Die Torah - Die fünf Bücher Mose
Buch:
Kapitel:
Vers:
Hebräischer Text (nach der Masorah)
וַיֵּרָ֤א אֵלָיו֙ יְהֹוָ֔ה בְּאֵלֹנֵ֖י מַמְרֵ֑א וְה֛וּא יֹשֵׁ֥ב פֶּֽתַח־הָאֹ֖הֶל כְּחֹ֥ם הַיּֽוֹם׃
Deutsche Übersetzung (Samson Raphael Hirsch)
Da ward Gott ihm sichtbar unter den Bäumen Mamres; während er vor der Türe seines Zeltes saß, als der Tag glühte
Onkelos
וְאִתְגְּלִי לֵהּ יְיָ בְּמֵישְׁרֵי מַמְרֵא וְהוּא יָתֵב בִּתְרַע מַשְׁכְּנָא כְּמֵיחַם יוֹמָא
Raschi
וירא אליו. לְבַקֵּר אֶת הַחוֹלֶה. אָמַר רַבִּי חָמָא בַּר חֲנִינָא, יוֹם שְׁלִישִׁי לְמִילָתוֹ הָיָה, וּבָא הַקָּבָּ"ה וְשָׁאַל בִּשְׁלוֹמוֹ (בבא מציעא פ"ו): באלוני ממרא. הוּא שֶׁנָּתַן לוֹ עֵצָה עַל הַמִּילָה, לְפִיכָךְ נִגְלָה עָלָיו בְּחֶלְקוֹ (בראשית רבה): יושב. ישב כְּתִיב, בִּקֵּשׁ לַעֲמֹד, אָמַר לוֹ הַקָּבָּ"ה שֵׁב וַאֲנִי אֶעֱמֹד, וְאַתָּה סִימָן לְבָנֶיךָ שֶׁעָתִיד אֲנִי לְהִתְיַצֵּב בַּעֲדַת הַדַּיָּנִים וְהֵן יוֹשְׁבִין, שֶׁנֶּאֱמַר אֱלֹהִים נִצָּב בַּעֲדַת אֵל (תהילים פ"ב) (בראשית רבה): פתח האהל. לִרְאוֹת אִם יֵשׁ עוֹבֵר וָשָׁב וְיַכְנִיסֵם בְּבֵיתוֹ: כחום היום. הוֹצִיא הַקָבָּ"ה חַמָּה מִנַּרְתִּיקָהּ, שֶׁלֹּא לְהַטְרִיחוֹ בְּאוֹרְחִים, וּלְפִי שֶׁרָאָהוּ מִצְטַעֵר שֶׁלֹּא הָיוּ אוֹרְחִים בָּאִים, הֵבִיא הַמַּלְאָכִים עָלָיו בִּדְמוּת אֲנָשִׁים (בבא מציעא שם):
Raschi (Deutsche Übersetzung)
Es erschien ihm, um den Kranken zu besuchen. R. Chama b. Chanina sagt, es war der dritte Tag nach der Beschneidung, und der Heilige, gelobt sei Er, kam und fragte nach seinem Wohle (Bawa Metzia 86b). Im Haine von Mamre, er hatte ihm zugeraten, die Beschneidung auszuführen; darum erschien Er ihm in dessen Anteil (Bereschit Rabbah 48:7). Sass, יָשַׁב ist ohne Waw geschrieben er hatte gesehen und wollte aufstehen, da sagte der Heilige, gelobt sei Er, zu ihm, setze dich, und ich werde stehen; und du seist ein Vorbild für deine Kinder; denn ich werde einst im Rat der Richter stehen, während sie sitzen, so heißt es (Ps. 82, 1), »Gott steht im Rate der Richter« (Bereschit Rabbah). Am Eingang des Zeltes, um zu sehen, ob Leute von da oder von dort kämen, und sie in sein Haus zu bringen. Um die heiße Zeit des Tages, der Heilige, gelobt sei Er, ließ die Sonne aus ihrer Hülle heraustreten, um ihn nicht von Wanderern belästigen zu lassen; weil Er aber sah, wie er sich grämte, dass keine Wanderer kamen, brachte Er die Engel zu ihm in der Gestalt von Männern (Bawa Metzia dort).
