Die Torah - Die fünf Bücher Mose
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Hebräischer Text (nach der Masorah)
וַיִּבְרָ֨א אֱלֹהִ֤ים ׀ אֶת־הָֽאָדָם֙ בְּצַלְמ֔וֹ בְּצֶ֥לֶם אֱלֹהִ֖ים בָּרָ֣א אֹת֑וֹ זָכָ֥ר וּנְקֵבָ֖ה בָּרָ֥א אֹתָֽם׃
Deutsche Übersetzung (Samson Raphael Hirsch)
Da schuf Gott den Menschen in einer seiner würdigen Hülle; in Gottes würdiger Hülle hat er ihn geschaffen; männlich und weiblich hat er sie geschaffen.
Onkelos
וּבְרָא יְיָ יָת אָדָם בְּצַלְמֵהּ בְּצַלְמָא דַיְיָ בְּרָא יָתֵהּ דְּכַר וְנוּקְבָא בְּרָא יָתְהוֹן
Raschi
ויברא אלהים את האדם בצלמו. בִּדְפוּס הֶעָשׂוּי לוֹ, שֶׁהַכֹּל נִבְרָא בְּמַאֲמָר וְהוּא נִבְרָא בַּיָּדַיִם, שֶׁנֶּאֱמַר וַתָּשֶׁת עָלַי כַּפֶּכָה (תהילים קל"ט); נַעֲשָׂה בְחוֹתָם כְּמַטְבֵּעַ הָעֲשׂוּיָה עַל יְדֵי רֹשֶׁם שֶׁקּוֹרִין קוי"ן בלע"ז וְכֵן הוּא אוֹמֵר תִּתְהַפֵּךְ כְּחֹמֶר חוֹתָם (איוב ל"ח): בצלם אלהים ברא אותו. פֵּרֵשׁ לְךָ שֶׁאוֹתוֹ צֶלֶם הַמְתֻקָּן לוֹ, צֶלֶם דְּיוֹקַן יוֹצְרוֹ הוּא: זכר ונקבה ברא אותם. וּלְהַלָּן הוּא אוֹמֵר וַיִּקַּח אַחַת מִצַּלְעֹתָיו וגו' (בראשית ב')? מִדְרַשׁ אַגָּדָה שֶׁבְּרָאוֹ שְׁנֵי פַרְצוּפִים בִּבְרִיאָה רִאשׁוֹנָה, וְאַחַר כָּךְ חֲלָקוֹ. וּפְשׁוּטוֹ שֶׁל מִקְרָא, כָּאן הוֹדִיעֲךָ שֶׁנִּבְרְאוּ שְׁנֵיהֶם בַּשִּׁשִּׁי וְלֹא פֵי' לְךָ כֵּיצַד בְּרִיָּתָן, וּפֵרֵשׁ לְךָ בְּמָקוֹם אַחֵר:
Raschi (Deutsche Übersetzung)
Gott erschuf den Menschen in Seinem Ebenbilde, in der Form, die für ihn gebildet war; alles wurde durch das Wort erschaffen, er aber durch die Hände, so heißt es (Ps. 139, 5), »Du legtest auf mich Deine Hand«, er wurde mit einem Petschaft geformt wie eine Münze unter dem Stempel, den man Prägstock nennt; so sagt auch die Schrift (Job 38,14), »sie wandelt sich (die Erde) wie Ton unter dem Siegel«. Im Ebenbilde Gottes schuf Er ihn; er erklärt dir, die Form, die für ihn bereitet wurde, gleicht der Erscheinung seines Schöpfers. Männlich und weiblich erschuf Er sie, weiter aber heißt es (2, 21), Er nahm eine von seinen Rippen usw. Der agadische Midrasch erklärt dies (Erubin 18a), Er erschuf ihn bei seiner ersten Erschaffung mit doppeltem Angesicht, und dann teilte Er ihn. — Der einfache Sinn des Verses ist, hier teilt er dir mit, dass beide am sechsten Tage erschaffen wurden, und erklärt dir noch nicht, wie sie erschaffen wurden, das erklärt er dir an einer anderen Stelle.
