Die Torah - Die fünf Bücher Mose

Buch: Kapitel: Vers:
Hebräischer Text (nach der Masorah)
אָֽנֹכִ֖י֙ יְהֹוָ֣ה אֱלֹהֶ֑֔יךָ אֲשֶׁ֧ר הוֹצֵאתִ֛יךָ מֵאֶ֥רֶץ מִצְרַ֖יִם מִבֵּ֣֥ית עֲבָדִ֑͏ֽים׃
Deutsche Übersetzung (Samson Raphael Hirsch)
Ich, ד׳, sei dein Gott, der ich dich aus dem Lande Mizrajim, aus dem Sklavenhause hinausgeführt.
Onkelos
אֲנָא יְיָ אֱלָהָךְ דִי אַפֵּיקְתָּךְ מֵאַרְעָא דְמִצְרַיִם מִבֵּית עַבְדוּתָא:
Raschi
אשר הוצאתיך מארץ מצרים. כְּדַאי הִיא הַהוֹצָאָה שֶׁתִּהְיוּ מְשֻׁעְבָּדִים לִי; דָּ"אַ, לְפִי שֶׁנִּגְלָה בַיָּם כְּגִבּוֹר מִלְחָמָה וְנִגְלָה כָּאן כְּזָקֵן מָלֵא רַחֲמִים, – שֶׁנֶּאֱמַר וְתַחַת רַגְלָיו כְּמַעֲשֵׂה לִבְנַת הַסַּפִּיר (שמות כ"ד), זוֹ הָיְתָה לְפָנָיו בִּשְׁעַת הַשִּׁעְבּוּד, וּכְעֶצֶם הַשָּׁמַיִם, מִשֶּׁנִּגְאֲלוּ – הוֹאִיל וַאֲנִי מִשְׁתַּנֶּה בְמַרְאוֹת, אַל תֹּאמְרוּ שְׁתֵּי רָשׁוּיוֹת הֵן, אָנֹכִי הוּא אֲשֶׁר הוֹצֵאתִיךָ מִמִּצְרַיִם וְעַל הַיָּם. דָּ"אַ לְפִי שֶׁהָיוּ שוֹמְעִין קוֹלוֹת הַרְבֵּה, שֶׁנֶּאֱמַר אֶת הַקּוֹלֹת – קוֹלוֹת בָּאִין מֵאַרְבַּע רוּחוֹת וּמִן הַשָּׁמַיִם וּמִן הָאָרֶץ – אַל תֹּאמְרוּ רָשׁוּיוֹת הַרְבֵּה הֵן; וְלָמָה אָמַר לְשׁוֹן יָחִיד אֱלֹהֶיךָ? לִתֵּן פִּתְחוֹן פֶּה לְמֹשֶׁה לְלַמֵּד סָנֵגוֹרְיָא בְּמַעֲשֵׂה הָעֵגֶל, וְזֶה שֶׁאָמַר לָמָה ה' יֶחֱרֶה אַפְּךָ בְּעַמֶּךָ – לֹא לָהֶם צִוִּיתָ לֹא יִהְיֶה לָכֶם אֱלֹהִים אֲחֵרִים אֶלָּא לִי לְבַדִּי (שמות רבה): מבית העבדים. מִבֵּית פַּרְעֹה שֶׁהֱיִיתֶם עֲבָדִים לוֹ, אוֹ אֵינוֹ אוֹמֵר אֶלָּא מִבֵּית עֲבָדִים שֶׁהָיוּ עֲבָדִים לַעֲבָדִים? תַּ"לֹ וַיִּפְדְּךָ מִבֵּית עֲבָדִים מִיַּד פַּרְעֹה מֶלֶךְ מִצְרָיִם (דברים ז'), אֱמֹר מֵעַתָּה עֲבָדִים לַמֶּלֶךְ הָיוּ וְלֹא עֲבָדִים לַעֲבָדִים (מכילתא):
Kommentar von R. Samson Raphael Hirsch
V. 2. אנכי, wir haben schon wiederholt auf die feine Nuance hingewiesen, die אנכי und אני, insbesondere in der Rede Gottes unterscheidet. Während אני die redende Person mehr im Gegensatz zu der angeredeten, als diejenige bezeichnet, von welcher — אנה — ein Wort oder eine Wirkung ausgeht, kündet אנכי den Redenden als diejenige Persönlichkeit an, die der angeredeten innig nahe ist, die sie umfasst und trägt und hält, durch deren Persönlichkeit erst auch die angeredete in Wahrheit ihr persönliches Dasein, ihren Halt und Boden gewinnt. Nichts ist überwältigender als der Gedanke, wie hier mitten in dem Aufruhr und aus dem Aufruhr des in seinen Grundfesten erschütterten Weltalls, Gott sich als die einzige, wirkliche, absolute Persönlichkeit, als das אנכי im Weltall ausspricht, durch welches erst alles andere Sein Möglichkeit und Wirklichkeit erhält, und sich sofort zu dem einzelnen jüdischen Menschen wendet und spricht, ich bin dein אנכי ד׳ אלקיך :אנכי. Indem dieser Satz nicht als eine Aussage, sondern als מצוה, als ein Gebot gefasst wird, spricht er nicht aus: Ich, ד׳, bin dein Gott, sondern: Ich, ד׳, soll dein Gott sein, und setzt damit als Fundament unserer ganzen Beziehung zu Gott jene Anforderung, die die Weisen unter dem Ausdruck קבלת עול מלכות שמים begreifen. Der sogenannte "Glaube an das Dasein Gottes", wie alte und moderne Religionsphilosophien diesen Begriff auszusprechen pflegen, ist noch um Himmelsweiten von dem ferne, was dieser Fundamentalsatz des jüdischen Denkens und Seins vom jüdischen Denken und Sein erwartet. Nicht, daß es überhaupt einen Gott gebe, auch nicht, daß es nur einen Gott gebe, sondern daß dieser eine, einzige, wahrhaftige Gott mein Gott sei, daß Er mich geschaffen und gebildet, dahin gestellt und verpflichtet, und mich schaffe und bilde, erhalte, überwache, lenke und leite, daß ich mit ihm nicht nur in zehntausendster Vermittlung als zufälliges Produkt des Universums zusammenhänge, dessen allererste Urursache Er vor Äonen gewesen, sondern: daß jeder