Kommentar von R. Samson Raphael Hirsch
וירא אליו. Gottes Gegenwart ist überall, aber sie wird nicht von jedem geschaut. Nur nach einer Hingebung, wie Abraham sie eben geübt und übte, ward Gott sichtbar. — כחם היום, die Glühe des Tages hätte den Schatten aufsuchen lassen. Allein Abraham — und das אליו knüpft ja unmittelbar an das Obige an und setzt das Folgende in unmittelbare Verbindung damit — noch dazu mit dem Schmerz der erst jüngst vollzogenen Mila, sucht nicht den Schatten, gönnt ihn sich nicht, sondern sucht Wanderer, denen die Sonnenglut aufs Haupt strahlt, um sie wirtlich in den Schatten seines Zeltes zu laden. — Es wird Abraham nichts sofort mitgeteilt. Die eigentliche Mitteilung erfahren wir erst später: וד׳ אמר המכסה וגו, die Offenbarung über die beschlossene Zerstörung Sodoms. Es ist dies das erste Mal, in welchem wir Abraham als eigentlichen נביא vor Gott stehen sehen, der מגלה סודו אל עבדיו הנביאים. Diese Stufe hatte Abraham erst in Folge der Mila errungen. Sehen wir die Umstände, unter welchen Gott Abraham diese Offenbarung macht, und ermitteln wir deren Zusammenhang mit derselben. Gott wollte ihm den Untergang der reichsten, üppigsten Städte des Landes offenbaren, das einst der Boden des ihm verheißenen Volkes werden soll, und zwar ausdrücklich: weil Abraham Stammvater eines solchen Volkes werden soll. Nicht für seine Einzelpersönlichkeit hätte Abraham dieser Offenbarung über die Motive des bevorstehenden jammervollen Unterganges des blühenden Städtekreises bedurft. Er stand ja bereits im schneidendsten Gegensatz zu sodomitischer Gesinnung und sodomitischer Lebensanschauung. Die Szene selbst, in welcher die Gottesoffenbarung ihn traf, bewies, daß er für sich dieser Offenbarung nicht bedurfte. Der in Sonnenglut vor seiner Türe sitzende, nach müden Wanderern ausblickende Mann, bei denen er dann wie um eine Gnade, um die Gunst bettelt, sie gastlich bewirten zu dürfen, der Mann braucht nicht erst durch den schrecklichen Untergang Sodoms und Amoras vor Sodoms und Amoras Gesinnung gewarnt zu werden. Allein, damit unter seinen Nachkommen nicht einst in demselben üppigen Lande dieselbe Gesinnung aufwuchere, damit vielmehr die abrahamitische Gesinnung unverlierbares Erbteil der abrahamitischen Kinder und Kindeskinder bleibe, daß nicht einst bei ihnen Üppigkeit und Fülle den gottdienenden, menschenliebenden Abrahams- geist begrabe und vernichte, kurz, damit Abrahams Volk ewig in solchem Gegensatz zu den sodomitischen Lebensprinzipien bleibe, wie ihr Ahn sich in solchem Gegensatz glorreich bewährte: darum steht Sodoms Untergang und Abraham vor seinem Zelte ewig auf einem Bilde vor der Seele seiner Nachkommen. Wie hat man nicht das Judentum, dieses Erbteil der Abrahamiden, und dessen Träger, die Juden, verlästert. Wie sollen nicht diese "Beschnittenen" sich als die bevorzugt "Einzigen" mit ihrem Gotte dünken, wie soll nicht eben dieses absondernde Zeichen sie jedes kosmopolitischen, Menschen und Menschheit umfassenden Gefühles und Gedankens entkleiden, und den Gott des Himmels und der Erde, den Gott aller Menschenseelen ihnen zu dem Gotte ihres Erdwinkels und zu dem Nationalgott ihres Stammes ver- schrumpfen! Da sitzt nun der erste beschnittene Jude! und wo? "In Mamres Hain!" Noch immer unter Aner, Eschkol und Mamre, die nicht אנשי בריתו, die בעלי ברית אברהם waren, die als die Herren ihn in die Bundesgenossenschaft aufgenommen hatten, und, "obgleich beschnitten" war er in seinem Verhalten zu der nicht-abrahamitischen Menschheit