Kommentar von R. Samson Raphael Hirsch
ויברא א׳ את האדם בצלמו, dieser wiederholt und wiederholt ausgesprochene Satz, daß die leibliche Hülle des Menschen die eines Gottes würdige und der göttlichen Bestimmung des Menschen entsprechende sei, zeigt, welch einen entschiedenen Wert das göttliche Wort auf die Anerkennung der göttlichen Dignität des menschlichen Leibes legt. In der Tat beruht auch das ganze Gesetz nicht zunächst auf der Heiligung des Geistes, sondern auf der Heiligung des Leibes. daß der menschliche Leib mit allen seinen Trieben, Kräften und Organen göttlich, der göttlichen Bestimmung des Menschen entsprechend gebildet und dieser göttlichen Bestimmung des Menschen ausschließlich heilig und geweiht zu halten sei, darauf beruht alle Sittlichkeit des Menschen, und nichts gräbt der sittlichen Bestimmung des Menschen also das Grab, wie der Wahn, welcher das Wesen des Menschen zerklüftet, nur dem Geiste göttliche Dignität zuerkennt, dem Geiste die Weisung giebt, sich zu allem Höhern zu erheben und denkend und ahnend sich in eine höhere Welt aufzuschwingen, dagegen dem Leibe die zügellose Willkür überweist, sich dem Tiere gleich, ja viel tiefer als das Tier in allem Schmutz der Sinnlichkeit zu ergehen, ja, der höheren und höchsten Genialität der Geistes einen um so größeren Freibrief für die sittliche Entartung des Leibes ausstellt. Nicht so der von Gott gezeichnete Menschenberuf. Die Göttlichhaltung, d. h. die sittliche Heiligung des Leibes ist ihm die Grundlage aller sittlichen Veredlung und die Vorbedingung aller geistigen Größe des Menschen, und je höher die zu erringende geistige Größe, um so ernster die Anforderungen an die Beherrschung und Weihe des Leibes. Mit der den Leib Gott weihenden Mila beginnt der die reine Menschheit wieder aufbauende Gottesbund mit Israel, und eine ganze Reihe göttlicher Bestimmungen haben den ausgesprochenen Zweck, den Leib für die geistige und sittliche Gottähnlichkeit des Menschen rein und fähig zu erzeugen, zu nähren und zu erhalten, auf daß er ׳צלם א bleibe und nicht שקץ ,טמא und תועבה werde. זכר ונקבה ברא אותם. Obgleich alle lebendigen Wesen in doppelten Geschlechtern geschaffen waren, wird dies doch nur beim Menschen besonders hervorgehoben, die Wahrheit zu konstatieren, daß beide Geschlechter in gleicher Unmittelbarkeit von Gott und in gleicher Gottesebenbildlichkeit geschaffen seien, eine Parität, die auch durch den Übergang des Singulars in den Plural, אותו in אותם, noch besonders prägnant ausgedrückt ist. Das eine gottebenbildliche Adamwesen steht in zwei Geschlechtern da, die erst beide zusammen den Adambegriff vollständig erschöpfen. — זכר, von זכר, gedenken, verwandt mit סגר ,סכר, der geistige "Bewahrer" der göttlichen und menschlichen Überlieferungen. Das männliche Geschlecht bildet den Fortträger, die Überlieferungskette des Menschengeschlechtes. נקבה, von נקב, ibestimmen, das Bestimmte (wie גנבה ,גזלה von גנב ,גזל); das Weibliche erhält erst im Anschluß an das Männliche und in der Vereinigung mit den Bestrebungen des Mannes die besondere Bestimmung und die besondere Sphäre, innerhalb welcher es seinen Antheil an der Lösung des allgemeinen Menschenberufs zur Erfüllung bringt. Der Mann wählt sich seinen eigenen Beruf, das Weib erhält ihn im Anschluss an den Mann. (Siehe Jeschurun VIII. Seite 529 u. ff.)
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