gegenwärtige Atemzug und jeder kommende Augenblick meines Daseins ein unmittelbares Geschenk seiner Allmacht und Liebe sei und ich jeden gegenwärtigen und kommenden Moment meines Daseins nur in Seinem Dienste zu verleben habe, — kurz: nicht die Erkenntnis Gottes, sondern die Anerkenntnis Gottes als meines Gottes, als des ausschließlich einzigen Lenkers aller meiner Geschicke und als des ausschließlich einzigen Leiters aller meiner Taten, erst dies ist die Wahrheit, mit deren Zugrundelegung ich den Boden eines jüdischen Daseins gewinne. Der Anforderung: אנכי ד׳ אלקיך entspricht nur die Erwiderung: !אתה אלקי Als Begründungstatsache für diese anzuerkennende Fundamentalwahrheit, daß Gott der ausschließlich einzige Lenker unserer Geschicke und der ausschließlich einzige Leiter unserer Taten, daß Gott unser Gott sei, werden wir auf jenes von uns selbst erlebte Fundamentalfaktum der Erlösung aus Mizrajim hingewiesen, und dies eben in zwei Momenten vergegenwärtigt: אשר הוצאתיך מארץ מצרים und: מבית עבדים, wovon das eine Gott als den Lenker unserer Geschicke offenbarte und das andere die Hörigkeit und Hingebung all unserer Tatkraft an seine ausschließliche Leitung begründet. ארץ מצרים, den Gipfel menschengewaltiger Staatskunst und die reichste Fülle von der Menschengewalt dienenden Naturkräften repräsentiert der Staat und das Land, das uns mit seinen Fesseln umfangen findet. Menschengewalt und Naturkraft brechend und nach seinem Willen frei umwandelnd und vernichtend, Menschentrotz und Naturvergötterung richtend, Tyrannei zerschmetternd, und die hilfloseste, mit Füßen getretene Unschuld, Verheißung erfüllend, rettend emporhebend, kurz: mit seiner, Menschengeschicke gestaltenden, unmittelbar in die irdischen Verhältnisse eingreifenden, allgegenwärtigen, allmächtigen, richtenden und liebenden Lenkung hat Gott sich durch unsere Erlösung, unsere "Hinausführung aus dem Lande Mizrajim" für ewig in unser Bewusstsein eingeschrieben, und, der zu uns sprechen konnte: אשר הוצאתיך מארץ מצרים, Den haben wir für alle Zeiten und für alle Verhältnisse als den ausschließlichen Lenker unserer Geschicke anzuerkennen. מבית עבדים. Wir haben schon zu (Kap. 13, 3) bemerkt, wie בית עבדים Mizrajim als eine Stätte bezeichnet, in welcher wir geborne Sklaven waren, wo somit bereits die Tatsache gewaltsamer Freiheitsberaubung aus der zeitgenössischen Erinnerung völlig geschwunden und Sklaventum als unser natürlicher Stand betrachtet war. Die Erinnerung hieran ruft uns ins Bewusstsein, wie völlig unser sozialer Untergang vollzogen war, als Gott uns zur Freiheit und Selbständigkeit hinausrief. Aus dieser Tatsache fließt unsere gänzliche und ganz besondere Hörigkeit an Gott. Wir haben Kopf und Herz und Hand, haben Persönlichkeit und die Rechtsfähigkeit selbständig Güter zu erwerben, zu besitzen, zu verwenden, sowie die Güter selbst nur aus Gottes Händen erhalten, und darum hat Er und Er allein über unsere Personen und Güter zu verfügen, stehen wir mit unserer Person, unsern Kräften und Gütern ganz allein in seinem Dienste, haben Person, Kraft und Gut nur in seinem Dienste zu verwenden, haben ihn allein als den Leiter unserer Handlungen anzuerkennen. Nur diese gänzliche Hingebung an Gott hat uns von den Menschen frei gemacht, nur unter dieser Bedingung sind wir frei geworden und sind wir frei. Während andere Menschen und Völker nur mit ihrem geschöpflichen Dasein Gott verpflichtet sind, sind wir es auch mit unserm geschichtlichen, sozialen. Wir sind unmittelbar aus עבדות פרעה in עבודת ד׳ übergegangen, und: אני עבדך בן אמתך פתחת למוסרי dein geborner Sklave; denn du hast meine Bande gelüftet!"
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