ganz derselbe. War es doch — so lehren die alten verschrieenen Rabbinen, diese echtesten Abrahamssöhne — Abrahams einzige Sorge, die ihn in den Sonnenbrand vor seine Tür rief, es möchten jetzt, nach der Beschneidung, die Menschen sich von ihm zurückziehen, lehren dies, um dabei an Abrahams Beispiel seinen Söhnen den Satz einzuschärfen: גדולה הכנסת אורחים יותר מקבלת פני שכינה, Wanderer gastfrei aufnehmen, gilt höher als vor dem Angesichte Gottes stehen! Und welche Wanderer! Unbeschnittenen Götzendienern — denn andere konnte Abraham ja gar nicht erwarten — eilt Abraham aus dem Angesichte Gottes entgegen, um an ihnen die Pflicht der Menschenliebe zu üben! Und wie übt er sie! So jagt keiner einem winkenden Gewinnste entgegen, wie hier Abraham dieser Gelegenheit, als erster beschnittener Jude Mensch gegen Menschen zu sein! Frau und Kind, das ganze Haus setzt er in Bewegung, lässt alles frisch herrichten — als ob in seinem Zelte sonst nichts zur Labung dreier Wanderer vorhanden gewesen — um die ersten Gäste zu bewirten, die sich ihm als erstem נמול darboten! In allem diesen spricht sich die Freude über die beseitigte Sorge, fortan isoliert zu bleiben, aus, die die Weisen ז"ל, die ächten Erben seines Geistes und seiner Gesinnung, so tief und wahr aus seiner Brust herausgelesen. Das Bild steht unmittelbar nach der Mila. Die in der Beschneidungsisolierung heranblühenden Abrahamiden sollen die humansten Menschen sein. Bilden den entschiedensten Gegensatz zur Welt und sollen doch für alles allgemeine Menschliche ewig bereit gefunden werden, für die Pflege dieser edelsten Humanität wurden sie isoliert, und als Herold dieses Geistes hat sich vor allem Abraham als אב und אבר המון גוים als geistiger Vater und sittigende Schwungkraft des Völkergewoges bewährt. Und nicht umsonst ist Abraham in den Sonnenbrand vor seinem Zelte geeilt. Wenn etwas seine Söhne, die verschrieenen Juden, von ihm geerbt, der Genius dieser allweiten Menschenliebe ist von ihm ihnen zum Erbe gefallen. Das hat ihnen keine Zeit abgesprochen. Wo man offene Herzen, Häuser und Hände, wo man Opferwilligkeit für menschliche Zwecke finden will — gottlob, ein Funke von der Abrahamslehre hat nicht umsonst im Schoße der Menschheit gezündet und auch im nichtabrahamitischen Kreise sind sie zu finden — da suchen noch heute selbst die Verächter des Judentums sie in erster Linie auf — bei Juden. Der Erfolg der Erzählung fordert noch eine Erwägung. Wir sehen, wie die Einkehr bei Abraham zunächst die Absicht hatte, Sara einen Sohn zu verkünden. Obgleich Abraham diese Verkündigung bereits geworden, scheint er sich doch nicht für berechtigt gehalten zu haben, sie Sara mitzuteilen (— bei der Bundesschließung hieß es: ,bei der Mitteilung über Sara nicht —). Es scheint die Absicht gewesen zu sein ,לאמר Sara dieses ihr bevorstehende Mutterwerden nur gelegentlich hören zu lassen, damit auch sie die Abnormität ganz in aller Frische treffe, und auch ihr, wie in der Tat geschah, zuerst lächerlich erscheine. Wir haben die hohe Bedeutsamkeit dieses , Lächerlichen" — wir kommen bei Jizchaks Geburt aus dem "Lachen" gar nicht heraus: Abraham lacht, Sara lacht, und כל השמע יצחק und alle Welt lacht — bereits erwähnt, und scheint es daher, wie dem Vater so auch der Mutter haben tief eingeprägt und bei aller künftigen Pflege und Erziehung des Kindes gegenwärtig bleiben sollen, wie ihnen selbst, als sie zuerst von dieser Erwartung gehört, schon der bloße Gedanke "lächerlich" erschienen.
Text herunterladen