַּנְיָ֥ה מַתְּנַ֖י (ויעשו) [וְיַעֲשָֽׂי]׃ {ס}
BernfeldMattanja, Matnai und Jaaßai.
ZunzMattanjah, Matnai und Jaaßai.
R. BreuerMathanjah, Mathnaj und Jaassaj.
38
וּבָנִ֥י וּבִנּ֖וּי שִׁמְעִֽי׃ {ס}
BernfeldBani, Binnuj, Simëi,
ZunzUnd Bani und Binnuj, Schimëi,
R. BreuerBani, Binnuj, Schimei.
39
וְשֶֽׁלֶמְיָ֥ה וְנָתָ֖ן וַעֲדָיָֽה׃ {ס}
BernfeldSelemja, Natan und Adaja,
ZunzUnd Schelemjah und Natan und Adajah,
R. BreuerSchelemjah, Nathan und Adajah.
40
מַכְנַדְבַ֥י שָׁשַׁ֖י שָׁרָֽי׃ {ס}
BernfeldMachnadbai, Sasai, Sarai,
ZunzMachnadbai, Schaschai, Scharai,
R. BreuerMachnadbaj, Schaschaj, Scharaj.
41
עֲזַרְאֵ֥ל וְשֶׁלֶמְיָ֖הוּ שְׁמַרְיָֽה׃ {ס}
BernfeldAsarel und Selemja, Semarja,
ZunzAsarel und Schelemjahu, Schemarjah,
R. BreuerAsarel, Schelemjahu, Schemarjah.
42
שַׁלּ֥וּם אֲמַרְיָ֖ה יוֹסֵֽף׃ {ס}
BernfeldSallum, Amarja, Josef.
ZunzSchallum, Amarjah, Josef.
R. BreuerSchallum, Amarjah, Joseph.
43
מִבְּנֵ֖י נְב֑וֹ יְעִיאֵ֤ל מַתִּתְיָה֙ זָבָ֣ד זְבִינָ֔א (ידו) [יַדַּ֥י] וְיוֹאֵ֖ל בְּנָיָֽה׃
BernfeldVon den Söhnen Nebo; Jëiël, Mattitja, Sabad, Sebina, Jaddai, Joël und Benaja.
ZunzVon den Söhnen Rebo: Jeïël, Mattitjah, Sabad, Sebina, Jaddai und Joël, Benajah.
R. BreuerVon den Söhnen des Nebo: Jeiel, Mathithjah, Sebad, Sebina, Jaddai, Joel, Benajah.
44
כׇּל־אֵ֕לֶּה (נשאי) [נָשְׂא֖וּ] נָשִׁ֣ים נׇכְרִיּ֑וֹת וְיֵ֣שׁ מֵהֶ֣ם נָשִׁ֔ים וַיָּשִׂ֖ימוּ בָּנִֽים׃ {פ}
BernfeldAll diese hatten fremde Frauen genommen, und manche von ihnen hatten Frauen, mit denen sie Kinder zeugten.
ZunzAll diese hatten fremde Weiber genommen, und manche von ihnen Weiber, mit denen sie Kinder zeugten.
R. BreuerAlle diese hatten fremde Frauen geheiratet, und manche von ihnen hatten Frauen, mit welchen sie Kinder zeugten.
Kommentar (R. Breuer)
Kommentar von Rabbiner Raphael Breuer

V. 44. Kurz und schroff bricht die Erzählung ab, so kurz und schroff, wie die Beziehungen zu den fremden Frauen abgebrochen wurden, auch zu denen, die ihren Männern Kinder geboren hatten. — Ihren Männern Kinder geboren hatten? Nein! ויש מהם, manche von ihnen, manche von diesen Männern — das Prädikat נשאו wird unterdrückt, um das Schamlose dieser Ehen schamvoll zu verschweigen — hatten Frauen, die wohl Kinder zur Welt brachten, aber diese Kinder waren keine jüdischen Kinder, sie wurden nicht ihnen, den jüdischen Männern, geboren, es waren Geburten, über denen von Anbeginn der unheilige Geist geschlechtlicher Sinnlichkeit schwebte —: וישימו בנים sie legten diese Kinder hin, dem Zwang der Physis gehorchend, wie ein Tierweibchen seine Jungen gebiert — und es war darum nur die natürliche Folge ihrer jüdischen Selbstbesinnung, wenn diese jüdischen Männer bei der Auflösung ihrer Ehen mit den heidnischen Frauen auch von ihren heidnischen Kindern sich lossagten.